Ausgabe 
13.12.1905 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Hauptsache die ÖiyriXTungcit bis auf wenige Wanderungen an. Eine der Modifikationen, die die Pforte an dem mazedonischen .'Finanzreglement vorschlägt, betrifft die Frage der Mckttar- 'auSgaben. _____

Ausstsche YeuiqKeiten.

Die Unterbrechung deS Eisenbahn- und Telegraphenverkehrs dauert an. Packete nach Orten deS General-GouverneinentS Warschau werden von den deutschen Postanstalten bis aus weiteres nicht zur Be­förderung angenommen.

Ern englischer Torpedojäger ist an der Nikolai- brücke zu Petersburg vor Anker gegangen. Das Schiff soll beauftragt sein, die englischen Jntereffen wahrzunehmen.

AuS Kolarasch in Südrußland kommt die Nachricht, daß die Stadt geplündert und niedergebrannt wurde und jetzt einer Ruine gleich sei. Die Hooligans haben im Ein­verständnis mit den Telegraphenbeamten an den Zaren mehrere Tepeichen gerichtet, in denen sie ihn um sein Ein. Verständnis bitten, die jüdische Bevölkerung zu maffakrieren oder über die Grenze zu schaffen.

tzvavgcl,scher Kund.

Ter L Fam i l i e n - Ab e n d des Gießener Zweig-Vereins fand am Sonntag abend int neuen Saalbau statt, und es darf gleich gesagt iverden, es war ein schöner, wohlgclungener Wend. Konnte man bei dem vorgesehenen Programm cinenguten Besuch erwarten, so wurde diese Erwartung durch die Wirklichkeit noch übertroffen, da der Saal vollständig gefüllt war. Nachdem der Vorsitzende einen kurzen Rückblick auf das. Jahr gegeben und das Winterprogramm namhaft gemacht hatte, hielt Geh. Kirchenral Professor Tr. Ka t t e n b u s ck- Göttingen den angekündigten Vortrag über dasLeben in der russischen Kirche". Es ist schwer, den ungeniert fesselnden und interessanten, aus genauester Sachkenntnis aufgcbaulen Vortrag kurz wreder^ugeben. Ausgehend von den jüngsten Ereignissen im Nachbarreiche, die in mehr als einer Beziehung an die französische Revolution de? Jahres 1789 erinnern, gab bet Redner zunächst einen Neberblick über die geographisch-geschick tl'.ckum Verhältnisse nt Rußland, über die Zusammensetzung und Religion her dort wohnenden Völker­massen, auch über den Eharakter der Slaven. Russen selbst urteilen oft sehr hoffnungslos über ihre eigenen Landsleute, einer ihrer größten Geister glaubt, sie seien eigentlich kein not­wendiger Bestandteil der Völkerwelt, sie dienen anderen Völkern höchstens zum Abschrecken, kein nützlicher Gedanke, keine großc Wahrheit sei bei ihnen je auf^ekonnnen." Andere wieder jubeln der Revolution entgegen, die zeigen werde, daß in Rußland etwas fehlt, woran andere Völker kranken, einmit Kulturverdiensten beladenes Bürgertum", daß nun eine neue Zeit kommen müsse. Statt dieses trickst vorhandenenBürgertums" hat das russische Volk doch ein fog.Vorurteil" in seiner Kirch e. Diese gehört der griechisch-katholischen von Konstantinopel zu, dort sitzt der Patriarch Wer der Beherrscher der ruffisck^en Kirche ist der Zar. Tas Ehristcntum in dieser Kirche ist eigentlich ein Kult, reine Herrschaft, auch keine Glaubens- oder Weltanschauung. Tie Riten, die geübt werden, sind die Hauptsache, das Bekenntnis ist nichts als eine tote Formel. Praktisch stellt sich die Frömmig­keit dar in einer Unmenge von Festtagen, die fast ein halbes bürgerliches Jahr füllen und beten Häufung mit ein Grund der entsetzlichen russischen Armut ist. Tie Gottesdienste dauern gewöhnlich reichlich zwei Stunden. keine Sitzgelegenheit vor­handen ist in den Kirchen, sind sie fast eine Drperliche An­strengung zu nennen. Neben Schriftlektionen und Zeremonien der Priester dominiert der Ehorgefang, der oft von wunderbarer Schönheit und Reinheit ist. Ter wichtigste Teil des stets von Westen nach Osten gebauten Gotteshauses ist die sog. Bildenvand, hinter der der Altar angebracht ist. Tie mittlere Tür an dieser Bilderwand, die dreiteilig ist, die königliche Tür, wird nur in der Osterzeit geöffnet; die Kommunion wird in her Weile gefeiert, daß daS Brot in den Kvlch getan und mit Löffelchen den Gläu­bigen ausgeteilt wird. Die große Menge von Riten und Ge­bräuchen, von Sitten und Unsitten bet Russen zeigt sich ganz besonders am Osterfest, txem größten und volkstümlichsten aller Feste. Borausgeaangen ist die sehr ftmtge Fastenzeit, Christus wird am Korsreitag in Gestalt eines Bilde? begraben: Mitternacht des OstersamStagS beginnt unter dem Lauten aller Glocken die große Osterfreude, jedermann küßt im Gottesdienst seinen Nachbar. Die Osterlpeisen werden herangebracht, der Priester bekommt den Zehnten, dann wird nachgeholt, was in der Fastenzeit versäumt wurde und rnsolge der oft herrschenden Nmnäßigkeit bekommen die Aerzte reiäXicn zu tun. Ein anderes großes Fest ist das Jvrdansfest ober die Dasserweihe am 6. Jan., wobei alle Flußläufc durch Eintauchen eines K'rngeS geweiht Werden. Ganz besonders verbreitet ist der Heiligendienst in der russischen Kirche. Jedes Hans hat seinen Altar mit einer Menge von Heiligenbildern. Tie Heiligen siiid gewissermaßen die Mitbewohner deS Hauses. So hat sich die Sitte gebildet, daß man unter Umständen einmal diese Bilder verhängt, wenn man glaubt, irgend ein Vorgang im Hanse könne sonst daS Mißfallen des Heiligen erregen. Während in der römischen Kirche die Heiligen ernannt worden, werden sie in der griechisckien entdeckt. Leichname, die nicht verwesen, ober deren Gebeine be­sonders weiß sind, werden zu Heiligen gemacht. So sind die Klöster zumeist im Besitz von Heiligen, besonders das älteste Kloster in Kiew. Neuerdings hat sich aber gezeigt, daß manche dieser Heiligen nur Wachspupven sind, während schadhaft ge­wordene Leichname durch andere, neirgeweihte ersetzt werden. DaS gilt alS durckiaus korrekt, und mit einem schweren Fluch wird belegt, wer an der Wurde eines solchen Heiligen zweifelt. Die Priester der Kirche finb die Popen, ein ungemein be­dauernswerter Stand. Sobald der Pope im Ornat erscheint, wird er geehrt wie ein Gott auf Erden, sobald er aber im Straßenanzug ist, ist er das Gegenteil einer geweihten Persön- llchkeit:. jedermann erlaubt sich S^uerze mit ihm. Wie sehr daS gilt, zeigt _bic Tatsache, daß, als vor etwa 20 Jahren ein neues Strafgesetzbuch in Rußland eingeführt wurde, alle vor­gesehenen Strafen erst einmal an den Popen durcbvrobiert wur­den. Ter Bildungsgang des Popen ist mangelhaft, in den Seminarien herrscht oft eine schreckliche Verkommenheit, das allgemein beliebte Erziehungsmittel ist die K'nnte, und brutale Prügel begleiten den jungen, angehenden Popen tagtäglich. Zwischen beendigtem Studium und Weibe muß der Pope hei­raten. also im Mter von etwa 18 Jahren. Bis vor kurzem war die Popenwürde erblich, d. h. der Povensohn mußte wieder Pope werden, heiratete dann gewöhnlich eine Popentochter ober vielleicht die Witwe eine? 9kmtsvorgängers, bei den geringen Bezügen zumeist in Naturalien, war das Elend in den Fa­milien ost unsäglich groß. Kein Wunder, wenn manch ein armer Pope dann unter dem Truck der Derhältniffe sich -mn Tmink ergab und so die traurige Misere seines Lebens stens auf Stunden zu vergessen suchte.

Neuerdings ist ja manckres zur Hebung d?S Standes ge­schehen, aber die Lage ist immer noch traurig genug. Was ist mm die Frömmigkeit in dieser Kirche? Eigentlich nur die Be­reitwilligkeit, den Popen alles machen zu lasten und möglichst viele Dinge weißen zu lasten. So bat die russische Kirche dem Volke keinerlei Ideale gezeigt und keinerlei erziehende Wirkung geübt. Das Idealste viellei^t, waS sie gelehrt hat, ist, daß sie dem Russen die Sterbestunde leicht mimt, b. h. wenn er auf alles bereipoillig eingeht, waS die Kirche M ihm verlangt, sv kann er dem Tod getrost entgegen gehen. Freilich tränt sich der gewöhnliche Rüste gar nicht zu, daß er m einen besonder- schönen Himmel kommt. TA*-brm fx*r Redner noch von dem großen ScknSma. der großen Spaltung in txr Kirche, gesprochen und einzelne Sest^n näher gekennzeichnet hat, schließt er mit dem Hinweis auf bic augenblickliche Lage in Rußland. Tie Revolution, die wie ein ffirchtch-irer Stur- -und über hi5 Reich hingebrau st ist, hat jetzt bie Religionsfre iheit gebracht. Dos russische Volk liebt feine Bibel, wie kaum ein anderes. Vielleicht

liegen in dieser Tatsache Keime, bie nach den Stürmen einmal geweckt werben Kirnen, damit auch hier aus den Ruinen ein neues Leben erblühe.

Den Ausführungen des Redners folgte begeisterter Beifall Umrahmt war der Vortrag in künstlerischer Weise durch die Ges.Tngsvorträge des Kirchen-Gesang-Vereins, der sich in den Dienst der guten Sache gestellt batte und sich den herz lickxm Tank der Ersckffenenen erwarb. Tas gleiche gihjrou den Liedern von Fräulein Stammler, die durch ihre Schönbeit und Reinheit die Hörer binrisien und b'geisterten. _ B-'sonderen Genuß boten noch die Violinsoli eines jungen Künstlers aus Eroßerv-Linden, des Herrn Schättler, zur Zeit auf dem Konservatorium in Frankfurt, der über ein schönes, rffcbeö Ta lent verfügt Tie Begleitung zu den Siebern unb Soli hatte in der bekannten, feins'nnig'n Weise Musildirektor Traut­mann übernommen und sich damit ein besonderes Verdienst erworben.

Aas Stadl and Land.

Gießen, den 13. Dezember.

- Prof. Max Reischle f. Von hochgeschätzter Seite wirb unS geschrieben: Der, Montag, den 11. b. M., nach» mittags, in Tübingen verstorbene Professor der Theologie zu Halle, Dr. Max Reischle, bat in den Jobren 18921895 auch an unterer Universität gewirkt. AlS Nachfolger von Dr. Gottschick und Vorgänger Dr. KöstlinS vertrat er das Fach der praktischen Theologie. R. war am 18. Juni 1858 in Wien geboren, wo fein Vater, von Geburt ein Schwabe, als Buchhändler lebte. Die Schulzeit verbrachte er in Württem- berg, studierte (18761880) in Tübingen, war einige Jahre Vikar und verbrachte die Zeit von 1882 auf 1883 Studien halber in Berlin und Göttingen. Von 18831888 Nevetent in Tübingen, dann Professor am KarlSgymnasinm in Stutt­gart, wurde er 1892 nach Gießen berufen. Von hier folgte er 1895 einem Rufe als Professor der systematischen Theo­logie nach Göttingen, um 1897 in der gleichen Eigenschaft nach Halle Überzusiedeln. Jetzt ist er, nachdem ihn zu Anfang dieses Jahres ein Schlaganfall getroffen und ihm die Lehr- tätigkeit unmöglich gemacht hatte, einem schweren Nieren­leiden erlegen. NeischleS Hauptschriften sind: .Ein Wort zur Kontroverse über die Mystik in der Theologie" (1886); Tie Frage nach dem Wefen der Religion" (1889);SohnS Kirchenrecht und der Streit über daS Verhältnis von Recht und Kirche (1895); »Christentum und EntwicklungSgedcmkc* (1898);Werturteile und GlaubenSnrteile" (1900);Christ­liche Glaubenslehre in Leitsätzen" (2. Ang. 1902);Theo- logie und NeligionSgeschichte" (1904). Auch gab er Hagen­bachs Enzyklopädie und Methodologie der theologischen Wissenschaft in 10. Auflage (1889) heraus.

Bevölkerungsbewegung in Hessen. Nach der amtlichen Statistik für daS Großherzogtum betrug im Jahre 1904 die Gesamtzahl der Geburten 39 334 Per­sonen, darunter 542 Zwillings- und 7 DrillingSgeburten, von welch letzteren 5 auf die Provinz Starkenburg entfallen. An Todesfällen waren 1904 rund 22 000 zu verzeichnen. Die Zahl der Eheschließungen betrug 10141, bie der Ehescheibungen 138. Im Kreis Gießen würben 1904 1395 Knaben unb 1346 Mädchen geboren. Auffallend zurück- gegangen ist im Großherzogtum im allgemeinen die Zahl her weiblichen Geburten; sie betrug einschließlich der unehelichen Kinder nur 18 639, während sich die der Knaben auf 19 460 stellt. Die Zahl der Gestorbenen betrug 1597 Personen, die Zahl der Eheschließungen 686, Ehescheidungen fanden nur zwei statt.

* Freidenker-Vereinigung. Der für kommenden Donnerstag, 14. Dezember, in Aussicht genommene Vor- trag des Herrn Predigers Klauke wird erst nach Neu­jahr stattfinben.

** Besitzwe chsel. DaS HauS Frankfurter Straße Nr. 7 2, bisher dem Lehrschmieb Georg Lambert gehörig, ging für 46 500 Mk. durch Kauf an Schloffermeister Wtlh. Ziegenhain über.

A Laubach, 12. Dez. Als gestern mittag im hiesigen Schloßhofe ein Pferd beschlagen werden sollte, schlug dieses dem Gräfl. Hofkutscher GrieSler derart auf den Kopf, daß er blutfiberftrömt zusammensank. G. wurde in daS Johann-Friedrich-Stist verbracht, wo der Arzt feststellte, baß eine gefährliche Schäbelverlehung nicht vorliegt; von ber Stirn auS ist bagegen bie Kopfhaut total zerfetzt.

W. Bad-Nauheim, 12. Dez. Gestern abend fand im Restaurant Burk eine öffentliche Versammlung statt, in der über bie Errichtung einer allgemein zugänglichen Lesehalle verhandelt wurde. Herr Tr. Strecker, Lehrer an ber höheren Bürgerschule, hatte das Referat über­nommen. Wie er mitteilte, steht der Errichtung einer Lese­halle nichts mehr im Wege. Eine ausgewählte Bibliothek wird vom Rhein-Main-VottSbildungsverband vorläufig zur Verfügung gestellt; mehrere große Zeitungen sind der Lese­halle durch Vermittlung des Bürgervereins überwiesen worden. Zur Aufnahme der Lesehalle hat Rentier Langen­bach in freundlicher Weile ein Zimmer zur Verfügung ge­stellt. Eine Kommission, die aus der Versammlung gewählt wurde, wird die weiteren Schritte unternehmen.

Bad-Nauheim, 12. Dez. Am Sonntag abend erlebte man im hiesigen Theater eine Ueberraschung. Turch eine Streikbewegung von vier Mitgliedern der Henß- schen Theatergesellschaft, bie Icbbaft an die revolutionäre Bewegung in Rußland erinnert (Direktor Henß machte vor der Vorstellung die Handlungsweise der Herrschaften von der Bühne herab bekannt), konnte das angesetzte StückEhr- liche Arbeit?" nicht gegeben werden. Statt dessen wurde Torf und Stadt oder 's Lorle auS dem Schwarzwald" gegeben. (D. N. Anz.)

Friedberg, 10. Dez. Die Handelskammer für die Kreise Friedberg, Schotten unb Bübingen beschloß, alle Bestrebungen, die aus Erbauung der Bäder- babn und der Bahn HomburgVilbel gemacht werden, im Interesse ihres Bezirks energisch zu unterstützen.

tv Mainz, 12. Dez. Der 23jährige HauSbursche Franz Seufert aus Weilbach in Unterfranken, ber am 7., 10. u. 13. November hier imWeißen Roß" Brände ge­legt hatte, bie einen Schaben von 30000 Mk. verursachten, wurde vom Schwurgericht zu 4 Jahren Znchthau8 verurteilt. Seufert war wegen Trunksucht entlassen worben und hat auS Rache gehandelt.

Kle - nk Mit ? ' t naen e r 8 Hellen unb den Nachbarstaaten. Im V a b n b o t A i cd a i s e n b u r q wurde der Lotomatiotührer Best auS VisttzolSdeim bei Mainz beim Rangieren überfahren unb getötet. In Ottenbach hat Kom­merzienrat Lu do P? a n e r ;ur inneren Ausschmückung des allen Isenburger Schlosses 20 000 Mark gestiftet

Dermilcbto.

* Rache eines Studenten. Ein Drama hry - in der portug. Universitätsstadt Coimbra abgesvicst, Professor Tr. Rosoios wurde in einer der HauofflrC-' der Stadt von einem ehemaligen Studenten erschoss Vor vier Jahren hatte Student sein Schluß e r o, in Coimbra nicht 6 c ff' iben und konnte sich desw" nicht als Arzt niederlassen. Tieier Mißerfolg hatte - so starke Wirkung auf feinen Geist, baß sich der (3et>-a seiner bemächtigte, er wolle den Profesior, der ihn cr ;r niert hatte, ermorden. Aber die eigene Mutter vereV- feine Pläne, indem sie an Professor Resoios schrieb unb'?- vor der Absicht ihres Sohnes warnte. Ter Student w- verhaftet und in ein Irrenhaus nach Oporto gebracht, i er vor einem Jahr aber alsgeheilt verließ. Es sck': jedoch, daß er seine fixe Idee nie verloren bat. Als ionntag abend der Professor eine Buchhandlung verü. kam der in einen Mantel gehüllte Irrsinnige auf \VT ' und sagte:Erinnern Sie sich meiner noch?" und ch- < foios antworten konnte, feuerte cr vier Schüsse auj ab. Eine Anzahl Studenten eilte auf den Lärm herbei, Mörder wurde gefangen und der Professor wurde ifr.: in sein Haus gebracht, wo cr am Montag seinen Verletzurl - erlag.

Kleine Tageschronik. In Mauer bei 5, , berg wurde der Freiherr von Goeler unb Nevens-. durch Unvorsichtiak.it auf der Jagd^ erschossen. , O'-r c v c n a im Bilajet Albanien, dem Sitz des griechischen c~. bishofS, ermordeten Griechen gestern^den Stellvertretci.-j griechischen Erzbifck)vfS. Der in der Nähe von Mnrienlal t Kaiserslautern mit burckMnittcncm Hnlse unb mchr-i Bcilhieben t o t aufgesunb ne Mann i^ der Lumpensammler Er-' Seine Frau und sein 18fahriger Sohn wurden der Mvid, t a t überführt und verhaftet._____________________________

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 12. Dezerndn

Dem Hausierer W. M. von Homberg ging wegen Nui . störung ein Sttafbefehl in Höhe von 5 Tagen Lmr; Auf seinen Ein sinn ch verdoppelte d. s Schöffengericht die §N:!, dr M. trotz melnffack'er Warnung vor der Wohnung einer ich-, kranken F-rau ffandaliert hatte, übrigens auch fast stäntz- - Gerichte mit dcwartigen Sachen befebäftigt. Wie so viele er-. Sacken bringt er auch diese bis in die höchste Jnftan; gcacktet der Trohung die Sache im Falle der Verurteilunsi t?ot i>j| Revisioivsgericht zu bringen, nnttbc das Urteil beflätic l- Dier 18 jährige Kaunnarm A. M. von Alsfeld poffiey? einer Geschäftsreise bei Groß-Felda einen Waldung und ti-j sich Loecks Bcftic4>igung eines Be1)ürfnisscs in den Wnld. r* cr von zwei alten Frauen bemerkt wurde, bic Acrg.i 4: seiner Handlung nahmen. Aus erfolgte Anzeige verurtei le - d s Schöffengericht Ulrichstein au3 dem § 183 zu 50 Pik. A) strafe. Er erhob Berufung und gab glaubhaft an, baf fr.: Frauen überhaupt nicht gesehen habe: auch nack ben Zcq» "nssagen hielt be5 DcrirftlnaSgericht eine strafbare Handliiri ri für vorliegend, weshalb Freisprechung einlrvt. rj Gericht bic Unsch-ld deS 7fugtTfigi-.*n für fest-gestellt wurde der StaatSkaffe auch bie Trogmrg seiner Reiscksüni er- erlegt. Wegen HanSfriebenSbruch, K'örperverletzuna, k j nng, Bedrohung und WiberstandS trvrbc der Brauer E. Sausenheim zu 1 Jahr und 3 Wochen Gefängnis:-- urteilt. Er hatte iarbcitfuckxnd in vcr'chiedmen hiesigen Brei- vorgefprochen, wo ihm d->S übliche Maß Bier verabreickn nr::* Er b^gerb sich nun abends an ben Bahnhof und legte HO h den Wartesaal, um zu schlafen. Ms er von einem Portier M seiner Fahrkarte gefragt wurde, schimpfte und skandaliert: e sodrß er ai'S den Wartefaal gebracht werden mupf. leiste er Widerst-ird und stach dem Portier unter D"!'.v sein Messer in den Ai-m, daß er drei Wock>en bienstvnsäh'c k und beute noch mt den Folgen zu leiden hat. Wie üblich tof sich der Angekligtc auf sinnlose Trunkenheit und hrilt vors ganten Affäre nickrts wissen, doch wollen die Zeugen *e- nichts gemerkt haben. Da fick die Unters"chung in bic - zogen hatte, wurde ihm 3 Wochen Hast auf. die 'Streit gerechnet: auch wurde dem Verletzten bc.w. Beleidigten kttioirSbefugniS erteilt. Die Bewohner ber zur Glashütten gehörigen Orte Jb'll>a'.!fen unb Strcitbun d im März b. I. tierfclnebene 9Hmbintterbnltnngcn ab, bi? m den Pvlizcibehörden als S pi n n st n b e n g e s e 11 s chaftcn' gefaßt wurden. Tn letztere nur bis 10 Nhr obptbS stet!' dürfen, bic Teilncb"'er ober b's 1 Ufr nachts beisammen bn^ gingen sämtlick^n Beteiligten Strofbesthle in Höl>e von ie 1 - zu. Die Fabrikarbeiter K. V. unb O. H erhoben Widope ba nach ihrer Ansicht diese Zi-s-m-ankünftc N'ck't unrrx kreiSnmtlichen Erlaß fallen. Dar Schöffengericht N'ddi ihnen bei unb kam :ut Freisprechung. Auf Betreiben des W o-nrS Schotten verfolgte bic Staatsanwaltschaft _ die von » Atmts"nwalt erhobene Berufung, nm eine Höchstricktcrliwe J scheid'.ing berbeizufübreu. Mit Rücksicht auf bic beutung, bie eine eingehende Prasting erheischt, truroe d. l. t c 11 ? 0 e r f v'rtbn -n er ot'f 8 Taae fr u g a e f c ht^^^»

B erlin, 12. Dez. Tie vierte Strafkammer verbaut heute bie von dem Staatssekretär deS Aeunern neqen ben r » wörtlichen Rebakteur besVerl. Tagebl.", Mnlo, und den w maligen verantwortlichen Redakteur deS ^Vor-wärtS*. Büttm < gestrengte Klage wegen Beleidigung des früheren mc, « birektors D r. S t ü b e l. Diele Beleibimmg wirb erblickt in et imTageblatt" bezw imVorwärts" erschienenenJlvtifc. welchem bie Beteiligung StubelS an ber Firma % i p? f f t fh it. E o. anaebcutct wirb. Myko wurde nt Bütt"er zu 1000 Mk. Geldstrafe verurteilt. ES handelte ' bie vomBerl. Tagebl." suerft gebrachte Nachricht, J. Gelchästsbücheni der Firnta von Tivvelskirch L Co. zwei föntenSt." undP." extstieren. Es wurde anaebeutet, bo^ bei beit Konten möglicherweise mit dem Kolonialbirektor xr, - unb dem Landwirtfchaltsminister von Pobbielski in Verbmbin^ hrtnnen seien. AlS einziger Zeuge wttrbe ein Teilhaber ber^ von Tivvelskirch & Co., Reichen, vernommen. Dieser fante® daß Geheimkonteu ber ermähnten ?lrt bei feiner Firma nickt er1'" und baß Tr. Stiibel nie zu ber Firma von Tippelskirch & in Beziehungen gestanden Habe.

Zweikampf mit tätlichen Waffen hibne Oberleutnant Lehmann vorn 14. Jnfanteriereanner^ Bro tn berg vor das Kriegsgericht der vierten Diviuom - Gegner war der Oberlehrer K n ,v e r t von dort. Tno verlief trotz zweimaligen KugelivechselS unblutig. Tat gericht verurteilte den Oberleutnant 9eHmann zu drei Monrl Festungshaft, lieber das Motiv zu dem Chrennanv nichts bekannt geworden, ba die Verhandlung unter yii6Kt)lu Oeffentlichkeit ftattfanb. Oberlehrer Knwert wird nck r-$ dieser Affäre vor der Strafkammer in Bromberg zu verantw haben.

Landwirtschaft.

Der bayrische Landw irtschaftSrat Hat Entschkießung über bic Deschäftigrtng ber Kindc. ber Landwirtschaft angenommen, die it. a. folgende " enthält:

Maßvolle, regelmäßioe, anaemeffene B e f ck/ f 11 g - in fm- - unb Landn'irtfchast ift den Kindern eher n ü hl'® schädlich; die fimberarbeü ist bei ber.t in ber Snnbirirt mo gemein berddienbcn Mangel an brauchbaren Arbeitsfrauen - ru entbehren. DaS ntehr'ad) in Vorschlag gebrachte ollg ent Verbot ber Defchg'ttgunq von Ichulufliciitigen Kinbent ooe-^ nur lolchen unter zehn Jahren ist daher unannehmbar, dte in Frage stehende Ausdehnung bes Gesetzes i