Ausgabe 
21.1.1905 Erstes Blatt
 
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tont men. Die Heim atsbe Hörde bezeichnet den Angvklayten als Gelegenheitsarbeiter. Die Staatsanwaltschaft in Vrenzlan fahndet frfvon längere Zeit auf den gemeingefährlichen Menschen, welcher sich in der dortigen Gegend damit beschäftigt hat, die Bauern bereinzulegen, indem er sich als denfeinen Mcmu" hin stellte unb sich den TitelDirektor beilegte. Als solcher etablierte er dort Geflügelzucht- und Mastanstalten im Großen und er­schwindelte, indem er falsche Angaben machte, das dazu nötige Bieh und die Einrichtungen. Nebenbei machte er sich an eine enterte Familie heran, deren Tochter er vorgab, heiraten zu sollen, zu welchem Zweck M. sich um 4 Jahre jünger ausgab, als er tatsächlich ist, auch verschwieg, daß er verheiratet ist. . Selbstverständlich wurde der zulünftiae Schwiegervater angepumvt.

Sn den letzten Tagen vor seiner Verhaftung in Vilbel machte t w Angeklagte in Offenbach einen Pachtvertrag, um das Restau­rant zu den drei Königen zu übernehmen. Auch die Sicherheits- b'Hörde in Frankfurt a. M. hat das sehnlichste Verlangen, .Herrn W , der sehr vielseitig zu fein scheint, auf den Zahn zu fühlen. Bor unserer Straflammer handelte es sich um eine Zech­prellerei, begangen bei dem Wirt Sch. in Gießen. Der Staats- Anwalt hatte gleich eine zwefte von dem Angeklagten in Friedrichs­dorf im Taunus begangene Zechprellerei mit unter Anklage ge­sollt. Maurer hatte hier wie dort gegen Entree Vorträge über Japan gehalten und seinen gespannt lauschenden Zu- l'vrern erzählt, daß er 4 Jahre in diesem Lande gelebt habe. In beiden Fällen aber erzählte er auch den Lokalinhabern, die er mit der Zeche sitzen ließ, er sei vom Kaiser von Japan resp. von dessen Regierung angestellt, sei in seiner zweiten Heimat ent der Malaria erkrankt, beziehe fein Gehalt und sei nur auf einige Zeit nach Deutschland wegen Kräftigung f'iner angegriffenen ^sundheit beurlaubt. Natürlich handelt es sieb um ein Märchen, j>ntn er hat nie Japan betreten. Der Staatsanwalt wollte den wiederholt rückfälligen Betrüger, welcher als solcher überaus ge­meingefährlich sei, auf iy2 Jahre ins Zuchthaus schicken. Der Gerichtshof bewilligte aber noch einmal mildernde Umltände und ließ es bei einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr 4 Mo­nat c bewenden.

Sport.

Paris, 20. Jan. Gordon Bennett, der Stifter des bekannten Automobilpreises, ist an einer Lungen­entzündung schwer erkrankt.

Fmnilien-Nachrichten.

Verlobte: Bertha Mohr, Angenrod, Karl Hedderich, Elbenrod.

Gestorben: Herr Jakob Welker, Alsfeld.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berliner Börse vom 20. Januar 1905.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 2/a Prozent.

Anfangs- u. Schlußknrfe.

Oest. Kredit .

. 211.50

212.90

Deutsche Bank

-

. 236.50

236.25

Darmstädter Bank

. 142.75

142.62

Bochumer Guß .

. 237.10

237.25

Harpener Bergbau

Tendenz:

. 209.90 Schwach.

209.50

Märkte.

Gießen, 21. Jan. Marktbericht. Auf heutigem Woebenmarckt kosteten: Butter pr. Pfd. 0.80O.t'O Mk., Hühnereier 1 St. 89 Pfg. ? Stek. 15OO Pfg., Gänseeier 00OO Pfg., Enteneier 70 Pfg., Käse pr. Ctck. 68 Pf., Kasematte 2Stck. 56 Pfg. Erbfen pr. Liter 21 Pfg., Linien pr. Liter 32 Pfg., Tauben vr. PaarO,8O-O,9OMk., Hühner pr.St. 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stück 1,802,20 Mk., Gänse pr. Pfd. 5565 Pfg., Ochsensteisch vr. Pfund 7080 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6268 Pfg., Schweine- fleisch pr. Pfund 6072 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 7074 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5074 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,006,50 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 8,0010,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg., Aevfel per Zentner 0 bis 0 Mk., in Körben 0000 Pfg. Nüsse 100 St. 00-00 Pfg Zwetschen per Zentner 0.000.00 Mk. Birnen per Zentner 6 bis t'.OO Mk. Weißkraut 0.100.15. Marktzeit 82 Uhr.

fc. Frankfurt a. M., 20. Jan. H e u- und Stroh- »nar k t. Heu kostete heute Mk. 3.00-3.60, Stroh Mk. 1.80 bis Mk. 2.50. Alles per 50 Kilo. Tendenz: fest.

Aosfls 806 btn Stmbkssmksn-ißmi der Steht Gießer.

Eheschließungen.

Am 14. Jan. Wilhelm Bopf, Kaufmann dahier mit Margarete Hardt hierselbst. Wilhelm Klein, Küfer dahier mit Thekla Hewdig Löhmer hierselbst.

Geborene.

Am 8. Januar. Dem Schlosser Karl Euler ein Sohn. Am 9. Jan. Dem Kaufmann Friedrich Wilhelm Pannecke ein Sohn, Friedrich Wilhelm. Am 11. Jan. Dem Kunst- und Handels­gärtner Rudolf Weber ein Sohn, Hermann Heinrich Friedrich. 9lm 12. Jan. Dem Bäckermeister Heinrich Prieß eine Tochter. Am 13. Jan. Dem Maurer Christoph Schneider ein Sohn, Heinrich. Dem Dreher Franz Joseph Ganß ein Sohn. Am 14. Januar. Dem Vizefeldwebel Wilhelm Meisel eine Tochter, Emma Elisabeth Frieda. Am 15. Januar. Dem Bahnarbeiter Adam Kaiser eine Tochter. Am 18. Jan. Dem Schmied Philipp Schomber ein Sohn, Heinrich.

Gestorbene.

Am 17. Jan. Johannes Diehl, 44 Jahre alt, Taglöhner da­hier. Gustav Hammann, 90 Jahre alt, Pfarrer i. P. dahier. Am 18. Jan. Karl Nofl, 1 Jahr alt, Sohn des Schneiders Wil­helm Nofl dahier. Am 19. Januar. Johanna Fertfch, geb. Beyer, 60 Jahre alt, Ehefrau des Pfarrers i. P. Ferdinand Fertfch da­hier. Heinrich Schomber, 10 Stunden alt, Sohn des Schmieds Philipp Schomber dabier._______________________________________

Aieteoroloaiscke Beobachtungen der Station Gießen.

Januar 1905.

Barometer auf 0° reduziert

Temperatur der Luft

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

20.

2"

753,5

4- 2,3

3,1

58

NE. .

2

Sonnenschein

20.

936

753,6

- 1,3

3,6

79

NNE.

2

Heller Himmel

21.

725

752,6

5,2

2,9

93

NE.

2

W V

Höchste Temperatur am 19. bis 20. Januar -V 2,9D C.

Niedrigste 19. 20. = 5,00 C.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Verlauf der Witterung seit gestern morgen: Die Wetterlage weist nur sehr wenig Aenderung auf, mir haben flache Rand­gebilde des südwestlichen Tiefs Bewölkung hervorgerufen. Das östliche kräftige Hoch schiebt sich, unter Einwirkung eines im höchsten Norden über dem Eismeere vorbeiziehenden Tiefs langsam süd­wärts nach Südost-Europa. Bei dieser Druckverteiltmg ist Fort­dauer der Frostpertode zu erwarten, doch können flache Teilgebilde uns etwas stärker beeinflussen und vereitizelt etwas Schnee Hervor­rufen.

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Sonntag, den 22. Januar 1905: Trüb, vereinzelt im Gebiet etwas Schnee, ein wenig milder.

Frostperiode fortdauernd.

____________Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

UJö^rntlie r Ilrbcrlidit brr TobrsMk in brr Stobt Hießen

51. Woche. Vom 11. Dez. bis 17. Dez. 1904.

(Einwohnerzahl: angenommen zu 27 500 linkt. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 18,90

nach Abzug von 2 Ortsfremden: 15,12'7t.

Kinder

Es starben an:

Zusammen:

Erwachsene:

int vom

1. Lebcusiahr: 2.15. Jahr

Altersschwäche

1(1)

KD

r-

Krebs

1

1

Bronchitis Wochenbettfieber

2

2

1

1

Mittelohrentzündung 1

1

Lebensschwäche

1

1

Darmkatarrh

1

.

1

Verunglückung

2 (1)

2(1)

Summe 10 (2)

7 (2)

2 1

Sinnt.: Die in Klammem gesetzten Ziffern geben an, wie vi der Todesfäfle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Kunst und ^SiTenftfiafL

München, 20. Jan. Der Münchener Journalisten-- n ° S riftstel l er- Verein ergreift die Initiative für eine Münchener Schillerfeier großen Stils. Er erläßt dem­nächst Emladungen zur Bildung eines großen Komitees.

Neapel, 19. Jan. Heute abend wurde im San Carlo* Theater Leoneavallo'sRoland von Bertin* auf- fleführt. Die Zuschanermenge, die das Saus in asten Teilen dicht besetzt hielt, brachte dem Komponisten» der immer wieder vor die Rampe gerufen wttrde. begeisterte Huldigungen dar.

11 riirllc Meldungen.

London, 21. Jan. Aus Herac lea am Schwarzen Meere einlaufenden Dampfer melden, daß durch einen furcht» baren Sturm 32 Segelschiffe und sieben Dampfer im Hafen von Heraclea vernichtet worden seien. Unter den Dampfern befindet sich dieKalypso" vom österreichischen Lloyd, drei türkische, ein griechisches und zwei französische Schiffe. Man befürchtet große Verluste an Menschenleben.. Einzelheiten fehlen noch wegen der Unterbrechung des tele­graphischen Dienstes.

Paris, 11. Jan. Die Wirkung des Streiks int, Nuhrrevier ist auch in Frankreich zu spüren. In Französisch-Lothringen sind einige Fabriken auf Ruhrkohlen angewiesen. Dort herrscht jetzt große Verlegenheit. Man sucht notdürftig Ersatz durch belgische Kohle herbeizuschaffen.

Washington, 20. Jan. (Reuter.) Die Beziehun­gen zwischen den 23 er einig ten Staaten und: Venezuela sind entschieden gespannte. Der amerikanische Gesandte in Caracas. Bowen, meldet, die Vorschläge des Präsidenten für die Regelung der Angelegenheit der As­phalt-Compagnie und anderer ftreitiger Punkte seien der­artig, daß es für Amerika unmöglich sei, sie anmnehmen. Präsident Castro hat, als ihm hiervon Mitteilung gemacht wurde, die Verhandlungen abgebrochen, wenigstens für einige Zeit, indem er die Hauptstadt auf unbestimmte Zeit verlassen hat. Es ist beinahe als sicher anzunehmen, daß die Vereinigten Staaten eventuell zu Zwangsmaßregeür gezwungen werden, aber man wird dazu nicht eher die Zuflucht nehmen, als bis alle Mittel der Diplomatie er­schöpft sind, da die Regierung der Vereinigten Staaten- nicht beabsichtigt, mit übertriebener Eile vorzugehen.

Telephonische

F ni

3Vi% Reichsanleihe . . 101 80 3Vi do. . . . 89.75

Wt% Konsole .... 101.80 3°/0 do 89.80 3*/9°/n Hessen .... 100.00 3V, % Obsrhesson . . . 99.70 4 % Oesterr. Go'drento . 10170 4b% Oesterr. Silberrente 100.30 4% linear, Doldrento . . 100.00 40/ Italien Rente , . . 105.00

Portugieser » . . 64.70 30/ Portugiesen 64.00 1 % C. Türken . . . .. Türkenlose 130.00 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 51.00 41/» % Süssere Argentiner.

Tendenz: s

i* Kursbericht.

iktnrs a 21. Januar.

3o/(l Mexikaner .... 33.00 4VoVa Chinesen .... 92.20

Electric. Sebuckert . . . 138 00 Nordd Lloyd . . , . 109.50

Kreditnktien 212 00 Diskonto-Kommandit, . , 192.10 Darmstädter Bank . . . 142.40 Dresdener Bank .... 158.20 Berliner Handelsges. . . 164 50 Oesterr. Staatsbahn . . . 138.50 Lombarden . . . . . 17.50 Gotthardbahn 193.00 Laurahütte 256.00 Bochum ...... 236.70 Harpener 209.70 Staatsschatzscheine ....

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Zu Beginn des Frühjahres wird eine mit reichem Bildcr- chmuck versehene, vornehm ausgestattete

Reklameschrift für die Stadt Gießen in einer Arrslage von 10000 Exempl. seitens des Verkehrsvereins zur Ausgabe gelangen.

Diesem Buch soll ein Jnseratenanhang beiqegeben werden, zu dem Aufträge seitens Interessenten schon jetzt ent- gegengenonnnen werden, lieber die Jnseratbedingungcn erteilt Herr Fr. Helm, Loderst raße, nähere Auskunft. [v21/j Der Vorsitzende.

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Iagdverpachtung.

Montag, den 6. Februar j l. Js., nachmittags 3 Uhr, soll auf hiesigem Rathaus die I der Gemeinde Watzenborn- Steinberg zustehende Feld- | und Wakdjagd auf weitere 6 Jahre verpachtet werden.

Watzenborn, 20. Jan. 1905. Gr. Bürgermeisterei Watzen­born-Steinberg.

415 Hirz.

Verfteigerrrng.

Montag, den 23. d. MtS., nachmittags 2'/, Uhr, sollen da­hier, Marktplatz 20, im Adler:

1. Haus- u. Küchengeräte aller Art,

2. 1 Eisschrcmk,

3. 1 Kuh,

4. 1 Fahrrad,

5. 4 Stämme Werkholz(Eichen) u. n. A.

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Gießen, den 21. Jan. 1905. 4201 Seipel, Gerichtsvollzieher.

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Dienstag, denSl.Januar l. Js., nachmittags 1 Nhr, soll im Nathause zu Herbstein, die Jagd der Gemeinde Herb­stein, umfassend 320 Hektar Wald und 1490 Hektar Feld, auf weitere 6 Jahre verpachtet werden. 412

Nähere Auskunft erteilt der Unterzeichnete.

Serbstein, 20. Jan. 1905. roßh. Bürgermeisterei.

Schneider.

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