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2.3.1905 Erstes Blatt
 
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Krftes Blatt.

155. Jahrgang

Donnerstag Ä. März 1 SOS

Nr. erfeti*t tLgrich außer Sonntag-.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Eietzener Familien. Waltet viermal in der Woche beigelegL

Notattonsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Unwers.-Buch-u. Stein* druckerei. R. Lange. Nedaktton« Exvedttton unb Druckerei:

Schulstratze 7.

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Anzeiger Gießen.

Fernfvrechanschluß Nr 51.

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GießenerAnzeiaer«

w General-Anzeiger »

Amir- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WM«

zeigenteil: Hans Beck.

Iie ßeutiflc Mummer umfaßt 8 Seiten.

Iie «Lad,mische Areiheit.

Einem Berliner Blatte zufolge ist die Beilegung der Differenzen an der Hochschule zu Han­nover auf direktes Eingreifen des Kaisers zu­rückzuführen, der unzweideutig zu ernennen gegeben hat, daß er die schleunige Erledigung der unerquicklichen An­gelegenheit in dem erfolgten Sinne wünsche.

Der Rektor der Technisch enHoch schulezuChar- llottenburg erläßt jetzt folgende Bekanntmachung:

Auf Grund der zwischen Rektor und Senat einerseits und dem Ausschuß der Stierenden andererseits gepflogenen Ver­handlungen sind an den Ausschuß am 20. und 24. Januar er­gangenen Sonderbestiminungen von nur aufgehoben worden. Es ist dies mit der Zuversicht geschehen, daß, wenn demnächst die Frage der konfessionellen Verbindungen noch einmal zur Sprache kommen sollte, dies jedenfalls nur in einer Weise geschehen wird, durch welche die akademische Ordnung und der Friede innerhalb, der Studentenschaft unserer Hochschule in keiner Weise gestört und gefährdet wird."

Aus Marburg Mrd uns geschrieben:

Am Mittwoch nachmittag um 2 Uhr brachten etwa 1000 S t u- deuten dem dirigierenden Rektor der Universität, Professor Tr. H o r s ch e l t, eine imposante Ovation. Von der Ketzer­bach aus zogen die Studenten, alle Korporationen bunt durchein­ander gemengt, die ganze Straßenfront einnehmend, die Roser- straße hinauf nach der am Berge dort befindlichen Villa des Rektors, ohne daß dieser eine Ahnung von der ihm am Semester­schluß zngedachten Ehrung hatte. Unter Musikbegleitung sangen die Studenten dannDeutschland, T«eutschland, über Alles", wor­auf Stud. Weiß in längerer Ansprache an den Rektor des nun­mehr- siegreich beendeten Streites um die a k a d e m i s ch e Frei­heit gedachte und im Namen der Studentenschaft dem Rektor für sein warmes Entgegenkommen, das er bei den Verhandlungen den Studenten gegenüber bewiesen, dankte. Marburg, in dem die Wogen des Kampfes hoch gegangen, solle ein Hort der aka­demischen Freiheit, die hier so glänzend verteidigt worden sei, sein und bleiben. Ter Redner endete seine Worte mit einem brausend aufgenommencn Hoch auf den Rektor. In seiner Er­widerung versicherte der Rektor, daß er es für seine Pflicht^ ge­halten hätte', für die Studentenschaft einzutreten. Der Erfolg, den man hier errungen habe, käme der gesamten deutschen Stu­dentenschaft zu Gute. Er freue sich der Einigkeit der Studenten­schaft und des guten Einvernehmens mit dem Lehrkörper. Sein Hoch galt der Universität Marburg. Nachdem das Hoch ver­klungen war, sangen die StudentenStoßt an, Marburg soll leben!" und zogen dann zum Marktplatz, wo von einem Wagen aus ein Redner nochmals der Freude über den Sieg der Stu­dentenschaft Ausdruck gab. Der durch die Straßen der Stadt flutende Studentenzug in seinem bunten Durcheinander gewährte ein farbenprächtiges Bild.

Der deutsch-nationale Hochschulausschuß sämtlicher Wiener Hochschulen sandte an die Studentenschaft zu Hannover, Braunschweig und Eharlottenburg eine Sym­pathiekundgebung zu deren Kampfe für die akademische Freiheit.

Burschen heraus!" ist der Titel einer im Ver­tage von Hermann Walther, Berlin, erschienenen Denkschrift zum Kampf um die akademische Freiheit. Die Broschüre ist herausgegeben von der Studentenschaft der Technischen Hochschule in Hannover mit Ausnahme der konstitutionellen Korporationen. Interessanter und lebendiger geschriebeni ist ein von dem Stud. rer. techn. Frhrn. v. Buttlar ver­öffentlichtes SchriftchenFrei ist der Bursch" (Con­cordia-Verlag in Berlin), an dem alle alten und jungen Burschen ihre Freude haben dürsten, sofern sie nicht im philiströsen Bureaukratismus verledert sind.

Geistliche und Universitäten vor dem preußischen Abgeordnetenhause.

,a Berlin, 1. März 1905.

Von frei konservativ en unb konservativen Abgeordneten ist der Antrag eingelaufen, im nächstjährigen Etat eine erhebliche Erhöhung der TitelZu Unterstützungen für Geist- liche aller Bekenntnisse" herbeiMführen. Der Antrag wird an die Budgetkommimon verwiesen.

Es folgt das KapitelUniversitäten".

Abg. v. Arnim (kons.): In Halle soll eine Volkslese­halle errichtet werden, die mit 2000 Mark aus städtischen Mitteln unterstützt werden soll. An der Svitze der Lesehalle steht ein Professor der Universität. Dort sollen auch sozialdemo­kratische Zeitungen ausgelegt werden. Redner habe Be­denken dagegen, baß mit Unterstützung städtischer Mittel und unter Mitwirkung eines Universitätsprofessors die niederen Volks- klassen mit sozialdemokratischem Gift versorgt werden. Ter Mi­nister des Inneren habe zu seinem lebhaften Bedauern auf eine Beschwerde erklärt, daß nichts dagegen zu erinnern sei, wenn in einer solchen aus öffentlichen Mitteln unterhaltenen Volkslese­halle sozialdemokratische Zeitungen aufliegen. Ferner weist Redner auf den Aufruf hin, welchen der Kurator der Universität Bonn v- Rotten bürg, dessen Verhalten in sozialpolitischen Fragen mehrfach das Bedenken feiner Freunde erregt habe, zur Unter­stützung der streikenden Bergleute im Rn hr r e v i er erlassen hat Im Halleschen Falle vermisse Redner ein energisches Einschreiten des Ministers des Innern gegen die städtischen Verwaltungen, während er im Falle Rottenburg eine entschiedene Stellung­nahme des Kultusministers vermisse, wenn er auch anerkenne, daß zu einem disziplinarischen Einschreiten kern Anlaß vorliege' Jedenfalls muß bei allen Maßregeln der inneren Politik der leitende Gesichtspunkt der K'amvf gegen die Sozialdemokratie sein.

Minister S t n d t führt aus, daß es sich in dem Hallescheu Falle um eine kommunale Angelegenheit handle, die bereits von der Ministerialinstanz entschieden worden sei. Der Professor, der hier in Betracht komme, sei von der Unterrichtsverwal-tung sehr geschätzt, der bei der Lesehalle nur in privater Weise tätig fei, und da , einzugreifen, habe die Unterrichtsverwaltuirg kein Recht. Es liege kein Anlaß vor, gegen Herrn von Rottenburg vorzugehen. Bei dem Aufrufe habe es sich' lediglich um einen Akt der Menschenfteuridlickikeit und der Mild­tätigkeit gehandelt. Herr von Rottenburg habe in einem Briefe erklärt, das; er weit entfernt fei von einseitiger Parteinahme. Was Redners Stellung zur Sozialdemokratie 'angehe, so habe er il a. in dem Falle Arons und bei Gelegenheit des. Berliner Schulkonfliktes, diese bewiesen.

Abg. Eickhoff sfrs. Vp.s verteidigt Warna das Verhalten des Herrn v. Rottenburg. Redner wurde es für einen schweren Fehler gehalten haben, gegen Herrn v. Rottenburg unb gegen die Professoren auch nur im Aufsichtswege vorzugehen. Haben denn der Reichskanzler Graf Bülow, Graf Posadowsky im Reichs­tag unb Minister Möller im Abgeordnetenhaus nicht eine ähnliche Meinung zum Ausdruck gebracht? Redner habe sich über die Erklärungen des Ministers gefreut, beim er sei der Meinung, die Regierung sollte niemals Schritte gegen Herrn v. Rottenburg unternehmen, weil dies mit dem Wesen einer vorurteilsfteien unb aufgeklärten Regierung nicht im Einklang stehe. Ten andern Fall, den Arnim vorgebracht habe, betrachte er durch die Rede des Ministers eigentlich für erledigt. Von feiten der Konservativen werde jetzt versucht, eine Sammlungspolitik gegen die Sozial­demokratie zu inszenieren. Im Namen sämtlicher Gruppen der Freisinnigen habe er zu erklären, daß seine Freunde eine solche Politik nicht mitmachten.

Abg. Dr. Krüger (kons.1 bittet den Minister, diejenigen P»ro f e ss oren, die für die Sozialdemokratie ein­treten, von der Universität zu entfernen.

Abg. Frhr. v. Zedlitz (ff.): Der Hallesche Fall sei aller­dings rein kommunal. Aber nach der Entscheidung des Ober­verwaltungsgerichts sei keinerlei Förderung der Sozialdemokratie durch Beamte gestattet unb Redner bedauert, daß nicht gegen die städtische Verwaltung eingeschritten worden fei. Herr v. Rottenburg fei als ein Mann der. reinen Theorie und der extremen Sozialpolitik bekannt, und werde von den Männern des politischen Lebens kaum ernst genommen. Tie Freisinnige Volkspartei sei das Urbild deriMückständigkeit, sie vertrete noch heute die Anschauungen, die sie vor 30 Jahren vertreten habe, sie habe in der ganzen Zeit nichts gelernt, auch nicht die Gefahr der Sozialdemokratie erkannt. Tie ganze Entwicklung dränge dazu, daß alle staatserhaltenden Elemente sich zusammen tun um für das Kaiser- und Königtum unb gegen diejenigen Elemente zu kämpfen, die die Wurzeln oer Monarchie und Staatsordnung untergraben.

Abg. Savignh (Ztr.) glaubt, was die Fälle in Halle und Bonn betreffe, so könne man sich mit den Erklärungen des Mi­nisters begnügen. Wenn man gegen Herrn von Rottenburg ein Einschreiten verlange, so habe er bisher nicht gehört, daß gegen die städtischen Behörden ein Einschreiten verlangt worden wäre, die auch Gelder für die Bergarbeiter bewilligt hätten. Herr von Rottenburg habe sich auf einen parteiischen Standpunkt gestellt, unb es wäre unverantwortlich gewesen, wenn die Regierung gegen ihn eingeschritten wäre.

Abg. Rosen ow (frs. Vp.) eriuibert dem Mg. Zedlitz, daß die Sozialdemokratie auch der größte Feind seiner Partei sei, er glaube aber nicht, daß es möglich fei, sie durch Gewaltmaß­regeln zu unterdrücken. Redner bittet, daß die jungen Medi­ziner mehr als bisher in die soziale Gesetzgebung ein geführt werden.

Ministerialdirektor Alt ho ff erwidert, daß die Anregung des Vorredners in Erwägung gezogen werden solle.

Abg. Schmieding (nl.) nimmt lebhaft gegen das Auf­treten des Herrn v. Rottenburg Stellung, der alle Ursache gehabt hätte, vorsichtiger zu fein und statt zur Herbeiführung des Frie­dens zur Störung des Friedens beigetragen habe.

Abg. Tr. Keil weist die Angriffe v. Zedlitz und von Amim gegen die Hallenser Stadtverwaltung und den Hallenser Professor Conrad zurück. In der Lesehalle seien Zeitungen aller politi­schen Richtungen ebenso wie im Lesezimmer des Abgeordneten­hauses vertreten.

Mg. Friedberg (nl.) stellt im Namen seiner Partei fest, daß Herr v. Rottenburg berechtigt gewesen fei, feiner Meinung Airsdruck zu geben. Herr v. Arnim habe das Verhalten mehrerer Professoren bei den letzten Wahlkämpsen kritisiert. Er mache aber darauf aufmerksam, daß auch von konservativer Seite Verhand- lungen mit der Snziasdem^^r^tie in gepflogen seien.

AarlamkNiarisches aus Kesseu.

Eine Regierungsvorlage Betrifft die Bewilligung von Staatshilfen zu Ausstellungszwecken. Dazu wird im wesentlichen folgendes ausgeführt:

. Nach satzungsgemäßer Vorschrift und aus Anlaß der Feier des 75 jährigen Bestehens der landwirtschaftlichen Vereine des Groß­herzogtums soll von diesen im-Sommer l. Js. in Mainz eine landwirtschaftlicheLandes-undJubilänms-Aus- ft e H u n g abgehalten werden, zu der vom Landwirtschaftsrat ein Staatszuschuß von 10 000 Mark erbeten worden ist. Tie Regierung erachtet dieses Gesuch für begründet. Sie ist mit dem Landwirt!chaftsrat der Ansicht, daß größere landwirtschaftliche Aus­stellungen, die in gewissen nicht zu kurzen Zwischenräumen und unter Ausdehnung des Wettbewerbs auf das ganze Land abge­halten werden, einen steigenden Wert für sich in Anspruch nehmen können. Sie bedeuten die Rechenschaftsablage der hessischen Land­wirtschaft gegenüber der Allgemeinheit zu der Frage, ob und inwieweit die seit 1897 bewilligten erhöhten Staatsmittel zur Förderung der Viehzucht, d"s Ackerbaus, des Wein-, Obst- und (Gemüsebaus und sonstiger Zweige der landwirtschaftlichen Pro­duktion in dem erwarteten Maße nutzbringend verwendet worden sind und welchen Anteil die drei Provinzen an Bern Gewollten und Erreichten haben. Es sind bereits früher landwirtschaftliche Landesausstellungen mit außerordentlichen Zuschüssen aus Staats­mitteln unterstützt worden, so die in Gießen 1895 mit 10 416 Mark.

Ein unterstützendes Eingreifen des Staats erfordert noch ein anderes Unternehmen. .Hat es schon früher an hessischen Namen von gutem Klang in der deutschen Kunst nicht gefehlt, so ist Hessen von der neueren Entwicklung des vaterländischen Kunstlebens doch hervorragend erfaßt worden. Auf dem Gebiete des K u n st g e w c r b c s mit der Tätigkeit der Darmstädter Künst­lerkolonie einsetzend, Bat sich diese erhöhte Teilnahme basischer Kräfte aus dem ganzen Lande au dem gewerblichen Schaffen der Neuzeit rasch auf alle diejenigen Zweige desselben erstreckt, die künstlerischem Einfluß überhaupt zuaäiml'<' sind. . Mit wachsen­dem Erfolg bewies das hessische Kunstgewer' 1 im internationalen Wettbewerb auf ben Ansstellimgen in Paris, Turin und St. Louis steigende Leistunasfähigkeit. In ben älteren Heimstätten des deut­schen Kiinstgewerbes ist man auf die neue Konkurrenz aufmerksam geworden, die in letzter Zeit abgehaltenen und noch in Vorbereitung befindlichen Ausstellungen in Tüsseldorf, Dresden, München, Nürnberg usw. bezwecken zu einem guten Teil dem heimischen Gewerbe den von Hessen bedrohten Markt zu sichern. Diesen zu gewinnen, muß aber mit aller Kraft versucht werden, wenn daS für die künstlerische Erziehung des Volkes und die Tüchtigkeit unseres Handwerks Erreichte lebensfähig bleiben und wirtschaft­lich nutzbar gemacht werden soll. Es kann nicht mehr bestritten Werden, daß jetzt schon die Stellung unserer Künstler und In­dustriellen im Knnstgelverbe: auch reichen finanziellen Nutzen

gebracht hat, der anfängt, selbst kleinsten Handwerkern! des Landes zuzufließen. Tiefer Nutzen kann noch sehr wesent­lich gesteigert und dauernd gesichert werden und zwar beides in dem Maße, in dem es gelingt, den hessischen Erzeugnissen inner­halb Deutschlands wie auf dem Weltmarkt, der mit ihnen bestens bekannt geworden ist, neue Absatzgebiete zu erschließen. , Hieran mitzuhelfen, ist eine dankbare Aufgabe des Staates, die ihm aus seiner Pflicht erwächst, der höchsten Entfaltung aller im Volks­leben wirksamen, geistigen wie wirtschaftlichen .Kräfte zu bienen.

Aus solchen Erwägungen erachtet es die Großh Regierung für geboten, in wesentlich größerem Maße als bisher ben im Lande sich geltend machenden künstlerischen Bestrebungen auf den Gebieten von Industrie und Handwerk direkte Beihilfen zu ge­währen. Nachdem die vor kurzem in Darmstadt in kleinerem Umfange abgehaltene Ausstellung des Verbands der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein gezeigt hat, welch achtunggebietenden Platz Hessen auch in der hohen Kunst entnimmt, ist in weiten Kreisen der Wunsch rege geworden, in einer allgemeinen Landes-Ausstellung für Kunst- unb Kun st g e werbe ein umfassendes Bild unseres gegenwärtigen Könnens auf beiden Gebieten zu geben. Die eigene Erfahrung wie das Vorbild an­derer Länder lehren, daß in einer solchen Ausstellung, wie sie für 1906 oder spätestens 1907 in Darmstadt geplant ist, eine besonders wertvolle und geradezu unumgänglich notwendige Maßregel erblickt.werden muß, um die erwähnten geistigen und wirtschaftlichen Vorteile und Ziele zu erreichen. Selbstverständlich erfordert ein derartiges Unternehmen bedeutende Mittel.. Für seine staatsseitige Unterstützung kommen Zuschüsse namentlich zu den Kosten der Bauten in Betracht.

Tie Regierung bat als Zuschuß für das Unternehmen einen Betrag von 60 000 Mar? in Aussicht genommen. Tiefe Summe bildet nur einen Bruchteil derjenigen Zuschüsse, die von S. K. H. dem Großherzog unb von sonstigen Interessen­ten, besonders von der Stadt Darmstadt, zur Verfügung gestellt werden sollen. Ebemv bleibt der genannte Betrag noch sehr erheblich hinter den Summen zurück, die den landwirtschaft­lichen Vereinen seit einer Reihe von Jahren allein für Schauen und Ausstellungen gewährt worden sind und sich auf jährlich 3032 000 Mark 'berechnen.

Es enrpfiehlt sich, je 10 000 Mark für das Jahr 1905 zu verrechnen und die restlichen 50 000 Mark mit je 10 000 Mark unter der letztgenannten Stelle des Staatsvorauschlags für die Rechnungsjahre 19061910 in Ausgabe zu stellen.

Eine weitere neue Regierungsvorlage betrifft den Ent­wurf eines Gesetzes über die R ä um unigs fristen bei der Wohnungsmiete. Der einzige Artikel lautet:

Eine Gemeinde, auf lvelche die Städteordnung Anwendung findet, kann durch Ortsstatut Vorschriften über die Fristen er­lassen, bis zu deren Mlause bei der Wohnungsmiete gemietete Räume im Falle der Beendigung des Mietverhältniffes zu räumen sind.

Eine längere Vorstellung der Registratoren an den Großh. Amtsgerichten betrifft die Regelung ihrer Ge­haltsverhältnisse. Sie sprechen die Bitte aus, daß ihr Gehalt zum m i n d e st e n dem der Kanzlisten an den Landgerichten gleichgestellt, auch den älteren unter ihnen ein Teil ihrer langjährigen Dienst-zeit als Besoldungsvordienstzeit in An^ rechnung gebracht werde.

"Mayern und die Kandelsverträge.

Der Prinzregent von Bayern hat dem Staats­sekretär Grafen Posadowsky als Zeichen seiner Aner­kennung der Verdienste des Grafen um das Zustandekommen der neuen Handelsverträge fein Reliefbildnis in Bronze von Professor Hildebrand verliehen.

Ferner sind zwischen' dem bayerischen Staatsministet Frhrn. v. Podewils und dem Reichskanzler Schreiben gewechselt worden. In dem Schreiben des Freiherrn von Podewils:

Hochgeborener Gral! Mit auirichtiger Freude ist aUent* halben die Kunde von der Eurer Exzellenz durch den Kaiser zuteil gewordenen außerordentlichen Anerkennung Ihrer Verdienste um das Zustandekommen der neuen Handelsverträge begrüßt worden. Daß die erzielten Erfolge in Bayern nicht minder als anderweitig im Reiche gewürdigt werden, hat Euere Exzellenz dem Hand­schreiben meines allergnädigsten Regenten entnehmen können. Aber auch die bayerischen Minister fühlen sich gedrungen, ihrer lieber- zeugung Ausdruck zu geben, daß das gewaltige Vertragswerk, welches den ökonomischen Interessen Deutschlands auf lange Jahre hinaus den unschätzbaren Vorteil ruhiger, gedeihlicher Entwicklung zu sichern bestimmt ist, ohne die unermüdliche Tatkraft und die weise, von großen Gesichtspunkten getragene Leitung Euerer Ex­zellenz schwerlich hätte zur Vollendung gelangen können. Zugleich! ist es uns tiefgefühlte Pflicht, unserem innigsten Danke dafür Ausdruck zu geben, daß Euere Erzellenz neben den allgemeinen Interessen auch den Sonderinteressen des bayerischen Landes stets volle Beachtung und tunlichste Förderung haben angedeihen lassen.

In dem Antwortschreiben des Grafen B ü low lieft man : Hochverehrter Herr Baron! Euere Exzellenz haben mich durch das nach der parlamentarischen Verabschiedung der Handels­verträge zugleich im Namen der bayerischen Minister übersandte Schreiben tief verpflichtet Von der mir zu dem Abschlüsse der neuen Verträge gütig ausgesprochenen Anerkennung muß ich das Verdienst abrechnen, das dem Zustandekommen des Werkes dem bayerischen Staatsministerium gebührt. Insbesondere bekunde ich Ihnen meine aufrichtige Erkenntlichkeit für das bundes­treu e Z u s a m m e n w i r k e n, dessen ich während der schwierigen ttnterbandlungen bei Eurer Erzellenz versichert sein konnte. Die Arbeiten für das Vertragswert haben im Zeichen der uns von einem großen Vorbilde überkommenen Einsicht in die Bedingungen gestanden, unter denen im Reich Nord und Süd, Bayern und Preußen, neben einander leben, beide berechtigt in ihrer Eigenart und notiu \g zum Bestände des gemeinsamen deutschen Vater­landes

Auf ein Handschreiben des Prittzregenten an den Reichs­kanzler ist ein Dankschreiben des Grafen Bülow nach München gesandt worden, in dem es heißt:

Wenn eS gelungen ist, für den Güteraustausch zwischen dem deutschen Reiche und einer Reihe von europäischen Staaten die vertragsmäßigen 65rimblagen so zu erneuern, daß Euere königliche Hoheit das Werk durch huldvolle Worte hoher Anerkennung haben- auszeichnen wollen, darf ich hervorheben, wie viel zu dem Er­gebnisse der Unterhandlungen von Anbeginn bis zum Abschlüsse die bundessreimdliche Unterstützung der bayerischen Regierung bei­getragen hat. i