Ausgabe 
18.11.1905 Fünftes Blatt
 
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r. S72

Fünftes Blatt.

155. Jahrgang

Samstag 18. November 1905

Erscheint tlglid) mit Ausnahme deS SorrntagS.

Die ..Siehrner ^aniNenblätter" werden dem ,An»e'ger n'ermal wöchentlich beigclegl. Der £anöötrr erldjeuu monatlich einmal.

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General-Anzeiger, Hmts= und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen.

raren-GeschUt.

Die neue Wurinevorlaqe.

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Ter Bundesrat nahm am 16. b. M. die Marinevorlage für 1906 an. Tie Vorlage zerfällt in ^wei Teile, in die " ie Denkschrift

Gießener Thealerverein.

Klein Dorrit,

Luüspiel in 3 Akten von Franz v. Schönthan.

Unsere Theatersaison zeitigt, ohne Absicht wohl, auffällige Parallelen. Dem Wiener Auern heim er folgte bald der Wnener Beer-Hofmann und gestern kam der Wiener ftmnz v. Schönthan zu Worte. Beer-Hofmann holte seine Mregungen ait§ Enaland, von Shakespeare und Mcassinger, Schönthan schöpfte auS dem üppig spru- bclmben und doch so wenig benutzten Lustquell des unsterb­lichen Dickens', des erfindungsreichsten und phantasieoollsten biiitischen Nomandichters. Bor 50 Jahren erschien Dickens' qrc'ßer sozialer Noman .Klein 5)orrit*. Ten Gegensatz zwischen ernster Pfiicht und lächerlichen Scheinpflichten, zwischen ehr­licher Arbeit und oberflächlicher Wichtigtuerei. zwischen ein- factier Tüchtigkeit und glänzender Hohlheit brachte der große englische Humorist in charakteristischen Gestalten und zum ienl meisterhaften Situationen zur Erscheinung. Aber kickens selber schon gelang e§ kaum, die gefti'.schaftlich weit auseinander liegenden Gruppen glücklich mit einander zu ver- Inüpsen, und die Heldin und ihr Liebhaber Mr. Arthur Ulennam sind von einer seltsamen Unwirklichkeit und Schemen- Kantigkeit. Dafür fehlt cs indes nirgends an humorvollen Episoden und ergötzlichen Figuren, die Szenen im MarS- Mseagefängnis gehören zum Packendsten und Lesenswertesten, ma8 Dickens geschrieben hat.

Eine alte ästhetische Erfahrung behauptet nun mit Reicht, daß Roman und Drama völlig verschiedenen Gesetzen unterliegen und daß infolgedessen ein erzählerisch gedachtes 3crf auf der Bühne nie wahres Leben gewinnen kann. Unbekümmert um diese wohlbegründete Anschauung ist das

Tie ersten beiden Akte klammern sich wenigstens noch in Aeußerlichkeiten aufs engste an das Tickenssche Vorbild, der dritte Akt aber ist leider ganz Schönthansche schlechte Er- sindung. Mährend der urqroßväterliche Märchenzauber des Originals hier ganz und gar verschwindet, geht es Klein Dorrit genau so wie einer verwunschenen Märchenprinzessin. Em königlicher Prinz ist die gute Fee, und der edelste aller Briten vereint sich mit dem naivsten aller Gefängniskindet zum Lebensbunde.

Daß Herr v. Schönthan die Schwanktechnik beherrscht wie wenige gleich niedrig Strebende, daß er zu scherzen versteht mit dem Ernstesten, das haben wir alle gewußt schon sei? dem Erscheinen seinesRaubs der Sabinennnen", da heißt sseit zwanzig Jahren. Darum hat es dieses neuen, schwächeren Beweises wahrlich nicht bedurfte

Wenn ein großer Erfolg deS gestrigen Abends trotzdem sesizustellen ist, so ist dieser allein der meisterlichen Darstellung zuzuschreiben. Und zwar ist diese wieder einmal Frankfurt zu danken. Bon dort waren Herr Arthur Bauer und Frl. Poldi Sangora zu uns gekommen, um die beiden rührend­sten Personen des Romans, die zugleich die einzigen wirk- {amen Figuren der Dramatisierung sind, zu neuem Leben zu erwecken. Und allein durch dieses ausgezeichneten Frankfurter Paares große Kunst ist die gestrige Aufführung von »Klein Dorrit" in unserem doch wohl in erster Linie der Hebung unb Förberung beS Kunstgeschmackes bienenden Theaterverem genügend gerechtfertigt.

Eine der köstlichsten humoristischen Bühnengestalten, die wir hier je gesehen haben, war Herrn Bauers Papa Dorrit. Er zeichnete den Vater von Marshallsea etwa mit den un­nachahmlich lebenstreuen Farben und mit der unter Tränen, des Mitgefühls lächelnden Treuherzigkeit, mit der der alte- Wiener Karl Spitzweg seine lieben alten wunderlichen Heiligen, zu zeichnen pflegte. Es war ein Porträt von unübertroffener; Liebenswürdigkeit und zartester Diskretion der Empfindung,^ eine Gestalt wie aus einem alten Geschichtenbuche zur Zeit unserer Großväter, eine Gestalt komponiert aus einer schein­bar unmöglich vereinbaren Dreieinigkeit: Realismus, Phan­tasie unb Humor. Wie eine Dichtersigur Jean Pauls wirkte sein Dorrit lustig unb wehmütig, spießbürgerlich unb idyllisch: zugleich, als ein Bühnenbild, das sich dem Gedächtnis un-' vergeßlich einprägt. Wie er in feinem wunderlichen grauem Frack und Vatermörder mit dürftigem Greisenhaar, einen neckischen Zug um den Mund und halb weltunkundig, halb verschmitzt mit leichter Geneigtheit zur Minder- begabtheit um sich zwinkerte, bald behäbig würdevoll, bald mit wohlwollender Gönnermiene, fadenscheinig und von der Schule des Lebens gedemütigt, aber doch mehr noch vom Bettelstolz gebläht und die Allüren des einstigen Schwerenöters und Mannes der besseren Vergangenheit nie vergessend, immer mußte man ihn liebhaben. So drollig die Wunderlichkeiten dieses herzensguten Greises auch sind.

kunft Bismarcks unb Jules Favres unter ben Mauern von Paris, in der die beiben Staatsmänner barüber bebat- tierten, ob Paris bombardiert werben solle ober nicht, soll Moltke sich in eine Ecke zurückgezogen unb unverwanbt Klein Torrit" gelesen Heden ?

So ging denn Herr v. Schönthan frisch-fröhlich an bie Dramatisierung des Dickens^chen Romans, unb unter seiner flinken Theaterschneiberschere warb flugs aus einem kost­baren, eine Unzahl malerischer Falten von würdig steifem Rhythmus werfenden Staatskleide ein recht lächerliches Wachspuppen-G.flitter zur Augenrveide fürkunstlübende" Panoptikum-Enthusiasten. Mit kecker Unternehmungslust nahm er aus der überreichen Fülle Tickensscher Ge­stalten eine Handvoll ziemli y wahllos heraus und schnitzelte an ihnen so lange herum, bis sie in seinen Wachsf.guren- kasten paßten. Namentlich aber bemühte er sich mit großem Erfolge, ihnen die Seele zu nehmen unb ihre frischen seelen­vollen Gesichter mit Schmi.lke und Puder so lange zu be­arbeiten, bis sie ihren Vorbildern so ähnlich sahen ttr.e gerupfte Gänse jungen Schwänen.

Wie in den meisten seiner Schwänke, schwankt auch hier Herr v. Schönthan zwischen Heiterkeit und Rührung. Tie ergreifenden und stimmungsvollen Reize des Dickens- schen Äuches haben Platz gemacht hohler Sentimentalität und niedriger Possenlustbarkeit.

Wie in Beer-HofmannsGraf von Charolais" sind die Schulden eines alten Herrn bas Hauptmotiv bes Dickens- scheu Romans und des Schönthanschen Stückes, wie in SudermannsStein unter Steinen" steht em Ge­fangener im Mittelpunkt der Ereignisse. Der gute alte Torrit sitzt seit einer langen Reihe von Jahren un Londoner Schuldgefängnis. In vollen Zfi gen unb wehmutvollem Stolze genießt ber wunderliche weltfremde Kauz, im Roman eine ungemein rührende, außerordentlich liebenswerte Figur, die kargen Vorzüge eines Toyens der Häftlinge im fledermausig fidelen Gefängnis, bis er lei Schönthan in den Besitz riesiger Reichtümer kommt. Die Befreiung hat er feiner un Gefängnis geborenen Tochter Amy, Klein Torrit genannt, zu verdanken. Bei Tickens ist sie eins der zartesten und duftigsten Gebilde der engli' en Nomanliteratur, bei Schon- lchan ein Gemisch aus Unnatur und Zucker: ein Kilo Birch-Pfeifferscher, Grille", 500 Gramm rührseliger Kfti.'kin- dersrubenmoral, 300 Gramm al.fränkffcher Hausmutterchen- art, 100 Gramm Heilsarmeenschwärmertums, 50 Gr. Antt- alkobolistik, übergossen von ein paar Strahlen schimmernden Mondscheins. Während ihr Bruder Tip als Leichtftiß tolle Sprünge macht und ihre Schwester auf den Brettern, b_ie die Welt bedeuten sollten, leichtfüßig als Balleteuse yupst, bezaubert ihr Liebreiz einen wohlsituierten, gesetzten, bei Schönthan zum Krösus geworbenen Lonboner jugendlichen Herrn. Daß dessen Eltern die Urheber des Dorntschen Familienunglücks sind, wird von Schönthan nicht ein­mal angebeutet. Bei Tickens ist Clennams erster Gefangnisbesuch so hübsch als einfach motiviert, bei Schönthan erscheint er bort als Gast unter höchst roman* tjaften, ungläubigen und ungeschickt er, und en en Umständen.

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Aas Slsöl Mi- AallS.

Gießen, den 18. November.

"Personalien. S. K. H. der Großherzog haben' der am 2. November durch die Stadtverordneten-Verfamm- hing zu Alzey vollzogenen Wiederwahl des Dr. Heinrich Sutor zum Bürgermeister der genannten Kreisstadt die Be­stätigung erteilt. S. K. H. der Großherzog haben den Amts-« richter bei dem Amtsgericht Reinheim Hans Küchler zum Amtsrichter bei dem AmtSaericht Offenbach und den Gerichts--

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n.er ^ngjähri^n ba£rer.Ah,.fige zu liefern.

wähnten Artikeln batt.

Dcherendrama" immer noch eine Stütze für manche Theater- umernehmungen und für Nachschrrftsteller vom Range Lchönthans. Tie Birch-Pfeifferschen üblen Dramati­sierungen alter verstaubter englischer und französischer Ronnane erwecken heute noch bei alten Tanten und solchen, bie* es werden wollen. Gelassen, ebenso wie die greuligen ^üihnenbearbeitungen Ohn et scher u. a. Romane. Ange­sichts so unausrottbaren schlechten Geschmacks, so sagte sich Herr v. Schönthan in seiner trüben Stoffarmut, die er ja mit weit besseren Wienern von heute teilt, müßte doey wohl ein guter alter Roman des großen Tickens iiuli der Bühne Beifall finden, ein Roman, der in seinen zahllosen Kapiteln doch manche hübsche Spur dramatischen U'Äens besitzt, obendrein, wenn er in eine interessante Zeit, fttora in die Zeit Napoleons I.. verlegt wird und so den Herren unib Tomen der Bühne aparte altmodische Kostüme liefert. Er- lecgte er doch einst in aller Welt erhebliches Auflehen, und krzzählt man sich doch von ihm die Anekdote, daß er in btrn gewaltigen welthiftorrfcycn Drama des Jahres 18 <0 em Röllchen gespielt haben solt. Während der Zusammen­

weiter angebahnt wurde durch eine Zusammenkunft des Herzogs mit Kaiser Wilhelm II am 29. September 1888 zu Mainau in Baden. Tie schweren Erkrankungen des Königs Wilhelm HI. von den Niederlanden unb Groß- Herzogs von Luxemburg im Jahre 1889 und 1890 riefen den entthronten"Herzog von Nassau zur stellvertretenden Regentschaft nach Lux"»"b: rg. Als im November 1890 König Wilhelm III. von ben Niederlanden starb, folgte ihm nach bem in Holland gültigen salischen Gesetz ftine Tochter Wil­helmine als Königin unter der Vormundschaft ihrer Mutter. Auf den Thron von Luxemburg wurde kraft der Bestimmun- gen des Wiener Kongresses, nach denen mit Aussterben der attonischen Linie der Walranischen Linie die Erbfolge in Luxemburg zustand, der ehemalige Herzog Adolf von Nassau als Großherzog berufen. Dem betagten Fürsten, dem wohl an irdischen Schätzen nichts fehlte galt er doch neben dem depossidiertm Kurfürsten von Hessen als der reichste Fürst TeutschlandS mag diese späte Berufung zu abermaliger Regentschaft äußerst wohltuend gewesen sein. Sein Nassauer Land hat er aber auch in ber Feme nicht vergessen, wie dies seine alljährlichen Gnadenerweisungen und Ordensverleihungen an ehemalige Untertanen be­zeugten. Doch hat er feine früheren Schlösser, wie das entzückende, neuerdings leider arg verwahrloste zu Weilburg an der Labn, außer Königstein im Taunus, nach 1866 nie mehr betreten.

Großherzog von Luxemburg ist jetzt ber bisherige Erb- vrinz Wilhelm, geboten am 22. April 1852 ein nicht ionderlich beliebter Herr, der seinem Pater in vieler Hin­sicht ähnlich sein soll. Er ist seit 1883 vermählt mit der portugiesischen Infantin Maria Anna, geboren 1861, und dieser Ehe sind biS jetzt sechs Töchter entsprossen, nämlich die Prinzessinnen Marie, Charlotte, H'lda, Antonia, Elisabeth und Sophie. Tie Erbfolge der Töchter ist früher mehrfach angezweiselt worden, und man hat sogar schon einen Erb­folgekrieg voraussehen wollen, aber nach dem nassau-oramschen Hausgesetz von 1783, das von der Wiener Kongreß-Akte und von allen späteren Verträgen anerkannt wurde, ist etz unzweifelhaft, daß das salische Gesetz in Luxemburg nicht gilt, daß also in Ermangelung eines Sohnes auch die Töchter erbfolgeberechtigt sind.

NovellezumFlottenge, . . .

zum Marineetat für 1906. Der einzige Paragraph der Novelle lautet: Ter in Paragraph 1 d"s Gest es betreffend die deutsche Flotte vorn 14. Juni 1900 festgesetzte Schif fs­best a n o wird vermehrt: 1. bei der Auslands­flotte um fünf große Kreuzer, 2. bei der Mate- Irialreserve um einen großen Kreuzer.

Tie anschließende Begründung verweist auf die schon früher a"stellte Mel^forb^run der Rw'ernng für

fv Oll von Yass.'U, ÄioßScrzol, von juztmßurg f.

Der älteste europäische Fürst, der frühere Herzog von Dlaffau und seitherige Großherzog von 2nrcmburg, ist, wie em gestriges Telegramm meldete, am Freitag vormittag 11 Uhr auf seinem romantisch gelegenen oberbayr. Schloß Hohenburg bei Tölz an der Isar gestorben.

Was selten einem Irdischen zu teil wird, war dem Ver­glichenen belieben; er hat sein Leben auf 88 Jahre ge­bracht unb eine große Spanne Zeitgeschichte gesehen.

Adolf Wrihelm Karl Friedrich von Naffau wurde am 24. Fuli 1817 auf dem Schlöffe Biebrich am Rhein als Sohn des Herzogs Wilhelm geboren. Mit 22 Jahren über- nahm er 1839 nach dem plötzlichen Hinscheiden seines Vaters die Regierung. Der Verstorbene war zweimal verheiratet, ersten Riale mit einer russischen Prinzess'ber Tochter öc« Großfürsten Michael, bie er nach kaum einjähriger Ehe verlor, zum zweiten Male mit Adelheib, einer Prinzessin von Archalt-Teffau.

Als Herzog von Naffau war ber Verstorbene jebem politischen Fortschritte in seinem Lande abhold. Tatsächliche Mißstände in der Verwaltung führten zu ernst en Lio lköbewegungen im Jahre 1849, die durch verständige Mußpahmen der leitenden Kreise bald beschwichtigt wurden. Tr»tzdem verfolgte die Regierung des Naffauer Landes nach dieser Zeit eine Politik, die auf kirchlichem und politischem Gebiete stets zur Reaktion neigte. Sem Preußenhaß war in weitesten Kreisen bekannt, und wurde selbst von Naffauern bespöttelt. So erzählt man sich, daß er fin"t den von ihm sehr geschätzten bekannten Parlamentarier Juüizrat Braun-Wiesbaden in seiner weltfremden Art ge- fraqt habe, was denn eigentlichNational- 6f»n omie* sei, ein Wort, daS er gor so viel in Zeitungen lese. Nachdem der Gefragte ihn auszuklären versucht hatte, soll tt cm Tone höchster Beruhigung erwidert haben:So so, ich dachte, daS sei auch so eine preußische Er­findung!*

Dieser grimmige Preußengroll und bie enge Liierung llnit Oesterreich brachten bem Herzog von Naffau 1866 den Lei lust seines Thrones. Ter Vertrag vom 22. September 1867 ;mil Preußen gewährleistete bem depossedierten Fürsten neben " idrr Zusprechung wertvoller und schöner Schlöffer, wie Nulbrich, Weilburg, Königstein im TaunuS, eine namhafte WmbungSfnmme. Nach seiner Entthronung begab sich ber Üci.zog auf Reisen nach Paris, der Schweiz unb nach Wien, uni' dann dauernd) seinen Winteraufenthalt in Frankfurt am Main, seine Sommerresidenz in Königstein im Taunus zu nehmen.

Turch die Verheiratung feiner Tochter, der nassauischen Prinzessin Hilde, mit bem Vetter bes Kaisers, bem Erb­prinzen Friebrich von Baden, fand eine Annäherung b:§ lichajlsauischen Hauses mit den, preußischen Hofe statt, bie

Auslandsschifse. Tie bamaligen Gründe bleiben bestehen. Als weiterer Grund tritt bie Notwendigkeit hinzu, im Kriegv außerhalb des Rahmens der Schlachtflotte wenigstens noch ein G'schwader leistungsfähiger Panzerkreuzer zur Ver­fügung zu haben. Jährlich soll ein Krruzer angefordert werden. Die Kosten pro Kreuzer betragen ettoa 27 Millionen Mark. Tie Gesamtkosten von 165 Millionen verteilen sich aur die Jahre 1906 bis 1915. Der Mehrbedarf an Pers onal, den die Novelle fordert^ beträgt 126 Seeoffiziere, 40 Marine-Ingenieure, 16 Sani­tätsoffiziere, 8 Zahlmeister, 5643 Unteroffiziere und Mann­schaften Die durch die Vermehrung des Cchifssbestandes herbeigeführte Steigerung der fortdauernden Ausgaben wird auf etwa 20 Millionen geschätzt.

Tie anschließende Denkschrift zum Marineetat für 1906 erläutert a) bie großen Etatsforderungen, welche durch das Flottengesetz überhauvt nicht geregelt l'inb (Torpedo­boote, Unterseeboote), b) Forderungen, welche im Prinzip zwar b"rch das Flottengesetz geregelt sind (Zahl der Schiffe, Grundsätze für die Personalberechnung), ihre Gestaltung! aber erst durch den Jahresetat finden (Preis der Schiffe, Größe und Personalvermehrung).

Aus dem Etat für 1906 ist hervorzuheben: die bisher vorgesehenen 16 Torpedoboots-Tivisionen sollen, auf 2 4 vermehrt werden. Daher werden jäh-rlich nicht 1, sondern 2 Tivisionen gefordert. Für die Erprobung der Unterseeboote werde.-. 5 Millionen jährlich angesetzt. Die Größen abmessun gen der Schiffe und der Tor­pedoboote müssen nach dm Erfahrungen des japuuischen Krieges gesteigert werden. Es entstehen daher für die Schiffe Mehrkosten gegen bie früheren Anschläge. Ein Linienschiff kostet 30 Millionen, ftüher 25 Mill. Der auf Grunb bes Flottengesetzes und der Novelle auf- gestellte Schiffsbauplan sieht an Neubauten für 19061912 jährlich 3 große Schiffe, 2 kleine Kreuzer, 32 Torpedo-, boots-Divisioncn, für 19131917 nur 2 große Schiffe und bas übrige vor. Die bur<l)schnittliche Gesamt-Jahresver- mehrung an Personal beträgt jährlich 2340. Die fort* bauer üben Ausgaben infolge der vermehrten Jndiensd- ''Gltungcn von Auslandskreuzern, Torpedobooten unb in­folge "der höheren Betriebskosten der größeren Schisse jährlich rni durchschnittl'ch 8 Millionen. Ter Ma­ri u e e t a t steigt von 233 Millionen im Jahre 190$ auf 328 Millionen im Jahre 1917.

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