-Schaffung einer provisorisch en Regierung unter ^Wittes Leitung.
Ter Verband der Verbände in Petersburg, /»essen Sitzung am 31. v. M. die Polizei schließen sollte, weil sie der Polizei nicht cmgenreldet war, schickte gegen Mitternacht eine Abordnung zum Grafen.Witte, die klipp und klar die Frage wegen der Amnestie stellte. Witte antwortete, die Amnestie sei als wünschenswert anerkannt worden, die Entscheidung über dieselbe hänge aber nicht von ihm ab. Tie Universität wurde auf Anordnung der Polizei von den. abwesenden Studenten geräumt und geschlossen, wobei zwei Studenten von Kosaken mit blanken Waffen schwer verwundet worden sein sollen.
lieber die Konferenz, die Graf Witte mit ben t» tretern der Presse gepflogen hat. nm deren ^Ettlchtzung zu erbitten, liegen ergänzende Nachrichten t»or Graf Witte ließ erkennen, daß der Zar noch zwischen Reform und Reaktion schwanke, und für den voll, daß die von ihm gemachten Konzessionen nicht befriedigen, sia? der Rcaltwn in die Arme werfen könnte. Tie Z e i t n n g s be r a u s g c b^e r neh- men die Worte des Staatsmannes sehr kühl auf. ^auworm drückte sein Mißtrauen aus und verlangte Bewerie der Aufrichtigkeit der Regierung. Graf Witte versprach , die Preßfreiheit „demnach ft" prakttich duvoHufuhren. Augenblicklich arbeite er an der Erweiterung des Wahlrechts Er persönlich begiinstige das allgemeine Wahlrecht.
Tic Zusammenstellung des neuen Kabinetts ist folgendes: Inneres: Karabazew, bisher Chefredakteur des „Ruß"; Finanzen: Romanos Kossitsch, 'früher liberaler Gouverneur von Saratow; Unterricht: Senator Konst Ihre Portefeuilles behalten der Minister des Aeußern Graf Lambsdorff, der Marineminister M i r i l e w und der Verkchrsminister Fürst Chilkow.
Ferner wird durch kaiserlichen Ukas der M in i st er r a t Reorganisiert. Ter Präsident desselben wird vom -Kaiser unter den Ministern oder anderen Würdenträgern gewählt. Tic Berichte der Chefs der Verwaltungen an den Kaiser müssen vorher dem Präsidenten des Ministerrats mitgeteilt werden, der Mitteilungen über die von allen >Chefs der Verwaltungen ergriffenen allgemeinen Maßnahmen erhält. Die hohen Beamten aller Verwaltungs- -zweige mit Ausnahme der des Hofes, des Heeres, der Flotte 'und der Tiplomatie können nicht ohne vorgängige Ge- !nehmigung des Minijterraies ernannt werden. Alle von den Ministern der Duma und dem Reichsrat vorgelegtcn Gesetzentwürfe müssen zuvor durch den Ministerrat gehen.
Tie Folgen des Zaren-Manifestes im Reiche.
Zn Moskau rottete sich am 1. d. M. eine vieltausendköpfige Menge zusammen und zog zum Palais des Generalgouverneurs und befestigte an dem Gebäude eine rote Fahne. Ter Gouverneur trat heraus und meinte, das Volk bezeuge durch sein Verhalten, daß es der erwiesenen Gnade unwürdig sei. 6000 Menschen begaben sich nach dem Buthrki- Gefüngnis, wo politische Verbrecher interniert sind. Eine Deputation wurde zu dem Gouverneur entsandt. Dieser erklärte, er habe soeben mit Witte telephonisch gesprochen, und sei ermächtigt worden, die auf administrativem Wege Verhafteten sofort zu befreien, während die gerichtlich Verurteilten nach drei Tagen begnadigt werden sollen. Tie Tore des Gefängnisses öffneten sich und die Freigelassenen wurden mit Freuden- igeschrei begrüßt.
In Petersburg wurden die wüsten Ausschreitungen bis kn dne späte Nacht fortgesetzt. Es wurde mit Steinen geworfen, tovdurch ein Offizier und ein Kind, nach andern Meldungen noch mehrLeuteerschlaqen wurden. Auf der Fahrt befindliche Droschken wurden angehalten. In der kaiserlichen Oper erhob sich währenb der Lohengrin -Vorstellung ein Student und rief laut: „Nieder mit dem Zaren, es lebe die Republik!" (£r wurde ergriffen und von einigen Offizieren unbarmherzig durchgeprügelt. Die Polizei hatte Befehl, dem Volk auch 'bei Ausschreitungen nicht in den Weg zu kommen, jetzt aber soll die Taktik geändert werden; die Regierung ist entschlossen, energisch einzugreifen, um der Anarchie auf den Straßen ein Ende zu machen.
Auch in Odessa fanden bedeutende Straßenkundgebungen statt. Die Kosaken erschienen plötzlich zu einer Versammlung auf offener Straße. Ein verkleideter Polizist feuerte einen Revolverschuß ab, wodurch das Pferd eines Kosaken verwundet wurde. Dies war für die Kosaken das Zeichen zum Ungriff, wodurch viele Personen verletzt wurden. Die Gemeindebehörden erhoben beim General-Gouverneur Einspruch. Dieser erklärte iedock», er könne es unmöglich dulden, daß die Truppen ungestraft beleidigt würden und fügte hinzu, er werde am Tage des Begräbnisses der Studenten keine Truppen entsenden, aber b"r erste Schuß, der von der Menge abgefeuert würde, werde ernste Folgen haben. Während der gleichen Zeit durchzogen 50 verkleidete Polizisten, denen eine Bande berüchtigter Personen folgte, die Dalnitzkajastraße und begannen die Ge- s(chä ftsl ä dc n zu zerstören. ES folgten ihnen Kosaken, die nach einem Schuß ans der Menge diese angriffen und ein 'förmliches Blutbad anrichteten. In der ganzen Stadt herrscht "infolgedessen eine große Panik. 900 Studenten beschlossen einen Angriff. Die Hälfte der Studenten begab sich bewaffnet nach -dem Ort der Unruhen, während die andere Hälfte Wachtposten 'ausstellte. Tic Unruhen dauerten bis in die späten dlbendstunden fort, besonders in der Dalnitzkajastraße, wo vier Personen !g e t ö t e t und 92 s chw er verwundet wurden.
Jü Kiew dauert ebenfalls trotz des Manifestes der allgemeine Streik fort. Die Streikführer erklärten, die Arbeit solange nicht aufzunchmen, bis die allgemeine Amnestie durchgcführt ist. Es wurden aus der Menge wiederholt scharfe Schüsse auf Soldaten abgegeben. Diese erwiderten mit Salvenfeuer, sodaß viele Tote und weit mehr Verwundete die Straßen bedeckten. Die „schwarze Bande" griff unter dem Schutze der Nacht fortgesetzt bessere Passanten und Juden an. An der Peripherie der Stadt und besonders im Stadtteil Podol Tarn cs zu rohen Ausschrcitunaen gegen dic Juden. Tic Aerzte sind überall mit den Verwundeten beschäftigt.
Genau das gleiche Bild bietet die große poln. Fabrik- stadt Lodz. Auch dort ereigneten sich mehrfach Zusammenstöße, bei denen es Tote und Verwundete gab. Zn der Konstantinowskastraße wurden drei Salven auf Demonstranten abgcfenert. Auch gegen eine Versammlung kaufmännischer Angestellter, dic behördlich genehmigt war, schritt die Polizei ein. Auf den Straßen ist nur Militär zu schm.
Auf bAx Bahnlinie zwischen Battim und Tiflis überfiel eine aus 150 Köpfen bestehende Tatarenbande einen Zug, brachte ihn zum Entgleisen und plünderte einen Waggon mit Waffen. Ein in dem Waggon befindlicher Soldat nmrbc tödlich verwundet.
Das Kronstadter Blatt „Kotlin" dementiert auf Grund einer bei dem Marinestab cnigcjogenen genauen Erkundigung das Gerücht, daß das Panzerschiff , <ufaes Potcmkin" der Sch Warze nmeerflotteindicLuftge sprengt wurde und daß hierbei Marineminister Birilew und Admiral Tschuknim verunglückt seien. Von dem Marinestab wurde gleichzeitig mitgeteilt, daß das praktische Geschwader des Sck,rvarzen Meeres bei der brreitS gemeldeten Ankunft in Samsun am 27. Oktober und bei der am 27. Oktober abends erfolgten Weiterfahrt nach Trapezunt in vollem Bestaube war.'
Politische Tagesschau.
Ein neues Schauermärchen de? Pariser „Mattn".
Der Pariser „Matin" ist ganz außerordentlich leser- hungrig. Alle Tage ersinnen seine Redakteure neue Maren, mit denen sie ihre sensationslüsternen Leser füttern. Ob die von ihnen aufgetischten Enten womöglich noch an demselben Tage Lügen gestraft werden, oder ob die Aufklärungen Tage und Monate auf sich warten lassen, wie im üblen Falle Delcaffe, das ist den Herren schnuppe.
Gestern brachte das Blatt folgende verrückte Nachricht:
Gerüchtweise oerfaiitet, daß die sozialistis cf) en A u * qc ft eilten der Waffe nfabriken in Tülle lieft da bin geeinigt hätten, im Falle eines Krieges zwischen Frankreich und T en tsch l an d die S erste! lang von Was'en zu verweigern, um aus diese Weise dem Kriege aus Mangel an Waffen und Munition ein schnelles Ende zu bereiten. Gleichzeitig richteten die Arbeiter an ihre Genoffen in den übrigen franzos. Waffenwbriken die Bitte, daß auch fie einen ähnlichen Entschluß fassen möchten. Die Antwort lautete allenthalben zu- slinunend. Nur aus St. Etienne ist noch kein Bescheid eingetroffen. .....
Gegenüber dieser Meldung erklärt die offiziöse „Agencc Havas", nichts in den ihr bisher zugegangenen Nachrichten gebe Anlaß, die Meldung des „Matin" zu glauben.
Deutscher Reich.
Berlin, 1. Nov. Heute nachmittag traf auf dem Anhalter Bahnhof der König von Griechenland mit Gefolge ein. Er wurde auf dem Bahnhof von dem Kaiser, dem Kronprinzen, den Staatsministern Frhrn. u. Nichthofen, o. Tirpitz, v. Einem rc. empfangen. Der Kaiser begrüßte den König, der die Uniform eines deutschen Admirals angelegt hatte, auf da§ herzlichste mit Umarmung und Küsten. Nach Vorbeimarsch der Ehrenkompanie begaben sich die Majestäten nach Wildpark. Dort hatte als Ehrenkompanie die Leibkompanie des 1. Garde-NcgimentS z. F. unter Führung des Prinzen Eitel Friedrich Aufstellung genommen. Beim Einlaufen des Zuges spielte die Musik die griechische Nationalhymne. Ter Kaiser und der König schritten die Front dcr Ehrenkompanie ab, worauf ein Vorbeimarsch bereiften stattfand. Tie Majestäten begaben sich dann nach dem Neuen Palais. Dort wurde der König von der Kaiserin empfangen. Gegen 8 Uhr fand ein Tiner statt. Im Laufe des Mahles tranken sich die Monarchen zu und stießen dabei mit den Gläsern an. Später wurde Cercle abgehalten.
— Aus einem Artikel der Redaktion des Vorwärts an der Spitze des Blattes, in dem ausgeführt wird, in welcher Weise künftig da? Blatt gehalten werden soll, geht hervor, daß drei Mitglieder der bisherigen Redaktion neue Ressorts übernehmen und drei neu in den Nedaktionsverband eingetreten sind. Außerdem sei die Redaktion nicht vollzählig.
willen stein, 1. Nov. Die hiesige Negierung wurde heute durch den Oberpräsidenten v. Molkte eröffnet. Er- chienen waren 23 Bürgermeister der Städte des neuen ost- preußischen Regierungsbezirkes Allenstein.
Ans §tiliU iniö £a»i>.
Gießen, 2. November 1905 .
— Fünf akademische Vorträge, wie sie in früheren Jahren der Tirektor der Bibliothek zu deren Besten veranstaltet hatte, sollen nut seiner freundlichen Zustimmung diesmal von den Vertretern der Altertumswissenschaft an unserer Universität gehalten werden, um aus dem Ertrage den Studenten wistenschaftliche Reisen zu ihrer Ausbildung in archäologischer Heimatkunde zu ermöglichen, zu deren tätiger Förderung die künftigen Oberlehrer vor andern berufen sein werden. Am 17. November wird Professor Wünsch beginnen und in Lichtbildern eine Wanderung durch Athen veranstalten, am 24. Professor Bethe ein Adonisfest in Alexandrien, am 1. Dezember Professor Sauer klassische Ungeheuer vorführen. Am 12. Januar will Professor M. L. Strack über das Geld im Altertum sprechen und Münzen und Medaillen in Lichtbildern zeigen, und am 26. Januar versprechen Aufführungen aus antiker Musik und Poesie unter gefälliger Mitwirkung des Musikdirektors Trautmann einen besonders interessanten eigenartigen Ab- schluß. Dem jetzt umgehenden Zirkular, das zum Abonne- ment für 4 (1 Person), 5 und 6 Mk. (2 und mehr Personen derselben Familie) auffordert, glauben wir schönen Erfolg verheißen zu dürfen.
•• Professor Dr. Sticker schreibt uns heute aus Münster i. W., daß er seit dem Tage seiner Anstellung als Direktor des ClemenShospitals in M. am 1. Oktober mit voller Arbeitskraft und Freude in seinem neuen Verusskreise tätig ist und daß daS falsche Gerücht wohl auf eine rheumatische Schultererkrankung zurückzuführen ist, die er im Sep- tember bestanden und beinahe wieder vergessen hat. Mit den Worten: ,Guten Freunden meinen Gruß" schließt der Brief, der die altbekannten klaren Schriftzüge des vortrefflichen ArzteS und Gelehrten zeigt.
** Oderberg rat Professor Dr. CheliuS ist, wie »nS jetzt auS Darmstadt mitgeteilt wird, von Hof he im zurück und in das Darmstädter Untersuchungsgefängnis gebracht worden. Die Aerzte des Landeshospitals sollen ihr Gutachten dahin abgegeben haben, daß CheliuS geistig minderwertig (?) sei. Dadurch ist er zwar nicht straffrei, aber immerhin nur bis zu einem gewissen Grade für seine Handlungen slrafrechlltch verantwortlich.
** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Aus das morgen stattsindende zweite Gastspiel von Frl. Jüngling vom Darmstädter Hostheater sei nochmals besonders hingewiesen. Bekanntlich hatte die erste Aufführung von .Marn zelle Ritouche" mit Frl. Jüngling und Herrn Reimer in den Hauptrollen einen ganz außerordentlichen Erfolg zu verzeichnen.
•* Das Mitglied des StadttheaterS Reinhold Luttjobann wurde, wie er uns mitteilt, nach einem erfolg- rcidjen Galtspiel als Hans Rudorf in .Rosenmontag" und als „Don CarloS" von Herbst 19o6 auf drei Jahre an das etabttbeatcr in Stettin engagiert.
L a m b o r g s h u in oristische8 Konzcrt am Montag Albend in Steins Saal dürfte eines guten Besuches sich erfreuen. Wir lesen über seine Vortragskunsi im .Berliner Tagblatt" :
Gtn AllerwclMüustlcr ganz eigener Art produzierte sich im votel de Nome. Lamborg nennt sich „Klavier", ®c(ang§- und DeklamationS-Humor.ist* und ciiuoidelt in dem knappen Zeitraum
Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde.
Freitag, ben 3. November, nachmittags 4 Uhr, im Kon» firmandensaal, Liebigstraße 56: MissionSkranr der Lukgsgemeinbe.
Pfarrer Euler.
Israelitische Neligionsgemeinde.
SottesdienN in der Synagoge (Südankage).
Sa ms teig, den 4. November 1905.
Vorabend 4.45 Uhr.
Morgend 9.00 Uhr. Nachmittags 3.30 Uhr.
Sabbalhausgang 5.45 Uhr.
Israelitische Neligionsgescllschaft.
Gottesdienst.
Sabbat ft feier am 4. November 1905:
Freitag abend 4.30 Uhr.
Samstag vormittag 8.30 Uhr.
Nachmittags: 3.30 Uhr.
Sabbachausgang 5.45 Uhr.
Wochengottesdienst: morgens 7.00, abends 4.30 Uhr.
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 2. Nov. (Teiegr. Orig.-Bericht deS , Gieß. Anz.".) 2lmtlicftc Notierungen der heutigen Viehma r k t- preise. Zum Verkaufe standen: 43 Cchfen, 0 aus Cefterrpictj 2 Bullen, 00 aus Oesterreich, 51 Kühe, Ferien, Stiere und JRinöcr, 0 aus Oester., 410 Kälber, 480 Schafe und Hämmel, 00 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Psd. Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 81 bis
von nicht ganz zwei Stunden in buntem Durcheinander die per* chiedenften Kunstfertigkeiten und Talente. Jetzt parodier^ er sehr gelungen die Prodiiktionen einer „musikalischen ymmlic , dann läßt er einiae Dutzend der heterogensten Melodien, wie fie aus der Mine des Auditoriums aufs Keradewohl verlangt werden, mit einer phänoinenglen Fingerfertigkeit burcheinauberschwirren. Fetzt wiederum trägt er mit einer ungemein voluminösen, geschulten Stimme einige Lieder in österreichischer Muiidgrt mit Klavier« begleitnng vor und gibt zwischendurch mit schwindelerregender Zungenaeläustgkeit eine pudelnärrische Sentenz zum Besten. Auf voller Höhe seiner Leistungsfähigkeit zeigt sich Hr. Lamborg bei der Aiistührung eines grotesken OpernstnaleS; er stellt dabei m einer Person nicht weniger als Priiiiadonna, 9Uiiftiit, Koloratursängerin, Bariton, Tenor, Baß und beide Chöre dar. Alles bcis und noch einiges Andere, was wir saheil und hörten, ist außerordentlich amüsant unb amüsierte denn auch die zahlreich erschienenen Zuhörer aufs Beste. ..
8 Ulrichstein, 1. Roo. Rach längerer Zett ist das Komitee des Eisenbahnpr oj ektes Ulrichstein—Mücke wieder in Tätigkeit getreten. Am verflossenen Sonntag hielt dasselbe eine recht zahlreich besuchte Versammlung hier ab. Neun Orte, die deni Projekte ihr Jntereffe entgegenbringen, hatten Vertreter geschickt. U. a. würbe Oberförster Schütz hier als neuer Vorsitzenber gewählt, ber die Wahl annahm.
Frankfurt a. M.» 1. November. Auf den Wiesen in der Nähe der Frauenhofschule in Niederrad fand man gestern hinter einem Weidenbusch.die Leichen eines jungen Mädchens und eines jungen Mannes. Beide hatten Schußwunden in der rechten Schläfe, im Munde be§ MäbchenS stak ein zusammengeballteS Tascheittuch. Der junge Mann ist ber 22 Jahre alte Schloffergeselle Robert Dieß- ncr ans Böhmen, dos Mädchen die 15 Jahre alte Tochter des Höchsterstraße 68 wohnenden Wirts Burkhard. Dießner wohnte bis vor einigen Togen bei Burkhard, der ihm die Wohnung kündigte. Allem Anschein nach ist die blutige Tot Dienstag abend verübt worden; das Mädchen wurde feit diesem Tag vermißt. Es hat zu Hause einen Zettel hinter- lassen, aus dem hervorgeht, daß eS freiwillig aus dem Leben scheiden will; einen Zettel ähnlichen Inhalts fand man bei der Leiche. Vermutlich hat Dießner zuerst daS Mädchen mit deffen Einverständnis und dann sich selbst erschaffen.
(Franks. Z.)
* Kleine Mittelungen aus Hessen unb ben 9t a ch b a r ft a a t c n. Die Ma in zer Stabtoerorbneten geil eftmigten bic Verlängerung ber Gültigkeitsbauer bes T ft eatev- Vertrages mit Direktor Schrenb bis zum 1. Zuni 1909. JnAlle'nborf a. b. L. zeitigte bic Vergebung ber Wasserleitungs- arbeit eine schöne Submissionsblüte. Tas niebrigfte Gebot betrug 17 000 Alk., bas höchste aber 50 000 Mk. Die Koftenanschlagssmnme betrug 19 200 Mk. — Zn ber Arbeiter-Kolonie Neu - Ulrich - ft c i n würben int Oktober 39 Stellenlose neu ausgenommen unb 15 entlassen. Am Enbc bes Monats befanben sich 65 Arbeitslose
^-Kleine Ta gcschr Dn i t. Zn Moesbach (Badens finb bei einem Zimmerbranbe bic brei Kinbcr eines Zimmei- manlis erstickt. Die Eltern nahmen an einer Hochzeit teil und hatten bic Kmber allein zurückgelassen; eines von ihnen warf die Petroleumlamve um. — Zn Witten stürzte der bereits vier Stockwerke hoch errichtete Bottermannsche W a l ft a l l a - 91 e u b a n zusammen. Vier Maurer wurden unter ben Trümmern begraben. Ein Maurer unb ein Maurerpolier sinb tot, zwei Maurer wurden schwer verletzt. Durch ftcrabstürzendc Steinmassen würbe auch ein qegeniiberltegenbe§ Haus stark beschäbigt. — Auf dem Wege von P l o s ch c n ' nach Kajow (Posen) würbe die Leiche dcS Arbeiters Sablowski aus Ploschen gefunben Nach bem Sachbcfunb liegt unzweifelhaft Morb vor.' — Bei Dresden wurde der hantier Rracaer auf berZaab, vermutlich infolge einerllrworfiditiqt’cif, erschossen. — Zn Plauen i. V. unternahm ber 21 jährige Drogist Wurnckc, Sohn achtbarer Eltern, in ber Nacht in seiner Wohnung einen Morbvcrsuch gegen seine 16 jährige Geliebte, inbem er bem Stäbchen eine Kugel m ben Kopi swotz unb dann sich selbst io schwer verletzte, baß er kurze Zeit daraus ftnrb. Das Mädchen wurde schwer verletzt nach bem Krankenhause gebracht. — Zn Eam enz brannte bie große Tuchiabrik von Müller, an ber 12 Fabrikcmten beteiligt sinb, nicber. Es wird Selbstenzünbung angenommen. — Bei bem Spar-- unb Vorschuß- Verein von Königswalb (Böhmen) sinb große Unterschlagungen burch einen Kassierer vorgekommen. Die veruntreute Summe beläuft sich auf 100 dis 150,000 Kronen. — Zn Bochum wurde der Kassierer des Verbanbswasserwerkcs der Laiidkreisgemeinden wegen Unterschlagung von 6000 Alk. verhaftet. Das veruntreute Gelb hat ber Kassierer in P'erbewetten verloren. — Der Knecht Bergemann unb sein« Geliebte, bie Dienslmagb Vieth auS Wnthenow, haben sich in einem Nebenarm bes Lepvehner Kloppsccs (Pommern) ben T o b gegeben.' Ngch burchtanzler Nacht unb uachbem Bcrgeinann noch bie Pferd« s.ines Tienstherrn besorgt hatte, ist er mit seiner Braut zur Aus- uihrung ber Tat geschritten.
Kerichlslaal.
Dresben, 1. 9!vv. TerD i sziplinargerickitshof verkündete heute Mittag das Urteil gegen ben bisherigen Direktor bes zoologischen Museums, den Geh. Hofrat Tr. Meyer. Das Urteil lautete auf D i e n st en t la s s u n g unb Tragung bet Kosten. In ben UrteilSgrunden heißt es: Meyer hat sich io diensllichen Angelegenheiten eines Beamten umviirbig verhalten. An birs Museum hat er eigene Gegenstänbe verkauft unb sich babei von Dritten Rechnungen ausstellen las'en, um die Herkunft der Sachen zu verschleiern. Bon Lieferanten hat er sich Provisionen zahlen lassen, ebenso einen vom Hamburger Museum gezeichneten Bettag von 1000 Marl nickt verre chn e t, angeblich, um sich damit für Leistungen an bas TreZbener Museum bezahlt zu machen. Auch seine Behandlung ber MuseumÄiegmten sei unzulässig gewesen. Meyer, ber 30 Zehre im Dienste war, will Berufung einlegen.
5<,
o. euo • 6Loo - Cun!;,0 9 Quöllt Ö0-M ß’o—64-^
(iw
ISW,.1“ 2% Aekl'"'
‘ Pr-a. K
iS»”*"-**
Tie
«ariS, 2.M 2 htfl gemelbet M «
18 Stcnbtn eine l <jn Odessa M e? M >tn * *en Jnippen müßten emscht inbmt'irercn Tan
Kasan, 2. Nov. herrschen schrecklich beamten wird gesc Ecküsse abgegeben, bes Isthas gewogene B
tpunbef.
Petersburg, 2. Monbere Rostow un bei ber Bevölkern! eigen bie Iuden ’,i vaterlandsfcindlich Hafion Erregung i ).xn gehörende Höu Iteilweise in Bra gdiiet, bezw. verir
Aarschau, 2. rrtfflmhingen statt, vinki wurden 7 ls :mnbet. Später 'ü-bald ’ogen große i Es wurden unter all Aufrufe veckiß. Po ftN« Mrid n uuf
Merbrochm und ho Theaters. Be M
Gär
il8i
Für die sowie für die ouf diesem W
^L'gebim
,905 W19* "Jb,i| lieben iverd,? Art rnufjfe . Bedn
Stabt.
der ltzciben "'""eu i
lleihiqe,, 2^, "osseu, j» linö"i1n,erir,ne °n 3] 5<e.
fr fei?,1-»


