Ausgabe 
2.11.1905 Zweites Blatt
 
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lntwann, Berlin

Wilhelm (2. GI0lsh. Ha

*Tan Beethoren (177U-1827)

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unnummeriert Mk.i, iowe Konzertführer »md , für btudieieude auch k Zu Hauptprobe 1k i &U.

S >ü>ä gelbe Karten. November statt, leiden.

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Nr. 258

Zweites Blatt.

155. Jahrgang

Donnerstag 2. Skovember 1905

LrfcheiM tSglld) mit Ausnahme deS Sonntags.

DieSiebener ZamiUenblStter" werden dem ,Anzemer viermal wöchentlich beigelegt. Der Lauvwirt" erlcheuu monalluh einmal.

Giehener Anzeiger

Roianonsdruck und Verlag der Brühl'schem Uinversuätsdruckerei. 9L Lange. ©t«Bov

Redaktion, Exvedition u Druckerei: Schulstr. K.

Lei. 9lu 5L lelegt.-910r,; Anzeiger «Ltetzea.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.

Oldenburgische Steuerreform.

,Steuerreform' so nennt man im Grosrh. Olden- durg eine umfangreiche und bedeutsame Vorlage, die eine Gesundung der oldenburgischen Staatsfinanzen anbahnen soll. ES handelt fich in dem Entwurf um weit mehr als um eine Abänderung der Einkommensteuergesetze, eS handelt fich darum, den Staatsfinanzen ganz neue Grundlagen zu geben und da§ Verhältnis vom Staat zu den Gemeinden auf teilweise neuer Grundlage zu ordnen.

Die Staatskasse soll entlastet werden von verschiedenen Ausgaben in Schulsachen. Als vor noch nicht sehr langer Zeit in Oldenburg das Schulgeld für Volksschulen ausgehoben wurde, verpflichtete fich der oldenburgische Staat, für jede? eine Volksschule besuchende Kind zu der betreffen­den Schulachtskaffe einen Jahresbeitrag von drei Mark zu zahlen. Außerdem zahlte der Staat bisher die AlterSzulagen der Volksschullehrer. Der Antrag der Staatsregierung geht dahin, der Staatskasie diese Lasten abzunehmen. Hingegen sollen die Zuschüsse an überlastete Schttlgemeinden auch künftig auS der Landeskafie gezahlt werden. Die Kosten der Unterhaltung der Staatschausseen sollen in Zukunft von den AmtSverbänden getragen werden. Diese werden "io nach der Gesamtsteuer auf die einzelnen Gemeinden urnzn- legen haben, so daß also die Chausseebaukosten in Zukunft nach der Einkommensteuer, der Grundsteuer und der Ge­bäudesteuer erhoben werden, während eS bisher wesentlich die Einkommensteuer war, aus der diese Lasten gedeckt wurden.

Neu eingeführt wird eine Vermögenssteuer, die die Höhe von 1 Mark pro Mille erreicht.

Die Staatsregierung schätzt die Belastung deS Grund­besitzes durch die Vermögenssteuer auf 385 000 Mark, durch die Neuordnung der Chausieekostendeckung auf 115 000 Mk. Wenn diese Schätzung zutrifft, so würde der Gnmdbesitz durch diese Reform weder eine Belastung noch eine Ent­lastung erfahren. Die Rechnung wird stimmen. Erfolg gehabt hoben die großen Anstrengungen der Grundbesitzer gegenüber einer Grundstückslimsatzsteuer: die Staatsregierung stimmt ihrer Einführung nicht zu, obwohl in den olden- burgjschen Fürstentümern Lübeck und Birkenfeld solche Ge­meinde-Umlagen seit Jahrzehnten gehoben werden, im Fürstentum Lübeck sogar schon als Staatssteliem zur Hebung gekommen sind. Dagegen hat sich das Ministerium für die Gemeindegrund st euer nach dem gemeinen Wert entschieden, und die Gemeinden werden von der Er- mächtigung zur Einführung dieser Steuer sicher Gebrauch machen.

Die Einkommensteuer wird noch dem neuen Ent­würfe etwa 50 000 Mk. weniger bringen als bisher. So schätzt die Staatsregierung. Sie begründet dies daulit, daß die Erleichterungen und Ermäßigungen, die der Entwurf zu- gestehen will, einen Steuerausfall zur Folge haben. Es werden die Einkommen unter 400 Mk. ganz freigelaffen und die Steuer für Einkommen bis 1200 Mk. ermäßigt. Außer­dem werden allerlei Erleichterungen und Ermäßigung^ für Einkommen bis zu 3600 Mk. zugestanden, so daß allerdings ein Steuerausfall wahrscheinlich ist. Auf der anderen Seite aber wird daS Veranlagungsverfahren viel sicherer, viel bester. Die Grundlagen für die oldenburgische Steuerveran­lagung waren bisher gar zu mangelhaft. Weiter ist eine abermalige Erhöhung der Stempelsteuer und der Gerichts ko st en geplant.

Wir wollen den Oldenburgern wünschen, daß es ihnen nicht so geht wie unS in Hessen, sondern daß die Vorlage dec dortigen Großh. Regierung möglichst glatt durchgeht. Im Grobherzogtum Oldenburg gibt eS keineCrrfte* Kammer, an deren Widerstand unsere Steuerreform gescheitert ist, sondern überhaupt nur eine Kammer!

I,u1lch--frikatiisch S

Ein schweres Gefecht gegen Moreng« in SLdwestafrika.

Gestern nachmittag erhielten wir folgendes Telegramm, -as wir alsbald durch Aushang bekannt gaben:

Berlin, 1. Rov, Generalleutnant von Trotha be- lichtet über ein schweres Gefecht gegen Morenga, daS nm

Oranfefluß llattgefnnden Hal nab bei dem auf deutscher Seite 3 Offiziere und 18 Mann getötet, 3 Offiziere und 18 Mann schwer, sowie 13 Mann leichter verwundet worden lind 5 Manu werden vermißt. Tie Verwundern wurden nach einer Mission gebracht. Eine Verfolgung dcS Leindes war wegen der Erschöpfung der Truppen und wezen Prov ant und Munitionsmangel nicht möglich. Deshalb waren die Verluste de» FeiodeS nicht fcstznstelleu.

Heute liegt eine ausführlichere amtliche Meldung vor, die diese Nachricht bestätigt und hiuzusügt:

Oberstleutnant v. S e m m e r n ist mit der Abteilung floppn am OrmigestuK östlich von HariebcesMrund 20 flilometcr südlich von her Homsdrist mif einen lehr starten (Senner von mindesten- 400 Mann unter Morenqa, Morri» und Johannes Eimrstian in verschanzter Slelluna gestoßen. Es kam zu einem äußerst schweren Kampfe, der bis zur Dunkelheit locibrie. Am AI argen räumte der sieind nach kurzem ftenertieedit leint Stellung und zog in westlicher Richtung ob. Die englische Polizei bot nach Beobachtungen vom Südustr des OrangellusseS angegeben, daß der Feind starke Verluste gehabt habe, besonders habe die Artillerie gut gewirkt. Am 24. wurden die Verwundeten westlich von Pelladri't nach der Misston über den Oranqelluß gebracht, v. S. begiebt sich mit der Abteilung floppt) über Rendoin nach Warmbad, wo er om 31. einzntrefsen gedenkt. Die Truppe hat in Ueberwindung außergewöhnlicher Schwierigkeiten und in unerschütterlicher Tapferkeit im Gefecht groß­artiges geleistet.

Außerdem wird gemeldet, daß Hendrik W i l b o i nach ver­geblichen Versuchen, durch Angriffe onf die besetzten Wasserstellen von Aminuis und Kiriis-Ost Wasser zu befommen, 350 Weiber und Kinder, darunter seine nächsten Angehörigen, holb- verdurstet zurück!ieß. Sie liefen den deutschen Trup­pen zu und werden nach fleclntouShooD gebracht. Aus der Gegend von fliriis-Ost ist Hendrik Wilboi über Bluinpuetz Garinais in nordwestlicher Richtung geflüchtet. Moor v. Estorfs ging am 25. Oktober mit einer Kompagnie, 2 Geschützen und 2 Ma­schinengewehren von Mukorob und mit 80 Reitern und 2 Ge­schützen von Fahlgros aus ihin entgegen, wahrend Majoroon Vengerfe mit einer Kompagnie und einer Batterie ihm übe» Giaube folgt. Die Postierungen am Fischlluß und oin Auob fallen das Entkommen Hendrik Witbo<s nach Westen oder nach Osten zu verhindern suchen. Cornelius wurde von der Ab­teilung v. Lettow über die Zwiebelhochebene verfolgt. Er überschritt nördlich von C-Hamis den flonkip und wurde om 24. Oktober bei GoralnS von der 4. Ersatzkompagnie gestellt, die bis dahin die Straße Kubub-Keetmanshoop gedeckt hatte. Nach einem einftünbigen Gefecht zog Cornelius unter Zu­rücklassung von z>vei Toten westwärts ab und wandte sich sodann noidöstlich über Blutvuets-Remmbohe nach Scbwarz- rand. Hauptmann v. Lettow mit 3 Kompagnien wurde mit seiner Verfolgung beauftragt, bei welcher die Stationsbesatzungen des Bezirks von Nordbethanien mitwirken werden.

General v. Trotha ;nrb nach den neuesten Bestimm­ungen mit seinem Stabe am 12. Dezember in Hamburg zurück erwartet.

Verstärkung der osiasrlkanischen Schuhtrnppe.

TieNordd. Allg. Ztq" schreibt: Zur Niederwerfung des Aufstandes im ostasrik. Schutzgebiete ist neben der Aussendung von Marinetruppen eine Verstärkung der dem Gouverneur zur Verfügung stehenden Machtmittel (Schutz- und Polizeitruvpe^ erforderlich geworden. Bei Beginn des Aufstandes ließ sich nicht übersehen, auf welche Stärke die Truppe gebracht und welche Mittel über die im Etat für das laufende Rechnungsjahr bewilligten hinaus für die Unterdrückung der Unruhen etwa bereit gestellt werden mußten. Dem Gouverneur Graf Götzen war zunäclpt in Anbetracht bieder Sachlage freie Hand für die zur raschen Niederwerfung des Aufstandes notwendigen und dringlichen Maßnahmen gegeben. Zugleich wurde er im telegraphischen Wege beaustragt, mit der tunlichsten Be­schleunigung die für die Aufstellung eines Nachtrags­etats erforderlichen Unterlagen einzureichen, um die Ne­gierung instand zu setzen, bei den gesetzgebenden Körper­schaften die Bewilligung der zur Niedertverfung des Auf­standes nötigen Mittel nachzusuchen. Nach dem in den letzten Tagen eingegangenen Berichte deS Gouverneurs ist eine Verstärkung der Schutztr nppe und Polizei­truppe um je etwa 1000 Mann auf rund 4200 Mann erforderlich. Den größeren Teil der neuen Mann­schaften liefert das Schutzgebiet, für den kleineren Teil find Anwerbungen in den neueren Territorien vorgesehen, und zwar sollen neben den in Massauah angeworbenen, in­zwischen bereits im Schutzgebiete eingetroffenen Mann­schaften, je 150 Mann, in Bougainville (Schutzgebiet von Neu-Guineas und Togo angeworben werden. Auf Grund dieser nunmehr vorliegenden Berichterstattung des

eine schwere, ihn ermüdende ttufoabe stellt. Wir laden zu reinem Genüsse ein, und wer unserem Stufe folgt, wird, neu­belebt und voll der angenehmsten Eindrücke, den Kvnzertsaal wieder verlassen.

Kleines Aeuilleton.

Ter Gießener Konzertveret«.

Unser Avnzertverein hat keine Anstrengung und keine Kosten gescheut, um auch im kommenden Winter dem Publikum das Beste zu bieten. Mit Absicht bringt er zur Eröffnung der Saison ein klassisches Programm, nachdem das letzte Orchester­konzert des vorigen Winters uns ganz in die moderne Musik ver­setzt hatte. Mit einem Beethoven-Abend will er unS erfreuen. Die Ouvertüre zu dem Trauerspiel Kvriolan von fivllin, dessen Namen man in den KonversationÄepicis vergeblich suchen wird, ist um ihres einfachen, durchsichtigen Aufbaues willen stets als ein Meisterstück gepriesen worden.ES gibt kein Derk, das Beethovens männliche und künstlerische Energie in engem Raum so voll bewährte, als der Kvriolan", schreibt Marr. Die Ouvertüre entstammt der Zeit zwischen der 4. und 5. Symphonie, die 1808 zum ersten Male aufgeführt wurde. Die 8. Symphonie, die zweite große Orchesterdarbietung unseres Abends, 1815 vollendet, ist nicht die imponierendste, roo# ober die graziöseste unter ihren Schwestern. Man muß sie lieben, denn alles an ihr weckt eitel Entzücken:nichts als lautere Findigkeit, Glückseligkeit, übermütig aufrauschend bald, bald frühlich und leichtsinnig, dahintanzend in jauchzender Suft": nur selten huscht ein Schotten über das liebreizende Antlitz. Und zu solcher Stimmung wßt das wundervolle ES-Dur, Konzert, deffen Entstehung in die Mitte zwischen Ouvertüre und Symphonie fällt, fast bis in die Einzelheiten. Den pompösen Eingang kennen kennen wir alle, und Iväre es nur in der Gestalt, die er als oft gespielterTriumphmersch" gewonnen hat. Dann ein über­aus stimmungsvolles Adaaio und ein Hinreinendes Finale. Frau Therese Carreno, die weltbekannte Pianistin, deren erstes Auftreten bei uns im vorigen Jahr ihr alle Herzen eroberte, n/irb uns das Konzertinterpretieren", wie man in der modernen Sprack-e sagt, d. h. sie wird cs uns spielen, rote es gespielt werden mutz. Glaube niemand, daß ihm dieser Deelhovenabend

. Frankfurt a. M., 1'. Nov. Ein eigenartige-G a st s p i e l wird am 3. und 4. November im Residenz-Theater flott» finden. Der schwedische Dichter Adolf Strindberg hat für sein DoppeldramaTotentanz" Anhänger gefunden, die eS sich zum Ziel gesetzt h'ben, ihn in den ständigen Spielplan ein- zufüfwen. Die darstellenden Kräfte sind von ersten Bahnen individuell für die betreffenden Charaktere auSgewählt und die Regie bringt mit ihrer Herautorbeitung des Totentanz den Stil, in dem nach ihrer Ueberzeilgung der Dichter allein zum Worte kommen sollte.

Der bekannte Schauspieler Friedrich Laase feierte nm 1. d. M. in Berlin seinen 80. Geburtstag. Unter den zahlreichen Glückwunschtelegrammen b-finden sich viele von Fürst­lichkeiten. Im Auftrage des Kaiser- erschien General- intendant v. Hülsen und überreichte dem Jubilar eine höhere Ordensauszeichnung. Die Stadt Berlin beabsichtigt, wie ver­lautet, noch ihm eine Straße zu benennen. In der neuesten Nummer derSchaubühne", einer neuen. Berliner Wochen­schrift von ungeschminktester Tonart, in der die heut'gen deut­schen Büfm en zustande sowie die moderne dramatische Produktion mit erfreulicher Frische, Gründlichkeit und eindringlichem Ver­ständnis von einer Reibe theaterbegeisterter ji-naer B-rliner Jour- nalisten besprochen werden, wird Hacses Bedeutung auf das reckte Maß zurückgcfübrt. Er wird da charakterisiert als ein bloßer Virtuos von elegantesten und geschmeidigsten Formen obw? Temperament, ohne Geist, ohne Intelligenz und ohne echtes Kunstgefühl, als ein mühsamer Erfinder lächerlicher kleiner Mätzchen. , t,

_ Stephen PhtllivS. Heber den neuerdings viel ae- nannten englischen Dramatiker, um dessen Stücke sich in jüngster

Gouv.-rneurs wird die Aufstellung eines Nachlragsetctts für das Schutzgebiet Ostafrika so gefördert werden, daß der- selbe dem Reichstag bei seinem Zusammentreten sofort vor- gelegt werden kann.

In Deuts ch-O st asrikr bat sich unter den Negern, die am Süduser deS Viktoriasees wohnen, ein neuer Ausstand ersieh cn Graf Götzen telegraphierte unter beut 30 d. M.: Aus Mnanza wird gemeldet, daß ein Einschreiten gegen den Sultan Makongo'a zwei Stunden von Muanza notwendig geworden sei. Die cmSgesandte Abteilung, be­stehend ans 12 Europäern und 24 ASkariS, stieß auf Wider» stand, wobei dcr Feind 25 Tote hatte. Der Sultan soll auf der Flucht ertrunfen sein.

ToS britische Mitglied für die Grenz-Absteckung iwischen Deutsch- und Britisch-Ostafrika, Oberst »hnutt, ist in Mombassa einaetroffen, nachdem er zwanzig Monate im Innern geweilt hatte. Die Kommission hat ihre Arbeiten zwi'chcn dem Victoria ßchandsa- und dem Südende deS Tschipe-SceS aus dem Wege über den Kilimandscharo zu Ende geführt.

Mo st.uert Außtand Oin ?

Bei Beurteilung der Entwicklung der Tinge in Rußland muß an Kem G^s'^tSpunit festgehalten werden, daß daS Tun und Lassen des Grafen Witte über die Zukunft entscheidet. Gelingt es diesem nicht, der Lage Herr !: rscn, dann sieht sich Rußland der Anarchie auSgelicfcTt, d.nn es fehlt ihm an weiter-n staatsmännischen Persönlich­keiten. Schon aber werden Zweifel laut an einem Erfolg des Grafen Witte, d'nen sich Berechtigung nicht absprechcn laßt. Man meint, die gegenwärtige Zeit brauche weniger einen verschlagenen und schmiegsamen Diplomaten ein solcher aber sei Graf Witte, als einen Mann der Tat, der der Masse imponiert. Tie Gewaltmittel.werden vielleicht sehr bald wieder Anwendung finden, denn die Masse bemchigt sich nicht bei den ihr gewälzten ober vielmehr versprochenen polit. Rechten, und der extremradikale Geist des au9 den Ruinen des absolutist scheu Rnsland erblühenden Leben­wird sich in voller Starke erst geltend machen bei den Ver- Ixmblungen der Reichsdi'ma. Kaum jemals, solange es eine Geschichte gibt, bat ein Staatsmann vor einer schwierigeren Aufgabe gestanden, als jetzt Graf Witte. Selbst wenn eS ihm gelingt, der Lage ^err zu werden und der Staats- gemalt Geltung zu verschaffen, lassen sich Bedenken nicht abweisen wegen der Beziehung-en des DerfassungsstaateS Rußland zum Ausland, besonders zu Deutschland. Di« Reichsduma wird auch hier Einfiutz zu erlangen suchen aufs Maßhalten ist der russische Charakter nicht angelegt und wie man auch über die Kreise der vielgerühmten ruffi* fdjen Intelligenz, diese Träger liberaler Ideen, urteilten mag, sicher ist, daß bei den Intellektuellen ein slawische- Jakobinertum zum Durchbruch kommen wird, wenn sie in Die gesetzgebende Volksvertretung einziehen. Auf das V<n> haltnis Rußlmrds zu Deutschland, das gegen das Slawen-» tum Front zu machen genötigt ist, müßte das ung-ünftig einwirken, zumal anzunehmen ist, daß die panslawistischen Agenten im Auslande alle .Hebel ansetzen werden, um in der Reichsduma gegen Deutschland Stimmung zu machen. Auch daraus erhellt, welch- ungeheuren Schwierigkeiten Graf Witte noch zu überwinden hat, ehe das von Leidew» schäften und Agitationen durchwühlte Rußland beruhigt und in die Reihe der zuverla'''iger. Verfassungs- und Rechts­staaten eingeführt fein wird.

Tie Ereignisse fcheinen ru beweisen, daß der Zar sich zn spat zum Liberalismus bekannt hat. Sein Manikeft hat, anstatt die Bevölkerung zu beruhigen, Überall Anlaß zu erneuten kümpfin gegeben. Die bereits p"fährliche Lage ist durch den Ausbruch eines Kvnsliktes zwischen den ge­mäßigt Liberalen und den extremen Demokraten noch ver­schärft worden. Tas Organ des Streikausschusses kündigt an, daß der allgemeine polittsche Ausstand fortdauern müsse. Gleichzeitig verkünden die revoluttonären Führer, daß die Massen rm richttgen Augenblick zu den Waffen greifen werden.

Am Abend des 31. v. M. empfing Witte die bürger­lichen Demokraten Pontileimon, Roditchow und Fall­berg. Er er Härte ihnen, daß er bei den Ministern und Beamten bezüglich der Frage der Neuorganisatton der Re­gierung auf große Schwierigkeiten stoße. Es herrsche absolutkeineEinigkeitinirgendeinerFrage. Tie bürgerliche Temokrat'e ventiliert die Frage wegen

Zeit drei grt>fk rheinische Bühnen gestritten haben, teilt intLite­rarischen Echo" ein Essai von Tr. Max Meyerfeld einiges Bio- gr. phische mit. Wie die Hälfte dcr englischen Dichter stammt Phillips, der 1866 geboren wurde, ans einem Pfarrhause. Der Kn'bc kam in bief-tbe Lateinschule zu Stratford am Avon, wo dereinst Shakspeore £ "tein und Griechisch erlernt hatte. Er eiferte seinem großen Vorgänger auch darin noch, daß er nach Beendig­ung feiner Studien den bürgerlichen Beruf, den er ergreifen sollte, im Stiche ließ und Schauspieler wurde. Dann war et Lehrer an einer militärischen Erziehungsanstalt und widmete sich später g'nz der Schriftstellerei. Anfangs ganz Lyriker, wurde Phillivs 1899 durch einen Londoner Tl^aterdirektor, der ein Drama bei ihm bestellte, der Bühne zugeführt. ES entstand Paolo und FranceSea", noch heute sein bestes Stück: diesem folgtenHerodeS" lkürzlich in Tartnnind und Esten aufgesührt), Ulysses",Die Sünde TovidS" (kürzlich am Düsseldorfer Stadt- th>ater ausgeführtX MitPaolo und Francesca" sollte ursprüng­lich das neue Schauspielhaus Luise Dumonts in Tüsteldorf er­öffnet werden.

DieNordd. Ma Ztg." meldet: Zn neuerer Zeit sind din kcisettichen Generalkonsulate in Rio de Fcmeiro mehrfach rnfr gm über die Prämie zugegangen, die angeblich von dcr br-silianischen Rcctzerung für die Erfindung eines wirk­samen Mittels zur Heilung der Tuberkulose oder d-s KrebseS ausgesetzt worden sei. Nach den vorliegenden Nachricknen ist vor ertva drei Monaten in der brasilianischen De- tnttiertenk mmer allerdings ein Antrag eingebracht worden, der die Aussetzi ng einer G-Zdprämie für den Fall herbeiführen will, d'ß ein wittsamcs M'ttel g"gcn Schwindsucht, fitebS und einige andere i.i Brasilien l»esonders verbreitete Krankheiten gefunden rr^rben sollle Es ist jedoch nicht zu übersehen, wann dieser An'rrg zur Beratung kommen und ob er zum Gesetz erhoben wird. Etwaige Bewerbungen um die PrLmie sind daher zur Zeit völlig zwecklos.