Ausgabe 
22.8.1905 Zweites Blatt
 
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tyrannisieren zu lassen. Im dumpfen Speisesaale cinc-3 Hotels, ... - Hf O J C * a*«-» a h a au J < »irr tr .h'X/ih I i r »nm ah a X F i i k m n »»

stiegt aus der hintersten Ecke des Saales ein Kellner herbei

rum

weil es einer Dame (ebenso häufig ist es aber auch ein altes Weib in Mannskleidern) ziehe. Und die gebildeten Europäer gehorchen wiederum unbedingt und leiden insgesamt von der Suppe bis zum Dessert unter der druckenden Atmosphäre, damit ein Einzelner einer wirklichen oder vermeintlichen Er­kältungsgefahr entrinne. Steht denn die moderne Gesundheits­pflege nicht auf dem Standpunkt, daß für den Körper das Einatmen verbrauchter und verdorbener Luft unbedingt schäd­lich ist? Können durch eine Versündigiing gegen dieses Natur­bedürfnis nicht BeklcmmungSzustäiide, Kopfschmerzen und andere Nebel entstehen, die zum mindesten ebenso unangenehm ind als ein Katarrh, den man sich überdies bei eingeschlossener Luft (zumal im Eisenbahnkupce durch den in den Polstern itzenden Staub) viel leichter zuzicht als bei zirkulierender? Es handelt sich meist nur um veraltete Vorurteile einer Minderheit, denen zulieb die Mehrheit wirkliche Beschwerden ertragen muß. Hier ist es ein wahres Verdienst, zu scheinbar rücksichtsloser Selbsthilfe zu greisen und den bisherigen im menschlichen Herdenverkchr giltigcn Anllandskodex in einer Weise umzugestalten, durch die das Recht auf frische Lust der Menschheit zurückerobert wird.

* Die unleserliche Handschrift. Man schreibt

Eine wunderhübsche Geschichte macht fn Ber­liner Blättern die Runde: Grobes Aussehen erregt in Berliner Künstlerkreisen die Verlobung eines jungen Porträtmalers, die eines romantischen Beigeschmackes nickt entbehrt. Dor etwa Iahressrist erschien bei dem Künstler, befielt Atelier im Westen der Stadt liegt, ein etwa zwanzigjähriges Mädchen, das sich ihm al? Modell an­bot. Ter Kopi gefiel dem Künstler, und mehrere seiner letzten Porträts tragen die Züge des Modells. Das junge Mädchen, das firG Frieda v. S. nannte, erzählte dem Dialer, das; cs aus einer vornehmen, aber verarmten, adeligen österreichischen Familie stamme. Co verstrick ein halbes Jahr, als eines Tages das Modell nickt mehr im Atelier erschien. Dafür trai aber ein Bries ein, in dem Fränlei: v. C. ihr Fernbleiben mit einer kurzen Reise nach Oesterreich emichuldigtc. Von dieser Zeit an war die junge Dame svurlos verschwunden. In diesem Sommer weilte der Maler im Bade Kissingen. Als er zum ersten Male mittags den Speisesaal seines Hotels betrat und an der Table dliote Platz nahm, sah er sich zwei elegant gekleideten Damen gegenüber, deren jün­gere dem verschwundenen Modell sprechend ähnlich war. Tas liefe Erröten des jungen Mädchens bewies dem Künstler, das; er sein Modell vor sich habe. Bald war der junge Maler der älteren Dame, Frau Baronin v. C., durch ihre Tockter vorgestellt. Ter Grund der plötzlichen Abreise von Berlin war die Nachricht ge­wesen, das; der Mutter unerwartet eine große Erbschaft zugefallen war. Dem Wiedersehen des Malers mit seinem Modell ist nun die Verlobung des Paares gefolgt und so ist zu hoffen, das; noch manche der Bilder des glücklichen Bräutigams die anmutigen Züge der österreichischen Ari0okratin tragen werden.

* Das Recht auf frische Luft. Wenn in einem vollgepfropften Eisenbahnkupce von acht Insassen sieben Be­dürfnis nach frischer Luft haben, aber der achte aus Angst vor Hals-, Zahn- oder sonstigem Weh erklärt, daß die Fenster geschlossen bleiben müssen, so hat sich die Majorität nach den internationalen Höflichkeitsregeln unfehlbar von der Minorität

Familitn-Uachriösten.

Gestorben. Herr Johannes Theis, Butzbach; Fräul. Auguste Frank, Lehrerin in Friedberg.

entlassen können. |

Dann erhält das Wort zu dem Bericht der 2. Settivn Professor Dr. Schwindland von der Universität Wien. Auch dieser Redner hält gleichwie Dr. Geßmann die Errichtung von geeigneten Wvhnräumen und besonders von geeigneten Werk­stätten für den Mittelstand sehr wichtig. In Paris z. B. hätte man schon ganze Straßenzüge mit Werkstätten eingerichtet. Er beantrage ebenfalls dieser Frage besondere Aufmerksamkeit zu schenken und hoffe, daß eine Anzahl Herren des Kongresses auf eigene Kosten an Ort und Stelle diese Einrichtungen studieren. Weitere Redner sind zu dem Bericht der 2. Sektion nicht gemeldet, es erhält daher das Wort Herr Dr. Karl H e i l i g e n st a d t, Präsident der Preußischen Zentralgenossenschastskasse aus Berlrn zum Bericht der 3. Sektion über die F ö r d e r u n g d e s Kredit­wesens für den Mittelstand in Stadt und Land. Der Redner fühlst aus: Es sei zunächst eine Geschäftsordnungsdebatte dartiber eingetreten, ob man die zu dieser Frage aus Italien, der Nieder­lande, Oesterreich, Frankreich usw. vorliegenden, teils sehr wert­vollen Berichte, mit zur Erörterung heranziehen Jone. Eine Verhandlung über die Berichte wurde nicht gewünscht, Der Redner führt dann weiter aus, daß die dritte Sektion bei der außerordentlichen Bedeutung der vorliegenden Frage selbst in drei ausgedehnten Sitzungen nickt mit der Arbeit fertig werden konnte. Immerhin ließen sich als Ergebnis der Arbeit die folgen­den 6 Punkte feststellcn: 1. Der Mittelstand ist bis in die jüngste Zeit hinein Dort einer allgemeinen Benutzung des organisierten Kredits und damit von dessen Vor­teilen ausgeschlossen gewesen. Jir manchen Ländern be­stehen allerdings schon Einrichtungen, die dem Mittelstand eine bessere Ausnützung des Kredits ermöglichen. So haben in Oester­reich viele Angehörige des Mittelstandes Kredit zur Produktion der ermöglicht wird durch gemeinnützige Wohltätigkeitseinricht­ungen. Der Kongreß war nun der Meinung, daß nickt,Wohltätig­keit genüge, sondern daß eine planmäßige Arbeit geleistet werden müsse. Dabei muß aus eine möglichst einfache Form der firmten Einrichtung besonderes Gewicht gelegt werden. 2. Da der Mittel­stand besonders geartete Kreditbedürfnisse hat, so müssen zur Herbeiführung gesunder Kreditverhältnisse. auch besondere Einrichtungen geschaffen werden. In einigen Staaten bestehen allerdings sckon Einrickstungen, die aber niegt ausreichen, so in Holland, intb die italienischen Notenbanken müssen Wechsel für "Angehörige des Mittelstandes unter dem üblichen Zinssatz diskontieren usw. In anderen Staaten aber ist es für den Mittelstand sehr schwer, einen entsprechenden Kredit zu erlangen So sind in Belgien bei der Bank National für Wechsel drei Unterschriften erforderlich und auch sonst noch Schwierigkeiten vorhanden, die es verhindern, dem Kleingewerbe zu dienen Allerdings ist die Arbeit außerordentlich schwierig, weil Kleinhandel und Handwerk veranlaßt durch 'Warenhäuser usw sich gerade in einer fortwährenden Umbildung befinden. Wie soll nun dieser Uebergangszeit Rechnung getragen und eme Verbesserung der Kreditverhältnisse fnr den Mittelstand bewirkt werden. In Deutschland bestehen bei der Beantwortung dieser Frage zwei Richtungen: die erste Richtung erwartet alles von der privaten Hilfe. Sie gelangte auch hier zumAus- druck durch den Anwalt des auf Selbsthilfe behenden Erwerbs und Wirtsgenossenschaften. Landtagsabgeordneter, Berlin Die andern sagen, auch der Staat muß Mithelfcn. Für beide An­sichten sind in der Sitzung der Sektion Grunde vorgebracht wor­den. Im wesentlichen war die Ansicht der Sektion, daß es vhm staatliche Mitwirkung nicht ginge. Es inurbe MonbeT» au

die Aufgabe des Staates gehen. Auch darüber bestehen noch verschiedene Ansichten. Der Vertreter der italienischen Regierung erklärt sogar, daß seine Regierung dafiir Fein Geld hergeben könne. Mgemein herrschte die Ansicht, daß die Unterstützung nicht so weit gehen darf, daß dadurck die eigene Initiative des Mittelstandes untergraben wird. Die Selbstverantwortlichkeit muß nicht nur erhalten, sondern noch gestärkt werden. Mehr kom­merzielle Bildung ist ebenfalls notwendig.

3. Die Organisation des Kredites für den Mittelstand kann nur auf dem Prinzip der Kooperation vor sick gehen, da das einzelne Individuum kein genügend starker Faktor int wirtschaftlichen Kampfe ist. Die Sektion befaßte sich dann,weiter mit den Fragen 4. Welches ist die g e g e n w ä r t j g c S itu a- tion des Genossenschaftswesens hinsichtlich der ge­setzlichen Lage in den einzelnen Ländern, und 5. Welches ist die gegenwärtige Situation des Genossenschaftswesens hin­sichtlich der volkswirtschaftlichen Tätigkeit in den einzelnen Län­dern? Das zu diesen beiden letzten Fragen vorliegende Material wird demnächst veröffentlicht werden. Dann beschäftigte sich die Sektion mit der Frage zu Punkt 6: Welches sind die ge­schäftlichen Tätigkeiten der Kredit-Organisa­tionen in den einzelnen Ländern. Dabei kam man zu dem Ergebnis, daß Kreditgenossenschaften allein, nicht aber mit Ver­kaufs-- oder Produktivgenossenschasteit zusammen gegründet wer­den sollen. Es soll aber empfohlen werden, daß die ver­schiedenen der Förderung des Mittelstandes dienenden Genossen­schaften möglichst die Geschäfte mit einander erledigen. Eine weitere Frage war die:Sollen die verschiedenen Berufe auch verschiedene Berufs-Kreditgenossenschaften haben. Die Sektion kam zu dem Schlüsse, daß die Landwirte zweckmäßig fi'ir sich bleiben, daß aber der städtische Mittelstand zusammengehen könne bei,den Kreditgenossenschaften. Damit schließt der Redner unter großem Beifall die interessanten mit großer Sicherheit vorgetragenen Ausführungen. Es nimmt dann das Wort der erste Vorsitzende und erklärt, daß der vorliegende Arbeitsstoff jetzt bewältigt sei. Er freue sich, feststellen zu können daß eine gewaltige Snmme von wirklicher Arbeit geleistet worden sei. Man sei nicht zusammengekommen, um eben einen Kongreß zu haben, sich einmal wieder zu sehen und sonst sich zu amüsieren, sondern um wirklich auf streng wissenschaftlicher Grundlage über die Förderung eines so wichtigen Standes, wie ihn der Mittel­stand darstellt, zn beraten. Er gebe dem Wunsche Ausdruck, daß es immer so bleiben möge und daß die Herren, die etwa ver­schiedene Anschauungen hätten, wohl in der Sache Gegner, in der Person aber gute Freunde bleiben mögen. Dann würde es immer so gehen, wie bei dieser Tagung, in der der einzelne Be­sucher mehr in sich ausgenommen hätte, als wenn er dickleibige Folianten dnrchstudiert hätte. Damit schließt der 1. Vorsitzende die arbeitsreiche Tagung. Darauf dankt der anwesende belgische Minister dem Präsidenten unter lebhaftem Beifall für die vor­zügliche geschäftliche Leitung des Konaresscs. Er habe wie ein guter Kapellmeister die cnmaeu anw- senden Herren dirigiert.

derF. Ztg.": Die Uebelstäude, die sich aus undeutlich ge- chriebenen ärztlichen Rezepten ergeben, sind schon häufig erörtert worden. Lassen Sie sich dazu eine kleine Geschichte erzählen. In Budapest wirkt ein Schriftsteller von Rus und Talent, doch leider führt er eine wahrhaft groteske Kralle. Ein Sinologe, der einst eine Probe davon zn Ge- icht bekam, erklärte sie zögernd fürwahrscheinlich südtibe­tanisch", den Dialekt für ausgestorben und das Günze über- )ic§ für chiffriert. Ein einziger Setzer in Budapest vermag ;ei günstiger Witterung besonders langsam geschriebene Worte zu entziffern, wobei persönliche Freunde und Fami- ienangehörige des Autors assistieren. Dafür bezieht der Setzer eine Zulage, hat zwei Nachmittage in der Woche frei und wird auf drei Schritte Distanz mitMein lieber Maroschi" angesprochen. Von der Möglichkeit seines Scheidens aus der Offizin spricht der Metteur nur mit ge­dämpfter Stimme. Da begab es sich eines To.g.-s, daß der Schriftsteller im Cafe eine politische Nachri. . von großer Wichtigkeit erfuhr. Ans Telephon konnte er nicht gehen, das wäre der Gesellschaft aufgefallen. Er verlangte also vom Oberkellner einen jener schmalen Zettel, die den Kellnern zur Berechnung der Zeche dienen, v warf einige Zeilen darauf:Fejervary zum Ministcrp.'.A identen desig­niert!" und schickte das Ding mit der mündlichen Botschaft Aeußerst wichtig!" ans die Redaktion. Dort hielt man's zuerst für einen schlechten Spaß; doch erkauiue man zum Glück bald den Schreiber.Na, dann ist ja leicht geholfen, wir lassen unfern lieben Maroschi rufen," sprach der Chef. O Verhängnis! Maroschi hatte seinen freien Nach­mittag. In die allgemeine Ratlosigkeit, die daraufhin ent­stand,' Platzte der jüngste Redakteur und schlug vor, das Zettelchen in die Apotheke zu schicken, wo sich die Herren ja aus den diffizilsten Handschriften einen Reim zu machen wüßten. Gesagt, getan. Und als eine Viertelstunde ver­gangen war und noch eine Viertel, da kam der bang er­wartete Bote aus der Apotheke zurück. Er stellte stumm eine Flasche Mandelmilch auf den Tisch. Roda Roda.

Nebcreaschend schnell und gründ- f arbeitet das eckte Dr. Thompsons Seisenpulvcr, Marke ***/ Schwan. Dasselbe macht die Wäsche blendend weiß, ohne sie anzugreifen, und gibt ihr einen frischen, angenehmen Geruch. Ueberall gu haben. bs*\

ftdtr bet belgkschet« anwesend sei, die damit ihr

hvheS Interesse an den zur Crörcerung stehenden Fragen bekunde. Es wird dann bekannt gegeben, daß eine Einladung zur Abhaltung der nächsten Generalversammlung (nicht zu verwechseln mit dem Internationalen Kongreß) aus Nürnberg vorliegt. Der Vorsitzende hebt hervor, daß wohl keine andere Stadt ztir Mhaltung einer solchen Tagung so geeignet sei, wie Nürnberg, könne man dort doch die Geschichte des Mittelstandes geradezu an der Quelle studieren und die Wahrnehmung dabei macken, daß alle Knlttir, vor allen Dingen auck alle Kunst sich nur mit und durch den Mittelstand entwickelt habe. Zu der nächsten Tagung des Internationalen Kongresses haben die Städte München und Wien Einladungen ergehen lassen. Er dankt auch dafür utld gibt bekannt, daß das Bureau wahrscheinlich feine Entscheidung für Nürnberg und Wien treffen wird.

Dann erhält das Wort Ministerialrat B r e y ch a aus Wien alS Vorsitzender der 1. Sektion zu deren Bericht über das Ge­werbliche Unterrichtswesen. Der Redner weist znnäckst hin auf die verschiedensten Berichte, die aus Luxemburg, Frank­reichs den Niederlanden, Italien usw. vorliegen. Es sind von der Sektion fünf Berichterstatter ernannt worden aus den ver­schiedensten Ländern, deren Berichte der Redner in den betr. Lan­dessprachen wiedergibt. Besonders verweist der Redner auf den Berickt des Geheimrats Dr. v. See feld-Berlin. Die Sektion tritt in erster Linie ein für die entschiedene Entwicklung des Fort- bildungssckulwesens, besonders aber für eine weitere Entwicklung und Stärkung der schon jetzt vielfach bestehenden Fachschulen. Besonders verweist der Redner, gleichwie am ersten Tage der erste Vorsitzende auf die von den Oestreichern gebrachten Referate und empfiehlt diese zum gründlichen Studium. Aus Deutschland seien drei Anregungen gekommen, die auch in der Aussprache kurz zur Erörterung gelangten. Es wird darin gefordert: 1. der Staat soll für eine genügende Anzahl Elementarschulen sorgen, in denen gleichzeitig eine geeignete sachliche Ausbildung vor sich gehen kann: 2. der Staat soll nach dem Muster der Meisterkurse für die Handwerksmeister, Kurse für die selbständigen Kaufleute einrichten, in denen diese einen gründlichen Unterricht in Buch­führung, Wechsellehre usw. erhalten können und 3. der Staat soll Handelsrealschulen schaffen. Geheimrat v. Seefeld-Berlin erwähnt zu diesen Forderungen, daß die sweußische Negierung nicht mit allen Wünschen einverstanden sei.

Weitere Redner haben sick nickt gemeldet, es' erhält daher Herr Stevens aus dem belgischen Ministerium zu einem kurzen Berichte über die Verbesserung des Werkzeuges für das Klein­handwerk und über Maschinen für das Kleinhandwerk das Wort. In der Aussprache nimmt zunächs Dr. Geßmann (Oestreich) das Wort unb betont, er mochte die Aufmerksamkeit des Kon­gresses und der Regierungen besonders auf die Beschaffung ge­eigneter Wohnräume und Werkstätten für die Angehörigen des Mittelstandes richten. Bisher beschäftigten Regierungen und Ver-

unb bittet den Verwegenen, das Fenster wieder zuzumachen,

einigungen sich fast ausschließlich mit der Frage der Sckaffiing geeigneter Wohnräume für die Angehörigen des Arbeiterstandes. Hierin müsse Wandel geschaffen werden, denn eine der wichtigsten Aufgaben zur Hebung des Mittelstandes wäre die Schaffung von für diesen Stand geeigneten Wohn- und Arbeitsräumen. Er bitte diese Frage für den nächsten Kongreß zur Anssvrache zu stellen. Der Redner hält es weiter für einen Mangel bei dem Reglement, bafj nichts vorgesehen sei, eine bestimmte Mittellinie für die verschiedenen Anschauungen zum Ausdruck zu bringen und er bittet darin für die nächste Tagung eine Aenderung vorzusehen. Der f. Vorsitzende Dr. Bödicker sagt: Eine Mittellinie ist für die verschiedenartigsten Anschauungen schwer zu finden. Es gibt kaum zwei Personen im Saale, die in allen einzelnen Punkten, m - ..... . r, . . .

gleicher Meinung sind. So sagt z. B. um nur einen Fall her- t wo 200 Personen abgesultert werden, faßt jemand den kühnen auszugreifen, bei der Besprechung der Verbesserung der Kredits Entschluß, einen Fensterspalt zu öffnen, und aus vielen Kehlen Verhältnisse Dr. Hans Krüger, die Genossenschaften sotten alles d ^ich ertönt ejn unwillkürlichesAh!" der Erlösung. Da allein machen, während andere Mitglieder des Kongresses den i ° b .... - . ~ - - - - -

Staat mit eingreifen lassen wollen. Wo z. B. in diesem Falle der Kongreß die Mittellinie finden solle, sei ihm und auch wohl emberen Teilnehmern an bert Beratungen nicht klar. Die Fest­legung bet vom Vorrebner gewünschten Mittellinie gibt auch gar nicht den Wert bes Kongresses. Wir wollen eine sachlich handelnde unb behandelnde Gesellschaft bleiben und von rechts und links Material saurmeln, das von den Regierungen wegen des darin enthaltenen Wertes einfach beachtet werden muß. Ob diese Beachtung des Materials nun zunächst in Preußen, oder in Belgien, oder in Frankreich ober andern hier vertretenen und nicht vertretenen Staaten zu praktischen Maßnahmen der bett. Regierungen führen wird, sott ims volls inbig gleichgiltig fein. Das Bureau werde sich daher auf beu Wunsch des Herrn Dr. Geßmann bezügl. Schaffimg einer Mittellinie nicht

rtschaft.

Schinkenpreisbewerb auf der l a u d w i r t s ch a f t - licken Landes- unb Jubiläums-Ausstellung. Der hessische Landwirtsckastsrat bittet uns um Ausnahme folgender Zeilen: Mit der Ausstellung wird auch ein Schinkenpreisbewerb verbunden sein, an den; nur Aussteller aus dem Großherzogtum Hessen teilnehmen könne,;. Obermeister F a l k von der Metzger« Innung zu Mainz hat sich bereit erklärt, das Amt eines Preisrichter- Vorsitzenden und Leiters dieser Veranstaltung zu übernehmen. Es find 8 Preisbewerbsklassen für die Sckinkenausstellung vorgesehen, 4 für rohe, und 4 für gekochte Schinken. Tie Preisgerichte werden vom Landwirtschaftsrat aus der Ausstelluugsleitung ernannt; sie sollen aus je 3 Vertretern des Metzgergewerbcs und je 1 Landwirte und 1 Vertreter des eonfumierenden Publikums zusammengesetzt werden. Tie Handwerkskammer für das Großherzogtum Hessen ist von; Landwirtschaftsrat gebeten worden, Vorschläge für die Wahl der Preisrickter zu machen. Als Llussteller werden hauptsächlich hessische Metzger in Betracht kommen. Anmeldungen sind beim Hessischen Landwirtsckastsrat in Tarmstadt, der auch Anmeldebogen und die näheren Bedingungen des Schiiikenpreisbewerbs versendet, bis zum 1. September einzureichen. D i e finanzielle Lage der uom 14.18. in Mainz zu veranstaltenden landwirt­schaftlichen Landes- und Jllbiläuinsausstellimg ist nach dem soeben beschlossenen Hauptvoranschlag keine sehr günstige. Es bleiben von einer Gesamt-Ausgabe von 162 000 Mk. noch 14 950 Mk. ungedeckt. Unter den Ausgaben bilden die Kosten für die Bauten (50 000 Mk.) und die Prälniierlmgsbeträge mit 31 500 Mk. die Hauptsummen. Infolge der in mehreren Abteilungen angemeldeten über Erwarten großen Beschickuna wird der Prämiierungsfonds voraussichtlich auch erhöht werden inüffen.

(Hsrichlslaal

Heidelberg, 19. Aug. Vor der hiesigen I er i e n - S t r a f» kämm er hatte sich ein 14jähriges Mädchen wegen z w e i f a ck e u Al o r d v e r s u ch s zll verantworten. Die 14 Jahre alte Eva Brandt au§ Reichartshausen war Ostern d. I. als Kindermädchen in den Dienst des prakl. Arztes Dr. Lange-Hermstädt in Meckesheim getreten. Es gefiel ihr aber nicht, angeblich, weil sie von den beiden Buben ihrer Dienstherrschaft schlecht behandelt wurde. Ta sie sick aus ein Jahr verpflichtet hatte, ihre Dienst­herrschaft sie aber nicht vorher entlasten wollte, faßte sie Ende Mai den Entschliiß, das l8/4 Jahre alte Kind des Dr. Lcmge- Öernistädt bei Seite zu schaffen. Ende Mai, als sie daS Kind zu Bett gebracht batte, wickelte sie ihm eine Vorhangschnur um den Hals, die sie dann am Bettpsosten sestband. Die Angeklagre dachte, das Kind werde nachts unruhig und sich so selbst den Hals zuschnüren. Tie Dienstherrschaft werde aber annehmen, das Kind habe im Bett mit der Schnur gespielt und sich so selbst getötet. Die Tat mißlmig jedoch. Vier Wochen später schlick sie sich Alorgens 6 Uhr in das Kinderzimmer, legte dem Kinde die Vorljangsscknur um den Hals und zog etwa eine Minute lang dem Kinde den Hals zu. Noch bevor das Kind erstickt war, wurde sie durch Erwacken des älteren Bruders an der Vollendung der Tat gestört. Die deshalb des zweifachen Mordversuchs angeklagte Eva Brandt gibt die Tat zu; sie habe sich gedacht, das Kind könne sterben, bestreite aber die Absicht, den ernsten Willen gehabt zu haben, das Kind zu töten. Ter Sachverständige Dr. Kürz glaubt, daß bei der Angeklagten Anzeichen von Schwachsinn vorhanden seien, daß ihr die nötige Einsicht gefehlt habe und daß sie gemein­gefährlich fei. Ter Vertreter der Anklage beantragt Freisprechung der Angeklagten und Ueberroeifung an eine Erziehungs- ober Besserungsanstalt. Ter Verteidiger beantragt Verurteilung wegen erschwerter Körperverletzung unter Berücksichtigung des Straf« inildernngsgrundes der Jugend und allgemein mildernde Umstände. Der Gerichtshof beschloß jedoch, zunächst noch ein Gutachten deS Direktors der hiesigen Jrrenklinik über den Geisteszustand und die Zurechnungsfähigkeit der Angeklagten zu erheben.

Die Uebersüllung der Eisenbahnwagen an Sonntagen dürste demnächst in einem Zivilprozeß gründlich beleuchtet werden. An einem schönen Sonntag dieses Sommers war bei der Berliner Nordbahn wieder die übliche Unzulänglichkeit der Verkehrsmittel zu beobachten. In einem Abteil zweiter Klaffe eines nach Berlin fahrenden Zuges, in dem ein Herr F. mit seiner Tochter sich befand, waren schließlich nicht weniger als 27 Personen Ulsanuneugefercht. Bei vielen stellten sich Beklemmungen und Uebelkeit ein. Am schlimmsten erging es dem Herrn F.; er wurde ohnmächtig und mußte bei der Station Gesundbrunnen bewlltztlos aus dem Wagen gehoben werden. Er war auch in der Folge arbeitsunfähig, und bei einer ärztlichen Untersuchung wurde bei dem früher ganz 'gesunden 48jährigen Mann eine schwere Herzaffektion festgestellt, die nach ärztlichem'Befund lediglich ans den Aufenthalt in dem mit verdorbener Luft angefüllten Eisenbahnwagen zurück« geführt werden muß. Der so in seinem Erwerb behinderte und in »einer Gesundheit geschädigte Herr hat jetzt bei der königlichen Eisenbahndirektion Schadenersatz-Llnsprüche geltend gemacht. Ob und in welcher Höhe die Eisenbahndirektion dem Verlangen nach­kommen wird, steht noch dahin. In voriger Woche hat der Ver­trauensarzt der Eisenbahnverwaltung Dr. N. den Herrn F. unter­sucht. Von seinem Glckachten wird es abhängen, ob die Behörde freiwillig die Ailsvrüche befriedigt ober ob sie es erst aus einen Pro­zeß ankommen lassen will.

handel tsitb Aerkek?r. MolKsrvirlschaft.

Kleine F i i; a n z ch r o n i k. Bei der Akt.-Ges. für Seil- Industrie in Mannheim-Neckarau wird die Dividende für das mit dem 30. Juni abgelaufenen Geschäftsjahre die vorjährige von 4 °/0 nicht übersteigen. In Verwaltungskreisen der Chemischen Fabrik Hönningen uorin. Walther, Feld & Co. Akt.-Ges. wird die Dividende auf 8l/20/0 geschätzt; (i. V. 10 °/p). Die Mühlenfirma Gebr. Rohnnann in Hildesheim hat die Zahlungen eingestellt. Insbesondere sind Kleinbauern stark geschädigt.