ErfteS Blatt
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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’hon 367,
Die üeuttge Dummer umfaßt 10 Seiten.
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155. Jahrgang
ifisse, Paran neriatranbei rachmandeh und Orangen.
Preise
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Gießener Theaterverein. Des Meeres «nd der Liebe Welle«. Trauerspiel von Franz Grillparzer.
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„Z-crjoreue ^tcöesmüH".
Ein Pessimist schreibt un3 Henle:
„Das Beispiel de« Bundes der Landwirte bat die übrigen Jnteressentengruppen im Reich zu einer etwas lebhafteren Vertretung ihrer Wünsche angefcuert; man hat den Versuch gemacht, unter der Parole .Schreien!* für sich zu wirken. Die großen Erfolge, die der Bund unter dieser Parole erzielt bat, wirkten crmitntcrnb, aber bis seht haben die Nachahmer recht wenig Erfolg mit der neuen Taktik gehabt. Nun hat (rote gestern mitqeteilt wurde) auf Anregung deS Bundes der Industriellen eine Versammln >tg von Delegierte n von Tabak-, Zigaretten- und D r a n - I n d u st r i e v e r b ä n d e n in Berlin den Beschluß gefaßt, im Januar eine große Versammlung in der Reichsbauptsiadt abzuhallen zur Stellungnahme zu der neuen Reichssteneroorlage. Tas heißt, e8 sollen die Interessen» verbände gegen die neuen Steuern mobil gemacht werden. Im Januar wird die fßerfammhmq ftnttfinben.
Wir zwei'eln nicht daran, daß die Versammlung zustande kommt und sehr schön verläuft, aber wir zweifeln an einem wirklichen Erfolg dieser Versa>nmlung. Wir hatten vor kurzer Zeit in Berlin den S t a d t e t a g. Eine imvosante Versammlung, wie sich nicht leugnen läßt. Was war der Effekt dieses Städtetaqs? Einige Oberbürgermeister sind ja vom Reichskanzler empfangen worden, aber wir hoben nicht gehört, daß ein greifbarer E r f o l g in Bezug auf die Oeffnung der Grenzen erzielt worden wäre. Das gleiche Schicksal wird wohl auch ben Herten blühen, die gegen die neuen Steuern Reben halten und anhören wollen. Möglicherweise — wahrscheinlich ist es keineswegs!—werben einige vom Reich«- s cliahsekretär, ober auch vom Kanzler in liebenswürdiger Weise empfange u, aber bas wird bann glich alles seilt. Tie neuen Steuern sind nach der Ansicht bet verbündeten Regierungen eine „dira necessitns'-, wie Fürst Bülow feierlich erklärte — was soll da noch alleS Reben! Tie Regiertiug wird man nicht um» stimmen können und die Parteien haben ihre Marschrouten schon."
Der Herr Einsender urteilt mit diesen resignierenden Worten zwar hart, aber treffend über die Reichsregiernng und ihre Städte- unb Jndnstriefeindlichkeit. Es sieht ja allerdings so au9, als sei alle Mühe, alles Klagen, alles .Schreien* umsonst. Aber endlich muß es doch gehört werden am rechten
keine große Gebärde, vermeidet jeden, allgemeiiteS AnSsehen erregenden AnSdriick. Schamhaft holdes Errötetr pflegt ihn zu begleiten. Ein kurzer, inniger, glutvoller Blick statt eines vergeisterten Antlitzes starren Staunens wäre hier natürlicher gewesen. Den ersten Teil des Turmaktes gab sie dann aber mit seiner und tiefer Wirkung. Für daß träumerische Dämmern des Gemüts, m daß sich hier Heros bestimmtes, klares Wesen auflöst, fand Frl. B. die rechten zarten Ge- suhlStöne und gegen das Ende die der sanften Ermattung. DaS war der dichterischen Situation rein und unmittelbar, wenn auch nicht mit der ganzen, freilich schier unermeßlichen Fülle von Anmlit, mit der Grillparzer seine Hero un,kleidet hat, nachenipflinden. Und bann kam der Kampf deS Gefühls, daß Erwachen der holden Sinnenwelt in HeroS Busen und ihre plötzliche halb willenlose und doch unbewußte Hingabe an den Augenblick des GlückeS. Das war in der Darstellung des Frl. B. in den etwas strengen Dust einer sinnenfremden Unschuld getaucht. Und so kam es denn, daß der poetische Zauber dieser wundervollen Liebesszene nicht voll erblühte. Heros Charakterbild erfordert von der Darstellerin von vorn herein sozusagen latente Leidenschaft der Seele, die sich an einer Glut zum verheerenden Feuer entzündet. DaS zeigte auch Frl. B. Solange die Leidenschaft latent ist, deutete sie sie doch für den Zuschauer leise und fein an. Und int zweiten Teile der Dichtung leuchtete die plötzlich übermächtig auS- brechende Flamme der Lcidenschast hell auf. WaS man aber bei dieser Leidenschaft vermißte, daß war der, trotz aller hohen und vollkommenen Keuschheit, sinnliche Rausch. Zuerst war's leidenschaftliche Hingabe dem Neuen, Ungeahnten, schter Unmöglichen; bann das leidenschaftlich schmachtende Erwarten, die binacbcnbe Begeisterung für das fabelhaft Wagemutige deS tollkühnen JünglingS; endlich der leiben» 'chaftlich jammervolle Schmerz an bet Leiche Leanders. So kühl, so liebeleer, so wenig verinnerlicht die Begrüßung der Mutter im 1. Akte war, so wahr, so au5 tiefster Seele hervorgegangen schien diese Leidenschaft de§ Schmerzes. Hier entfaltete sich voll der Darstellerin seelische Kraft, hier erklomm sie die Höbe der tragischen Leidenschaft. So erschien denn ihre Hero, alles in allem genommen, vielleicht absichtlich, mehr boheitsvolle Tochter Altgriechenlands, als Grillparzer sie sich selber dachte, der ein schmerzlich-süß fühlendes Kmd der Romantik, ein durch Ltebesleidenschaft reizend verwirrtes Weib in griechisches Gewand gesteckt bat. — Das Publikum war erfreut, die geschätzte jugendliche Mannheimer Künstlerin wiederzufehen und begleitete ihre Darstellung mit lebhafter Erkenntlichkeit.
Den Leander gab Herr Lüttjohann von Anbeginn .dumpf und unentwickelt*, wie der Dichter ihn sich gedacht hat. Trefflich gelang ihm bann der kühne Wagemut der erwachten Liebe, und die Szenen bc3 Liebcsglückes ließ er nicht ganz ohne auswallende Smulichlkeit. Im ganzen ein talentvoller und sorgsam charakterisierter, recht anziehender Leander. In Sprache und Geberde hat Herr L. in der
Was er hier in geistvollen Worten sagte, traf den Nagel auf den Kopf und sei den maßgebenden Kreisen zur Beachtung empfohlen. Die Empfindung, der Paper hier Ausdruck lieh, teilen in der Tar sehr toeite Kreise deS Volkes.
Tic Tcfrntte sank von ihrem Höhepunkt schnell herab, als der reformparteiliche Abg. Zimmermann zum Wort kam, der Typ des politischen Philisters. Seine kleine Fraktion glaubt sich bekanntlich zum besonderen Schutz des Mittelstandes berufen, und dieses Thema nahm denn auch einen breiten Raum in den Darlegungen des Redners ein.
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Donnerstag 14. Dezember 1905
VezugSpret»:
monatlich 7bPf.. viertel-
SSffi Ät Siebe Wellen".
, heute in seinem 75. Sebensj-Hr- steht könnte nmn U* seines antiken Milieus mit erheblich Rechte
h Tragödie des Nonnentums, als die „Bruder von U. kWchard" die Tragödie des Mönchtums nennen, die doch
griech. Gewände ein so christlich-- flü™, cellk modernes Fühlen im Busen heae \ ta sich ausdrückte, so „verteufelt hu Wv 1 Tas Trauerspiel „Des Meeres nn
i . n- freie, trir^erijcfyc Anschauung.," Porten
So urteilte einer der Hat)rcn Kopfe und gewiegtes n ? I Ktinenfenner. Das klingt doch nicht nach."Stearm . Auf 1| ' 1:5 Antikisierende Ijat Grillparzer me _^n Hauptg^mcht i * «le-gt. Das allgemein giltige Menschen schicksal, die ewige ; üctrirempfindung des Menschenherzens las er aus den . sch ein dcs Mtertums heraus, und indem er ihren Ge- m kitten den schönen Faltenwurf eines idealen Koikums un ■ Wert Ä werte et in bet ^le seiner Hewmnen 1 :rb Helden Menschencmpftndungen, die durch alle Zeiten
Rauben werden und die, wenn ^ historisch unbeglau. ligt; in ihren Grundtönen immer lebendig gewesen fem mfilen, weil der tiefere Sinn der Sage es so Rietet ii-tceas Verstoßung und Rachedurst, ^lpphos ungll.ckl^er kdnstraum, ^ros verbotener Liebesrausch smd nicht 'M stilisierte Gedankenschemen, sondern reale Mm-schen- istchsale von zeitlos allgemeinem Gehalt. Sw smd eb.nfo 1 tintig antik wie Goethes „Iphigenie", »ud dieser hat man ü immer zum höchsten Ruhm angerechnet, daß 1 reunter . griech. Gewände ein so christlich-germanisches, o Der- .. ” Uorto • Paß sie, tote Goethe
Aus dem Aeichstag.
R. Berlin, 12. Dez.
Wie der südwe st afrikanische Wüstensand das Iprl'.ich vorhandene Wasser, so zieht dieses Schutzgebiet ip ner neue Millionen aus der Reichskasse in sich Hnt in. Es ist eine schmerzliche Weihnachtsüberraschung für Im Reichstag und das deutsche Volk, daß der Schatzsekretär kffhr. v Stengel heute eröffnete, es müssen angesichts kr ungünstigen Lage im Süden der Kolonie nicht weniger al- 30 Millionen in einem neuen Nachtrags etat - bereits der vierte — geopfert werden, und zwar schleunigst, wenn auch der Nachtragsetat selbst vom Hause richt mehr vor Beginn der Weihnachtsferien werde erledigt vernen können. Wie schnell find die Hoffnungen zerflattert,
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wohl der Oesterreicher Ohorn zu schaffen gedachte. An dem Altar, an dem die jungfräuliche Priesterin, die ersten Pflichten ihres Amtes übend, ihre höchste Weihe empfängt, trifft sie der Strahl der Liebe. Zu spat! „Noch gestern war ich frei!" sagt Hero mit der vollen Naivität einer still in sich beruhen» den Seele, sobald Leander nur ein Wort von Neigung fallen läßt. Aber was hilft's, daß man die Priesterin „liebeleer" heische! Der Zug des Herzens ist m&d)tiger als das endlos trennende Meer. Die Liebenden finden sich, sie werden entdeckt, und der Liebesfrevler er'legt dem tödlichen Zufall der Wellen. Die Priesterin aber wirst an der tieidte des Geliebten frei und groß die Lüge ihres Nonnenschleiers von sich, bekennt sich zu der süßen Schuld und stirbt, da sie nicht leben kann. Was den Ausschlag zu diesem herzzerreißenden Endschicksal gibt, ist nur ein Zufall, der Zufall von Heros Traumseligkeit, die das Erlöschen der Lampe ermöglicht. Allein gleichviel! Auch Romeo und Julia starben zuletzt an dem Zufall einer verspäteten Botschaft, und dock) fühlen wir es klar und deutlich mit: für so gewaltige, sich selbst und die Welt vergessende und überall von Feinden umstellte Liebe gibt es auf Erden keinen Raum. Aus dem düsteren Tal der Verfolgung flieht sie hinauf zu den lichten Sternen, und die Nachwelt beneidet sie, indem sie sie beweint. Tas ist echte Liebestragik, und Meister William reicht dem Geistesgenossen vom Tonau- strande eine Rose aus seinem Tichterkranz.
Tas Wesen der Hero, eine der eigentümlichsten Frauengestalten, die Grillparzer geschaffen hat, ist nicht in ein Wort, nicht in einen Rollenbegriff zu fassen. Für bie Beschreibung ihrer wenig glücklichen Familie hat der Dichter verschiedene Züge aus der eigenen genommen, der z. B. seinen Vater, wie er selber erzählt, „nie zärtlich geliebt" hat. Auck) mancher Charakterzug Heros deckt sich mit dem des geselliFeitsfeindlichen Triers. Darüber macht der Mailander Professor Sigismund Friedmann im 1. Bande fernes guten Buches über Tas deutsche Drama" (Deutsche Ausgabe Leidig 1900) einige flüchtige Andeutungen, die sich leicht weiter ausspinnen ließen. Hero ist loeber ganz naiv, noch ganz sentimental, und selbst wo ihre Seele die Flügel zu heroiichen Entscylüssen ausbreitet, ganz nur Weib. Wie sie in die Handlun' tritt, kennt Hero von der Welt nur wenig und von den Regungen des Herzens nichts. Tennoch steht sie von Anbeginn als ein in sich abgeschlossener, mit sich selbst einiger Charakter da, doch ohne Härte, mädchenhaft, hold und weich. „Mit einem durchgehenden Zuge von Heiterkeit, unbeiangcn, verständig, gefaßt", so erklärt sie der Dichter selbst. Sie hat von Anfang an etwas überlegen Würdevolles.
Das fühlte Frl. Riza BLj or, die Medea deS nötigen Winters, die diesmal als Hero-Darstellerm aus Mannheim zu un? gekommen war. Es war ein stilles, ein heiliges Lächeln, das wie Sonnenschein am Festmorgen deS ersten Aktes über ihrem Wesen lag und den ernsten Grundzug ihrer Natur ein wenig überspielte. Aber manche Szene des ersten Aktes fordert von der Darstellerin nächst Svrödem, Herbem auch herzliche, nicht theatralische Kindlichkeit und Kindesliebe sowie mädchenhafte Lieblichkeit, bte Irl. B. schuldig blieb. Unb ein Augenblick erwachender Liebe kennt wohl
kanten Ausdruck, nicht in der verwegenen Art des Abg. Erzberger, aber aerobe deshalb um so wirksamer. Fürst Bülow, der zu dieser Zeit den Saal betrat, wandte dem Redner sofort sein Interesse zu. Er bekam nod; mancherlei Kritisches zu hören, namentlich inbezug auf die Steuervorlagen. Tas Zentrum beharrt auf der Anschauung, daß diese Vorlagen mit dem Flottengesetz in Widerspruch stehen, sofern sie eine neue Belastung des Massenverbrauchs fordern. Ter preußisd)e Finanzminister hatte sid> in seiner Reichstagsrede mit einer eleganten Bemerkung über die betreffende Bestimmung des Flottengesetzes „bintoegbeför- dert", dock) Gröber stellte das „Hindernis" in aller Seelenruhe nricber auf. Für die richtige steuerliche Berteiluna der Kosten einer Flottenvermehrung ließ er an der Hand von Buchzitaten einen Mann sprechen, dem die Linke wiederholt und nachdrücklich beipflichtete. Ein schnallendes Gelächter aber entstand, als Gröber den Namen seines Gewährsmannes nannte. Es war — der heilige Ignatius von Loyola, der Stifter des Jesuitenordens! Noch einmal kam der Zentrumsmann dem Hause mit dem Rüstzeug der Religion, und zwar am Schluß seiner zweistündigen Rede, den er zu einem flammenden Appel zugunsten größerer religiöser Freiheit gestaltete.
Gegen die das Wort meijtembc wuchtige Beredsamkeit Grobers stach die Befangenheit auffallend ab, mit der namens der Kolonialverwaltung der Erbprinz zu Hohenlohe die kürze Erklärung abgab, daß der Gouverneur Kameruns, v Puttkamer, nach Deutschland kommen werde, um sich wegen der gegen ihn erhobenen Beschwerden zu rechtfertigen.
Ein anderer redegewalliger Württemberger, Abg. Payer (südd. Vp.), hatte bei der im Parkett sich geltend machenden Ermüdung geraume Zeit zu kämpfen, ehe er sich die allgemeine Aufmerksamkeit erzwang. Es war für ihn nach der fünftägigen Debatte auch kein Leichtes, neues zur F-inanzreform und den Steuervorlagen beizubringen. Aber er lieferte als gewandter Kritiker und schlagfertiger Dc- batter trotz alledem eine ft'.jche, packende Rede, die ihm den lebhaften Beifall der Linken eintrug und am Bundesratstisch besonders den Staatssekretär der Reichslande, von Köller, zu interessieren schien. Payer meinte, der Reichstag hätte die Diäten schon in der Tasche, wenn er entschlossen erHart hätte, die Beratung der großen Vorlagen abzulehnen, solange tipn die Tagegelber vor enthalten würden. Tie Kolonialpolitik kommt dem volksparteilichen Führer wie mit einem Fluch behaftet vor, an dem der Reichstag fteilich nicht ohne Schuld fei Tas Beste an Ironie gab Payer in seiner Kritik der aus wärtigen Politik.
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger **
ib, auch mit 8,:. bjt inoch jüngst an die Unterwerfung einiger Hottentotten- i 'Dlnrt 1.20 an." stiln er geknöpft wurden! Nach Lage der Dinge muß man ib leicht anbrinoh- Iforr annehmen, duß die mit den neuen Steuern bezweckte
9 Auffüllung der Neichsfinanzen zum guten Teil verbraucht toftoen toirb durch die endlosen Kolonialfeldzüge, denn oiid der Aufstand in Ostafrika wird sich wohl als dauer ha ft erweisen, trotzdem Erfolge und immer wieder Erft'lge der deutsck)en Waffen gemeldet werden. Teutsch- lanli muß wahrlich ein hohes Lehrgeld in den Ko- Io t i e ii bezahlen! lieber die Sache selbst wird man sich [im Reichstag nach Neujahr unterhalten, und es ist zu erlitten, daß die Regierung dann den General v. Trotha ju veu Verhandlungen entsenden wird.
| Heute wurde die Etatsdebatte fortgesetzt, nachdem die Ihon'delspolitischen Vereinbarungen mit E n g^ lat b und Bulgarien kurzer Hand in zweiter Lesung i verc dschiedet waren, und zivar bei ziemlich gutbesetztem i Mfctt, was nicht unerwähnt bleiben soll, weil auch von ' bfTT. schlechten Besuch der lebten Sitzungen Notiz genommen Milde Erster Redner war heute Abg. Gröber, der würt- ttmj'crgifd)e Zentrumsmann Er beschäftigte sich zunächst ~ ' "" 'adowsky, indem er
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Berthold Auerbach, der berühmte Schöpfer Fci-warzwälder Dorsgcschiü en", erklärt in fernen . iMscheu Eindrücken", daß ihm Grillparzers „tmhhnerenbe Itantien wie nachgemachte 'Xnt le fn Stearin, in einem bMligen, aus dem Sud erkalteten Material" vorgekommen inem Eine bemitleidenswert verstandeskalte und phantasie- mr.e Grillparzerkritik. Auch Scherer erklärte aufnd)tig: FnNparzer war mir nie .ympachisch". Aber es scheint in t<r Tat, als ob dock) ein paar Tropfen ivarmen, fmnen- ireu bigen Blutes dazu gehörten, um die wundervolle Misch- jg von herbem Tiefsinn und süßem Schönheitsuberschwung llCrillparzers Did)titngen voll zu genießen, die seine heuti- «it Wiener Jünger, HofmannSihal und Deerfeld-Hoftnann, ttr talentvolle Dichter des „Grafen Cbarolais", bis zu ge- Nftern Grade recht hübsd) nad)znsd)affen vennögcn.
Ter Cefterreidter", so äußert sich Laube m einem, in ben iMaschen Grilluai^A sgaben enthaltenen Nachwort zu
bei uns aufgeführten Tragödie, ,be,ctzt ein fünfte nklches Nature! , das sich unmittelbar und Ä^e nwralisierende ibmgedankeu einem Kunstwerke Jmgibt. T-cckurch ist er im ’mfce, gan- naiv aufzufassen und sich dieser Auffafstmg voll Mi X widmen. Zu diesem Volkscharakter gehört nun Grill- xrjrtr seM von Grund aus: er ist durch und durch Oestr^ ,, Hier, . . . trifft also auch gründlich ben r>
Iste, und ein zustimmendes Cclw kommt ihm bereitnutttg ent- 1 Miet (Jr stellt in seinem österr. Wezen dicht neben dem ! l ^tischen'Wesen des jungen Goethe, 1
V IKeti roar Wie differ, begehrt er für die dichterische Schöpfung
mit der gestrigen Rede des Grasen Posadowsky, indem er als '."nwalt des Reichstags dem Bundesrat den Spieaxl I fvöiiclt. Das darin sich präsentierende Bild könnte die . i eierenben immerhin veranlassen, in sich! zu gehen und
■mtbi ben Reichstag als den alleinigen oder hauptsächlichen > hu ldigen hinzustellen, seine Redelust zu bemängeln usw. _ . . . 0ra^ Posadolvsky hat sich gestern in mehrfacher Hinsicht
LGukUCnf gtirnrt, wie Gröber aktenmäßig nachwies. Heber die Finanz- V tefom hörte man nicht viel neues. Dagegen gab Abg. Ihr öfter der kolonialen Verstimmung des Zentrums mar-


