Ausgabe 
18.3.1905 Zweites Blatt
 
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Vermischtes.

* Neuwied, 16. März. Wie die ,Neuwied. Ztg." hört, ist die im Jahre 1860 vor dem hiesigen Schwurgericht wegen Teilnahme an Gattemorde zum Tode vec* urteilte und später zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigte Fra u Witwe Joh. Meder aus Ehrenbreitstein durch Erlag des Königs im Gnadenwege aus dem Zuchthause Siegburg entlassen worden. Die Verhandlung, m der die Witwe 2)1 verurteilt wurde, sand 1860 vor dem Schwur­gericht in Neuwied statt. Gleichzeitig wurde mit ihr wegen desselben Verbrechens der Privatlehrer Jos. Keller aus Koblenz zum Tode verurteilt. Beide hatten m der Nacht vom 24. zum 25. Februar 1860 den Wirt und Fuhrunternehmer Joh. Meder, den Gatten der Verurteilten, erschlagen. Auch bei Keller wurde die Todesstrafe in lebenslängliche Zuchthaus- strafe umgewandelt. ,Er ist vor mehreren Jahren im Zucht- hause in Aachen gestorben.

* Brenien, 16. März. Am 19. Februar wurde die Witwe des Apothekers Jahn ermordet. Gegen 7 Uhr morgens haben Nachbarn sie furchtbar schreien hören. Einige Stunden später bei der amtlichen Besichtigung des Tatortes wurde sie nur mit Hemd bekleidet mit durch­schnittener Halsschlagader tot auf dem Fugboden ihrer Schlaf­stube liegend gefunden. Geraubt wurde nichts, auch nichts .-durchsucht. Am Tage vorher abends wurden zwei Männer -in unmittelbarer Nähe des Tatortes beobachtet. Der eine «trug einen schwarzen Ueberzieher und einen schwarzen Schlapp­hut. Er hat in der Veranda vor dem Hause der Ermordeten auf einer Bank gesessen und in gebückter Stellung die vor dem Kellerfenster befindlichen Eisenstäbe betrachtet. Durch dieses Kellerfenster ist der Täter eingestiegen. Der zweite Mann trug einen braunen Schlapphut, er hat sich schräg vor dem fraglichen Hause aufgehalten. Für Ergreifung und lieber* führung des Mörders hat die Staatsanwaltschaft zu Bremen eine Belohnung von tausend Mark ausgesetzt.

"Für die Gräfin Montignoso, der, wie ge­meldet, die Apanage und die Zinsen ihres Vermögens ge­sperrt worden sind, soll nach einer Meldung derSachs. Arbeiterztg." in bürgerlichen Kreisen eine Sammlung ver­anstaltet werden.

* Zur Mannheimer Mordaffäre wird gemeldet, daß sich der Ausläufer Oehlrich am Vormittag des 4. März (dem Mord tage) auf dem Wege zu Stabsarzt a. D. Dr. Müller befand und dabei einen Mann bemerkte, der ein Packet unter dem Arme hatte und auf der Straße auf und abging. Bei

der Konfrontieung mit Decker will Oehlrich mit aller Be­stimmtheit den Mann wiedererkannt haben, den er gesehen hat. Schon vor der Gegenüberstellung hat ihn Oehlrich in so auffälliger Weise beschrieben, rote Becker tatsächlich aussieht.

*K'leineTageZchronik. In Toulon explodierte in einem Cafö ein Acethlen-BehLlter, wodurch die beiden Eigen­tümer des Cafes getötet und 12 Gäste verletzt wurden. Das Cafö wurde vollständig demoliert. Ein orkanartiger Sturm, der an der bretonischen Käste wütet, zerstörte das franko- cnglische Kabel. Der Seegang ist hoch. GS werden zahlreiche Schlfisunfalle befürchtet. Zwischen Bütow und P o m e i s k e (Pommern) wurde der Landwirt Naumann mit seinem Fuhrwerk vvn einem Zuge erfaßt. Das Fuhrwerk wurde zertrümmert und Naumann so schwer oerletzt, daß er alsbald starb. Die Pferde waren vor dem herannahenden Zuge scheu geworden. Bei einer Skitour stürzte ein Bahnbeamter im Ampezzo-Tale (Tirol) 100 Meter tief ab, konnte indes gerettet werden. In Rixdorf (bei Berlin) hat in der vergangenen Nacht eine SchuhmacherSsrau, weil ihr eine Klage wegen einer alten Schuld drohte, ihr zweijähriges Söhnchen und dann sich selbst durch Erwürgen ums Leben gebracht. In Leipzig hat im Jähzorn ein Rohrleger seine F-rau nach voraufaegangenem Streit in den Keller hinabgeworfen, wobei sie das Gknicf brach. Er wurde verhaftet. In Beckingen ist in der P o st a n st a l t eingebrochen worden. Es sind 4500 Mark an Wertbriefen gestohlen worden. Der Einbruch geschah vom Keller aus. Der Postverwalter sowie der Postgehilfe schliefen im Nebenzimmer, haben aber nichts voff dem Einbruch bemerkt.

^andwlrtjchast.

D a§ V o l u m g e w i ch t d e s hessischen Getreides vorjähriger Ernte. Ter Hessische Landwirtschaftsrat Hal in der letzten Nummer derHess, landw. Zeitschrist" das Ergebnis der Ermittelung des Volumgewichts der 4 Hauptgetreideanen im Grobherzogtum Hessen für das Jahr 1904 veröffentlicht. Tie Bolumgewichte betragen hiernach im Durchschnitt aller Proben und für das ganze Großherzoglum Hesten pro 1 hl 76,1 kg bei Weizen, 73,9 kg bei Roggen, 67,6 kg bei Gerste und 45,8 kg bei Haier. Tie Hektolitergeivichtszahlen von Weizen, Roggen und Gerste können hiernach als gute und normale bezeichnet werden. Dagegen bleibt das Hekto.lllergcwicht des Hafers un vergangenen Zahre hinter den normalen Zahlen zurück, was mif die für Hafer ungünstige Witterung des vorigen Sommers zurückzuführen ist und übrigens für die anderen Gegenden Deutschlands ebenso und sogar in verstärktem Maße zulrifsl.

und Uerliehr. Volküwirlschafl.

Anleihe der ta b t Bingen. Man schreibt unS: Die Nationalbank für Deutschland in Berlin und die Bankfirma Hermann Wartl-eim in Maiümrg übernahmen durch Vermittelung her Danksirma Jacob Wolff u. Co. in Frankfurt a. M. 2 Mill. Mark 3Vl> Proz. Anleihe der Stadt Bingen, unkündbar bis 1910, freihändig behufs Konversion 4proz. alter Anleihen.

Märkte.

Gießen, 18.März. Marktbericht. Auf heutigem Wocbenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 0.95-1.05 Alk., Hühnereier 1 Ct. 6-7 Big. 2 Slck. 0000 Pfg., Gänseeier 0000 Psg., Enteneier 70 Pfg^ Häfe vr. Stck. 68 Ps., Käsemalle 2Stck. 56 Psg. Erbsen pr.Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter32 Pfg., Taubenvr.Paar0,80 0,90Mk., Hühiier pr.St. 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stiick 0,801,80 Mk., Eliten pr. Stück 1,802,20 Alk., Gänse vr. Pfd. 5565 Psg., Ochsenfleisch pr. Pfmid 7080 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6268 Pfg., Schweine- fleisch pr. Pfund 6072 Psg., Schlveinefieisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 7074 Pfg., Hammelfleisch pr. Psiiiid 5074 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,006,50 Mk., Ziviebeln pr. Ztr 8,0010,00 Alt., Milch per Liter 18 Psg., Aepfel per Zentner 0 bis 0 Alk., in Korben 0000 Pfg. Nüsse 100 St. 00-00 Pfg. Zwetschen per Zentner 0.00-0.00 Alk. Birnen per Zelitner 6 bis 0.00 Mk. Weißkraut 0.100.15. Marktzeit 82 Uhr.

Butzbach, 17. Mürz. Der gestrige Fasel markt bewies wieder seine alte Anziehungskraft, indem der Auftrieb an schönem prämiierungswürdigcm Vieh well stärker war als in den Vor­jahren. An Rindvieh mögen wohl annähernd^600 Stück zur Schau gestanden haben. Die hier so beliebte Simmentaler Rasse war bei iveitem vor herrsch vertreten. Gehandelt wurde ziemlich. Besonders wurde besseres Zuchtvieh sehr begehrt. Auch der Sch weine markt war gut befahren. Hier waren die Presse in die Höhe gegangen. Bezahlt wurden für das Paar Ferkel 4555 Mark, für Cinlegeschwerne 85110 Mark das Paar. Trotz dieser hohen Preise blieb wenig Ware überständig. (B. Z.)

w. Frankfurt a. M., 17. März. Heu- u )i b Stroh- ma r k l. Heu kostete heule Alk. 3.20-3.50, Stroh Alt. 2.10 bis Alk. 2.30. Alles per 50 Kilo. Tendeiiz: fest.

Kriefluisten der Redaktion.

Z. Iv. Tas gesetzliche Güterrecht ist seil bem Znkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches grundsätzlich das der sog. Verwaltungs- gemeinschafl; darriach hat die Ehefrau an dem, was in der Ehe errungen wird, kemen Anteil. In Hessen galten bis zum Jahre 1900 im Ganzen 17 verschiedene Güterrechte, welche durch das Hess. Ausf.-Ges. z. B. G.*B. in verschiedener Weise in das Recht des B. G.-B. übergeleitet ivorden sind. Für eine vor 1900 ge» schloffene Ebe bleibt gemäß Art. 200 des Eiuführungsgesetzes zum B. G.-B. das bisherige Recht niaßgebend, nach welchem Die Ehe geschlossen worden ist. Diese Bestimmung kann aber durch die Ausführungsgesetze der einzelnen Bundesstaaten gemäß des er» ivähnten Art. 218 geändert »verden, wie es auch in Hessen geschehen ist. Ta Sie uns nicht mitgeteilt haben, wann mid ivo Sie gehei­ratet haben, so sind wir nicht in der Lage, Ihnen eine nähere Aus- junft geben zu können.

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Schluss s

Worauf es ankoinmt!

Wenn es noch keute gibt, denen Malzkaffee nicht schmeckt, so liegt das einfach an zwei leicht zu vernreidenden Fehlern. Entweder hat man nicht den richtigen Alalzkaffee eingekauft der echteKathreiners Walzkaffee" kommt nur in geschloffenen Paketen mit dem Bilde des Pfarrers Kneipp zum Oerkauf oder man hat ihn falsch zubereitet, wird Kathreiners Malzkaffes richtig zubereitet, so ist er nicht nur das gesündeste, sondern auch das angenehmste tägliche Getränk, sei es, daß man ihn als vollkommenen Kaffee-Ersatz trinkt, sei es, daß man ihn als Kaffee-Zusatz, oder, was immer mehr Anhänger findet, als Zllsatz zum Kakao genießt. Kathreiners Malzkaffes muß aber auf eine ganz bestimmte Art gekocht werden, wenn er seinen ausgesprochen feinen Geschmack voll entwickeln soll, nämlich

f0 zu fein mahlen. Einen grossen Topf nehmen.

gl Nicht überbrühen, sondern mit kaltem Wasser ansetzen. || Langsam zum Kochen bringen. Zeitweilig umrühren und

I 35 Minuten langsam kochen lassen. Vom Teuer rücken | und einige Löffel kaltes Wasser zugiessen. Hierauf noch | ~ Minuten ruhig stehen lassen; dann abgiessen. Gekochte,

| gute Milch, möglichst Saline, dazu nehmen.

wenn man Kathreiners Malzkaffes genau nach dieser Vorschrift kocht, dann wird jeder, der ihn trinkt und bisher falsch znbereitet hatte, hoch­befriedigt sagen:

3a, das ist freilich etwas ganz Anderes!"

Anmerkung: 5lls Kaffee-Zusatz verwendet man den ^Kathreiner", indem man den ge- mablenen Bohnenkaffee mit dem wie oben zuberelleten kochenden Malzkaffes überbrüht. Beste Mischung: halb und halb. Hls Kakao-Zusatz verwendet man denKathreiner", indem man in eine Tasse xj4 Kaffeelöffel Kakao und etwas Zucker tut und beides mll dem wie oben zubereiteten und abgegossenen Malzkaffee moglichll heiß verrührt. WSL

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