Ausgabe 
21.9.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 222

Zweites Blatt

Donnerstag 21. September 1905

Gietzemr Anzeiger

Orfchrwt K-Kch mit «usnahm, bei Sonntag».

Redaktton, Expedition u. Druckerei: Schulstr. U, Del. Nr. ÖL Lei eg r^-Adr. i Anzeiger Lied«.

Rotationsdruck und Verlag der Vrühllche» UnwersilätSdruckerei. R. Sang«, Gieß«.

Dte »Oietzener -amMenblStter- werden dem yflngelger viermal wöchentlich betgelegt. Der «helstjchi tanörotrt** crjchetnt monatUch einmal.

155. Jahrgang

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigtblatt für den Kreis Siehe».

KekMNlmachung.

Betr.: Das Behüten der Wiesen.

Wir sehen unS veranlaßt, die nachstehenden Bestimmungen der Wiesenpolizeiordnuug für den Kreis Gießen erneut zur Kenntnis der Beteiligten zu bringen:

Artikel 11. Insoweit eS sich nicht um abgesondert ge­legene Wiesen handelt, dürfen ohne besondere Genehmigung seitens de§ Kreisamtes weder von den Eigentümern selbst, noch mit deren Zustimmung von Anderen behütet werden:

a) einschürige Wiesen:

1. mit Schafen vom 1. April bis 1. Oktober,

2. mit Rindvieh vom 1. April bis 1. August;

b) sonstige Wiesen:

1. mit Schafen vom 1. April bis 1. Oktober,

2. mit Rindvieh vom 15. März bis 15. September.

Grund- oder Talwiesen, die mit Bewässerungsanlagen versehen sind, dürfen bei nasser Witterung überhaupt nicht behütet werden. Im übrigen ist beim Behüten von Wiesen besonders darauf zu achten, daß die Weidetiere nicht durch Zertreten vorhandener Be- und Entwäfferungsgräben Schaden verursachen; erforderlichenfalls sind sie durch einfache trans­portable Umzäunungen von den Grabenbäschungen fern­zuhalten.

Artikel 12. Die Schafweide darf auf fremden Wiesen nur vom 15. Oktober bis 22. Februar oder so lange harter Frost dauert, ausgeübt werden.

Artikel 13. Weideberechtigungeu auf Wiesen mit anderem als Schafvieh dürfen nur im Herbst, und zwar vom 1. bis 15. Oktober, ausgeübt werden.

Schweine und Gänse sind von der Weide auf Wiesen ganz ttSgeschloffen.

Artikel 14. Auf Wiesendistrikten, insoweit sie künstliche Wäflerungsanlageu haben, darf keine Weideberechtigung auS- geübt werden.

Artikel 15. Die in Artikel 12, 13 und 14 angegebenen Verbote gelten sowohl für eigentliche Weideservituten, als auch für Weidegemeinschaften und sonstige Berechtigungen.

WaS das Beweiben von anderen Grundstücken als Wiesen anlangt, so verweisen wir auf die Bestimmungen der Art. 25 deS Gesetzes, den Umfang u. s. w. der Weideberechtigungen betr., vom 7. Mai 1849 (in der Fassung der Bekanntmachung vom 30. Septenlber 1899, Reg.-Bl. S. 764).

Gießen, den 19. September 1905.

Grobherzogliches SrreiSamt Gießen.

I. 23.: Hechler.

Gießen, den 19. September 1905.

Betr.: Wie oben.

Las Grotzherzogliche Kreisamt Gießen

an Vie Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Indem wir Sie auf vorstehende Bekanntmachung Hin- Meisen, beauftragen wir Sie, auf genaue Befolgung der oben wiedergegebenen Bestimmungen hinzuwirken und insbesondere das Feldschutzpersonal, sowie die Schäfer dementsprechend an­zuweise n.

Wir machen Sie ferner darauf aufmerksam, daß bei außergewöhnlicher Witterung, sowie unter besonders gearteten wirtschaftlichen Verhältnissen eine Verschiebung der in Art. 11 bis 13 festgesetzten Terminen durch uns erfolgen kann. Dahin gehende Anträge wären eintretendenfalls seitens des Wiesen­vorstandes rechtzeitig bei uns zu stellen.

I. B.: Hechler.

Gießen, den 20. September 1905.

Betr.: Entschädigung für an Milzbrand und für an Rausch­brand gefallener Tiere; hier: die Ernennung von Schätzern.

Das Graßherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 1. September d. IS. (Kreisblatt Nr. 109) noch nicht ent­sprochen haben, werden an deren Erledigung erinnert.

I. V.: Hechler.___________________

Gießen, den 16. September 1905.

Betr.: Die Verhütung von Gesundheitsgefahren bei dem Betriebe von Bäckereien.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Soweit Sie mit der Erledigung unserer Verfügung vom 17. August l. Js. (Kreisblatt Nr. 102) noch im Rückstände sind, werden Sie hieran erinnert.

Tr. Br ei dort.

NaMische Tagesschau.

Die Essener Neichstagwahl.

hat für sämtliche daran beteiligten bürgerlichen Parteien ein äußerst unbefriedigendes Ergebnis gehabt und nur die Sozialdemokratie hat Anlaß zur Zufriedenheit und ihr ja auch bereits Ausdruck ver­liehen. (Vgl. den heutigen Jenaer Parteitagbericht. D. Red.) Nehmen wir zunächst die stärkste bürgerliche Partei des Wahlkreises, das Zentrum. Noch drei Tage vor der Wahl drückte dieKöln. Volksztg." die Hoffnung aus, daß das Zentrum im ersten Wahlgange siegen könnte. Davon ist aber keine Rede, vielmehr ist der Zentrumskandidat von btc absoluten Mehrheit weiter entfernt, als bei den letzten allgemeinen Wahlen. Damals hatte er vor dem sozial- d-mrokatrischen Gegner einen Vorsprung von 12500 Stim­men, diesmal ist er ihm um noch nicht 7000 Stimmen

voraus. Obwohl die, Zahl der Wahlberechtigten um etwa 14 000 Stimmen gestiegen ist, haben sich die Zentrums­stimmen nur um etwa 400 vermehrt. Dieser relative Miß­erfolg ist umso beachtenswerter, als die Agitation des Zentrums außerordentlich rege gewesen ist. Rühmte doch dieKöln. Volksztg.":Auf Seiten der Zentrumspartei ist bei der Agitation Mnstcrgiltiges, vor allem auch in der Kleinarbeit, geleistet worden . . . Die Organisation dieses gewaltigen Wahlkörpers ist jedenfalls ein Meiste r- st ü ck der Kleinarbeit."

Den anderen bürgerlichen Gruppen sind die Aussichten durch die Quertreibereien der christlich-so­zialen Partei verdorben worden. Das durch diese Sonderkandidatur hervorgcrufcnc G?zänk hat Tausende der­art verstimmt, daß sie es vorzogen, zu Hause zu bleiben. Und welchen Vorteil haben die Christlich.-Sozialen selbst davon gehabt? Nur den, daß unwiderleglich ziffernmäßig festgestellt worden ist, daß die christlich-soziale Partei in diesem industriellen Wahlkreise veliig ohnmächtig ist. Denn trotz einer rücksichtslosen Agitation hat sie nur etwa 4. Proz. der abgegebenen Stimmen erhalten. Die Herren, die soeben auf "dem in dem dem Essener Wahlkreise be­nachbarten Bochum abgchaltenen christlich-sozialen Parteitage die fortschreitende Entwicklung ihrer Be­wegung 8it rühmen wußten, dürften wohl angesichts der Essener Mahl ihre Hoffnungen auf ein bescheidenes Maß zurückschrauben.

Umso gelegener kommt das Wahlergebnis dem sozial­demokratischen Parteitage. Seit Jahr und Tag haben die Sozialdemokraten fast bei allen Nachwahlen zum Reichstage einen Stimmenrückgang zu verzeichnen gehabt und wenn sie irgendwo an Stimmen Zunahmen, so war dies nur in geringfügigem Umfange der Fall. In Essen aber haben sich die sozialdemokratischen Stimmen um mehr als 25 Proz. gegenüber den letzten allgemeinen Wahlen vermehrt. Die Agitation während des Bergarbeiterstreiks hat also, was nach dem Wahlergebnisse zweifellos ist, die Reihen der Sozialdemokratie verstärkt. Man muß diese Tatsache umsomehr beachten, als sie bei den nächsten all­gemeinen Wahlen auch in den dem Essener Kreise benach­barten Jndustriewahlkreisen von den bürgerlichen Parteien von vornherein zu berücksichtigen sein wird. Mit anderen Worten: die bürgerlichen Parteien werden in solchen Wahlkreisen den Kamps gegeneinander in einer maß­volleren Form zu fiihren haben, als es bei dem langen und heftigen Wahlkampfe in Essen geschehen ist.

Zu dem Aufenthalt WitteL in Deutschland und der beabsichtigten Audienz beim Kaiser verlautet von gut informierter Saite, daß dieser Besuch auf eine Anweisung aus Peter Hof zurückzu führen sei. Witte ist bereits kurz vor seiner Rückfahrt aus Portsmouth aus­drücklich gebeten worden, die von ihm in Aussicht ge­nommene Kur zu verschieben, da der Zar Wittes 'Aufenthalt im Auslände benutzen will, um ihn mit einigen wich­tigen Missionen zu betrauen. Witte soll in Frank­reich und Deutschland mit den leitenden Staats­männern nicht nur über die zweite Konferenz im Haag, sondern vor allem über das gemeinsame Vorgehen der interessierten Mächte im fernen Osten eine Verständigung anstreben.

Danach kämen also russische Handelsaufträge nicht mit Herrn: v.Witte nach Deutschland mit. In England soll viel­mehr, so heißt es, die ganze russ. Kriegsflotte neu erstehen. Was wir dach tür angenehme Freunde haben! Für Deutschland lobende Reden, Telegramme und andere billige Kundgebungen von russischer Seite, für die Anderen die Bestellungen. Ein echter Russe mag keinen Engländer leiden, aber die 'Aufträge gönnt er ihm gern. Unsere Regierung verbürgt sich nahezu, den Negier­ungsrat Martin mit seinem Unkenruf abschüttelnd, für die Güte der russischen Finanzen, das deutsche Geld wird mit Vergnügen genommen nur die deutsche Arbeit gilt als zweiten Ranges. Die Deutschen sind wirklich uneigennützige und gutmütige Freunde.

Ein Mitarbeiter des PariserTernps" befragte den Ministerpräsidenten Witte, ob sich die Beziehungen Rußlands nach dem Kriege ändern würden, und wie er selbst über die deutsch-russische Annäherung denke. Witte antwortete:

/^H. glaube nicht, daß sich die russische Politik ändern wird. Die Annäherung mit Deutschland besteht selbstverständlich. Ter KaiserWilhelm war während d es ganzen Kriegs mehr als korrekt und durchaus liebenswürdig ge­genüber Rußland. Bei jeder Gelegenheit hat er uns seinen Wunsch bekundet und bewiesen, uns keine Verlegenheiten zu bereiten und uns jede Verwicklung zu ersparen. Wenn man in der Not ist, so ist man empfindlich für eine gute Be­handlung, und das war unser Fall. Andererseits muß ich offen sagen, daß ein Teil der össentlichen Meinung in Frankreich während der letzten 18 Monate uns unangenehm berührt hat, besonders nach der langen Reihe von russenfeindlichen Ktmd- gebungen, welche bei jedem Anlatz und selbst ohne Anlaß veran­staltet worden waren. Trotzdem sind die Beziehungen Ruß­lands zu Frankreich in ihrem Grundwescn nicht geändert. Ich behaupte auch nicht, daß die Sympathien ab­genommen haben. Ich sage nur, daß die russisch-deutschen Sympathien zugenommen haben. Die russisch-fran­zösische Allianz entspricht auch in Zukunft den Interessen der beiden Völker. Darin hat sich nichts geändert und soll sich auch nichts ändern nach meiner aufrichtigen Meinung.

*

Handelsminister Möller

lenkt nicht an den Rücktritt so und mit noch kräftigeren Worten wird von Berliner Blättern die gestrige Ankündigung der Unrichtigkeit geziehen. Aber als Miquel ging, da war das Ereignis auch für ihn als Nächstbeteiligten eine gewisse Ueberraschung. DieNordd. Mg. Ztg." demen­tiert die gestrige Meldung nicht. An dieser Stelle aber würde die Bestreitung am überzeugendsten gewirkt haben.

Zur Volkszählung.

In derSozialen Praxis" wird von den Vorbereitungen zu der am 1. Dezember stattfindenden Volkszählung scharfe Kritik geübt. Vor allem wird getadelt, daß die Grenzen der Zählung sehr eng gezogen sind und daß wichtige.

sozialpolitisch wie reinpolitiph interessierende Fragen fort-- gelassen sind. Beispielsweise fehlt die Frage nach der Muttersprache. Diese Frage würde uns zur Aufklär­ung über die Nationalitätsverschiebung sehr wichtig er­scheinen. Weiterhin fehlt die Frage über den Ort der Geburt, durch die am besten die Verschiebung der Be­völkerung fcstgestellt werden Fann. 'Zlus sozialpolitischen Gründen ist es zu beklagen, daß die Fragen nach dem Wohn- und Arbeitsorte fehlen, weil durch diese Fragen am besten festgestellt werden kann, welchen Weg der Arbeiter in großen Städten von der Wohnung zur Arbeitsstätte zurück­zulegen hat. Den Fortfall all dieser wichtigen Fragen bezeichnet dieSoziale Praxis" sehr richtig als einen argen Rückschritt. No./ viel gerechtfertipter ist die Beschwerde über die umständliche, unübersichtlche, schwer zu erfassende, mit einem Worte bureaukratische Art der Fragestellung auf den Zählkarten. Tie Erläuterungen, die zu den Fragen gegeben werden, machen die Sache auch nicht besser, weil sie so langatmig sind, daß sie meistens nicht gelesen werden. Es wird mit Recht verlangt, daß die Fragestellung möglichst vereinfacht werde und daß für sie eine solche Form gewählt würde, wie sie ein einfacher Mensch anwenden würde. Wenn aber die Fragestellung schwer verständliü ist, so wird dadurch einmal die ehrenamtliche Tätigkeit der Zähler wesentlich erschwert und zweitens tvird die Möglichkeit geschaffen, daß trotz aller Bemühungen der Zähler sich durch die unverständliche Fragestellung doch Mißverständnisse einschleichen, die, je häufiger sie Vorkommen, desto mehr den Wert der Zählung beeinträchtigen. Es wäre deshalb gut, wenn noch der fol­gende, von derSozialen Praxis" gegebene Rat befolgt mürbe:Zweckmäßig wäre c5, bei der Feststellung der Frage­formen ein wenig wei!er von dem bureaukratischen Piedestal herabzusteigen und die Erfahrungen derjenigen Leute zu benutzen, die solche haben, nämlich der Zähler!"

DaS Kolouialamt und dieKöln. Volksztg."

Im Verfolg der Aufforderung deS Kolonialamts (ogL Nr. 219 desGieß. Anz.*) erklärt nunmehr dieKöln. Volksztg.*, die von Vertretern deS Kolonialamts in der Vudgetkommission gemachten, nach Ansicht derKöln. Volks­ztg." unrichtigen Angaben bezögen sich auf das Buch deS Konsuls Reno über die Kameruneisenbahn nach dem Tschadsee und die Konzession deS Kameruneisenbahnsyndikats. In der Kommission habe der Kolonialdirektor erklärt, dieS Buch sei eine rein private Arbeit, während tatsäch­lich zur Drucklegung dieses Buches Reichsgelder gegeben worden seien, ohne daß der Reichstag hiervon Kenntnis be­kommen habe. Weiter habe man außer dem Kamerun­eisenbahnsyndikat auch einem Bankkonsortium die Konzession zur Erbauung der Eisenbahn von Duala nach den Manen- gulabergen, letzterem aber mit größerem Vorteil, gegeben. Man habe dann daS Ende der Konzession des Eisenbahn­syndikats nicht abgewartet, vielmehr eine neue, total ver­änderte Konzession mit erhöhten Lasten für das Reich während der Giltigkeitßdauer der ersteren Konzession verliehen. ES sei die unrichtige Angabe gemacht worden, daß auch mit dem Syndikat über die Verleihung von Berg­rechten verhandelt worden sei, sowie daß bereits im De­zember 1904 daS Syndikat seine Unfähigkeit zur Beibringung der Mittel erklärt habe. Die hierbei abgegebenen unrichtigen Angaben seien von wesentlichem Einfluß auf die Stellung der Parteien zur Kameruneisenbahnvorlage geworden.

Die holländischen Liberalen werden in der neuen Parlamentssession zu zeigen haben, daß sie in den vergangenen sieben Jahren, wahrend deren sie von der Regierung ausgeschlossen waren, zu politischer Aktionskraft herangereist sind. Die parlamentarische Situation ist dem Ministerium Demeester, das ohnehin nur nach Ueberwindung von Schwierigkeiten gebildet werden konnte, nicht besonders günstig, weil die Kammermehrheit, auf die sich die Regierung stützt, sehr schwach ist und weil die Alt­liberalen nicht selten ihre eigenen Wege gehen. Der Zufall kann die konservativ-klerikale Opposition zum Herrn der parlamentarischen Lage machen. Bei der in der Thronrede angekündigten Wahlrechtsreform wird die Regierung die erste Probe zu bestehen haben. Heften die Liberalen diesmal nicht den Erfolg an ihre Fahnen, dann werden sie es in nicht langer Zeit erleben, daß bei dem Kampf zwischen der gegenwärtigen Opposition und der äußersten Linken der Liberalismus in den Hintergrund gedrängt wird.

^Gour Arbeiterverstcherungscongreß.

233ien, 20. Sept.

In der heutigen Sitzung hielt Regierungsrat Koegler einen Vortrag über die Arbeiterversicherung und das RechtS- bewußtsein, woran sich eine lebhafte Debatte schloß. Dann begann die Beratung über die Vereinfachung der Arbeiter­versicherung. Geh. Rat Dr. dicker als Referent trat für die Aufrechterhaltung der Krankenversicherung, dagegen für die grundsätzliche Vereinigung der Unfalls-, In- validitäts- und Altersversicherung in der Ver­waltung der Justiz ein. Sodann referierten über die Frage der Verschmelzung der Kranken- und Invalidenversicherung: Dr. Richard Freund, Professor Menzel und Sekretär Dr. Kobatsch. In der Debatte verteidigten die sozial- demokr. Abgg. Fräsdorf und Dr. Verkauf das Prinzip der Selbstverwaltung und betonten, daß den Arbeitern der entscheidende Einfluß auf die Kassen gewahrt bleiben müsse. Während der Rede Verkaufs kam eS zu einer Lärmszene. Da Verkaiif die festgesetzte Redezeit überschritten hatte, wurde ihm vom Vorsitzenden daS Wort entzogen. DaS von Verkauf gestellte Begehren, an die Versammlung zu appellieren, wurde oo r dem Vorsitzenden für unzulässig erklärt, waS von einem Teil der Versammelten mit großem Lärm und Pfuirufen, von dem anderen Teil mit Beifall ausgenommen wurde. In' dem herrschenden Lärm schloß der Vorsitzende die Sitzung.