Ausgabe 
24.6.1905 Erstes Blatt
 
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* Der Gesan gverein Harmonie veranstaltet morgen ein Waldfest im Stadtwald an der Licherstraße, rechts, erste Schneiße, wo jedem Freund der Wälder Gelegenheit geboten ist, einige vergnügte Stunden zu genießen.

§ Bad-Nauheim, 23. Juni. Biß zum 22. Juni 1905 sind 11 429 Kurgäste angekommen, wovon am genannten Tage noch 5950 anwesend waren. 126 463 Bäder wurden bis zum 22. Juni abgegeben.

? Als feld, 22. J-uni. Der Kreistag des Kreises Alsfeld hat der baldigen Ausführung des seit längerer Zeit projektierten Kreis kranken Hauses zugestimmt und ist über die Platzfrage mit der Stadt in Verhandlungen ein­getreten, nachdem diese zwei Bauplätze zur Verfügung ge­stellt hat. Der Kreistag hat ferner beschlossen, zum Vor­anschlag für die Kreiskasse in 1905 104 000 Mk. Umlagen von den Gemeinden und Gemarkungen zu erheben. Die Gesamtausgaben belaufen sich auf 235 210 Mk., wovon 120 000 Mk. auf Neubauten und Unterhaltungen der Straßen entfallen.

[] Marburg, 23. Juni. Gelegentlich der Beratung über Instandsetzung des Aufstiegs neben der Universität nach der Oberstadt wurde in der heutigen Stadtver­ordnete nsitzung angeregt, die Universität und die Elisabethkirche ganz und gar hinzulegen und die Kosten durch Veranstaltung einer Lotterie aufzu­bringen. Es würde daun eine der Brühlschen Terrasse in Dresden nicht unähnliche Anlage entstehen. Dem Vorsckflag stand man zustimmend gegenüber, und deshalb soll der Aus­gang nur provisorisch rn Stand gesetzt werden.

(Samberg, 20. Juni. Auf dam heutigen zweiten Ver- scnnmlungstage des nassauischen Gewerbevereins wurde der von Wiesbadener Zünftlern eingebrachte Antrag auf Abänderung der Gewerbeordnung und Einführung der obligatorischen Meisterprüfung mit mehr als zehn, ach er Majorität abgelehnt. Auch der Versuch, die Versammlung lediglich zu einer Sympathiekundgebung im Sinne dieses Antrages zu veranlassen, mißlang. Die Anträge zu gunsten des Bahnprojektes Butzbach-Usingen -Jd- ste i n - L a n g e n s ch w a l b a ch und der Weiterführung der Westerwaldquerbahn nad) der Lahn und Einführung der elektrischen Bahn Wiesbaden-Bierstadt wurden unterstützt.

* Kleine Tageschronik. In Würzburg wollte in einem Hause in bsr LudwigÜraße, der vornehmsten Straße der Stadt, ein Arbeiter eine defekte Gasleitung tii/.bieten. Er hantierte dabei mit einem offenen Licht; es entstand eine Ex­plosion, die das Zimmer demolierte. Der Arbeiter und ein Dienstmädchen wurden lebensgefährlich verletzt. In Mann­heim hat sich am 11. Juni der 25jährige Kunstmaler? Robert Schüler aus Heidelberg entfernt und wird seitdem vermißt. Seine Eltern glauben, daß ihm ein Unfall zngestoßen ist. 3it Köln verhaftete die Polizei zehn internationale Taschendiebe, welche in einem Goldwarengeschäfte den Raub absetzten. Die Geschäftsinhaber und weitere Hehler wurden gleich­falls inhaftiert. Uebrr einem großen Teile der Schweiz sind am 22. d. M. schwere Gewitter niedergegangen. In einzelnen Kantonen sind sämtliche Sh Huren zerstört. Etwa 70 pom Hundert aller Kulturen sind vernichtet.

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Darmstadt, 23. Juni. In dem Prozeß gegen den Kurpfuscher und Betrüger de Cast res und besten Ehe­frau wuroe heute das Urteil verkündet. ES lautete gegen den Ehemann auf eine- Gesamtstrafe von 3 Jahren 9 Monaten Gefängnis uud gegen die Eycsrau auf zwei Jahre 6 M o n a t e. 9 Monate Untersuchungshaft werden ab­gerechnet.

Reichsgericht.

R. S. Leipzig', 22. Juni. (Nachdruck verboten.)

Der Makler und Agent Abraham Jakob von Gie­ße n wurde am 13. August v. I. von der Fericnstrafkammer des Landgerichts Gießen von der Anklage wcyen Betrugs ftei- gesprochen. Der Angeklagte war als Vermittler tätig bei dem Verkauf einer Bäckerei in Wismar, die Eigentum des Bäckers Schneider war; er vermittelte den Verkauf des Geschäftes an den Metzger Apel zum Preise von 7200 Mark. Schon ein Viertel­jahr später beauftragte dieser, der das Geschäft nur der Billig- keit wegen tauf Spekulation gekauft hatte, den Angeklagten, das Geschäft um 10 000 Mark weiter zu verkaufen, falls er eine Anzahlung von 6000 Mark bekomme. Könne er nur eine kleinere Anzahlung erzielen, so solle er den Preis aus 12 000 Mark er­höhen. Als Provision wurden ihm Ws bis 2 Prozent des Kauf­preises zugebilligt. ImFrankfurter Generalanzeiger" bot nun der Angeklagte das Geschäft um 14 000 Mark aus ; er erzielte auch, daß sich ein Reflektant meldete, der freilich nicht viel Anzahlung aufzubringen vermochte, da er in seinen Verhält­nissen etwas zurückgekommen war. Nunmehr ging der 2lnge- klagte zu dem Metzger, dem derzeitigen Verkäufer, und teilte diesem mit, er habe jetzt einen Kaufliebbaber, der 12 000 Mk. zahlen wolle bei einer Anzahlung von 300t) Mark. Dafür forderte er aber für seine Bemühungen 1000 Mark; der Metzger war es auch zufrieden. Von dem Reflektanten forderte er außer­dem 300 Mark für die Nennung des Objektes. Der Betrug wurde von der Anklage in der Vorspiegelung verschiedener falscher Tatsachen erblickt, u. a.: Wismar sei ein Ort, von 2000 Ein­wohnern, während es nur 1300 hat, u. a. m. Die Freisprechung erfolgte jedoch, weil der Reflektant durch den Mäklewertrag mit dem Objekte zusammengekommen war, das er ohne ihn nicht erhalten hätte, und das einen wirtschaftlichen Wert von mehr als 12 000 Mark habe; eine Vermögensscyädtgung liege also nicht vor. Der Reichsanwalt erklärte jedoch diese Annahme als auf Verkennung der Grundsätze des Reichsgerichts bezügl. der Ver­mögensbeschädigung beruhend. Ter erste Strafsenat erkannte auch gemäß dem Anträge des Reichsanwalts und hob auf die Revision der Großh. Staatsanwaltschaft das Urteil nebst den demselben zu Grunde liegenden tatsächlichen Feststellungen auf und verwies die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an die Vorinßanz zurück.

ArnvrljUctts-Ziulyritylen.

Auf dem 38. Vereinigungsfest alter Korps­studenten in Godesberg betonte der langjährige Festleiter Sani­tätsrat Dr. Firle aus Bonn, daß das letzte Jahr eine besondere Wickstigkeit wegen der vielerörterten Kämpfe um die akade­mische Freiheit erlangt habe. Es sei eine vergebliche Hoff­nung gewisser Kreise gewesen, die Korps würden in dieser Sache abseits rou, der übrigen Studentenschaft stehen; die einmütige Stellungnahme des Kösencr Kongresses habe allen Zweifeln em schnelles Ende gemacht.

Arb.Uerbewrgung.

Plauen (Vogtland), 23. Juni. TerNeuen Vogtl. Ztg/ zufolge hat der Arbengeberverband für das Baugewerbe in Plauen beschlossen, von Freitag abend ab über alle Bauten die Sperre zu verhängen als Antwort auf den von den Maurer- aehilten inszenierten teilweisen Streik. 1100 Arbeiter werden ba* ourch betroffen.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Sonntag, den 25. Juni 1906: Heiter, windig und trocken, am Tage wärmer als heute.

Näberes durch die Gießener Wetterkarte.

Temperatur der Lahn und der Luft

am 24. Ium 1905.

Nach Neaumur gemessen mittags zwischen 12 und 1 Uhr. Wäger 17°, liuft 140 R.

Mülle r'sche Bade- und Schwimmanstalt.

Sandet und Verkehr. SolLswirtschast.

E r z - K u x e.

F s r n i e. Angebot 3125, Nachfrage 3075. Ausbeuten und Zrr- bußen, 1903: 225; 1904: 300.

Krtginal-Araylmeloungt'n.

Berlin, 24. Juni. Ein schweres Gewitter richtete in mehreren Stadtteilen erheblichen Schaden an. Der B<itz zündete mehrfach. Ein wolkenbruchartiger Regen überschwemmte in vielen Stadtteilen die Keller. , , . .

Kiel, 23. Juni. An der I)euligeit Regatta nahm der Kaiser auf demMeteor" teil. Geluden zur Teilnahme an dieser Fahrt waren: S4aats,ekretär v. Ticpitz, Admiral Graf Baudisjin, der crmerik. Botschafter Cyaclemagne Tower, Lord Brassey, Mr. Danderbilt, Mr. Lauder und Mr. Mar- chall. Heute abend fand an Bord decHohenzollern" bei Se. Majestät ein Din er statt, zu dem u. a. erschienen waren der Großl-erzog von Oldenburg, der Fürst von Monaco, die Bürgermeister Dr. Mönckeberg und Dr. Vurchard, ferner Ad. Burmester, Generaldirektor Ballin, Kapitän z. S. a. D. von Grumme, Richard von Krogmann, Alsreo O'Swald, Max Theodor §61)11, Richard Heydinann, K'üllner, Varandon und Gutsbesitzer von Schiller. Bei der heutigen Segel- regatta des kaiserlichen Jachtklubs erhieltMeteor" den Krupp-Erinnerungspreis.

Kiel, 24. Juni. Den drei Rowdies, die den Ober­leutnant Arnoldi überfielen, ist man ans der Spur. Auf dem Wege zwischen Kiel und Gettorf überfielen sie neuerdings ein Mädchen. Ein Feldwebel vom See-Bataillon verjagte sie. Auf der Flucht verloren sie dann Oberleut­nant Arnoldis goldene Uhr. Die Polizei fahndet eifrig nach ihnen. .

Dover, 24. Juni. Hier wird bekannt gegeben, datz em großes deutsches Schulschiff am 9. August Dover be­suche n und sich eine Woche lang im hiesigen Adinwalitätshafe« aufhalten wird. ~ . .. . . , t

Kirchberg (Hunsrück), 24. Juin. Hier wurden )echs unter einem Baum geflüchtete Personen durch einens Blitzschlag gelähmt.

Paris, 24. Juni. Alle detaillierten Mitteilungen über die Note Rouviers sind frei erfunden. Die Note, die mindestens als taktischer Fehler bezeichnet werden muß, bewegt sich fast ganz in allgemeinen oder historischen Be­trachtungen und gibt auch in der Konserenzfrage nur unbe­stimmte Zusicherungen.

Warschau, 24. Juni. In Czenstochau feuerte tit der Nacht Militär in eine mehrtausendköpfige Ar­beitermenge. Cs gab zwei Tote und mehrere Ver­letzte. Die Bäcker streiken, es herrscht Brotmangel.

Newyork, 24. Juni. Aus Washington wird gemeldet, daß der Versuch Roosevelts, den Zaren zur Nachsuchung eines Waffenstillstandes zu bewegen, erfolglos gewesen sei. Erbitterung erregt e§, das England Japan zur Fortsetzung des Krieges anzuspornen sucht.

Washington, 23. Juni. (Reuter.) Der Vorsitzende des Flottenausschusses des Repräsentantenhauses Foß wird sich auf eine Studienreise nach dem fernen Osten begeben, um für einen Bericht Material zu sammeln, den er dem Ausschüsse bezüglich der beträchtlichen Summen für Flottenzwecke erstatten will, deren Bewilligung bei dem Kongreß beantragt werden soll.

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