Ausgabe 
25.5.1905 Zweites Blatt
 
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Donnerstag 25* Mai 1905

Nr. 122

155. Jahrgang

Zweites Blatt

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen

an

wie

fehr günstig, da sie einen Gegensatz zu den großstädtischen Massenbauten bildet, andererseits bedingt gerade sie die Not­wendigkeit von bequemen und raschen VerkebrSmitteln inner- bald der Stadt, wie sie zurzeit größtenteils noch fehlen« Dazu, kommt die lange Streckung der Stadt in nordsüdlicher Richtung, die geradezu großstädtische Entfernungen verursacht. Der Grund dieser einseitigen Ausdehnung in einer Richtung

Rotationsdruck und Verlag ba Vrühl'lche» UntDerfltäifibrudetet R. Lange, ©lefeau

Redaknon, Expedttion «.Druckerei: Gchulfkr.1, Del. Nr. 6L Lelegr.-31dr. > ©leb«»

Vrscheint K-N- mii Ausnahme des Sonntag-,

Die ^vietzenn FamtlienblStter" werden d, nt ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »Hetfljche tauöroltt erscheint monatlich einmal

Zur Abhilfe kommen in Betracht:

1) Verbesserung der Droschkenverhältnisse,

2) eine elektrische Bahn.

In Bezug auf den ersten Punkt ist Gießen zweifellos dies von Einheimischen und Fremden oft auSgedrückt

Aie Kießener WerKeKrsverHiritniffe.

Von Professor Dr. Sommer-Gießen.

Der Bürgerverein in Gießen Hat in dankens­werter Weise die VerkeHrsverhältnisse der Stadt zum Gegen- stand einer öffentlichen Versammlung gemacht. Bei dieser Gelegenheit stelle ich auf Grund einer längeren Beschäftigung mit diesen Fragen die wesentlichen Punkte systematisch zu­sammen.

Es handelt sich um dreierlei:

I. Die VerkehrsverHältniffe innerhalb der Stadt.

II. Den Verkehr mit der näheren und weiteren Um­gebung*

III. Die Lage von Gießen an den großen deutschen Verkehrslinien.

Zu I. Gießen ist im Verhältnis zu seiner Einwohner­zahl außerordentlich ausgedehnt, was mit der Bauart, dem Einzelstehen der Däuser und den noch vorhandenen alten Gärten zusammenhängt. Ich halte diese Anlage an sich für

wird, zurückgeblieben. Es fehlt vor allem ein telephonisch erreichbarer Droschkenhalteplatz im Innern der Stadt (un­gefähr an der Schulstraße), um rasch an die weit entfernten Enden der Stadt gelangen zu können. Auch in der Nähe der Kliniken wäre ein solcher sehr wünschenswert. Die telephonisehe Bestellung der Droschken am Bahnhof, die öfter vergriffen und abends nicht mehr vorhanden sind, versagt manchmal auch, incnn welche da sind.

Weiterhin ist eine elektrische Bahn, deren Haupt- (inie in nordsüdlicher Richtung läuft und Gießen mit Wieseck und Klein-Linden verbindet, durchaus nötig, woraiif ich schon vor fipben Jahren bei der Behandlung der hiesigen Eisenbabnverbältnisse eingegangen bin. Die Schwierig­keit, daß die oberhessische Eisenbahnlinie die Frankfurterstraße kreuzt und sperrt, bedingt leider eine Ueberführung oder Be­nutzung des Tunnels an der Ludwigftraße, wenn man nicht das Geleis mit der elektrischen Bahn schneiden will. Bei den Abzweigungen müßte einerseis der Anschluß an die Bieber- tal-Bahn durch die Neustadt, andererseits am besten eine Linie zur Aula im Interesse der Studentenschaft geschaffen werden. Daß das früher entwickelte Eisenbahn­projekt mit Verlegung der oberhessischen Linien nicht auS- geführt worden ist, rächt sich jetzt durch Schwierigkeiten in der Lage der elektrischen Linien ober Kosten bei einer lieber» führung der oberhessischen Bahn. Leider müssen diese Folgen jetzt getragen werden.

Das VerkehrShemmnis durch die oberhessischen Eisenbahn­

linien ist, der Voraussage entsprechend, immer stärker gewordenx auch im Offen, am Schiffenberger Weg, wo die Bebauung weiterschreitet, wird dies deutlich. Wenn jetzt allein für die Ueberführung der Eisenbahn an dieser Stelle Gießen 200 000 Mk. zahlen soll, so ist ersichtlich, wie nötig die völlige Verlegung der Linien gewesen wäre. Ter eiserne Gürtel nut Absperrung der Stadt von der Lahn und bogen- örmiger Einklemmung durch die oberhessische Bahn wird immer lästiger für die Entwicklung der Stadt, darüber kann uns selbst der schöne Uhrtnrm deS neuen Bahnhofes nicht täuschen. Trotz der im Gange befindlichen vielfachen Aende- rungen und Verbesserungen des Bahnhofes im einzelnen bleibt ür die Stadt im wesentlichen alles beim alten. Eine Halte­telle Gießen-Nord ist immer noch nicht vorhanden.

Dabei kommt II. die Verbindung GießenS mit bet näheren und ferneren Umgebung sehr in Betracht. Wieseck, ein Ort von über 3000 Einwohner, ist immer noch ohne Eisenbahnverbindung, besonders mit Gießen. Nach meinem Plane sollte die Strecke von Fulda über Großen-Buseck und Gießen-Nord eingeleitet werden, wodurch gleichzeitig Wieseck die richtige Verbindung nach beiden Seiten und Gießen eine Haltestelle im Norden bekommen hätte, während die Strecke, die den Wald an den Schießständen und den Schiffenberg-t Weg schneidet, weggefallen wäre. Würde die Stadt 200 000 Mk., die jetzt allein für die Ueberführung am Schiffenberger Weg gefordert werden, zu der Verlegung der Linien bieten, so ließe sich jetzt vielleicht wenigstens noch dieser Teil deS Eisenbahn- vrojekteS mit Abzweigung von Rödgen nach Wieseck und Gießen-Nord zur Ausführung bringen.

Die sonstigen Pläne, Anlage einer Bahn von Gießen über Wieseck nach Beuern oder Verlegung der Kasseler Strecke über Wieseck nach Gießen, scheinen mir weniger geeignet. Richtig ist es immer noch, Wieseck durch Anschluß nach beiden Seiten (Gießen und Großen-Buseck) in die größere Eisenbahn­linie nach Fulda einzureihen.

Außer der Verbindung mit Wieseck kommt auch die mit Heuchelheim und dem Biebertal für Gießen immer mehr in Betracht. Hierbei ist der Mangel der Verbindung zwischen der Biebertal-Balm und dem Hauptbahnhof mit Bedauern zu erwähnen. Die vorhandenen Geleise bis zum Güterbahnhof werden nicht anSgenutzt, weil der nötige An- schluß an den Hauptbahnhof fehlt. Dies ist völlig unzweck­mäßig. Es ist daher die Verbindung des HauptbahnhofeS mit dem Geleise der Viebertal-Bahn durch einen Tunnel oder eine Ueberführung anzustreben mit Abgang der Züge inS Biebertal vom Hauptbahnhof und Haltestelle an der jetzigen Station.

Neben dieser Lösung wäre eS auch möglich, daS Süd­ende der Stadt, das sich überraschend schnell entwickelt, mit Heuchelheim und dem Biebertal in näheren Zusammenhang zu bringen, indem man in der Fortsetzung der Klinikstraße und der Eisenbahnbrücke die Lahn überbrückt und eine direkte Verbind ungs st raße nach Heuchelheim legt. Dadurch würde der große Umweg, den man jetzt vom Seltersberg nach Heuchelheim und inS Biebertal machen muß, vermieden. Z. B. würden die Kliniken vom Biebertal auS rascher erreichbar werden. Eine solche neue Straße, die auch das rechte Ufer der Lahn mehr zugänglich machen und der Bebauung öffnen würde, muß auf die Dauer kommen, nach­dem bie Stadt von der Gegend der jetzigen Lahnbrücke so weit nach Süden gewachsen ist. Durch die Eröffnung deS Geländes rechts dec Lahn würde wohl auch die außerordent-

li?gt zum Teil darin, daß Gießen durch den Eisenbahndamm der Lahn in der Entwicklung nach Westen gehemmt ist.

ynlitifrlif Taqesschnu.

Ein humaner Antrag.

Die Verhandlungen der gegenwärtig in Berlin tagen­den Kreissynoden bieten diesmal dem kirchlichen Leben manche interessante und was mehr sagen will, beherzigens­werte Anregung. So gelangte ein Antrag zur Erörterung: die zurzeit für die Beerdigung von Selbstmördern kirch­licherseits bestehenden Beschränkungen aufzuheben". Zwar ist der Antrag gegen sieben Stimmen abgelehnt worden, aber schon die Tatsache, daß er gestellt und ohne Erregung diskutiert wurde, spricht dafür, daß auch auf diesem dunklen und traurigen Gebiete mehr und mehr eine freiere, humanere Auffassung zur Geltung kommt. Auch grundsätzliche Gegner der Mitwirkung von Geistlichen bei Selbstmörderbegräb- nissen verkannten nicht, daß hier eine schemati'che Beurteil' ung nicht am Platze sei. Ein Redner, Propst v. d. Goltz, äußerte:Ein verführtes Mädchen, das mit dem Kinde unter dem Herzen ins Wasser geht, ist viel besser und steht der Barmherzigkeit Gottes näher als der Verführer in Uniform, der vielleicht nächstes Jahr eine reiche Heirat macht!" Es brauchte indessen nicht gerade auf den Ver­führerin Uniform" Bezug genommen zu werden, denn Männer, die einem armen Mädchen die Ehre nehmen und es der Verzweiflung überlassen, sind leider in allen Ständen zu finden, in den unteren wie in den oberen: aber das Beispiel zeigt, wie berechtigt in Fällen dieser Art es ist, dem Zug des Herzens statt einem starren und strengen Prinzip Folge zu geben. Anzengruber hat in feinemPfarrer von Kirchfeld" eine erschütternde Szene, die den Geistlichen vor einen ähnlichen Konflikt stellt. Es ist die Szene, wo der Steinklopferhans den Pfarrer Hell anfleht, der innigft- gelicbten Mutter, die sich das Leben genommen, den Segen der Kirche nicht zu verweigern. Mit ergreifender Kraft und lleberzeugung läßt der Dichter den Pfarrer antworten. Er, der Priester, willfahre gerne dieser Bitte und er werde es immer tun denn nicht dem Toten, sondern den Utber- lebenden treibe die Versagung solcher Tröstung den Stachel ins Herz. Wir hätten die einoringlichen und milden Worte gerne von dem Befürworter des Mittags auf der Kreis- synode vernommen.

Aeutsch-Südwestasrika.

Berlin, 24. Mai. Amtlich wird au5 Deutsch-Süd- westafrika gemeldet: Hauptmann Siebert gelang es am 19. Mai, unweit Hasuur den Bandenführer Morenga und den Kapitän der Veldschoendräger Hans Hendrik mit 150 Hottentotten nach vierstündigem Gefechte zu schlagen und über die englische Grenze zu werfen, wo sie von der englischen Polizei entwaffnet wurden. Samuel Isaak, dessen Nachzügler zuletzt bei Mukorob unter Ar­tilleriefeuer genommen worden waren, scheint sich nach dem Auob gewandt zu Haber»: dort sanden, in der Gegend von Ko wes, am 16. und 18. Mai verschiedene Gefechte gegen starke Hottentottenbanden statt, in deren Verfolg der Feind nach erheblichen Verlusten unter Zurücklassung von Toten und Gewehren in nordwestlicher Richtung, anschei­nend nach dem Nossob, abzog. Der Bethanierhäuptling Cornelius hat seine Flucht in der Richtung nach dem kleinen Karrasberge fortgesetzt, und Major Täubler und Hauptmann v. Koppy haben ihm auf der Verfolgung weiteres Vieh abgenommen. Am 12. Mai gelang es der Ersatzkompagnie la, den Hererokapitän Andreas, der sie vom Nuuibob-Gebirge nach dem Kuisebtal gedrängt hatte, in der Verfolgung etwa bei Hudaot zum Kampf zu stellen und zu schlagen. Die Verfolgung wird von verschiedenen Seiten fortgesetzt. __ ____________

Kirche und Schule.

Die Entlastung der Schuljugend in Würt- fernher g. Dem Kampf gegen die Hausaufgaben, den insbchondere Prof. Dr. Jäger in Stuttgart unter- - '.mimen hat, scheint nun doch wenigstens em teilweiser Er- -väg beschieden zu sein. Die Unterrichtsverwaltung hat sich entschlossen, die Hausaufgaben und zugleich die ganze Ein­teilung des Stundenplans in den höheren Schulen einer Neuordnung zu unterziehen. Sie kann sich zwar nicht dazu verstehen, die Hausaufgaben ganz abzuschaffen oder wenigstens auf den Memvirstofs zu beschränken, weil sie in schriftlichen Hausaufgaben ein unentbehrliches Mittel er- Klickt, die Schüler an selbständiges wissenschaftliches Arbeiten zu gewöhnen. Mer man denkt an eine gewisse Beschränkung der Hausaufgaben in einzelnen Materien z. B der Mathe­matik, und an Erleichterungen, namentlich tn den Klassen, wo durch den Hinzutritt zweier neuer Fremdspracheneine recht erhebliche Ueberbürdung der jugendlichen Gehirne m besonders wichtigen Lebensjnhren" sich geltend macht Frei bleiben tioit Hausaufgaben soll ein Nachmittag in der Woche, an dem dann Turnspiele gepflegt werden sollen. Man geht hierbei davon aus, baß die freien Nachmittag« als solche, die übrigens durch die Turnspiele nicht eingeschränkt werden sollen, ebensowenig wie die dem eigentlichen Turnen ge- widmete Stundenzahl, noch nicht ^eres auch für die körperlich« Erfrischung gewonnen smd Darum soll von der Schule aus die Bewegung tnt Freren in bestimmte Bahnen geleitet werden. Die Sache wird versuchsweise schon jetzt flir ^einige größere Anstalten ins Werk gesetzt werden Vom kommenden Schuljahr ab so' sie allgemein gemacht und dann auch auf die höheren Mavchenschulen ausgedehnt werden. ------- -----

2t M.c

Der Antrag Mell nach welchem Handelsagenten nicht mehr des Wanbergewerbescheins bedürfen sollen, wird debattelos defmi- «v Amchmigt Antrags v. Treuenfels M, der

eine Amderung. b®S 833 des

antragt, daß.eine Swadenersabvslicht des °rhaU ters nicht emtritt, wenn der Schaden w rm N seines Berufs nrsacht wurde, das dem Tierhalter zur Ausübung s

oder zu seiner Erwerbstätigkeit bient, ober « fernem Unterhalt zu bienen bestimmt ist, und, wenn ^Tierhalter das ^i.r gehörig beaufsichtigt hat, erklärt, sich W Spahn (Ztr.) mit der Tendenz des Antrags einverstanden

Staatssekretär Nieder ding cctlart sich für seine lerstn

bereit, in eine Wohlwollen de Prüfung der Verhältnisse einzu- 1 treten. Namens der Negierung könne er feine Erklärung ab-- -

Abg. Molkenvubr spricht sich scharf gegen den Antrag ans W den reichen Tierhalter auf Kosten von armen Arüpveln entlasten wolle.

Abg. v. Treuen fels kkons.) w'ist darauf hm, daß die Tierlmller doch k ineswegs immer reiche Leute seien, beispiels­weise die Droschkenkutscher vrb Produktenhändler.

W Bargmannsfr. Vp.^ sagt, ferne Partei verkenne nt*t die Härten des § 833 und werde der Resolution zustimmen. Er fordert die Negierung auf, Material Über diese Frage zu sammeln. Zu einer Aendernng des Paraarivbm scheinen ihm aber die bis­herigen Unterlagen nicht zu genügen.

Abg. Hilbck fnl.) führt Beispiel? an, wo Tiere obne Ver­schulden der Tierhalter Schaden angerichtet und dadurch bieTier- balter bastbar gemacht haben Das treffe gerade den kleinen Manw Seine Partei werde für den .Kommiss'ansbsschfuß stimmen. Er bittet, dem Anträge des Ma v. Treuenfels die Form einer Resolution zu geben, nach welcher die verbündeten Negierungen möglichst ein Gesetz vorlegen sollen. _ .

Abg. Noeren (Ztr.1 legt dar, daß eine Abänderung des 8 833 schon deshalb angezeigt sei, weil in ibm die Verurfach- ungStbcorie herrsche, anstatt die V-'rfchulbungstheori?, die sonst in dem Bürgerlichen Gesetzbuch überall zu Geltung komme.

?Fbg. V o g t - Hall iDd. b. Ldw? befürwortet den KnmmissionS- beschluß und sagt, bie bisherige Regelung des Tierschabens habe der Sozialdemokratie viele Stimmen zugeführt, denn die Be- t reffen en fef öbm die Schuld an der jetzigen Regelung aus die bürgerlichen Parteien. .,

Llbg. Müller-Meiningen ssr. Vp.) beenfragt. den Reichs­kanzler au ersuchen, eingehende Erleb'mgen über die bebanweten Härten des § 833 zu veranlassen und bei der Revision des Bür­gerlichen Gesetzbuckts auch den § 833 zu amendieren.

Abg. Schmidt-Warburg (Ztr.) sprießt sich gegen dm Antrag Müller-Meiningen aus der nur zufällig die erforderliche Zahl von 30 ihn unterstüdenden ?ll>geordueten erhalten stabe.

Mg. M olkenbuhr lSoz.s bekämpft nochmals den Antrag.

Abg. Böckler (Rfp.l hebt l>ervor, baß gerade der unbemittelte Tierhalter durch die Ersatzpfffcht für einen Schaden, den er nicht verschuldet habe, ruiniert werden könne.

W M üller-Meiningen (fr. Vp.) erklärt, die Klagen richteten sich weniger gegen die gesetzlichen Bestimmungen, als gegen bie bezügliche Rechtsprechung. Fange man am Bürgerlichen Gesetzbuch zu ändern an, so müßten auch bie Bestimmungen über die Automobile und über bi; Grimdstücksverkäufe geändert werden.

Abg. v. Treuenscls (kons.) entgegnet, es handle sich stier nicht um die Frage der Rechtsprechung, denn die Gerichte könnten auf Grund des § 833 nicht anders entscheiden, als sie

Die Resolution Müller-Meiningen wird abgelehnt, die Resolution der Kommission zum Antrag Treuenfels gegen die Stimmen der Freisinnigen und der Sozialdemokraten an­genommen. , ...

Es folgt die dritte Lesung des Gesetzentwurfs, betreffend Aenderungen der Zivilprozeßordnung.

Abg. Himburg skons.' erflnrt, bie Konservativen oedauerten, daß manche Materien der Rechtsprechung des Reichsgerichts ent­zogen würden. Da aber die Entlastung des Reichsgerichts dring­lich und unumgänglich sei, stimmten sie für den Gesetzentwurf in der Fassung der Kommission. ~

Abg. Stadthagen (Soz.) hält seine früheren Ausführ­ungen über den Fall Ring und über bas Verhalten des preußi­schen Justizministers aufrecht. r _

Mg. Blumenthal (dtsch. Vp.), spricht sich gegen bie Er­höhung der Nevisionssumme aus, bie unsozial sei.

Damit schließt bie Generaldebatte und der Gesetzentwurf wird definitiv gegen die Stimmen der Freisinnigen, Polen, Sozialdemo­kraten, der Wirtschaftlichen Vereinigung und der Neformpartei an­genommen.

Es folgen Wahlprüfungcn. ,

Zunächst wirb die namentliche MstimmunA über die Wahl Barbeck (fr. Vp.) Erlangen, Fürth wiederholt. Bei der früheren Abstimmung über den Antrag auf Giltigkeit war das Haus be­schlußunfähig. Die Wahl Barbecks wird heute mit 109 gegen 100 Stimmen bei 17 Stimmen Enthaltung für ungiftig erklärt.

lieber die Wahl Brejski (Pole) Thom, Kulm Briesen, welche die Kommission für ungiftig zu erklären beantragt, entspiimt sich eine längere Debatte. Die Wahl wird in einfacher Abstimmung für ungiftig erklärt. , , , ,

Die Wahl des Mg. Korfanty (Pole) wird in einfacher Ab­stimmung gegen die Stimmen der Polen, Sozialdemokraten, Frei­sinnigen und einiger Antisemiten für ungiftig erklärt.

Nachdem die Petitionen betreffend die Einsührnng des Be­fähigungsnachweises für die Handwerker und be­treffend die Befugnis zum Halten von Lehrlingen der Negier» ung zur Berücksichtigung überwiesen worden waren, wird ein Vertagungsantrag angenommen. _ rtl ,

Bei der Feststellung der Tagesordnung beantragt Mg. Gras Hompesch (Ztr.), die Derggesetzanttäge auf die Tagesordnung zu setzen, worüber namentliche Abstimmung beantragt wird.

Abg Singer (Soz.), richtet an den Präsidenten die Ditte auf Verlesung der Namen der Antragsteller. Er erhält einen Ordnungsruf, da er den preußischen Landtag die Karrikatur einer Volksvertretung nennt

?fbg Bachem (Ztr.) begründet den Antrag feiner Partei.

Mg. Paasche (nf.) spricht sich dagegen aus, vielfach von der Linken unterbrochen.

Nach weiterer Geschaftsordnungsdelwtte findet namentliche M- stimmung über den Antrag Hompesch statt, welche die Beschluß­unfähigkeit des Hauses ergibt, ba nur 181 Abgeordnete ab­stimmen. , . _ , c

Der Präsident setzt darauf für morgen folgende Tages­ordnung fest: Kleinere Vorlngen, Börsengesctznovelle.

Schluß 6^ Uhr.