155t Jahrgang
Erstes Blatt.
Mittwoch 3. Mai 1903
Ile Üeutige Kummer umfaßt 10 Seiten-
Deutschlands zuverstehende
Schulst ratze 7.
Adresse für Depeschen:
Anzeiger Metze».
Fernsprechanschluß Nr. 51.
Marschallinseln, in dem England sich keck in eigene Sache eindrängt, spricht eine nicht miß- Sprache.
Die „Hohenzollern" und der „Friedrich Karl" machten gegenüber dem Dogenpalast an der Boje fest, während die italienischen Kriegsschiffe im inneren Hafen paradierten. Tie Handelsschiffe legten Flaggengala an. Um fünf Uhr waren die hier wohnenden Ehrendamen der Königin-Mutter und der Königin Elena an Bord der „Hohenzollern" bei dem Kaiserpaare zum Tee geladen.
Kolonialpost.
Das Opfer einer neuen Mordtat in Kamerun ist der älteste Sohn des Oberzoll-Jnspektors Hinrichsen aus Tilsit, Karl Hinrichsen, geworden. Genauere Nachrichten liegen zur Zeit noch nicht vor.
NolMsche Tagesschau.
An der Südsee-Sonne.
Es ist kennzeichnend für das weitausschauende Interesse Frankreichs an überseeischen Angelegenheiten, das; sich bereits jetzt in Paris eine Gesellschaft gebildet hat, die Frankreich einen Platz an der Südsee-Sonne zu sichern bestrebt ist für die Zeit der Inbetriebsetzung des Panamakanals. Um territoriale Erwerbungen handelt es sich dabei freilich nicht, wohl aber um die einleitenden Schritte zur Schaffung einer verkehrspolitischen Vorzugsstellung Frankreichs im Gebiet Les Stillen Ozeans. Verkehrspolitik heißt Handelspolitik, und wenn Franzosen so von langer Hand her ein Gebiet aufs Korn nehmen, in dem gewichtige deutsche Kolonial- und Wirtschaftsinteressen investiert sind, so ist das nach den in Marokko gemachten Erfahrungen für Deutschland ein Grund, auf der Wacht zu sein. Ulnsomehr, als auch die „guten Freunde" der Franzosen, die Engländer, scheelsüchtig auf den deutschen Handel in der Südsee blicken und ganz ungeniert über^ Verletzung der handelspolitischen Gleichberechtigung von deutscher Seite^klagen. Der Streit um die Handelsverhält- niffe aus den
Ausland.
London, 2. Mai. Das Unterbau s trat wieder nach den Osterferien zusammen. Im Laufe der Beratung der Bill betr. die Einwanderung sprechen sich Charles Tilke und andere Liberale gegen den Gesetzentwurf aus. Trevelyan (liberal) sagt, eine wahre allgemeine Sympathie bestehe für das unterdrückte russische Volk; nicht nur russische Inden, sondern mich Nationa'lrussen flüchteten aus Rußland, um der Konskription zu entgehen. Diese Leute würden von England ferngehalten und wurden noch größere Schwierigkeiten haben, Amerika zu erreichen, wenn die Bill angenommen würde. Asquith (liberal) spricht für die Bestimmungen der Vorlage betr. fremdländische Verbrecher, aber gegen die Bestimmungen über politische Flüchtlinge, da sie in der vorliegenden Form England für die große Mehrheit solcher Flüchtlinge verschließen würden. Der Staatssekretär des Innern Akers Douglas erklärt, die Bill richte sich nur gegen unerwünschte Einwanderer, sie wahre die Interessen der politischen Flüchtlinge. Er weise den Gedanken zurück, daß sich die Regierung bei der Einbringung des Gesetzentwurfs' von irgend welchen antisemitischen Gefühlen hätte leiten lassen.
Paris, 2. Mai. Hier tritt mit Bestimmtheit bas Gerücht auf, daß Delcasso Verhandlungen eingeleitet habe, um die Marokko frage durch ein internationales Schiedsgericht zur endgiltigen Lösung zu bringen.
— Aus Tanger wird dem „Figaro" geschrieben, es sei für die französische Regierung noch Zeit, sich mit Deutschland freundlich zu einigen. Graf Tattenbachs Reise nach Fez gewinne eine sehr verschiedene Bedeutung, je nachdem er angewiesen werde, mit Frankreich oder gegen es zu arbeiten. Erhalte Deutschland Befriedigung von Frankreich, so habe es keinen Anlaß, Frankreichs Einfluß in Fez zu bekämpfen.
— Der englische Minister des 'Aeußern, Lansdowne, wird sich demnächst nach Paris begeben. — Nach einer Londoner Meldung glaubt die „Daily Mail", daß Präsident Loubet im Herbst nach England kommen und den Regatten in Cowes beiwohnen werde. Aus diesem Anlaß werde eine Flottenschau über das englische und französische Geschwader abhalten.
Madrid, 2. Mai. In politischen Kreisen gilt die Verlobung des Königs mit der Prinzessin Patricia von C o n n a u g h t für aus gemacht.
Rom, 2. Mai. Vor dem e r z b i s ch ö f l i ch e n P a l a i s in Brindisi wurden zwei Bomben ausgefunden. Die Seminaristen haben um die Erlaubnis gebeten, das erz- bischöfliche Palais, worin sich das Seminar befindet, verlassen zu dürfen angesichts der Gefahr, welcher sie ausgesetzt seien.
Wien, 2. Mai. Die „Neue Freie Presse" meldet aus Venedig: Bei der Zusammenkunft der Minister Go- luch o ws ki und Ti tt o n i ereignete sich ein peinlicher Zwischenfall. Beide Minister erhielten im Hotel versiegelte Briefe. Dieselben enthielten Medaillen, welche anläßlich der Innsbrucker Vorgänge in Italien geprägt wurden, ferner das Verzeichnis aller Vereine und Vertretungen von Städten und Provinzen, welche an den Versammlungen teilnehmen wollten, die gegen die Innsbrucker Vorgänge gerichtet waren, aber verboten wurden. Minister Tittoni war über den Zwischenfall sehr ärgerlich. Der Diener, der die Briefe übernommen hatte, ohne nach deren Herkunft zu fragen, wurde bestraft.
S o f i a, 2. Mai. Die Vergeltung für die g ri e ch i sch e u Gewalttaten bei Zagoritschani' ist nicht lange ausgeblieben. Eine 80 Mann starke bulgarische Bande überfiel das in der Nähe von Zagoritschani gelegene wallachisch- griechische Städtchen Kliszura und machte etwa 60 Griechen, darunter viele Teilnehmer an den Massakres bei Zagoritschani, nieder.
Konstantinopel, 2. Mai. Bei der großen Prozession anläßlich des griechischen Osterfestes wurden aus der Menge unter zahlreichen blinden auch mehrere scharfe Schüsse abgegeben, die schwere Verwundungen zur Folge hatten. Am Nachmittag schoß ein Grieche in Galata scharf auf einen Israeliten und verwundete ihn schwer. Gestern zogen mehrere französische Marinesoldaten vom Stationsschiff der französischen Botschaft die Straßen Galatas und feuerten scharfe Schüsse aus ihren Revolvern auf Passanten. Ein Türke erhielt zwei Schüsse in Brust und Kopf und war sofort tot. Zwei Gendarmen wurden schwer verwundet. Die türkische Militärwache weigerte sich, die Franzosen an- zugreifen, sodaß diese entkamen. Die Angelegenheit wird offiziell weiter verfolgt werden.
— Die Nachrichten, welche die Pforte aus Kreta erhalten hat, lauten höchst beunruhigend. Große Bewegung ruft die Meinung hervor, daß der russische Oberst Urbanitzki den Aufständischen die Erlaubnis erteilt hat, auch in Pctilno die griechische Fahne zu hissen, sodaß jetzt auf der ganzen Insel nur griechische Fahnen wehen. Da die internationalen Truppen der aufständischen Bewegung
Nr. 103
e«fee«*t teert* außer Sonntags.
Eem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener
AöLttr viermal in der Woche beigelegt.
Kotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwers.-Buch-u. Stein» brudertL, 0t Lang«.
Aas deutsche Kaiserpaar in Aenedig.
Venedig, 2. Mai. Eine große Menschenmenge versammelte sich auf der Riva degli Schiavoni und in den öffentlichen Gärten, um die Ankunft der „Hohenzollern" mit dem deutschen Kaiserpaar zu erwarten. Die öffentlichen Ge- näude hatten geflaggt. Seit 2 Uhr fuhren zahlreiche Barken nach dem Hafen Lido der „Hohenzollern" entgegen. Die deutsche Kolonie begab sich in einem Dampfer, der mit deutschen Fahnen geschmückt war, hinaus in die See, um den Kaiser und die Kaiserin noch außerhalb der Lagunen zu begrüßen. Um 3 Uhr 30 Min. kündigten die ersten Kanonenschüsse die Einfahrt der „Hohenzollern" im Hafen an.
Die „Hohenzollern" traf um 4 Uhr unter dem Salut des Panzers „Dulio" und der im Hafen liegenden Schiffe ein. Die Musik spielte die deutsche Hymne; das Publikum brach in laute Beifallskundgebungen aus. Nachdem die „Hohenzollern" Anker geworfen hatte, begaben sich der deutsche Konsul, der Sindaco, der Präfekt und andere Behörden an Bord derselben, um den Kaiser und die Kaiserin zu begrüßen. Die deutsche Kolonie und viele Damen der italienischen Aristokratie übersandten der Kaiserin prachtvolle Blumensträuße.
gegenüber vollständig ohmnächtig sind, haben die Kretas machte dem Oberkommandierenden, Prinzen Georg deut dringenden Rat erteilt, sich mit-den Aufständischen auf güt-, kichern Wege zu verständigen.
— Gegenüber einer anderslautendem Meldung über int Ursache des Todes des Prinzen Ahmed- Kemaled- din erklärt die „Agence de Constantinople", der PrinA sei an Krebs gestorben, woran er seit mehreren Monaten litt. Durch ärztliche Unterjuchung sei diese Todesursache festgestellt worden.
Athen, 2. Mai. Die Kö n i g i n v o m En glawd ist) in Piräus eingetroffen. Ter König und die königliche Familie waren ihr entgegengesahren. Ein Sonderzug führte die Königin von England nach Athen, wo die Minister, dass diplomatische Korps und die. Spitzen aller Behörden sie-' begrüßten.
Tanger, 2. Mai. Die Mission des Grafen Tatien^ b a ch ist heute n a ch Fez abgereist und wird am 11. Mai dort eintreffen. Graf Tattenbach überbringt demSultun einen: eigenhändigen Brief des deutschen Kaisers In diesem Briefe soll der Kaiser seinen Dank für den Empfang von Tanger aussprechen und dazu bemerken, daß en darauf gehalten habe, einen hochangesehenen DiplomÄerk nach Fez zu schieben, da der neue deutsche Gesandte in Marokko, Dr. Rosen, erst in einigen Monaten seinen Postens antreten könnte.
König Edward von England befindet sich noch in Paris. Da König Edward sich auch jetzt noch, trotz, seiner 63 Jahre, eine staunenswerte Lebens- und Geirußfreudigkeit erhalten hat und gern die Stätten wieder aufsucht, an die sich für ihn so vielerlei Erinnerung knüpft, ist er grnnicht damit einverstanden, daß die Pariser Zeitungen ihn Tag und Nacht durch ihre findigsten Reporter überwachen lassen und am nächsten Morgen ihren Lesern brühwarm melden, wo er jede Stunde zu gebracht hat. Einer der Begleiter des Königs hat sich deshalb an die Pariser Presse mit der Bitte gewandt, seinem Herrn etwas weniger Aufmerksamkeit widmen zu wollen, da dieser sonst die Absicht aufgeben müsse, wie früher alljährlich einige Zeit in Paris _3u verbringen. Und da der König bei den Parisern sehr beliebt ist und sie ungern darauf verzichten würden, ihn auch weiterhin zu ihren „Stammgästen" zu rechnen, so darf man sicher sein, daß die Bitte des Königs, auf Kosten der Neugier des Leserpublikums, erfüllt werden wird. . .
König.Edward lönMe übrigens in diesem Jahre ein originelles Jubiläum feiern, nämlich die 50. Wiederkehr des Tages, an dem er zum ersten Male Paris betrat. Dies geschah während der Weltausstellung des Jahres 1855, als seine Eltern, die Königin Viktoria und der Prinz-Gemahl Albert, dem Kaiser Napoleon III. und der Kaiserm Eugenje ihre erste offizielle Visite abftatteten. Damals folgte ein glänzendes Fest dem andern, aber das prächtigste blieb der Ball in der Spiegelgallerie des Versailler Schlosses, den der Kaiser Napoleon mit der 15 jährigen.Tochter der Königin, der Prinzessin Viktoria, späteren Kaiserin Friedrich, eröffnete. Ein historisches Datum kann man diesen Tag — den 25. August 1855 — wohl deshalb nennen, weit an ihm Napoleon III. zwischen zwei Walzern, zuerst den Mann erblickte, der vom Schicksal bestimmt war, seiner Herrschaft den Todesstoß zu versetzen und auf ihren Trümmern, an dieser selben Stelle, ein anderes mächtiges Reich zu begründen: Otto v. Bismarck wurde hier dem französischen Kaiserpaare und auch den englischen Herrschaften vorgestellt und, wie er nachher seiner Frau schrieb, sehr gnädig uird liebenswürdig aufgenommen. Dem kaum dem Knabenalter entwachsenen Prinzen von Wales gefiel es damals schon so gut irr Paris, daß er seine Eltern bat, ihn allein noch einige Tage dort zu lassen, — was ihm natürlich abgeschlagen wurde. Nun, dafür hat der Prinz später reichlich die Gelegenheit wahrgenommen, Paris und namentlich dessen Vergnügungen kennerr zu lernen Er besitzt jetzt noch einen großen Kreis von Freunden in der ftanzösischen Hauptstadt und versäumt es nie, wenn er sich in dieser aufhält, mit ihnen zusammenzutreffen. So hat er auch diesmal gleich am ersten Tage bei seinem Kollegen vom Jockey-Klub, dem Marquis de Breteuil, am Diner teilgenommen, tags darauf im Hause des Herrn Noailles Standish, dessen eiiift sehr schöne Frau der Familie der Herzöge des Cars entflammt, gefrühstückt und auch mit dem Automobil einen Ausflug nach dem Gestüte seines alten Freundes Edmond Blanc unternommen, dessen nach Millionen zählendes Vermögen von der Spielpacht in Monte Carlo herrührt. Die Abende bringt der König regelmäßig in den kleinen Theatern zu und die indiskreten Reporter behaupten, es sei manchmal schon recht spät, oder vielmehr schon recht früh, wenn der Landauer des Königs vor dem Tore des Hotels Bristol am Fuße der Napoleonsäule der Place Vendome wieder vorrollt.
per Krieg.
Die feindlichen Flotten.
London, 2. Mai. Das Geschwader des Admirals Nebo^ g a t o w s hat noch zuverlässigen Meldmrgen aus Tokio and Samstag Singapore passiert. Im übrigen ist es, wie im Petersburg rühmend hervorgehoben wird, den russischen Admi-i ralen offenbar gelungen, ihre Bewegungen in so gut toiei völliges Dunkel zu hüllen. Dichte Nebel kommen ihnen dabei, zu statten.
London, 2. Mai. „Morn. Lcad." meldet aus Hongkong: Das, Observatorium in 5raovloen in der Provinz Ewangen meldet das Austreten eines Cyklvns im chinesischen Meer zwischen! den Inseln Luzon und Parallel Dieser CykloN bewegt sich 'in der Richtmrg der Küste von ANam'und droht dasGeschwa«-, der Ro sch dje stwen s ky s zu zerstören, .falls es sich auf dem Wege des Cyklons befinden sollte.
Petersburg, 2. Mai. Entgegen dem- halbamtlichen- Dementi wird in unterrichteten Kreisen versickert, daß das russ. Geschwader durch 7 argentinische Kriegsschiffe verstärkt worden ist. Die Schiffe sollen bereits zum Geschwader Roschdjesft wenskys gestoßen sein. Dadurch verfüge der Admiral über eine erdrückende Schiffszahl gegenüber dem Japanerin
Saigon, 2. Mai. (Agence Havas.1 Admiral JonquibreÄ verließ Saigon an Bord des Kreuzers „Guichen^ mit unbekamtz-? tem Reiseziel.
London, 2. Mai. Ein Telegramm aus PetersVnrg, berichtet, daß cnergische Vorber^itungerr getroffen würden, irmj ein neues Geschwaders? nach Ostasien zu entsenden. Das^ selbe soll noch im Laufe des Monats Mai fertig gestellt merbetij
Aus der Mandschurei.
fröhlich begangen worden. Wie verlautet, haben die Japaner Belagerungsgeschütze in die Front gebracht. Man vermutet in«? svlgedessen, daß eine Schlacht unmittelbar bevorfteht.
Petersburg, 2.'Mai. Der Petersb. Tel.-Ag. wird auÄ Tschandsckawadsa vom 2. Mai gemeldet: Westlich von Daoliaohw flüchtet die Bevölkerung vor dcn Chunchusen, die Grausamkeiten und Gewalttaten verüben. Die 2fa* Wesenheit japanischer Instrukteure bei den Chunchusen ist urkundlich festgestellt. Die Organisation der Chunchusen, die.miv japanischen Feldgeschützen versehen werden, schreitet fort. C
Die fünfte japanische Anleihe.
Tokio, 2. Mai. Die Liste der Zeichnungen für die sunft'e, innere Anleihe von 100 Millionen Pen ist noch nicht geschlossen,» aber es sind Anzeichen vorhanden, daß die ganze Anleihe mitj Agio untergebracht wird, offenbar hielten einige größere Inter-, essenten vorläufig noch ‘mit ihren Zeichnungen zurück, um einen) Teil, der Anleihe zu einen möglichst günstigen Satz in die Hände zu bekommen. Die Summe von 50 Millionen Ben ist seit gestern- von lleineren Geldleuten meist mit Agio erheblich überzeichnet
Der amerikanische Kriegsminister Taft,
der soeben die Philippinen besucht hat, macht jetzt eine Reff^ nach Japan. Die Tatsache, daß die Tochter des amerikanischen! Präsidenten, Miß Alice Roosevelt, den Kriegstninistcr auß der Reise nach Japan begleitet, wird in Rußland ebenfalls als eine gegen Rußland gerichtete Demonstration angesehen..
Rußland in Sturm und prang.
Der viel gefürchtete 1. Mai lder russ. Ostermontags an welchem große Unruhen und eine 'Art Revolution -gegen die Intelligenz erwartet wurde. Ist in Petersburg völlig ruhig verlaufen. Freilich waren von feiten der Regierung diesmal alle Vorkehrungen getroffen worden, unrj jede Unruhe im Keime zu ersticken. 'Militärpatrouilleui durchzogen die int Hinblick auf die Osterfeiertage festlich beflaggten Straßen, ^luch in den Vorstädten war alles! ruhig, da die Arbeiter ihre eigenen Ordttungsmannschafteu! gestellt hatten. Das herrliche Sommerwetter'lockte Hunderts tausende zu Ausflügen mit der Eisenbahn irt die Umgegend^ sodaß die St-rdt wie verlassen schien. Der letzte Doke-s ranz-Erlaß erweckt zwar unter den Christen aller Kon-^ sessionen freudige Erregung, doch wird in politischen .Kreisen; mit Besorgnis darauf hingewiesen, daß die Jub-e n völlig unb erncks lchti gt geblieben sind. Der Erlaß Verliert; dadurch an Bedeutung. Ter Grundsatz der Duldung scij verletzt und eme Ursache großett Elends sei nicht beseitigt,^ Ter Papst hat dem Zaren anläßlich seines TolerrnrzukaseÄ ein Glückwunschtelegramm gesandt, in welchem er der Hofft nung Ausdruck gibt, daß dem religiösen Frieden mmmehm auch der politische Frieden in Rußland folgen möge.
Soviel ans des Reiches Hauptstadt. Ganz anders iw Polen.^ Wir haben über die fürchterlichen Ereignisse dort, schon gestern berichtet. Heute liegeit weitere Meldungen vom
Aus W a r s ch a u wird noch von W. B., also o k
JßBSSBF Ä Ak Vez«g»r»retOr
«BSpes v d monatuchvöB^vierttl-
GietzenerAnztiger
w General-Anzeiger « **
Amts- md Anzeigeblait fiir den Kreis Gießen DMs
■Wimm—. iBiLiiiMiiJL-iiluiiij- — ____________ zeigenteil: HanS Beck»;


