Kolonialpost.
Berlin, 24. Aug. Nach einem Telegramm des Gouvernements von Kiautschou ist das große Schwimmdock in Tsingtau gestern glatt abgelaufen und an der Sßer» senkstelle provisorisch festgemacht worden.
Aus Rußland.
Warschau, 24. Aug. (Petersb. Tcl.-Ag.) Heber die Stadt und den Bezirk Warschau ist der Kriegszustand verhängt worden.
Warschau, 24. Aua. Die Situation auf den Weichsel- bahnen verschlimmert sich. Züge werden überfallen und es wird auf die Maschinisten geschoffcn. Der General- Fabrikstreik ist oufa eb oben.
Ans tzwöl und £mte.
Gießen, 25. August 1905.
" Zur Kaiserparade. Im Publikum ist, wie uns die Verkaufsstelle Schottenfels mitteilt, vielfach die Meinung verbreitet, daß Plätze zur offiziellen Tribüne nicht mehr zu haben seien. Dies entspricht nicht den Tatsachen, vielmehr sind, mit Ausnahme der 3-Mark-Plätze noch Plätze aller Art vorhanden. Die Plätze zu 15 Mk. haben Bedachung, Sitzkissen und Rücklehne.
*• Karte für das Kaisermanöver. Reben der vor kurzem herausgegebenen Wegekarte 1 : 300000 hat nunmehr die Kartographische Abteilung der König!, preußischen Landesaufnahme auch die große Ausgabe der Karte für das Kaisermanöoer 1905 in schwarz, Maßstab 1 : 100 000 veröffentlicht. Diese sehr umfangreiche, auf Grund sorgfältiger diesjähriger Erkundungen, durch Zusammendruck der betreffenden Reichskartenblätter hergestellte Manöverkarte bringt einen großen Teil der Rheinprovinz, von Hessen-Raffau und d-s Großherzogtums Hessen zur Darstellung. In Umschlag broschiert kostet die Karte 60 Pfg., postsrei 65 Psg., aufgezogen 1.80 Mk., postfrei 1.90 Mk.
r. Eberstadt, 24. Aug. Gestern fiel eine hiesige Frau beim Wasserholen auf ebener Straße so unglücklich, daß sie einen doppelten Knöchelbruch davontrug.
(.) Alsfeld, 24. Aug. Der Hessische Hauptverein des evangelischen Bundes für das Großherzogtum Hessen tagt heute und morgen in den Mauern unserer Stadt. Aus diesem Anlaß prangt die Stadt in schönstem Festschmuck. An den Haupteingängen und dem Bahnhofe hat die evangel. Gemeinde im Verein mit dem hiesigen Zweigverein des evangel. Bundes Ehrenpforten errichtet, fast alle Häuser sind mit Fahnen, Guirlanden und Kränzen geschmückt. Im Laufe des Mittags und Nachmittags trafen aus allen Teilen der drei Provinzen zahlreiche Mit- glieder des Bundes ein, darunter besonders viele Geistliche. Als Vertreter des Oberkonsistorimns ist Präsident I). Vuchner- Darmstadt, als Vertreter des deutschen Gesamtvereins Kon- sistorialrat D. Hermens - Magdeburg eingetroffen; die Universität Gießen ist durch Professor Tr. Eck, das Predigerseminar Friedberg durch Profeffor Dr. Wurster vertreten. Im Laufe des Nachmittags statteten die Festgäste den Sehenswürdigkeiten unserer Stadt Besuche ab, besonders galten diese der altehrwürdigen Walpurgiskirche, die gegenwärtig in der Wiederherstellung begriffen ist. Auch die Dreifaltigkeitskirche, das berühmte Rathaus und das Hochzeitshaus wurden besichtigt. Abends begann in dem Saale zum „Deutschen Kaiser" die Bundesversammlung, an der auch die Vertreter der Behörden teilnahmen. Oberlehrer Lie. Herrmann-Darmstadt hielt einen Vortrag über „D. Tilemann, der Freund Luthers und Reformator der Stadt Alsfeld."
w. Bensheim, 24. Aug. Nach einer bei der Ortskrankenkasse vorgenommenen Revision wurde der Rechner der Kasse, M. Adler aus Viernheim, heute vormittag verhaftet. Wie verlautet, werden ihm Urkundenfälschungen und Unterschlagungen in der Höhe von 5000 Mk. zur Last gelegt. — Ter frühere Stadtrechner Haak, gegen welchen ein Verfahren wegen Verbrechens im Amte eingeleitet worden war, wurde von der Ferienstrafkammer Darmstadt frei» gesprochen und die Kosten des Verfahrens wurden der Staatskasse auferlegt, da die angestellten Ermittelungen ergeben haben, daß H. bei der Ausübung der strafbaren Handlungen nicht zurechnungsfähig gewesen ist. Haak ist somit auch pensionsberechtigt.
Mainz, 24. Aug. Der Sohn eines hiesigen Kohlenhändlers, der schon sechs Jahre bei der Marine in Kiel dient, wurde vor einigen Tagen benachrichtigt, daß ihm seine Tante, die in Amerika ohne Kinder gestorben war, ihr ganzes über 10 0 000 Mk. betragendes Vermögen vermacht habe. — Heute früh um 5 Uhr hörte der Schreiner Zinkel, als er am Volksbad am Rheine vorüberging, Hilferufe. Er fand nach einigem Suchen an einem der Einzel- bäder eine alte Dame hängen. Es gelang ihm, die Frau atis dem Wasser zu holen und in das Spital zu schaffen. Es ist eine 72jährige Frau, die in Kostheim mit ihrem Sohne, einem auf der Gustavsburg beschäftigten Ingenieur, wohnt. Seit gestern abend um 10 Uhr war sie aus ihrer Wohnung verschwunden. — Ein schon längere Zeit stellenloser und von seiner Frau getrennt lebender Mann suchte gestern abend im Naupelsweg durch Erhängen seinem Leben ein Ende zu machen. Sein Vorhaben wurde jedoch von Mitbewohnern bemerkt und der bereits Bewußtlose von dem Strick abgeschnitten und wieder zur Besinnung gebracht — Ein dritter Selbstmordversuch ereignete sich heute früh in Kastel. Dort schoß sich ein 22 Jahre alter Schreinergehilfe z.veimnl in den Kopf. Ter Manu wurde in das Rochusspital gebracht, wq festgeUellt wurde, daß sein Zustand zwar ernst, ober nicht lebensgefährlich ist. (M. T.)
Wiesbaden, 24. Aug. Der Kaiser trifft mit der Kaiserin und seinen Manövergästen am 6. und 7. Sep- tember zum Besuche des hiesigen Hoftheaters ein. Zur Aufführung kommen die beiden Auber'schen Opern „Fra Tiavolo" und „Der schwarze Domino." — Zur Erlangung von Ideen für die Umgestaltung der städtischen Kuranlagen hat der Magistrat einen Wettbewerb ausgeschrieben. Zur Verteilung kommen drei Preise im Betrage von 1200, 1000 und 750 Mk. Außerdem ist der Ankam weiterer Ent- würfe zu je 300 Mk. Vorbehalten. Die Entwürfe müssen bis zum 6. Dezember eingereicht sein. (?• 3-)
Hanau, 24. Aug. Die Vcrh a ft n n gen in der Golddiebstahls-Affäre mehren sich. Gestern wurde der Gold
arbeiter Heinrich Winkler wegen Hehlerei tn Haft genommen. Winkler besaß früher selbst ein kleines Goldgeschäft und soll damals sich der Goldhehlerei schuldig gemacht haben. — Der seit längerer Zeit wegen mehrfachen Betruges von der Behörde gesuchte Kaufmann Willi Hempel aus Gelnhausen wurde heute vormittag hier von einem Kriminal- schutzmanne verhaftet.
? Fellingshausen, 24. Aug. Auf dem Wege von dem Truppenübungsplätze Senne werden in den nächsten Tagen mehrere Eskadronen des 1. bayerischen Ulanenregiments Kaiser Wilhelm II. aus Bamberg und des 21. bad. Dragoner-Regiments aus Bruchsal, von Gladenbach kommend, hier und in den benachbarten Orten am 4. September Quartier beziehen. Nach Crumbach kommt die 4. Eskadron und hierher die 1. Eskadron zu liegen. — Am nächsten Sonntag findet hier Kirch weihe statt.
Wetzlar, 24. Aug. Im Pferdestalle des Schlachthauses wurde heute früh der Schlachthausverwalter Friedrich Frech bewußtlos aufgefunden. Herr Frech hatte das Pferd füttern wollen und blieb dabei länger aus, als es sonst seine Gewohnheit war. Als man nach ihm sab, fand man ihn mit dem Kopfe vornübergebeugt liegen. Kurz nachdem Herr Frech in seine Wohnung verbracht war, verschied er. Ein Schlaganfall hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Er hat ein Alter von 59 Jahren erreicht. (Wetzl. Anz.)
* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. In Bellnhausen (bet Fronhausen) begingen der Bürgermeister a. D. Johann Konrad Ruth und dessen Ehefrau, geb. Bingel, am 24. d. M. in voller Gesundheit da? Fest ihrer goldenen Hochzet. Ter Ehemann stehl im 72. und seine Gattin im 68. Lebensjahre.
* Dortmund, 24. Aug. Heute nachmittag tonrbett auf einer hiesigen Bahnstrecke d r e i A r b e i t e r, die mit Schienenverlegen beschäftigt waren, von dem Badezug 25 über fahren und so schrecklich .verstümmelt, daß der T o d sofort eintrat. Tie Verunglückten wollten in einem Gleise einem Güterzuge au§- weichen und rannten in dem andern auf den Dndezug.
* Trier, 24. Aug. In Hetzerath überfilhr ein Automobil ein Kind: es war sofort tot. Der Fahrer wurde von den Dorfbewohnern verfolgt und festgenommen.
* Osnabrück, 24. Aug. ''Amtlich.) Gestern wurde in Kilometer 64,1 der Nebenbahn Bunde-Bassum auf dem Landstraßenübergange von Sulingen nach Barenburg ein einspänniges Fuhrwerk von dem um 8.9 Uhr von Sulingen abgefahrenen Personenzuge Nr. 905 überfahren. Das Pferd wurde sofort getötet und der Wagen vollständig zertrümmert. Der Führer des Fuhrwerk?, Viehhändler Voß aus Sulingen erlitt so schwere Verletzmrgeu, daß er nach einigen Stunden starb. Der Unfall ist dadurch herbeigefiihrt worden, daß der Führer des Wagens die Signale der Lokomotive mit der Dampspfeife und dem Läutewerke nicht beachtete.
* Chicago, 24. Aug. Der Frauenmörder Hoch ist zum drittenmale der Vollstreckung des Todesurteils entgangen, indem er die Revision seines Falles von feiten des Obergerichts erwirkte.
* Der deutsche Apothekertag, der gegenwärtig in Breslau stattfindet, beschloß, dem Vorstand die Vorarbeiten zur Gründung einer freien Hilssk sie für die Angestellten der Apotheken unter Anerkennung der moralischen Verpflichtung der Chefs zur Leistung eines Drittels der Beiträge aufzutragen und eine Ergänzung des H"ndelsgesehbuchs nach der Richtung durchzusetzen, daß bei Krankheit den dl.vatbekeleven und Assistenten die Rechte der Handlunasaehi^fen zustehen.
• Eine Preiskonkurrenz von Artikeln für die Reise und den Aufenthalt in Bädern und Sommerfrischen veranstaltet der Deutsch - Oesterreichische- Schweizerische Fremdenverkehrsverein in M ü nche n. Es werden folgende Gruppen gebildet: 1. Koffer, Reisetaschen, Reisenecessaires, Gegenstände für alpinen Sport rc. 2. Optische Artikel: Ferngläser, Brillen, Pincenez, Barometer, Thermometer, photographische Apparate. 3. Kleidung: Mäntel, Wetterkragen, hygienische Bekleidung rc. 4. Hygienische Artikel: Mineralwasser, Badesalze, Badeapparate und Einrichtungen, Spezialmittel, Apparate rc. 5. Nahrungsmittel im eigentlichen Sinn: Konserven aller Art, Biscuits, Kakes ?c. auch Kochapparate. 6. Genußmittel: Kakao, Schokolade, Tee, Konfitüren, Obstpräparate, Geleös rc. 7. Getränke: Weine Liqueure, Biere, alkoholfreie Getränke rc. 8. Zigarren, Zigarretten, Tabak, Zigarrenspitzen, Pfeifen rc. 9. Haut- und Körperpflege: Seifen, Parfums rc. 10. Reiseandenken aller Art. 11. Kunstgegenständc und solche des Kunst- gewerbes. 12. Literatur: Reisewerke, Unterhaltungslektüre, Prospekte und Broschüren von Kurorten rc. Zur Verteilung gelangen goldene, silberne und bronzen eMedaillen, sowie Anerkennungsschreiben. Als Preisrichter firngieren u. A. zwei Landesgerichtspräsidenten, je ein Oberregierungsrat, Schulrat, Gymnastaldirektor, Oberrealschuldirektor, Chefredakteur, vier Hotelbesitzer rc. Alles Nähere erfährt man auf Anfragen durch das Hauptbureau des genannten, mehr als 1000 Filialbureaus im Deutschen Reich, Österreich und der Schweiz unterhaltenden Vereins, München, Arnulfstraße 26.
* Berliner Geschäfts Praxis in unsoliden Geschäften Erbauliche Einblicke in gewisse Geschästs- verhälkniffe gewährte ein Termin vor dem Berliner Kaufmannsgericht. Verklagt war der Inhaber eines großen Damenhutgeschäftes von einer Verkäuferin, die Etehalts- ansprüche von 200 Mk. geltend machte. Der Beklagte behauptete, die Verkäuferin habe die Hüte oft viel zu billig abgegeben und ihm damit erheblichen Schaden zugefügt, nno es ergab sich auch, daß die Verkäuferin Damenhüte im Werte von 14 und 18 Mk. für 5 Mk. verkauft habe. Aber nun kommt die Kehrseite der Medaille: die Verkäuferin betonte dagegen, daß es ihr freigegebcn sei, den Preis zu bestimmen, denn bei Kunden, die bezahlen' konnten, habe sie Hüte im Werte von 5 Mk. auch für 21 Mk. verkauft. Der Vorsitzende des Gerichts konnte bei diesen Darlegungen doch eine deutliche Bemerkung über ein „Hineinlegen" der Kunden nicht unterdrücken. Der Chef behauptete aber, daß den Verkäuferinnen für die Preisbemessung eine Grenze zwischen 8 und 20 Mk. — auch schon ein starkes Stück — gezogen sei. Der Klägerin wurden schließlich 50 Mk. wegen Schädigung des Bek^gt^n abgezogen. Man sieht da wieder einmal, was feste Preise sind.
* Ein V e r g n ü g u n g S r e i s e n d e r besonderer Art kehrte unlängst wie in der schweizerischen Presse berichtet wird, in einem Rig'hotcl ein. Es war ein Engländer, der abcndS durchaus verlangte, daß ihm der Hotelier selbst die Stiefel auSzichen solle, so sehr sich auch die Hcstel- angestelltcn bemühten dem Salme Albions diesen Dienst zu leisten. Dieser verlangte immer nachdrücklicher den Hotelier selber, dem schli.ßu.ch auch daS englische Ansinnen mitgeteilt wurde. Er ließ dem Herrn von jenseits des Kanals sagen, er ziehe ihm die Stiefel aus, allein das
koste 1000 Franken. Der spleenige Englänoer war es zufrieden und deponierte die Summe, worauf er durch den Hotelier seiner Fußbekleidung entledigt wurde. Auf die Dauer dürfte dem Herrn aus England das Stiefelausziehen auf diese Weise doch etwas teuer kommen.
" Ein Ständchen, wie es wohl noch keiner de n t s ch en Zeitung dargebracht wurde, überraschte, io schreiben die Münchner Reuest. Rachr., heute unsere Redaktion. Der Gebirgstrachtenvereiii A l m e n r a u s ch hatte mit seiner Musikkapelle die Zugspitze bestiegen und grüßte uns heute Mittag mit einem sehr schneidigen Marsch durchsTelephon von der höchsten Warte Deutschlands. Hoch erfreut uni) zugleich gerührt horchten wir an allen unseren verfügbaren Hörrohren den wahrhaft fettenen, vorzüglich vernehmbaren Klängen, tief im Herzen erwägend, wie untere lieben Freunde dort oben es so leicht und schön haben, — im Gegegenfatz zu uns hier am Färbergraben .... Besten Tank für die große und seltene Aufmerksamkeit.
* Kleine Tageschronik. In Milspe erfranften 15 Personen nach dem Genuß von Schokoladenpudding unter Vergiftungserscheinungen. Die Erkrankten befinden sich verhältnismäßig befriedigend. — In Abbeville tötete ein gewisser Jocee seine Frau und seine Schwiegermutter durch«Hammer- schläge. Der Mörder wurde verhaftet. — In Ranch stürzte in der vergangenen Nacht ein Haus ein. Die Fundamente desselben waren durch die letzten Regengüsse stark unterspült. Zwei Frauen, die unter den Trümmern begraben wurden, konnten gerettet werden.
sKerichtslaal.
Mainz, 24. Aug. Gestern hatte sich der Restaurateur Eugen IH r i ch von hier, der auf der Insel eine Bodega besitzt, wegen Duldung von Glückspiels zu verantworten. , 9lu§ der Verhandlung ging hervor, daß die Bodega eine Spielhölle ersten Ranges ist. Besonders von Offizieren wurden häufig kleinere Jeus abgehalten, wobei Spielverluste bis über 1000 Alk. entstanden. Besonders die Husarenoffiziere hatten stark aejeut. Aber auch Zivilisten beteiligten sich, so ein R e ch t s a n w a l t a u § 2 a u t e r» bad) und andere aus der „besseren Gesellschaft". Der Buchhalter einer Brauerei, der kürzlich nad) Unterschlagung von 15 000 Mk. flüchtig gegangen, war gleichfalls eifriger Spieler. Der Wirt selbst verlor an bem Rechtsanwalt 1000 Mk., die er noch zu zahlen hat. Es wurde „gepokert" die „lustige Sieben" und „Siebzehn vier" gespielt. Ter Angeklagte wurde zit 200 Mk. Geldstrafe verurteilt.
(A-rff. Ztg.)
Landwirtschaft.
Saatvermittlungsstelle des hessischen Landwirt s ch a f t § r a t e s. Vom hessischen Landwirtschaftsrat wird uns geschrieben: Nachdem dte Ernte der Getreidearten in fast allen Teilen unseres Landes beendet ist, wird sich mancher Landwirt fragen müssen, ob er, wenn er von den diesjährigen abnormen Witterungsverhältnissen vorerst absieht, von den verschiedensten Getreidearten auch die für seine Verhältnisse passendste Sorte angebaut hat. Ohne Zweifel ist der Einfluß der Witterungs- Verhältnisse auf die Ernteerträge unserer Kulturpflanzen von großer Bedeutung und wohl auch bei regelrechter Vewirtfcbatt- ung der ausschlaggebendste Faktor. Immerhin aber hat es auch der Landwirt in der Hand durch die Auswahl einer für ferne Boden und klimatischen Verhältnisse passende Sorte diesen Einfluß bis zu einem gewissen Grade auszugleichen. Der ungünstige Einfluß ist um so größer, je weniger eine angebaute ^orte akklimatisiert b. h. den vorhandenen Bodenverhältnissen und auch den klimatiscknm Verhältnissen angepaßt ist. Der Landwirt muß es daher mit Freuden begrüßen, wenn ihm die Möglichkeit zum Bezug von Saatgut e rt r a g sr e i ch st e r Sorten gegeben ist, welches von Vflonren abstammt, die seinen Verhältnissen bis zu einem gewissen Grade schon angepaßt sind^ Diese Möglichkeit ist dem Landwirte durch die Errichtung von Saat- b a u st e l l e n des Hessischen Landwirtschafisrats geboten, _bte- über das Land unter Rücksichtnahme auf die verschiedensten Boden- und klimatischen Verhältnisse verteilt sind, und nur die Sorten anbauen und bereit Saatgut zum Verkauf bringen, welche sich unter den gegebenen Verhältnissen als passend und ertragsreich erwiesen haben. Auf diese Weise ist nicht nur den hessischen sondern auch den außerhesi'ischen Landwirten, die unter gleichen ober ähnlichen Boden- und klimatischen Verhältnissen wirtschaften, Gelegenheit geboten, sich mit für feine Verhältnisse passendem Saatgut evtragsreicher Sorten zu versehen. Der Verkauf von Saatgut aus den hessischen SaatbaustelleN wird durch die S a a t v er m i 11 c l u n g s st el l e des hessischen Landwirtschaftsrates zu Darmstadt vermittelt, die gerne bereit ist, Saatliste sowie Körnerproben zur Verfügung zu stellen.
— Große Trockenheit in Rheinhessen. Der „W. Ztg." wird ans bem KreiseBingen geschrieben : Die nun seit mehr als 4 Wochen anhaltende Trockenheit beginnt in Rheinhessen furchtbar zn werden. Der Boden ist im Felde bis zu einer Tiefe von 7g Meter vollständig frei von Feuchtigkeit. Rüben- und Kartoffelfelder beginnen zu welken, ehe die Wurzeln ousgereifk sind. Die Weinberge sehen stellenweite schrecklich aus.^ Die Blätter sind gelb und welk; die Trauben klein, nicht allein infolge der Blatrfallkrankheit, sondern hauptsächlich durch die Trockenheit. Der Boden des Feldes ist hart, sodaß die Landwirte das Pflügen einstellen nut ff en. Traurig sieht es auch in den Obstanlagen aus. Die wenigen Aepfel und Birnen, welche noch hingen, fallen ab, sodaß die Besitzer gegenwärtig allenthalben Fallobst anbieten. In einer Reihe von Gemarkungen ist der -weite Klee» und Grasschnitt gleick) Null. Mehrere Gemeinden leiden trotz guter Wasserleitungen ‘ seit 14 Tagen an bedenklichem Wassermangel, sodaß die Bewohner ihren Bedarf stundenweit holen müßen.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt Iler .nter dies r Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion b-'m Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Gießen, 24. Aug.
Hinsichtlich der Straßen und Verkehrswege ist in unterer Stabt in den letzten Jahren viel cicSdiaffcn worden; naturgemäß aber ist mancher Wunsch noch zu erfüllen. So besteht zwischen Ebel- bezw. der verlängerten Liebigstraße leider noch immer keine direkte Verbindung mit Universität, Gymnasium sowie Realschule. Wer jemals von der Ebelstraße ans nach einer der genannten Anstalten pilgern wollte, der wird die Wahrheit der Worte erfaßt haben:
„Du bist mir nah und doch so fern!"
Ein koloßaler Umweg, dem Riegelpiad entlang, durch die Ludwigs- straße, ist uuDcrmeiblidi, während es gewiß keine nennenswerten Opfer erforderte, zunächst einen Durchgang durch den 53ahnbainm zu schassen, ähnlich wie im sogenannten „Essig-Gäßchen", um direkt in die Stepbanstraße zu gelangeir. Nicht nur Schüler und Studenten haben ein Interesse hieran, sondern in erster Linie solche, die ihren Beruf ausüben, nicht minder auch die Hausfrauen zur raschererr Besorgung ihrer häuslichen Bedürfnisse. Emer not- ivendigen Verbindung von Stadtteilen kann und wird die (Siien- balntbehörde sich nicht ablehnend gegenüber verhalteit, darum hoffen wir, daß die Stadt dieser zeitgemäßen Fordemitg in Kürze gerecht wird. —X—
Gro ßen-Linden, 25. Aug.
lieber den Wert einer Mühle und die Vorteile einer Wasserleitung läßt sich allerdings streiten. Der Herr Einsender deS gesttigen Eingesandts gibt ja selbst zu, daß daS Gelände 6000 Mark Wert habe, er vergisst aber, daß die Mahleinrichtung und d's Wasserrad mehr als 6000 Mark kosten. Tie vorhandenen Gebäude sind zu 11 510 Mark bei der Landbranbkasse versichert. Somit kostet die W-sserkrafl selbst nur etwa 4000 Mark, die von Fachleuten höher geschätzt wird. Der Herr Einsender kann sich nach jed-'r Richtting beruhigen, denn ist eS wahr, daß die g nze Bürgerschaft gegen das Projekt ist, dann wird bie, projektierte W sserleitung nicht ausgeführt werden, weil es ja an dem nötigen W sscrzins fehlen wird. Ergibt sich aber bei Ausarbeitung des Projekts durch Techniker die Möglichkeit einer


