Ausgabe 
14.12.1905 Erstes Blatt
 
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Orle, und hat c3 bcn Agrariern lange geholfen, muB cS l ,uch den Städtern endlich glücken, ?u einem Ziele 311 kommen. Es ist bedauerlich genug, das; lautestes Schreien heutenottvendig ist, wenn man etwas erreichen will. ________

Ausland.

London, 13. Dez. Ter neue Minister Burns, welcher von Prosession Mechaniker ist, hat anläßlich 1-' ^Trnt* *ntritteS beschlossen, 120 000 L st r l., w .<cr durch die Lnblkriptwn der Königin iür die Arbeitslosen nvfgebreebt itnirbe, a n die Arbeitslosen zu verteilen. _

London , 18 T v'eiti s nd lieber eine 4. cm," n - strati 0 n von .V e s ch ü s t i g 1: n gsl osen statt. '--';C'0,:rc tausend Mann.marscknertcn nach dein Hause Carnrvell ^aunermans Vannennan empfing eine Tevntetion. ^ie eiln-'.'mer em Zuge trugen Banner mit den Aufschriften: .-Wir 1 votiert Arbeit, keine Almosenund:Wir ivollcn nicht v t r l)nna ern . Eine Abteilung trug ein rotes Danner mit einem Totenwm und gekreuzten Kiwchen. Beim Empfang drückt^ Premrermnnster Eanwbell-Bannerman sein nusrichtiges Mitgefühl mit der ~agc der Arbeitslosen aus, crfi.irtc aber, bevor er eine enbffiltmc Antwort erteilen könnte, mir'ic er sich ntit seinen Ministerkollegen besprechen und die Angelegenheit in sorgfältigste Erwägung Sieben. Ter Präsident der lokalen Verwaltung John Burns,, der dem Empfang l>eiwohnte, brüdlc ebenfalls sein Interen.e für Die Arbeitslosen ans und versicherte, das; alles, was bej den be­schränkten Kräften der lokalen Verwaltung 'gi ,tun möglich ,ei, auch in entgegenkommendster und schnellster W^i'c gcsc.'chm werbe-

Paris,'13. Tes. DasEcho de Paris" bringt folgende (sich als unverantwortlich tendenziöse Erfindung kennzeichnende- Nachricht aus Tanger: Nach Meldungen aus tfcj ist der Sutlan seit der Astreise der Gesandten sehr iinschllcstig. Wie es heißt, hat Graf Tattenbach die lebten Tage am Höre des Sultans dazu benutzt, dem Sultan n>e i t g e h en d e 5^.o ff- nun g en in Bezug auf das Ergebnis der M ar0 kko -K'o n - ferenz zu macken. Unter anderem habe er dem Sultan ver­sichert, daß, wenn augenblicklich auch Deutschland Hand in janb mit Frankreich gehe, dies nur v 0 r - läufig geschehe. In "llaeeiras aber werde Deutschland die Interessen Marokkos vertreten.

Ter Präsident der Republik unterzeichnete einen Erlas: des Kvloniolminisrers, durch welchen dem gegenwärtig 111 den französischen Besitzungen von Westafril'a, sowie in ^wan- rösifch-Eongo von den Eingeborenen betriebenen Sklaventaufch und Sklavenhandel ein Ende gemacht werden soll. Bisher waren von dem Verbote des Sklaveulmudels nur die, Fran- ..ofen betroffen. Nunmehr sollen alle biejenirrey, welche Sklaven­handel treiben, ohne Anselmen der Nationalität oder Rasse mit Gefängnis und Geldbuße bestraft werden.

Wien, 13. Dcz. Abgeordnetenhaus. In der Be- rntwortung einer In!eichellation wegen der beabsichtigten Wieder­einführung der SchiffahrtSabgaben auf der Elbe ew klärte der Leiter des Handelsministeriums Graf Anersperg, das; seiteiis der deutschen Regierung keine derartige Anregung erfolgt sei. Di sich die Regierung der Bedeutung, der verlragsmagigen Abgabensreil-eit für die heimischen Interessen wohl bewußt ^ sei, so sei sie eben aus diesem Grunde gewillt, an den Grundsätzen des geltenden Vertragsrechtes festzuhallen.

Budapest, 13. Tej. Die anti.maghare Bewegung unter den Rumänen in Siebenbürgen schreitet fort. Im Gebirge von Tvpanfalva wohnend' Rumänen bringen bewasinet vor und stecken ungarische Dörfer in Brand.

K 0 n st a n t i n 0 p e l, 13. Dez. In der von den Botschaftern der Pforte überreichten Kollektivnote lehnen die Botschafter eine weitere Modifikation der Bedingungen ab, haben aber gegen die Einstellung der Militärausgaben in das maze­donische Budget nichts einzuwenden, falls ein eventuelles Defi­zit entsprechend dem Artikel 12 des Abkommens zwischen der Ottome.nba.A und der Pforte ans der Dmiane-Einnahme gedeckt wird. Tie Zurückziehung brr internationalen Flotte ist noch nicht verfügt. _ ... ..

Washington, 13. Tez. Ttni Staatsdepartement ift btc Mitteilung zugegaugen, daß das Bestreben, den Zeitpunkt des W i e d e r z u s a m m e n t r i t t s d e r H a a g e r K 0 n f e r e n z zu verabreden, für jetzt a u fg e s ch 0 b e n worden sei, weil die Einzel­heiten des Programmes nickst vereinbart werden könnten, bis in

b.-r Angelegenheit ein direktes Bor gehen seitens der Schvociz erfolge.

Der K eifer von Korea hat eine S'x-zialmnfwn hier­her gesandt, um bei der Union Regierung Einspruch zu erbeben wogen des BI ißbrauchcs der kaiserlichen Unter­schrift anläßlich der Unte^ich Aiung des iapanisch-korea- nischen Vertrages, welcher unter Drohungen ver­mittels Bajonetten dem Kaiser anfgezwinigen sei. Der Kaiser läßt durch die Gesandtschaft erklären, daß er sich mit der Unterzeichnung des Vcrtrw völlig in der Gewalt derIapaner befunden habe und daher >0 i d e r s e i n c n SB i H e n handeln mußte.. Die Spezia' st'n-s.mdt ' .ft hat diese Tatsache Dem Staatssekretär des Aeusnrn d-rgelegt, welcher mit dem Präsi- brirten Roosevelt eine Rücksprache hatte. Bisher hat die amerika- nische Regierung eine Intervention ab gelehnt, weil sie die Unterschrift des Kriß»rs von Korea als bindend erachtet.

Aus Htndl und Land.

Gies?en, 14. Dezember 1905.

* In ?ludienz empfangen wurden am Msttivocb von S. K. H. dem Großherzog u. a. Dekan Münch von Scholten, Beigcordn. und Feuerwehrkommandant Eellarius von Schotten, Be-irkSvorsteyer in der Kriegerkameradschaft Hassia" Biehl von Nainrod und Landivirt Reis von Steinfurt.

RuhestandSversetzung. S. K. H. der Groß- herzog haben den eoanq» Pfarrer Theodor Heuß zu ArmSheim auf sein Nachsuchen unter Sliicrfennung seiner treu geleisteten Dienste, mit Wirkung vom 1. April 1906, in den Ruhestand versetzt.

* Ordensverleihung. S. K. H. der G r 0 ß h e r z 0 g haben dem Forstwart der Forstwartei Seeheim, Förster Matthäus Pfänder zu Jugenheim aus Anlaß seiner Ver­setzung in den Ruhestand da? Silberne Kreuz des Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen verliehen.

* * Erledigte Stellen. Erledigt find: die Forst - wartei Seeheim (Oberförsterei Jugenheim); die mit einem evang. Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle an der Ge- meindeschnle zu Offenthal, Kreis Offenbach.

* D i e ZN ein k i n der bem a hr an st alt hält die kirchliche Feier ihrer C h r i stb e f ch e rn n g nächsten Sonntag, 3. Advent, nachmittags 3 Uhr, in der J ohannes- Lirche ab.

Sau gl in gs he im. Von ärztlicher Seite angeregt beabsichtigt man in unserer Stadt die Gründung eines Säuglingsheims verbunden mit einer Einrichtung zur Herstellung sterilisierter Milch. In dem Heim sollen weniger bemittelte Mütter ihre Kinder unter 1 Jahr gegen mäßige Entschädigung, eventuell auch unentgeltlich, in Pflege geben können. Derartige Säuglingsheime bestehen bereits in den Universitätsstädten Marburg und Heidelberg und haben sich dort als segensreich bewährt. In den sich dafür interessierenden Kreisen hofft man auf eine Förderung seitens der städtischen Behörden in der Weise, daß die Stadt gegen eine mäßige Pacht auf längere Jahre das Gelände für die Anstalt zur Verfügung stellt.

" Eine humorvolle Zählkarte erhielt ein Zähler gelegentlich der VolSzählung von einem älteren alleinstehen­den Dorfbewohner. Unter Verwandtschaft zum Hanshaltnngs- vorstand stand das Wortnein", bei Punkt 3 Familienstand war unterstrichenledig" undverwitwet", seinen Haupt­beruf bezeichnete er da er glaubte, er solle zu der ©teuer herangezogen werden alsimmer krank", seine Religion wardeutsch" und unter Staatsangehörigkeit prangten die bedeutungsvollen Wortebezahle keine Stenern." Obwohl

er nicht Soldat gewesen, hatte er unter Punkt 11 Dienstzeit" die Zeit angegeben, in der er früher q;i: Mühle als Knecht gedient hatte.

-h- Garbenteich, 13. Dez. Schon seit längerer wird die Wahrnehmung gemacht, daß die hiesigen 3 c jungen mit den Steinbacher JungenKrieg" Am letzten Sonntag wurde abermals ein derartiger ausgefochten, wobei die Chauffeesteine eine Hauptrolle stj Ein neunjähriger Junge, der Sohn bc§ Jakob Walll^ erhielt hierbei einen Wurf in? Gesicht und erlitt nid' 1 erhebliche Verletzungen. Anzeige ist erhoben.

§ Queclb 0 rn, 13. Dezember. Ein interessa Gänsegeschäft machten die Verkäufer in unsererGe Da die Qualität der Gänse weit bekannt ist, stellen fuT diese Zeit viele Käufer ein. Die ersten nahmen die ( gegen die Zusicherung, den höchsten Preis zu bezahlen. Gänfchändler, der von dieser Abmachung hörte, fmm. die kleine Zahl unverkaufter Gänse auf und befahl!? - Pfund mit 75 Pfg Notgedrungen müssen mm die Händler den gleichen Preis bezahlen.

Bensheim, 13. Dez. Bei den gestrigen Sia.", verordneten mahlen siegte die ZentrumsIT Gewählt wurden: A. Feigel mit 809, C. Haan mit ? W Euler mit 765, C. Grün 746, L. Hoehlinq 582, ?- Wiegand 480, G. Jost 434 Stimmen. Abgestimmt V- 3 946 Wahlberechtigte.

Eingesandt.

(Für bcn Inhalt bet Rubrik ficbnibcn

übernimmt die Redatt ' ' - -likiun geg-nfb r s Verantwortung.)

Gießen, 12. Tez.

Mit Reckst ist das Stehenbleiben mehrerer Personen nu< Bürgersteige volizeilich untersagt. Sehr erstaunt war ich nun -4 ich heute vor 12 Uhr, also um die Zeit des stärksten BalmvEg ivo viele nach der Balin müssen, die B ü r g e r st ei q e > oberen B a h n h 0 s sl r a ß e «vorn Postamt bis Hotel flubnf 3 Händlern besetzt fand, sodaß die Paffanten die ftafitTj benutzen mußten. Ist den Händlern gestattet, die Bi'irgerfteixe^ oberen Babnbofstratze mittags vor 12 Uhr besetzt zu halten?

Foraelitifchc Neligiortsgcmcindc. ^otlesdien ' in der 5y"agog, (SüDflnfag#). Samstag den 16. Dezember 1905.

Vorabend 4.30 Uhr.

Morgens 9.00 Uhr.

Nachmittags 3 30 Uhr.

Sabbathausgang 5.15 Uhr.

Israelitische Religionsgesellschast.

(AottfsbUnft.

Sabbathsoier am 16. Dezember 1905:

Freitag abend 4.00 Uhr.

Samstag vormittag 8.30 Uhr.

Nachmittags: 3.30 Uhr»

Sabbathausgang 5.15 Uhr.

Mochenaottesdienst: morgens 7.00, abends 4.00 Uhr

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letzten Zeit sich immer mehr vervollkommnet nnd ist deni rechten Ebenmaße nahegekommen. Vielleicht entfacht er in sich auch noch die Gluten mitreißender Leidenschaftlichkelt.

Den Gegensatz, in den der Dichter seinen frischen Nankleros zu der viel tiefer und auch feiner gestimmten Natur des Leander gesetzt wissen ivollte, hatte Herr Goll voll­kommen verstanden und brachte ihn zit richtigem Ausdruck, nur gab sich der Humor de? zuversichtlichen Lebenspraktikers mehr modern-bürgerlich, nicht sagen wir mal: antik genug. Herr Witt mann brachte ein tiefes Verständnis für den Gedankeninhalt seiner großen nur zu greisenhaft gestalteten Sprechrolle entgegen nnd verwechselte keineswegs, wie mancher andere Darsteller dieser Rolle, priesterliche Würde mit kanzelrednerischer Salbung. Er gab der schönen Melodie seiner iveisheitSvollen Reden die rechten geistigen Accente. In den letzten Szenen vermißte man freilich namentlich mimisch die tiefe innere Erschütterung. Die schwierige Kunst des Ziihörens mimisch zu beherrschen, ist wenigen gegeben. Die Art, wie man zuhört, wie da? Gehörte wirkt, neue Gedankenwendungen oder einen Entschluß bei dem Hörenden nnfpinnf, ist von den meisten unserer Darsteller noch eifrig zu üben. Herr W. führte im übrigen die Regie mit Ver­ständnis. Daß er sich aber die schönen Verse von der Sammlung" im 3. Akte gestrichen hatte! Und warum hörte mau im 4. Akte nichts vom Sturm, der doch Leander das Leben raubt ?

Frl. D onecker gab die Janthe recht gefällig, auch mit her nötigen Kraft in der Rede. Die Herren Mendel und Lippert (in der ganz znsammengestrichenen Rolle des Vaters der Hcro) nnd Frau M i l a r wirkten zweckentsprechend mit. P. W.

*

Ein dem Großherzogtum Hessen ge­widmetes Prachtwert von außerordentlicher Schön­heit legte der Kunstverlag von Karl Muland in Frankfurt am Main auf den deutschen Weihnachtsbüchertisch. Tas unserem verehrten Großherzogspaarc zngecignete Werk betitelt sich:Hessen. 45 Ansichten nach der Natur auf­genommen. Begleitende Worte von Wilhelm Holzamer". Zunächst der Einband. Er wurde entlvorfen von Prof. I. M. OUnstch in Tar-mstadt und zeigt in feiner, aparter Stilisierung das goldgewirkte ©tanrmivappcn des hessischen Fürstengesmlechts aus gra.ugrünlichent 65rimbe. Tas erste Kunstblatt bringt die Porträts von Großhcrzog und Groß­herzogin in meisterlicher veliogravüre. Dann folgt der zert. ein Aufsatz Holzo.rncrs, des talcntreichen und fein­fühligen rheinhessischen Poeten, der seine unfruchtbare Pariser Periode überwunden hat und zurzeit in Berlin einer neuen, hoffentlich erfolgreicheren Schaffensperiode der Rückkehr zu sich selbst entgegengcht. Er hat ihnZur Ge­schichte des Landes" überschrieben. In seiner zartglicdern- den, verinnerlichten, einbildungsreicheit, dem Romantischen holden Art läßt er die Fülle, der Geschicke Hessens von Hcüher Zeit bis auf die Ocgcriixirt an uns vorüberziehen. Ev charakterisiert so kurz als treffend und eindringlich Sitte

und Wesen des hessischen Volkes und seiner hetworragenderen Fürsten, rühmt Ludwig X. und tadelt die Minister du Thil und Talwig'c, um schließlich Ernst Ludwig, dem gegenüber ich H. ja nicht sonderlich bau 16ar errviesen hat, als einen bcn Bedürfnissen der Neuzeit in besonderem Maße ent- gegenrommenden" Fürsten uowahrhaft modernem Sinne", lebhaften und beweglichen Interessen für die Brunst", von Unvoreingenommenheit und Borurteilslosigkeitz", sowie des HessenvolkesTreue und Lrebe zu sich selbst, die Festigkeit in seinem Wesen und CharaU.er" zu preisen. Ten zweiten Teil des schönen Werkes bildet eine zugleich anschauliche und anmutige Schilderung her einzelnen Provinzen des Landes, die unterbrochen wird von 45 prächtigen Ansichten >cr bemerkenswertesten Balten und lieblichsten Landschaf­ten des Großherzogtums. Diese ausaezeichneten 45 Kunst­blätter sind Heliogravüren uno Lichtdrucke aus der Kunst­anstalt von I. B. Oberneiter in München und legen, wie das Buch in seiner Gesannerschcinung, rühmlichstes Zeug­nis ab von der Höhe deutscher Duchtechnik. Es sei cm dieser Stelle nur gesagt, was uns das einzigartige Prachttverk aus Oberhessen zeigt: Da sehen wir Friedberg und Nau­heim, diese freilich, ganz ausnahmsweise, in nicht be­sonders günstigen Auftlahmen; die Ruine Münzen­berg und Kloster Arnsburg in außerordentlich scharfen und zugleich höchst pittoreslen Auftrabmen; dann vier sehr schöne Gießener Bilder, eine Gesamtstadtansicht von der Höhe der Grünberger Straße aus, die neue Bibliothek mit ihren seltsamen Ecktürmen, die Universität und Gleiberg; weiter das gartenumrahmte Alsfeld und schließ­lich eine reizende Partie aus dem Schloßpark von Lich. In seinen Ausführungen über unsere Provinz Oberhessen macht Holzamer zutreffende Demerkunaen von ihrer Bewohner zäher Ausdauer und hartem Flecß", ihrem rigenerstarrten Wesen, das der Zugänglichkeit keine Pforten ließ" usw. Ter Dichter zeigt auch' in der Schilderung der oberhessischen Landschaft und ihrer Bevölkerung sein scharfes Auge und seinen scharfen Verstand, seine lyrische Empfindsamkeit und novellistische Tarstellungsninst. Einzelne kleine tatsächliche Ungenauigkciten stören nicht. -- Tas Hessen-Werk kostet, in Goldschnitt gebunden, 20 Mk. und ist wohl die schönste Zierde des diesjährigen buchhändlerischen Weihnachts­marktes für Hessen.o.

Artur Schnitzlers neue dreiaktige Komödie Zwischenspiel" (Verlag von S. Fischer in Berlin) hat bisher bei seinen Aufführungen in Wien, Berlin, Nürnberg u. a. O. freundlichen, immn auch nicht ganz ungeteilten Beifall gefunden. Man begriff die fein differenzierten Menschen Schnitz­lers nicht, die abseits vorn breiten Pfade der Alltagsmensckien wandeln und verlangte Turch-schnittsrienschen. Es ist eine fast banale Wahrheit, die Schnitzlet uns beweisen will: das ewige Gesetz, das die tiefe Unsick-crheit des Vcrhälvnsses zwffckien Mann und Frau begründet. Er sagt uns wenigitens zum Teil nichts Neues, wenn er durch seinen Dickster Albertus Rhon die Behauptung onfffcHcn läßt: ,,F-renndsck^ft zwisckxm zwei Men­schen verschiedenen Gcschlecksts ift immer eine gefährliche Sache sogar zwischen El>elcutcu. Wenn die Seelen sich allzngut verstehen, so reißen sie allmählich auch das mit, was man gern bewahren möchte, und wenn die Sinne inrinanber fließen, so gleitet mehr vrm der Seele rrach, als wir ihnen gerade nachsenden

wollen." Ob Schnitzler recht hat? Wohl nur halb. Freundschaft zwischen Mann und Frau ist eine Seltro^lt^ Geschichte kennt nur wenige Beispiele solcher reine» 'driften. Daß aber auch die Freundschaft zwisck>en w*® gefährlich wird, das ist eine Ausnahme. Tie glücklich bauen sich meist auf Liebe und Kvinevadschaft auf. dem Grundsatz Rhvns handelt:Kennst du mich, so litf ' mich ; kenn ich btdn, dann hab ich dich" ist Egoist u»- Grunde genommen schlecht geeignet für ein Gemeinsckcwl-^ Etwas weltfremd muten die Schnitzlerscheu Menschen Kapellmeister, Amadeus Adams und feine Gattin, ine fffr; Opernsängerin Cäcilie Adams-Ortenburg. Immerhin lour' Menschen mit einem wickln unendlich fein differenziertcn * leben denken. Ein gefährlich Ding aber ist es, die '.ann bilde dieses Innenlebens, die feinsten Regungen der v lichen Seele ins grelle Lampenlicht zu ziehen, mag die- noch so diskret geschehen. Cäcilie hat geiviß r-xht, sagt, daß manche Dinge anders werden, wenn man ftc aurT- Und w.rs wird daraus erst, wenn mxm sie in Handlung I Schiritzlcr ist ein feiner 'Seelenan atom, unb jtuCTin einet v- den heutigen deutschen Bühnendichtern, so ist er .instarx. Psychologie des Liebes- und Ehelebens in ihren ftinffsr ästelungen bloßzulegen. Er würde den Gedmckenfaden fcw f, spinnen in einer Novelle. Tas Drcrma aber verlangt cpr Gelvebe, und für ein solches eignet sich das seines Stückes nicht. Daher bringt es die Kvmödie auch zu einer wirklich vackenden dramatischen Wirkung, we7 Hörer auch seine Freitde hat an dem fchillerndeit Cflct dem Geist und dem Witz des fein pointierten Tialoa-:- viel Stimmungsgehalt in der Scbnitzlerfchen Kvinädle: weise geht die Stimnningsmalerei fast zu sehr in dn . wie z. B. in der Schlußszene. Ironischer Humor, Sclbstverivottung sich aiifschwingt, paart sich mit H; mentalität, und aus der luftigen Kvmödie tont !ci 1 der verborgenen Trauer em Capriccio doloroso. 1 sei nxxft, daß die Zensur in Wien eine nntzige Bemcrw^ dm Deutschen Kaiser für eine dortige Aufführung gesinmc |

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Vom »Hessischen Musenalmanach", emen 1 1

buche für hessische Kunst und Art, herauSgegeben von 'tar. - rat 6, Verlag von August FreeS in Gießen, ut ll"prf^|l| die zweite Lieferung zugegonaen. Gleich der ersten, ui 100. Todestag erschienenen Lieferung bietet auch die lc liegende eine interessante Auswahl von poetischen töoben ; Dichter, die in ihrer Vielseitigkeit wiederum den

(ieiert, daß das Uhland'jcheSinge, wem Gesang .1^ für Hesien zutrifft. Die gehotenen Gaben, bei denen die wiegt, sind nicht ganz gleichwertig, immerhin 'ft yin dem Heft vertreten, den wir um de? Eindnickes des Ganzer miffen möchten. Wilhelm Holzamer steuerte brci wa Vkuse bei, die von dichterischer Schönheit sind nnd vi> namentlichTer Tänzer" BeachUmg finden wird.

pfarrer und Dichter Karl Enist Knodt ist mit vier N' vollen lyrischen Gedichten vertreten, nnd außerdem baoeii jjjL; kürzlich verstorbene Gottfried Schwab. Daniel w .Tc i)ll'red Börkel, Otto Kindt, Karl S ch ä i e r, ,Mtz y j|| (ab, Iosel Wenz und Gustav W a l d t Beiträge gclie'r^ hesstfche dichtende Franenwelt ist durch Irene .Vji« einem stimmungsvollen GedichtWohin" Vertretern <01 ß,,-

geber Karl Neurath finden wir Gedichte, eine ^k>z;e 1 fälle", die freilich beffer nur Einsälle geblieben roarcib ist eine Farbcnlithographie von Hans Thoma.<'VSsrttWB mitteilt, hat der Großberzog dem Verleger für mc l'c «jg Lieferungen des Almanachs, die er mit großem ^)Nter 11 * habe, seinen besten Tank aussprechen laffen.

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