Ausgabe 
21.10.1905 Erstes Blatt
 
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bracht hat, so habe er ähnliche beleidigende Verdacht ra­un gen schon früher gurüagettnefen imb weise s.e auch heute mit Entrüstung zurück. Er müsse Easselmann gegenüber er­klären, daß er nicht gewillt sei, auf jenes tiefe Niveau der Polemik berabznsteigen ober sich herab'iehen zu laisen. (Lebh. Widerspruch bei den Liberalen.) Präsident von Or tere r erklärte, er müsse den Au sdru ck des M r n r st er s vonbeleidigenden Verdächtig nnge n" r ü g e n. >rm weiteren Verlaufe der Debatte erklärte Finanzmmrster v. LmN. daß er über Einzelheiten her R c i chs f i n a nz r e s o r m nrans äußern könne. Speck sZtr.) verlangt eine Finanzrefor. bei der das Verantwort!ichkeitsgefübl ber Einzelstaaten für dtc Reichs finanzen nickst beseitigt wirb. Das System der M^trikularbeitrage sichere den föderativen Charakter ds Reiches. Von den neuen Steuerprojekten solle man verlangen, daN sre nur dre Bessersituierten träfen, daß die direkte Steuer tunlichst' den Einzelstaaten bleibe und unbedingt nur Notwendiges bewilligt werde. Tie D a u p t u r s a ch e für die schlechten Finanzen seien die großen ?lusgaben für hie Weltv o l i t i k, bei Denen sowohl die militärischen Kräfte wie sn a te. riellen Mittel zersplittert wi'irden. Am Lckilnß der Sitzung weist Casselmann in persönlicher Bemerkung mit Entschiedenheit den Vorwurf des Ministerpräsidenten zuruck, er habe sich ein-'r best''h''a""h^n s^-uh'a gemanw___

5S#et und 3-fofe.

Nach dem Militär-Wochenblatt ist Oberst Deimling, öiSher in der Schntztrupve von Südwestairika, als ?lb- teilungSchef zum Drosten Generalstabe koinmandn-rt wo'den.

A ns!and.

Christiania, 20. Okt. In der heutigen Sitzung des Storthing tmirbe ein Vorschlag zur Abänderung des Ver­fassungsgesetzes vorgelegt. § 1 soll danach lcmten: Das Königreich Norwegen ist ein neues, selbstän­diges, unteilbares und unabhängiges Reich; die Negierungssorm ist die beschränkte und erbliche Monarchie.

London, 20. Oft Prinz Karl von Dänemark ist zum Ehren kommandeur der großbritannischen Marine ernannt. (So sucht sich schon heute der schlaue John Bull die Gmst des zukünftigen norwegischen Königs zu erringen. D. R.)

In einer Rede führte Sir E. Greß aus:Die drei Hauptpunkte unserer auswärtigen Politik sind: Freundschaft mit den Vereinigten Staaten, Bündnis mit Japan, Abkommen mit Frankreich.

Brügge, 20. Okt. In der Wohnung des Bürger­meisters fand man eine Bombe. Es dürfte sich um einen Racheakt handeln. Tie Bombe wurde nach Brüssel zur Untersuchung geschickt.

Ter Fürst von Monaco wird mit Loubet und Rouvier Unterredungen haben. Es wird sich, wie man ver­sichert, handeln um die Wiedergabe eines Gesprächs des Fürsten mit dem Kaiser über die deutsche Friedens­politik. Tic Worte, welche der Fürst hier auszurichtcn übernahm, seien, so erfährtTebats". der Ausdruck der besten Absichten, welche man in Berlin bezüglich der Fortdauer des guten Einvernehmens h^ge. Von anderer Seite verlautet, daß der Fürst von Monaco sich dahin geäußert habe, es gebe keine Frage, welche Deutsch­land und Frankreich nicht bei alter Wahrung ihrer speziellen Interessen in sriedlicher Auseinandersetzung einer befrie­digenden Lösung zuführen könnten. Ties gelte insbesondere von den Allianzen und Freundschaften.

Rom, 20. Okt. IN verschiedenen Städten findet augen­blicklich eine starke Agitation zu gunsten der Einführung des allgemeinen und gleichen Stimmrechts statt.

Prag, 20. Okt. (Landtag.) Ter Statthalter er­örterte Vorlagen, betreffend Aenderung der Landesordnung, sowie der Landtagswahlordnung, und weist darauf hin, daß die Notwendigkeit der Aenderung bezüglich der Ausdehn­ung des Landtags Wahlrechts infolge der kulturellen und ökonomischen Entwicklung des Landes und wegen der Ucbereinstimnrung mit der Reich sratswahlordnung unerläßlich gewesen sei.

Atlanta, 20. Okt. Präsident Roosevelt führte in einer Rede aus, die öffentliche Meinung fühle die Notwen­digkeit, der zynischen Unredlichkeit ein Ende zu setzen, die sich in einer Art enthülle, auf welche einige große Vermögen erworben und verwandt werden.

Aus Stadt and AmS.

Gießen, 21. Oktober 1905.

S. U. Landesuniversität. Landrichter Dr. Julins Friedrich lullt Montag, 23. Oktober, 12 Uljr 'pünktlich) in der kleinen Aula des Universitätsgebäudes eine Probe­vorlesung überZur Begriffs bestimmung des Kirch en rechts, um sich für das Fach des KirchenrechtS zu habilitieren.

-Ein die bessere Vorbildung der Techniker öetr. Gesuch wurde von dem Hessischen Techniker- Verband vor einigen Monaten an die Großh. Negierung gerichtet. Danach soll für die Zulassung zu dem Dienst als Hochbauaufseher, KreiSstraßenmeister, Danuneister rc. für die Folge der Besuch einer höheren Lehranstalt bis zur Untersekunda (Reife für Obersekunda oder gleichwertige Vorbildung) vorgeschrieben werden. Auch soll nicht, wie seither üblich, die einseitige Erlernung eines Bauhandwerks Bedingung sein, sondern der Eleve soll sich eine möglichst vielseitige Ausbildung in allen Baligewerken aneignen, was am besten in einem Baugeschäfte während mehrerer Ausbildungßjahre geschieht. Da seit 1901 keine Prüfung für diese Beanltenkategorie stattgesunden hat, sind die vorhandenen Anwärter meistenteils verwendet. Tie seit­herigen PrüfungSbestimmungen, die ihrem wesentlichen In­halt nach aus dem Jahre 1832 stammen, sind den heutigen Verhältmsten nicht mehr entsprechend. Eine Prüfung wild nach denselben kaum mehr slattfinden, so daß der Erlaß einer neuen Prüfungsordnung zu erwarten steht. Bei dem bisher stets betätigten Streben der hessischen Regierung, alle Orga­nisationen den sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen möglichst anzupasien, steht zu hoffen, daß auch die zu er­wartende neue Prüfungsvorschrist onf den heutigen Verhält­nissen aufgebaut ist, und daß die Wünsche der Gesuchsteller weitgehendste Berücksichtigung finden, um so mehr, als diese den Zielen aller mittleren technischen Beamten Deutschlands entsprechen.

** Militärische Personalien. A. Versetzt: Hagenberg, Hauptmann z. D. nab Ve-'rksvfsi-ier beim Laudw. Bez. Friedberg, zum Landw. B.;. Gicitt- Suntbeim, Oberst, im 4. Großb. Hess. Inf.-Real. lPriuz Carl! Nr. 118, in dos Jnf-'Regt. von der Marwitz (8. Pvrnmst Nr. 01. Ernannt v. Werder, Oberst mit dem Rong eines BrigKommandeurs, Ebes des Generüstabes des 18. Armeekorps, zum Kvmnwnde'.ir der 25. K«av.-Brig. ^Großh. Hessen^' v. der Manvitz, Oberst und Kommandeur des 3. Garde-Ulan.-Regts.. unter V^rseku-a in

den Generalstab der Armee, zum Ches des GcneraMabes des 18 Armeekorps: v. Storch, Oberstlt. beim Stabe d:s 1. Grotztz. Hess Tr g -Regts. sGarde-Trag.-Regts.) Nr. 23, zum Kommandeur des 2. Westsäl. Hns.-Negts. Nr. 11. Kommandiert: Kolb, Obcrlt. 'm 1. Großh. Hess. Ins.-(Leibgnrde-)Regt. Nr. 115, iur Tienst!eist"ng als Zweiter Offizier d.'s Großh. hess.^Tramdepots des 18. Armeekorps. Aus der Schutztruppc für L>udwestafrila scheidet aus und wird mit dem 1. Nov. 1905 irn ficcrc an« gestellt: v. Tümpling, Lt., im 2. Großh. Hess. Feldart.-Regt. Nr 61. Befördert: zu Lls.: die F-ähnrlche: v. Bomhard im'1 Großh. Hess Ius.-lLeibg.rde-)Regt. Nr. 115: v. Holst u Pon enl-ietz im Juf.-Negt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr 116; Lebment im Jns.-Leib-Negt. Großherzogin (3. CVrofc h ss) Nr. 117: Külp, Welsch im 4. Großh. Hess. Inf.-Negt. Prinz Carl) Nr. 118. B. Abschiedsbewilligungen. In Genehmigung iljreS Abschiedsgesuches mit der gesetzlichen Pension zur T i s p. gestellt: v. ©djmibt, Gen.-Major und Kommandeur der 25. Kav.-Brig. (Großh. Hess.), unter Verleihung d.'s Charakters als Gen.-Lt.: Oberst Weimer, Inspizient der Waffen bei den Truppen, mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Inf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116. T e r Abschied mit Pension bewilligt: Ziemsseu, Hauptm. z. T. und Bezirksoffizier beim Laudw. Dez. Bre.unsbera mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des 4. Großh. Hess. Jnf.-Rets. (^riuz Carl) Nr. 118. v. Kummer, Oberstlt. a. T. in Trier, zuletzt Kommandeur des Laudw. Bezirks I. Trier, mit der Erlaubnis z"m ferneren Tragen der Uniform des Inf.-Leib- Negts. «Großherzoa Nr. 1.7, aus sein Gesuch mit seiner Pension zur Disposition gestellt.

** Kunstverein. Tie Gemäldeausstellung im Turmhaus am Brand wird nächsten (Sonntag, 2 9. Oktober, wieder geöffnet werden.

* Promenadenkonzert findet morgen Sonntag um

11.30 Uhr in der Südanlage mit folgendem Programm statt: 1. Krömingsmarsch von Meyerbeer. 2. Luna-Walzer von Lincke. 3. Finale aus 91 Iba von Verdi. 4. Armeemarsch Nr. 10.

** Ans dem Bureau des Stadttheaters DaS Gastspiel von Frl. Else Jüngling morgen Sonntag. 22. Oktober, in Mamzelle Nitouche erregt große Teil­nahme. Da die hübsche Operette für hier Neuheit ist, dürfte die Mitteilung interessieren, daß das Stück von der Darm­städter Kritik sehr gut ausgenommen wurde. So schreibt z. B. das Tgbl.* u. a.:Das Hoftheater hatte heute einen fidelen Abend. Zur Aiifführung gelangte das amüsante Vaudeville von Meilhac und MillaudMamzelle Nllouche", Vi der Heros eine prickelnde Operetten-Mnsik geschrieben bat. Der Hauptvorzug der Musik ist es, daß sie sich dem heiter- komiichen Genre des Vaudevilles gut anpaßt, ohne jemals giisdringlich zu wirken. Die Vermischimg des ernsten mit dem komischen Stil legt Zeugnis ab von einer sicheren Stil- beherrschiing-und musikalischer Vielseitigkeit." Erwähnt sei, daß die Operette wegen der großen Kosten im Abonnement nicht gegeben werden kann.

" Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Am heutigen letzten Ziehungstage der 6. Klasse fiel eine Prämie von 100 000 9)1f. auf Nr. 13070 (nach Darmstadt und Mainz), 6 Prämien von je 50000 Mk. auf Nr. 29971 (nach Darmstadt), 43620 (nach Mainz), 46710 (nach Mainz und Darmstadt), 49602 (nach Oldenburg), 90190 (nach Rudolstadt), 92183 (nach Darmstadt), die mit je 1000 Mk. Gewinn ge­zogen wurden; 10 Prämien von je 10 000 Mk. auf Nr. 9759 (nach Mainz), 16232 (noch Nönseld), 19099 (nach Mainz), 37537 (nach Mainz), 38117 (nach Mainz), 44312 (nach Mainz), 49827 (nach Oberstein), 66748 (nach Schwartau), 87789 (nach Oldenbiirg), 97291 (nach Gotha), die mit je 400 Mk. Gewinn gezogen wurden; Gewinne von je 2000 Mk. auf Nr. 5480 36944 67632 81588, Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 2677 4806 8322 10969 13567 16710 24625 25031 32969 39244 46132 87451 91865. (Ohne Gewähr.)

Die Vereidigung der neu eingetretenen Mannscha ften unseres Infanterie-Regiments fand heute vormittag in der üblichen Weise statt.

* Besitzwechscl. Die Baufirma Gebrüder Ziltt verkaufte ihr Anwesen, Liebig st raße 73, für 30 000 Mark an Fräulein Fromme und Frau Eisen Hardt in Gießen.

* * Unfall. In der Hammstraße fuhr gestern nach- miftag eine vom Güterschuppen der M.-W.»Bahn kommende Lokomotive der Biebertalbahn auf ein vor ihr fahrendes Fuhrwerk und dieses Fuhrwerk rannte infolge­dessen auf einen anderen Wagen, auf dem der Besitzer hinten darauf saß. Dieser wurde vom Wagen geschleudert und erlitt einen Bruch des Nasenbeins und Quetschungen am Nüclen Der Verletzte behauptet, die Lokoniotive habe kein ©L na! zum Ausweichen für die Fuhrwerke gegeben.

" Fernandos Kinematograph ist für 5 Tage von morgen ab wieder hier eingekehrt und hat in Oswalds (Starten Ausstellung gefunden. Von den gezeigten Bildern dürsten namentlich die der Darmstädter Hochzeitsfeierlichkeiten am 2. Februar Interesse finden.

* 618 Eisenbahnbeamte und Bedienstete wohnen zur Zeit in Gießen. Davon sind 537 verheiratet und die Zahl der Haushaltungsangehörigen beläuft sich auf 2416. Man ersieht and diesen beträchtlichen Zahlen, welch große Bedeutung die Eisenbahnen nicht nur für den Verkehr, sondern auch für den Konsum unserer Stadt haben.

Die ersten Frost tage sind da. Die niedrigste Temperatur betrug in der Nacht vorn 19.20. Oktober 1,2° C. Kälte und heut« früh sank die Temperatur sogar auf 4.0 C.

j-f. Lich, 19. Okt. Heilte abend 8 Uhr trafen I. K. Hoh. der Großherzog und die Großherzogin mittels Automobil hier ein, nm den Geb urtstag der Prinzessin Dorothea mit zu feiern. Das hohe Geburtstagskind erfreut sich hier ungeteilter Sympathien, die dadurch vermehrt werden, daß die Prinzessin oft die Kranken unserer Stadt besucht.

)( Elpenrod, 20. Oktober. Hier ereignete sich ein schwerer Unfall, der den Tod eines braven und ge­achteten Ma.meS zur Folge hatte. Der 62 Jahre alte Land­wirt H. Köhler hatte Tickwurz geloben und wollte heim- mbren. Er siel vom Wagen und dieser ging ihm über die Brust. Nach drei Stlmden starb der Verlinglückle.

? Burkhards, 20. Okt. In dem Jagdrevier der Herren Dr. Throm und M et t en h ei m e r-Gießen fand eine dreitägige Treibjagd statt. Erlegt wurden mSgesamt 39 Rehe, 58 Hasen, 2 Hühner und 1 Katze.

sd. Darmstadt, 21. Okt. Finanzminister Gnauth ist zu den Dundesrats-Verhandlungen nach Berlin ab« gereift.

io. Mainz, 19. Oktober. Die Selztalbahn, ge­nannt ,Tas süße Lottchcil", hat wie alle Kleinbahnen ihre Idylle. Tiefer Tage h>eltDaS süße Lottchen- plötzlich ivieder einmal auf freiem Felde zwilchen Groß-Winternheim unb Schwabenheim. Was ist denn nun wieder? fragten die Passagiere und eilten an d'e Fenster. Da iahen sie die Ur­sache: nämlich einen Bahnbeamten, wie er feiner vom Sturm mitgenommenen Dienstmütze nachjagte. Man luarlcte ge­duldig, bis der Mann seine Kappe lvieder halte, und dann trottete ,Tas süße Loltchen* vergnüglich weiter.

Frankfurt a. M., 20. Okt. Aus dem Wunder- lande Australien ist eine reiche Sendung im Zoologischen Garten eingetroffen: über ein Dutzend Känguruh, die zmn Teil Arten angehören, von denen noch nie ein Exemplar Europa lebend erreicht hat, sind im Garten eingezogen. In das Aquarium gelangte eine der f'ir Australien charakteri'li- schen Teppich-Schlangen, sowie eine Anzahl Stutzechsen, deren grobe Beschuppnng ihnen das ?lussehen großer leben» der Tannenzapfen verleiht. Das Insektenhaus, das in diesem Jahre erst das ziveite seines Bestehens erlebte, fand bereits Ane kennnng, indem seine Erzeugnisse, meist prächtige Schmetterlinge ans dem Tropen, auf der Schwabacher ento­mologischen Ausstellung mit dem 2. Preis prämiiert wurden. Am 1. April wird das während des Winters geschlossene Insektarium wieder geöffnet. Ein sehr wertvolles Geschenk mochte Konsul Hoff hier dem Garten, indem er demsetbey zwei ostindische Lippenbären überwies.

h. Frankfurt a. M., 20. Oktober. Heute wurde die Automobil- und Fa hrra d - uSft e l tun g in Gegen­wart der Prinzessin Karl von Hesien, die das Protektorat übernommen hatte, des Prinzen Friedrich Karl und der Erb- Prinzessin von 9??einingen eröffnet. Tie Ausstellung, die vorn In- und Ausland gut beschickt ist, macht einen gediegenen Eindruck.

Iagdschlößchen. Am nächsten Sonntag um 4 Uhr findet im Iagdschlößchen zu Dutenhofen großes humoristi« ches Konzert statt. (Siehe Inserat.)

w. Wetzlar, 20. Nov. Heute ivurbe das Kgl- Lehrer­seminar seiner Besti mmung übergeben. Tie Bür­gerschaft Wetzlars empfindet es mit großer Befriedigung, daß nach ihrer fast 100jähr,gen Angehörigkeit zu Preußen wieder eine staatliche Einrichtung in ihrer Stadt Aufnahme fand, nachdem fernere Einbuße nach dieser Seit- hin den Eindruck erweckt hatte daß unserPlatz an der Sonne" durch Wolken ücroanfeit werde. Tie-ec Befriedig­ung vermochte auch der Blick auf die er.jeu ichen Opfer keinen Eintrag zu hm, die unsere Stadt zu bringen genötigt gewesen ist. Zu der F-ier waren besondere Einladungen ergangen, um dem Andrang zu steuern. Als 'Bertr.ter Kgl. Regierung waren Herr Gey. Reg.- und ecfnUrat An­derson und Herr Prooinziatfcharrat Kleve aus Koblenz er­schienen. Bürgermeister v. Zeugen und S<minardirettor Borbrodt erhielt den Roten Adlerorden 4. Kl., Seminar- lehrer Tellin den Kronenorden 4. Kl., Maurerpolier Weller aus Atzbach die Medaille zum Kronenorden.

** kleine Mitteil "naen ans H e s se n unb den Nachbarstaaten. In Ilsdorf brannte das Werk» haus des Eiseusteiubergwerks Ilsdors-Dlücke nieder, lieber die Entstehlmgsursache weiß man nichts.

(ftunft und Will en schäft.

Im Abgeordneten hause zu Berlin ist eine Reihe tiou Bauplänen für Kleinwohnungen. Arbeiter- und Beamtenhäilser, ausgestellt. Vor fast einem Jahr hatte der hessische Zen­tralverein für Errichtung billiger Wohnungen, der Ernst Ludwig-Verein, einen Wetlbelverb m>sgesu>ric- beit zur Erlangung musiergiltiger Baupläne für Arbciterwohn- häuser. Trei Preise waren ausgesetzt. Ter erste in Höhe von 1000 Mark wurde dem Architekten Artur Wien koop in Eber- stadt-Tarmstadt zuerkannt. Seine Entwürfe erzielen bei -Iler Einfachheit doch eine schöne Wirkung unb weisen viele Anklänge an die heimis he traditionelle Bauweise auf. Tie Preise für solch ein Haus ein Arbeiterwohnhaus im Oden­wald von 46 Quadratmeter Grundfläche kostet 2800 Mark beweisen auch, daß die häßliche Nüchternheit b?r meisten Arbeiter- Hauser nicht nur auf den Geldpnnkt zurückzuführen ist. Wie reizend nehmen sich diese kleinen Häuser aus, reizend selbst bann, wenn sie in Reih unb Glieb stehen unb eins fast wie das andere ersck>eint. Hohe bunte Dächer mit freund­lichenTachaugen", farbige Fensterläden unb ab unb zu ein erkerartiger Eckanbau rufen die freundliche Wirkung hervor. Tie Eintönigkeit wirb burch kleine Variationen vermieden. Ta wer­den eine Fensterteilung geändert, die Tür verschoben, der rauh ngeworfeue ober angeschlemmte Bewurf in wenig Tönen anders gefärbt. Tort sind die Fensterläden braun, hier weiß. Tort leuchten zierliche G'rdincheu, hier Blumenbretter, ober die Mauer ist mit grünen Schlingpflanzen belebt. Manchmal fährt ein hübsch ausgebilbetes Gartentor in bie hinteren Garten, ober eine Baum­gruppe schließt bas Ganze harmonisch ab. Ta werben freilich alle die Architekturmotive überflüssig. Ter zweite Preis '600 Mark) siel dem Architekten Josef Rings in Tarm stabt zu. Auch bei seinen Entwürfen fällt es aus, welche große Wirk­ung bie Tachgestaltung auf bas Aussehen der Häuser hat. Ein Sechsfamilienhaus stellen Kurt Bräuer (Speyer) unb Hermann Bensch (Herborn) aus. Trotz des grablinigcn, ununter­brochenen Taches, bas bas lange niedrige Haus beckt, wirkt es sehr angenehm.

^erichisiaal.

Halten Sieden Mund!" Ein Nachspiel zum 18. März gelangte vor den ersten Strafsenat des Kammergerichts zu Ber­lin. Ter Schlossergeselle N. war auf einem Wege im Friedrickis- hain in der Nähe des 1848 er Begräbnisplatzes stehen geblieben, um auf einen Bekannten zu warten. Ter P o l i z e i l e u t n a n t Nord Haus forderte ihn zum Verlassen des Weges auf, wor­aus N. einige Schritte ging unb vor sich her mit ben Worten abonnierte:Die Polizei mischt sich in alles, man wird doch ite^en bleiben dürfen!" Tann blieb er wieder stehen. Ter eben* falls anwesende ältere Polizeileutnant Schirmer (der übrigens zur Reorganisation der türkischen Po li* 5 e i nach Konstantinopel berufen worden ist. D. Red. b.Gieß. Anz.") rief bem N. zu:Halten Sie ben Munb!" Tiefer ant­worteteHalten Sic ben Munb!" In diesem Verhalten des N. fand das Berliner Schöffengericht bie Nich-tbesolgung der int Interesse ber össentl. Ordnung erlassenen Weisung eines Polizeibeam ten und eine Beleidigung. Ter Angeklagte wurde deshtlb zu 10 unb 200 Mark Strafe Verurteilt. Tie Bernyinos'!rafkammer erkannte dagegen auf Freisprechung, da der Angeklagte ber Weisung des Polizeibeamteu gefolgt und weiter gegangen ist, unb da er nicht bie Absicht gehabt habe, den warnten zu beleidigen. Dieses Urteil focht die Staatsanwalt­schaft mittels R e,v i f i o n an, die auch Erfolg halte. Cs wurde 'ngenomwen, daß dte (Sntremung um einige Schritte nicht alS etn D-nstsieit des Deges anzusehen sei. Wegen der Beleidigung h bc bet Vorderrichter nicht geprüft, ob der Angeklagte nicht des B e w u y t s e i n bitte, mit seinen Worten den Polizeileutnant verächtlich zu mürben. Dieses Bimmßtsein genüge aber zur Be- ''ristng. Das Verufungsurteil wurde daher ans gehoben und bie Sache in die zweite Juhan; ->- kverwicsen.