Nr. 68
Zweites Blatt.
155. Jahrgang
Dienstag 21. März 1905
Eichener Anzeiger
a-kch mtt ttütno^me bei Sonntag».
8totatton5t>rud and Verlag der Vrühllch« Unwersuälsdruderel. R. Laag«, Gretzeu»
Redaktion, Hxpedlttor» o. Druckerei Schulstr.!.
XeL Nr 61. Lelegr^itldr. <
t>te ^Sletzen« KamlNendlStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «tzelölchs toBOottT* erscheint monatlich einmal.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Eietzen.
Ker Kauptvoranschlag für 1905.
Gieß en, 20. März.
Noch einmal hat die hefs. Regierung der zweiten Kammer der Stände „weitere Nachträge und Berichtigungen* zugehen lassen, welche außer der Richtigstellung einzelner rechnerischer Posten einen wesentlichen Zusatz zu Kap. 38: „Gymnasien, Realgymnasien 2c.fl zum Gegenstände haben. Es ist nunmehr die Errichtung einer weiteren Oberlehrerstelle für die Realschule in Alzey mit einem Betrage von 2800 Mk. vorgesehen, obwohl dort eigentlich das Bedürfnis für drei neue Stellen vorhanden ist.
Die Regierung sucht die Deckung für diese Mehrausgabe öurch Erhöhung des Schulgeldes um 20 Mk. jährlich für jeden Schüler der staatlichen höheren Lehranstalten, besten Eltern oder sonstige Unterhaltungspflichtige nicht im Großherz o g tum wohnen, mit Ausnahme solcher Schüler, welche im Großherzogtum zur Einkommensteuer herangezogen sind oder deren Eltern oder sonstige Unterhaltspflichtige hessische Staatsbeamte find und ihren dienstlichen Wohnsitz außerhalb des Großherzogtums haben. Die Regierung rechtfertigt diese Erhöhung damit, daß an verschiedenen norddeutschen Schulen in ähnlicher Weise verfahren werde und daß außerdem die Eltern dieser Schüler gegenüber den Steuerzahlern des Großherzogtums einen unbegründeten Vorteil genästen; denn das gesamte Schulgeld decke nur zum kleinen Teile die durch die Schulen veranlaßten Ausgaben. Es könnte dann der der Staatskaste zu gut kommende Anteil an der Einnahme aus diesem Schulgeldzusatze auf 14 000 Mk. jährlich veranschlagt werden.
Der Vorlage liegt eine Ueberficht über die Verteilimg der Mehreinnahme in Bezug auf die einzelnen Lehranstalten bei, aus welcher sich ergibt, daß die Realschule zu Wimpfen die meisten auswärtigen Schüler (138) hat; dann folgt Bingen mit 124, das Realgymnasium und Ober- realschule in Gießen mit 82 u. s. f. Auffallend wenig auswärtige Schüler haben die 3 höheren Lehranstalten in Darmstadt mit insgesamt 37, während z. B. das Gymnasium in Gießen 33, das in Büdingen 29 und das in Laubach 21 hat; insgesamt find 817 auswärtige Schüler an den hessischen Lehranstalten. Man wird sich wohl an und für sich mit dem Anträge der Regierung einverstanden erklären können, denn der ev. Rückgang in der Frequenz durch auswärtige Schüler infolge der Erhöhung wird kaum so bedeutend sein, daß sich die von der Regierung aufgestellte Rechnung sehr wesentlich verschieben könnte. Hoffentlich hat aber diese erste Erhöhung des Schulgeldes nicht auch weitere für die einheimischen Schüler zur Folge, denn — wenn die Regierung geneigt ist, sich dem Vorgehen norddeutscher Städte anzuschließen — so wird sie leicht auch fernere Beispiele finden können.
Volilische Tagesschau.
Kaiser Wilhelm in Tanger.
Kaiser Wilhelm wird gelegentlich der Mittelmeerreise, die er Mitte dieser Woche anzutreten gedenkt, am 31. d§. Mts. der marokkanischen Hafenstadt Tanger einen Besuch abstatten. Bei den internationalen Verhandlungen, die wegen der Zukunft dieses Sultanats schon seit vielen Begeisterung, mit der die Bevölkerung in Tanger über 111 """ ...............
Kammermustkavend.
Achtes Konzert des Gießener Konzertvereins.
Gießen, 20. Mär-.
Ein geleitet wurde der gestrige zweite Kammermusik- /ibend des „Gießener Trio" — so dürfen wir die Vereinigung Rebner-Hegar-Trautmanu wohl freudig und bon£ bar nennen — durch das C-nwll-Trio von Brahms (Op. 101) und es genügt wohl die Anführung dieser Namen, um zugleich damit -u sagen, daß uns wieder ein großer Genuß beschert war. Als ein Meisterstück Brahms' auf dem Gebiete der Kammermusik wird das Werk bezeichnet; man merkte den Künstlern die Freude an, mit der sie uns seine Schönheiten übermittelten. Fast ganz, frei von der Derbe, die so manche Brahmsschen Stücke charakterisiert und für den ost ungenießbar macht, der nicht in tieferem Studium imd Eindringen durch die harte Schale zum Kern, zum eigensten Wesen Brahmsscher Kunst hindurchzudringen vermag, schmeichelt es sich ums in Herz und Sinn und wiegt uns in Träume voll Schönheit; aber es ist an Fleisch und Blut und Geist doch ein echter Brahms, seine Theurcn sind erfüllt von Brahmsschem Ernst und Brahmsscher Kraft. Wie prächtig kontrastiert mit dem sieghaften Eingmigsthema der mächtige, säst schwere Ernst 'des getragenen Gesangsthemas im ersten Satz; wite mit dem ganzen Charakter des ersten Satzes wieder das traumhaft huschende Thema des Presto, dem sich das schlichtliebliche Andante Grazirso anreiht; den Schluß bildet dann das großartige Allegro molto, ein echter Brahms in Rhythmus und Melodienführung. Gespielt wurde das Werk wie aus einem Guß, mit lebendigster mitempfindender Auffassung, prächtigem Klang und vollendeter Technik; die vornehme Wiedergabe war des Werkes wüttsig.
Der darauf folgende Vortrag von Schillers Eleusischent Fest Nit der Schillingsschen begleitenden Musik hatte wohl zusammen mit dem Wildenbruchschen „Hexenlied" das meiste Interesse bei vielen Besuchern des Konzerts erweckt; ein reiner Jnstrumental- kammermusikabend hätte wohl kaum ein so glänzend besuchtes bans gemacht. Das Jntereste muß auch auf feine Rechnung gekommen sein; denn, das soll von vornherein konstatiert werden, -ein reicher Beifall ward nach beiden Vorträgen Herrn Dr. Pfeiffer ,zuteil. Dies vorausgeschictt, muß ich offen gestehen, daß für -Mich der erste Vorttag, sowohl was die Kompositwn wie was den ! Vortrag selbst anlangt, eine große Enttäuschung bedeutete. Der -innere Zusammenhang zwischen Gedicht und Musik ist mir ver- Iborgen geblieben: daß jemandem durch die wenigen einleiten- $ kn Taste und die darin ziemlich willkürlich me Mw da ein- ,gestreuten Akkorde di: Schönheit oder etwa der stoffliche Inhalt »des Gedichts mehr erschlossen werden sollte, als durch das bloße ?Wvvt selbst, kann ich 'mir kaum denken; daß aber durch das wenig nüanzierende Pathos der Deklamation,» gegen bie die iLlavierbegleitung fast schüchtern klang, die natürliche Lchonhett gö Schüler-scheu 23crfe teilweise geradezu verloren ging, war.
Monaten im Gange sind und die gerade jetzt an einem entscheidenden Wendepunkt angelangt zu sein scheinen, erregt die Absicht deZ Kaisers natürlich allenthalben großes Aufsehen. In Tanger selbst verursacht nach Privatmeldungen die Nachricht unbeschreiblichen Enthusiasmus. Deutsche, Marokkaner, Juden, Spanier planen großartige Ovationen. Schon jetzt sind verschiedene Kommissionen ernannt worden, die für die Ausschmückung der Straßen sorgen sollen.
Aus Tanger drahtet der Korrespondent der „Times" vom 19. März-, daß die Annäherung zwischen Marokko und Deutschland immer markanter werde. In Beantwortung von Anfragen der maurischen Negierung habe Deutschland jüngst erklärt, das; es nicht nur an keinerlei Abmachungen beteiligt sei, sondern deren Bestehen amtlich unbeachtet lasse. Ueberdies sei Deutschland entschlossen, dafür ni sorgen, daß die Integrität Marokkos aufrecht erhalten werde. Die Folge dieser Haltung sei, daß der deutsche Einfluß jetzt in ganz Marokko ü b e r w i e g e. Tie Absicht des deutschen Kaisers, Tanger zu besuchen, verursache ungewöhnliche Befriedigung in Eingeborenenkreisen. Ter Kaiser werde nich-t nur mit allen möglichen Ehrenbezeugungen seitens der Regierung, sondern mit Entzücken von der ganzen maurischen Bevölkerung empfangen werden. Die politische Wichtigkeit des Besuches sei überaus groß im gegenwärtigen Zeitpunkte. Die Mauren glauben, dieser Besuch werde allen französischen Anmaßungen in Marokko ein für allemal ein Enoe setzen.
Anknüpfend an diese Ausführungen der „Times" sagt die „Nordd. Allg. Ztg.":
„Wir können bei dieser Gelegenheit daran erinnern, daß der Kaiser bereits vor Jahresfrist in Vigo während seiner Zusammenkunst mit dem König von Spanien rückhaltlos erklärte, daß Deutschland in Marokko keine territorialen Vorteile irgend welcher Art erstrebe, sondern dott nur für hie Fortdauer der wirtschaftlichen Gleichberechtigung einzutreten habe. Bis heute haben wir keinen Anlaß, zu vermuten, daß der Sultan von Marokko Verpflichtungen einzugehen beabsichtigt, welche feine Unabhängigkeit beschränken und ihn fünf- tighin verhindern wurden, allen handeltreibenden Völkern auf seinem Gebiete eine gleiche Behandlung zu teil werden zu lassen. UebrigenS bringt die Lage Marokkos mit sich, daß bei dieser Frage die Interessen des Welwerkehrs in Betracht zu ziehen sind/
Wenn die „Nordd. Allg. Ztg." das nochmals ausdrücklich betont, so geschieht es m der Absicht, die neugewonnenen französischen Freunde darauf aufmerksam zu machen, wie sehr der Einfluß Deutschlands in Marokko im Steigen begriffen sei. Der liebenswürdige Zweck des Hinweises ist, die Franzosen wissen zu lassen, die deutsche Politik sei schuld daran, daß es der Republik mit der „friedlichen Eroberung" der Marokkaner so gar nicht glücken will. Die den Besuch des Kaisers erfüllt ist, entspringt im Grunde der bis zum Haß gehenden Abneigung gegen die Franzosen. In Kaiser Wilhelm erblickt die Bevölkerung, so wird der „Tägl. Nundsch." telegraphiert, den Schützer der marokkanischen Unabhängigkeit. Das ist südliche Ue.bertreibung, soweit geht das deutsche Interesse keinenfalls. Für die Unabhängigkeit Marokkos einzustehen, dafür sind die „Knochen des pommerschen Grenadiers* denn doch zu kostbar.
Der in Tanger residierende marokkanische Minister des Auswärtigen sandte seinen Kabinetschef mit Begleitung nach Fez, um dem Sultan von den für den Besuch Kaiser Wilhelms getroffenen und noch zu treffenden Vorbereitungen Kenntnis zu geben. Der Landungsplatz und das Zollhaus erhalten Schmuck. Die Elite der Deutschen von Tanger und anderen Städten werden zum Empfang erscheinen.
glaube ifdj, nicht nur mein Eindruck. Von tiefer Wirkung, eigenartig reizvoll ist dagegen das Hexenlied Wildenbruchs mit der gleichfalls von Schillings komponietten Begleitung; hier hat der Komponist wirklich die schönen fließenden Verse des Dichters nachgemalt und es verstanden, die Grundstimmung zu treffen und festzuhatten, die Accente zu unterstreichen und uns so seelisch zu ergreifen. Freilich ist das dramatisch bewegte Gedicht mit seiner Liebes- und Sehnsuchtsstimmung, in dem warmes rotes Menschenblut Pulsiert und ein Menschenherz schlägt, auch ein dankbarer Stoff für den Komponisten als die marmorne Schönheit der Schillerschen Verse. Herr Dr. Pfeiffer gab hier eine lebensvolle packende Darstellung, die die Zuhörer in dem Banne des mit künstlerischer Anschauungskraft gemalten Vorwurfs festhielt; vorttesflich paßte sich dem gesprochenen Worte die Klavierbegleitung Herrn Trautmanns an.
Das Mittel stück des Konzerts, die Violinsonate Op. 30 No. 2 von Beethoven, wohl nach 'der Kreuzer- und der Frühlingssonate die bekannteste und beliebteste der Beethovenschen Violin- sonateN, ließ uns Herrn Redner toieber einmal als Solisten hören und alle oft genannten Vorzüge seines Spiels bewundern. Wenn ich eine Ausstellung zu der sonst vollendeten Wiedergabe der Sonate zu machen hätte, wäre es die, daß er für meinen Geschmack rmd nach meiner Kenntnis der Sonate den ersten Satz im allgemeinen zu schnell nahm; conbrio heißt doch nicht Presto; mit dem Uebereilen geht so manche Schönheit des Satzes verloren.
Zum Schluß: Beethovens großes, herrliches Op. 97, die Wonne jedes Kenners und Freundes der Kammermusik überhaupt. In meisterhafter Wiedergabe durch das vorttefflich aus einander eingespielte Trio gab es dem Abend einen wunderbaren Ausklang.
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— Man schreibt uns aus Frankfurt: „Der Kilometer f re ff er", der Schwank von Kurt Kraatz, der Ihnen ja bereits seit Weihnachten bekannt ist, fand bei seiner Erstaufführung in Anwesenheit des Autors ein vollbesetztes, beifallfreudiges Haus. Die Darsteller nahmen sich mit sichtlicher Liebe ihrer Rollen an und ließen sich keine Nuance entgehen, so vor allem Herr Baum als nervöser, eifersüchttger Hoffchauspieler, Herr Bolz als moderner Dichter, der bei seinen Studien in verrufenen Lokalen ein blaues Auge neben „springenden Punkten" davonttägt und Frl. Klinkhammer als Hausdrache und Schwiegermutter. „Charleys Tante" scheint hier für einige Zeit einen vollwettigen Ersatz gefunden zu haben. A. S.
— Zu Ehren des Erfinders des Kehlkopffpiegels Manuel Garcia hatte die Larvngologengesellschaft in Berlin am 17. d. M. eine Festsitzung veranstaltet, in der Professor Paul Heyne die Bedeutung Garcias in längerer Rede würdigte. An die Festrede schloß fick ein Essen, bei dem Professor v. Bergmann erzählte, daß der Kaiser seit der Erkrankung seines Vaters sich lebhaft für laryngolog ische Dinge interessiert. Der damalige Prinz habe wissen wollen, worin
Minister Freiherr von Hammerstein f.
Ter preußische Minister des Innern, Frhr. v. Hammer- stein ist am Montag nachmittag 3Vs Uhr plötzlich geflorbett
Der Tod des Ministers erfolgte in seiner Berliner Wohnung Unter den Linden 72/73. Ter Minister war in einem An falle von Asthma mit bedrohlicher Herzschwäche erkrankt. Im Laufe des Vormittags verschlimmerte sich sein Befinden, sodaß Befürchttmgen für das Leben entstanden. Ter Kaiser hatte Geheimrat v. Lucanus zu dem Kranken entsandt, um sich nach dem Befinden erFurtbigen zu lassen, und den Generalstabsarzt Leuthold ersucht, ihn fortdauernd über den Zustand des Ministers zu unterrichten. Auch die Kaiserin hatte sich nach dem Befinden des Ministers erkundigen Taffen. Frau Minister v. Hammerstein, die erst vor wenigen Tagen nach überstandener schwerer Krankheit nach Meran^ zur Erholung abgereist war, wurde telegraphisch zurückberufen.
Hans Freiherr von Hammerstein-Loxten war geboren am 27. April 1843. Er stammt aus dem jüngeren Aste der Loxtener Linie; sein Vater war bis 1865 hannöverscher und 1865/72 mecklenburg-strelitzscher Minister. Der Verstorbene begann seinen juristischen Vorbereitungsdienst beim Oberlandesgericht in Kolmar, trat dann zur Verwaltung! über, war 1877/84 Kreisdirektor zu Mülhausen int Elsaß, dann Bezirkspräsident in Metz. Zum Wirklichen Geheimen Oberregierungsrat und Mitglied des LandwirtschaftsratK ernannt, folgte er 1901 dem jetzigen Fin an Minister Frhrn. v. Rheinbaben als preußischer Minister des Innern.
Deutschlands Liberalismus weint dem Verstorbenen keine Träne nach. Er war der reakttonärste unter den heutigen preußischen Minister, und infolge seines unleutseligen Wesens selbst nicht bei den politisch ihm Nahestehen- den beliebt.
KvanaelisÄe <Landesfynod.
9tSB. Tarmstadt, 20. März.
Nach dem Eröffnungsgebet des Syn. I o st - Bechtheim teilt Präs. D. S tamm-Gießen mit, daß die übliche gesellige Zusammenkunft der Synodalen heute abend im Brtt- tania-Hotel stattfinden wird.
Zur Beratung kommt zuerst die Anfrage des Abg. Dr. Lucius- Mainz: „Nach welchen Grundsätzen und Gesichtspunkten verfährt Großh. Oberkonsistorium bei Erteilung oder Verweigerung der nach § 1 des Gesetzes vom 6. August 1902 erforderlichen Genehmigung zur Stellung des Antrags auf Ueberschreibung von Grundeigentum auf den Namen der Kirchen gemeinden."
Tas Oberkonsistorium gibt darauf die Erklärung ab: Wir suchen tunlichst den Grundsatz zur Geltung zu bringen, daß Kirchen und Pfarrhäuser, wie dies der Natur der Tinge entspricht, als Eigentum der örtlichen Kirchengemeinoe („Kirche zu. . . .") anerkannt und so ins neue Grundbuch eingetragen werden. Von diesem Gesichtspunkte aus verweigern wir nie die Genehmigung zu dem Antrag, den ein Kirchenvorstand auf Ueberschreibung gemäß den Be- sttmmungen obigen Gesetzes, und suchen die bei einem Kreisamt gegen Genehmigung bestehenden Bedenken zu beseitigen. Weiter heißt es in dem Bericht, das Oberkonsistorium suche die etwa von einem Kirchenvorstand gegen die Ueberschreibung geltend gemachten Bedenken zu widerlegen, es stehe ihm aber keine rechtliche Möglichkeit zu, den Kirchenvor- stand zu zwingen, von der durch das Gesetz eingeräumten Gestattung Gebrauch zu machen.
Syn. Dr. Lucius begründet seine Anfrage des näheren und erklärt sich im allgemeinen mit dem Bescheid des Oberkonsistoriums einverstanden.
Oberkonsistorialpräs. D. S3 it tt c r führt die in der Ant-
die Krankheit seines Vaters bestand. Er habe dem Prmzerr darauf an einer künstlichen Nachbildung des Kehlkopfes gezeigt, wie man mit Hilfe des Kehlkopfspiegels ein Bild von den Sttmm- bändern gewinnt, und dann demonstriert, wie gutartige und bösartige Bildungen an Stimmbändern am Kehlkopffpiegel ut die Erscheinung treten.
— Theodor Fontane: Gesammelte Werke. 1. Serie. Ausgabe in 10 Bänden, enthaltend sämtliche Romane und Erzählungen. Subskriptionspreis vro Band geh. 3 Mark. Soeben erschien Band 1. Nachdem jüngst Theo do r_ Fontanes köstliche Plauderei über das Theater der großen Schar seiner Verehrer neu vorgeführt worden sind, beginnt jetzt die Veröffentlichung einer Gesamtatlsga.be der Werke Theodor Fontanes. Von pietätvoller Hand vorbereitet, erscheint hier. das gesamte Werk Fontanes in einer mustergiltigen Ausgabe, die auch all das umfassen wird, was der fleißig Schaffende in früheren wie späteren Jahren in verschwenderischer Fülle ausgestreut hat. Die Eigenart des Fontaneschen Lebensganges — erst Avothekerlehrling, dann Redakteur, Dichter, Polittker, Biograph und Historiker, endlich Wanderer, Kritiker und Romancier; überdies noch zu allen Zeiten Briefschreiber par ercellence — bringt es mtt sich, daß diese Gesamtausgabe drei Abteilungen umfassen wird.^ Der erste Band der ersten Mteilung, in welcher uns in zehn Bänden sämtliche Romane und Novellen, chronologisch geordnet, dargeboten werden, liegt bereits vor; er entMt den 2lnfang des großen historischm Romans Vor dem Sturm in großem deutlichen
— M a s e a g n i § neue Oper „Amte a" hat im Theater zu Monte Earlo feine Uraufführung erlebt. Es war ein geräuschvoller Eriolg, der dem Eharak.er der Musik entsvricht. Siegfried Wagner saß im Zllschauerraum, der trotz der hohen Preise (erstes Parkett kostete 100, der billigste Platz 20 Frank) überfüllt war. Mascagni dirigierte seine Oper selbst. Im Mittelpunkt der Handlung steht Amiea, eine junge Bäuerin, die von zwei Brüdern geliebt wird. Ihr Onkel will sie, um seine Magd heiraten zu können, mit dem schwächlichen Giorgio verheiraten, dessen älterer vagabundierender Bruder Riualdo Amiea liebt und von ihr wiedergeliebt wird. Beide fliehen in die Berge. Giorgio folgt ihnen, und als Rinaldo erkennt, daß sein kranker Sruber an der hoffnungslosen Liebe 311 Amiea sterben müsse^ entsagt er ihr. Die verzweifelte Amica tötet sich durch einen Sturz vom Felsen. Zu dieser von Choudens verfaßten Handlung fomponierte Mascagni eine Musik, beten Bestes in den Ehören liegt. Am wirkungsvollsten ist das wiederholt auftretende Liebesmotiv, eine effektvolle Kombination aus dem „Walhall"-Motiv und der Hymne aus dem „Propheten". Am schwächsten ist es mit dem Orchester bestellt, das mit geräuschvoller Sorglosigkeit behandelt ist und weder Personen noch Situationen charakterisiett. Echte italienische Verve, die feint Schonung mit den Gesangstimmen kennt, sowie die dem Ganzen eigentümliche brutale Leidenschaft verhalfen dieser Oper trotz aller Mängel zu einem starken äußeren Eriolg.


