Ausgabe 
24.1.1905 Zweites Blatt
 
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Teneral-Anjeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen.

Ziel

ansehen kann.

die Zeit opfern, nur die Arbeiter oder auch die Arbeitgeber.

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Redattton. Exr>«Eo» a Druckers: Schulst«.^

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neberechtrgte Auslegung der Arbeüerordnung nn den Tag gelegt und eS unterlassen. Vor-

,Hört! Hört» Es bietet ,a feine Schwierigkeit, btcfe fltofrn Dptim 8m 8 "N Lag.^g«°m^ ° i 11, Frage der Seilfahrt zu losen. Wo eine verlängerte Seilfahrt notig kehrungen zu treffen. - Sozialdemokraten freilich pflegen ist, mutz sie natürlich gemacht werden, es fragt sich nur, wer soll hätte requirieren sollen. Die tz-oziawunolraten fremd) Pfieo

nane re<iuuiv«»i Sozialdemokraten freilich pflegen ihrerseits, wo sie die Macht haben, mit Militär vorzugchen. Man

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Parlamentarische Verlmnvlnnnen

Nachdruck oh^e Vereinbarung nicht gestattet.

Deutscher Aerchstag.

125. Sitzung vom 23. Januar.

1 Uhr. Das Haus ist mätzig besetzt

Ans Vaterland, ans teure, schließ' Dich an, Das aalte fest mit Deinem ganzen Herzen. Hier sind die starken Wurzeln Deiner Kraft." Diesen Grundsatz empfehle ich Herrn Hue. Das letzte der deutschen Gewerkschaften ist, den bürgerlichen Staat auizu- saugen und die Arbeiterklasse zu der führenden Gewalt zu machen. Nicbt alle Sozialdemokraten denken freilich so. Der soztaldemo- kratische Minister Millerand hat in sein Streikgesetz wcher v,e Be­stimmung ausgenommen, daß ein Streik nur berechtigt sein so , wenn die Majorität der Arbeiter der betreffenden »Enk chn beschließt, ein merkwürdiger Versuch eines Sozialdeniokraten, gegen den Terrorismus der Gewerkvereine aufzutreten. Mnlerand geot eben nicht nur vom Interesse der Arbeiter aus, sondern auch vom Interesse der gesamten nationalen Produktion. Wie sehr i re unho« nale Produktion durch Streiks selber geschädigt wird und dadurch auch die Interessen der Arbeiter verletzt werden, das steht man an dem bekannten Streik der Matrosen in Marseille. Der Gewerk- verein der Matrosen hat dort die Needer gezwungen, mir solche Matrosen einzustellen, die Mitglieder ihres Verbandes seien. Die Folge war, daß die Kavitäne, die mit diesen Mannschaften nicht fahren konnten und wollten, nun ihrerseits streikten. Dies hat dann bewirkt, daß die Stadt Marseille tu ihrer gesamten Schiffahrt geschädiat wurde, und daß die Stadt Genua einen Teil der Mar­seiller Schiffahrt an sich zog, wodurch natürlich wieder die Arbeiter benachteiligt wurden. Ein anderes Beispiel bieten die Dockarbeiter in Marseille. Die Docks sind dort städtisches Eigentum, und die Kommune steht unter sozialdemokratischer Verwaltung. Die Ge­werkvereine beschlossen nun, den Lohn der Dockarbeiter von 4 aus fl Franken zu erhöhen. Als die Kommune diesem Wunsche nach­kam, meldeten sich mit einem Mal 15 000 neue Arbeiter zu den Docks. Diese hatten nun den gesamten Lohn zu teilen, und dte Folge war, daß der einzelne Dockarbeiter statt 4 Franken, nur 1% Franken bekam. Das sind die Konsequenzen einer über­triebenen Gewerkvereinsvolitik. .. v r s

Kehren wir zum Bergarbeiterstreik zuruck. Da mich ich das eine sageii: Hätte die Regierung unseren Wünschen nach Errichtung von A r b e i t S k a m m c r n und einem R e i ch sa r b c t t s a m t bereits entsprochen, sc lväre es zu dem ganzen Streik überhaupt nicht gekommen. (Sehr wahr!) Wir erkennen M an daß die Arbeitskraft de§ Grafen Posadowsky in letzter Zeit zu sehr durch die HandelsvertragSverhandliinaen in Anspruch genommen war. als daß er sich jener Materie hätte zuwenden können. Aber es ist Dte höchste Zeit Wir müssen die Arbeitskammern bekommen, ehe weite Kreise unserer Arbeitskraft zu sehr verhetzt sind Und ferner ist vor allem notwendig ein Marimalarbeitstag, für da- Berqgewerbe nun schon ganz gewiß. Die Bergarbeiter haben auch die gesetzliche Festlegung des Minimallohnes .verlangt Die schweizerischen Fabrikinspektoren haben sich m einem Gutachten dahin ausgesprochen, daß die Einführung eines gesetzlichen Minimal- lohns unzulässig sei, weil damit auch die Garantie gegeben werden wüste, daß der Arbeiter eine Minimalleistung aufweist; ini.andern Falle würdeii bei der Einführung des Minimallohnes dte Nicht genügend leistunasfähigen Arbeiter entlasten werden Mit der Forderung des Minimallohns wird also nicht viel anzufangen sem. Herr Stöcker hat am Sonnabend gemeint: die Arbeitgeber konnten sich nicht leicht in die Rolle finde,i, die ihnen ihre Souveränität auserlegt: sie müßten konstitutioneller werden Nun schon Kt?t v-rstehen viele Arbeitgeber ihre Souveränität so, daß sie bei Dingen, iii denen di" Arbeiter sachverständig sind, auch deren beratende Stimme hören. Aber cs bandelt sich heute vielfach gar nicht mehr um die Souveränität der Unternehmer, sondern um die Souveräni­tät der Gewerkvereine. Und diese wollen wir auch Nicht einfuhren. Wir wollen die Souveränität der Gesetzgebung. Die Gesetzgebung kann und miitz verhindern, daß Mißstände eintreten, die ju einem solchen Streik führen. Sic muß z. B. das Niillen sofort abschafsen. ^ic praktischen Engländer sind mit dem Nullen schon längst fertig, sie haben es schon 1872 gesetzlich abgeschafst. Gezahlt wird nach

Ferner hebe ich noch hervor: Meine Fraktion ist der Meinung, daß die Bergarbeiter die wärmste Svmpathie des ganzen deutschen Volkes finden, trotzdem daß die Shmpathie einigermaßen abge­schwächt worden ist durch den von ihnen begangenen Kontraktbruch. Die Sympathie ist auch berechtigt, denn die Arbeiter m den Gruben entbehren das Sonnenlicht, leiden teils unter zu hoher Temperatur, teils unter Nässe, kurz sie arbeiten mit ganz besonderen Schwierig­keiten. Von Ihrer Tätigkeit hängt unsere gesamte Industrie, hangt das Wohlergehen aller Haushalte ab. Ohne Kohlen keine Industrie, ^^^e^RkichskSnzler hat hervorgehoben, daß die Gewerkvereins- Bewegnng bedauerlicherweise nicht einen rem ^^äm^lichen (Sbnrafter bei uns trägt. Tie H'M-ZunckeMen ©civrvtt>«<t>if haben den politischen Charakter ja ausdrücklich dokumentiert durch den bekannten Revers, daß Sozialdemokraten nicbt aufgenommcn werden dürfen. Wenn wir Vie Politik des ZeNtralblatteS der Ge- werkvereinc verfolgen, so sehen wir, wird di" Autorität der Urben- geber in einer Weise herabgewürdigt, daß die natürliche Konsequenz dann auch schließlich ist, daß die Führer selber keine Autorität mehr haben. In England und Amerika sind Gewerkvereine von rem wirtschaftlichen Gesichtspunkten getragen, Das politische Leben wird dort-durch eine Vertikallinie charakterisiert. In Amerika auf der einen Seite die Republikaner, auf der andern tue - ^rnokraten. in England auf der einen die Whigs, auf der andern die ^orirs. In Frankreich und Deutschland ist das nicht der Fall. Da haben wir es mit einer horizontalen Linie zu tun. Tie englischen und amerikanischen Gewerkvereine verfolgen den Grundsatz:

der Meinung bin: eine Klarstellung ist unbedingt erforderlich. Die Bestimmungen des Berggesetzes sind nicht klar genug gefaßt, um die Arbeiter in ihren Rechten sicherzustellen. Die KündignngS- bestimmungen im Verein mit den Vorschriften über die Gedinge­arbeit legen den Arbeitern Verpflichtungen auf. die er im voraus eingeht, und die bewirken, daß das ganze Risiko der Gedingearbeit auf dem Arbeiter ruht, während dem Arbeitgeber volle Freiheit ge­lassen wird. (Hört! Hört! bei d. Soz.) Die Gesetzgebung weist hier eine große Lücke auf.

Namens der großen Mehrheit meiner Freunde erkläre ich, daß wir dringend wünschen, daß das Wage ii nullen möglichst bald ab geschafft wird. (Hört! Hört! und lebhafte Zustimmung.) Es kommt gar nicht darauf an, ob die genullten Magen 3 oder 5 oder wieviel Prozent betragen, es kommt allein darauf an, daß die Arbeiter mit Recht sich durch dieses Wagennullen belästigt und geschädigt fühlen. (Lebhafte Zustimmung.) Ebenso verhält es sich mit der S e i l f a h r t. Auch hier erkläre ich, daß die große Mehr­heit meiner Freunde eine übermäßige Ausdehnung der Seilfahrt nicht als eine berechtigte Auslegung der Arbeiterordnung

Am Bundesratstisch: Möllern, a. ra .

Auf der Tagesordnung steht Die Fortsetzung Der ^^^ung über die s o z i a l d c m o k .r a t i s ch e I n t e r p e l l a t i o n be- itresfend den B e r g a r b e r t e r a u s st a n d.

Abg. Brejöki (Pole): Sie fd)auererrcgenbenDie mir heut- aus Petersburg bekommen haben, beweisen deutlich, Daf, man die Arbeiterbewegung nicht mißachten Dart Es ist sehr be­denklich, wenn man, wie es Der Redner Der Konservativen tat, da' Legitimitätsprinzip zu sehr in Den Vordergrund stellt. E_> handelt sich nicht bloß um Die Zeche Bruchstraße. Hwter Herrn Stmne^ steht das Kohlenshndikat mit all feiner Macht. Eenshndikü 1 ist also für den Streik verantwortlich. Denn es hat bisher Herrn Stinnes noch nicht desavouiert. Der Rechtsbruch äuf Bruch- straße war Der letzte Tropfen, der die Erbitterung der Arbeiter zm 1 Uebersvrudeln brachte. Die Arbeiter wollten sich Nicht langer be­schimpfen, bespeien und mißhandeln lasten. Ich will den .Kontrakt - bruch der Arbeiter nicht verteidigen, aber letzt war der General­streik unvermeidlich, weil Die Notlage groß und allgemein war. Ich komme oft in das Ruhrgebiet und habe Mele Klagen gehört, oft habe ich auch die Opfer des Bergbaus gesehen. Unvergeßlich ist mir der Anblick Der 60 Särge nach Dem großen Unglück nut Zeche Kaiserstuhl. Die Klagen, Die Herr Hue vorgebracht hat sind nicht übertrieben. Ja das Sundenregister der Grubenbesitzer ist noch größer. Vor Gericht ist es festgestellt, Daß m Den Bergwerken Die Arbeiter geprügelt werden, Die Disziplinarsti-afeu inen en un­gerecht und willkürlich verteilt. Das Nullen der Wagen bringt die Arbeiter oft um ihren ganzen Lohn, besonders häufig wird es gegen mißliebige Arbeiter angewandt, namentlich gegen solche, die in Der Arbeiterbewegung stehen. Es gibt^ emige Gruben, au Denen es keine Disziplinarstrafen gibt, dies zeigt doch,, daß es mich ohne solche Strafen geht. Herr Schmieding sagte im .Abgeord­netenhaufe, wenn die Arbeiter e§ m den Bergwerken '"clit bester hätten als auf dem Lande, würden ste doch da nicht fmt,ziehen. Aber kein Bergarbeiter schwimmt im Fett, auch haben die Land­arbeiter mehr Brot und Milch als Die Bergarbeiter Im Knapp­schaftswesen bestehen mich viele MißstänDe, namentlich wird über Die Aerzte geklagt. Vor allem aber sucht man die Arbeiter in eme gewisse Hörigkeit zu bringen, ihre politischen Reckste sind jetzt schon illusorisch. Auf den königlichen Gruben haben Die Arbeiter noch w-niger Rechte, deshalb hatten die Grubenbarone ganz recht, als sie der Regierung sagten, sie sollte erst die Verhältnisse auf ilnen eigenen Gruben bestern. Und da spricht man von Der individuellen Freiheit Der Arbeiter itnD der Reichskanzler will die Arbeitswjlligen schützen. Der Arbeiter soll nach Dem Reichskanzler nur so weit frei fein, als er Verrat an seinen Kameraden üben soll, sonst kann er am Hiingertuche nagen. Der Streik geht keineswegs von Den So­zialdemokraten aus, die polnischen Arbeiter sind keine Sozial­demokraten, so lange sie ihre Nationalität wahren, wird das rote Meer sie nicht verschlingen. Meine Fraktion hat wich beauftragt, hier für die Bergarbeiter einzutreten. Wenn die Regieriing nut fest bleibt, wird das Sbndikat nachgeben. Wie mir mitgeteilt wird, haben die GrubenFreie Vogel" undUnverhofft" die Forderungen Der Arbeiter bewilligt. Menn das einzelne (MritfrenMiher. tun können, kann das Sbndikat da^ auch Man steife sich uid"ü länger auf denKontraktbruch" der Arbeiter. Ter Handelsniinister hat selbst anerkannt, daß auf Zeche Bruchstraßc von Den Unternehmern Köntraktbruch geübt worden sei. dllso kann man dies auch den Arbeitern iiicht verdenken. 'Sorgen wir vielmehr Dafür, daß endlich ihre mehr als berechtigten Wünsche erfüllt- werden. sVeifall.)

Abg. Frbr. Hevl z« Herrnsheim fnatL): Meine politnchen Freunde unterscheiden sehr scharf zwischen den einzelnen lokalen Anlasten des Streiks und den allgemeinen Ursachen, die zu Dem Masten streif geführt haben, und Die in den nachträglich aiifgestell.en sozialpolitischen Forderungen der Arbeiter zum Ausdruck gelangt ind. Namens Der großen Mehrheit meiner Freunde habe ich zu erklären, daß wir bereit sind, diese sozialpolitischen Forderungen zu prüfen, und nicht anstehen werden, falls sich ihre Berechtigung herausstellt, nötigenfalls auf gesetzgeberischem Wege an die Rege­lung dieser Verhältnisse zu gehen (Lebhafte Zustimmung.)

Ich bedaure, daß das Jahr 1905 wieder mit einem Kontrakt­bruch begonnen worden ist, gerade wie das Jahr 1904 in Crim­mitschau. Die Arbeiter, Die mit Recht das Verhalten der Unter­nehmer gerade auf seine Gesetzlichkeit so genau und streng unter­suchen, Die ein so feines Verständnis haben für alle fehlerhaften Schritte der Arbeitgeber, müßten ihrerseits mit einem Kontrakt­bruch doppelt vorsichtig fein. Sie müßten sich der Tragweite eines solchen Kontraktbruches vollständig bewußt fein.. Es ist vielfach hervorgehoben worden, daß es Herrn Hue in seiner so maßvollen Rede nicht gelungen ist, zu beweisen, daß der Kontraktbruch der Arbeiter durch einen vorausgegangenen Kontraktbruch Der Unter­nehmer hervorgeristen sei. Ich nehme Den Versuch des Kontralt- bruchs auf der Zeche Bruchstratze aus, der auch unsererseits auf das Allerschärtste verurteilt wird. Wenn Herr Hue recht hätte, dann hätte sich die Oberbergbebörde der größten Verfehlung schuldig gemacht. Denn eine solche ungesetzliche Aenderung der Arbeits­ordnung zu verhindern, das war ihre Sache.

Doch im allgemeinen: Die Bestimmungen des Berggesetzes lassen so viele Zweifel zum Nachteil der Arbeiter frei, daß ich

haftef Beifall.)

Preußischer Handelsministcr Möller: Der Herr Vorrednee hat eine große Anzahl von Vorschlägen gemacht, wie dem streik beizukommen sei. Er möge mir verzeihen, wenn .ch auf dtese Vor­schläge nicht eingehe. Das würde nicht d" Stellung entbrechen, die ich von Anfang an mir vorgenommen hatte, ^ebc Äußerung über die Zulänglichkeit von solchen Vorrchlägen .wurde eme Stellungnahme in diesem Streik bedeuten und das will ich dernne- den wissen. Ich bin jetzt noch der Meimnig, daß man mch. ab irato Gesetze schaffen soll, aber w-mn die Ruhe wiederhergestellt ist, wird man natürlich die Lehren aus den letzfgen Streitigkeiten ziehe,i und dann wird man sehen, wie man Abhilfe und Vorwrge treffen kann. Die Novelle zum Berggesetz wird den Anlaß zu dieser Prüfung geben. , L p .

Der Herr Vorredner hat beanstandet, daß ich zu der Kommission bei Gelegenheit der Zechen-Stilllegung keine drbeiter< Vertreter hinzugezogen habe. Ich habe kemerler prinzipielle Ab­neigung, Arbeiter zu UntersuchungskommiNwueu nut heranzu­ziehen, aber in diesem Falle konnte ich nicht einsehen, was die Ar­beiter nützen könnten. Es handelte sich darum: inwieweit und di Kommunen durch Die Zechenstilllegung geschädigt und ^wieweit kann man Mhilfe fetoffen. Wir haben die Zechenbentzer aus dem Grunde mit herangezogen, um sie zu fragen, inwieweit ne berc seien, Mhilfe zu schaffen und in einer Reihe von Fallen ist es auch gelungen, sie zu Mhilfemaßregeln zu bewegen Bei cmer andern Gelegenheit, in der Frage Der Wurmkrankheit, habe wies nicht unterlassen, die Arbeitervertrcter mit hiNzuzuZieheii, weil sie da von hohem Werte waren, nicht aber bei der Zechenstilllegung.

Noch ein kurzes Wort zu Herrn Brejski: Herr Breiski hat ge, sagt, ich hätte anerkannt, daß die Eigentümer der Zeche Bruchstratze Köntraktbruch g^ibt haben. Tas ist mir gar nicht in den Sinn ge­kommen. Ich habe ledialich dargelegt, wie Die Verhältnisse liegen.

Aba Dr. Spahn (Ztr., schwer verstänDlich): Die Zechcnbesiher haben sich ins Unrecht gesetzt. Auf die juristische Frage ob der Kontrakt gebrochen ist. kommt es jetzt, nachdem der Krwg erklärtj r, nicht an. Die Stellung Der preußischen Minister m Dieser Frage ist Die, Daß Der preußische Staat alle Mittel anwenDcn muß, um Diesem Streik ein EnDe zu machen. Der so unabsehbare wirtschaftliche Folgen haben kann. lBeifall.) Nachdem die Bergwerksbescher sich zu einer so großen Organisation vereinigt haben, haben ste kein,^emt Mehr, zu sagen: Wir erkennen Die Arbeiterorganisationen mcht an, wir verhandeln nur mit den einzelnen Arbeitern. Das Stilllegen von Zechen mußte die Arbeiter aufs höchste beunruhigen Der Bergbau- Verein hätte schon längst Arbeiterdeputationen empfangen und ihre Wünsche hören sollen. Damit haste er auch 'M Sinne Kaisers gehandelt, der die Schaffung von Arbeiterausschüssen doch emVfoMcn und den großen Gesellschaften an? Herz gelegt batte, für daS Wohl ihrer Arbeiter nach besten Kräften zu sorgen. Statt desten ivollen Die Arbeitgeber jetzt Den Arbeitern nur hre

Macht zeigen. Es ist bedauerlich, daß Das Gesetz über

Die Rechtsfähigkeit der Beriissverenie immer noch auf um warten st Die Löhne sind im Ruhrrevier seit 1900 heruntergegangen, was die Arbeiter auch unznfrieDen gemacht bat, namentlich ra me BergwerkSgeseN)chafien fast Durchweg sehr hohe Dividenden gegeben haben. Wenn Stinnes den Rcgierimgsvertreterii ge,agt hat cr könne mit seinem Kapital machen, was er loolle,. so beweist,das, Datz in den Kreisen der Bergwerksbesitzer der Geist des Christentum, nicht vorherrscht. Ich stehe auf dein Standpunkt, Daß, wenn ne Grubenbesitzer in ihrer ablehnendem Haltung beharren, wir in -Ver­bindung mit dem Bundesrat eine Unterfuchuugskoinmisswn em- setzen müssen Die die Verhältnisse eingehend prüft.

-Tem Reichskanzler kann ich nur lagen. c5 Ware besser, wem er in seiner Rede nicht von inrierpolitischen Bewegungen ge)proa hätte Wenn Da? KohlensMidikat seine Macht mißbraucht, 10 nutz der Staat eingreifen. Des BergtverkSrecht beruht aus der Mm tung, ein Recht, daS der Staat verliehen hat. Wenn Diel^. gemißbraucht wird, so muß Der Staat die .Mutung^zurück hmen-

Abg Zimmermann (Antis.): Vor einigen Wochen h« oer Staatssekretär von Den Wohltaten Der Assoziation De« ff?

sprochen Hier haben wir einen Beweis von dem Kult s . Der Assoziation Dc§ Kapitals! Nur Dem Großkapital ist Der streit

sehe auf die Schweiz, wo Die Milizen gegen Dte Streikenden mobilisiert worden sind, unter Zustimmung der in den Verwal­tungsbehörden sitzenden Sozialdemokraten. Ter sozialdemokratische Regierungsrat Wullschlaeger hat die Einmischung des Militärs bei dem Maurerstreik in Basel herbeigeführt. Da lobe ich mir doch das Verhalten unserer Negierung und Das große Vertrauen, das sie der Arbeiterschaft entgegenbringt. Tas Verhalten Der Arbeiterschaft rcckstfertigt auch vollauf das Vertrauen der Re- meruna. Gleichwohl meine ich: der Handelsminister war etwas zu optimistisch. Bei Gelegenheit der Interpellation über die Still- legiwg Der Zechen bat Der Reichstag das Verlangen nach einer Enquetekommission über Das Vorgehen des Spndikats geäußert. Die Negierung hat in diese Kommission wohl Behörden und Arbeit­geber, aber nicht einen einzigen Arbeiter hineingenommen, (sehr wahr!) Dann Dari sie sich freilich nicht Darüber wundern, daß fie über die Stimmung der Arbeiter nicht orientiert ist.

Tie ganze Mißstimmung Wer Die Politik Des Kohleushndikatö int allgemeinen ist Die Ursache Dcs Streiks Ter. Ches ^es Syn- Dikats hat heute tatsächlich eine größere ffl letntt öM öB

Der Hauvelsminister. Früher glaubte wan, das SyuDikat wirte nut, weil es Die Preise nivelliere. Aber seit 1904 ist oas Bestreben bi 3 SwiDikats hervorgetreten, Alleinherrscher auf dem Kohlenmark, zu werden. Wir haben Die beabsichtigte Erwerbung Der Hwerma in SüDDeutschlanD mit FreuDen begrüßt, weil wir Dann einen ersten Schritt sahen, Dem hoffentlich bald weitere folgen werden. (Hort! Hört!) Das Kohlenkontor hat jetzt Den freien Kohle ninarkt voll- stänDig aufgehoben unD beherrscht jetzt auch Den ganzen FEver- kc-hr. Es beeinflußt auch Den ganzen Verkehr Der einzelnen StaDte. Ich habe im Verein mit meinem Freunde Grafen Onola 1900 einen Antrag gestellt, wonach diejenigen Syndikate, die einen monopolisti­schen Charakter tragen, unter Neichsausncht gestellt werden foven. Tas Kohlenspndikat hat zweifellos eine, monopolistische ^udenz- Jetzt ist Der Moment gekommen, um mit großen sozialpolitischen

wird eine Resolution eintet^ be? Inhalts, Daß Die Vergwerksbesitzer und Bergwerksarbeiter vor Die arbciterstatistische Kommission vorgeladen werden louen. Nicht etwa. Damit dort der Streik beigelegt, w^d, sondern damit wir. Der Ncichstag, einen Einblick bekommen tu die Verhaltiiisse. zzn Eng- lanD würDe beim Ausbruch eines solchen Riesenstreiks schon langst eine parlamentarische Kommission eingesetzt worDen sein Dieselbst- stänDig Die Angelegenheiten untersuchte. In Der arbeiterstatistischen Kommission sind ja geraDe Die Parlamentarier vertreten und zwar Die Parlamentarier aller Parteien. Mir toerDcn d'ese Resolution beantragen, Ilm zum Ausdruck zu bnngen, Daß cs sia) hier nicht nur um einen Streik handelt, sondern um ew..nationales Unglücks das Die ganze Bevölkerung Des Reiches aufs he fite berührt. ~1 Untersuchung vor Der arbeiterstatistischeii Kommuston wird dmm hoffentlich Anregung geben zu fruchtbaren Verbesserungen. (Leb-

DienStag, Ä4. Januar i»uo

Giehener Anzeiger

Gewicht. L . y

Abzüge Dürfen nur gemacht werden, wemi w und )o vier <prn^cnf Steine in Dem Wagen vorhanden sind, und nur prozentual, 'r'atmrcf) bekommt der Arbeiter wenigstens Die Kokilen gezahlt, Die er geliefert hat, während er beim System des Nullens den ganzen ArbcitKlobn verliert und womöglich noch in Strafe genommen wird, ^as ist eine übertriebene Schärfe, Die man als Mensch unter feinen Umständen billigen kann, eine schreiende Ungerechtigkeit.

Ebenso berechtigt ist die Forderung nach Beteiligung d e r Ar­beiter an Der G r u b e n a u f s i ch t. Die praktischen Eng­länder haben auch nach dieser Richtung Vorsorge getroffen, sie haben eine Behörde angestellt, Die sich aus Jnspektoreu, Berg­arbeitern und Ingenieuren zusammeusetzt und Die Vorschläge zu machen hat. Die Entscheidung steht Dann bei der Regierung. Alle btcfe Dinge sind die Ursachen Der großen Unzufriedenheit m den Kreisen der Bergarbeiter gewesen. Es wäre zu wünschen aewescii, die Arbeiter hätten sich an die Behörden gewandt und erklärt, sich einem Schiedsgericht unterwerfen zu wollen. Dann hätten die Unternehmer sich äußern müssen.

Die Regierung hat leider in dieser ganzen Sache einen zu SP npfcrrf lind unterlassen. Vor»