Gomez Carillo, ein Freund Wildes, veröffentlicht als Vorrede der kürzlich erschienenen spanischen Salome-Ausgabe seine Ei>§ innerungen an die Zeit, in der die Gestalt der Salome das Sebert ihres Dichters erfüllte. Die Münchener ,,Freistatt" bringt bte von A. Dann egg er besorgte deutsche Nebersctzung dieser inter-- eff ernten Salome-Vorrede, die ernsten Siteraturfreunden yur Leb- türe empfohlen sei.
— Zu den eigenartigsten Veröffentlichungen, die uns die letzten Jahre gebracht Reiben, darf man ohne Zweckel die Kunstzeitschrift! „Mei st er der Farbe" (Leipzig, E. vl. Seemann) rechnen, die, uns durch unmittelbare Anschauung mit den bedeutendsten Malerw Europas nach und nach vertraut macht. In dem neueften Hefte 15 wird nur nordische Kunst vorgesührt, Dänen und Schweden. So. wenig man durch Beschreibung eine Vorstellung von der Wirkung eines Musikstückes machen kann, ebensowenig ist dies bei der Malerei möglich. Eine Greisin in schwarzem Kleide, die auf einem« schwarzen schlichten Sofa sitzt und strickt; an der gelbweisten Wand ein paar Bilderrahmen und neben dem Sola ein Stuhl: dies ist das „Reale" eines Bildes von V. Hanunershöi. Das Gemälde ist viel schlichter unb anspruchsloser als die Jnnenräume Pieter be Hoochs und doch wirkt es wie ein Volkslied. Dian sollte nicht glauben, daß ein solches Blatt in Dreckarbendruck (gelb, rot unb blau) ausgeführt werden könnte: alle Lebhaftigkeit der Farben ist ausgelöscht unb nur ein paar gedämpfte gelbliche ttnb braune Töne» die sehr zart abschattiert sind, bleiben übrig. Erst mit der Lupe kann man konstatieren, daß diese Wirkung wirklich durch blaue, rote- und gelbe Punkte hervorgebracht wird. Aehnliche zarte Wirkungen^ weist das zweite Bild von Fjaestad: „Reif auf dem Eise" auf. Eine frappant naturwahre Schneefläche, auf der ein paar bichtbereifte Sträucher stehen; ein vereister See mit beschneiten Steinen; im Dmtergrunde ein bläulicher Beraeszug, barüber ein gelblich strahlender Himmel, der seine Restere dem Eise mitteilt. Man weist nichts von der Poesie des Bildes, wenn man weist, was daraus abgebildet ist. ES wäre daher auch müstig anzugeben, was Wilhelmson, Johanson, Liljefors, Zorn gemalt haben. Es sei genug zu sagen, daß die Nachbildungen die Originale einfach abspiegelm rind dast die neue Zeuschrist eine Art Enzyklopädie der modernen Malere: zu werden verspricht. Gedruckte Gedichte kann man immer wieder lesen, gedruckte Musik kann man immer wteder erklingen laffen: nun baden nur glich gedruckte Malerei, die weder Stetn- zelchnung noch Photographie ist. Man kann dadurch den malerischen Eiildruck, ben der Künstler mit feinem Gewerbe beabsichtigte, jeden Augenblick Hervorrufen, ihn jedermann mitteile,l. Einige Texlblälter geben Bericht von den -ebensschicksalen uui> der Entwickelung der Künitler. Außerdem hat das Helt noch eine Tertbeckage mit einer trefsllchen Wiedergabe des charaklerisilschen KopieS Menzels, ferner Nachrichten aus dem Gebiete der bildenden Kunst.
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Die „Siebener Lamiliendlätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »hesstjche Landwirt" erscheint monatlich einmal
Zweites Blatt. 155. Jahrgang Mittwoch 19. April 1905
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Volitische Tagesschau.
Die letzte Debatte im Reichstage über die Matrikularbeitrage und die neue Zuschußanleihe gibt der „Lipp. LdSztg." Gelegenheit zu lebhaften Klagen darüber, wie ungerecht die Matriku larbeiträge sind, insonderheit den Kleinstaaten gegenüber, die eine überwiegende Arbeiterbevölkerung haben. Wenn im Reichstage gesagt worden sei, daß die Kleinstaaten selbst an den Matrikularbeiträgen schuld seien, da sie den Vorlagen der Reichsregierung nur zu bereitwillig zustimmten, so treffe dies keineswegs auf alle Kleinstaaten zu:
Wir wiffen, dast mancher Bevollmächtigte der kleinen Staaten im BundeSrat zur Sparsamkeit ermahnt und seine Abstimmungen danach eingerichtet hat. Preußen mit den größeren Staaten, die unter der Ungerechtigkeit der Matrikularbeitrage nicht so zu leiden haben, überstimmt diese Staaten aber einfach.
Es wird schon so sein und wohl verständlich ist e§ dann, wenn das lippische Blatt verbittert fortfährt:
Bekommen wir keine direkten Reichssteuern, dann haben wir allerdings alle Veranlaffung, etwas trübe in die Zukunft zu blicken. Dann haben wir uns aber nicht durch eigene Schuld zu Grunde gerichtet, sondern Preußen hat es getan. Dasselbe Preußen, das den Vorteil der gewaltigen Ausgaben einzig und allein genießt, dem die Milliarden für die Flotte in erster Linie zu gute kommen, das aber andererseits zu den Ausgaben für alle diese Zwecke pro Kopf nicht mehr beigetragen hat wie der kleinste Zieglerjunge von Lippe.
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Tie Akademien für Medizin.
Das Bemühen der preußischen UnterriSitsverwaUung, auf Kosten der Großstädte Akademien für praktische Medizin zu errichten, stößt auf Widerstand. Mit großem Eifer wurde, wie bekannt, die Begründung einer medizinischen Akademie in Frankfurt a. M. betrieben. Im Magistrat und auch in der Stadtverordnetenversammlung war die Stimmung den Absichten der preußischen Unterrichtsverwaltunq sehr günstig. Jetzt ist aber darin ein Umschwung eingetreten. Es war vor einiger Zeit ein gemischter Ausschuß zur Beratung des Mademievorschlags eingesetzt worden. Dieser "Ausschuß hat sich gegen die Errichtung einer medizinischen Akademie ausgesprochen, und es kann kaum einem Zweifel unterliegen, daß die städtischen Behörden diesem Beschlüsse zustimmen werden. Bon Interesse ist dabei noch eine Beobachtung. Mitglied des Ausschusses ist u. a. ein praktischer Arzt, Dr. Heiden. Er war früher ein eifriger Anhänger des Akademievorschlags und verteidigte diesen mit Nachdruck vor den Frankfurter Aerzten, die mit ganz wenigen Ausnahmen gegen die Errichtung einer Akademie in Frankfurt sind. Bei ihrer Stellungnahme gegen eine Mademie wurden die Aerzte vor allem von dieser Erwägung geleitet: die Ernennung der Akademie-Dozenten behält sich die Regierung vor, dadurch werden, soweit die Dozenten Aerzte im städtischen Hospitaldienst sind, die Rechte der Stadtgemeinde, die es bisher ganz allein in der Hand hatte, leitende Aerzte zu berufen, gemindert. Eine Minderung der Befugnisse der Stadtgemeinde widerstreite aber dem Interesse des Gemeinwohls. Weiter aber ist nicht gerade mit Vergnügen an der Akademie für praktische Medizin in Köln vermerkt worden, daß auch der Kultusminister für seinen Ressort die Hand auf die neuen Akademien legt. In Köln sind nämlich eine Reihe von Assistentenstellen an den städtischen Krankenhäusern mit der Errichtung der Llkademie auf Militärärzte übergegangen. Außerdem soll eine der Stellen der leitenden Aerzte beständig einem Obermilitärarzt Vorbehalten sein. Diese Erwägungen hat sich der gemischte Ausschuß der Frankfurter städtischen Behörden zu eigen gemacht. Es wird ausdrücklich kuno gegeben, daß die Erfahrungen der städtischen Behörden in Köln mit der medizinischen ölkademie für den Frankfurter Ausschuß be-
stimmend waren, die Errichtung einer medizinischen Akademie jetzt abzulehnen.
Tie Marokko-Expedition.
Die in Aussicht genommene deutsche Handelsexpedition nach Marokko wird dem Vernehmen nach im Herbst statt- finden und privaten Charakter tragen. Veranstalterin ist die „Deutsche Mittelmeer-Gesellschaft", der bereits hervorragende Firmen der Industrie und des Handels ihr Jntereffe an der Expedition zum Ausdruck gebracht haben sollen. Die Vorbereitungen für das Unternehmen sind im Gange und werden um so sorgfältiger getroffen, als die Expedition voraussichtlich längere Zeit in Afrika verweilen wird. Wie die „Rationalztg." erfährt, wollte ein spanischer Exporteur der Expedition sich anschließen. Sein dahingehender Antrag wurde aber ab- gelehnt, und das war wohl zweckmäßig, sonst könnte die Expedition im Sinne eines Zusanimengehens Deutschlands mit Spanien gedeutet werden, gegenüber dem englisch-französischen Vertragsverhältnis. Die Mitglieder der Expedition stehen natürlich unter dem Schutz des Reiches, und schon aus diesem Grunde ist es wünschenswert, daß sie nur Deutsche in ihren Reihen zählt. Es könnten sich sonst da§ politische Gebiet berührende Consequenzen ergeben. Man wird wohl bald von der Tätigkeit des die Expedition vorbereitenden Komitees hören.
Aus Tanger wird gemeldet, daß der Wert der Geschenke, welche der Sultan von Marokko dem Kaiser übergeben ließ, mehr als eine Million beträgt. Die Geschenke bestehen aus einer Tiara mit Brillanten besetzt und Diamant-Ohrringen, sowie einem Perlen-Halsband.
In Paris wird behauptet, daß ein vereinigtes englischfranzösisches Geschwader eine Anzahl italienischer Häfen besuchen wird. Diese Demonstration wird von der französischen Preffe als eine Klindgebung der Einigkeit dieser drei Mächte in der Marokkofrage in Bezug auf die französische Auffaffung gedeutet.
Wie dem ,Standard" aus Tanger gemeldet wird, beabsichtigt der Sultan von Marokko einen prinzlichen Botschafter als Gegenbesuch nach Berlin zu entsenden. Es wird für wahrscheinlich gehalten, daß der Vertreter des Sultans auch andere Länder besucht, um Sympathie für Marokko in der gegenwärtigen Knsis ku werben.
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Kirche und Schute.
— Die höhere Bürgerschule zu Lauterbach hat uns ihren gedruckten Jahresbericht zugehen laffen. Die Gesamtzahl der Schüler am Schluß des Jahres betrug 120 (91 Knaben und 29 Mädchenj. Davon waren aus Lauterbach 87 und aus anderen hessischen Gemeinden 33. Im Dezember v. I. wurde bekanntlich der Schule das Recht erteilt, auf Grund der Abschlußprüfung das Besähigungszeugnis zum einjährig-freiwilligen Militärdienst zu erteilen.
Aeuisch-Südwcstafrika.
Tie „Nordd. Alllg. Ztg." schreibt: Es sind mehrfach Klagen laut geworden, daß sich erhebliche Verzögerungen bet der Uebermittelung von Liebesgaben an die in Südwestafrika stehenden Truppen fühlbar machten. Zur Abstellung der zutage getretenen Schwirrt "ketten hat im November der kaiserlich» Kommissar und Militärin'pek- teur der freiwilligen Krankenpflege bezw. das Zentral-K'o- mitee der deutschen Vereine vom „Roten Kreuz" einen Offizier a. D. als Delegierten mit Hilfspersonal in die I Schutzgebiete entsandt. Den Bestrebungen desselben im!
Verein mit dem Truppent'ommando und den Etappen* bchörben ist es zu danken, daß alles, was möglich war>. auch tatsächlich erreicht worden ist. An dem Eifer der Behörden und ihrer Organe hat es jedenfalls nicht gefehlt; doch es lag außer ihrer Macht, den für die Schwierigkeiten^ entscheidenden Punkt, die schlechten Verkehrsverhältnisse^ zu beseitigen.
Aus Kapstadt meldet der „Cape Argus", daß das 93er* bot der E i n fuhr von Ochsen und Schafen aus! der Kaptolonie nach dem Tamaraland über Angra Pequena aufgehoben worden sei. Das Verbot werde auch für die Einfuhr über Swakopmund in Wegfall kommen, wenn bis zum 27. April kein neuer Fall von Vieherkrankung vorkomme. Man nehme an, daß keine Fälle von Rinder- p e st mehr vorliegen.
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Zer H'orzessanaröeiler-Streik in ^Limoges.
Man meldet aus Limoges vom 18. April:
Berittene Gendarmerie bewacht das Gefängnis, deffe^ Türen eingeschlagen wurden. Die Zahl der Toten beträgt zwei, von denen der eine auf der Stelle getötet wurde; der andere, der verwundet wurde, erlag zu Hause seinen Verletzungen. Drei Verwundete blieben im Krankenhause. 22 Verhaftungen wurden vorgenommen. 6Ofsiziere und 63 Soldaten wurden durch Eisenstangen, Pflaster» steine und Flaschenscherben usw., mit denen die Ausständigen warfen, mehr oder weniger schwer getroffen. Die von den Behörden angestellten Ermittelungen ergaben, daß ein* zc-lne Schüsse von den Manifestanten auf die Truppen abgegeben wurden. Eine Verstärkung der Truppen wird erwartet. Tie Flagge am Rathaus ist aus Halbmast gehißt und mit einer Trauerschleife versehen. Ein Erlaß des Munizipalrats erhebt Einspruch gegen die Anwesenheit des Militärs in den Straßen und sagt: »Die Soldaten schossen auf eine harmlose Menschenmenge^. Der^ Erlaß ermahnt die Bevölkerrrng, ihren Zorn zu bemeifteat und eine Wiederholung der traurigen Vorkommniffe zu verhüten. — Der heutige Tag ist ohne Zwischenfall verlausen. Es sind Truppen- und Gendarmerie-Verstärkungen eingetroffen. Die Eisenwarenläden werden militärisch bewacht. Unter den Schuhwaren-Arbeitern, deren Zahl ungefähr 2000 beträgt, herrscht Erregung. —Die Ausständigen durchziehen in kleinen Trupps schweigend die Straßen. Die Schuh* Warenarbeiter bcschloffen weiter zu arbeiten, die Ausständigen aber mit Geldmitteln zu unterstützen und dafür 5 Proz. ihres Lohnes zu opfern. Die arbeitswillige Be^ völkenmg heißt diesen Beschluß willkommen, weil man fürchtete, aus dem Ausstand der Schuhmacher könnte eiw allgemeiner Ausstand entstehen.
In der französischen Kammer interpellierte Reille (Kons.) wegen der Vorgänge und erhob gegen die Regierung den Vorwurf, daß diese sie ganz unvorbereitet getroffen haben. Ministerpräsident Rouvier unterbricht den Redner und sagt,i übertriebene Maßnahmen hätten viel schwerere Störungen herbeiführen können. Gauthier (Rat.) wirst der Regierung vor, den Arbeitern nichts als leere Versprechen gegeben zu haben. Man müffe sich nicht wundern, wenn sie sich zu Gewaltmitteln hinreißen ließen. Der Redner verlangt, daß eine Untersuchung eingeleitet werde, um festzustellen, wer verantwortlich zu machen sei. Vaillant (Soz.) sagt, daß die Verantwortung dem Ministerium zugeschrieben werden müffe, welches die Arbeitgeber gegen die Arbeiter in Schutz nehmen Vaillant tadelt das Verhalten der Arbeitgeber, von benett einer, wie er sagt, die Schamlosigkeit gehabt hat, eine fremde
Kleines Keuillelon.
Man schreibt uns aus Frankfurt a. M.: Ein Sieb -om verabschiedeten Offizier und seinen Kämpfen um die Eristenz im bürgerlichen Leben war die Novität der Montagsvorstellung: „A u ß e t ® i c it ft7' von Waah (Abkürzung des Namens Wangenheim. D. Red. des „Gieß. Anz."). In einer ungewöhnlich ausgedehnten Exposition mit einer Menge von Leuten, die wir später nicht wieder zu Gesicht bekommen, erfahren wir endlich, daß der verabschiedete Hauptmann von Friese eine gut bezahlte Vertrauensstellung an der Seebank erhalten hat. Im 2. Akt erweist sich diese Pommersche — wollte sagen Seebank, als Schwindel-Unternehmen. Der vertrauensselige Friese wül sich .erschießen, wird aber durch seinen alten Regimentskameraden Dörflin, jetzigen Dizekonsul in China, vor dem übereilten Schritte bewahrt. Von dem bürgerlichen und dem Ehrengerichte als Ehrenmann an-rkannt, will er sich mit Hilfe seines Freundes in China eine Existenz gründen; aber seine Frau, die ihm rn all den schweren Tagen fremd geworden rst, hat bte Absicht,, sich von ihm zu trennen. Der prächtige Sohn, der seine Osfizlers- karriere opfert, um mit dem Vater zu gehen, heilt am Schluß den Riß glücklich wieder. Die Damen Boa) und Harnisch- fener, die Herren Bauer (Fries-e), Ziegler (Sohn^ und Diegelmann Dörflin) suchten der ziemlich zerfahrenen Handlung so viel Leben als möglich einzuhauchen. Ihre Bemühungen wurden vom Publikum dankend anerkannt. — Um ben Abend zu füllen, begann die Vorstellung mit der Erstaustubrung einer einaktigen „Plauderei" von Fr. Wangenherm DieAr fcerr Mannheim ist der verstorbene Intendant des Großh. Theaters in Oldenburg Major v. W., wohl em Ohe.m des Herrn Wagh" D. Red.) „Z e b n t a u f e u d F u ß h o ch". In enter Schutzhülle des Groß-Venedigers trifft Kurt vvn Golm zufällig mit der Witwe seines Vetters zusammen,, mit dem er wegen seiner Mesalliance mit der stiiheren-Schauspielerin den Verkehr abgebrochen hatte. Sie bezaubert ihn so, daß er tote aus den Wolken gefallen ist, als sie sich zu erkennen gibt Er bekennt, daß sie ihn gestraft, wie er es verdient. Der leider störte söhnun-gskuß läßt feie Fortsetzung ahnen. Jyri, ©ebtotö L a n.ge und Herr Bauer führten das, neckische L^ortgeplankel gewandt nnb launig durch. Auch die Dialektrollen waren durch die Herren Vayrhammer, Schwarz rmd D a n e b o r g gut besetzt •
— Frl. Donecker vom Mannheimer Hoftheater, die für Pie nächste Spielzeit bekanntlich an das Gießener Stadt- Theater engag ert ist, hat dieser Tage am Heidelberger Stadt- Theater die Marie, die Schwester der Magda, in nm ermann. „Heimat" gespiell und bei Publikum und Preise Beifall gesunden.
— Zu Ehren des berühmten Jenerffer Professors und Naturforschers Ernst Häckel, der seit einigen Tagen in Bersin weilt, fand dort int Zoologischen Garten ein Kommers statt. Der Prediger der Berliner freireligiösen Gemeinde Dr. Bruno Wille begrüßte Prof. H. mit einer Ansprache. Er zog einen Stamm märchenhafter Südsee-Jnsulaner heran, bei welchem die Männer alle Jahre auf die Palmbäume klettern müffen, worauf die Weiber versuchen, sie herabz-uschütteln, um sie dann vor Liebe aufzufressen. Ein Mann, bei dem alle Abschüttelungsversuche nichts nutzten, sei Emst Häckel. Bald erhob der also begrüßte Forscher sich, um für die ihm erwiesenen Ehrungen zu danken. Zu der hünenhaften Gestalt des 71 jährigen Gelehrten steht seine seine Stimme, die wie geschaffen ist zu sarkastischen Pointiemngen, in auffallendem Gegensatz. An manche Anspielungen Willes knüpfte der streitbare Herr an, um in allerhand hübschen Anekdoten seine Stellung in den Kämpfen der Gegenwart zu kennzeichnen . Von seinem einjährigen Aufenthalt in Berlin vor Jahren wußte er zu rühmen, daß er in dieser Zeit als Arzt kein einziges Menschenleben sich aufs Gewissen geladen habe. Das lag daran, daß er als Mann der Theorie keinen rechten Sinn für die Praxis gehabt und daher seine Siwechsllrnden auf die Zeit von morgens 6 bis 7 angesetzt hat. Drei Patienten, Hausgenossen, habe er in diesem Jahre an Unfallverletzungen behandelt, und alle drei seien am Leben geblieben. Weiter erinnerte Häckel an den einzigen Orden, dessen er sich rühmen kann. Der verstorbene 6sioßherzng von Weimar, ein jovialer Herr, habe sich einN einige Tierbilder, darunter das eines weißen Falken, bei einem zufälligen Besuch von ihm ausgebeten, und als Gegenleistung habe er dann den Orden vom weißen Falken bekommen. Pietätvoll gedachte Häckel dieses Fürsten. Bebel möge recht gehabt haben, als er im vorigen Jahre im Reichstage gesagt habe, da5 ein Naturforscher seines Kalibers längst aus einer preußischen Universität hinausgeflogen wäre. Hierauf feierte Wilhelm Völsche dm Naturforscher und Kämpfer Häckel in einer gehaltvollen Rede. In der zwölften Sllmde erhob sich Häckel zu einer zweiten Rede, in der er rühmend der Gastfreundschaft gedachte, die er hinter Klostermauern gen off en. als er vor Zeiten auf einer dalmasinisch-en Insel wissmschaftlich tätig war. Der Prior sei nicht allein ein feiner Weinkenner, sondern auch ein vorurteilsfreier Mann gewesen, der feinen Goethe verehrt.
— DasgrößteTheater derWelt, das Newvorker „H i p p o d r o m", wurde dic'cr Tage eröffnet. 6000 Sonic waren anwesend: jeder Platz hatte 100 Mk. gebracht. Das Gebäude hat einen Aufwand von 6 Mill. Mk. erfordert; es soll als ZirsilS und für Balletts, Melodramen, lebende Bilder und Wafferschau- spiele dienen.
— „W i e Oskar Wilde s i ch Salome träumt e".,


