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24.1.1905 Erstes Blatt
 
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Diensmg 24. ^samiar 1905

155. Jahrgang

«erstes Blatt.

Auch in Belgien ist nun der Ausstand losgebr^en.

wollen. M . ... |

Am Samstag abend hielten eine große Anzahl S ch r i f £ = I steiler eine Beratung ab über die Maßnahmen,« welche zur Vorbeugung eines blutigen Vorgehens getroffen werden könnten. Es wurde beschlossen, eine Abordnung zum Minister des Innern zu senden, um ihn zu veran­lassen, den Kaiser geneigt zu machen, daß er die Petrtron der Arbeiter entgegennehme. Unter den Abgeordneten^ befand sich auch Maxim Gorki, In der Amtswohnung des Ministers des Innern wurde der Abordnung gesagt, daß der Minister nicht zu tzausc sei, Tie Abordnung wurde dann an den Gehilfen des Ministers des Innern, Rbdszewsch aewiesen. Dieser erklärte, er könne in der Sache nichts tun; er würde td-ie Bitte der Schriftsteller dem Minister über- Mitteln, Hierauf wandte sich die Abordnung an den Staats­sekretär Witte, der äußerte, er könne nicht an den Kmser die Bitte richten, daß er unverzüglich irgendwelche Ent­scheidung treffe. Weiter bemerkte Witte, er perionttch könne sich nicht in die Anordnungen des Ministers des ^Nnerrr einmeugen, werde ihn ober über die Abordnung in Kennt­nis setzen und ihn bitten, sic zu empfangen. Hierauf sprach er mit dem Minister des Innern durch Fernsprecher. Er erwiderte, er werde die Abordnung nicht empfangen. Am Samstag fand eine stark besuchte Versammlung von Leuten statt, die den gebildeten Ständen angehören. Es wurde beschlossen, ein Komitee zu bilden für Sammlung von Spenden für die Familien der geschädigten Arbeiter. Die Verteilung der Spenden wurde dem Hilfsverein für poli­tische Verbannte und Gefangene übertragen.

Der Krieg.

Ein Telegramm General KuropatlinS an den Kaiser vom -22 Januar bringt folgende Ennäclheitcn

daß vorläufig nock nicht der Weg der Geietzgebung bc-schntten werden soll, um den berechtigten Forderungen der Bergarbeiter Geltung zu verschaffen. Auf die Rede des nationalliberalen Abg. Frb rn v H e v l fccr namens der großen Mehrheit [einer Fraktion die Erklärung abgab, die B e r g a rb e rterforder un g en prüfen und durch 'Ge setz l ö 1 en woll en, er­widerte der Handelsminister, er müße eine ^lellnngnayme zu den Vorschlägen ablehnen, weil es nicht angebracht in, in der ersten Aufwallung Gesetze zu machen. Im allgemeinen ist dieser Grundsatz gewiß zu billigen. Allein tu einem Fal.e von so erwrmer Bedeutung wie dem vorliegenden könnte cs doch von mchlicher Wirkung sein, dem Eigenwillen gegenüber auf die Macht.des Staates hinzu weisen, scbeunig Mittel zur Mhilfe zu ergreifen. Uebrigens sind auch die Fragen, um die es sich bei nnnn Reichsberag"s-etz handeln würde, längst spruchreif.^

Auf 'dem Schauplatz des Streiks selbst hat nck nichts neues ergeben Aus Essen wird gemeldet: Die Belegschaft der fiZ- kaiischen Zechen Melle und Rheinbaben trat in den Ausstand. Damit steigt die Zahl der Streikenden auf 210 000.

Die Kohlenpreise.

Krefeld, 22. Jan. Aus Wesel wird gemeldet, daß die Stadtverordneten beschlossen haben,, größere Mengen Kohlen zu beschaffen und sie an Unbemittelte oder zu geringem Preise ab^ugcben

Köln, 23 Jan. DerKöln. Ztg." zufolge richtete daß Kohlensyndikat ein Rundschreiben an die H an dl er, in welchem diese darauf aufmerksam gemacht werden, datz sie für sich keinen höheren Nutzen rechnen dürfen, als sue an der Ver­tragslieferung selbst hätten. Allen Verkamen des Syndikats liege diese Voraussetzung zu Grunde. ~

Stuttgart, 23. Jan. Während sich an verschiedenen Platzen I Süddeutschlands, so z. B. in Fran kfur t a. jUc. unb m Mannheim, die Folgen des Bergarbeiterstreiks ichon. recht unangenehm fühlbar machen, dürften der w nryember gi.nhen I n d u st r i e vorerst Wohl noch keine wesentlichen Schwierigkeiten ans dem Streik erwachsen, da meistens Saarkohle verbraucht wird und auch die Ruhrkohlenlieferungen bisher^keme Unter­brechungen erfahren haben. Unangenehm kann die Situation nur bei einer mehrwöchigen Dauer des StreM werden, da tn diesem Falle ausgeschlossen ist, daß das Saarrevier allen An­forderungen wird entsprechen können. Auch im Hausbedarf ist eine irgendwie ins Gewicht fallende Vreissteigerimg in Württemberg iiDcf) nickt eingetreten: diese wird sich aber bei längerer Fortdauer des Ausstandes gleichfalls kaum vermeiden laßen.

München, 23. Jan. Die Versorgung der bayerischen Staatseisenbahnen mit Steinkohlen ist in der Meise geregelt, daß außer dem sogenannten eisernen Bestand, der ohne besondere Genehmigung nicht angegriffen werden darf, noch ein dreimonatiger Vorrat auf Lager gehalten Mrd H^^ ^mmt noch, daß aus dem Ruhrgebiet stammende Ulen mU Rücksicht auf die Möglichkeit einer Unterbrechung der RheinschiNabrt schon mit Beginn des Winters aus Lager gesetzt wurden, [odap gegen­wärtig eine Zuführung solcher Kohlen Nicht notwendig ist Die I bayerischen Staatseifenbahnen haben daher unter der Storung

der Kohlenförderung im Ruhrgebiet kaum zu leiden,

In Mainz haben, wie uns berichtet wird, für verschiedene Sorten die Kohlenhändler bereits die Preise erhöht, indem die Vorräte geräumt und sich Ersatz nur durch bedeutende Mehr­kosten beschaffen läßt. Von der Preiserhöhung werden gerade du minderbemittelten Leute betroffen, die ihren Bedarf ZentnerweE decken Heute, Dienstag abend, findet in Mamz eine öffentliche Volksversammlung statt, die sich mit dem Bergarbeiteransstandi im Ruhrgebiet beschäftigen wird. . ., , .

In Gießen ist nach unseren Informationen bis letzt kerne Preis erhö hun g für die Kohlen eingttreten.

Z>^!S neue K, öinelt in Irankreich.

Rouvier fjat gestern, Montag vormittag, dem, Präsidenten Loubet niitgcteilt, daß er den Auftrag zur Kabinettsbildung endgültig übernehme.

Die Liste der neuen Minister ist bereits veröffentlicht, worden. Sie lautet: Rouvier Präsidium und Finanzen; D e! e a s s S Aeußeres;PoincarrS Justiz; E t i e n n e Inneres; Bienvenu-Martin Unterricht und KulkiS, Thomson Marine B e r t c a u j Krieg, Dubies Kolonien, Jean D u p u i; Ackerbau, Ruau Handel. Ter Minister für öffentliche Ar­beiten ist noch nicht bestimmt.

Im neuen Ministerium werden btc Ministerien des Kultus und des Unterrichts zusammengetegt werden. Die Wahl Bienvenu.MartinS, der dieses Portefeuille erhalten soll und der eine der größten Gruppen vertritt, scheint die Absicht kund zu tun, daß das neue Kabinett die vom vorigen Kabinett beobachtete Haltung in der Kirchenpolitik nicht ändern wird. Bezüglich des Einkommensteuerqesetzeutwurss wird daS Kabinett alles tun, um die Reform vor Schluß der gegenwärtigen Legislaturperiode durchzuführen, lieber den Gesetzentwurf be­treffend die zweijährige Dienstzeit wird daS Kabinett ebenfalls noch in dieser Session eine endgültige Entscheidung herbei- führen.

die Stimmung hier ohnehin erregt war. Für den 26. Januar wird ein allgemeiner A u s st a n d befurch­tet, dem sich auch die Droschkenkutscher an,chließen

Streik dir A-rgarbetter im Wuörgebiet.

m R e i chs t a a mit im preußische« Abg ko rdn«ten- r, jg au nrftrigen Montag brr Brraaibeilerausstanb im Mr rev^r u,ELache gekommen. Die Wciaerurva bti Mn» Vereins mitU^n Ärbciterdelegierten zu verbandeln, fand nue- jL.,1 scharle Mißbillimmg. Landelsminister Moller bezeichnete

W aerrma zweimal ÄS einen politischen Fehler Wenn die Mrren nicht Mitwirken wollen, muß ich nur allem bellen" sagte Ibi-r Minister im Mbaeordnetenhause, wo die Sn-

Vorlage enbgiltig Mr Annalnnc gelangte ^ndePn be- lehE eine wcitere Aeußer.tN« Herrn ÄölleeS im ReickSt-P.

Tagen angekündigte Streik -am 33. d. Ml. im Borruago ausgebrochen. Vorläufig find es nur hundert Arbener der Gruben von Grand Hornu, die eme Lohnerhöhung fordern, und die Einfahrt verweigern. Ti-ese Streikerklärung, hat« aber auf die erregten Arbeiter der umliegender Gruben einen tiefen Eindruck gemacht. Man befürchtet ein s ch n c II e -> Umsichgreifen der Bewegung. Manifeste in heftiger Sprache werden verbreitet. Tie schnelle Abgabe der Kohlen­lager nach Deutschland haben die Preise für Kohlen ver­teuert und die Arbeiter werfen den einzelnen Gruben­besitzern vor ob mit Recht ober Unrecht ist schwer zu entscheiden daß ihnen Kohlen überhaupt verweigert ober zu hohen Preisen angerechnet würden, da alle Kohlen nach i Deutschland gehen sollen.

Metzeim Anzeiger

General-Anzeiger **

Amts- und Anzeigeblatt für den Mreis Gießen

Der Äusstand in Ketereöilrg.

So groß zurzeit in Petersburg der wachsende Aufstand bn Arbeiter ist und so unbedingt srcher schrecklich viele Menschen bei den Straßenkämpfen ihr Leben eingebußt haben, so wenig und dürftige Meldungen liegen doch über alle diese Ereignisse heute noch vor. Heber den -Vorgang bei der Wasserweihe wird man kaum je volle Klarheit erhalten. Das ist eben das willkürliche Walten und Schal­ten der russischen Machthaber, der Zensur^ die alle wahrheitsgemäßen Berichte über die Sachlage unterdrückt. Alles konnte eben nicht verheimlicht werden, und wav heute über den Aufstand in der Zarenstadt die Zensur hat durchsickern lassen, läßt drohendes Unheil genug ahnen. Ta heißt es in den neuesten Depeschen, die uns heute vor- lieaen, zahlreiche Versammlungen der gebildeten, Stande hätten Versammlungen abgehalten, in denen die Sym­pathie für die Bewegung zum Ausdruck kam. Em Ruud- sckireiben des Ministers des Innern soll an alle Behörden Rußlands den Befehl gerichtet haben, alle Versammlungen uir Besprechung von Reformen im Innern des Reiches nötigenfalls gewaltsam zu verhindern. Man fürchtet die kämmende Revolution! Der Zar hat bereits am Samstag nachmittag die Hauptstadt verlassen, um sich nach Zarskofe- Selo zu begeben. Er entfernte sich auf Anraten seiner Minister, welche von der Sicherheit des Winterpalastes nicht ganz überzeugt waren. Sämtliche Großfürsten und Groß­fürstinnen der kaiserlichen Familie haben ebenfalls Peters-

ohne Zeitungen.

Im Stadtteile Wassili Ostrom, so berichtet die Petersb. Tel.-Agentur, war Montag nachmittag 2 Uhr der Ver­kehr ungehindert. In der 5., 6. und 7. Linie waren Truppen zusammengezogen. Auf dem Mittelprospekt wurde das Publikum von militärischen Pikets sehr scharf ange­fahren. Am Sonntag plünderte die Menge einen Kleiderstoffladen sowie eine der staatlich en Branntweinbuden, wo für 3000 Rubel Branntwein vernichtet wurde; hingegen wurde kein Geld geraubt. Dieses tiiar vor der Ankunft der Arbeiter an die staatlichen Ein­nehmer abgeführt worden. Auf dem Newski-Prospekt kam es Montags zu einem Zusammenstoß der Menge mit dem Militär; letzteres feuerte. Wie viel Menschen um­gekommen find, darüber erfährt man immer wieder nichts.

Eine andere Meldung berichtet: Die Aufregung dauert an. In einzelnen Stadtteilen werden die L ä d e n geplün­dert. Man b e für chte t, daß das Volk in seiner Wut die Häuser in Brand stecken werde. Allenthalben ist manimBegriff, Barrikaden zu er richten. Ganze Wagenladungeii von Toten und Verwundeten werden den Hospitälern zugeführt. Eine Dame und ihr Kutscher wurden während der Fahrt durch Schüsse des Militärs getötet. Die Ausständigen beschlossen, nach Zarskoje Selo (wo sich der Zar befinden soll!) zu marschieren.

Eine höchst wichtige Meldung ist die derKöln. Ztg", daß, gutem Vernehmen nach, bald der RücktrittdesMi- Nisters des Innern, Fürsten Smiatopolk- Mirsky, erwartet werde. Ueber feinen Nachfolger ver­lautet noch nichts. Die Ersetzung des Botschafters Urussow durch den Grasen Milrawiew sei sehr wahrscheinlich. Mit diesem Wechsel des Ministers würd;e vielleicht eine Ein­renkung der Negierung und der Beginn einer neuen Zeit für Rußland zu erwarten sein. Ferner wird heute gemeldet, daß der Oberprokurator des heiligen Synods, Äobje Donoszew gefährlich erkrankt sei. Dieser Mann war seither bekanntlich eine eifrige Stütze Les grasten Absolutismus.

In den von den Elekttizitätssirmen Helios bedienten Gebäuden in Petersburg erlosch Montag nachmittag die elektrische Beleuchtung, da nunmehr auch die Ar- Leiter dieser Firma sich dem Ausstande angeschlossen Ijaben.

In Moskau riefen die zum Teil übertriebenen Privat- Meldungen über die Vorgänge am Sonntag eine Panik Servor. Die Filiale der Petersburger Agentur wurde form ich bestürmt um Duskünste über die wahre Sachlage. Die Börse toar flau. Die Aufregung war um so größer, als

biirg verlassen. . _ s. ,

Wie es gestern, am Montag, in Petersburg aussah, darüber erfährt man nichts gewisses. Zweifellos hat sich mehr ereignet, als die russische Zensur passieren ließ. Aus dem Newski-Prospekt sammelte sich, so heißt es, immer mehr> Volk an. Aus dcm Palaisplatz werden Ansammlungen durch die G a r d e z u P s e r d e verhindert. Sonntag abend tun 11 Uhr warfen Arbeiter die Fensterscheiben der qii der Straße und an der Tschemigow-Brücke bis zur Tnitschkow-Brücke gelegenen Häuser und des 6ert der letzt­genannten Brücke gelegenen Palais ves Großfürsten Sergei ein. Auch die Fensterscheiben vieler 5Mser des Newski-Prospekts wurden eingeschlagen.

Der Unruhen wegen hielten viele Behörden Mon­tags keine Sitzungen ab, weshalb wohl auch In Pans Gerüchte über eine Militärdiktatur entstanden sind. Ueber Paris berichten nämlich Meldungen aus Petersburg, daß General Wassilischkoff, Kommandant der Petersbiirger mobilisierten Truppen, ferner General Sachaross und Stadt- Hauptmann Foulon eine Art Diktatur für die Zeit des Aufruhrs erhalten hätte. Sie hatten ein durch zahl­reiche Maueranschläge verbreitetes Kommunique ausge­geben, worin es heißt, das Militär habe im Dienste des Zaren und der Religion seine schwere Pflicht erfüllt.

Vierzig Stadtverordnete beschlossen, in der am nächsten Mittwoch stattfindenden Dumasitzung ein Gesuch an hie Regierung um Maßnahmen zum Schntz der Be­völkerung gegen die Folgen der Unruhen zu beantragen. Viele haben Petersburg eilig per Bahn verlassen, um ihre Person in Sicherheit zu bringen. Tagelang bleibt Petersburg

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Nr. Ätt

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Notationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'scheu Univers.-Buch-u. Stein- bruderei. R. Lange. Redaktion, Erveditwn und Truderet:

Schul st ratze 7.

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HernfvreÄanfrblunAr 51

Aus Berlin, 23. Januar, wird uns geschrieben:

Die Abendblätter wurden beute auf den Straßen Berlins so lebhaft begehrt wie feiten. Im Weitergehen lasen die Käufer die noch, feuchten Blätter und teilten Begegnenden Einzelheiten des Inhalts mit. Ueberall ist I das herrschende (Gesprächsthema, der Gegenstand zum ^cill leidenschaftlicher Erörterungen den gestrige Schreckens­onntag in Petersburg. Selbst die n euen N a ch r i ch ten aus 'dem Streikrevier erregen dos öffentliche Interesse nicht in diesem Grade. Je mehr EinM^ beiten bekannt werden, umsomehr wächst der Abscheu über das Blutbad, wächst das Erstaimen über Anordnungen und Befehle von einer Unvernunft, die allenfalls als Akte der Verzweiflung begriffen, obschon nimmermehr entd chuldigt werden können. Welche schlechten ^a^9e^r mögen es gewesen sein, die dem Zoten zu dem wohlberech­neten Sturmangriff auf sein Volk die Festigkeit des Ent- chlusses, b«es verhängnisvollsten, den er je gefaßt wahrend einer Regierungszeit, einzuflößeu vermochten? Trese Be-! fürworter einer exemplarischen Strenge haben eine TllJ-W bare Verantwortung auf sich geladen. Die Geschichte Rußlands befand sich an einem Wendepunkte: leistete Niko­laus der flehentlichen Bitte Folge, die Darlegung der Ar­beiter persönlich .entgegenzunehmen, vielleicht wäre noch alles gut geworden, vielleicht hätte ein neues festeres Baud Zar und Volk Umschlungen, vielleicht wäre das Vertrauen

Zusammenrottung zu feuern und feinen zu schonen.

Ein Mitarbeiter derBerl. Ztg." hatte eine Unterredung mit dem bekannten russischen Strafrechtslehrer Profesior Tr. Michael Neußn er, um feine Ansicht über die erschüt­ternden Vorgänge in Petersburg zu erfahren. ^Reußner I zweifelt nicht daran, daß die neue furchtbare Phase der Bewegung in Rußland ein bewaffneter Au f st a n d sein wird Eine weitere Folge könnte fern, daß das Militär nicht gegen das Volk vorgeht, sondern sich ihm sogar an­schließen wird. Er kenne übrigens auch ein Regiment der Leibgarde-Infanterie, das unter feinen Umständen auf das Volk schießen wird. Aber auch der Ausbruch einer Palast- Revolution müsse ins Auge gefaßt werden.

Die Ereignisse in Petersburg, die auf die ganze zivilisierte Welt mcht ohne Eindruck geblieben sein werden, haben auch auf die Börse eine sehr starke Wirkung gehabt. Die Reformbestreb- mtqen in Petersburg und Moskau haben die Börse schon seit emiger Zeit mehr interessiert, als die Ereignisse am Kriegsschau­plätze, unb nun ist es wegen dieser Reformen zu einem blutigen Zusammenstoß gekommen, über den man sich noch fein klares Bild I machen kann, da der Telegraph, so gesprächig er war, Herne fast vollständig schweigt, jedenfalls infolge der verschärften russi- schen Zensur Daß die Börse infolge der Ereignisse sehr un­günstig beeinflußt ist, kann man sich lebhaft denken. Immerhin muß festgestellt werden, daß cM btc Petersburger Schreckens­nachrichten keinen übermäßigen Verkaufsandrang hervorrieien die Kurse der Hauptwerte zwar 23 Prozent Uicdiiger einfcbtcn, bann aber feine weiteren Verluste mehr erlitten. Auch die Nach­richten vom Wiener und Pariser Platz melden zwar eme wesent­lich 'abgeschwächte Eröffiiung, aber tm Verlaufe kemen werteren Rückgang Wie leicht begreiflich ist waren Nuflenwerte besonders nidaänaia Bei der 4V2prozentigen neuen russischen Anleihe 9 .0 Swienf %ei ben älteren Anleihen 1Ws Prozent. Russische Irfodtateii gingen 3 Prozent zurück. Von Santen waren Dis­kont o-Kornmandit besonders gedrückt, die 2 Prozent verloren.