Ausgabe 
18.2.1905 Erstes Blatt
 
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155* Jahrgang

Erstes Blatt.

Samstag 18. Februar 1905

Nkr. 458 tLgNch außer Sonntag».

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener ZamilieN' Hättet viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck il Ver­lag der Brü h l'scheu Unwers^Buch-u. Stern- druckerei. R. Lange. Redaktion, Exvedittoa und Druckerei:

Gchulstratze 7.

Adresie für Devsschen: Anzeiger Gießen.

Ferrisprechanichluß Nr. 51.

d © moE?lch75Ph,mntel-

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger v ** äsSE Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ZWZZ _zeigenteil: Hans Beck.

Die Heutige Wummer umfaßt 16 Seiten.

Bedingungen

»er Hessischen Landes-Hypothekenbank in Darmstadt für ihre vom 14. Februar 1905 an

bis auf weiteres zu erteilenden Zusagen.

Bei Hypothek-Darlehen an Private beträgt der Zinsfuß 33,/4o/n.

Bei Kommunal-Darlehen beträgt der Zinsfuß nach Wahl der Anleiher entweder 3,70% für die ganze Dauer des Darlehensverhältnisses oder 3,75% für die ersten zehn Jahre und 3,625 % vom elften Jahre an. ,

Die an die Bank zu entrichtende einmalige Ver­gütung für Geldbeschasfungskosten beträgt 1,60 %.

In besonderen Fällen kann die einmalige Vergütung ganz oder teilweise derart gestundet werden, daß die Tilgungsbeiträge der ersten Jahre zunächst zu ihrer Deckung verwendet werden und erst nach ihrer völligen Begleichung die eigentliche Kapitalstilgung beginnt.

Es werden nur Tilgungsdarlehen gewährt, welche von der Bank nicht gekündigt werden können. Ebensowenig kann der Zinsfuß gesteigert werden. Dem Anleiher wird dagegen ein Kündigunqsrecht eingeräumt.

Aufschlüsse sind jederzeit kostenlos von der Bank, ebenso wie von den Großh. Bürgermeistereien zu erhalten.

klchh. Seminar für MWllchkcknell zu

Nach Verfügung Großh. Ministeriurns des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, wird die diesjährige mündliche Enllassungsprüfung vom 27. bis 29. März nach Maßgabe der Verordnungen vom 10. Januar 1876 und vom 29. November 1897 abgehalten werden.

Die schriftliche Prüfung beginnt am 20. Februar, die Aufnahmeprüfung am 13. April.

Diejenigen, welche sich einer dieser Prüfungen unter­ziehen wollen, haben ihre Gesuche um Zulassung nebst den vorgeschriebenen Zeugnissen und Probearbeiten mit den er­forderlichen Stempelmarken im Betrage von 1 Mk. 50 Pfq. rechtzeitig an uns einzusenden und sich an den Prüfungs­tagen um 8 Uhr vormittags im Seminargebäude einzusinden.

Darmstadt, den 20. Januar 1905.

Großherzogliche Direktion des Seminars für Volksschullehrerinnen.

Dr. Jacobi.

Aie Ermordung des Kroßfürstm Sergius.

Petersburg, 17. Februar, 3 Uhr 10 Mm. nachmittags. Telephonisch wird aus M 0 s k a 11 gemeldet, daß im Krnnl, wo sich gegenwärtig G r 0 ß f ü r st Sergius befindet, eine Explosion stattgefnnden habe. Tie Bevölkerung ist höchst erregt. Es geht das Gerücht, daß Großfürst Sergius getötet sei; dasselbe ist aber bisher nicht bestätigt worden.

Petersburg, 17. Februar, 3 Uhr 35 Mn. nachmittags. Weitere Gerüchte aus Moskau besagen, daß unter den Wagen des Großsiirsten Sergius eine Bombe geworsen worden sei; der Wagen, der Großfürst und die Pserde seien in Stücke gerissen worden.

Petersburg, 17. Februar, 4 Uhr 5 Miu. nachmittags. Aus Moskau wird telephoniert: Aus der Fahrt des Groß­fürsten Sergius vom historischen Museum nach dem Kreml wurde der Wagen beim Justizpalast von zwei Personen in einer Droschke erwartet. Als der Großsürst den Justiz- Palast passierte, folgten sie dem Wagen. Die Bombe wurde unter den Wagen geworsen, eine starke Explosion erfolgte. Der Wagen wurde zertrümmert und der Großfürst getötet. Die Mörder wurden verhaftet. Einer ist schwer verwundet; ferner wurden mehrere Studenten verhaftet.

So lautete unser gestriges Extrablatt, das wir sofort nach Eintreffen der Depeschen im Laufe des Nachmittags verbreiteten.

Den Drohungen der russischen Nihilisten sind über­raschend schnell die Taten gefolgt. Als am 22. Januar unter den Petersburger Arbeitern jenes furchtbare Blut­bad angerichtet worden war, das die ganze zivilisierte Welt mit Grauen erfüllte, da machten die im Ausland erschei­nenden Organe der extremen Revolutionäre kein Hehl dar­aus, daß jetzt wieder eine Aercr neuer Attentate an­brechen werde, und der Zar selbst soll eines Tages in seinen Zimmern ein Schreiben gefunden haben, ba3 ihm sein Todesurteil mitteilte und dessen baldigen Vollzug an­kündigte. Man argwöhnte damals vielfach, es handle sich dabei nur um einen Tric, der den Kaiser einschüchtcrn solle, um ihn möglichst gefügig KU machen irgend welchen unlauteren Bestrebungen einer Hofkamarilla. Wir selber schenkten der Meldung gar keinen Glauben. Aber das blutige Ereignis, das jetzt aus Moskau gemeldet wird, scheint zu beweisen, daß in Rußland tatsächlich wieder diePropaganda der Tat" am unheimlichen Werke rst, die Machthaber mit Furcht und Schrecken zu erfüllen.

Großfürst Sergius ist ihr erstes Opfer geworden. Er gehörte neben dem Großfürsten Wladimir zu den ein­flußreichsten Mitgliedern des Kaiserhauses , und wurde als eines jener Häupter der Großfürftenpartei angesehen, die jede Reformbewegung zu unterdrücken suchen. Großfürst?

Sergius hat in Moskau residiert. Man sagt ihm nach, daß er mit starker Hand stets seinen Willen durchzusetzen verstanden hat. Er soll es gewesen sein, der den General Trepow als Diktator für die durchs den Ausstand be­drohte Haupt- und Residenzstadt empfahl. Die Nihilisten geben sich jedenfalls der Hoffnung hin, daß ihnen seine Ermordung vom russischen Volke gewissermaßen als Ver­dienst angerechnet wird.

Die beiden Attentäter rechnen sich wohl selber zu den wahren Fürstenmördern", von denen Dr. Regis, der Pro­fessor für Geisteskrankheiten an der medizinischen Fa-> kultät von Bordeaux, spricht.Der wahre Fürstenmörder", schreibt Dr. Regis,ist ein entarteter Mystiker oder Fana­tiker, der von einer fixen Idee besessen ist: er will einen Monarchen oder sonst einen Großen der Erde umbrinaen für das Wohl der Menschheit, des Vaterlandes oder der Religion, und er opfert dabei sein Leben für das ver- memtlich ruhmvolle Werk, das ihn zum heiligen Märtyrer seiner Sache macht." Die Geschichte liefert eine reiche Aus­wahl dieser Fanatiker. Ohne auf das Altertum zurück­zugehen, wollen wir bloß aus der neueren Geschichte einige Namen nennen: Poltrot tötet den Herzog Franz von Guise um des protestantischen Evangeliums willen und um das Paradies zu gewinnen: Gerard tötet Wilhelm von Nassau, um selig und ein Märtyrer zu werden; Damiens verübt ein Attentat aus Ludwig XV., um ihn zu zwingen, an Frankreich zu denken; Charlotte Eorday tötet Marat, um die Republik zu retten; Renaud versucht Robespierre zu töten, um die Wiederherstellung des Königstums zu ermöglichen: Paris tötet Lepelletier de St. Faraeau, um beit Tod Ludwigs XVI. zu rächen; Staps und La Sahla wollen Napoleon I. töten, um den Weltfrieden zu sichern; Karl Sand, Louvel, Orsini, Hödel, Nobiling, Passanante, Easerio, Mirzw-Riza, Bresei, der Mörder König Humberts, Schaumann, der Mörder des finischen Generalgouverneurs, die Mörder des serbischen Königspaares sie alle suchten einer Sache zu dienen, die sie für vaterländisch verdienst­voll hielten. Die Sache, um deren willen sie Löteten oder zu Löten versuchten, war bei jedem eine andere, aber das war nur ein äußerlicher Unterschied; im Grunde standen sie alle unter der Herrschaft einer fixen Idee, eines mystischen Antriebs.Gestern ein religiöser Mystiken, schreibt Dr. Regis,heute ein patriotischer Mystiker, morgen ein anarchistischer Mystiker, ist der wirkliche Fürstenmöroer stets ein Mystiker, der aus dem gleichen anthropologischen Prozeß hervorgegangen ist."

Ganz anders derfalsche Fürstenm orderest der stets von einem rein egoistischen Interesse geleitet ist, und der nun bloß ein Ziel kennt: seine Stimme zu erheben und die Genugtuung zu erhalten, die ihm vermeintlich ge­bührt. Um dieses Ziel zu erreichen, dazu sind ihm alle Mittel recht. Wenn kleinere Mittel nichts nützen, dann stellt er sich mit blanker Waffe auf die Straße bei der Vorüberfahrt eines Ministers oder Staatsoberhaupts, alles wohl überlegt und kühl ausgefnhrt. Die moderne Ge­schichte ist reich an solchen Attentätern. Zu ihnen gehören, um nur die bekannteren zu nennen: Mariotti, der 1885 auf den Ministerpräsidenten Freycinet schoß; Perrin, der 1889, bei der Eröffnung der Weltausstellung auf den Präsidenten Caruot schoß; Martial Jacob, der 1890 auf Carnot einen blinden Schuß abfeuerte, um die Regierung zu zwingen, sich mit ihm zu beschäftigen; Aubertin, der aus gleichen Gründen ein Attentat auf Jules Ferry ver­übte usw. usw.

Dieser neueste Fürstenmord wird allenthalben stärkstem Abscheu begegnen. Ob ihr Zweck erreicht werden wird, ist nicht sicher. Möglich, daß sie den Machthabern die Notwendigkeit durchgreifender Reformen eindringlich klar macht; möglich aber auch, daß sie den Zaren veranlaßt, die Züael völlig den Scharfmachern zu überlassen. Dann werden" sich die Verhaftungen, Haussuchungen, die Ver­schickungen nach Sibirien, die polizeilichen Ausnahmemaß­regeln und die militärischen Aktionen gegen Demonstrie­rende und Ausständige noch vermehren, die Autokratie imrd^ abermals triumphieren, und die Aussichten auf eine Befseruna der traurigen Zustände werden geringer sein als je zuvor" Man darf nicht vergessen, daß mit den Refor­men eigentlich schon zu lange gezögert worden ist, und daß die Machthaber, wenn sie sich jetzt nachgiebig zeigen, ein» Entwicklung der revolutionären Bewegung zu be­fürchten haben, 'deren Folgen gar nicht abzusehen sind.

Nun ein starker und zugleich einsichtsvoller Herrscher kann in diesem Wirrwarr das Staatsschiff in ruhigere Gewässer steuern. Wir wollen im Interesse des unglück- seliaen russischen Volkes hoffen, daß sich Zar Nikolaus dieser Aufgabe gewachsen und daß er den Mut zeigt, den nichtigen Mann dafür zu finden und dann auch beharrlich zu stützen.

Auf die Ereignisse in Ostasien wird das Moskauer Atten­tat ebenfalls einigen Einfluß ausüben. Die Japaner w-er- deu es benützen, um die russischen Soldaten zur Desertion ru verleiten oder zur Meuterei aufzuwiegeln. Anderer­seits wäre es möglich. Laß dadurch der Optimismus der russischen Kriegspartei wesentlich herabgestimnrt wird. Den Großfürsten könnte es klar werden, daß die inneren Schwie- rigkerten eine erfolgreiche Weiterführung des Krieges Ver­bindern müssen. Entweder man gewährt dem russischen Volke eine Verfassung, um seine Begeisterung und seinen Patriotismus gegen den äußeren Feind mobil zu machen, oder man schließt Frieden, um der drohenden Revolution Lrerr zu weroen. Beharrt man dabei, zu gleicher Zeit die Resormbewegung im Innern Niederschlagen und die Ja­paner in der Mandschurei besiegen zu wollen, dann läuft man Gefahr, daß Rußland national und international zu­sammenbricht!

Die schwerste Prüfung ist der Großfürstin SergtuS auserlegt. Sie ist, wie männiglich bekannt, die zweitälteste

Schwester unseres Großherzogs Ernst Ludwig die am 1. November 1864 geborene Prinzessin Elisabeth. Seit dem 1. Juni 1884 war sie mit dem Großfürsten Sergius vermählt und trägt seit 1891 den russischen Namen Jelissaweta Feodorowna. Das lange Eheglück ist mit einem Schlage vernichtet, zerstört durch ein grausiges Verbrechen, dem an blutiger Verwegenheit wenige Untaten in der Geschichte unserer Tage gleichkommen.

Und inniges Mitgefühl bringen wir auch unserem Groß Herzog entgegen. Zu den schweren Schicksalsschlägen innerhalb der Großherzoglichen Familie ist ein neuer ge­treten, der das Herz unseres Landesfürsten aufs tiefste er> schüttern muß. Kaum sind die ersten Flitterwochen seinen Ehe vorüber, und auf das junge Eheglück stürzt mit eines! Felsblocks-Wucht die Nachricht von der Ermordung seines Schwagers.

In diesen Tagen neuer schwerer Bekümmernis trägt ihm fein Volk mit besonderer Stärke und Anhänglichkeit seine Liebe und Treue, sein Herz entgegen.

Groß für st Sergei Alexandrowitsch wär am 29. April a. St. 1857 in Zarskoje Selo geboren als dritter Sohn jdles Kaisers Mexander H und seiner Gemahlin? Maria Alexandrowna, geborenen Prinzessin von Hessen .und bei Rhein. Bis zum Tode seines' V a t e r s, der bekanntlich «am 1./14. März 1881 ebenfalls! durch eine Bombe der Revolutionäre getötet wurde, hatte der Großfürst Sergei keine Gelegenheit gehabt, her- vorzutreten. Nachdem sein Bruder als Mexander III. den Thron bestiegen hatte, trat auch der Großfürst Sergei mehr hervor. 1884 verheiratete er sich mit der Prinzessin Elisabeth von Hessen. Sie behielt anfangs ihren evcm-< gelischen Glauben bei, trat dann aber am 13. April 1891 zur griechisch-katholischen Kirche stber. Einq Staatsnotwendigkeit war das nicht, wie bei ihrer Schwester^ der Kaiserin, denn die Gemahlin des ältesten Bruders desi Großfürsten Sergei, des Großfürsten Wladimir, eine ge-- borerre mecklenburgische Prinzessin, hat bis. heute ihrens evangelischen Glauben beibehalten. 'Stig Ehe ist kinder-« l 0 s geblieben.

Weitere Depeschen lauten: Die Tat.

Petersburg, 17. Febr. 51/2 N. Heute nachmittag 3 Uhr passierte Großfürst Sergius in Mosfau zu Wagen,,Vvur Nikolauspalaste kommend, dc?^ Senatsplatz. Hinter der Ecniipage fuhren zwei Droschken. Als die Kutsche sich dem Justizvalast näherte, kam ihr ein Schlitten mit zwei Männern in Zivils kleidung entgegen; der eine trug einen Ärbeiteranzug. Am Justiz- Palast ließ der Schlitten die Equipage vorbeifahren. In diesem! Augenblick wurde eine Bombe unter die Kutsche geschleudert. Die Explosion war so heftig, daß alle 64 Fensterscheiben im Iuftizpalast zersplitterten; der Wagen wurde Völlig zertrümmert. Die Pferde liefen davon. Tie Volks- .menge auf dem Platze sammelte die Holzstücke und Stoffrests auf. Der Großfürst war sofort tot; der Kopf und dis Beine waren vom Rumpfe getrennt, die Kleider zerrissen. Der K u t s ch e r, der schwere Brandwunden erhaltew hatte, starb auf dem Wege zum Krankenhause, auf dem Platzei liegen die Räder der Equipage. Die Explosion wurde weithin^ vernommen. Die Mörder s i n d v e r h a f t e t. Der eine sagte:j Ich mache mir nichts daraus, meine Arbeit ist getan." Der Name des Mörders ist unbekannt. Nach einigen Augenblicken begann^ die Menge, sich an dem Tatorte anzusammeln. Das Tor deÄ Kreml wurde geschlossen. Auf dem Roten Platze veranstaltete drei Menge eine Kundgebung gegen die Stuhenten, weichet geprügelt wurden, und zwar in solcher Weste, daß ein beinv Palais de Jgnatiew an gestellter Becuwe sich^ dazwischen warst und veranlaßte, daß mehrere Personen verhaftet wurden. Es wurden dann Proklamationen unter die Menge gervorfen. Als die Großfürstin Sergius die Nachricht von dem Ereigmsie; erfuhr, begab sie sich sofort an den Tatort. Dre Ueber^ rette des Großfürsten Sergius wurden aufgehoben und nach demt Nikolauspalais geschafft. . _

Gleich nach der Explosion bemerkte ein Polizeibeamter ein eit Menschen, welcher floh: es gelang, den Menschen, vogleich er mit einem Revolver bewaffnet war, zu <v e r h a f t e n: der Ver­haftete, der vielfache, durch Splittern der Bombe veruriackste Ber-^ letzungen hatte, leugnete nicht, der Mörder zu sein, und gab selbst zu, daß er den Revolver bei sich führte, um auf jeden zu schießen, der ihm in den Weg treten mürbe.. Er drücne seine Befriedigung darüber aus, daß die Groß^ f il r st i n nicht mit ihrem Gema h l z u s a m m e n gemeßen sei und weigerte sich Nmneu und Stand anzugeben. Er crnintc! weiter, daß er ein Mitglied der revolu.tioitären und soz 1 ar­tistischen Partei sei. Der Kops des Großfürst ist vollständig zerschmettert, nur Teilchen des Gehirns luaren auf dem Pflaster zu finden. Sie wurden von einer Frau gesammelt und einem Polizeikommistar übergeben. Ein Volnei- beantter hob die Brieftasche des Großfürsten auf, in der sich Geld und mehrere Briefe befanden. In dem Besitze des Mörders wurde! ein Portemonnaie mit etwa 10 Rubel Geld gefunden.

P e,t e r s b u r g, 17. Febr. Der Gouverneur von Moskau fügte sofort Haussuchungen bei den bekminten Moskauer Nihilisten.^ Tie Nachricht vom Attentat rief ungeheure Erregung hervor.f Generalgouverneur Trepow ließ sofort Haussuchungen bei teil- Nihilisten und revolutionären Studenten vornehmen. Groß^ f ü r st S e r g i u s hat feit längerer Zeit D'r 0 h b r i e fe^ erhalten., Er wurde deswegen gewarnt. Man riet ihm, nur in Begleitung; seiner Gattin auszufahren, welche in Dkoskau sehr beliebt rst., Bei den Verhaftungen wurde ein Student, in welchem man*, einen Urheber des Attentats vermutete, von Polizisten fchwem ul handelt. Man glaubt, Lurß es sich um ein K 0 m p 10 tti handle, welches von Studenten ins Werk gesetzt worden rst. Man erwartet allgemein strenge M a B n a bnt e n g c g e n oie[ Studenten. In den Drohbriefen wurde dem Großfürsten vor-' geworfen, daß er einer »ollen Einfluß auf den Zarew

ausübe. Auch verdachte mau c£> ihm, daß er Prepow protegierte_>-

Petersburg, 17. Febr. De karserlrchen Theaters sind geschlossen. In Privattheatern wird gespielt.