Ausgabe 
21.3.1905 Zweites Blatt
 
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'Wort des Oberkonsistoriums nieb er gelegte Anschauung näher aus, während sich Syn. Wahl-Schlitz besonders über die rechtliche Seite der Frage ausspricht und den Wunsch ausdrückt, daß man möglichst aus eine friedliche Verstän­digung bedacht sein und Prozesse vermeiden möge.

Nach weiterer Debatte, an der sich die Syn. Köhler, Keil, Wagner, Römheld -Nidda und Dr. Lucius beteiligen, ist die Angelegenheit erledigt.

Syn. 93ernbed begründet darauf seinen Antrag, Großh. Oberkonsistorium wolle baldmöglichst eine Revi­sion der geistlichen Bauordnung vom 18. Nov. 1779 bezw. 27. Mai 18*20 vornehmen.

Der zweite Ausschuß hat darüber ausführlich Bericht erstattet uni) ist aus Grund der Mitteilungen des Ober­konsistoriums zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Kirchenbehörde in dankenswerter Weise im Sinne eines schon 1899 in dieser Frage gefaßten Synodalbeschlusses tätig gewesen ist und daß eine "Neugestaltung der alten geistlichen Bauordnung im Einverständnis mit der Staats­behörde demnächst zu erwarten ist.

Tie Synode nimmt ohne Debatte folgenden Ausschuß- antrag an: An das Oberkonsistorium das Ersuchen zu richten, dasselbe möge bei der Prüfung des ihm zugehenden Revijionsentwurss der Staatsbehörde die Interessen der Kirck-e wahren und der Landessynode, soweit es deren Mitwirkung bedarf, darüber Vorlage machen. Tamit wird der Antrag für erledigt erklärt.

Syn. Wahl-Langen begründet darauf seinen Antrag, an das Oberkonsistorium das Ersuchen zu richten, dasselbe wolle eine Revision der für die Ordnung der Kir chen- visitationen noch geltenden Instruktion vom 15. März 1834, bezw. der O. E. A. vom 29. April 1876 zum Zwecke einer Anpassung an die veränderten Verhältnisse in die Wege leiten.

Das Oberkonsistorium hat sich mit diesem Antrag ein­verstanden erklärt und der Ausschuß empfiehlt ihn zur An­nahme, die auch einstimmig erfolgt.

Zu der Vorlage des Oberkonsistoriums, den Neubau eines Synodalbaues betreffend, bemerkt Syn. Köhler, man könne an dem Neubau 40 000 Mk. sparen, wenn man die neuen Räume weniger umfangreich aussühre.

Syn. D. Schlosser führt dagegen aus, man müsie auch auf die Zukunst Rücksicht iU)mcn und namentlich auch dafür sorgen, daß genügende und zweckentsprechende Plätze für die Vertreter der Presse geschaffen werden.

Die Synode nimmt darauf nut allen gegen 5 Summen folgenden Ausschußantrag an:

. Synode wolle für den von ihr beschlossenen Neubau eines Synodalgebäudes und Erweiterungsbauten am Ober- konsistonalgebäude einen Kredit von 154100 Mk. bewilligen.

Es folgt die zweite Lesung deS Voranschlags des Zentralkirchenfonds für 1905/09, wobei die einzelnen Positionen nach unwesentlicher Debatte genehmigt werden. Bei Pos. 35, Förderung freiwilliger Unternehmungen für kirchliche Zwecke wendet sich Syn. Widmann gegen die Aeußerung eines Abgeordneten in der 2. Kammer, der beim Kap. Epileptische Anstalt vonunkontrollierbaren Samm­lungen" rc. gesprochen habe. Dagegen müsse er protestieren; die Sammlungen ständen unter der Aufsicht der Geistlichen.

Syn. Wagner bemerkt, in der zweiten Stände­

kammer sei gelegentlich der Etatsbcratung die Bemerkung gefallen (vom Äbg. Hirschel. D. Ref), man solle der Kirche den Staatszuschuß von 310000 Mk. streichen, falls die Geistlichen keinen Frieden hielten. Dem gegenüber müsse energisch betont werden, daß dieser Betrag keine Gnaden­leistung sei, welche von dem Belieben oder Wohlwollen der Kammermehrheit abhänge, sondern zu ihrem größeren Teil eine auf rechtlichen Verpflichtungen des Staates be­ruhende Leistung an die Kirche, und zu ihrem kleineren Teil eine bescheidene Anerkennung der großen Verdienste, welche die Kirche direkt und indirekt dem Staate leistet. (Zu­stimmung.)

Der Voranschlag des Zentralkirchenfonds wird danach in Einnahme und Ausgabe mit 2 320 587 Mk. genehmigt.

Damit schließt die Sitzung um 2 Uhr. Die nächste und letzte Sitzung der Synode soll morgen früh schon um 8 Uhr beginnen, damit das noch vorhandene reichliche Beratungs- matcrial erledigt wird.

Das Bureau der Synode wird morgen vormittag 10 Uhr vom Großherzog in besonderer An dien ^empfangen werden, bei welcher die Glückwunschadresse der Synode zur Vermählung des Grobherzoglichen Paares überreicht wird.

vermischtes.

* Saltomortale eines Brautpaares. In dem Torfe Neu-Werbig bei Brandenburg a. H. herrscht noch die alte märkische Sitte, daß beim Ausfahren der Hochzeits­kutsche quer über den Weg eine Leine gezogen wird, die erst dann von jungen Leuten des Dorfes in die Höhe gezogen wird, wenn sich der Bräutigam durch ein Geldgeschenk los­kauft. Diese Sitte verursachte jüngst eine Tragikomödie, der das Brautpaar Hüpfer zum Opfer fiel. Es wollte mit einem Trauzeugen von Neu-Werbig nach Gräben zum Standesamt fahren. Der Kutscher hatte den Auftrag, bei der Leine an­zuhalten. Die Pferde gingen aber durch und tarnen selbst unangefochten durch die Leine, ebenso der Kutscher, der sich schnell bückte. Das Brautpaar aber, mitsamt dem Trau­zeugen, wurden von der Leine erfaßt, arg geschunden und rücklings mit dem Wagensitz vom Wagen herabgerisien. In dem auf der Chaussee herrschenden Schmutz überschlugen sich alle mehrmals.

* Mord eines Deutschen in Amerika. In Pueblo (Mexiko) ist der frühere deiitsche Konsul Gustav Stein im Palaste des vielsachen Millionärs Ciittolene ermordet worden. Die Ursache ist noch nicht aufgeklärt und wahrscheinlich in geschäftlichen Differenzen mit Cuttolene zu suchen, der nebst seinem Sohne verhaftet morben ist. Stein war einer der bekanntesten Deutschen in Mexiko.

* lieber Wilhelm Liebknecht müssen bei manchem Sozialdemokraten eigenartige Vorstellungen herrschen. Darauf läßt folgende Briefkaslennotiz imVorwärts" am SamStag schließen:S. R. 1. Wilhelm Liebknecht war emRitter vom Geiste", nicht des Roten Adlerordens. 2. Er war nie­mals preußischer Minister, dagegen fein Lebtag internationaler Revolutionär".

Kleine Tageschronik. Berlin war am Montag nachmittag 1 Uhr plötzlich ganz in Dunkel gehüllt infolge 91 eb eis'in höheren Luftschichten. Die Erscheinung dauerte folt eine Stunde an. 17 Personen mußten aus dem rheinischen Kreise Olpe seit 5 Monaten zwecks Impfung in das Jmtitut für Infektionskrankheiten nach Berlin entsandt loerben. Am 18. d. M. ,nutzte eine K u h des Ackerers Maworn wegen Verdachts der T o l t >v u t getötet werden. Die Magd wie auch der Besitzer werden nun gleichfalls zur Impfung m das genannte Institut aufgeiiommen werben. In B r o ck t o n (Massachusetts) entltanb durch eineKessekexplosion eine Feuersbrun st in der Grooerjchen Schuhfabrik. Fast 100 Personen sind umgeko in m e n ; ihre Leichen wurden geborgen. In der Rushrun »Kohlengrube in West-Birginien sind durch eine Explosion 10 Mensche n getötet worden. Eine Rettungs-Abteilung, wetche 14 Mann stark in die Grube einfuhr, kam infolge einer zweiten Explosion ebenfalls ums Leben. In Trier hat sich der Regiments- Adjutant Butzner voin 29. Inf.Regt, erschossen. In Königsberg wurde eine Frau Böhm verhaftet. Im Ofen ihrer Wohnung waren die verkohlten Reste ihres Pflege­kindes gefunden worden. Es liegt wahrscheinlich ein Fall von Engelmacherei vor. In Traunstein wurde der frühere Buren-Oberst Freiherr Louis von Zetewski in feiner Equipage aus bisher unbekannten Gründen verhaftet und nach dem Unlersuchungsgefängnis abgeführt. In Graz feuerte der 22 jährige Agent Heinrich Feldern auS Hamburg gegen die Tischlersfrau Johanna Höfler, die er schon feit längerer Zeit mit Liebesanträgen verfolgte, drei Revolverschüsse ab und verwundete sie tötlicg. Darauf verletzte er sich selbst durch zwei Schüsse schwer.

y>mdjts|aal.

Mainz, 19. März. Redakteur Adelungvon derMainzer Volksztg." und Dr. Dämmert von derWormser Volksztg." haben sich am 13. April vor der hiesigen Strafkammer wegen Be­leidigung des katholischen Pfarrers Wieland in Gundheim zu verantworten. In beiden Zeitungen waren Artikel erschienen mit der Ueberschrist:Der Gememderatsskandal in Gundheim", worin dem Pfarrer vorgeworfen wurde, feingeist­liches Amt zu Wahlgeschäften unlauterster Art durch unerhörten Gewissenszwang mißbraucht" zu haben. Außerdem war der Pfarrer durch beschimpfende Bezeichnungen beleidigt worden. Zu der Ver­handlung sind nahezu 100 Zeugen, darunter fast sämtliche Wähler aus Gundheim, geladen worden.

Die Marktpreise für Vieh uud Frucht und die Gießener Fleisch- uud Brotpreise

am 20. März 1905.

Höchste Schlachwiehpreise m Frankfurt a. M.

Fleischpreise in Gießen

Ochsen

Kälber Schweine

50 Kg. Schlachtgewicht 70-72 Alk.

*/$ Kg. Schlachtgew. 8082 Pf.

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7, Kg. 70-80 Pfg.

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Getreidepreise in Mannheim

Brotpreise in Gießen

Weizen 100 Kg. 18,70 Alk.

Roggen 100 14,70

Weitzbrot 2 Kg. 52 Pta.

Schwarzbrot 2 Kg. 48 Pfg

Hchisssimajlichten.

Norddeutscher Lloyd.

In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplatz.

B r e m c n, 17. März. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelfchrauben-SchnellpostdampferKr^onprust Wilhelm", Kapitan A Richter, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 4 Uhr nachmuiagS wohlbehalten in Newyork angekommen.

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