Ausgabe 
2.2.1905 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. «8

ernennt tegtie

außer SomUagS.

®em ® ie&ener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Sietzener Kamilien» llttttcr viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck n. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Stein- druckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:

Lchnlstratze 7.

Rdresie für Devescheir: Anzeiger «tetze«.

Frrnsprechanschluß Nr. 51.

Grftes Blatt.

155. Jahrgang

Donnerstag 2. Februar 1905

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

Gietzener Anzeiger

° General-Anzeiger &

Ä M 4

B

k 1

I

-

RH

w

Ä

vezugSpreigr monatlich7b Pf., viertel­jährlich Mk. 2.20: durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mt. 2.Viertel­jahr!. ausfchl. Bestellg. Annahme von Luzei'eD ii die Tr 2Srn,rnmer 's vormittags J'll«.

Zc 'ennrers:

arrswärtS "0 -ä'z. Verantwortlich für den polit und (J ,2, u Teil: P. Wittko: für »Stadt und ßcmb* und -Gerichtssaal": August Goetz; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Die -eutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

Bekanntmachung.

B etr.: Das Abhalten von landwirtschaftlichen Vorträgen.

In nächster Zeit werden im hiesigen Kreise folgende Vorträge auf landwirtschaftlichem Gebiete abgehalten werden:

1. In Steinbach am 5. Februar, nachmittags 3 Uhr, im Gasthaus zum grünen Baum.

Gegenstand: Die Anwendung künstlicher Düngemittel. Referent: Herr Landwirtschaftslehrer Neichelt-Alsfeld.

2. In Klein-Linden am 5. Februar, nachmittags

3 Uhr, in der WirtschaftZur Burg".

Gegenstand: Das Zuchtziel bei den Bestrebungen zur Hebung der Vogelsberger Rindviehzucht.

Referent: Herr Landwirtschaftslehrer Schwarz-Alsfeld.

3. In Staufenberg am 12. Februar, nachmittags

3 Uhr, im Burgsaale.

Gegenstand: Welche Mittel stehen dem Lanwirt zur Ertragssteigerung der Grundstücke zur Verfügung? Referent: Herr Landwirtschaftslehrer Neichelt-Alsfeld.

4. In Reinhardshain am 12. Februar, nachmittags

3 Uhr, bei Gastwirt Weißensee.

Gegenstand: Die Grundlagen einer gedeihlichen Viehzucht.

Referent: Herr Landwirtschaftslehrer Schwarz-Alsfeld.

ö. In Weitershain am 19. Februar, nachmittags

3 Uhr, bei Heinrich Theiß V.

Gegenstand: Züchtungsgrundsätze.

Referent: Herr Landwirtschastslehrer Schwarz-Alsfeld.

6. In Beltershain am 19. Februar, nachmittags

3 Uhr, in der Wirtschaft von Max Becker.

Gegenstand: Der Einfluß des Saatgutes und der Sorten auf die Steigerung der Erträge.

Referent: Herr Landwirtschaftslehrer Neichelt-Alsfeld.

Gelegentlich der Versammlungen in Steinbach, Staufen­berg und Beltershain wird eine Kollektion der besten Samengetreidesorten ausgestellt werden, wobei Anmeldungen zum Bezug der ausgestellten Sorten durch Vermittelung des Hessischen Landwirtschaftsrates entgegengenommen werden.

Gießen, den 30. Januar 1905.

Der Vorstand des landw. Bezirksvereins Gießen.

I. V: Hechler

Die Kochzntsfelüaqe in Darmstadt, n.

R. B. Darmstadt, 1. F-br._

Ter heutige Vorabend der Vermählungsfeier des Groß- herzogs ließ sich nach dem I)eiteren Himmel des gestrigen Abends leider wieder recht trüb und düster an. Durch den Wald von Fahnen und Guirlcmden wehte ein unangenehmer Sturmwind und bleiern und regnerisch blieb auch die Phh- siognomie während des ganzen Tages. Daher kam es, daß trotz des starken Fremdenbesuchs aus dem Odenwald, der Bergstraße und besonders aus Oberhessen die Straßen am Vormittag nicht stärker belebt waren. Auch im alten Palais, wo die Prinzessin-Braut und ihre Licher Anverwandten Wohnung genommen haben, herrschte in den Morgenstunden nach den Strapazen des gestrigen Tages, von denen besonders die fast zweistündige Rundfahrt durch die Stadt während der Illumination das fürstliche Paar ermüdet haben soll, allgemeine Ruhe. Spater erschienen der Großherzog, Prinz Heinrich von Preußen, der um halb 8 Uhr vom Prinzen Ludwig von Battenberg am Bahnhos abgeholt worden war, sowie die übrigen Fürstlichkeiten zum Frühstück im alten Palais. Dort stellte sich in den An­lagen auch um 12 Uhr die Kapelle des 23. Leibdragoner- Regiments zur Abhaltung von Festmusik zu Ehren der Prinzessin-Braut ein und lockte schnell viele Hunderte von Zuhörern herbei. Im Laufe des Vormittags waren auch fast sämtliche beim hiesigen Hvfe beglaubigte Gesandte der anderen Staaten eingetroffen, so der österreichische Gesandte in Stuttgart, Frhr. v. Pereira, der belgische Gesandte in Berlin, Baron v. Gründl, der württembergische Ge­sandte in München, Frhr. v. Soden, der sächsische Ge­sandte in München, Frhr. v. Friesen, sowie der hessische Gesandte in Berlin, Wirkt. Geheimrat Dr. v. Reidhardt. Der Großherzog empfing die Herren am Nachmittag in be­sonderer Audienz. Zur morgigen Festtafel sind auch Ge­heim rat Vossius aus Gießen, sowie Bürgermeister Heller, ein Beigeordneter und Forstrat Diefenbach aus Lich geladen.

In den Prunkräumen des R e s i d e u z s ch l o s s e s fand abends 9 Uhr eine Festgesellschaft, ein sogenannter Rout statt, zu welchem sämtliche hier weilenden Fürstlichkeiten, die Gesandten der befieundLten Höfe, die Minister, die Ge­neralität und die Hofchargen, sowie die ersten Adels- samilien des Landes Einladungen erhalten harten; es iwaren zirka 250 Personen versammelt. Bald nach 9 Uhr betraten in geschlossenem Zuge die Mitglieder der 29 hiesigen Gesangvereine, etwa 500 Köpfe stark, den mittleren Schloßhof, um dem fürstlichen Paar eine Hul- digungs-Serenaide darzubrrngen. Nachdem die große Sängerschar längs des mittleren Flügels des Schlosses Aufstellung genommen hatte, ertönte unter der Leitung, des Dirigenten der Humcmitas, Müll Fuhr, m mächtigen Akkorden BeethovensDie Himmel rühmen des Ewigen Ehre" durch die Nacht. Bald darauf erschien der Groß- herzoa mit der Prinzcssm-Braut, deren Schwestern mtfr Zahlreiche Festteilnehmer an den teMoers geöffneten Fenstern, um den erhebenden Klängen zu lauschen. Zum Vortrag kam noch das bekannte stimmungsvolle Lied von

Musikdirektor Ackermann:Es steht ein Baum im Oden- I Wald", dann ein Volkslied aus dem 18. Jahrhundert:Das stille Tal" und zum Schluß:RosenLeit" von Ludwig Liebe. Ms das Lied verhallt war, nahm der Ausschußvorsitzende, Herr Schramm das Wort, um namens der vereinigten Sänger Darmstadts dem Fürstenpaare zur morgigen Ver­mählung die herzlichsten Glück- und Segenswünsche ans- zusprechen, welche die Sänger mit einem dreimaligen be­geisterten Hoch auf den Großherzog und die Prinzessin- Braut bekräftigten. Der Großherzog mit der Prinzessin zur Rechten hatte inzwischen das Fenster ganz geöffnet und erwiderte nach wiederholter dankender Verbeugung, die Sänger hätten ihnen heute abend eine große Freude be­reitet. Er danke ihnen allen sowohl für die Serenade und die schönen Lieder, wie auch, besonders für die Empfindung, mit der diese zum Vortrag kamen. Mit dem dreimaligen musikalischen Hoch der Sängerschaft fand dann die schöne Sangeshuldigung ihren Abschluß.

*

R. B. Darmstadt, 2. Febr. (Eigener Draht­bericht.) Se. K. Hoheit der Großherzog hat mittels Ent­schließung vom 31. Jan. die Schlüsseldame Frei in von Senarelens-Graney zur Oberhofmeisterin I. K. Hoheit der Großherzogin Eleonore er­nannt. Der Hofprediger Ludwig Ehrhardt wurde zum Oberhofprediger ernannt, der Generaldirektor des Hof­theaters und der Hofmusik Emil Werner erhielt das Ehrenkreuz, der Leibarzt Dr. Friedrich Happel das Ritter- kreuz 1. Kl. des Verdienstordens Philivvs des Großmütigen.

sd. Darmstadt, 1. Febr. Prof. Roll hier hat I. Durchl. der Prinzessin-Braut einen Hochzeits- Marsch, den .Eleonoren-Marsch", gewidmet, welcher den großen Beifall des Großherzogs fand, so daß er ihn dem Musikdirektor Hilge zum Instrumentieren übergab. Der Marsch wird morgen zum ersten Male zu Beginn der Hoch­zeitstafel von der Kapelle Hilge, welche die Tafelmusik stellt, zum Vortrag kommen. Die von Hilge geschriebene Partitur ist bei Schott Söhne in Mainz verlegt. Das Titel­blatt zu der Prachtausgabe tst von dem Mitglied der Künstler­kolonie, Prof Cissarz, gezeichnet.

)(AusdemVogelsberg,l. Febr. Tie Krieger­vereine veranstalteten dieser Tage Sammlungen von Beiträgen durch Sammellisten. Tic Summe dieser Bei­träge soll zur Gründung einer Stiftung dienen, deren Einkünfte zu Gunsten solcher bedürftiger jüngerer Kame­raden verwandt werden, welche sich einen eigenen Haus­stand gründen wollen. Insbesondere sollen die Ange­hörigen aus dem Arbeiterstand, der Landwirtschaft und Industrie berücksichtigt werden. Die Stiftung soll die Hoch- zeitsgabe derHassiä" m ihren Protektor, S. K. H. den Großherzog Ernst Ludwig sein. Die Sammellisten werden gebunden Sr. Kal. Hobbit überreick^_________________

Graf Wnlorv über die Kandeksv-rl äqe.

Wenn es noch eines Beweises fiAi-rhe, haß d'e neuen H-ni- delsverttäge auf den besonderen Swutz der Landwirt­schaft hinauslaufen, so war er gegeben in der langen Rede, mit der Graf Bülow gestern die Ueberreichung der Verträge an den Reichstag begleitete. Wie ein roter Faden zog sich durch die Rede der Hinweis, daß die Regierung bei den Vertragsverhand- lungen sich von dem Bestreben habe leiten lassen, der Land­wirtschaft zu dem Recht zu verhelfen, das,ihr bfi den bisherigen Handelsverträgen verkürzt worden sei. Graf Bü­low sprach meist zur Rechten hin, die agrarischen Pointen seines Vortrags durch Handbewegimgen unterstreichend. Aber der Bei­fall von dort kam weniger häufig und weniger kräftig, als der Kanzler erwartet haben mochte. Von der linken Seite des Hauses blieb der Beifall aus. Das kennzeichnet besser als alles andere die Richtigkeit der Behauptung, daß das H a n d e l s v e r t r ag s- werk weder die Rechte noch die Linke befriedige. Graf Bülow verschließt sich dieser Erkenntnis nickt ganz, worauf eine resignierte Bemerkung am Schluß seiner Rede hindeutet. Wer er ist gleichwohl der Zuversicht, daß der Reichstag die dem Zolltarif enisprvstenen Verträge ebenso akzeptieren werde, wie seinerzeit diesen Tarif selbst. Im Tone des Bedcmerns, wie eine Bitte um Entschuldigung, war die Bemerkung gehalten, daß die Regierung auch aus dem Gebiete der Agrarzölle sich zu K o n z e s s i o n e ir habe verstehen müssen, bei Futter- g erste inth Holz. Dann wurde aber in hohen Tönen das Lob ter Seuchenkonvention gesungen, von deren Hand­habung durckseinen lieben Freund", dm preußischen Landwirt- schastsminister. Graf Bülow sich den größten Nutzen verspricht. Dem gichtgeplagten und deshalb auf einen Stock sich stütze^dm Herrn v. Podbielski lachte bei diesem Worte das Herz im Leibe, und die konservativen Schutzbefohlenett im Parguet lachten mit. In der Rede des Kanzlers fehlte es nicht an historischen Exkur­sionen. Auf einer solchen gelangte Graf Bülow zum Meinunas- austausch zwischen dem Fürsten Bismarck und dem dantaligen Gescnckten v. Barnbüler über den alten Zolltarif, eine Reminis- z^nz die ersichtlich den jetzigen Vertreter Württembergs, H^rn v' Barnbüler, interessierte, dessen hohe Gestalt aus der dickt-n Schar der Bundesratsbevollmächtigten hervorragte. Die agrarische Richtlinie, in der sich die Kanzlerrede bewegte, ftlhrte am Ende zur Frage der N i ch t kün di g u n g der Handelsverträge, die in der Landbündlerpresse ganze Wolken Staubes aufgewirbelt hat. Bom Standpunkt des Entgegenkommens gegen die Agrarier war es nur konsequent, daß Graf Bülow hier eine milde Belehr­ung cinfließen ließ, ans welchen Gründen die Regiemmg eine Kündigung für nicht angezeigt erachtete. Hatte derart Graf Bülow für die Vertreter der Lmrdwirtschaft ganze Scheffel an Wohlwollen übrig, so vergaß er nicht, einige Löffel davon ftir Industrie und Raubet zu reservieren.ES tst uns «mch g e t u tt fi e n , die Interessen dieser Erwerbszwezgc entsPr e chend ivahr zu n ehmen." Lnergegen pr ot c sti ertc die Linke durch ironische Zürnst. Tod) Graf Bülow hat eilte sv hohe Meinung von der Elastizität der deutschen Industrie, daß es ihm als gewiß gilt, die Jndust.rielleir würden sich un­schwer in die neuen Verhältuisst schicken. Und vom Handel scheint der Kanzler das als selbftverstündlid> anzunehmen.

Bewegung auf allen Seiten rief die Bemerkung hervor, Die Verträge könnten vom Reichstag nur im Ganzen angenommen oder verworfen werden. Eine offiziöse Auslassung lMte aller­

dings kürzlich darauf hingewiesen insofern bedeutete die Aeußerung keine Ueberraschnng. Trotzdem wirkte sie durch di- Bestimmtheit des Tones, mit der sie abgegeben wurde.

Zum Staunen manches Tribünengastes, der nach der Rede des Reichskanzlers gleich eine ansck^'eßende Erörterung aus dem Hause erwartete, wendete sick die Beratung wieder dem Thema Südwestafrik^ zu. .Im Parquet und auf den Tribünen erfolgte ein rascher Aufbruch. *

Wie zur Illustrierung der Tarlegung des Grasen Bülow er­scheinen in den Berliner Abendblättern weitere Urteile aus Jndustriekreisen über den Wert der Verträge. Als Haupt­leidtragende meldet sich die Konfektion. Tie Verschlech­terung des Absatzes nack dem Auslande werde zunehmen.. Infolgedessen müßten die niedrigen Löhne, die gerade hn der Konfektion feit langem zu Klagen Anlaß geben, beibehal- ten werden. Der Handelsvertragsverein nennt kurz und bündig eineweitgehende Verschlechterun g der Absatz-Be­dingungen ftir die Industrie das Charakteristikum der neuen Vertrage". Selbst dieKreuzztg.", die nunmehr mit einer Kritik der Verträge begnmt und vorweg aussetzt, daßein ansehn­licher Teil berechtigter landwirtschaftlicher Wünsche nicht ode r nicht voll befriedigt worden ift", selbst dieKreuzztg." gibt zu, daß speziett im deutsch-ruffischeni Vertrag die Eisenindustrie und diechemischeJndustrie am schlechtesten weggekommen zu sein scheinen. Richt besser steht es beiläufig um den Vertrag mit Oesterreich- Ungarn imt) mit Rumä nien in dieser Hinsicht. Nur kommen hier noch die elektrotechnische, die Papier-, die L e d e r-, die Textil-Jn du strie alsCtfcr" hinzu. Jetzt, nach der Ausaabe des vollständigen Testes der Verträge, wird der Chor der Enttäuschte nrasch sich verstärken. Doch, daß wir's nicht vergessen: Auch der K o n s u m e n t e n hat der Reichskanzler ged-ackt. Es sei auf sie die gebotene Rücksicht genommen worden, darüber dürfte das Publikum eine andere Auffassung hegen. In der Generaldebatte über die Handelsverträge wird auch biefe Meinunast"nscki«>d''nl>'rt *m Wrshrnfl fomm-n.

Die Erregung in Kuhland.

Eine Arbeiterdeputation beim Zaren.

Kaiser Nikolaus empfing am Mittwoch nachmittag eine aus 34 Mitgliedern bestehende Abordnung der Arbeiter der Fabriken von Petersburg. Dieselbe war geleitet von dem Petersburger Generalgouverneur Trepow. Die Arbeiter kamen auf der kaiserlichen Bahn in Zarskoje Sselo an. Am kaiserlichen Pavillon wurden sie von Wagen erwartet, die sie nach dem Alexander-Palais brachten, wo Die Arbeiter in einem der Säle des Palais eingelassen wurden. Um 3 Uhr nachmittags erschien der Kaiser, begleitet von dem Großfürsten Georg Michaelowitsch, dem Hofminister und dem Palastkommandanten. Die Arbeiter verneigten sich vor dem Kaiser, welcher sie ansprach:GutenTag, meine Kinder!^ Die Arbeiter riefen:Wir wünschen Eurer Majestät gute Gesundheit!" Darauf richtete der Kaiser folgende Ansprache an die Arbeiter:

Ich hiüe Euch berufen, damit Ihr meine Worte von mir selbst vernehmen und sie Euren Genossen Mitteilen tonnt Die beklagenswerten Ereignisse mit den traurigen aber unvermeid­lichen Folgen der Unruhen sind eingetreten, weil Ihr Euch von Verrätern und Feinden unseres Vaterlan­des habt verführen und täuschen lassen. Als sie Euck Qinrorb^rten. eine Bittschrift über Eure Bedürfnisse an mich zu richten, haben sie Euch zur Revolte gegen mich und meine; Regierung aufgewiegelt, indem sie Euch zwangen. Eure ehrliche Arbeit in einem Zeitraum zu verlassen, in dem alle wahren Russen unaufhörlich arbeiten müssen, um unseren hart- nädiqen Feind zu besiegen. Ausstände imd aufwieglerische .Kgmdg*»bungen führen die Menge stets zu Ruhestörungen, die die Behörden immer gezwungen haben, und auch in Znkunfr zwingen werden, das Militär zu verwenden, was unschuldige Opfer zum Ergebnis hat. Ich weiß,, das Los der Arbeiter ist nicht leicht. Es müssen viele Tinge organisiert un d verbessert werden. 9Iber habt Go-, duld! Ihr begreift jetzt, daß es notwendig ist, gerecht gegen die Arbeitgeber zu sein und die Verhältnisse unserer Industrie zu berücksichtigen. Aber mir Eure Bedürfnisse in Gestalt einer aufwieglerischen Menge ausei n ander zusetzen, ist ein Verbrechen. In mehrer Sorge für die Arbeiter werde ich Maßregeln ergreifen; um alles Mögliche z u tun, um bereit Sage zu ver­bessern- und ihnen gesetzliche Wege zur Prüfung ihrer Forder­ungen zu sichern. Ick glaube an die ehrliche Gesinnung der: Arbeiter und ihre Ergebenheit für mich, und verzeihe ihre ^revel- tat. Kehrt an Eure' Arbeit zurück und erfüllt Eure Aufgabe, mit Euren Genossen i Gott helfe Euch!"

Dann bemerkte der Kaiser, sie müßten die Ansprache ihren Kameraden mrtteilen, und versprach, daß ihnen später seine Worte gedruckt übergeben werden würden. Als die Arbeiter das Palais verlassen hatten, begaben sie sich in die Kirche, wo sie Gebete verrichteten, die Heiligenbilder küßten und geweihte Kerzen niederlegten; hierauf wurden sie in ein Haus geführt, das ftüher das Lyeeum war, wo ihnen ein Frühstück gereicht wurde. Ein Arbeiter trank unter dem Hurra seiner Kameraden auf das Wohl des Kaisers. Um 41/, Uhr wurden die Arbeiter im Wagen zu dem kaiserlichen Pavillon gefahren und begaben sich dann nach Petersburg zurück.

Die Arbeiterdeputation bestand aus Arbeitern von 32 der größten Etablissements, darunter der baltischen Werft, der franko-rusflschen Werst, der Putilowwerken und der Gummi- manusaktur.

Behufs einheitlicher Gestattung der Maßnahmen -ue Sicherung der staatlichen und sozialen Ordnung hat der Kaiser befohlen, daß für die Zeit, in der die Funktionen des Generalgouverneurs von Petersburg zur Ausübung kommen, dem Generalgouverneur die Polizei und alle Institutionen sämtlicher Departements des Ministermms und des kaiserlichen Hofes in Zarskoje L>selo, Peter Hof, Gatschina und Pawlowsk unterstellt werden.

Der Kaiser, die Kaiserin und die Kaiserin-Mutter