die zweite Kumme* * heute die Beratung der ersten Hammer in agitatorischer Weise auSgenützt habe. Die Beweggründe für die von der ersten Kammer vorgenommene Streichung des Absatzes seien lediglich juristischer Natur gewesen. TaS Haus erklärte sich schließlich mit dieser und einigen weiteren Abänderungen einverstanden, beschlos; aber, bezüglich dcS Art. 60, der die Teilnahme und Feststellung der Vertreter zu den Sitzungen der Landwirtschaftskammer bestimmt, auf seinen, Standpunkt zu verharren, so das; sich also die zweite Kammer noch einmal mit dem Art. 60 zu beschäftigen haben wird. Die zur Entgegennahme der weiteren Beschlüsse der zweiten Kammer erforderliche Sitzung wurde für Mittwoch, 25. Ott., vormittags 10 Uhr festgesetzt.
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Zweite Kammer.
Am Ministertisch: Juüi'.mmii'^r Ewald, Geh. Nat Braun, später Finanzminister Gnauth.
1 Nach Eröffnung der Sitzung beschäftigt sich das Haus zunächst mit Nückäußerungcn aus der ersten Kammer. Ueber den ivon dieser lurüch-ie gebe neu G '-üentwurs, betr. die
berufliche Organisation der Landwirtschaft
berichtet ALg. Tr. Freu au namens des Sonderausschusses der zweiten Kämmer. Der Ausschuß beantragt in dm meisten Tiffer.nz- Punkten mit der ersten Kammer, auf den früheren Beschlüssen der zweiten Kämmer zu beharren und nur einigen Abänderungs-' beschlüsscn zuzustimmen. Dem Wschlus; der ersten Kämmer zu Art. 37 a tritt die zweite Kammer bei. Es wird darnach bestimmt: Die Wohl der Mitglieder zur Landwirtschaftskammer ist indirekt und erfolgt durch die von den Verbandsangehörigen gewählten Vertrauensmänner. (Wahlmänner.) Zur Wahl der VertranenS- männer werden in ieder Provinz 15 Wal^kr'ise (die 1. Kämmer hatte je 10 beschlossen) mit annähernd gleicher Zahl VerbandS- angehöriger gebildet. Jeder Wahlbezirk zerfällt in 15 Ver- trauensmännerkrcise mit annähernd gleicher Zahl Verbands-Angehöriger. Jeder Vertrauensmännerkreis wählt einen Vertrauens- mann. Die Wahl der Vertrauensmänner und die der Mitglieder der LandwirtschastSkammer geschieht in geheimer Abstimmung mittels Stimmzettel. Gehören mehrere Gemeinden zu einem Vertrau ensmännerkreis, so wird in jeder Gemeinde besonders abgc- äimmt.
Nicht einverstanden ist die Kammer ferner mit der Bestimmung, daß den in den einzelnen Provinzen bestehenden Ausschüssen die Vorsteher der landwirtschaftlichen Winter- und Fachschulen als austerordentliche Mitglieder mit beratender Stimme angehören sollen. Die erste Kämmer hatte ferner den Absatz 3 des Art. 54 gestrichen (vgl. den Bericht 1. Kämmer) und die Regierung hatte sich damit einverstanden erklärt.
Tie Abgg. Bähr und Dr. David sprechen sich aber letzt sehr energisch für Beibehaltung dieser Bestimmung aus, obgleich sich der Ausschußberichterstatter v. Brentano dagegen ersiärtc, damit doch wenigstens diele Vorlage jetzt zustande komme.
Abg. Ulrich verlangte die Beibehaltung dieser Bestimmung.
Abg. Dr. Gut fleisch dagegen bewies, daß vom juristischen Standpunkt aus die vorgeschlaaene Bestimmung überhaupt nicht giltig sei, da sie der gesetzlich garantierten Vertragsfreiheit widerspreche.
Der Antrag Bähr, der die Wiedereinstellung dieser Bestimmung in den Gesetzentwurf verlangt, wurde mit 15 gegen 4 Stimmen angenommen.
Es folgt die Beratung des Antrags Leun, den Reich?invalidensond8
betreffend. Der Antrag geht dahin,
„Grvsth. Regierung zu ersuchen, int Bundesrat zu beantragen, allen Feldzugsteilnehmern, soweit sie weniger als 2600 Mark Jahreseinkommen haben und keine Unterstützung auf Grund des Neichsgesebes vom 22. Mai 1895 beziehen, einen kleinen Ehrensold zu bewilligen."
Die Kammer beschloß, die Summe von 2600 Mark Jahres- einkonimen aus 1500 Mark herabzusctzcn und stimmte darnach dem Antrag einmütig bei.
Zum Schluß der Sitzung kam noch die dringliche Anfrage bes Abg. Reinhart wegen Erbauung der Eisenbahn Lampertheim-Weinheim zur Besprechung. Die Negierung hat auf diese Anfrage eine ablehnende Antwort erteilt, nachdem ihre Bitte, den Wünschen der Interessenten von Worms wenigstens bezüglich der Herabsetzung der F-rachtberockmung auf der Umwegsstrecke entgegenznkonnncn, von der Eisenbahnverwaltung abgelehnt worden war.
Finanzminister Gnauth wies in der Debatte darauf hin. daß eine Hoffnung auf Erfüllung der Wünsche von Worms schon deshalb nicht bestanden h"be, weil irgend eine Zusage oder ein rechtlicher Anspruch nicht vorlag.
Damit schloß die Sitzung nach 1 Uhr. Nächste Sitzung: Samstag vormittag 11 Uhr.
T--iws"rdn"n<i •
Bebel
setzt sich im „Vorwärts" mit denjenigen auseinander, die der Meinung sind, der beglückte Erbe des Leutnants
g. T. KoNmann hätte von den ihm zugefallenen Hundert- tausenden mehr als die etwas kargen 45000 Mk. für die Partei spenden sollen. Es brauchte ja nicht gleich das ganze Geld zu sein, aber es scheint doch, daß sogar in den Kreisen der Verehrer Bebels ein größerer Opfersinn erwartet worden ist. Tas Hauptaraumcnt Bebels ist nun, daß er mit dem Geschenk an die Partei, abgesehen von der Mfindung der enterbten Verwandten, eigentlich gegen die Intentionen des Erblassers gehandelt habe, da dieser ein Feind der Sozialdemokratie gewesen fei. „Ich konnte dieses aber tun, da er mir inbezug auf die Verwendung des Erbes lein» Vorschriften gemacht hatte". Wenn der letztere Grund rechtlich stichhaltig ist, so fragt man sich doch, warum denn Bebel die Freiheit des Handelns nur in so engen Grenzen wahrgenommen hat? Setzte er sich über das Bedenken hinweg, daß die Verwendung des ererbten Geldes für sozialdemokratische Parteizwecke gegen die Absicht des Leutnants Kollmann war, dann kam es schließlich auch nicht darauf an. ob die hergegebene Summe größer ausfiel.
Dock, Bebel bekennt sich im allg. als keinen Freund des „Teilens". Tie Sozialdemokratie wolle nicht blöde Tcilcrei. Kein Sozialdemokrat verlange ja auch von den Stumm, Krupp, Dorsig, Siemens usw., daß sie ihre vielen Millionen mit ihren Arbeitern teilten. Es wäre also eine Eselei gewesen, wenn er, Bebel, seinerzeit den Verdienst aus seiner Drechslerwerkstatt mit seinen Gesellen geteilt hätte. Warum eine .Eselei"? Bebel gibt darauf die verblüffende Antwort: „Ta durch eine solche Teilung an der Ordnung der bürgerlichen Welt nicht das geringste geändert worden wäre". Jo, ist denn das leucht ude Beispiel gar nichts, daß ein von der Wohltat allg. Gleichheit und Brüderlichkeit felsenfest überzeugter Mann den anderen vorführt? Ist das Gefühl der inneren Befriedigung gar nichts? Fragt etwa sonst die Sozialdemokratie, beispielsweise im Reichstag, darnach, ob ihre Stellungnahme und ihre Entschließungen die Ordnung der bürgerlichen Welt zu ändern vermögen? Hier auf einmal lautet das prakt. Rezept, daß man mit den gegebenen Verhältnissen rechnen muß. In Arbciterkreisen wird man sagen: August, die wahre Liebei st das nicht!
Bebel macht beiläufig noch eine andere interessante Enthüllung. Sein Buch: „Die Frau", das bekanntlich dazu beigetragen hat, die romantische Villa in der Schweiz erstehen zu lassen — Bebel bemerkt, daß das Anwesen zu zwei Tritteln mit Schulden belastet ist, ein unwirtschaftlicher, stark an „pumpende Agrarier" erinnernder Zustand, den hoffentlich die Kollmannsche Erbschaft beseitigt! — Tas Buch „Tie Frau" ist, nach Bebel, zu vier Fünfteln vom Bürgertum gekauft worden. Für den Geldbeutel der meisten Arbeiter sei es noch zu teuer. Die naheliegende Frage ist: Warum macht denn der Verfasser, der doch gewiß zunächst auf Arbeiterkreise gerechnet hat, das Werk den Genossen nicht erschwinglich, indem er sia mit sehr geringem Nutzen begnügt? Bebel findet als praktischer Mann auch hier eine Antwort nach der praktischen Seite hin. Er sagt, er habe sich sehr geärgert, dem Rrt seines Verlegers nicht gefolgt zu sein, den Preis des Buches auf 3 Mk., statt auf 2 Mk. festzusetzen. Tann würde aber bad Buch noch unerschwinglicher für die Arbeiter geworden sein! Bebel wendet die Sache anders: ec schließt sich der Meinung seines Verlegers an, daß mit einem höheren Preis viele tausend Mark mehr zu verdienen waren — und Zwar auf Kosten der Bourgeoisie. Um welche großartige Gelegenheit, dem Bürgertum etwas abzunehmen, hat sich da Bebel gebracht! Zw.. wäre auch dann an der Ordnung der bürgerlichen Gesellschaft „nichts geändert" worden, aber das Prinzip hätte triumphiert, und Prinzipien sind immer klug und wertvoll, wenn sie Geld eintragen.
Bebel ist zeitlebens ein guter E>eschäftsmann gewesen, sonst würde er es nicht zu einem Wohlstand gebracht haben, der ihn den verruchten Kapitalisten zugesellt. Bebel hat auch keine verschlossene Hand. Aber er wird ungemütlich, wenn man ihm vom „Teilen" spricht. Es gewährt dem Bürgertum immerhin eine gewisse Beruhigung, daß sein „Todfeind", wie Bebel selbst sich bezeichnete, diese kräftige Abneigung hegt. Der Zukunitsstaat verliert viel von seinem Schrecken, wenn die „öde Teilerci" verworfen wird. Von diesem Gesichtspunkt aus kann man nur wünschen, daß die sozialdemokratischen Führer stets zu den Besitzenden gehören, und daß ihnen fette Erbschaften sonder Zahl vermacht werden. Tenn solange dieser Zustand milden Behagens und
stiller Zufriedenheit mit den Gütern dieser Erde obwaltet, wird die bürgerliche Gesellschaft vor b'm „Massenschritt der Arbciterbätaillone" nicht zu zittern brauchen. Persöw lief) kann Bebel sich beglückwünschen, daß der von ihm vor etlichen Jahren so zuversichtlich prophezeite „große Kladderadatsch" nicht eingetreten ist. Tenn was wäre aus der Absicht des Leutnants Kollmann g.word u, Bebel frei, gebig im Testant"nt zu bedenken, wenn sich die Bande frommer Scheu lösten!
Dermifcbte*.
• EinBigamist, der bei seinem gesetzwidrigen Treiben gemütlich verfährt, ist der in Chicago verhaftete polnische Grobschmied Sobiezit. Vor elf Jahren hat er sich seine erste Frau zugelegt und mit ihr fünf Kinder, vier Mädchen und einen Knaben, in die Welt gesetzt. Dann fiel ihm vor einem Fahre etwa ein, daß eine Gattin zu wenig für ihn sei, und flugs heiratete er noch ein Mädchen. Gattin Nr. 1 wohnte in der Panlinasiraße und Nr. 2 in der nicht weit davon entfernten West 15. Straße. Sein Leben richtete er sich seit seiner zweiten Verheiratung so ein, daß er immer von Tag zu Tag mit den beiden abwechselte. Jeder sagte er, er habe jede zweite Nacht in seiner Fabrik Nachrichtendienst zu tun, wofür er eine Extra Vergütung von seinem Arbeitgeber bekäme. Stattdeffen lebte und liebte er abwechselnd in der Paulina- und in der West 15. Straße mit dem Erfolge, daß auch Gattin Nr. 2 schon ein Baby bat, das ungefähr gleich- altrig dem jüngsten Kinde von Gattin Nr. 1 ist. .... Ta Sobiezit seinen 12.50 Dollar betragenden Wochenverdienst in loyaler Weise zwischen seinen beiden Familien verteilte, schien die ganze Sache sich durchaus befriedigend zu erledigen, bi3 ein unglücklicher Zufall sein Mormonentum ans Licht und ihn vor Gericht brachte. Einstweilen stand er vor dem die Untersuchung führenden Magistrate, wobei sich seltsame Szenen abspielten. Beide Frauen Sobiezits plauderten ge- mütlich mit einander und zeigten sich gegenseitig ihre Babys, die eine so auffällige Familienähnlichkeit ausioiesen, daß map sie für Zwillinge hätte halten können.
*KleineTageschronik. Dem früheren deutschen Ma- r in e - O f f i z i e r Kr e tz s ch m a r ist auf der Reise nach Paris ein Check im Betrage von 1 292 000 Fr. gestohlen worden. — Bei der Nordjee-JnselV a 11 r n m strandete der Elsflether Hee- ringslogger Burhape, wobei die ganze aus 14 Mann bestehende Besatzung ertrunken ist. — In Zürich ersckwß sich be-d königl. bahr. Musikdirektor Peuppus aus Münck)en. Er hatte mit seiner Kapelle in Zürich zwei Konzerte gegeben. — In Ales« sandria (Provinz Piemont) sind 50 Personen nach dem Gknufi verdorbenen Fleisches unter Vergiftungs-Erscheinungen schwer erkrankt. — An der fi.rnzösisck>belgisck>en ©renje brach zwischen französischen, italienischen und luremburgischen Arbeitern eine Rauferei aus. Ein Luxemburger wurde getötet, mehrere französische und italienische Arbeiter verletzt.. — Die Heirat des Sohnes des Besitzers b'r Newyorker Zeitung „World" mit Fräulein Vauderbilt ist beschlossene Sache. Die Hochzeitsgeschenke werden auf eine Million Dollar gesetzt.
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Alles in allem aber ist der frühe Tod Nosenows sehr zu bedauern, denn seine Komödie zeugt von eminentem Talent, und vielleicht wäre cs ihm beschicden geivcsen, oic «deutsche Komödie einer seit Lessing und Kleist nicht wieder erreichten Höhe zuzuführen.
Inszeniert war das Stück vortrefflich. Zu solchem Arnielcutemilieu eignet sich unsere Bühne unvergleichlich gut. Und ebenso vortrefflich war die Darstellung. Herr Reimer gab den Gemeindevorsteher mit vollendeter Kunst. Er hatte sich in den geistig und körperlich ungewaschenen und ungekämmten „Fürstand" völlig hineingelcbt, sodaß wir eine durchaus lebenswahre Dorsfigur vor uns sahen, ohne jegliche unnatürliche Ucbertünchung oder Ucbertrcibilng. Auch in der Beherrschung der Mundart zeigte er sich als Meister. Neben ihm ragte Herr Herrscher darstellerisch ganz besonders hervor als der buckelige Katercigcntümer, ein armer Teufel, der sich unter den ihn verlachenden Menschen nicht heimisch fühlt und sich zum Haustier flüchtet mit seinem ganzen LiebcSreichtum. Herr H. ist, wie eS scheint, ein Chcuakter- komiker von eigenen Gedanken und ursprünglicher reicher Veranlagung. Wie Herr Reimer ging auch er ganz in seiner Aufgabe auf, wie er fiel er mit keinem Blick, mit keiner Bewegung aus dem jeweiligen Milieu heraus, immer nahm er an den Vorgängen um ihn herum lebhaften Anteil, auch wenn er lange Pausen deS Schweigens halte. Aber während Herr Reimer erheblich mehr Routine zu haben scheint, so scheint der noch etwa? tastende Herr Herrscher mehr Originalität, mehr eigene Schaffensfähigkeit zu besitzen. Unrichtig war cS freilich von ihm, sich an der allgemeinen Schadenfreude gegenüber den Dorfgöttcrn angesichts des g-nneindedienerlichen MordgestandniffeS zu beteiligen. Jetzt erfährt er doch erst feines über alles geliebten KaterS unseliges Ende, das ibn in Zorn und Erschütterung versetzen muß. Jedenfalls haben wir in den Herren Reimer und Herrscher ein Charakterkomikerpaar, um das unS manche große Bühne beneiden könnte. An dritter Stelle ist Herr Wittman n als Meister Schönherr zu nennen. Wie die beiden genannten Herren sprach er ein tadelloses Voigtlündisch. Aber auch in Haltung und Geberde war er von der rechten handwerkSmcistcrlicheu selbstsicheren Ruhe.
Die anderen Herren und die Damen allesamt bemühten sich vergeblich um die schwierige Mundart. Freilich ist es ja auch eine recht harte Zumutung unserer neueren Bühnenautoren, von den Schauspielern die Beherrschung aller germanischen Völkerstimmen zu verlangen. Um das verlangte Wienerisch und Berlinerisch, das Sächsisch und Schwäbisch und Bayerisch, das Schlesisch und Ostpreußisch, das Hamburger und das Mecklenburger Platt re. re. sich anzueignen, dazu reichte ein zehnjähriger Kursus kaum auS. Herr Lippert gewann der Rolle des Gemeindedieners manche gute humoristische Wirkung ab. Besonders köstlich war er in der Szene, da er sich mit dem Gemeindeschwert aufmacht, den Kater zu schlachten. Herr Steinmann zeigte als Gendarm seine sehr stattliche Fjgur und seinen nach Bedarf an- und abzuschnallenden Schneid, aber doch in einer ein bischen outrierten Bonvivantart. Mit überzeugender Nervosität mimte Herr Mendel den Hauptmanns Weberfigur nachgeahmten Fabrikanten, und Herr Stau ff verdarb das im Ganzen gute männliche Ensemble nicht. Unter den Damen war weitaus die lebendigste, schlagfertigste und humorvollste die uns seit Jahren wohlbekannte Frau Jen ny. Der übrige weibliche Teil der Ortsbevölkerung hielt sich schauspielerisch in bescheideneren Grenzen, ohne indes etwa zu versagen.
Das zahlreiche Publikum nahm die Komödie mit sehr starkem Beifall auf. Wenn sich die Szenensolge etwas rascher abwickelt, wird man der Regie gewiß Dank wiffen. P. W.
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— Sudermanns „Stein unter Steinen" wird jetzt schon in Italien zur Auffübruug gelangen. Mitte November findet in Mailand die erste italienisck^e Aufführung des Werkes statt, bei5 den Titel „Pietra fra pietre" hat. Die llebersetzung ist von dem Grafen Enrico Nani besorgt, der bereits mehrere Dr'men Sudermanns ins Jtasienisckie übertragen hat. Tic deutsche BuchauSaabe erschien bei Eotta in Stuttgart.
— Blumenthal? Vcrslustspiel „Der Schwur der Treue" wurde im Sckxruspiclhause zu Frankfurt a. M. sehr jreundlich ausgenommen.
— Ein Schciusvielerbegräbnis. Am 20. d. M. würben in London die sterblichen Ueberreste des großen englischen Schauspielers Sr Henrn Irving in der Dcstw.msi.r ?lbtei bei- i-setzt. Eine erlesene Traucrversammlung von h'rvorragcnd n vositischen, litcr?rischen und künüler scheu Persönlichkeiten nwbnte der F-eicr bei. Ter König, der Prinz und die Prinzessin von
Wales waren vertreten. Tie Königin hatte ein prächtiges Kreuz aus weißen Lilien gesandt.
— Aus den Vereinigten Staaten kommt die Mesinmg von der Gründung eines Theater-Syndikates, das den Bau von Theatern in 18 Städten des Westens der Vereinigten Staaten und Canada aussühren will. Neber 24 bestehende Theater hat das Syndikat außerdem ^die Kontrolle.
— Im Salon Schulte zu Berlin findet zur Zeit eine respektable Böcklin-A"sstellung statt. Naturgemäß sind die großen Werke des Künstlers, die in den nationalen Gsiericn des Kontinents festliegen, nicht darunter, aber diese Bilder aus der P r i v a t s a m m l u n g des Obersten von H c y l aus D a rm- st a d t fiihren den Genießenden ganz in den Bann der Döcklin- schen Farbenlunst. Ta ist ein Bild, das auch dem Laien achtung- k, ei schänd in die Augen springt, die herrliche „Heimkehr". Der sinnende, träumerisch dareinbliekende Landsknecht, der weltverloren Jein, vom Zauder der Mendd.immerung umwobenes Heimatsdörfchen betrachtet, ist eine Figur von nie versagender Wirkung. DaS Farbepaesühl macht den geborenen Maler. Auch in den kleinen Döellinbildern bei Schulte, die nicht zu den Schlagern g»hören, liegt viel koloristisckn: Delikitcsse und kräftige, dramatische Natnransfjsung: immer wieder packen diese starken, sonnigen Farben,^ die inmitten mancher zimperlichen Linienführung der Akademiker so wobsinend berühren. Daß Böcklin leid.r von schweren C^schmacksfehlcrn oft nicht frei ist, sei angegeben. Wo viel Lickst ist, kann d^r Schatten nicht fehlen. Maeterlinck Hot schiller einmal sehr fein Ic plus grand poöte normal genannt. Wenn er in der Lage wäre, sein Urteil über Böcklin zu präzisieren, so würde er ihn wahrcksteinlich als le plus grand peintre anormal charakterisieren.
Kopenhagen, 19 Okt. Ter dänische Polarforscher Mw liuS Erichsen hielt heute abend einen Vortrag über seine geplante Ervedition nach derNordostküstevonGrön- l o n d. Er führte aus. d^ß die Erpedition, d>'e spätestens Mitte
. . auf tx'm Schiffe „Dannwrk" au sprechen werde, au-
• Mitglied rn bestehe, unter denen sich ein Arzt, ein Zoologe, ein Botaniker, ein Biologe und cm Maler befinden würden. Außerdem würden 70 Schlittenhunde und einige Motorboote mitgenommen. Beim 75. Breitengrade soll ein Hafen angelaufen
im März 1907 12 Mann eine Schlittenerveditmn ""ch Norden unternehmen sollen. Diese werden im Ji'ii 1907 nrtfn dem Schiffe zurückkehren. Die Expedition hegibt sich dann indw,irts und wird unter dem 73. Breitengrade überwintern, vrtnL den Frenz Josefs^Fjord erreicht hat, sollen 12 Mann eine Wanderung über oas Gr '"län^'sck^e Inlandeis unternehmen. Im eonrm. r 1908 wird die Erpedition zurückgckehrt fein. Die Kasten werden a^.'f 200 0^0 Kron en verans 'lagt. Der Hauptzweck oer. Erpedition ist, die unbekannten Teile der Nordosiküste van "r'nl'vd k-rtogr.phiereu und die WanderungÄvege der Esli^ mos zu finden.


