Ausgabe 
3.1.1905 Zweites Blatt
 
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wurde dann Zuln Gouverneur von Berlin uni) Oberstkom- mandierenden in den Marken ernannt. Am 18. Januar 1901 ttmrde er Mn Generalobersten ernannt, seit dem Jahre 1896 ist er Chef des Grenadierregiments Prinz Kar' von Preußen (2. Brandenburgischen) Str.. 12.

Generalfeldmarschall Freiherr von Loö hat lange Jahre, zuerst als Flügel-, dann als Generaladjutant int persönlichen Dienst des verewigten Kaisers Wilhelm I. ge­sunden. Im Jahre 188-1 wurde er kommandierender Ge­neral des 8. Armeekorps, im Jahre 1895 Gouverneur von Berlin. Außer seiner militärischen Tätigkeit hat Freiherr von Los auch vieljach Verwendung zu diplomatischen Missio­nen gefunden, u. a. iiberbrachte er im Jahre 1895 Papst Leo XIII. zu seinem 50jährigen Bischofsjubiläum die Glück­wünsche des deutschen Kaisers.

Ferner ernannte der Prinz regen t von Bayern den Prinzen Leopold von Bayern zum Generalfeldmar- schatt der bayeris chen Armee. Prinz Leopold steht, bisher als Generaloberst d. K. mit dem Range als Ge- neralseldmarscl)all, an der Spitze der Armeemspektion, die das 3. (Brandenburgische), das 4. und die drei bayerischen .Armeekorps umfaßt.

Der neue österreichische Ministerpräsident.

Ter Kaiser von Oesterreich empfing am 31. Dezember 6en Präsidenten des obersten Rechnungshojes Freiherrn Non Gautsch in Audienz. Im Lause des Nachmittags erfolgte unter gleichzeitiger Enthebung des bisherigen Ministerpräsidenten v. Körber die Ernennung des Freiherrn Gautsch zum Ministerpräsidenten. Tie bisherigen Minister verbleiben im Amte. Zum Minister des Innern wurde der bisherige Statthalter von Ober-Oesterreich. Graf von Bylandt-Rheidt und zum Leiter des Justizministe­riums der Sektionschef Geheimrat Tr. Klein designiert. Am Nachmittag fanden zwei kurze Sitzungen des Miiiister- rates statt; zunächst verabschiedete sich v. Körber von seinen bisherigen Kollegen, sodann begrüßte Freiherr Gautsch die Minister und versammelte sie zu einer Beratung.

TieWiener Zeitung" verössentlicht morgen folgendes Handschreiben des Kaisers an den bisherigen Mi­nisterpräsidenten Körber:Zu meinem lebhaften Be­dauern finde ich mich bestimmt, Ihrem durch enifte Gesund­heitsrücksichten veranlaßten Ansuchen uni Enthebung von ihren dernraligeu Funkttonen zu willfahren. Indem ich Sie sonach von der Stelle als Ministerpräsident, sowie von der Leitung meiner Ministerien des Innern und der Justiz in Gnaden enthebe, kann ich nichjt unterlassen. Ihnen für die ausgezeichneten Tienste, die Sie in dlesen Stell­ungen durch fast fünf Jahre in aufopfernder und hin­gebungsvoller Weise mir und dem Staate geleistet haben, meine volle Anerkennung und meinen aufrichtigen Tank auszusprechen. Ich gebe zugleich der Hoffnung Ausdruck, auf Ihre ferneren Dienste in Zukunft zählen zu können."

Ter neue Leiter des Kabinetts ist kein Neu­burg in ministerieller Tätigkeit. Er hat eine glänzende Laufbahn hinter sich. 1851 geboren, wurde er schon 1885 vom Posten des Direktors der Theresianischen Akademie aus Unterrichtsmütister, trat indes mit 2aa||C 1893 zurück und wurde darauf zum Kurator der gedachten Akademie tut5

bald darauf zum lebenslänglichen Mitglied des Herren­hauses ernannt. Im Oktober 1895 übernahm er im Ka? binett Badeni wieder das UnterrichtSporteseuitle und bildete nach Badenis Rücktritt am 28. November 1897 ein neues Kabenitt, in dem er das Ministerium des Innern verwaltete. Trotzdem er die Badenischen Sprachenverordnungen für Böhmen aushob und durch andere ersetzte, vermochte er die deutsche Opposition nicht zu beruhigen, und trat dcs- Ijafb schon am 5. März 1898 mit seinem ganzen Kabinett zurück. Seitdem bekleidete er das Amt des Präsidenten des obersten Verwaltungsgerichtshofes.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 3. Januar 1905.

" Personalien. In den Ruhestand versetzt wurde der Bahnwärter in der Hess. Preuß. Eisenbahngemeinschaft, Karl Keller zu Alzey, mit Wirkung vorn 1. Januar 1905.

** Gießener Volksbad. Im Dezember wurden 8349 Bäder verabreicht gegen 8875 im November 1904 und 6737 im Dezember 1903, oder im Durchschnitt pro Tag 269 Bäder gegen 296 im November 1904 und 250 int Dezember 1903. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt:

Schwimmbad 4472 Männer, darunter 693 zu 10 Pfg.,

805 Frauen, 92 10

Wannenbäder 1. Klasse 243 Männer, 94 Frauen,

2. 619 444

Dampf- und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 154 Männer und 22 Frauen, Brausebäder 1309 Männer und 187 Frauen. Tie Personenwage wurde von 180 Per­sonen benutzt, das Bad von 2 Personen besichtigt.

E* Neue hessische Staatsanleihe. Dem Ver­nehmen nach unterhandelt die hessische Negierung ivegen einer neuen 3% Staatsanleihe von 24 Mill. Mark mit Bankgruppen. Diese sind eingeladen, bis zum 4. d. Nits, ihre Offerten cm* zurcichen.

'* Weihnachtsfeier desHessischen Waiscn- 'chutz Gießen". Gestern abend fand im Gasthaus zum Einhorn die Weihnachtsfeier des Fechtvereins Waisenschutz statt. Durch eine Anzahl freiwilliger Gaben mar es dem Vereine vergönnt, für 5 3 Kinder (itatt 32 im Vorjahre) Gaben auszuteilen. Die Kinder erhielten Anzüge, Schuhe und sonstige Geschenke und es herrschte bei der Austeilung der Gaben große Freude. Daß in diesem Jahre einer so unverhältnismäßig großen Anzahl Kinder beschcert werden konnte, ist ein Beweis dafür, daß der Verein in der Bürger­schaft mit der Zeit doch mehr an Wertschätzung gewinnt. Wenn er auch nicht wie andere Vereine durch große Festlich­keiten nach außen glänzt, so wird desto mehr int inneren ge­arbeitet und die Beträge, welche sonst zu Festlichkeiten Ver­wendung finden, werden hier zu edleren Zwecken, zur Linde­rung der 9iot armer Halbwaisen Kinder verwendet. Dieses wurde auch von dem Vorsitzenden in seiner Ansprache beson­

ders hervorgehoben. Ganz besonderen Dank s h . unentgeltliche Mühewaltung bei dem Feste wur diener Ochs und Schreinermeister Karl Beil cm g sp ) Es war keine kleine Arbeit, Vorträge mit den Sv 1 zuarbciten, die Kinder selbst in der Wohnung auszusu jen die Geschenke einzuteilen. Das ganze Fest kann m ! y 9 hingen bezeichnet werden und die vorzüglich einftudier träge der Kinder sanden ungeteilten Beifall.

** Preisausschlag für Zucker und Dasse . Ein unliebsamer Angriff auf das Portemonuaw der yaus trauen steht bevor, indem für zwei unentbehrliche tagu ) Bedarfsartikel, nämlich Zucker und Kaffee, bie «preiie 9 wattig aufgeschlagen sind. Tie schönen Soinmerragc. u gewiß noch jedem in Erinnerung, aber der Landwirtschaft und namentlich den Zuckerrüben haben sie bösen Scham" angetan. Der Zucker, den wir täglich im Haushalt brauchen, wird bekanntlich aus den Rüben gewonnen, und diese Yavc.ii. unter der Trockenheit so sehr gelitten, daß Millionen' von Zeiitneru weniger geerntet worben sind als in früheren Jahren. Tie Zuckerpreise sind daher bedeutend gestiegen, und die Hausfrauen müssen sich darauf gefaßt machen, daß sie das Pfund Zucker mit 30 Psg. unu noch Hoyer bezahlen müssen. Ebenso verhält es sich mit dem Kaffee. Auch für diesen Artikel sind die Preise ui die Höhe ge­gangen, und wer eine gute Tasse Kaffee Hinten will, muf; Demnächst 1,20 bis 1,80 Mk. für das Pfund bezahlen, deuii Oie Zeiten, wo man für 1 Mk. das Pfund einen mittel­guten Kaffee bekommen konnte, sind vorbei.

** Oberhessische Brauche. 2 er dritte Weih- nachtstag ist, so sck/reibt man uns, von jeher der Tag, an oem die Dienstboten, Knechte und Mägde sich aufs neue verdingen, bezw. ihren Dienst wechseln. Dieser Wechsel wird in nianchen OrtenSchurzen" oder Scy e rzen", in anderen auchBün deichens Ge­burtstag" genannt. Bei dem Auszug wird ein Dienst­mädchen von ihren 3üinnliii6engcno|,innen und den Burschen begleitet und gewöhnlich bis zur neuen Dienststelle gebracht, ^er Auszug findet bei Gesang und Peitschen- tnallen oder auch Schießen statt. Den im Dienst ver­bleibenden Mägden .oder Knechten wird nach altem Brauch DerKasten geruckt". Dabei müssen die so Geehrten Kaffee oder Brer spenden. Tie Tage vom dritten Weihnachtstag bis Neujahr gehören den Dienstboten; an diesen können sic ihre eigenen Arbeiten besorgen. Ein schauer Syl­vester b r a u ch hat sich noch in vielen Orten ^berhessensj bis heute erhallen: es i|t dies die Ueberreichung eines Neiljayrsgeschentts" an die O b ft b ä um c. Das Geschenk besteht in einem Strohseil, welches um den Stamm ge­bunden wird. Tas Anbiuden geschieht tv-ahrenb Mittag-, Abend- oder Zweluhrläuttns und wird von ^.ntfpruchen und Bttten um eine gute Ernte begleitet. Bis vor etwa 50 Jahren war dieser Brauch noch allgemein üblich; das Läuten dauerte damals besonders lang, weil das Anbinden des Strohseiles nur während des Laurens Giltigkeit hatte.

-s- Großen-Linden, 2. Jan. Im Laufe des Winters sotten im Lindener Martwald, Distrikt Fuchsbail, vom Ober­hessischen Geschichtsverein wieder größere Ausgrabungen vorgenoinmen werden. In genanntem Distrikt befinden sich