Erstes Blatt.
Donnerstag 24. August LSVF
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Die heutige Hiummer umfaßt 8 Seilen.
wenn es notwendig
der streitbare Justizrat Dr. Porsch,
Die Schluß-
LS5. Jahrgang
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folgerungen dieses Herrn in der Sache der katholischen Studentenverbindungen sind ganz eigenartig. Davon, daß diese Verbindungen „SBorfdjuIcn* des Zentrums seien, will er nichts wissen; er bezeichnet sogar einen Jeden, der darin anderer Meinung ist, als Lügner! Dann gibt er aber zu, daß in den Vereinigungen allerdings das religiöse Leben ge-
würde", so entschlossen aufnehnien würde.
Bereinigung im Gange, daß i Mer, Wiesen, ■ Tie neuen '"gezogen. Seit en die einzelnen Rathaus gleicht ib die zur Er« Flur'arten sind ib von den Ein- sw.ertsamkeit die !ie ost srMchen stretenden lassen der Bereinigung i einer auch hier htcn mußte. Igemcine Garten- en Witterung sehr ien durch die Ein- sse die Gewißheit, trchten ist, sobald
Der Großherzoc
Aom Katholikentag.
Gießen, 24. August.
Was heute über die dritte Versammlung der Katholiken Mitzuteilen ist, hat von allen seitherigen Kundgebungen der großen „Parade" wohl das meiste Interesse. Zumal was da über die akademischen Kämpfe und die Tätigkeit der Dozenten und Studierenden im Sinne der katholischen Weltanschauung verlautet ist. Die anderen Versammlungen waren eigentlich nur ein Vorspiel. Da hat der Neichstagsabg. Groeber, ein in katholischen Kreisen sehr beliebter Redner, die bemerkenswertesten Ausführungen gemacht. Den Höhepunkt seiner Ansprache bildete die Forderung voller Freiheit für die katholische Kirche. Sehr geschickt war die Berufung auf die Kaiserrede in Gnesen, auf die Worte: „Deutschland heißt Kultur, Freiheit für jeden, m Religion sowohl wie in Gesinnung und Betätigung." Das muß wahrgemacht werden, sagte Gröber, um alsbald das Verlangen nach voller Freiheit für die Jesuiten und die Damen vom heiligen Herzen Jesu anzuknüpfen. Klar genug gab der Redner zu verstehen, daß die Regierung das Zentrum bitter nötig braucht zur Lösung der „gewaltigen Aufgaben" in der inneren wie der äußeren Politik. Auch die Teilnahme Deutschlands an der Weltpolitik erkannte Gröber als berechtigt an. Das heißt doch wohl, daß das Zentrum mit sich reden lassen wird über die nächste Marinevorlage und die Deckung der hierfür erforderlichen Kosten.
Am meisten interessieren uns nun die unten mitgeteilten Verhandlungen über die Bewegungen in den katholischen akademischen Kreisen. Es wurde da zunächst mit Genugtuung begrüßt, daß zahlreiche Hochschullehrer katholischen Bekenntnisses, nicht nur von der theol. Fakultät, in ihren Vorlesungen immer mehr den Standpunkt der katholischen Weltanschauung zur Geltung brächten. Wenn daS auf Tatsachen beruhte, so wäre das sehr bedauerlich. Es wird aber nicht ganz so schlimm sein. Dieser AuSruf bedeutet wohl viel mehr die Aufforderung, bei dem bekannten Standpunkt gegen die Voraussetzungslosigkeit der Wissenschaft zu beharren. Herr Pros. Spahn, der ja anwesend war, wird lebhaft bewegte Rückblicke getan haben. Bedeuten diese neuen, hartnäckigen Versuche, den seitherigen Brauch an den Universitäten zu brechen, etwa eine Wiederholung des Falles „Spahn" ? Wer und wo ist der neue Herr? Dann würde allerdings wieder ein kleiner „akademischer Kulturkampf" beginnen müssen, den
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Also dürften wir statt von
„Fahrwasser" sprechen, auf das jeder katholische Student gesetzt werden soll und auf welchem er ganz von selbst in den sicheren Hafen des allein seligmachenden Zentrums einfährt. Ob Herr Porsch uns darum als Lügner bezeichnen
pflegt werde und daß es naturgemäß sei, daß die Verbindungsstudenten im reiferen Alter dem Zentrum beitreten würden, einer „Schule" lieber von einem
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würde?
Es wurde ferner gesagt, die katholischen Studentenvereinigungen feien mit den nationaüiberalen Jugendvereinen nicht zu vergleichen. Das ist wahr! Darum haben die einen volle Daseinsberechtigung, während die andern nur eine versteckte Existenz führen. Denn was ist es anders als ein Versteckspiel, wenn der genannte Dr. Porsch im Anfang äußert, die katholischen Studentenvereinigungen hielten sich von der politischen Betätigung fern, und nachher doch mit dem Professor Spahn im vollen Einvernehmen steht, welcher die Mitwirkung der Studenten an der Arbeiterfortbildung empfahl! Das müßten sonderbare Arbeiterfortbildungskurse werden! Wie können die Studenten in sozialer und wirtschaftlicher Weise als Lehrer auftreten wollen, wenn sie selbst aller politischen Betätigung ferngehalten werden sollen! Da liegt aber der Hase im Pfeffer, daß die jungen Leute in ihren Verbindungen nicht offen politisch hervortreten und lernen sollen, dagegen aber ihre Anschauungen schon auf die Arbeiterkreise übertragen dürfen. Sie brauchen also gar nicht erst in reiferem Alter Zentrumsmannen zu werden; — sie sind'S schon! Denn daß das Zentrum den Studenten die Aufgabe überließe, das vaterländische, religiöse Und das soziale Ideal m den Arbeitcrkreisen zu lehren, ohne daß es im Sinne des Zentrums geschieht, ist doch offenbar ausgeschlossen. Wir haben seither wenigstens immer geglaubt, daß vaterländische, rel'.g'che und soziale Bemühungen den Inhalt jeglicher Politik, also auch des Zentrumsprogramms, ausmochen. Und davei behauptet der Universitätsprofessor Spahn, der den betr. Antrag gestellt hat, im selben Atemzrig, es liege ihm fern die Studenten in den politischen Kampf hmelnzuzlehen. Eitel Spiegelfechterei! . j. Y
Dieser Teil der Zentrumsberatungen wird sicherlich von den übrigen Parteien vollauf erkannt und nach Gebühr gewürdigt werden! z<
H. ft. Straßburg i. E., 23. Aug.
In der heutigen dritten Versammlung wurde beschlossen, die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands im Jahre 1906 in Essen a. d. Ruhr abzuhaltcn.
Nach kurzer Erörterung gelangte folgender Antrag zur Annahme:
, „Die 52. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands pricht ihre Genugtuung darüber aus, daß zahlreiche an den >eutschen Hochschulen lehrende Dozenten katholi- chen Bekenntnisses, und zwar sowohl Theologen als Angehörige anderer ftakultäten, in steigendem Maße allgemeine Vildunaselemente vom Standpunkt der katholischen Weltanschauung aus in Vorlesungen für Studierende aller Fakultäten behandeln, und durch ihre Mitarbeit an dem nationalen Bildungswesen der Hochschulen bei den akademisch-gebildeten Ständen aller Bekenntnisse eine bessere Erkenntnis und Wertschätzung des Katholizismus fördern." _
Den folgenden Gegenstand bildeten die k a t h o l i s ch e n S t u- denten-Korporationen. Es lag hierzu der Antrag vor:
„Die 52. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands hält es im Bewußtse'n, daß es das gute Neckst der katholischen studierenden ist, sich in Korporationen zusammenzuschließen, für eine ihr besonders am Herzen liegende Pflicht, den katholischen Studentenkorporationen zu ihren Prinzipien, wie zu ihrer ebenso gesinnungstreuen wie ruhigen Haltung ihre Zustimmung aus- msprechen. Sie ist mit ihnen auf ®nrnb 60 jähriger Erfahrungen überzeugt, daß das auch von ihrhochgeschätztcWesen aller deutschen studentischen Korporationen, die Pflege idealer Bestrebungen im Nahmen studentischer Geselligkeit, durch die Wahl der Religion zum ersten Prinzip keinen Schaden leidet, sondern beides sich vortrefflich miteinander verträgt. Mit ihnen ist sie der Meinung, daß sich die Mitglieder der katholischen Studentenkorporationen keineswegs vom Verkehr mit der übrigen Studentenschaft oder gegen ihre Lehrerschaft abschlicßen sollen oder wollen. Sie vertraut darauf, daß die Korporationen, wie sie es bisher gehalten haben, durch nichts sich in eine öffentliche Agitation und in den politischen Kampf werden hineinreißen lassen. Mögen sie fortfahren, in der Hingabe an die idealen und vaterländischen Bestrebungen des deutschen Studcntentums mit ihren Kommilitonen zu wetteifern !"
Der Berichterstatter, Ehcf-Redakteur Dr. Eardauns (Köln' empfahl die Annahme des Antrages. Die jüngsten Vorgänge fordern zu einer solchen Kundgebung geradezu heraus.
Abg. Iustizrat Dr. Porsch (Breslau) stimmte dem Vorredner zu. Gewisse Kreise scheine es nach einer Art akademischen Ku l - turkampfes zu gelüsten. Die Katholiken seien in der Lage, wenn notwendig, den Fehdehandschuh aufzunehmen. Auf welcherSeite der Sieg sein werde, sei ihm nicht zweifelhaft. Als Vorsitzender der Zentrumsfraktion könne er Mitteilen, daß bei den katholischen Studentenverbindungen satzungsgemäß jede Politik ausgeschlossen sei: Diese Bestimmung werde getreulich befolgt. Wer das Gegenteil behaupte, sage die Unwahrheit: ja man könne offen sagen, wer das Gegenteil behaupte, fei ein Lügner. (Stürmischer Beifall.) Es sei also eine Lüge, daß die katholischenStudenten - Korporationen die Vorschule des Zentrums seien. Allerdings sei das Zentrum die politische und parlamentarische Vertretung des katholischen Volkes in Deutschland. Der corpus catholici decke sich mit der corpuS centri. Da'in den katholischen Studentenvereinigungen das religiöse Leben gepflegt werde, so sei es naturgemäß, daß die katholischen Studenten im reiferen Alter sich zur Politik des Zentrums bekennen. Dies berechtige aber die Gegner in keiner Weise die katholischen Studentenvereinigungen als Kadetten- an st alten des Zentrums zu bezeichnen. Die katholischen Studentenvereinigungcn seien mit dem nationalliberalen Jugendverein nicht zu vergleichen. Zwei protestantische Juristen haben ihm zugestanden, daß die Maßnahmen gegen die katholischen Studentenverbindungen vollständig unberechtigt seien. Der Eine habe hinzugefügt: Ich war Burschenschafter. Die Burschenschaften treiben Politik, weshalb soll das den katholischen Studentenvereinigungen nicht erlaubt sein? Er (Porsch) könne dieser Ansicht nicht beivfticksten. Er sei der Ansicht, daß die katholischen S t u d e n t e n v e r e in i gu n g e n sich aller politischen Betätigung zu enthalten haben. Sollten aber die Angriffe gegen die katholischen Studentenverbindungen nicht aufhören, so seien die Katholiken in der Lage, zur Abwehr einen wirksamen Boykott ins Werk zu setzen.
Der Antrag gelangte darauf einstimmig zur Annahme.
Es folgte ein Antrag betreffend die Unter st ützung der theologischen Wissenschaft.
„Die Generalversammlung spricht ihre lebhafte Genugtuung über die wachsende Anteilnahme der katholischen Theologen Deutschlands an den Aufgaben der theologisch-wissenschaftlichen Forschung aus und dankt den katholischen Verlegern, welche die tbeo- logisch-wissenschaftliche Literatur zum Teil mit namhaften Opfern pflegen Sie erachtet aber eine tatkräftigere Unterstützung der theologischen Wissenschaft für dringend notwendig und richtet daher die Bitte an den hochwürdigen Klerus und an die gebildeten Laien, diese Ehrenpflicht nach Kräften wahrnehmen zu wollen."
Der Antrag wurde angenommen.
Weitere Anträge betrafen die Vereine zur Unterstützung studierender deutscher Katholiken, die Vereinstätigkeit der katholischen Arbeiterinnen - Vereine und den Rheinisch - Nrkolaus- Schiffer-Verband. c
Ohne weitere Besprechung wurde folgendem Anträge zugestimmt: . „„ .. „
„Die Generalversammlung tritt von neuem em ftir die Weiterführung der Gesetzgebung zugunsten des Handwerkerstandes und für eine energische Gew er be fö r d e r un g durch Staat und Gemeinde."
Es wurde ferner beschlossen:
„Die Generalversammlung begrüßt es lebhaft, daß die katholischen Kaufleute mit wachsendem Interesse der Durchführung der zum Schutze des mittleren und kleineren Kaufmannsstandes geschaffenen Gesetze und der. Anregung von Verbesserungen solcher Gesetze sich widmen wie auch zahlreich sich beteiligen an den Einrichtungen genossenschaftlicher Selbsthilfe (ge,verbliche Schutzvereine, Einkaufs - Genossensckwften, Kredit- Genossenschaften, Rabatt-Sparvereine uftoA'
gftyq Herold bemerkte: Es werde der Versuch unternommen, die katholischen kausmännischen Vereinigungen ebenso wie die kttbAisclpm S t u d e n t e n - Korporationen zu verbärgen, sie als Vorschule des Zentrums zu bezeichnen. Um so notwendiger sei die Annahme des Antrages.
lieber die Mitwirkung d e r s t u d e n t e n a n d^er A r - beiter - Fortbildung i-*fl von Professor Dr. Spahn (Straßburgs folgender Antt vor:
Die Gcneralversanuu nkt die Aufmerksamkeit der ka-
SfHhmg öadust ttrie am : aufhiell. Heute müuwz Am deutscher
M Md Mreiche besonders bei dein i städtischen Saab yartelibcnlilckpektoi mstadt herzlich be- stn-Vcrlin für die rmsten Tank aus- und mehrere erste ch zur Berschöner- 10 Uhr begannen ung und Begrüß' cherregierungsrat mg die Bersanm- ' rr Bürgermeister )wohl namens der ellungsprasidmm tn besten W darauf berr W arlegungdie^ ! von starbengamn über die von ihm rr-ne M Ausdruck
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tholischen Studenten auf die in mehreren Städten organi- i e r t e M i t w i r k u n g der Studentenschaft an der Fortbildung der arbeitenden Stände. Sie würde es begrüßen, wenn nach Prüfung der bisherigen Erfahrungen auch die katholische Studenten- chaft Arbeiter-Unterrichts kurse, sei es für die Fächer der allgemeinen Bildung oder ftir die AnfangSgründc s 0 z i a l e r und w i r t s ch a f t l i ch e r B i l d ii n g als Semester- oder Ferienkurse veranstalteten. Sie empsiehlt ihnen, Fühlung mit dem Diolksverein oder den Arbeiter-, Gesellen- und LehrlingS-Organisationen zu nehmen.",
Professor Tr. S P a hn bemerkte: ES liege gewiß jedem Vater» landsfreunde, insbesondere den Universitätsprofessoren fern, die Studenten in den politischen Kampf hineinzuziehen. Wenn er (Redner) daS in seiner Eigenschaft als Professor versichere, dann werde man ihm hoffentlich Glauben schenken.. sei aber erforderlich, das vaterländisch^, das religiöse und d^S soziale Ideal in den Herzen der Studenten zu wecken. Deshrlb empfehle er aufs angelegentlichste die Annahme des Antrages.
Nach sehr kurzer Erörterung gelangte der Antrag einstimmig zur A n n a h m e.
Alsdann wurde dem folgenden Anträge ohne weitere Erörterung einstimmig zugestimmt:
„Die Generalversammlung lenkt die Aufmerksamkeit der Katholiken auf die Bestrebungen des „Kölner Männervereins zur Bekämpfung der öffentlichen U n s i t t l i ch k e i t" und empfiehlt dringend die Gründung gleicher oder ähnlicher Vereine für alle, namentlich aber für alle größeren Städte."
Auch gegen Alkoholismus wurde ein Antrag angenommen.
In der morgigen letzten öffentlichen Versammlung werden sprechen Graf Oppersdorf (Ober-Glogau) über die soziale Frage, Universitätsprofessor Dr. MauSbach (Münster i. W.) über die Pflicht der Anteilnahme der Katholiken an Kunst und Wissenschaft.________________________________
§ie KriedensunteiHandlungen scheinen nun bald glücklich beendet zu sein. Die schwierigsten Fragen wegen der Kriegsentschädigung und der Gebietsabtretung werden dank der Bemühungen Roosevelts wohl auch eine glückliche Lösung finden. Sein Vorschlag, den wir unten mitteilen, ist außerordentlich klug und entbehrt des humoristischen Beigeschmacks nicht ganz.
In der Beurteilung innerpolitischer Vorgänge geht die Börse nicht selten fehl. In der großen, internationalen Politik aber zeigt sie sich durch ihre weitverzweigten Beziehungen meist vortrefflich unterrichtet. /Die Börse hat auch diesmal wieder mit ihrer von vornherein günstigen Auffassung der Friedensverhandlungen Recht behalten, indem sie sich sagte, daß zwei so geschaftsgewandte Männer wie Roosevelt und Witte die Sache schon in Ordnung bringen würden. Der Löwenanteil an dem Ergebnis gebührt allerdings dem Präsidenten der Ver. Staaten. Er hat immer wieder Häkeleien und Verstimmungen zwischen den Delegierten, Differenzen, die bis auf das Gebiet von Etikettestreitigkeiten sich verloren, mit Klugheit und Jovialität zu beseitigen gewußt. Und er hat, was noch bedeutend schwieriger war, die gefährliche Situation vermieden,, in die leicht ein Vermittler kommt: von beiden Seiten mit Mißtrauen betrachtet zu werden. Er schien ebenso der herzliche Freund der Russen wie der Japaner zu sein, den Japanern zur Milde ratend, den Russen zur Nachgiebigkeit. Diese Konferenz auf amerikanischem Boden wird den DankeeS eine goldene Ernte bringen. Die Kriegführenden haben gleichermaßen Anlaß, Roosevelt für die Schließung des Janustempels dankbar zu sem und bei Gelegenheit sich durch wirtschaftliche Zugeständnisse zu revanchieren.
Portsmouth, 23. Aug. (Reuter.) In gut unter* richteten Kreisen hält man es für ausgeschlossen, daß die Konferenzverhandlungen heute end giltig abgebrochen werden. Man weiß, daß Roosevelts Vorschlag einerseits Japans Forderung nach Ersatz seiner Kriegsausgaben gerecht wird, andererseits aber auch Rußland instandsetzt, der Welt gegenüber zu erklären, daß es weder einen Fuß breit Landes abgetreten, noch eine Kopeke Kriegsentschädigung bezahlt hat, kurzum, daß der Vorschlag des Präsidenten in Anregung brachte, daß Rußland Sachalin ganz oder zum Teil' zurückkaufen solle, und zwar für eine Summe, deren Höhe, falls die beiden kriegführenden Mächte sich darüber nicht einigen können, durch eine später zu bestimmende Art Schiedsspruch festgesetzt werden soll. Der Kaufpreis und die Summen, die Japan von China für Abtretung der chine- jischen Ost bahn, von Rußland für den Unter- ha lt derrussischen Gefangenen erhalten soll, würden den gesamten Kriegs ko sten Japans gleich kommen. Dieser Vorschlag läuft in seiner Anwendung darauf hinaus, daß Japan bezüglich des Artikels 5, Rußland bezüglich des Artikeln 9 nachgibt.
London, 23. Aug. Die „Morning Post" läßt sich auS Portsmouth (New Hampshire) vom 22. dS. telegraphieren: Der Friedensvertrag werde in Kürze unterzeichnet. Rußland werde eine nicht sehr bedeutende Summe für den Unterhalt der russischen Gefangenen und für die Pflege der Kranken und Verwundeten bezahlen; eS behalte die nördliche Hälfte Sachalins, während eS die südliche an Japan abtrete. Japan lasse seinen Anspruch auf die in neutralen Häfen internierten Kriegsschiffe und die Einschränkung der russischen Seestreitkräfte im fernen Osten fallen. Roosevelt gebühre die Anerkennung, die Fortsetzung der Konferenz im kritischen Augenblick gesichert zu haben.
Portsmouth. 23. Aug. (Reuter.) Dem Vernehmen nach wird Baron Komura in der heutigen Sitzung der Friedenskonferenz dem Kompromißvorschlag des Präsidenten Roosevelt zu stimm en.
Paris, 23. Aug. Der hiesigen Ausgabe deS „Rew» york Herold" zufolge ist für die heutige Sitzung der Friedenskonferenz in Portsmouth (New Hamvshire) ein von japanischer Seite ausgehender Vorschlag zu erwarten, nach
Nr. 198
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Famllien- Hätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Univers.-Buch-u.Slein- druckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:
Schul ft raße 7.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.
Fernsprcchanlckluß Nr. 51.
Gießener Anzeiger ■
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_ den polit. und allgern.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW
____ zeigenteil: Hans Beck.
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