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21.10.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 248 Zweites Blatt.

155. Jahrgang

Samstag 21. Oktober 1905

Erfcheinl tigltch mit Ausnahme deS Sonntags.

DieSlehener FamNienblStter" werden dem ,9InAciaer viermal wöchentlich beigelegt. Der Qtfßld}! La ad wüt" erfchemt monaUich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'lchen UnlverfllälSdrrlckerei. R. Lange, Dießen.

Redaktion. Expedition ».Druckerei: Schulstr. V.

Lei. Nr. 5L Lelegr.-Ädr.L Anzeiger Dreßen.

Eeneral-Anzeiger, Amts- unb Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

5um Kevurlslaq der Kaiserin.

22. Oktober.

Am 22. Oktober springen die Wasserkünste im schönen Park von Sanssouci, einst dem Licblingsaufenthalt Fried­richs des Großen, in jedem Fahre zum letzten Male. Am frühen Morgen schon marschieren die Hoboisten und Trom­peter der Potsoamer Garderegimenter im Paradcanzuge durch den Park, dessen Baume und Sträucher derMaler Herbst mit buntem Laube bekleidet hat. Tie Musiker nehmen ihren Weg nach dem neuen Palais sinaus, jenem herrlichen Bau, den der große Preußenkönig einst aufge­führt hat. Tort haben sie eine Morgenmusik zu bringen, ^u Ehren der Kaiserin Auguste Viktoria, deren Geburtstag morgen ist. Später fahren dann die Equipagen vor, in denen die Mitglieder der Hofgesellschaft heranrollen, um der Kaiserin ihre Glückwünsche darzubringen.

Ter Edelstein, der an meiner Seite gwnzt", hat Kaiser Wilhelm seine Gemahlin einmal genannt. Tank ihrem milden Wesen ist cs der höchsten F-rau im Deutschen Reiche gelungen, volkstümlich zu wcrden, sodaß man von ihr sagen kann: sie hat im deutschen Volke keinen Feind. Ohne sich in den Gang des politischen Getriebes einzumischen, ist es ihr gew- in mancher Stunde gegeben, mit sanfter Hand die Schatten der Sorpc von der Stirn ihres Gemahls |U scheuchen und, nach des Tr htcrs Wort,himmlische Rosen" in sein Leben zu flechten; denn je glänzender und stolzer eine Krone ist, desto eifriger sind finstere Mächte bemüht, ihre Strahlen zu brechen. Richt um in gesuchter, erkünstelter Weise von sich reden zu macken, nickst um bloß fromm umb wohltätig zu scheinen, sonoern als von echt religiösen Empfindungen durchdrungen bietet Kaiserin Aiigiste Vik- ioria wohltätigen Bestrebungen tatkräf'ig ihre Hand.

Es ist auch ein glückliches Familienleben, dessen Stätte sie bereitet hat. Seit der Stunde, wo sie den Lebcnsbund mit Wilhelm II. schloß, hat fie sein Leben mit dienender Liebe umgeben und gehütet durch die so manche deutsche flrau zur leuchtenden und wärmenden Sonne ihres Hauses ward. Voll Gottvertrauen war sie die treue Pflegerin ihres erlrankten Gatten, las jeden Wunsch aus seinen Augen innb umgab ihn mit tausend Aufmerksamkeiten und Dieust- feistungen. Mit der gleichen Aufopferung stand sie iin Frühjahr an dem Lager des schtver erkrankten zweiten Sohnes, des Prinzen Eitel Friedrich, der sich unlängst in »er anmutigen Herzogin S-olhie Charlotte von Oldenburg feine künftige Lebensgefährtin erkoren hat.

Möge der deutschen Kaiserin auch in dem neuen Lebens­jahre volle Frische erhalten bleiben, wie bisher. Möge unser Kaiserhaus vor allein Ungemach bewahrt und mit slrende beglückt sein.

Keffiltfler Landtag.

Erste Kammer.

Darmstadt, 20. Okt.

Am Ministertisch: Staatsminißer Dr. Rothe, Justiz- minister Ewald, Finanznrinister Tr. Gnauth, Mini­sterialräte Best, Becker.

Präsident Graf Görtz eröffnet die Sitzung um 9y4 Uhr. TaS Haus setzt die Beratung fort bei der Regierungsvorlage, betreffend

Tie Erhebung von Gemeiudeabgaben. kWertzuwachssteuer).

Ausschußbcrichtcrstatter Frhr. Hehl zu Herrnsheim be­merkt, der Ausschuß habe seine Stellung zu dem Gesetzent­wurf eingehend schriftlich begründet, eine weitere Erörter­ung darüber erachte er nicht für erforderlich.

Ministerialrat Tr. Best betont, die Regierung lege auf das Zustandekommen der Wer^zuwachssteuer das größte Gewicht. Tie Notwendigkeit, ten Gemeinden eine neue Ein- uahmeauelle zu eröffnen, rn^rbi allaemein anerkannt und

Gießener Htadtlhcnler.

Kater Lampe.

Komödie in 4 Akten von Emil Rosen ow.

Katzenbratcn gab es am Freitag in unserem Stadt- thcater. Es war ein köstlicher Schmaus! Kein E^edanke an Ekel, im Gegenteil, volskommenes Behagen bei den Gästen des Mahles wie den Gästen des Theaters. Katzen sind be­kanntlich keine Schweine, im Gegenteil, höcksst saubere und appetitliche Tierchen. Lafs't den Kater uns brat n und fröhlich sein beim leckeren Mahle, meinr die Frau C^emeindedienerin; Hasen verirren sich doch nie in meinen Schmortopf, also nehme ich mit einem Tachhasen vorlieb. Er ist ja doch zu nichts nütze, vielmehr ein arger Sünder, dem nicht einmal der kostbare P'lz des Allcrgewaltigsten unter den vielen Ge­waltigen des Torfes, des Herrn Fabrikanten Reubert, heilig ist; dieser P lz, das herrlichste von allem, was an dörflerischen Kleidungsstücken aufzutrcibcn ist, ist von dem frevlerischcn Katertier verunreinigt worden! Wehe! Tas Vieh muß hin­hingerichtet werden! Zwar ho*- der Herr gsemeindevorstand, zu dem mit dem Amte nicht der Verstand kam, nur seine Verhaftung angeordnet, nachdem das üble Untier obendrein noch Höchstsein obrigkeitliches Angesicht zu zerkratzen sich erkühnt hat, sodaß der oberste der Bauern Narben trägt wie sein Kollege Adam in der berühmtesten deutschen Ko­mödie. Aber ist das Recht und Gerechtigkeit, daß gerade der in den Zeiten des Fleischmangels und der Fleisch- peuerung mehr denn je am Hung?rtuche nagende Gemeinde­diener die Futterkasten tragen soll? Nein! Tagegen das ichadenbringende Tier ein für allemal unschädlich machen, vas ist eine in Wahrheit gemeinnützige Tat. Ter Kater hak jein Vcben verwirkt. Und es ist ja auch nur ein Proletarier- Bater, seinHerr" der ärmste Schlucker des Torfes, dazu nioch ein rabiater Umstürzler. Toppelt zu preisen also tter Heuler, dem nach ferne ^schlechter dankbar sein werden. Sin Pfund Katzen fleisch aber ist mehr wert als ein Pfund Mcnschcnfleischi philosophiert die Frau Gemeindedienerin sjrei nach Shhlcck, es kann mit gutem Appetit verspeist werden. Mit solchen oder ähnlichen Erwägungen schürt dstse Hielte Labi) Macbeth des zagenden Okittcn ängstliche Seele. Ulnb er zückt sein Amtsschwert, schleicht schlotternd zum Lateraelaß und o Graus ersticht das Individuum. Mehe, wehe!

unter den Steuern, die sich dafür eigneten, stehe die Wert- zunxrchssteuer an erster Stelle. Tie Steuer finde deshalb auch namentlich in den großen Städten immer mehr Auf­nahme und sie sei um so notwendiger, als auch die An­forderungen bezüglich der Wohnungsfürsorge für die Ge­meinden immer größer werden. Daraus erwächst auch für die Regierungen di" Aufgabe, dm erforderlichen Mittel bereit' zustellen. Tas werde besonders notwendig werden mit dem Wegfall des Oktrois am 1. Juli 1910, dessen Ausfall von den meisten tzlemeinden nicht aus den lauf-nden Mitteln gedeckt werden könne. Tcr Ausschuß der ersten Kammer habe die Höhe der festgesetzten Steuer (bis zu 20 Prozent) bemängelt. Damit sollte ler nur eine Grenze festgestellt sein, über welche die Gemeinden nicht hinausgehen sollen; den Gemeinden bleibe es frei gestellt, eine mehr progressive oder degressive Steuer Platz greifen zu lassen. In Frank­furt und Köln mache man die Steuer abhängig von der Höhe der tatsächlichen Wertsteigerung Deshalb habe auch das Gesetz keine im einzelnen bindenden Vorschriften er­halten, sond"rn dieselben vielmehr der ortsstatutarischen Regelung überlassen. Ungerechtfertigten Bestimmungen werde die Regierung entgegenzutreten in der Lage sein. Redner erklärt zum Schluß, wenn der Ausschuß sich nicht auf den ablehnenden Standpunkt gestellt, sondern Abänder­ungsvorschläge gemacht hätte, so würde jedenfalls auch in anderer Weise eine Verständigung über die Regelung dieser Materie erfolgen können.

Frhr. Hehl zu Herrnsl-cim führt aus, der Aus­schuß sei der übereinstin;m"nden Meinung gewesen, daß der Gesetzentwurf tr. Verbindung mit der G> meindesieuerrefvrm zur Erl^di-'ung kommen müsse. Keine Werte gingen so rasch in die Höhe, wie die beim Vodcuwert und besonders beim Grundbesitz mit Arbeite''wohnungen. Bei der Regelung dieser Frage müsse er daher das Arbeiter- Haus in die allererste Linie stellen. Das Statut der Frank­furter Wertzuwachssteuer gäbe der Ausschuß nickt zur Nach­ahmung empfohlen, sondern nur im Prinz "p Das Prinzip halte er für richtig, denn nichts sei verwerslichcr, als das Borauskaustn und Spekulieren mit Grundstücken, die rasch tm Werte steigen.

Ministerialrat Best glaubt, daß, nachdem sich der AuS- schuftberichterstatter in sympachtschcr Weise über das Prinzip der Vorlage geäußert, auch Jev noch eine Verständig­ung darüber zu ermöglichen sein würde.

Geh. Rat Michel-Matnz betont, die Regierungsvor­lage basiere darauf, daß die Grundsteuer nach dem allge­meinen Wert berechnet wird der sich doch die Vorlage anschließen solle. Ta die rsremeindesteuerreform nickt zu- standegekommen sei, so fehle auch der Vorlage jede Unter­lage und aus diesem Grunde schließe er sich dem Ausschuß­antrag an.

Finanzmlnister Gnauth bemerkt wenn der Ausschuß­bericht so argumentiert hätte, wie der Vorredner, so hätte auch die Regierung keinen Widerspruch dagegen erheben können. So aber müsse er bedauern, daß der Ausschuß­bericht ganz andere Bedenken und zwar verfassungsmäßiger Art gegen die Vorlage geltend mache. Man habe sich wohl mal gelegentlich bei einem Juristen erkundigt bezüglich der Auslegung des Art. 27 der Verfassung, welcher bestimmt, daß das Eigentum nur für öffentliche Zwecke und geaen vorgängige Entschädigung in Anspruch genommen werden darf, und darauf die im Ausschußbericht enthaltene Ant­wort bekommen. Diese Auslegung sei ihm neu; er habe auch beim ganzen Lesen des Ausschußberichts das Gefühl gehabt: Ter andere hört von allem nur das Nein! Nach den Ausführungen des Vorredners sei allerdings keine Mög­lichkeit mehr, jetzt die Vorlage zu erledigen. Wenn der Aus­schußbericht die Nichteinbeziehung des Jlnmobilienumsah- stempcls für die Gemeind"besteuerung verlange, so könne

Ter Kater wird gebraten und man rüstet sich am eisigen Wintersonntag zum warmen Katerfrühstück. Ter Gendarm, der im Vorbeigehen einspri'cht, sieht den Braten, hört, daß esHasenpfeffer" sei, und lad sich zur Tafel ein, ebenso Herr und Frau Landbriefträger Ulbrich. So ist denn eine erlesene Gesellschaft beisammen zu köstlichem Mahle. Doch des Kater­mörders Ruhe ist dahin. Und da bald der rechtmäßige Besitzer des Katers kommt, um das bürgermeisterlich dekre­tierte Lösegeld zu zahlen, hat er doch eine Riesenerbschaft von sage und schreibe 20 Talern gemacht, da tritt der tragisckw Höhepunkt der Komödie ein, Henn nun heißt es, um das Lösegeld die Vexieraufgabe lösen: Wo ist die Katz? Wehe, wehe, wehe! Tie Frau ^meindedienerin findet das er­lösende Wort mit der Aufstellung folgenden neuen Yscbotes: Du sollst einem Beamten mit 12 Neugroschen Tagesgehalt bei den Fleischpreisen nichts Eßbares in Verwahrung geben!"

Wie die begossenen Pudel stehen dieFresset des Katzenbratens da, und der Vorhang fällt.

Eine richtigeKateridee" also liegt diesem Stücke zu Grunde. Ter Titelheld erscheint zweck nur gefangen oder tot. Und doch ist er die Seeie, und zugleich der böse Geist bes Stückes, und mit behaglichem Schmunzeln folgen wir den Hinterbliebenen Spuren seines Erdenwallens. Die Un­taten des Tieres sind ja nicht schlimmer als es einer Katze, die wie so viele Katzen ein Kater war, zukvnimt. Aber da­durch, daß die Obrigkeit ,cch seiner tugendlosen Persönlich­keit bemächtigt, entstehen ergötzliche Momentbi^dcr aus der Praxis einer Verwaltungstätiakeit, wie sie Rosenow, der mit dem Humor seiner rheinischen Heimat reich bedachte. Der V/2 Jahren, wenige Mon-t nach dem schönen Erfolge seinesKater Lampe" in noch jungen Jahren verstorbene sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete eines sächsischen Wahlkreises in den von Got* um, der Welt verlassenen Ort­schaften des Erzgebirges beobachtet hat; Momm'bilder ge­schaut nach Art altniederländischer Meister. Ä hnlich d m alten Teniers entrollt Rosenow ein humorvolles Gemälde begriffsstutziger, trink- und eßlüsterner Hint rwäldler. Wie der gleichfalls den Niederländern nachempfundeneZer­brochene Krug", wie HauptmannsBiberpelz" ist die Rose- uowsche Komödie eine Satire; die Obrigkeit ist es, die ver­spottet wird. Aber dieser Spoet verletzt ..icht. Im Gegenteil, es steckt Gemüt und Herzlichkeit in ihr, in dem dramatisch gegerbten Katerfelle spiegelt 'ich ein gut Stuck des deutschen

er erklären, daß diese Steuer bereits das nächste Objekt für den Staat bilden werde. Tic Regierung würde schon längst damit vorgetreten sein, wenn nicht noch immer völlige Un­sicherheit über die Reicksfinanzreform herrschte; so lanae diese nicht geregelt sei. sei auch ein solides Wirtschaften in den Einzelstaaten nickt möglich. Die Regierung müsse sich für alle Fälle die Vesü wcchsclsteuer im Bedarfsfälle als Einnahmcauelle Vorbehalten; es wäre falsch, sie jetzt ein­fach den Gemeinden zu überlassen.

Frhr. Heyl zu Herrnsheim erwidert, er habe die int Ausschußberickt gemachte Bemerkung über Art. 27 der Ver­fassung aus Anlaß des Gutachtens eines Staatsrcchts- lehrers getan und werde dasselbe dem Hause vorlegen. Tie Interpretation des Herrn Finanzministers könne für ihn nicht maßgebend sein. Wie komm auch der Finanzminister zu der Auffassung, daß der Ausschuß der ersten Kammer nur eine platonische Liebe für die ganze Sache zeige?

Ministerialrat Becker bespricht noch kurz die Furage der Fmmobilienumsatzstener und die Bestimmung des Art. 27, mährend Oberlandesgericktspräsident L i ppo l danach kurz die allgemeinen Gesichtspunkte der Vorlage erörtert. Er empfiehlt auch, wie gestern, den Ausschußantrag dahin ab­zuändern, daß die Regierung unter Berücksichtigung des Aus- lchußberichts und der heutigen Verhandlung den Gesetz­entwurf erneut bearbeiten (anstatt umarbeiten) wolle.

Nachdem Graf St o l 1 b e r g-Noßla noch den AuS- schußantrag befürwortet und im Gegensatz zum Finanz- minister betont fyaltc, daß er aus der Haltung des Aus­schusses durck>aus keinNem!" herausmerken könne, er« Härt sich

der Berichterstatter mit der vorgeschlagenen itn- wesentlichen Abänderung des Herrn Lippold einverstanden, worauf der An s s ch u ß a n t r a g e i n st i m m i g z ur Anq nah m e gelangt

Es gelangt bann nock eine Anzahl kleiner Vorlagen und Vorstellungen nach aen Ausschußanträgcn zur An­nahme. Ta die Kammer auch noch verschiedene Rückaußer­ungen aus der zweiteu Kammer, wie z. B. die Landwirt-, schastskammervorlage, erwartet, wurde für nLchmittaH 4 Uhr noch eine wertere Si^unc anberaund

Der heut nachmittag 5 Uhr begonnenen Plenarsitzung ging eine längere Beratung deS AtiSschusieS voraus, der sich mit den von der aioeiten Kammer nicht beseitigten Differenzen über

die LandwirtschaftSkammervorlage beschäftigte. Der Ausschußberichterstatter, Geh. Jusiizrat Professor Dr. Schmidt referierte über die noch streitigen Punkte. Art. 2 wurde, nachdem Geh. Rat Braun die Stellung der Negierung dargelegt, nach dem Vorschlag der zweiten Kammer angenommen, wofür die erste Kammer bei Art. 37 c eine neue Kautele bezüglich der Wählbarkeit be­schloß: ,Soweit die zu Wählenden nicht ausübende Land- mirte sind, muß der Wert des ihrer Verbandsangehörigkeit bedingenden Vermögens mindestens 10000 Mark betragen.* Bei Artikel 28, 32 und 37 a stimmt das HauS den Be- schlüsien der zweiten Kammer zu, ebenso Art. 87 JBL, Q, und R.

Die wichtigste Differenz bildet Art. 54, der die Umlage* pflicht festsetzt. Die zweite Kammer hat den Absatz 8, der von der ersten Kammer gestrichen worden war und lautet: .Eine Vereinbarung, die den Pachter ober Nutznießer ver­pflichten soll, die auf den von ihm bewirtschafteten Grund­besitz entfallende Umlage an Stelle des Eigentümers zu tragen, ist nichtig/ durch Annahme eines Antrags Bähr wiederhergestellt. Der Ausschußberichterstatter bedauert, daß

Michel. Ter Verfasser bedurfte nicht der groben Worte, wie die Urheber derHerren Söhne", nicht des spitzfindigen Lituationswitzes, er betrachtete einfach die Leute und die Zustände eines erzgebirglerischen Spielwarennestes mit den Augen seines überlegenen Humors. Und der kleine Wirklich­keitsausschnitt wird zum satirischen Spiegelbild der großen Welt mit ihrem Bur--a::kratismus und Kapitalismus, ihrem Strebertum und der allgemeinen Verworrenheit der Mo­ralbegriffe. Aber Rosenow batte nicht nur satirischen Humor, sondern auch Takt, sodaß die lustige Harmlosigkeit front KaterglWicht, das zugleich ein L trafgericht ist, fron Anhängern aller Parteirichtungen ob rechts oder links, und von An­gehörigen aller Berufsarten, dem pendantischsten Bürger­meister, dem gemeinderatsmandatsgierigsten und aus­beuterischsten Fabrikanten, dem dümmsten Bureaukraten mit gleichem Beifall aufgenommen werden dürfte. Es ist ein Stück ohne Haß, und was noch merkwürdiger ist, ohne Liebe.

So hat dennKaier Lampe" seine unbestreitbaren Vor­züge vor den meisten sogen. Lustspielen der neueren Zeit. Es ist eine rechte und echte deutsche Komödie. Und daß dieses kerndeutsche Stück einen Sozialdemokraten zum Verfasser hat, das ist auch kein schlechter Witz. Was aber Rosenow fehlte, Oa§ war der Sinn für das Wesentliche, die knappe künst­lerische Form. Sein Stück setzt sich nur aus ein paar Episoden zusammen; es hat feine einzige führende, im Mittelpunkt bei Handlung stehende Persönlichkeit. Für die sorgfältige Charakter­zeichnung eines toten KaterS können wir uns doch nicht dauernd interessieren. Sämtliche Personen sind Nebenpersonen, o treffend sie charakterisiert sind. Die Milieuschilderung ist überaus gelungen, aber sie verbreitert sich zu sehr und ver- siuchtet sich nebelgleich. Der Versasier ging mit seinem Kater ioie die Katze um den heißen Brei. Wie wundersam zieht Kleist alle Fäden in seinem Dorfpro^ zusammen, wie keusch und fein verzichtet Hauptmann im .Biberpelz" auf die Schluß- effefte der Enthüllung. Bei E. Nosenow bleibt der anrüchige und feige Gemeinde-,Fürstand" Sieger, wie wohl meistens auch im Leb n die von der stärksten Seite gestützte Autorität selbst bei befleckter Weste obsiegt. Aber dieser Ausgang reicht doch lange nicht an Hauptmanns seinsatirlsche Schlußfrage heran.