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25.1.1905 Erstes Blatt
 
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8492, Süd

von von von von von

ein Mann be- bem Eingang Polizeibeamter entkommen.

am Boulevard

15 273, 15 221, 13 403, 13 385, 26 615. Mann Mann

stü tzung zu teil werde unb zu verlangen, daß eine nationale BerqarbeiterversammlunG einberufen werde, um für wertere Geldunterstützung zu sorgen.

deutsches Neickr.

.-23 e.rl i n, 24. Ian. Ter Kaiser besuchte gestern abend die Militärische Gesellschaft, wo .Hauptmann Ianp vom Großen Gc- ueralftob über die Schlacht bei Hochkirch sprach. .Heute unternahm der Kaiser den gewohnten Spaziergang im Tiergarten, sprach ber dem Neichskmrzler vor, hörte im kgl. Schlosse den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts und empfing den Admiral von Öotfeenborn. Am Nachmittag bejuchte Sc. Majestät daL Atelier des Bildhauers Eauer.

^-as Abgeordnetenhaus bat heute den Landwirt-

ckiaftsetat weiter beraten und den Titel Minister bewilligt, ebenso den des Kapitels Besoldungen. P .

Magdeburg, 24. Jan. Der der Reichstagsersatz- wähl in C a l b e - A s ch e r s l e b e n erhielt Placke (natl.) 19 435 und Albrecht (Soz.) 21 730 Stimmen. Letterer ist somit gewählt. ...

Stuttgart, 24. Jan. Die württembergische Z iv i l l i st e erfordert einen jährlichen Baraufwand von 1 800 000 Mr, wozu noch 224 898 Mk. in Naturalien kommen. Die Staatsschuld beläuft fick, unter Ciirrechnung der für Zwecke der Derkehrsanstalten aufzunehmcnden Anlehen im Betrage von 36 Millionen, Ende 1905 auf 553 665 475 Mk., Ende 1906 auf ^^070 Mk. Vertragsm"ßig werden getilgt 1905: 3 229 775 Mk, 1906: 3 348 500 Mk., d. h. ein wenig mehr als die gesetzlich beftrmrnten 0.6 Proz. Für Pensionen werden verausgabt: 1905: 4 145 700 Mark, 1906: 4 316 300 Mk., der Aufwand für das Staats- m i n i ft e r i u m und den Geheimen Rat beziffert sich auf 67 040 Mark pro Jahr.

Dom Ae'garöciteranskand.

Von der Belegschaft in 18 Bergrevieren des Ober­bergamtsbezirks Dortmund waren am Dienstag angefahren: Im Bergrevier .Hamm 332 Mann von 1266, im Revier Dortmund I 2972 von 14 031, Dortmund II 5477 von 18 640, Dortmund III 3843 von 16 817, Recklinghcuffen- Ost 2878 von 14 992, Recklinghausen-West 1734 von 14 026,

Danach sind im ganzen angefahren 4 7 6 05 von 243263. Mithin fehlten 195658

Witten 2953 von 10 949, Hattingen 149 von bochiim 7757 von 9595, Nordbochiun 3166 Herne 2767 von 16 387, Gelsenkirchen 2438 Wattenscheid 3494 von 15 648, Öftesten 2244 Weitesten 2723 von 16 512, Südcsten 2333 Werden 434 von 2011 und Oberhausen 4543

Ans nnö £(P*fo.

Gießen, den 25. Januar 1905.

** Pers onalien. Uebertragen wurde dem Schulamts­aspiranten Walther aus Hochweisel eine Lehrerstelle an der Gemcindeschule zu Hochweisel, dem Schulamtsaspiranten Lehr aus Dietzenbach die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Schwickartshausen im Kreise Büdingen. In den Ruhe­stand wurde versetzt die Gesangenaufseherin am Provinzial- arreftbaus in Darmstadt, Gertrude Roos, geborene Schäfer, aus ihr Rachsuchen unter Anerkennung ihrer treuen Dienste.

" Das Programm zu den Vermählungs­feierlichkeiten am Darmstädter Hofe ist nach der ^Darm­städter Ztg." folgendes: Am 31 Januar nachmittags 4 Uhr trifft das Brautpaar mit den Angehörigen der Braut ein? te werden durch den Oberbürgermeister begrüßt. Abends findet in der Stadt Illumination statt. Am Abend deZ 1. Februar wird ein Hoffest im Residenzschloß abgebalien. Am Vormittag des 2. Februar wird der Kaiser eintceffen, dem militärischer Empfang (großen Empfang hat sich der Kaiser verbeten) zu Teil wird. Mittags 12 Uhr wird in der Hofkirche die Trauung durch Prälat D. Walz vollzogen werden. Rach der Trauung findet Galatasel im Kaisersaal des Residenzschlosses statt. Später begeben sich die Neuver­mählten nach Schloß Romrod.

**Huddei st überführt! Von der hiesigen Staats­anwaltschaft wurde uns heute eine Mitteilung, wonach nunmehr der Beweis mit Sicherheit erbracht ist, daß Hudde tatsächlich der Mörder des Heldenberger Pfarrers Thöbes ist. Man hat nämlich die geraubte goldene Remontoir- Ankeruhr 30 299 aufgesunden, die Hudde nach seiner blutigen Tat verpfändet hat. Die Pfandbriefe, die er bei seiner Verhaftung bei si.ch trug, haben ihn verraten! Es wurde festgestellt, daß der Verbrecher schon am 17. November, 6 Tage nach dem M»orü, die erwähnte Uhr des Pfarrers' Thöbes in Köln bei einem Althändler und Pfandvermittler Namens Himioben auf einen Pfandschein Nr. 39 581 versetzt hat. Am 15. Dezember, als er nach dem Norather Dieb- stahl wieder im Besitz von Geldmitteln war, löste er die Uhr wieder ein. Am 21. Dezember brauchte Hudde wieder! Geld, und wiederum wanderte die Uhr ins Pfandhaus diesmal in die Hände der Pfandvermittlerin Witwe Anton Danz in Köln, von der er 16 Mk. in Empfang nahm, gegen . 2 Mk. Vermittlungsgebühr, die er der Frau noch schuldet. Diesen Handel schloß er unter dem Namen Hüttemarck ab, wie aus dem Pfandschein hervorgeht, dem auch die ge­naue Adresse der Vermittlerin, Krummer Büchel 14, zu entnehmen war. Die hiesige Staatsanwaltschaft hat sogleich, am 18. Januar nach Köln geschrieben und heute die Uhr empfangen. Der Verbrecher, der übrigens auch Kleider re. versetzt hat, leugnete seither hartnäckig. Bei den Vernehm­ungen verlegte er sstcht auf dreisten Schwindel, der aber sofort von der Behörde als solcher erkannt werden mußte. Siubbc behauptete nämlich u. a., während des ganzen Mo­nats November nur in Luxemburg sich aufgehalten zu haben, während man die bestimmten Beweise in Händen hat, daß er häufig, während dieser Zeit sich in der Rhein­gegend herumgetrieben hat. Es ist verwunderlich, daß der sonst nicht eigentlich beschränkt zu nennende Bursche augati, in Luxemburg sich aufgehalten zu haben, während er von diesem Lande nicht das geringste zu bekunden wußte. In Neulich wollte er gewesen sein, gab aber auf die Frage darüber, was das für eine Stadt sei, so ausweichende und unrichtige Antwort, daß die Lüge sofort offenbar war. Re- mich spielte aber in den Verbrecherplänen des Hudde doch steht nämlich fest, daß bei dem Norather

~teß ,1(11)1. d'n Hudde in Gemeinschaftm't trm ; f er g^nannt'n ^altcr verübt hat, den er aber noch immer leugnet, Walter oie_ ^emertuug machte, in Remich feiauch etwas zu machen" und daß tu dieser Stadt jemand für spätere Taten von den« Raubmörder schriftlich vorgemerkt Würbe! Hudde ist bisher von dem, was mau über ihn ermittelt hat, noch nicht in Kenntnis fcb fc$t worden. Wenn man ihm nun all die Be- weise, die mau gegen ihn in Händen hat, demnächst vor- 9?.' und d'as soll nach unseren Informationen wahr- icyeinllch heute oder morgen geschehen wird er sich hofsentttch zu einem Geständnis bewegen la sen. Ein Zweifel daran, daß er der Täter ist, besteht nicht mehr. Am ^--nnstag hat die hiesige Untersuchungsbehörde in Hclden- bergeu erneut sestzustellen vermocht, daß Hudde am Mordtag mit ^Bestimmtheit am Tatort gesehen worden ist.

L* Gründung des Bürgervereins Gießen. 9oRn9m Versammlung im Neuen Saalbau hatten sich lea. 150200 Perionen eingcfunbcn. Lehrer Valentin Müller

alle Anleiheir, die fron1 der kaiserlichen Regierung nach dem 22. Januar auf genommen werden sollten, wurden nicht^an­erkannt werben, da keine Nation augenblicklich ber russischen Regierung eine Anleihe gewähren könne, ohne AU wissen^ daß das Bürgertum und die Regierimg augenblicklich über die Lösung der Frage kämpften, wer wirklich die Nation repräsentiere.

Die Stimmung im Nuslande.

Wer Krieg.

Tschisu, 24. Jan. Meldung des Reuterschen Bureaus. Ein Flüchtling, ber'auS Port Arthur mit einem Dampfer hier angekommen ist, hat eine Abschrift von Stössels letzter Proklamation an die Besatzung, datiert vom 2. Januar, gebracht. Die Proklamation wirft einen Rückblick auf die glorreichen Leistungen der Besatzung; sie weist da­rauf hin," wie die Einschließung durch die Japaner langsam, aber unwiderstehlich enger geworden sei, so daß ein weiterer Widerstand Mord gewesen wäre.Es ist nicht schwer, für sein Land zu sterben", heißt es in der Proklamation weiter,aber ich muß mutig genug sein, die Festung zu übergeben, die ihr Werk getan hat. Es ist keine Flotte mehr da, die geschützt werden muß. Eine große Armee derJapaner ist vernichtet und dadurch außer Stande gesetzt worden, gegen Kuropackin zu kämpfen."

Nach einem Bericht aus dem japanischen Hauptguartier bei Hsienchang vertrieben die Japaner am Montaa russische Kavallerie in Stärke von ungefähr einer Es­kadron nordwestlich von Weistzaku aus ihrer Stellung und besetzten diese, wobei sie einige Pferde und Waffen erbeuteten. Eine andere japanische Abteilung schlug die Russen bei Chancheng. Die Verluste auf Seite ber Ruffen sind über 20 Tote und Verwundete. Die Japaner nahmen 5 Mann gefangen und erbeuteten Pferde und Waffen.

Majunga, 24. Ian. Admiral Roshestwensky er­klärte in einer Unterredung, er wisse sehr wohl, daß fich japanische Schiffe in seiner Nachbarschaft auf­halten, er habe selbst bei ber Fahrt an ber Ostküste von Madagaskar vier Schiffe bemerkt, die vermutlich japanische waren. Er glaube aber nicht, daß Admiral Togo den Fehler begehen würde, ihn so weit von feiner Operationsbasis ent­fernt anzugreifen. Roshestwensky sagte ferner, er erwarte binnen kurzer Zeit die Division Petrowosky. Die aus 45 Schiffen bestehende russische Flotte ist vor Noostne verankert. Sie wird von zahlreichen Kohlenschiffen begleitet. Fünf russische Matrosen find am Sonnenstich gestorben. Seit vier Tagen find starke Negenfälle eingetreten. Der sanitäre Zustand der Flotte ist ausgezeichnet.

Pokohama, 24. Jan. Ein englischer Untertan von portugiefischer Abstammung, namens Collins, der in Japan wohnt, wurde zu 11 Jahren Zwangsarbeit wegen Verrats militärischer Geheimnisse an Rußland bestraft.

London, 24. Jan. Heute morgen wurde vbachtet, wie er eine große Meffingplatte von zur r u s s i s cb e n Botschaft l o s r i ß. Ein Nahm ihn seft, doch gelang es dem Mann, zu

Paris, 24. Jan. In einem Kaffeehau,e _...

Saint-Michel versammelten sich heute vormittag etwa hundert Russen, um eine Kundgebung zu veranstalten. Es brach zwischen ihnen ein Streit unb sie mußten von der Polizei aus-

einandergebracht tverben. _ . _u.

Rom, 24. Jan. Die Zeitungen find voll von >^ntervlews Mit Bioernson und riffsischen hier leben dm Journa iften, die ihren Abscheu gegen die gewaltsame Unterdrückung der BolkS- bewegung in Rutzland auSdrücken. DieTribuna uberschrecht ihren Leitartikel mitSchande" und sagt, das Volk brauche keine Rücksichten zu nehmen, wie die Regierungen, und könne der, Ent­rüstung vollen Ailsdrnck geben. Der Gemeinderat von Pavia und die sozialiftischen Vereine in vielen anderen Städten erließen Protestresolutionen. Die sozial-stische Fraktion forb-rt die Re­gierung durch eine Jntervellation auf, den Dolmetsch der Ge­fühle des Volkes zu machen. ,

Triest, 24. Jan. Die Hungen sozialdemokratischen Arbeiter veranstalteten gestern abend vor dem russischen Konsulat eine Demonstration. Sie riefen:Nieder mit dem Zaren, nieder Mit her Tvrannei. hoch das ruftisme Proletariat!" Tie Polizei schritt ein und nahm mehrere Verhaftungen vor.

Wien, 24. Jan. Gestern abend fand hier,eine große sozial- b-emorratische Arbeiterversammlung statt welche schließlich von dem Regierungsvertreter aufgelöst wurde weil die Redner die russische Regienmg heftig angriffen und das revolutionäre Proletariat hoch leben ließen.

Brüssel, 24. Jan. Geilem fand vor der hiesigen russischen Botschaft eine große Kundgebung statt, welche von jugendlichen Sozialisten organisiert war. Die Teilnehmer riefen:Mörder, Nieder mit der Autokratie, Nieder mit dem Zaren!" Die Polizei schritt ein unb zerstreute die Demonstranten.

Ausland.

Wien, 24. Jan. Das Abgeordnetenhaus ist heutt mieb^r zusammengetreten. Nach Erledigung der Formalien ergreift Ministerpräsident Gautsch 1>as Wort: Hätten sich die Parteien des Ha"ses wieder zur grnvinfanrm Tätigkeit zusammengefunben, dann scheine auch die Voraussetzunc; gegeben zu Jein, um die Lösung jen"s aröstten Problems der öiterrttchischen Politik. Minde- 'tens anzubahnen, von welcher allein die dauem^de Gesundung der innerpolitischen Sage erwartet werden könne, nämlich die Annäherung und Verständigung zwischen, dem d e u t- ch e n und dem tschechischen Volksstamme. Die Regierung 'lebt dem deutschen und dem tschechischen Volksstamme wie allen Nationen des Vaterlandes mit vollster Unparteilichkeit und Wür- tigung ihrer Individualität und der berechtigten Jntereffen ihres Volkstums gegenüber. Der Ministerpräsident sagt weitgehendste Förderung b^r Jrdnftrie, des Handels und der Landwirtschaft >itens der Regierung zu, kündigt die demnächftige Einbringung einer Gewerbenovelle an, versichert, daß die Regierung allen An­gelegenheiten der arb itenben Bevölkerung eine wirksame Förderung angedeihen lassen werde, und schließt mit ber Bitte, eine geregelte, ruchtbringende Tätigkeit im Hause herbeizuführen.

Sofia, 24. Jan. Eine griechisch-türkische Bande führte au), dem Dorse Mspinzi im Bezirk von Dairan (Wilajet Saloniki- 26 Bauern heraus und gab auf diese einige Gewehrsalven ab. 12 Bauern fielen tot nieder.

gegen 195 071 am gestrigen Tage, b. i. eine Zunahme der Ausständigen um 587 Mann.

Der ^Rhein.-Westf. Ztg.". zufolge wurde am Mittwoch bei Zeche ^Concordia" em mit Koksaufladen in der Nach! beschäftigter Arbeitswilliger mit zwei Kugeln im 1 Kopfe tot aufqefunden. 9(m Mittwoch fanden in Effen wieder zwei große Bergarbeiter - Versammllmgen statt, in ! denen eine starke Begeisterung herrschte. Die Rede des Frei- l Herrn v. Heyl tin Reichstage wurde besprochen, und die un- ( erwartete Unterstützung der Bergarbeiterfache von dieser Seite * machte einen besonderen Eindruck. Die Rtthe und Ordnung wurde sonst nirgends gestört.

Der Vorsitzende des Kohlensyndikats und Generaldirektor /er Gelsenkirchener Bergwerksgefellschaft, Geh. Rat Kirdorf, hat gegenüber einem Korrespondenten der ,F. Z." erklärt, daß die 14 von den Delegierten der Arbeiter dem Syn­dikat unterbreiteten Forderungen gänzlich unannehmbar und Verhandlungen darüber aussichtslos sind. Die Koks­vorräte des Syndikats reichen noch vier Wochen, die Kohlen» Vorräte sind freilich geringer. Der Korrespondent gewann aus der Unterredung die Ueberzeugung, daß Grundlagen für irgend welche Friedensverhandlungen gegenwärtig nicht be­stehen und daher das Ende des großen sozialen Kampfes gar nicht abzusehen ist.

Welche Schädigungen der deutschen Industrie durch die Stockung der Kohlenlieferungen entstehen, darüber kann man sich noch gar fein Bild machen. Nicht nur, daß ein Eisen­werk nach dem andern gezwungen ist, die Arbeit zu reduziren oder ganz einzustellen, auch die Zement- und Textilindustrie des Rheinlandes ist bereits stark in Mitleidenschaft gezogen. Man darf wirklich gespannt sein, wie lange dieser Zustand anhalten kann, da jeder Tag Millionen Verluste mit sich bringt.

dlach derKöln. Volksztg." übersandte Kardinal Kopp an die Geschäftsstelle dieses Blatt-s 3000 Mk. für bie notleidenden Bergleute im Ruhrkohlenbezirk.

. Arbeiter ber wegen Kohlenmangels stillgetegten westfälischen Stahlwerke in Bochum hielten eine Ver­sammlung ab, in welcher eine Kommission über eine Unter­redung mit Generaldirektor Kayser berichtete; danach erklärte dieser, daß, wenn inzwischen genug belgische Kohle eintreffe, vielleicht Dienstag der Betrieb zeitweilig wieder ausgenommen werden könnte.

^>n Berlin beschäftigten sich mit dem Ausstande im Atuhrrevier 27 in allen Stadtteilen von Berlin und in einigen Vororten abgehaltene sozialdemokratische Volksversammlungen, in denen eine Resolution gefaßt wurde, welche die Haltung der Zechenbesitzer verurteilt und den Ausständigen Unter­stützung verspricht, sowie ein schleunigst zu erlassendes Reichsberggesetz verlangt.

In parlamentarischen Kreisen gilt der Rücktritt Lstoellers nach Beendigung des Streiks als sicher.

Der Streik im belgischen Kohlengebiet des Borinage breitet sich auch aus. Sowohl in Wasmes als in Flenu Produit haben die Kohlenbergwerksarbeiter den Ausstand erklärt. Die Zahl der Feiernden beträgt jetzt etwa zwei tausend.

In Glasgow nahm eine Privatversammlung der schottischen Bergarbeiter-Vereinigung den Äntrag an, den Ausständigen in Westfalen ihre Sympathie ans- zudrücken. Die schottischen Mitglieder der englischen Ver­einigung wurden beauftragt, daraus zu dringen, daß den deutschen Bergarbeitern nur jede mögliche Geldunter-

Valilische Tagesschau.

R. Berlin, 24. Januar.

Wer ist schuld?

In parlamentarischen Kreisen werden bereits Befürch­tungen laut, daß der Etat nicht rechtzeitig vor dem 1. April fertig gestellt werden könne. Die Vermutung ist begründet. Seit 14 Tagen bereits beschäftigt sich die Bud­getkommission mit dem R a chtra gsetat für Südwest - afrifa, ohne daß die Erledigung dieses Etats nahegerückt erschiene. Sonst ist die zweite Hälfte des Januar von der Kommission verwendet worden zur Aufarbeitung von Ab- chnitten des Hauptetats, die jetzt noch in weitem Felde steht. Dem Reichstag kann man es nicht verdenken, wenn er die Forderiingen für Südwestafrika auf das gründlichste prüft. Andererseits muß an die Regierung der Vorwurf gerichtet werden, daß sie einen Teil der Forderungen durchaus unzureichend begründet hat, wodurch der Fortgang der Beratung sich verzögert Der Reichstag hätte um 4 Wochen 'ruher oder bereits im Sommer zu einer Sondertagung ein­berufen werden sollen. So fällt die Verantwortung für die nicht rechtzeitige Fertigstellung des Etats allein auf die Re­gierimg. Was sonst noch an gesetzgeberischem Material er­ledigt werden wird, dürfte bescheiden sein trotz des späten Termins des Oster- und Pfingstfestes. Es ist vielmehr gerade deshalb die Wahrscheinlichkeit gering, daß die Volksvertreter geneigt fein werden, nach Pfingsten die Arbeit nochmals aufzunehmen.

Verstaatlichung der Hibernia.

Der preußische Landtag hat nunmehr cruch in dritter Lesung die Hibernia-Vorlage der Negierung angenommen. Seit der ersten Bekanntgabe des Verstaattichungsplanes ist nunmehr ein halbes Jahr dahingeflossen und der Kamp' zwischen Staatsgewalt und Unternehmermacht mar an wechselvollen Ereignissen reich. Aus dem usprünglichen Ver- staatlichungsantrag ist schließlich nichts anderes als eine Beteiligung des Staates an dem Bergwerksunternehmen geworden. Ter Staat wird Großaktionär der 5sibernia und seinen Einfluß als solcher wird er nach Maßgabe seiner Kräfte geltend zu machen suchen, soweit er das eb"n imstande ist. Man glaubt, daß es ihm schließlich doch noch gelingen wird, nach und nacfylric einfache M^jorttät in der Hibernia sich zu verschaj en. damit Sitz und St'mme in der Ver­waltung unb (Oluf tiefem Wege auch im Kohlensynditat.

Fürst Ferdinand von Bulgarien wird am Donnerstag Vormittag in Berlin eintreffen unb mit militärischen Ehren empfangen werden. Der Fürst nimmt im kaiserlichen Schloß Wohnung und verbleibt nach den bis­her getroffenen Dispositionen bis zum 29. Januar in Berlin, üßie das B.-T. aus bester Quelle hört, hat der Besuch des Fürsten beim Kaiser einen hochpolitischen Hintergrund.

Unfec Berliner Korrespondent versichert dagegen, daß nach seinen Erkundigungen der Besuch mit der hohen Politik, mit der Balkanpolitik, nichts zu tun habe. Die Einladung be§ Fürsten dürfte bei der Anwesenheit des Kaisers in Koburg vor einigen Wochen erfolgt fein.