russische Unleihe Betrifft so vernimmt Mc „Voss. Ztg^.", Baß vornehmlich französische nnd wohl auch belgische Finanzleute in diesem Anleiliegeschäft tätig sind, das übrigens ^itEanßeroewödnlblü^^ wird.
Wuß'and in Sturm und Drang.
Baku, 24. Mai. Heute nachmittag 3 Uhr wurde Gouverneur Fürst Nakaschidze durch eine Bombe getötet, ebenso ein Kosakenoffizier, der zufällig vorbeiging; der K.utscher wurde verwundet.
Warschau, 24. Mai. Heute abend fand in einigen Straßen in der Nähe der Marschalkowskastraße eine blutige Schlägerei zwischen jüdischen Arbeitern und arbeitsscheuem Gesindel statt, wobei durch Schüsse und Messerstiche einige Personen getötet und mehrere verwundet wurden.
Warschau, 24. Mai. Heute nacht schleuderte ein Unbekannter eine Bombe gegen den auf einer Veranda sitzenden Polizeiches von Sidlce und verwundete ihn schwer; drei andere Personen wurden leichter verwundet. Der Bombenwerfer entkam.
Aom Hcwerkschaftskongkkß in Köln.
Köln, 24. Mai. (Privattelegramm.) Der Kongreß der freien Gewerkschaften Deutschlands beschäftigte sich heute vormittag mit der Genossenschaftsfrage. Abg. v. Elm- K'öln führte aus: Die Arbeiter, die lange Zeit Gegner der Genossenschaften waren, haben schon seit einigen Jahrzehnten die Notwendigkeit eingesehen, sich auch genossenschaftlich zu organisieren. Sie bilden in den Konsumvereinen die große Mehrheit. Die Konsumvereine in Deutschland zählen eine Million Mitglieder; sie haben einen Umsatz von 250 Millionen Mark unb verteilen jährlich 20 Millionen Mark Dividende. Sie seien aus dem besten Wege, eine wirtschaftliche Macht zu bilden. Arg zu tadeln fei jedoch, daß die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Angestellten und Arbeiter in den Konsumvereinen oftmals viel zu wünschen übrig ließen. Die Arbeiter hätten eine politische und eine wirtschaftliche Waffe; angesichts der sich immer mehr zusvitzenden wirtschaftlichen Gegensätze sei es dringend notwendig, daß den zwei Waffen noch eine dritte, die gewerkschaftliche, hinzugefügt werde. Die wirtschaftlichen Kämpfe würden es erforderlich machen, daß die Arbeiter auch Produktiv- und Einkaufgenossen- schäften, ähnlich wie in Großbritannien, errichteten; dazu würden die Arbeiter schon durch die aus Anlaß des Zoll- tarises ins Ungemessene sich steigernden Lebensmittelpreise gezwungen werden. Gegenüber der Macht der Arbeitgeberverbände, der Kartelle und der Syndikate sei es erforderlich, daß die Arbeiter ihre Waffen vermehrten, um der Uebermacht des Kapitals mit Erfolg zu begegnen.
In der Besprechung wurden die Konsumvereine mehrfach als dividendenquetschend bezeichnet; die Konsumvereinsleiter, die soweit nicht einmal warenkundig seien, richteten ihr Augenmerk auf die Erzielung möglichst hoher Dividenden, sie ignorierten die gewerkschaftlichen Arbeitsnachweise, nähmen mit Vorliebe Unorganisierte, drückten die Löhne und Gehälter und kauften in Fabriken, die entweder nur in Zuchthäusern oder in Gefängnissen arbeiten ließen, und verkümmerten das Koalitionsrecht.
Der Vertreter der großen Eint aufs genossen schäft der Kon- /umvereine, Lorenz- Hamburg, erkennt das Vorhandensein von Mißständen an. Die Konsumvereine müßten aber das Wohl ihrer Mitglieder im Auge haben; es sei zu hoffen, daß diese Erörterung bessere Zustände herbeiführcn werde. Darauf wurden die Verhandlungen unterbrochen.
In der Nachmittagssitzung wandte sich Abg. v. Elm gegen die den Konsumvereinen gemachten Vorwürfe. Es sei unmöglich, lediglich dem gewerkschaftlichen Arbeitsnachweise Angestellte und Arbeiter zu entnehmen, da alsdann die Konsumvereine nicht immer das geeignete Personal erhalten dürften. Es sei auch nicht angängig, gewerkschaftliche Tarife und Forderungen allgemeinen Charakters ohne weiteres anzuerkennen. Es entstehe doch auch die Frage, ob die Konsurn- vereine in der Lage seien, diese Forderungen zu erfüllen. In Hamburg habe eine Gewerkschaft an einen Konsumverein eine Forderung gestellt, die diesem 10 000 Mk. kostete. Man ersehe daraus, daß auch Gewerkschaften unvernünftige Forderungen stellen könnten. (Langanhaltender Lärm. Rufe: Schluß! Das lassen wir uns ja nicht einmal von unseren Gegnern gefallen!) Ich halte das vollständig aufrecht. Es steht fest, daß in den Konsumvereinen die besten Löhne und Arbeitsbedingungen herrschen. Wer wolle, daß sich die Konsumvereine zu einer Macht ausbilden, dürfe ihnen keine Schwierigkeiten bereiten. Der Vorsitzende, Abg. Lewin, forderte v. Elm auf, den Ausdruck zurückzunehmen, v. Elm bemerkte jedoch, daß er nichts zurückzunehmen habe. Es sei selbstverständlich, daß er nicht habe sagen wollen, die Gewerkschaften stellten unberechtigte Forderungen, er habe nur von einer bestimmten Gewerkschaft gesprochen. Der Antrag, nur die Gewerkschastsarbeitsnachweise zu berücksichtigen, wurde abgelehnt, dagegen der Antrag, „Gewerkschaftstarife und Forderungen allgemeinen Charakters sind anzustreben" angenommen. Darauf gelangt ein sehr langer Antrag v. Elms, in dem sich der Kongreß im Interesse des Proletariats für die Fortentwicklung des Genossenschaftswesens ausspricht, einstimmig zur Annahme. Es wurden darauf Beschlüsse gefaßt, die sich auf die Organisation der Genossenschaftskartelle beziehen. Um b rei- Berlin spricht sich hierauf für Arbeitskammern aus. Darauf wurde nach 7 Uhr die Verhandlung auf morgen vertagt.
Vermischtes»
* Berlin, 24. Mai. Nach dem „V. T." schwebt gegen 0ie 71jährige Mutter eines angesehenen Generaldirektors aus Berlin, die ein Vermögen von einer Million erbte, und deren als Dr. jur. in Berlin lebenden jüngsten Sohn ein Strafverfahren wegen Betruges. Dieser Sohn verlor durch verschiedene gewagte Spekulationen große Summen und wußte wiederholt f°ine Mutter zu bewegen, für beträchtliche Beträge Bürgschaft ru leisten. Beide werden beschuldigt, durch Vorspiegelung falscher Tatsachen Geldmänner zur Hergabe von Beträgen von 30—100 000 Mk. bewegt zu haben. 0/cgcn die betaate Dame ist außerdem ein Verfahren eingeleitet worden mit per Beschuldigung, einen großen Teil ihres Vermögens beiseite geschafft zu haben, um sich ihren eingegangenen Verpflichtungen zu entziehen. Die Frau wurde am 22. d. M. purcy Kriminalbeamte verhaftet, nach erfolgter Fcst- Vellung aber einstweilen wieder freigelassen.
• ’®ie Toilettensrage der B erliner Ehren - ungfrauen, die das Kronprinzenpaar bei seinem Einzug
begrüßen, ist jetzt entschieden. Man hatte zunächst weiße Reformkleider mit bauschigen Puffärmeln als Empfangstracht ausersehen; davon ist man jetzt aber aus ästhetischen Gründen abgekommen. Wie nun ^ndgiltig beschlossen ist, werden die Ehrenjungsrauen in Gretchenkostümen mit Rosenkränzen im Haar das kronprinzliche Paar begrüßen.
* Lahore, 24. Mai. Bei einem Gewitter in Mandi wurden bei dem letzten Erdbeben von den Geflüchteten gebaute Hütten vom Blitze getroffen und 23Personen getötet. Unter den Truppen in Rawalpindi ist die Pest ausgebrochen. Bisher wurden drei Fälle sestgestellt.
* E i n Kultusminister gegen den Kultus. Aus Paris, 23. Mai, wird geschrieben: Der Akademiker Marquis Costa de Beauregard erzählt int „Gaulois", was kürzlich dem Kultusminister Bienvenu-Martin in seinem kleinen savoyischen Heimatsdorfe widerfuhr. Er hatte während der Osterferien die Stätten seiner Kindheit wieder ausgesucht und war dort als der „Pariser", der es zu etwas gebracht hat, Don seinen Mitbürgern mit Freudenfchüssen und dann in einem mit Mpenrosen geschmückten Saale der Mairie gefeiert worden. Hier hielt er den versammelten Honoratioren einen Vortrag über die Notwendigkeit und Schönheit der Trennung der Kirchen vom Staate, die das Glück der Savoyarden vervollständigen werde. Sie hörten ilnn topfnickend zu und ließen es an Beifall nicht fehlen. Da tönte plötzlich in die Rede des Ministers hinein der helle Schall einer Kirchenglocke, d'e zur Vesper rief. Einer der Zuhörer um den anderen stand auf und verzog fick), bis zuletzt nur noch der Matte im Schmucke seiner dreifarbigen Schärpe im Saale blieb. Nachdem er mehrmals die Farbe gewechselt, stand er ebenfalls auf und sagte: „Bitte sehr um Verzeihung, Herr Bienvenu, ja sehr um Verzeihung, aber ich muß wirklich gehen, denn ich bin Vorsänger in der Kirche!"
* Der Kampf gegen dasDuell inSpanien wurde angeregt durch Baron d'Albi, der im Februar v. I. einen Aufruf verbreitete, für den er gegen 200 Unterschriften angesehener Persönlichkeiten aller Parteirichtungen gesammelt hatte. Eine im März abgehaltene große Versammlung in Barcelona gestaltete sich zu einer glänzenden Kundgebung Zustimmungen waren von dem Ministerpräsidenten v. Villaverde und anderen Ministern eingetroffen, desgleichen von mehreren Generälen. Nunmehr zählt die Liga in Barcelona an 700 Mitglieder: auch der Rektor der Universität mit 40 Professoren sowie zahlreiche hohe Offiziere haben sich an geschlossen. Im April wurde in Tortosa l Katalonien) ein Zweigkomitee gegründet, und jetzt folgen die meisten Städte Kataloniens diesem Beispiele nach. Auch in Kastilien, Aragonien und Astnrien sowie in Madrid ist die Bewegung in vollem Fluß. Eine besonders bemerkenswerte Erscheinung' ist die Beteiligung zahlreicher im aktiven Dienst' stehenden Offiziere. Der Marquis d'Heredia ist durch die Annahme des Ehrenvorsitzes der spanischen Liga an die Spitze der Bewegung getreten.
* Eine nationale Blinden konferenz tagte zu Beginn dieser Woche in Tokio. Aus dem ganzen Reick>e waren Blinde gekommen, um an den Beratungen teilzunehmen. Es wurde beschlossen, eine Eingabe an das Parlament zu machen, daß das Recht des Massierens und der Nadelkuren den Blinden allein Vorbehalten bleibe. Eine Interpellation in gleichem Sinne war bereits während der vorigen Parlamentssession eingebracht, doch nicht zur Besprechung gelangt. Massieren, Nadelstecken und Moxa setzen sind bekanntlich die drei Kardinal- Heilmittel der Japaner. Die Moxakur, d. i. das Verbrennen eines aus getrockneten Kräutern hergestellten Pulvers, auf der bloßen Haut, wird auch als Strafmittel bei unartigen Kindern angewendet. Es gibt wohl keinen Japaner, sei er männlichen oder weiblichen Geschleckes, der nicht irgendwo am Körper das runde Brandmal einer Moxa hätte.
• Maikäfersuppe. Ein Leser schreibt der „Tägl. Ndsch.": Von Maikäfersuppe haben viele schon etwas gehört, aber nur wenige haben sie gegessen. Man sagt zwar, daß sie in Süddeutschland auf Speisekarten zu finden sei, mir ist es aber nicht gelungen, diese viel gerühmte Suppe mal zu kosten. Da machte ich kurzen Prozeß. Fing ein Dutzend Maikäfer und mit der Scheere schnipp, schnipp, schnapp, schnitt ich Bein und Flügel ab, nachdem die Käfer vorher in kochendem Wasser getötet worden waren. Dann wurden diese einige Minuten in Butter gedünstet, etwas Mehl angerührt, ein Liter kochendes Wasser angegossen und nach Zugabe des nötigen Salzes eine Stunde gekocht. Durch ein feines Sieb geseiht, ist die Suppe fertig. 12 Käfer genügen für fünf, und 20 für 10—12 Personen. Diese vorzügliche Suppe erinnert im Geschmack an seine Krebs-, sowie Kerbel- und Neizkernsuppe. Wer eine gute Hausfrau hat, dem bereite diese zur Probe diese Suppe, koste auch das erstemal, dann lasse man die Kinder und selbst die Dienstboten folgen; beim drittenmal schwärmt alles davon. Selbst Gästen kann man die Suppe vorsetzen; verrät man ihnen die Herkunft nicht, dann äußern sie sicher ihren ungeteilten Beifall. Schon Reuter sagt: „Wat de Bur nich kennt, da fret hei nich" —aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier, erstmal die anfängliche Scheu überwunden, freut er sich dann über seinen Mut. Also erst probieren und dann urteilen! Der Maikäfer ist ein so reinliches Tier, der nur das zarteste Laub frißt. Ihre Aufbewahrung ist einfach: man dörrt die Käfer nach dem Ab- töten in der Bratröhre und hebt sie in verschlossenen Glaskrausen auf oder legt sie in Butter int Weckschen Apparat ein. Als Bolksnahrungsmittel eingesührt, würde der Maikäfer aufhören gefürchtet zu sein!
• Der Kaffee hat seltsame Wandlungen durchzumachen. Wie wir dieses Getränk in den Caf^S genießen, entspricht es den Anforderungen Tatleyrands, der behauptet hat: Kaffee müsse heiß wie die Hölle, schwarz wie der Teufel sein. Das erste Cafö in Berlin wurde 1714 von einem Neger Namens Olivier im Königlichen Waschhause am Lustgarten mit Erlaubnis und Begünstigung des Königs Friedrich Wilhelm J. angelegt, der seinen Offizieren damit Gelegenheit verschaffen wollte, sich in der Nähe des Paradeplatzes (des Lustgartens) von den An'lengungen des Dienstes erholen zu können. Sogar das zum Brennen des Kaffees nötige Holz, zwölf Haufen jährlich, überließ er den: Neger unentgeltlich. Daß Kaffeehaus, Casä Royal genannt, blieb an jenem Orte bis 1747, in welchem Jahre es wegen des beginnenden Dombaus nach der Akademie „Unter den Lmdertt verlegt wurde. Hier bestand es, bis im Jahre 1765 der Akademiedirektor Lesueur seine Beseitigung durchsetzte.
"Ist öfteres Baden unanständig? Mit dieser Frage wird sich, wie die „Voss. Zig." schreibt, demnächst das Gericht zu beschäftigen haben. Eine Hauswirtin in Halensee hat einer ihrer Mieterinnen, in deren Wohnung ihrer Ansicht nach zu viel Wasser verbraucht wird, darüber Vorwürfe gemacht und hinzugefügt: „Anständige Damen baden nicht alle Tage." Die Mieterin hat wegen dieses Zusatzes die Beleidigungsklage angestrengt.
• Kleine Tageschronik. In dem Dorfe Neuhof (Pommern) vernichtete ein Feuer 33 Wohnhäuser. Es herrscht großes Elend. Die Entstehung des Brandes ist unbekannt.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 25. Mai 1905
* * Der kalte Mai. Iw vorigen Jahr hatten wir um diese Zeit Pfingsten. Jetzt können wir noch ein gutes Stück warten, und das Maienlaub, das schimmernd grüne, könnte sich bis zum lieblichen Fest schon erheblich dunkler gefärbt haben, wenn nicht Maikühle und Mailüfterl dafür sorgten, daß das grüne Blätterkteid länger als sonst in seiner ganzen Frische andauert. So wird auch von dem Flieder, aus dem die Pfingststräuße gewunden werden, uns gewiß noch manche Spende zu den Feiertagen beschert werden, und der Spargel, der auch zum Feste auf allen Speisekarten prangt, wird noch in Fülle vorhanden sein. Voriges Jahr, in dem wochenlangen Sonnenschein, räumte der Himmel meist ziemlich hastig mit dem Blütenflor auf, und später die große/Dürre auch mit dem Wasser. Ist die Kühle jetzt also günstig für die frische Vegetation, so hat sie doch die Maienfahrten erheblich beschränkt. Früh hinaus ins Grün zur frohen Wanderung oder Fahrt, das ist in der schönsten Jahreszeit immer die Losung gewesen, sie ist auch 1905 nicht verhallt. Aber wenn in der Frühe ein Lüstchen weht, das die Finger frieren läßt, dann werden doch unwillkürlich stille Gedanken an das warme Bett wach, und es wird länger überlegt, bevor von neuem eine Maienfahrt angetreten wird. Und dabei sind es nicht mehr vier Wochen bis zum längsten Tag im Jahr und bis zu Johanni, von wo es wieder langsam abwärts geht.
** Zum Schneider streik teilt man uns mit, daß die kürzlich an dieser Stelle veröffentlichte Tabelle über die Arbeitslöhne der Schneider, die uns von der Streik-, leitung zugegangen war, unrichtig sei. Wie wir uns in der Tat überzeugten, entsprechen die Angaben in der Tabelle über die seither bezahlten Löhne keineswegs dem alten Tarif, der bis zum Eintritt des Streiks Giltigkeit hatte. Wenn in einzelnen Geschäften seither schon über den Tarif bezahlt worden war, so war dies mehr durch Konkurrenzunternehmungen herbeigcführt worden als durch die Forderungen der Arbeiter "selbst. Der Tarif hatte aber im allgemeinen durchaus Giltigkeit. Zudem sind die Zahlen willkürlich angesetzt worden und ohne Berücksichtigung der Lohnsätze für Extraarbeiten an Großstücken, deren Hinzurechnung die Löhne der einzeln bezeichneten Stücke, wie Rock, Hose usw., oft erheblich steigern. Die Gehilfen haben, so teilt man uns mit, die Zahlen ausgesucht, die ihnen am besten passen und kein objektives Bild über die seither bezahlten, geforderten und zugebilligten 'Arbeitslöhne mitgeteilt. Daß die ganze Streiksache eine Macht frage ist, bleibt wahr, und die Arbeitgeber waren der Ansicht, daß es angebracht sei, darzutun, daß man seitens' der Gehilfen nicht willkürlich diktieren könne.
•* Diebstahl. Mittels Erbrechens einer Lagerbudk wurde in der Nacht vom 23. auf 24. lf. Mts. ein zwei- räderiger Stoßkarren gestohlen. Der Karren ist grün gestrichen und trägt die Aufschrift „Gebr. Decceectt.
**EineDri:cksachen-undDruckerei-Maschinew Ausstellung findet vom 9.—16. Juli in der Turnhalle in Bad-Nauheim statt. Sie soll den Besuchern die Fortschritte der heutigen Technik vorführen. Aus Oberhessen und vielen Teilen Deutschlands haben bereits bedeutende Firmen ihre Beteiligung zugesagt.
Bad-Nauheim, 24. Mai. Herr Schreiner, ehemaliger Ministerpräsident der Kapkolonie, ist hier zur Kur eingetroffen und hat im „Hotel Auguste Victoria^ Wohnung genommen.
* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Schwalheim sprang der Gastwirt M. in selbstmörderischer Abs'cht in die Wetter. Der zufällig hinzugekommene Maurermeister Pb Hottes von Friedberg und dessen Knecht retteten ihn unter größter Anstrengung vom sicheren Tode. M. war von der Staatsanwaltschaft wegen Sittlichkeitsdelikts vorgeladen worden, was den Anlaß zu her Tat gab. — In H ö ch st a. M. erhängte sich der Landwirt Madrich in seiner Wohnung. — Die ans Anlak des 100 jährigen Todestages Schillers von her Bürgerschaft in Herborn gepflanzte Schillerlinde ist von Bubenhand umgehauen worden. Als' Täter wurden der Bäcker Fritz Bender und der Anstreicher Adolf KNimmel ermittelt und überführt. Beide wurden verhaftet. — In Klein- Gladenbach büßte der Gastwirt Jakob Seibel durch einen Unfall, der ihm bei seinem Fuhrwerk passierte, sem Leben ein. Der Mann war zwischen die Räder und eine Wand geraten und fest an die Wand gepreßt worden. — In Braunfels ertränkte sich der Bureaugeb'fle Hermann Buchholz im Großen Weiher. —
Kunst und Wissenschaft.
Dresden, 24. Mai. Prof. Stuck-München wurde zum Mitglied der Akademie der bildenden Künste ernannt.
München, 24. Mai. Die Hofschauspielerin Amalie Scho euch en, Mitglied des' Wiener Hofburgtheaters,, ist in der vergangerwn Nacht gestorben. Amalie Schönchen, die ein Alter von fast 69 Jahren erreicht hat, gehörte in den Jahreii 1859 bis 1864 als beliebtes Mitglied dem Wiesbadeirer Hoitheater an
— Gerhart H auptmann wird E h r e n d o kt o r der Universität Oxford. Diese altehrwürdige Universität will ihm den doctor litterarum honoris causa verleihen. Da rüach den Statuten der Oxforder Hochschule eine solche Verleihung nur Persönlich vollzogen werden kann, so tritt Gerhart Hauptmann in diesen Tagen die Reise nach England an.
— Als erste Dame in Preußen hat Frl. Theklü F r e h t a g, die Tochter deS jüngst verstorbenen Senatspräsidenten Freytag, hier die staatliche O b e r l e h r e r p r ü f u n g ntifc Erfolg abgelegt, wodurch sie die Befähigung Mm Unterricht am Gymnasium und Realgymnasium erworben hat. Als Hauptfächer hatte Frl. Freytag Mathematik und Botanik gewählt. Das Interesse an der Botanik hat sie erblich überkommen. Sie ist von ihrer Mutter Seite her eine Enkelin Matthias Jakob Schleidens, des Begründers der pflanzlichen Zellenlehre.
— „Die Sturmglocke", ein fünfaktiges' Schauspiel bH Heidelberger Professors Vogler, wurde von den Direktoren Halm und Graul für das Berliner Theater zur Aufführung angenommen. Das Werk geht am 27. d. M. zum ersten Male in Szene.
Umverstläts-NaÄrilüten.
New-Po rk, 24. Mai. Prinz Heinrich von Preußen nahm die ihm brieflich von der Vereinigung alter deutscher Studenten angebotene E h r e ri m i t g l i e d s ch a f t cm.
Landwirtschaft.
)( Nidda, 24. Mai. In der vergangenen Nacht war die Temperatur derart niedrig, daß Frühkartoffeln und and Bohnen in den Gärten erfroren sind; auch das junge Laub der besonders am Waldrande stehenden Eichen hat Not gelitten. Den Obstbäumen, die nunmehr ansgeblüht haben, dürfte der Nachtfrost keinen Schaden gebracht haben.
0 Friedberg, 24. Mai. In der vergangenen Nacht traten in der Umgebung Nachtfröste ein, welche in den Gärten und Feldern großen Schaden anrichteten. So sind in der hiesigen Gemarkung sämtliche Frühgemüse, Bohnen, Gurken usw. erfroren. Auch die frühgesteckten Kartoffeln haben großen Schaden erlitten. Trotzdem das Obst schon abgeblüht hat, ist auch daran ein aroßer Schaden zu erwarten. Insbesondere glaubt


