Ausgabe 
17.3.1905 Zweites Blatt
 
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Wt. 65 Zweites Blatt. 155. Jahrgang

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^Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der MV W «L, H M N-^ A M, ^C/Kl R M B v Jk, dhelfllch« Lavdwirt- erscheint monatlich einmal. ZN

Freitag 17.Mär;lSV5

Rotationsdruck und Verlag der Brilhl'schev UnwersitätSdruckerei. R. Lange, Gieße».

Redaktion,Expedition »».Druckerei: Schulstr.I.

Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. > Anzeiger Gieß«.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Komische Tagesschau.

Schwurgericht oder Schöffengericht?

Im Verein Waldeck zu Berlin sprach dieser Tage Geh. Rat Pros. v. Liszt.über das Thema:Die Schwurgerichte und die Schöffengerichte".

Nachdem er darauf hingewiesen hatte, daß der von einer Nvgierungskommission ausaearbeitete Entwurf einer Strafprozeß- vrdnnng im Sommer das Licht der Oenentlichkeit erblicken würde, trat er der Frage näher, warum überhaupt L a i e n in der Stmf- rechtsordnung zur Verwendung kommen. Die gewöhnlich an­geführten Gründe, daß die Laien unabhängiger von den Ein­flüssen der Negierung sind, und daß die Straffälle von ihnen gründlicher als von den beamteten Richtern erörtert zu werden pflegen, silÄ keineswegs stichhaltig unb ausschlaggebend. Da­gegen ist dem Argument, daß das Urteil der Laien eine Blüte der volkstümlichen Austastung sei und den nichtbeamteten Rich­tern im Gegensatz zu den nach juristischem Formelkram ab- urteilenden Staatsbeamten eine größere Fälligkeit zur Beurteil­ung des Einzelfalles innewohne, ein gewisser berechtigter Kern nicht abzusprechen. Der Hauptgrund, der meist übergangen wird, ist zweifelsohne der, daß die Schwurgerichte geschichtlich aus der modernen Verfafsnngsbewegung herausgeboren sind und sich also als eine Entwickelung des konstitutionellen Gedankens darftellen. Wenn wir uns nun fragen, welche der bestehenden Formen den Gedanken der Beteiligung dec Laien bei der Rechtspflege am besten zum Ausdruck bringen, so ist demSchöffengericht gegenüber dem an Nichtl^teiligung bei der Schuld- und Straffrage, Jnkom- seguenzen und Bevormundung (Rechtsbelehrung) krankenden Schwurgericht ohne Frage der Vorzug zu geben. Die Lösung des Problems erblickt der Redner darin, daß man das Schwur­gericht von seinen Mängeln befreie und mit dem Guten der schösfengerichtlichen Institutionen gleichsam verquicke. Seine Wünsche und Forderungen faßte Liszt dahin zusammen, daß an Stelle der Strafkammern mittlere und für die Schwurgerichte große Schöffengerichte einzutreten Hütten. Hierbei sei zu beachten, daß die Awölfzahl der Geschworenen und ihre Zusammensetzung beibehalten werden müsse, wogegen eine Reformierung der Fragestellung, die gemein- fam zwischen Richtern und Geschworenen festzustellen sei; weiter hätte eine Anteilnahme des Geschworenenkollegiums an der Schuld- und Strafffage als bedeutsame reformawrische Momente hinzuzütreteu. Zum Schluß befürwortete der Referent aufs wärmste eine sorgfältige Auslvahl der Geschworenen mtb die Heranziehung auch der kleinen Leute und Arbecker zu diesem Ehrenamt, um die wichtigste Aufgabe des liberalen Bürgertums, gleiches Recht vor dem Gesetz zu schaffen, wirksam und lebenskräftig zu er­halten. _______________

Küche und Kchute.

Das Kaiserpaar und die Schweizer Geist­lichen bei der Berliner Domweihe. Als Abgeord­nete der Schweizer evangelischen Kirche waren bei der Ein­weihung des Berliner Doms zugegen die Herren Guhl, Prä­sident der Schweizer reformierten Kirchen, und Kramer-Michelet, Präsident des Konsistoriums der evangelischen Nationalkirche in Genf. Nach den Erinnerungen an die Feier, die sie jetzt veröffentlichen, sind sie von ihrem Berliner Aufenthalt ganz begeistert, Am Montag, dem Tage der Einweihung, wurden sie im Schlöffe dem Kaiserpaare vorgestellt. Der Kaiser be­grüßte sie sehr liebenswürdig und sagte ihnen, daß er sich freue, auch die Schweizer Delegierten bei der Domfeier zu sehen und daß er den Schweizer Gesandten schon gebeten habe, seinen Dank in der Schweiz aussprechen zu laffen. Besonders mit Präsident Kramer unterhielt sich der Kaiser; er gedachte dabei der großen Rolle, die Genf in der Ge­schichte gespielt habe und zeigte, wie eine Union aller pro­testantischen Kirchen wünschenswert sei. Der Kaiser fügte hinzu, daß er selbst durch einen Calvinisten erzogen worden sei und daß er daran die besten Erinnerungen be­wahre. Die Kaiserin, von bezaubernder Liebenswürdigkeit, schwärmte von dem herrlichen Genf; sie kenne die Schweiz und liebe ganz besonders Genf und den wundervollen Genfer See.

Schillerfeier in Preußen. Die Unterrichtskom­mission des preuß. Abgeordnetenhauses verhandelte über den Antrag Arendt, die Regierung zu ersuchen, eine Schiller- Gedächtnisfeier in allen öffentlichen Schulen Preußens herbeizuführen und die Mittel hierfür zu bewilligen. Ein Regierungskommissar erklärte, der Schillertag solle in allen Schulen gefeiert werden. Für die Berliner Universi­tät sei das Opernhaus zur Verfügung gestellt. Die Schulfeiern sollten mehr eine innere Bedeutung haben, ohne besondere Kosten zu vermsachen. Zunächst hätten die Gemeinden selbst einzutreten; der Staat werde dies nur aushilfsweise tun und die aufgewendeten Beträge außeretats­mäßig verrechnen. Die Zuwendungen würden hauptsächlich zum Ankäufe geeigneter Schillerschristen Verwendung finden müssen, so für die Schrift:Wie feiern wir Schillers Todes­tag". Von Medaillen re. sei abzusehen. Die Kom­mission schloß sich den Ausführungen des Regierungskom- miffars an und beschloß einstimmig, das Abgeordnetenhaus xi ersuchen, die erforderlichen Geldmittel zu bewilligen.

Mrlamentarisches.

Die Hess. Landtags-Abgg. Dr. Buff und Müller beantragen, in den Entwurf eines Gesetzes, die Errichtung und Leitung von technischen Privatunterrichtsanstaiten betr., als § Ha eine Bestimmung aufzunehmen wie folgt:

Auf Grund eines von einer technischen Privalunterrichts-- anstalt ausgestellten Prüfungszeugnisses ist es nicht gestattet, sich als Diplom- oder diplomierter Ingenieur zu be­zeichnen, oder sich einen ähnlichen Titel beizulegen, durch den der Glaube erweckt wird, der Inhaber desselben sei ein auf emer deutschen technischen Hochschule vorgebildeter oder geprüfter In­genieur. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 300 Mk. und tm Unvcrmögenöfalle mit Hast bestraft.

Berlin, 16. März. Die Budgetkvm Mission des Reichstages setzte heute ixte Beratung des pJc il itar* (Sta bei den einmaligen 'Ausgaben fort. GS wurde eure Reche von Titeln ohne wesentlick-e DebÄte durchberaten und teilweise von ben einzelnen Kapiteln Abstriche gemacht. Die für Vorarbeiten zur Anschaffung eines Truppenübungsplatzes für das 16. 2lrmeekorps geforderten 20 000 Mark werden nach kurzer Erörterung ge­

strichen, trotzdern der Kriegsminifter v. Einem die Notwendig­keit eines solchen dargelegt hatte. Nach Erledigung einer Reihe weiterer Kapitel wird die Weiter-Beratung auf morgen vertagt.

Aus Stadt und Zand.

Gießeli, 17. März 1905.

- Vor der Konfirmation! Nur noch wenige Wochen, dann ist wieder einmal für Tausende von Knaben und Mädchen ein hochwichtiger Markstein zu verzeichnen: die Konfirmation, lieber die Bedeutung dieses Tages ist man sich wohl einig und in vielen Familien wirft der Kcm- firmationStag seine Schatten voraus. Besonders dort, wo mit der Konfirniation em Abschiednehmen verbunden ist. Der Junge kommt dann vielleicht in die Lehre, das Mäbchen in eine Pension. Oder es heißt gleich irgendwie Geldverdienen und bei fremden Leuten arbeiten. Kein Wunder, daß da redliche Elternherzen ein wenig bangen und sorgen. Der Hans oder die Grete, die sind doch eigentlich noch so rechte Kinder. Werden sie sich ohne weiteres in die fremden Ver­hältnisse schicken und einleben? Werden sie ihre Sache ordentlich machen? Wird nicht allerlei Lockung und Ver­suchung sich einstellen? Na, Alte, tröstet wohl der Vater, es wird schon gehen! Und sie kommen ja zu anständigen Leuten sie werden uns schon keine Schande bereiten! . . . Gott geb's! flüstert die Mutter, und die Augen werden ihr feucht. Ist auch keine Kleinigkeit, ein Kind so auf einmal aus dem Hause zu geben. Jahre lang hat man's gehegt und gepflegt. Es gibt viele treue Eltern, die sich's dabei am Munde ab* sparten, um ihren Lieblingen eine beffere Erziehung zu er­möglichen. Aber auch dort, wo das Kind vorläufig noch da­heim bleiben kann, wird der Konfirmationstag von Bedeutung sein. Die erste Stufe zum Erwachsensein ist dann erreicht. Wie rasch ist doch die Zeit verflogen! Ja, ist's denn mög­lich? Soviele Schuljahre liegen nun schon dahinten. Wie sich doch die langen Röcke seltsam ausnehmen! Und zuletzt, so oder so, auch hier die schwere Frage: Was wird die Zu­kunft bringen? Nun, das kann natürlich kein Mensch wissen. Aber die Konfirmation tft doch etwas, wo man auch an Gottes Führung denkt. Sind die Kinder bis hierher ge­kommen, so wird ihnen der alte treue Herrgott schon weiter helfen. Darum nur nicht allzuviel sorgen und fragen! In emem unserer Konfirmationslieder Heist es schlicht und tröst­lich: Sei Gott getreu bis in den Tod und laß dich nichts abwenden; er kann und wird in aller Not dir treuen Bei­stand senden 1 Das möge nicht nur unseren Kindern, sondern auch allen Eltern aus dem Herzen gesprochen sein! Alle, die es angeht, mögen freudigen und getrosten Herzens in die Zukunft schauen. Gerade am Konfirmationstage wollen sich ja die Großen mit den herangewachsenen Kindern eins wiffen in einem starken, hoffnungsreichen Glauben. Und so dürfen und sollen sich schon jetzt alle vorauseilenden Gedanken zu dem Gebetswunsche abklären: Herr hilf, Herr laß wohl­gelingen l . . .

** Die General Versammlung des Düns- berg-Vereins, welche; vor einigen Tagen stattfand, be­schloß, die Schutzhütte auf dem Gipfel des Berges durch einen Anbau erheblich zu vergrößern. Es hat sich diese Notwendigkeit herausgestellt, weil die Touristenvereine mehr und mehr sich daran gewöhnt haben, in starker Mitglieder­zahl den Berg zu ersteigen. Tie Zähl der Mitglieder des Tünsbergvereins beträgt 344, von denen 70 in Wetzlar wohnen. Zahlreiche Mitgliederanmeldungen liegen bereits für das am 1. April beginnende neue Vereinsjahr vor; auch soll eine verstärkte Werbetätigkeit für den Verein betätigt werden. An Eintrittsgeld für den Turm sind im abgelausenen Vereinsjahr (ä 10 Psg.) 115 Mk. vereinnahmt worden. Bedauert wird es allgemein werden, daß der Mit­begründer des Tünsbergvereins Kommerzienrat Georgi- welcher seit langen Jahren den Verein als 1. Vorsitzender leitete, aus Gesundheitsrückten den Vorsitz niedergelegt hat. Die Versammlung beschloß, von einer Neuwahl an Stelle Georgis vorerst abzusehen.

? Rockenberg, 16. März. Das Lande szucht- haus Marienschloß erhält jetzt eine bedeutende Ver­größerung durch den Neubau eines weiteren Zellen­flügels. Tas ca. 265 Gefangene enthaltende Zuchthaus ist seit Jähren voll besetzt; nicht selten mußten Zuchthaus­gefangene nach der Zellenstrafanstalt Butzbach verbrachst werden. Der neue Zellenflügel schließt sich nordöstlich an den alten Bau. Auch acht Wohngebäude für Beamten und Aufseher wurden im vorigen Jahre erbaut. Die drei letzten sind dieser Tage vollendet und bezogen worden.

d Friedberg, 16.März. Derhessische Goethe- bund" hielt gestern abend 8 Uhr im Saale des ,Hotel Trapp" eine gut besuckste Versammlung ab, in welcher Prof. Tr Otto H a r n ack - Darmstadt einen Vortrag über klassische und romantische Dichtung hielt. Ter Redner kam besonders auch auf Schiller zu sprechen, dessen 100. Todestag am 9 Mai gefeiert wird. Der Reinerlös des Abends wurde zum Besten des Volks-Schiller Preises überwiesen. _> Die Verbandsgeflügelausstellung für Ober- hesseu wird morgen im Saalbau eröffnet. Sie ist überaus rerch beschickt. Etwa 30 Ehrenpreise liehen zur Verfügung. Den ersten hat der Großherzog gestiftet.

8 Ass en heim i. d. W., 15. März. Unser Gesang­verein Frohsinn, einer der ältesten Gesangvereine Oberhessens, feiert im Jluli sein 60jähriges Jubi­läum, verbunden mit einem Ge san g s w e t t str e it. 15 Vereine haben sich bereits zu dem Wettstreit ange­meldet, darunter solche aus Gießen, Butzbach, Bad-Nau­heim und Friedberg.

~ (t) Ortenberg, 16. März. Heute sand zufällig ein Mann die Leiche der seit fünf Wochen vermißten Waise Emma Suhl, einige Schritte oberhalb der Hanauer Mühle in der Nidder. Die Leiche war schon sehr verwest Die ganze Umgegend war wiederholt durch die aufaebotene Feuerwehr abgesucht worden. Aus welche Weise das Kind ins Wasser gekommen ist, ist noch nicht aufgeklärt.

g. Büdingen, 16. März. Seit gestern ist aus der Strecke GelnhausenGießen die Perronsperre eingeführt. Auf der Kreissdraße BüchelDüdelsheim ftch^ kürzlich nachts ein Fuhrwerk in eine wandernde Schafherde. Die Pferde scheuten und warfen den Wagen um, wodurch eine größere Anzahl der Tiere verletzt wurden.

fe. Mainz, 16. Marz. Hertte morgen fiel ein Ar­beiter von einem Kahne in denRhein. Die BatacklonA* tamboure Vizeseldwebtl Herrmann und Sergeant Ried vom 117. Regt, sprangen ihm sofort in die Fluten nach und/ retteten ihn, als er schon die Besinnung verloren Ijaite.

fe. Nackenheim, 16. März. Das fünfjährige* Söhn chen eines hiesigen Küfermeisters, das bi£i Rekruten durch das Dors begleitete, sprach dabei dem- Wein so zu, daß es in der Nacht an Älko holvergif-i tung mit nachfolgendem Starrkrampf starb. (!)

Frankfurt a. M, 16. März. Gestern nachmittag wurde im zweiten Stock des Hauses Fichardstraße 34 mrttelft Nachschlüssels ein Einbruch verübt. Die Diebe erbeuteten 12 00 Mk. an Bargeld und für etwa 800 bis 1000 Wj Schmucksachen. Dle Inhaberin der Wohnung, die allein»« stehende Privatere Seng, war in den Nachmcktagsstunden! ausgegangen. Als sie abends zurückkehrte, fand sie de« Sekretär erbrochen. Die Polizei ist den Tälern ans dev Spur.

^Kleine Mitteilungen ans Hessen und btx Nachbarstaaten. Die m R ö d e l h e i m wohnende Schneideriw Klappert, bie int Verdacht steht, im August v. I. ihr 6 Jahre altes, Sühnchell durch Gas vergiftet zu haben, ist zur Beobachtung ihres! Geisteszustandes der Irrenanstalt überwiesen worden. Der Ber-, band der Baterlältdischen Frauenvereine im Regierungsbezirk,' Wiesbaden hat am 11. d. Mts. 4000 Flaschen Emser Kränchen^ m 80 Kisten verpackt, als Rest der chm von der königl. Staats--^ regierung zttr Ber'ügung gestellten 10 000 Literflajchen für bie Truppen in Südwestairika abgehen lassen.

tzvangeUsche Landesiyuod.

R. B. Darmstadt, 16. März.

Nach dem Eröffnungsgebet des Syn. Fuchs-Rimbach verliest zunächst Syn. Wahl-Schütz den Wortlaut der a«j Se. Kgl. Hoheü den Großherzog abzusendende Adresse, M einstimmig angenommen wrrd. Mit der Ueberreichung der Adresse wird das Bureau beauftragt

Oberkonsistorialpräsident D. Buchner begründet darmch die Vorlage des Oberkonsistoriums, betr. die Errichtung eines zweiten Psarrstelle in Bingen.

Syn. Dr. Vogt beantragt namens des ersten und dritte* Ausschusses die Zusümnmng zu dieser Vorlage, die durch das starke Anwachsen der Evangelischen auf ca. 1800 Seelen vei> anlaßt fei. Er beklage zugleich, daß die jungen Theologen angesichts der etwas schwierigen Verhältniffe in Bmgen leicht fahnenflüchtig würden und hofft, daß sie in Zukmffs besser ausharren werden.

Syn. Grosch-Kastel geht auf die Zustande in Bingen näher ein und erkennt die diffizielen Verhältniffe daselbst cm.

Oberkonsistorialpräsident D. Buchner schließt sich dem Wunsche nach befferem Aushalten junger Theologen in Bingen an, bemerkt ober, daß keiner derselben böswillig ,fahnen» flüchtig^ geworden sei.

Nachdem auch Syn. Hofmann-Jugenheim i.Rh. das Verhalten der jungen Assistenten gerechtfertigt und sie gegen die Vorwürfe des Syn. Dr. Vogt verteidigt hat, wird die Vorlage auf Errichtung der zweiten Pfarrstelle in Bingen' angenommen.

Eine weitere Vorlage wünscht auch die Errichtung einer zweiten evangelischen Psarrstelle in Lampertheim unter gleichzeitiger Aufhebung der dortigen Assistentenstelle. Der Ausschuß beantragt Genehmigung und die Synode beschließt demgemäß. Ferner stimmt die Synode dem Antrag aus Bildung einer selbständigen evangelischen Kirchengemeinde Rockenberg, sowie auf Abtrennung der evangelischen Gemeinde Wiebelsbach mit Frau-Rautes von der Pfarrei Ober-Klingen und Zuteilung derselben zur reformierten Pfarrei Heubach; und endlich dem Antrag auf Trennung des Kirchspiels Meder- Modau m zwei selbständige Gemeinden zu.

Bei ber darauf fortgesetzten Beratung des Voranschlag s beantwortet zunächst Oberkonsistorialpräsident D. Buchnev die gestrige Anfrage des Syn. Wahl-Langen über den Theo- jogenmangeL Das Oberkonsistorimn hat über diese Frage einen größeren Bericht angefertigt, der morgen im Druck er­scheint. Aus dem vom Redner verlesenen Auszug geht her­vor, daß ein genügender Nachwuchs an Theologen in Hessen nicht vorhanden sei und deshalb zehn Ersatzkräfte von aus­wärts herangezogen werden mußten. Trotzdem aber reichten die neuen Kräfte nicht aus, es mußten verschtedene Gemeinden von den Nachbarpfarreien mit versorgt werden. In dem Bericht wird zum Schluß der Wunsch ausge^.^chen, daß sich mehr Schüler aus den höheren Kreisen dem idealen Beruf des Geistlichen zuwenden möchten.

Syn. D. Drews - Gießen gibt zn dieser Frage em eingehendes statrstisches Material. Die Zahl der Stndisreu-! den der Theologie sei in Deutschland in dem Zeitraum von 17 Jahren um über 50 Prozent zurückgegangcn, nämlich von 4634 ans 2155. An diesem Rückgang sei aber] biß' Universität Gießen nicht beteiligt, sie habe vielmehr noch einen Zuwachs verzeichnen. Er konstatiere dies mit be­sonderer Freude unb erblicke darin den Beweis, daß in Hessen die Freudigkeit am theologischen Studium erhalten geblieben sei.

An der weiteren Debatte bcteÄigeu sich noch! die Synodalen Wahl-Langen, Dr. Lnciius, Präsideub D. Buchner, Loos, Wagner, v.Schlosser, Präs. O. S t a m m imb Gerhard.

Tie F^^gc der Eheschließung der Geistlichen wird darauf vom SlM. Wahl-Langen einer eingehenden Erörterung unterzogen. Terselbe wmffcht besonders zu, wifjen, was für Vesnmmungen über die EyeschK^sung nicht angestellter Geistlicher vorhanden seien. Er frage, ob eA