Ausgabe 
17.2.1905 Zweites Blatt
 
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Möglichkeit, daß die Landwirtick-aft sich von schwerer, Schädigung erhole und zu einem kaufkräftigen Abnehmer für die Industrie erstarke. Es wird dabei vorausgesetzt 1. daß in späteren Vertragen mit anderen Staaten die erlangten Vorteile nicht wieder preiv- gegeben werden, uiid 2. das; M eistbegünstigungsvertragc nur mit solchen Sumten geschlossen oder aufrechterhalten werden, die ihre Zollautonomie durch entsprechende Zolllundungen zu un eren Gunsten aufgeben und volle Gegemeitlgkeit gewahren, b) Unter der Mitwirkung der beute im Vergleich zu 1879 und 1892 durch- aebüdeten Organisation der Landwirtschaft wird fic alle Enttvick- lunasniöalichkeilen, welche die Handelsverträge eröffnen, au^iiutzen können 2 In der Linie der Politik der sieben Handelsverträge ist zu ermancn, daß ohne Steigerung der Auswanderung und bei der Erhaltung des bisherigen Geburtsubcrschusses die Lebens­haltung der Masse eine aufsteigcndc Entwicklung behalten wird, auch auf dem Lande, wodurm am natürlichsten die zu starke Abwanderung in die industriellen Bezirke geheuiiut werden würde.

es nicht gelungen ist, trni'1* die neuen Handelsverträge das landwirtschaftliche Gewerbe wieder auf eine durchaus,sichere Basis zu stellen so wird es um so dringender notwendig ,em, auf dem Gebiete der inneren Politik im Sinne desgelungen Beschlusses der Bereinigung der Steuer- und Wirtschastsresormer alles zu tun , um die Parität der Landwirtschaft mit den übrigen Gewerben toieihtt herzustellen."____________ _____________

Aus Stadt und Kanü.

Gießen, 17. Februar 1905.

- Personalnachrichten. Der Aktuar bei dem Amts­gericht Darmstadt II Johannes Müßig wurde auf (ein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt und der Gcrichtskosten- revljor Leonhard Schmitt auf sein Nachsuchen zum Aktuar bei dem Amtsgericht Darmstadt II ernannt.

♦♦ DerEhrenbürgerdrief für Geheim rat Prof. Dr. Gaffky. Jin Auftrag der Stadtverordnetenversammlung hat eine Deputation, bestehend aus Oberbücgernieifter M e c n m, Beigeordneten Heyligenstaedt und dein dienslältesten Stadtverordneten Petri unserem Ehrenbürger Geh. Ntedizmal- cat Prof. Dr. Gaffky heute, an seinem 55. Geburtstag, einen künstlerisch ausgeführten Ehrenbürgerbries in seiner Wohnung in Berlin überreicht. Der Ehrenbürgerbries enthält folgende Widmung:

Wir, Bürgermeister und Stadtverordnete der Stadt Gießen haben durch einstimmigen Beschluß Herrn Geh. Medizinalrat Pros. Dr. Georg Gaffky in dankbarer Anerkennung seiner hervor- cagendeli Verdienste um die Ennvickelung unierer Stadt zum Ehreiivürger der Stadt Gießen ernannt Gießen, 15. Sept. 1904. (Es folgen die Unterschriften).

Der Ehrenbürgerbrief, den Bautechniker Köhler vom städtischen Tiefbauamt entworfen und ausgeführt hat, nimmt in seiner zeichnerischen Anlage Bezug aus die Tätigkeit des Herrn Gaffky hier m Gießen. Er trägt an der Spitze den hessischen Löwen und darunter rechts und links das Stadt­wappen und das Universitätswappen. Dann foimnen einzelne um den Text des Brieses gruppierte Bildchen der Lokalitäten, die Herrn Pros. Dr. Gaffky durch sein Weilen und Wirken be­sonders angehen: sein Wohnhaus, das hygienische Institut, der neue Friedhof, das Wasserwerk in Queckdorn, der Kanalbau, die Provinzial-Siechenanstalt. Unten wird der Ehrenbürger­bries durch eine m mehreren Farben ausgeführte Gesamtansicht von Gießen abgeschloffen; sie zeigt u. a. auch die Grotten­anlage am Schiffenbergerweg und den im Wald versteckten Ausstchtsturm der Hochwart. Der Ehrenbürgerbrief ist in Form eines Bildes in einem aus altem Eichenholz her- gestellten Rahmen gefaßt. Das Holz wurde s. Zt. bei der Herstellung des Hauptkanals in Löbers Hof in einer Tiefe von 5 Metern aufgejunden.

** Die Mecklenburger Reblaus! Im vergangenen Herbst ging em junger Gelehrter, der längere Zeit auf der hiesigen Universitätsbibliothek tätig gewesen ist, mit einem Stipendium nach Griechenland zu wissenschaftlichen Studien. In der Weihnachtszeit sandten ihm, wie man sich jetzt in hiesigen Akademikcrkreijen erzählt, seine Angehörigen aus Mecklenburg einen Tannenbaum als Christgeschenk. Doch die Zollbehörde zu Athen lieferte den Tannenbaum nicht an den Empfänger ab, sondern schickte ihn nach Mecklen­burg zurück mit dem Bemerken, daß die Einführung eines solchen Baumes in Griechenland wegen Reblausgesahr nicht angängig sei! Ist

Der Deutsche Kellner-Bund, Bezirksverein Gießen, hatte am 13. Februar sein Wintervergnügen. Gegen alles Erwarten wurde das Fest so zahlreich besucht, daß der schöne Saal im Hotel Einhorn beim Tanz beinahe zu klern wurde. Das Fest nahm einen sehr fröhlichen Verlauf und durch das Erscheinen des Gastwirte-Vereins von Gießen und Umgegend unter dem Vorsitz seines Präsidenten wurde die Stimmung noch gehoben. Auch der Bezirksverein Marburg, sowie der Kellner- und Lohnkellner-Verein war vertreten.

" Der hessische Schutzverein für entlassene Gefangene hat uns seinen gedruckten Rechenschaftsbericht für das Jahr 1903 nebst Mitgliederververzeichnis nach dem Stande vom 30. Juli 1904 zugehen lassen, lieber die Haupt­versammlung des Vereins, die vor längerer Zeit in Frank­furt stattgejunden hat, haben wir s. Zt. berichtet. Eine der wichtigsten Aufgaben der Gesangenen-Fürsorge-Vereiiie, zu­gleich aber auch die schwierigste, ist die Vermittelung von Arbeitsgelegenheit für die aus den Strafanstalten Entlassenen. Die Vermittelung landwirtschaftlicher Beschäftigung gelingt noch am ehesten, so gut wie aussichtslos sind dagegen die Bemühungen der genannten Vereine bei kaufmännischen Be- icieben, und nur sehr bescheiden sind ihre Erfolge bei gewerb- hdjen Betrieben. Im Grunde kann es den Arbeitgebern und den Arbeitern nicht verdacht werden, wenn sie lieber un­bestrafte Menschen als Angestellte, Arbeiter und Arbeits­genossen um sich haben wollen, es ist aber ein bitteres und scyweres Unrecht, das die menschliche Gesellschaft begeht, wenn sie denjenigen, der seine Schuld gesühnt hat und ernsthaft gewillt ist, ein neues, einwandfreies Leben zu beginnen, ledig­lich um des Makels seiner Vergangenheit willen von sich ausschließt und ihm direkt die Möglichkeit raubt, seinen guten Vorsatz auszuführen, indem sie ihm nicht gestatten, zu ar­beiten. Tatsächlich i|t es bei manchem, der tue Strafanstalt mit den besten Vorsätzen verlassen hat, lediglich die Unmög­lichkeit, Arbeit zu erlangen, die ihn in sein altes Leben zurück­fallen läßt. Der hessische Schutzverem nimmt sich grund­sätzlich nur derjenigen an, von denen er auf Grund ihrer Aufführung in der Strafanstalt und der sonst eingezogenen Erkundigungen überzeugt fein darf, daß sie das in sie gesetzte Vertrauen nicht täuschen werden.

Das erste Protektorrat der Groß Herzogin. Die erste unter dem Protektorate I. Kgl. Hoh. der Groß­herzogin gegründete Anstalt ist, so schreibt man uns, die Klein-Kinderschule zu Birkenau i. O. Seit Jahren hat der dortige Frauenverein daran gearbeitet, seine wohltätige Anstalt ins fielen zu rufen, und langsam wurden die er­forderlichen Mittel gesammelt. Am schwersten war die Lokal­frage, die nun ganz unerwartet eine sehr befriedigende Lösung dadurch gesunden hat, daß infolge des freundlichen, hilfs­bereiten Entgegenkommens einer im Orte ansässigen Frau kurz vor deren unerwartet raschen Tode ain Hochzeitstage des Großherzoglichen Paares für den unteren Stock des Wohn­hauses der gütigen Besitzerin ein äußerst günstiger Miet­kontrakt für die Kleinkinderschule abgeschlossen werden konnte. Gerade dadurch kann auch die Gründung der Kleinkinder­schule auf den Hochzeitstag des allerhöchsten Paares datiert werden. Auf ein an diesem Tage an Ihre Kgl. Hoheit ge­richtetes Anfrage-Telegramm hat Ihre Kgl. Hoheit jetzt mit Beifügung einer Geldsumme für die ersten Anschaffungen antworten lassen, daß sie das Protektorat mit Freuden Übernehme. Mit Recht darf der Birkenauer Frauenverein hieraus stolz fein, aber es ist ja längst bekannt, daß unsere Großherzogin gerade für die lieben Kleinen ein besonders warmes Herz hat, ist sie doch selbst jahrelang Sonntagsschul- helserin gewesen.

** Ein teurer Schaf handel. Im Laufe der vorigen Woche begaben sich, so schreibt man uns, zwei Männer aus Eschenrod nach dem benachbarten Orte Burkhards, um ein Schaf zu kaufen, welches sie auch nebst einem jungen Lämmchen zum Preise von 43 Mk. erhandelten. Um nun den Handel, wie üblich, perfekt zu machen, ging es ins nahe­gelegene Torfwirtshaus, wo es sehr sidel zuging. Spät abends machten sich die beiden Freunde mit ihrer doppelten Last auf den Heimweg. Der eine nahm das Schaflämmchen auf den Arm, der andere führte die Lammutter am Seile nach, und so steuerten sie den heiniatlichen Penaten zu. Unterwegs mögen die schwankenden Bewegungen des einen, welcher das Schaslämmchen trug, doch dem anderen ein bischen zu viel geivorden [ein, kurz, sie tauschten. Bei diesem Wechsel sprang nun das Lämmchen, dem es wahrscheinlich in den Armen seines ersten Beschützers nicht so sonderlich ge­fallen haben mag, fort und der noch am besten Laufende lief ihm nach, mährend der andere nun die Lammutter fest­halten sollte. Doch als der Läufer keuchend mit seinem glücklich wieder eingefangenen Ausreißer zurückkam, sah er zu seinem Schrecken, daß sich inzwischen der andere auf dem Schaf sehr bequem gemacht hatte, beim -es hatte unter feiner Last feinen Geist aufgegeben. Die beiden Händler begaben sich nun mit dem auf so sonderbare Art zum Waisenkinde gewordenen Lämmchen allein nach Hause.

8 Ober-Ohmen, 15. Febr. Die Brennholzver­steigerungen auf den Revieren der Riedeselschen Forst­verwaltung zeigten so hohe Preise, wie sie in den letzten Jahren nicht vorgckommen sind. Vier Meter Buchenscheit ivurden zu 36 bis 38 2)lf. verkauft, vier Meter desgleichen Prügel kosteten bis zu 32 Mk. gegen 2426 resp. 16 bis 18 Mk. im vorigen Jahre. Auch das Nutz- und Werkholz ist sehr hoch im Preise.

Darmstadt, 16. Febr. Der kürzlich in Hannover ab­gehaltene außerordentliche Genossenschaststag des Reichs- verbandes hatte hauptsächlich über die Vereinigung mit der Raifseisenorganisation zu beraten. Nach dem erläuternden Referat des Verbandsdirektors Bangratz-Landau wurde einstimmig ohne Debatte das Einigungsprogramm an­genommen und das Statut entsprechend geändert. Nach dem letzteren treten zwei Vertreter des Raiffeisenverbandes in den Verwaltungsausschuß des Reichsverbandes ein und der seit­herige verdienstvolle Anwalt des Reichsverbandes, Geheimrat Haas, erhält den Titel Generalanwalt. Nachdem auch der Raiffeisen-Verband auf seinem Genossenschaftstag in Eisenach die Angliederung an den Reichsverband beschlossen, ist die Einigung nunmehr vollständig perfekt geworden.

U. U. Darmstadt, 16. Febr. Der Verein für die Gleichstellung der höheren Schulen hielt heute abend im Kaisersaal eine sehr zahlreich besuchte Versammlung ab, der auch mehrere hohe Negierungsvertreter und Mitglieder der zweiten Kammer aus allen Parteien beiwohnten. Zu­nächst hielt Direktor Dr. Walter-Frankfurt einen sehr instruktiven Vortrag über das Gleichberechtigungswesen, worin er auf die hoch erfreulichen Fortschritte hinwies, welche die zeitgemäßen Bestrebungen des Vereins in den verschiedensten Teilen des Reiches erzielten. Er erwähnte' besonders das energische Eintreten des sächsischen Kultusministers Freiherrn v. Seydewitz für die Nesormbewegung und die günstige Stimmung des Kaisers für die Sache, und wies auf die Beschlüsse der deutschen Philologenversammlung hin. Neuerdings habe sich auch die Negierung der Neichslande entschlossen, die Gleichstellung der höheren Schulen nach preußischem Muster durchzuführen. Im Laufe der lebhaften Diskussion teilte Landtagsabg. Justizrat Dr. Windecker mit, die für unsere gesamte Jugenderziehung so wichtige Frage werde voraus­sichtlich auch in Hessen in kurzer Zeit entschieden werden, denn es hätten sich bereits über die Hälfte der Kammer- Mitglieder (27) aus allen Fraktionen zu einem Antrag Noack vereinigt, der die Durchführung der Gleichstellimg der höheren Schulen zum Zwecke hat.

vermischtes.

Budapest, 16. Febr. In der Ortschaft Lenkeny haben die dortigen Einwohner einen Forstgehilsen, welcher einen ihn bedrohenden Wilderer erschossen hatte, so lange mit Füßen getreten, bis er tot war. Die wütenden Bauern mußten von der Gendarmerie mit Bajonnetten aus­einander getrieben werden, wobei 5 Personen schwer verletzt wurden.

* In München w-urde die Hinrichtung des Schneiders Mmannsreder, die am Mittwoch früh 8 Uhr erfolgen sollte, im letzten Augenblick auf Gerichtsbeschluß sistiert. Al- mannsreder hatte Frau und Kind auf gräßliche Weise ermordet und war in allen Instanzen verurteilt worden.

* Kleine Tageschronik. Am Mittwoch abend stieß ein von Brüssel narb Gent ab gegangener Persone ü-ug bei Melle mit einem Güterzuge zusammen. Es üer-^ laufet, daß zahlreiche Personen verletzt worden sind. Auf dem Chafferon (Schweiz) blieb der junge Skifahrer Champod vor Erschöpfung int Schnee liegen und erfror. Zwei Gefährten hatten ihn im Stich gelassen. In Königs Hütte

wurde der Kaftenbvie bei btY Bergmipektton Meost unter dem, Verdacht verhaftet, einen Geldbeutel mit 1 0 0 0 0 M k. Inhalt gestohlen zu haben. In Richters do rf (Schlesien) smd zwei unbeaufsichtigt gebliebene Kinder von vier Zähren ver- b r a n n t. Eine 13 Köpfe starke, Einbre ch e r bände, die den Essener Jndustriebezirk schon seit lange unsicher machte und auch während des Streiks die Gendarmerie eryeblich bestohlen hafte, wurde in Bottrop verhaftet. Der vor zwei Jahren wegen Sitttichkeifsverbrechens zu mehrjähriger Freiheitsstrafe verurteilte L e h r e r Trn n n e m a n n zu A i ch e r s l e b e n wurde auf freien Fuß gesetzt. Das Wiederaufnahmeverfahren ist eingeleitet worden. In dem Newyorker Vorort Bloomfield tötete sich die Aristokratin Frau Loot mit ihren beiden Kindern bura> aus strömen des Gas.

Kunjl unü

Dem Berliner Vertreter d-es römischen BlattesTribuna" wurde aus seine Anfrage bezüglich des zwischen Mascagni und Leoneavallo ausgebrochenen Streifes, wem von ihnen beiden die Vertonung desRoland von B e r l i n" zuerst an- geboten worden sei, von dem früheren Generalintendanten Grafen von Hochberg folgender Bescheid:

G^el-rler Herr! Aus Ihre gefl. Anfrage betr. denRoland von Berlin" erwidere ich erg. folgendes. I ch b e s i n n e m i ch nicht, daß vor dem 17. Februar 1894, dem Termin der Erstaufführung derMediei" im Königlichen Opernhaus zu> Berlin von mir oder dem verstorbenen Direktor Geh. Reg.-Rat Pierfon zu Irgend jemand auch nur ein Sterbenswort über denRoland von B e r l in" c;esprochen worden wäre, aus dem einfachen Grunde, weil vor dem ge­nannten Zeitpunkte von demRoland von Berlin" als Oper überhaupt nie die Rede war. Nael)dem bei der Ausführung derDiedici" S. M der Kaiser Herrn Leoneavallo besonders ausgezeichnet, sprach mir dieser den Wunsch aus, eine Oper speziell für Berlin und zwar nach einem von Sr. Majestät zu bezeichnenden Stoff zu komponieren. Tiefen Wunsch trug ich Sr. Mlsiestät vor, und es wurde derRoland von Berlin" bestimmt. Mit vollkommener Hochachtung ganz ergebenst (gez.) Bolko Graf von Hochberg."

Tie beiden italienischen Maestri können sich also beruhigen; und die Aufklärungen des Grafen von Hochberg als erschöpfend betrachten . Neu ist übrigens, daß sich Leoneavallo als erster dazu erboten hafte, eine Oper deutschen Sujets zu schreiben.

Ter General und Schriftsteller Lewi Wallace ist in Crawsordsville (Indiana) gestorben. (Wallace, geb. 1827, war der Verfasser des auch in Teutschland viel gelesenen geistesfiesen historischen RomansBen hir". Ursprünglich Jurist und als jo lebet Recljtsanwalf in Indiana, stieg er im Bürgerkriege zum Generalmajor auf. 187881 war et Gouverneur von Utah, 1881 bis 1885 amerit Gesandter in Konstantinopel. Seitdem übte er wieder feine Advokatenpraxis in Crawsordsville aus. T. Red.) Stuttgart, 16. Febr. Ter Kultusminister überbrachte heute dem Bildhauer Prof. Tonndorf zu dessen 70. Geburtstag persönlich die Glüclwünsche. Tie Akademie der Bildenden Künste entsandte eine Abordnung. Tie Städte Weimar und Eisenach übersüMfen ihrem Ehrenbürger Glüclwunschschreiben.

S ch i l l e r f e i e r. Allerwärts rüstet man sich, anläßlich des 100jährigen To^destages Friedrich Sch-illers das Gedächtnis des großen Tichters zu feiern. Aua, in kleineren Städten und auf dem Lande denkt man daran, Schillerfeiern zu veranstalten. Ge­meindeverwaltungen kleinerer Orte, Gesang-, Tum- und andere Vereine wollen den Tichter der sittlichen Ideale und der Tugend ehren. Wie das mit einfachen Mitteln und doch in würdiger Weise geschehen kann, darüber ist die Geschüftsstelle des Rhein- Niainischen Verbandes für Dolksvorlesungen und verwandte Be­strebungen (Frankfurt a. M., An der Schmidtstube 7) auf Grund fachmännischer Vorschläge in der Lage und bereit, kostenlos Auskunft zu geben und zwar sowohl nach der literarischen als nach der musikalisch-en Seite hin. Äum weist das Mitcncheiter-Adreßbuch des Verbandes und das Verbandsorgan Redner, Rezitatoren, sowie Kräfte für die gesangliche und nistrumentale Mitwirkung naebu die sich im Interesse der Volksbildungsbestrebungen kostenfrei oder gegen mäßige Vergütung zur Mitwirkung bei Schillerfeiern, wie bei Volksunterhalfungsveranstalfungen, zur Verfügung gestellt haben.

Brescia, 15. Febr. Otto Erich Hartleben ist heute im hiesigen Krematorium verbrannt worden.

Zrnlvttsitals-Nuchrllylen.

Braunschweig, 16. Febr. Tas Lehrerkollegium der technischen Hochschule beschloß auf eine Eingabe der Studenten­schaft, eine Kommission von drei Mifgliedem zu ernennen, die mit den von der Studentenschaft zu wählenden Vertretern über die Beilegung der streitigen Fragen verhau- deln wird.

Kandel und SelKepr. Soltiswerrschasl.

Deutsche R e i ch s a n l e i h c. Infolge des fortgesetzten Geldüberflusses finiben seit langer Zeit wieder größere Käufe in Reichs- und Staatsanleihen statt. Besonders sind dabei die Kurse der Zproz. Anleihen steigend, sodaß sie bis 91,30 in die Höhe gingen. Nicht allein, daß sehr viele deutsche Käufer in Frankfurt und Berlin am Markt sind, es treten auch Londoner und französische Kauflustige auf. Nur glaubt man, daß letztere mehr spekulativer Art sind uni) früher oder später die Beträge wieder zurückfließen.

N e u e r n s j i s ch e A n l e i h e. Es wurde gemeldet, daß eint neue ms fische Anleihe von 1 Milliarde Francs im März in Paris aufgenommen werden würde. Tie Meldung kam von Petersburg, wird aber nun schon widerrufen. Ter Direktor des russischen Kreditwesens, WisüMegradski, ist gegenwärtig aller­dings in Paris, um wegen Verlegung des Zeitpunktes der Ausgabe oer geplanten neuen Anleihe zu verhandeln und man erfährt, oaß mit den beteiligten Firmen eine Einigung dahin erzielt wurde, daß die Anleihe keinesfalls vor Mitte Juni herauskommf.

Kleine Finanz chronik. Die Frankfurter Hypo^ fhekenbank wird der auf den 17. März einberufenen General­versammlung die Erhöhung des Grundkapitals um 2 Mill. Mark auf 20 Mill, in Vorschlag bringen. Ter Stadt Marburg ist die Genehmigung erteilt worden, eine A/oproz. oder 4proz. Anleihe im Befrage von 2Vs Mill. Mk. auszugeben.

Eingesandt.

(Für den Inhalt der linier o^ier tniibriF stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publitum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

SoUar, 16. Fehr

Arie man allgemein hört, soll auch in diesem Jahre wieder, eine sogenannteKrüppelzeitung" herausgegeben werden. Tagegen ist an und für sich nichts einzuwenden, wenn die Artikel in harmloser Weise abgefaßt werden, sodaß es dadurch keine Veranlassung zu Aufregung in Familien gibt. Tie Erfahrung des vergangenen Jahres hat gelehrt, daß gewisse Personen ihre Freude daran haben, Menschen in einer ganz gewöhnlichen und beschämenden Weise anzugreifen. Hoffentlich werden diesmal bei* artige Ungehörigkeiten unterblciben. B u mm.

Hörst du, wie unser Rudi bettt??

0Ta muß ich gleich morgen srüh einen Brusttee kochen. Ach was Brusttee! Bei' solchen Sachen ist nicht zu spassen und ehe mau sich's versieht, ist eine ernste Krankheit da. Du läßt eine Scbachlel Fay's echte Sodener Aimeralpastlllen für 85 Pfg. holen, lösest davon sechs in heißer Milch und das kriegt der Junge. Das wird tagsüber dreimal iviederholt, zwijcheuein lutscht der kleine Bursch ab und zu eine Pastille und du sollst scheu, was die flctnen Dmger sür Wunder tun

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Die Ziehung IV. Klasse der 5. Hessisch-Thüringischen SiaatsloLtcrie findet am 23. Februar d. I. statt. Tie Jntcrcssenteu werden auf die rechtzettige Loserneuerung auf« merksam gemacht. ss2u/iÄ

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