Ausgabe 
24.10.1905 Erstes Blatt
 
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und agrarische Kreise richten den Haupstmderstand nach wie vor gegen die Reichserb'waftssteuer. So schreibt die bündlerischeTagesztg":

Wenn njnn hier und da meint, daß der Widerstand gegen die ReichserbschaflLstcuer in konservativen Kreisen abflaue, so gründet sich biete Anschauung nur auf ver­einzelte Preßäußerungen. Wir glauben kaum, daß die konservative Partei in ihrer Mehrheit geneigt sein werde, ihren wohlerwogener! grundsätzlichen Standpunkt preis­zugeben."

Tie kons. Opposition wird die Reichserbschaftssteuer nicht zu ^dll bringen, dazu i'r sie im Reichstag bei weitem nicht mächtig genug. Es ist ron einem Gcsamtsteuerertrag von unciesähr 200 Millionen gesprochen worden. Wir halten die Schätzung für zu niedrig. Dreihundert Millio­nen werden wohl heraus kommen!

*

Roch ein Minister-Rücktritt in Preußen.

Uns wurde gestern aus Berlin gedrahtet, daß der preuß. Jinanzminister Frhr. v. Rheinbaben als Ober- präsident nach Koblenz zu gehen gewillt sei. Verhält es sich in der Tat so, dann wird kaum anzunehmen sein, daß Herrn v. Rheinbaben die Ministerschaft deswegen ver­leidet ist, weil der Enttvuri der Finanzreform nicht seinen Wünschen entsprechend sich gestaltet, speziell bezüglich der Reichserbschaftssteuer, gegen die vom preuß. Finanzministerium bis zutept Bedenken geltend gemacht wurden. Es erscheint vielmehr die Vermutung gerechtfertigt, daß Frhr. v. Rheinbaben die Zeit nicht abzujehen vermeint, in der sich ihm Aussicht eröffnet aus Berufung in eine noch höhere Stelle, als die des Leiters der preuß. Finanzverwaltung. In postt. Kreisen Berlins galt Frhr. v. Rheinbaben dereinst allen Ernstes als k o m m en d e r Mann. Ter gewandte und kenntnisreiche Nachfolger Miguels hatte auch im Gegensatz zu diesem die Gepflogen- heit, häufig im Reichstage zu erscheinen und dort pro­grammatische Reden zu hatten. Es sei nur an seine scharfen Auseinandersetzungen mit den Sozialdemokraten zurzeit der Zolltarifkämpfe erinnert. Doch Fürst Bülow hat allem Anschein nach seine Position als leitender Staatsmann je länger desto mehr befestigt. Die Möglichkeit eines Kanzlerwechsels dürfte für absehbare Zeit also nicht in Frage kommen. Andererseits ist Frhr. v. Rhein­baben ein verhältnismäßig innger Staatsmann. Er hat unlängst erst das 50. Lebensjahr vollendet. Wenn er wirk­lich geneigt sein sollte, das undankbare Amt des preuß. Finanzministers mit dem angenehmeren eines Oberpräsi­denten zu vertauschen, so braucht er darum noch nicht aller .Hoffnungen auf staatsmännischen Aufstieg sich zu cnt- schlagen. Charakteristisch für die Aera Bülow aber bleibt es, daß die Mitglieder des Ministeriums in ihren A e m t e r n nicht recht heimisch zu werden scheinen. Es ist das die interessante Kehrseite der Medaille, die Fürst Bülow bei seinem Amtsantritt der Oeffentlichkeit präsen­tierte und auf der geschrieben stand:Einheitlichkeit des Ministeriums".

Präsident Loubet

kam am Montag mittag um 12 Uhr im berühmten span. Schlosse Eskorial an, besuchte dort das Schloß, das Kloster, legte Kränze am Grabmal Alphons äII. nieder und besuchte die Prinzessin von Asturien. Tann reiste er nach Madrid ab. An allen Orten, die der Zug durchfuhr, wurde er mit .Hochrufen begrüßt. Um 3 lUyr traf der Präsident in Madrid ein. Tic Stadt ist reich geschmückt. Ter König holte den Präsidenten vom Bahnhof ein. Ter Einzug verlief ohne Zwischenfall. Tas Wetter war tagsüber kühl und regnerisch und die Stimmung während des Einzugs Loubets eher still. Tie Marseillaise wurde durch Händeklatschen begrüßt. Eine größere Begeisterung war erst zu bemerken, als der Präsident die spanifckw Fahne grüßte. Loubet und Ministerpräsident Rouvier statteten dann der Königin- Mutter und anderen Mitgliedern der kgl. Familie Besuche ab. Tie Königin-Mutter gedachte bei ihrer Unterredung mit Loubet der Zwischenfälle während des Aufenthalts des Königs Alphons in Paris und dankte dem Präsidenten für alle dem Könige erwiesenen Aufmerksamkeiten.

Loubet verlieh dem 20jährigen Prinzen Ferdinand Maria von Bayern (besten Mutter und Großmutter svanisehe Infantinnen sind. T. R.) das Groß kreuz der Ehren­legion. Der Prinz hat sich am 20. Ost. zu Madrid mit der I n f a n t i n M a r i a T h e r e s i a v e r l o b t. Da der kgl. spanische Hof zurzeit aus ganz wenigen Mitgliedern besteht, würde cs dem König und der Königin-Mutter von Spanien zu schwer gefallen sein, die einzige Schwester und einzige Tochter ins Aus­land gehen zu scheu. Der König hat daher durch einen Spezial­gesandten, Merry del Bal, dem bahr. Prinzregenten den Wunsch übermitteln lassen, den Ucbertritt des Bräutigams in die spanische Armee genehmigen zu wollen. Ter Prinz­regent hat diesem Wimsche stattgcgeben.

Jeutfch-Südwestafrrka.

Wie dieNat.-Ztg." hört, wird dem Reichstage kurz nach seinem» Zusammentritt eine Denkschrift über die Kriegs^ ereignisse der letzten Zeit in Südwestasrika zugehen. Außerdem sollen Forderungen eingebracht werden, die sich auf den wirt- schaftliehcn Wiederaufbau der Kolonie beziehen, u. a. Forderungen betr. Entschädigung der Farmer, um ihnen die Wiederaufnahme des Farmbetricbes zu ermöglichen und betr. den Dau der Eisen­bahn Lüderitzbucht-Kubul-Ketmannshop. Die Möglichkeit diese? Eisenbahnbaues ist durch Ingenieure der Eisenbahntruppe fest­gestellt worden.

DerReichsanz." veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß betr. die Anrechnung des Jahres 1905 als Kriegsjahr für die 1905 ort der Niederwerfung des noch andauernden .Hereroaufstandes in Südwestafrika beteiligten Deutschen.

Ausstiche Meuigkeilen.

Der Streik der Eiienbahnbeamten und Arbeiter hat enorme Dimensionen angenommen. Bon den 13 in Mos­kau mündenden Bahnen sind jetzt 11 still gelegt. Passagiere schildern die Verhältnisse in ben grellsten Farben. Die Bahn­höfe sind überfüllt, die Reisenden harren schon seit vier Tagen ihrer Weiterbeförderung und sind unterdessen gezwungen, in den Wartesälen wie in den Nebenräumen Tag und Nacht zu kampieren.

Die Passagiere der angehaltenen Züge sind in Verzweiflung: manche von ihnen erhalten Unterstützungen, um sich ernähren zu können.

Auf einigen Bahnhöfen ist mich die elektrische Be­leuchtung zerstört und nur dürftige Kerzen brennen. Tie Geschäftswelt erleidet durch diese Verkehrsstockung bedeutende Ver­luste. Die Preise der Lebens mittel in Moskau steigen fortgesetzt, da keine Zufuhr erfolgt. Auch die Briefträger haben sich jetzt dem Streik angeschlosscn. Tie Eiscnbahw- bcamtcn verlangen den 8 Stundentag, ferner Straflosigkeit der Stteikenden, Aufhebung des Belagerungszustandes, Amnestie, po­litische Freiheit, Wschaffung der Todesstrafe, allgemeines Wahl­recht usw. Der Wegbauminister Fürst Chilkow versuchte am Sonntag zwei Stunden lang die Moskauer Maschinisten zur Arbeitsaufnahme zu bewegen. Nur einer ließ sich überreden und fuhr mit dem Minister auf der Maschine eines nach Rjasan abgehenden Zuges.

Nach zuverlässigen Privatmeldungen ist ein Schnellzug trt der Nähe von Petersburg, der mit etwa 840 Reisenden besetzt war, von Räubern zum Stehen gebracht worden, worauf die Reisenden zur Hergabe ihrer Barschaft gezwungen wurden.

Uuch in Kirsanow, Charkow, Balaschow und Sa­

ratow ist der allgemein? Eisenbahncr'Ausstand ausgebrochen, dem sich vielfach die Industriearbeiter an schlie ßen.

Am Montag wurde der Ausstand in sämtlichen Mühlen und Werkstätten und in der staatlichen Brannt­weinniederlage erklärt.

Die Voruntersuchung gegen die Veranstalter und Verüber der Greueltaten in Baku ist abgeschlossen worden. Das Unter- suchungsmaterial erstteckt sich aut über 400 Brandstiftung en. Ter Prozeß gegen die Unruhestifter, mehrere hundert an der Zahl, wird Mitte November seinen Anfang nehmen.

Tie Aerzte vom deutschen Roten Kreuz, die Doktoren Col- mcrs (früher in Gießen) und Schütze, wurden am Montag nach ihrer Rückkehr au? dem fernen Osten vom Zaren in Audienz cmvs^ng?','. ________________

Deutscher Reich.

Berlin, 22. Okt. Harden hält in derZukunft die Behauptung, daß der Kaiser das Wort von dervollen Kompottschüssel" mit Rücksicht auf die sozialpolitische Für­sorge für die Arbeiter gesprochen habe, auftecht. Er schreibt, er wisse, warum, zu wem, in welchem Zusammenhänge es gesprochen sei, und bitte dieTementier-Knappschaft" um die Gelegen­heit zu dem gerichtlichen Beweise, daß es just so gelautet habe, wie er es wiedergab. Bekanntlich hat Fürst Bülow dementiert, daß der Kaiser das Wort zu ihm gesprochen habe.

Der Kaiser hat an Minister v. Möller folgendes Handschreiben gerichtet:

,,Mcin lieber Staatsminister Möller! 'Ihrem Ansuchen um Entlassung aus dem Amte als Minister für Handel und Gewerbe habe ich entsprochen. Ich Tann es mir aber nicht versagen. Ihnen für die treuen Dienste, welche Sie mir und dem Vaterlande geleistet haben, meinen wärmsten Tank auszusprechcn. Als Zeichen meines Wohlwollens verleihe ich Ihnen hiermit den erblichen Adel. Tas betreffende Di­plom wird Ihnen demnächst zugchen. Ich verbleibe Ihr wohl­geneigter König Wilhelm."

Tie Hochzeit des Prinzen Eitel Friedrich mit der Prinzessin Sophie Charlotte von Oldenburg wird am 27. Febr. des, nächsten Jahres ftattfmden. An demselben Tage feiert das Kaiserpaar silb. Hochzeit.

Der ,verw. Frau Staatsminister Freifrau v. Ham­me r ft e i n in Berlin, Frau Staatsminister Freifrau von Rheinbaben in Berlin und der Rentnerin Frau Witwe Louis Haniel in Düsseldorf wurde die zweite Klasse der zweiten Abteilung des LuiscnordenS mit der Jahreszahl 1865 verliehen. DerStaatsanz." veröffentlicht ferner eine große Reihe ans Anlaß des Geburtstages der Kaiserin er­folgten Verleihungen der Roten Kreuzmedaille zweiter bezw. dritter Klasse.

-7- Dem ,.B. T." wird von mehreren Seiten berichtet, daß sich in den Büchern der Firma von Tippelskirch u. Co. zwei my st eriöseTeil Haber -Konten finden, cm Konto V., dessen Inhaber Herr von Podbielski und ein Konto St., dessen Inhaber der Kolonialdirektor Tr. Stübel fei.

- Der hessische Finanzminister und Bevollmächtigte zum Bundesrat G u a u t h ist aus Darmstadt in Berlin eingetroffen und hat im Hotel Kaiserhof Wohnung acnmnmen.

Hier tagten .Vertreter verschiedener Beamten­verbände, die sich in Form eines Kartells zu einem größeren Ganzen zusammenschlicßeii wollen. Es handelt sich um die gemeinsam anzustrebende geistige, wirtschaftliche und gesell­schaftliche Hebung und Sicherung des mittleren Be­amtentums, soweit e5 aus dem Zivilanwärtcrftande hervorgegangen ist und über eine höhere Schulbildung verfügt. Unberechtigte Angri^e ans dgs Beamtentum im all­gemeinen und die in der neuen Vereinigung im besonderen ver­tretene Bcamtenkatcgorie sollen in angemessener Form abgewehrt und an die Stelle der jetzt erscheinenden Fachtzeitungcn ein einziges Organ gesetzt werden. Wie wir hören, umfassen die Kartell- Verbände zusammen annähernd 10 000 Mitglieder.

Magdeburg, 23. Oktober. Im Hinblick auf die bereits für 1906 zu erwartende gesetzliche Schließung aller freien Hilfskassen erfolgte hier nach zweitägiger Verhandlung die Begründung eines Verbandes kaufmännischer Krankenkassen Deutschlands. Vertreten waren 25 Be­rufsverbände. Zum Vorsitzenden wurde Ernst Vespcr-Barmen. gewählt.

Anstand.

Newy0rk, 23. Okt. Korea steht anscheinend am Vor­abend einer Revolution. Die Verschwörer wollen die Dy­nastie entthronen und Unabhängigkeit von Japan erringen. Mehrere Verhaftungen sind in Söul erfolgt: die Verhafteten verweigern aber jede Aussage. Man erwartet, daß die Japaner einsck'reiten werden.

P a r i s, 23. Okt. I a u res erklärt heute in derHumanitv", er sei nie für eine Allianz mit T e u t s chl a n d eiw netreten. Tie Freundschaft Deutschlands mit dem Sultan und die deutsche Politik in Ostasien genügten, um eine solche Allianz unmöglich zu machen. Ebensowenig wie er eine deutsche Allianz wolle, erkenne er der deutschen Presse das Recht zu, zu verlangen, Frankreich solle sagen, was es im Falle eines deutsch­en g l i s cha n Krieges tun würde. Kein Volk habe das Recht, von anderen Verpflichtungen angesichts einer so fernen Hvpothesc zu fordern. Nein, Frankreich müsse seine völlige Handlungs­freiheit bewahren, dürfe aber diese Freiheit nickst für die Politik militärischer Revanche, sondern für eine Politik des Friedens benutzen. Auch dann fei die Kriegsgefahr nicht völlig geschwun­den. Deutschland habe, selbst wenn es sich nur gegen einen Angriff zu schützen glaube, eine brutale und p l u m v c M a - ui er, die in den Herzen Verstimmung und Erbitter­ung zun'icklasse, und auch England verfolge egoistische Plane. Aber Frankreicks moralisch? Autorität gegenüber einer solchen egoistischen Politik werde größer sein, wenn es sich resolut für immer 'gegen jede An g r if ss pol iti k aussprcchen würde.

Ter ehemalige Marineminister Lancssan, der natio- naliftische Deputierte Oberleutnant Rousset und der aus dem Drcp- sushandel bekannte Oberst Pieguart veröffentlichen Artikel, welche die Befestigung von Nancy und die Errichtung neuer strategischerBahnverbindungen an der Oft grenze die Beschaffung schwerer Feldartillerie und die 'ständige Erhaltung der G r e n z t r u p p e n auf Kriegsstärke für un­abweisbar liinzustellen. Die Kosten hierfür werden auf etwa 600 Millionen geschätzt. Ter Regierung ist diese Einmütigkeit in der Vorbereitung der öffentlichen Meinung auf neue Opfer durchaus willkommen (?)

Rom, 23. Okt. Außer mit dem Fürsten Bülow (?) wird xittoni im nächsten Monat auch eine Begegnung mit Rouvier haben.

Der P a p st las heute gegen den Rat seines Leibarztes m Gegenwart seiner Schwestern und anderer Verwandter die Messe und empfing 200 Pilger. Er erschien etwas abge- magert und angegriffen. Er ist leichten Derzaffektionen unterworfen.

- T a n g er. 23. Okt. Tie hiesige englische ZeitungAl Moghreb" befürwortet eine deut, ch-englische Verstän­digung. Sie weift nach, bah zwischen beiden Ländern keine G e g e n s ä tz e außer künstlich geschaffenen beständen. Die Eng­länder in Marokko müßten anerkennen, daß Deutschland durch sein Eintreten für seine Interessen den englischen gleich- falls einen großen Dienst erwiesen habe. Diese Schuld könne dadurch abgetragen werden, daß man die Beziehungen zwischen England und Deutschland bessern h-lse Es bedürfe dazu keiner ülbkommen, in denen über schwächere Mäckte verfüat werde Die Hälfte der Mühe, welche die Herstellung der jetzt angenehmen englisch-französischen B-ziehungen gekostet, würde zur Schaffung e 1 n e s v ö l l i - e n Einvernehmens zwischen Englsnd und Deutschland genügen. Diese Auffassung lnt oller hiesigen Engländer und Deutschen und an

ber Westküste, hegt man d fallt-'e Gesinnungen.

a 11 e n te gab, nacktem eine einstundige Unterredung pOrsu»,egangen war, die gefangenen englischen Offi­

ziere gegen die Freilassung von fünf durch die marokkanische Regierung gefangen gehaltenen Personen heraus. Er stellte auch die Bedingung, daß noch zehn andere Gefangene frcigelassen weichen. Ter Vertreter des Sultans machte sich anheischig, daß das Verlangen gewährt werde.

Tie englische Gesandtschaft wird ungefähr ant 6. November von Fez abreifen. Ter Gesandte Lowther hat amtlich das Verlangen gestellt, daß der Räuber Valiente bestraft werde. Valiente hat. als die Auswechselung seines Briiders gegen die englischen Offiziere erfolgte, 10 Gewehre und 10 000 Patronen verlangt, die ihm auch sofort gegeben wurden.

Tokio, 23. Okt. Heute f'itb Parade über die kombinierte japanische Flotte und die erbeuteten und wieder flottgemackten russischen Kriegsschiffe vor Tokio statt. Ter Kaiser und Ad­miral Togo waren anwesend. Der Kaiser empfing nach der Parade englische und amerikanische Offiziere an Bord des Paw zerkreinersAsama".

Alib und Land.

Gießen, 24. Oktober 1905.

* Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog hat dem Kreisrat des Kreises Bingen, Geh. RegierungSrat Adolf Spam er, anläßlich seines 50jährigen Dienstfubilaums Komturkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

* Pensionierungen. S. K. H. der Groß Herzog haben den Pala'sinfpektor Georg Doch na hl zu Mainz und den Hausverwalter Franz Witt zu Seeheim auf ihr Nach­suchen unter Bezeugung der Allerhöchsten Zufriedenheit für langjährige treu geleistete Dienste, mit Wirkung vom 1. Januar 1906, in den Ruhestand versetzt.

Militär-Personalien. Veränderungen im Be­il rl a u b te n fta n de: Befördert die Vizefeldwebel bezw. Vizewachtmeister zu Lts. der Res.: Walter (Mühlhausen i. Th.), Wüst (I Darmstadt) des 1. Gr. Hess. Jnf.-(Leib- garde-)Rgts. Rr. 115; Hübner (Marburg), des Jnf.-Rgts. Kaiser Wilhelm (2. Gr. Hess.) Nr. 116; Meisel (I Darm­stadt), de? 2. Gr. Hess. Feldart.-Rgts. Nr. 61: Ufener (I Darmstadt), zum Lt. der Landw.-Pioniere 1. Aufgebots. Der Abschied bewilligt: Kolb, Lt. des 2. Auf­gebots des 3. Garbe-Landw.-RgtS. (I Darmstadt); Müller, Oberlt. der Res. des Jnf.-Leib-Rgts. Großherzogin (3. Gr. Hess.) Nr. 117 (Worms); Welcher (II Darmstadt), Ziegler (Worms), Obersts, der Landw.-Jnf. 2. Aufgebots; Weber, Lt. der Landw -Inf. 2. Aufgebots (Friedberg ; Jaeger, Oberlt. der Landw. 1. Aufgebots der Tclegraphentruppen (Friedberg) mit der Erlaubnis zum Tragen seiner bisherigen Uniform.

** Die Gesellschaft für Erd- und Völker­kunde hielt am 21. Oktober im HotelGrobherzog" ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende, Proseffor Tr. SieverS, berichtete über die Ein- und Ausgaben deS verffoffenen Vereinsjahres, die mit 1200 Mark annähernd bilanzieren. Im vorigen Jahre wurden für die Herausgabe derMitteilungen" etwa 450 Mark verausgabt. Ein neuer Band dieser Veröffentlichung wird im Lauf des Winters er­scheinen können, nachdem weitere Mk. 150 in den Etat ein­gestellt wurden. Die Hauptaufgabe deS Vereins: Die Ver­anstaltung geographischer- und völkerkundiger Vorträge bedeutender Fachgelehrter soll auch für die Zu­kunft in erster Linie gepflegt werden. Für daS begonnene Wintersemester sind folgende Vorträge vorgesehen: Profeffvr Dr. Theobald Fifcher-Äkarburg, überMarokko", HofratDr. Fritz Noctling-Tübingen überBirma", Dr. Theobald Koch überdas Gebiet des Amazonensiromes", Generalkonsul von Heffe-Wartegg überden nordamerikanischen Westen", Prof. Dr. Heim überNeuseeland". Alle Redner sind Autoritäten auf ihren Gebieten und sprechen auf Grund eigener Reisen und Studien. Da die Aussicht besteht, daß im,Jahre 1909 der Geographische Kongreß in unfern Mauern abgehalten wird, erweist eS sich schon jetzt als wünschenswert, von dem Rechte der Zuwahl zu dem wiedergewählten Vorstand Ge­brauch zu machen. An Stelle deS ausgeschiedenen Majors von Schlemmer wurde Hauptmann Giese in den Vorstand gewählt und die Herren Prof. Kaiser, Oberlehrer Bernbcck und KrauSmüller, sowie Herr Lehrer Schwöbel in den Vor­stand ausgenommen. Der wiederg"wählte engere Vorstand besteht wie früher auS den Herren Prof. Dr. Sievers, 1. Vor­sitzender, Prof. Dr. Biermann 2. Vorsitzender, Druckerei­besitzer Kindt 1. Schriftführer, Verlagsbuchhändler Töpelmann 2. Schriftführer, Kommerzienrat Heichelheim Rechner. An­meldungen zu der Gesellschaft, deren Vorträge am 2 5. Oktober ihren Anfang nehmen, können bei dem vor­erwähnten 1. Schriftführer geschehen. Der Mitgliederbeitrag, auch für nicht selbständige Familienmitglieder zur Teilnahme an den Vorträgen berechtigend, beträgt 4 Mark. Es steht zu erwarten, daß die Gesellschaft auch in diesem Jahr die Aufgabe, ihren so überaus interessanten Gebieten neue Freunde zuzusühren, vollauf erfüllen wird.

* Die Gesellschaft für Erd- und Völker­kunde beginnt ihre dieswinterliche Vortragsreihe morgen, Mittwoch abend 8 Uhr in der großen Aula der Universität. Geb. Regierungsrat Profeffor Dr. Fischer von Marburg wird über das zeitgemäße ThemaMarokko" auf Grund eigener Reisen und Studien sprechen und den Vortrag durch Lichtbilder veranschaulichen.

** Zur Landtagswahlbewegung. Im Wahlkreis Darmstadt-Land wurde von den bürgerlichen Parteien der seitherige wildliberale Abg. Regierungsrat Naack wieder als Kandidat aufgestellt. Gegenkandidat ist Ortskrankenkasse- Rechner Friedrich -Dannstadt. DaS Zentrum stellte im Bezirk Heppen heimViernheim an Stelle Schlengers nunmehr den Vermalter Nebel von Dieburg auf. Eine am letzten Sonntag in Offenbach tagende Konferenz der sozialdemokratischen Kreisvorsitzenden und Vertrauensmänner hat einstimmig beschloffen: Die Konferenz empfiehlt den Genoffen des Landes, überall, wo e§ möglich ist, eigene Landtagskandidaten und Wahlmänner aufzustellen; da, wo dies nicht möglich ist, sollten sie nur solche Wahlmänner bezw. LandtagS- kandidateu, die sich verpflichten, für daS allgemeine und kantelenfreie direkte gehetmeWahlrecht einzutreten, unterstützen, im übrigen jedoch Wahlenthaltung üben.

"Für die Sitzung der Stadtverordneten- Versamm lli ng am Donnerstag ist folgende Tagesordnung ausgestellt: 1. Preis der elektrischen Energie für photo­graphische Zwecke. 2. Kredit für elektrische Kabel. 3. An« schluß oen TextorS Hardt an die Wasserleitung. 4. Aer-