Ausgabe 
13.12.1905 Erstes Blatt
 
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irr. 2LS liffteitti täglich eii&er Sonntage.

Gießener Anzeiger Kxäen im Wechsel mit hessischen Landwirt btetzener ZamUien- Icker viermal in der .Loche beigclegt \ tnhondbrucf u. Der­ber Brü h l'schen i7>ers.'Buch-u. Stein- izftret. R. Lange. vCaftion, Erveditton amb Druckerei:

Schnlftrabe 7. sievaktton 112 Ctbaflu.Sypeb.e^ol Ucefse für Depeschen: «nzetger Gießen.

EvsteS Blatt. L55. Jahrgang Mittwoch 13. Dezember 1905

______ _ vezn gspretär /" ' TJ ö monakHch7bPi.,viertel»

Glksjener Anzeiger

Eeneral-Anzeiger v .*.,

v *7 den volu. und allqem.

Amis- und Anzeigeblatt fiir den Kreis Gießen WWZ V zeigenteil: Hans Beck.

Die yeutige Alummer umfaßt 14 Seiten.

Die Käs' von Aerlin und London.

Bon sehr geschätzter Seile erhielten wir folgenden mleressanten Beitrag zur Charakteristik des gegenwärtigen ktandeS der deutsch-englischen Beziehungen:

»Es unterliegt keinem Zrveifel, daß dre Unstimmigkeiten zwi- f^r Teutschland und England mehr auf den öffentluhen 9JZ<mt- etren beider Länder basieren, als auf dem wenn auch nicht Qtraä>e herzlichen Verhältnisse zwischen König Edward und Ko str W il h e lm. Zu einem akuten politischen Konflikt könnte tue Verstirrxmung zwisck^en den beiden Herrschern allein niemals lütrrm, denn für Kaiser Wil Hel in ist cs jedenfalls ausgeschlossen, tat) er persönliche Motive mit StaatSinteressen zu verguicken nrr öchte. So muß man eS auch ritterlich nennen, daß der Hflipr trotz der Spannung, die zwischen ihm und seinem Onkel trift'erte, diesem in einem sehr verwandtschaftlich gehaltenen hoadschretben zum Geburtstage gratulierte und ihm hm* Reibe sehr schöner Geschenke überreichen ließ. König Wirb beeilte sich denn auch, ebenso herzlich zu danken. Irr Kaiser empfing aber außerdem noch am Geburtstage des S6ir'fi5 den englischen Botschafter am Berliner Hofe Sir Laseelles, kr 'in Tage darauf nach London reiste, und gab ihm die besten M^wünsche für seinen Souverän mit, ind"m er nur bedauerte,

tm tbem üblickten Frühstück, bei dem ein Glas Champagner dem (M". nstagfeirrnden geweiht zu werden pflegt, absehen zu müssen, freit der König von Spanien in Berlin anwesend und ein limmmses Programm zu absolvieren war. Diese Freunb- lichlkeit des Kaisers ist, wie wir wissen, am Londoner hole auf sehr empfänglichen Boden gefallen, nur rülftte man dort der durch Preßtreibereien irregeführten deutsch- Hr Sieben Dolksstimmung gegenüber nicht den Eindruck erwecken, f'.3 'weife man mit beiden Händen zu, wenn der kaiserliche Neffe Vit kleinen Finger bietet. So hat auch die Rede des Fürsten Pfifttm über die auswärtige Lage am Londoner Hofe nicht ver- !?|)t und man würde es nirgendwo lieber als dort sehen, wenn Vt englische Preffe sich zu besinnen begänne. Auf die führenden Hit* der Londoner Presse hat, wie deutliche Anzeichen neu er­nt? verraten, die ungeschminkte und kraftvolle Sprache* 'W aber doch Eindruck gemacht. Auch ist man sich klar darüber, ' s fürs' ^üsow in erster Linie durch fernen Hinweis auf Deutsch­er^ Stärke warnen wollte, für Algeciras etwa eine Iso- I;: u n g Deutschlands vorzuberciten. (sserüchte hierüber t m letzthin in verschieb'nen europäischen Kabinetten in Um- !i;r, in denen gewöhnlicher Klatsch keine Stätte hat. Fürst i .1.0 wird indessen gewiß zu vermeiden wissen, daß die Tlvlo- ?"sammeuk mft in Algeciras einem vorder abgekarteten rp r' e dienen könnte. Wenn übrigens Fürst Bulow sich jetzt b? ftcrcn auf die ungünstige Stimmung der englischen Be- r^'-'-iTTg bergen hat, so teilt er hierin nur die Meinung der I I r >en Männer des soeben verschwundenen Kabinetts, die in r Neu Bertre»-nu der dcntscklcn R"gicrung gegenüber keinen h ,[ ließen, daß sie selbst den Frieden zu erhalten wünschten, <itr im Falle eines Konfliktes auf dem Kontinent nicht garmi- tirrntr könnten, Herren der öffentlichen Meimmg zu bleiben. ?>k-f'sl§ darf man hoffen, daß mit dem neuen Ministerium b iN'bell Bamierman i"'d in Anbetracht des sonst vorhandenen bit.:;fettigen guten Willens der Zeitpunkt nun nicht mehr fern r, hpo di? drohende Gefahr eincSdentscl>-rnglischen Krieges ti noch der Geschichte an gehören wird.

Der Appell an den Profit.

tt Berkin, 12. Dez.

In Berlin geplante filutbgebungen für eine freund- IId)ic Gestaltung der deutsch - en fllisch en Beziehun - t?n kann man wohl kaum alsSympathie"-fiundgebungen Iqriiimen. Von Snmpatbie für England ist eine große Jibl Deutscher entfernt. Bebel freilich, dem ja in London p oiiel Ruhmeskränze gewunden werden, daß die Ueber- libnng fast zum Hohn wird, gehört mit seinen Freunden p dru glühenden Verehrern des Jnsclreiches. Aber wenn ti) Versicherungen der Zunetgung und der Wertschätzung rdt durchweg wahr klingen würden in den beabsichtigten fts'wmlungen, so ist es doch nützlich, die Stimme der hrunft zur Altung kommen zu lassen. Es ist daher ein m Gedanke, daß die Aeltesten der Kaufmann- ^a ft von Berlin zu nächsten Sonntag eine Korpvrattons- -w'cmmlung einberufen. DemVolk der Kaufleute Nnrd irn besten von angesehenen und einsichtigen Mitgliedern der itr.d.'sswelt vor Augen geführt, welchen Unsinn es ift, «wir der allerbesten Kunden Englands fortgesetzt zu ver» x-m. und welche komplette Tollheit es sein würde, auf A größtmögliche Schädigung dieses Abnehmers durch Her- M'asch wären eines Krieges hinzuarbeiten. Solckie Belcyr- r? ist keineswegs überflüssig. Tenn man braucht sich nur lu erinnern, welche blamable und lächerliche Unwissenheit fei: der ehemalige französische Minister des Aeußeim, Tel- oti\ au den Tag legte, als er das große Wort gelassen n-sprach:Was kaust uns Tcutschland ab? Nichts!" In $ nitendursligen Bevölkerung Englands besteht vielleicht ai swiel Unkenntnis über die hervorragende Bedeutung deutschen Marktes. Daß nebenbei m einer zweiten Nosmmlung, die, vom Prinzen Sch ö n ai ch-C a r o l a t h «fit? Trent, im Lvzeum-filub stattfindet, dessen VorstandS- lk:-.e n sich aus der vornehmen Berliner Gesellschaft rekru- auch die Gründe der Humanität und der Kultur rfe Feld geführt werden, mag zur Unterstützung der Fne- !^rbestrebungen dienen. Tas wirksamste Argument für OWäitber, die nun einmal nach der Hebung von Iahr- »rd^rten die Welt als einen riesigen B-azar betrachten, auf S-r iic die Hauptrolle spielen, ist und bleibt der Appell Ttban Profit. Um gewinnbringende Geschäfte zu mW«, iii nicht das richtige Mittel, den Käufer mit Verdächtig- iflyni oder Schimpfredcu zu überschütten.

Rin Schreiben des Papstes an die polnischen Bischöfe.

3'n einem Schreiben ' dic polnischen Bischöfe führt der Äü- aus: Allen sei . ?l ' > nut, wte sehr er daS polmschc Ai liebe. In so scknvi?rigku Zeiten wolle er ftch msbcsonderc 3 büie polnis ^u Untertanen d's r u f 1 i 1 ch c n Reiches ^uden. 06 fnti von ber gegeiuvärtigen Lage sehr bewegt und bttte dre TtäKfe durch ihre ÄernuUlung den Frieden und dre Ein­

tracht wiederherftellen zu Helsen. Er fordert alle Katho­liken Polens auf, sich zu vereinigen und die Schäden wieder gut zu machen, und erinnert bie Bischöfe an ihre Pflichten. Die Katholiken müßten sich bei den gegenwärtigen Unruhen als Männer deS Friederrs und der Ordnung zeigen. Die Katholiken sollen» Vereinigungen bilden, die sich zum Ziel setzen, die Religion unb daS Vaterland zu verteidigen, indem sie Aus' ständen entschieden cnfcgegentreten und andererseits die Lage, der Arbeiter und Proletarier zu verbessern bestrebt sind. Das Schreiben entpficbU dann, katholische Schulen unter den vom Gesetz vor­geschriebenen Bedingungen zn errichten. Die Studenten müßten sich von ber politischen Bewegung fern halten, ©dylie Blieb rühmt ber Papst die W eisheit und Milbe des Kaisers Nikolaus, von besten Frnmdschaft er Beweise erhalten habe, und ber seinen Untertanen VersammlungÄrciheit gegeben habe, die durch den Ukas vom 30. Oktober bestätigt wvvden sei. Tic Bischöfe intb die GciUichkeit sollten ihre Tätigkeit zum Heile bet Seelen verdoppeln, unb die Katholiken Polens sollten von den neuen bürgerlichen Rechten in Treue zum ruffischcn Reiche zur Besserung ber Verhältnisse in Polen Gebrauch machen. Er, ber Papst, werde immer bestrebt sein, daß dies Ziel erreicht werde.

JHe Wabtrechtskämpfe ia Sachsen und Helierreilö

Am Dienstag richtete in der Zweiten Kammer zu Dresden der konservative Abg. Behrends scharfe An­griffe gegen die Regierung wegen ihrer Stellung zur Wahlreform. Der Minister v. Metzsch habe nicht die Konsequenzen seiner, daS Wahlrecht verurtellenden Denkschrift in dem vorigen Landtage gezogen. Er habe auf die gerechte Kritik nicht die entsprechende Tat folgen lasten unb den Schein auf sich geladen, als ob der Regierung der rechte Ernst und Wille zur Wahlreform fehle. Ein Ministerium habe seinen Zweck erst bann erfüllt, wenn eS zugegcbene Ungerechtigkeiten mit allen Kräften zu beseitigen bestrebt sei. Er vermißt bei bem Ministerium Energie und Tatkraft bei der Besternng der Wahlreform. Minister v. Metzsch erwiderte, die Re­gierung habe sich stets bereit erklärt, die notorischen Mängel dcS Wahlrechts zu beseitigen. Sie habe das Bestreben, dem Wahlrecht eine breitere Basis zu geben und größeren Masten den Weg in die Kammer zu erschließen. Sie sei auch heute bereit, über eine WahlrechtSänderung in Erwägungen einzu­treten, und sobald sie für die Reform einen gangbaren Weg gefunden habe, die Initiative zu ergreifen. Der freisinnige Abg. Günther betonte, daß Mangel an Tatkraft bei der Wahlreform auch den Konservativen zum Vorwurf zu machen sei. Die Agrarkonservativen begleiteten die Ausführungen ihres Parteigenosten Behrends mit lebhaftem Murren.

Im Oester re ichischen Abgeordnetenhause ging eS am gleichen Tage wieder gar wild zu. In fortgesetzter Beratung den Dringlichkeitsantrages dcS Tschechisch-Radikalen, betr. die Vorgänge bei den Wahlrechts-Demonstrationen in Prag, greift Klofac die Prager Polizei heftig an und verliest einen Bericht, nach dem Leute von den Wachtmannschaften gröblich beschimpft und mißhandelt wurden. (Ent- lüstungSrufe seitens der Tschechisch-Radikalen; anhaltende Rufe: ,Wo ist der Minister deS Innern? Rufen Sie den Minister des Innern! Ununterbrochener Lärm; FreSl pfeift. Anhaltende Unruhe.) Klofac beantragt die Ladung deS Minister deS Innern zu den Verhandlungen. Vizepräsident Kaiser, der glaubt, daß Klofac mit dem Anträge seine Rede geschlostcn hat, erteilt Przeznowsky das Wort. Lebhafte Protestrufe bei den Tschechisch-Radikalen. Klofac setzt ununterbrochen, unter dem Beifall seiner Parteigenosten seine Rede fort, während PrzeznowSly nach längerer Urnhe seine Reede beginnt, die nur den am nächsten stehenden Stenographen verständlich ist. Anhaltende Unruhe. Vizepräs. Kaiser lautet wiederholt. Die Alldeutschen rufen: »Sitzung unterbrechen!" Schluß! Schluß! Klofac spricht trotz eines Ordnungsrufes fort. Der Lärm und die Unruhe dauern an, wahrend beide Redner fortsprechen. Inzwischen erscheint der Minister des Innern im Saale. Schönerer und Hanichel schlagen mit P ult- deckeln. Jro ruft wiederholt: ,,H och das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht!" Hofer schlägt mit einem Heft auf sein Pult. Inmitten deß anhaltenden Lärms beschließt Klofac unter lebhaften Beifallsrufen seiner Partei­genosten seine Rede. Zu gleicher Zeit beendet PrzeznowSkr) seine AuSführrmgen. Es kommt zu erregten Zurufen zwischen Tschechisch-Radikalen und Alldeutschen. Letztere sprechen in heftiger Weise auf den Vizepräsidenten ein. Dieser erteilt hierauf dem nächsten Redner Ryba das Wort, etc, etc.

Eüdweftasrtta vor der Vudgetkommisfiou.

Vor der ©u b ge t to mm i| Ji o n des Reichstages führte am Dienstag Oberst Deimling folgender aus:

Ter Widerstand der Hereros ist gebrochen, sie haben aufaehört, als Volk zu existieren. Das Gefühl der Sicherheit kehrt unter die Farmer zw- rück. Im Hottentottenland steht es nicht so gün­stig. Am kräftigsten stobt noch Morenga. Tas letzte Gefecht gegen ihn war siegreich, mußte aber wegen Pro- viantmangels abgebrochen Verden. Auch die Bande des Cornelius ist noch widerstandsfähig. Ter Klein­krieg wird noch lange dauern. Deshalb kann einst­weilen kein Wann der Besatzung zurückgezogen werden.

Geheimrat Seitz schilderte die enormen Kosten des Transports aus fiävland nach Teutsch-Südwestafrika. Tie Gesamtkosten des Transports nach dem Siiden der Kolonie für 2000 Mann würden etwa 24 Mill. M k. pro Jahr erreichen. Hätten wir die Bahn Lüderitz- buchtLubub, so könnren mit denselben Kosten, mit

denen durch Frachtfuhrwerke nur etwa 200 Mann verpflegt werden können, etwa 2000 verpflegt werden. Redner machte dann Mitteilungen über den geplanten Bahnbau.

Aus Dussnb.ungen Er^bergers, ber die Notwendig­keit des Bahnbaues nicht hir erbracht hält, erklärt Oberst Deimling: Die Bahn werde nicht der Regierung, son­dern den Söhnen des deuttchei. Volkes zuliebe gefordert. Auf andere Anfragen Erzbergers erklärt Geheimrat Seitz, für die vermuteten Unterschleife habe er nur die Er­klärung, daß bei der Landung ganze Kisten von der Ladung abhanden gekommen seien. Tie geplante Bahn könne in acht Monaten fertig sein, an einen Ersatz durch Automobile sei nicht zu denken.

Wiril. Geh. Legationsrat Helf fr ich erklärt, die An­gelegenheit der Unterschleife wurde sofort untersucht und von einer Publikation der Sache sei abgesehen worden, um die Soldaten und die Beamtem vor dem Inland und Ausland nicht auf ganz unkontrollierbare Angaben hin herabzusetzen.

Müller-Sagan (frt Volksp.) fragt, ob die Bahn geeignet sei, die kriegerischen Unternehmungen abzukürzeu.

»

Eine bettübende Kunde kommt heute aus Windhuk. Ter Sohn des Gießener Oberstabsarztes Dr. Wende, Leutnant Hans Wende, geb. zu Nauen, früher Feld- artillerie-Regt. 66, ist am L Dez. bei Gubuoms leicht verwundet worden. Er erhiett einen Schuß in die rechte Ohrmuschel. Ter Zusatzleuhtt' ist daS einzige Trost­reiche an dieser Meldung, und es steht danach zu hoffen, daß die Genesung des braven jungen Offi-iers nicht lauge auf sich warten läßt.

Bei demselben Orte wurde auch der Unteroffizier <Arst_ Weffch, Reiter Alfred Sttehl so schwer verwundet, daß er alsbald an Blutverlust gestorben ist.

Am 7. Dezember im Patrouillengefecht bei Gabis gefallen: Zahlmeisteraspirant Christ. Seelbach, geb. zu Eichen, früher Jnfanterie-Regt. 16 (fivpffchuß); Sergeant Gustav Turchbolz, geb. zu Schwirg- sedn, früher Trainbat. 7 (Kops- und Brustschuß). Dm 8. Dez. bei Aub verwundet: Gefreiter Peter Dippzkowki und die Reiter Karl Frrtz und Wilhelm Hauptmann. Vermißt: Unteroffizier Hans Over weg. Außerdem Retter Wilhelm Krause, geb. zu Berlin, früher Ulanen-Regt. 11, am 2. Dez. südöstlich von KniS leicht verwundet. Reiter Oswald Kluge an Herzlähmung nach Shiljr gestorben. Nachträglich Witt) gemeldet: Reiter Karl Mcmccke an Tvphils gestorben.

Ausland.

London, 12. Dez. Ws gestern der neuernannleMi-- nistcr Burns im Buckingharnpalast vorsprach, um dem Kö­nige den Treueid zu leisten, wollten ihn die Diener nicht eiu- lassen, da er nicht in salonfähigem Anzuge erschienen war. Erft als ein Palafibeamter erschien, der ihn kannte, mürbe er eingelassen und vom Könige in liebenswürdiger Weise empfangen.

Lon don, 12. Dez. Tie Liberalen beabsichtigen, die bevor­stehenden allgemeinen Wahlen unter dem K'ampfrufe des F r e i- Handels zu führen. Alle anderen politischen Fragen sollen in den Hintergrund gedrängt werden, hauptsächlich Homerule. Tic Liberalen halten dem Volte d^s Schreckgespenst teurer Le­bensrnittel vor, indem sie darauf Hinweisen, daß eine Politik der Schnßzölle zweifellos die Verhältniffe der arbeitenden Klaffen verschlechtern würde. Sie erwarten, daß die Wähler­schaft die Schutzzollpolitik entschieden ablehnen wird.

London, 12. Dez. Ein von der Admiralität gestern <ni3* gegebenes und heute vomTailv Ehrvnicle" veröffentlichtes Proto­koll wird hier lebhaft besprochen, und es wird hervorgehi^m, daß es zeige, welch? strenge Disziplin in der eng- liscstenMarine herrsche. In dem Prowkolle heißt es: die Lords der Admiralität waren nicht in der Lage, die Gründe gut zn feißen, die daö Kriegsgerickü und dessen Vorsitzenden Admiral Berkeleh-Milne bewogen, gegen den Kvpitän des Kriegsschiffes Assistance" keinen Tadel au^usprcchen, weil er das Schiff ernt 12. Oktober in der Nähe von T e t u a n auftauscn ließ. Das Protokoll behandelt ferner das Verhalten der Offiziere der Kriegsschiffe ,,(3rmmumttrralt>//,Hindustan",EanopoS" und Arrogant", die in der Boy von Tetuan lagen, als dieAffistance'^ strandete. Der Kapitän derEo,mnvnwcalth" wurde des Kom­ma n d o S enthoben. Ten Kapitänen der drei anderen Schiffe wttd ein Tadel airSgefprochcn und die vier Leutnants, welche auf den Schiffen damals die Wache hatten, werden kassiert. ES wird in dem Prowkolle auSgeführt, diese Diszi- plinarmaßregcln seien getroffen roorbeit, weil die Offiziere eS unterlcrfkn haben, die zur Sichcrhett ihrer, aus exponierten Ankerplätzen liegenden Schiffe erforderlichen Maßnahmen zu treffen.

Paris, 12. Dcz. Die Freunde Tvumers sind der An­sicht, daß dessen Wiederwahl zmn Kammerpräsidenten als gesichett gelten könne und daß auch die Chancen seiner Kandi­datur für die Präsidentschaft der Republik sehr go wachsen seien.

DerTempS" meldet, daß ein «Sergeant der Kolonial- Infrntcrie in Französisch-Congo vor das Kriegsgericht gestellt wurde, weil er tret oder vier Eingeborene, welche die Steuern zu zahlen sich weigetten, ohne regelmäßiges Urteil hinrichten ließ. Einer ber Hingerichteten sei von ben Milizsvld"t7n bes Sergeanten aufgefressen worden.

Ter König von Portugal wohnte gestern im Labo­ratorium von Pwftffor Brar^n Versuchen mit Rabio-Tele- gravhie bet, welche cs ermöglichen, airf große Entfernungen baS Feuer der Lcuchttürnre zu eutzünden, Geschütze ab%ufeuent< ufto. usw.

Toulon, 12. Dez. Hier hat sich eine Gruppe vvn Anti- Patrioten gebildet. In ihrer ersten Versammlung wurde eine Togrsord^'mrg aufzeidllt, in der sich die Mitgliä>er ver­pflichten, die Idee d c s V a 1 e r la nde s a us z u r o 11 e n und dm Militarismus zu bekämpfen. Vorsitender der Gruvve ist ein ?lrbeiter Verbandes der Hafenarbeiter.

Konstantinopel,12. Dez. Heute nacfctt bet der cstreichffch» ungarische Botschafter, Freiherr v. Calice, als Doyen bie Ant­wort ber Pforte erhalten. Tiefe Anllvort nimmt in ber