Ausgabe 
20.1.1905 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Freitag, 20. Januar 1005

Nr. 17

Gießener Anzeiger

Tcncral-Anzelger, Amts- und Anjeigeblatt für den Kreis Sichen

Retafttou. a. Truderel. 6<tufftr Wt

Tel Rr. U i Wtegga

9Lrtaft<m«bmd smfc Bertag da

UnrorrfHAtMmxd^Tcet A. Ss«g«. Metza^

bemerfen, daß die Frage den (Gegenstand ernster Erwägungen zur Feit bildet, ob man nicht die Paketannahme schon um 6 Uhr schließen

155. Jahrg

patbiscker wäre mir freilich, die Postverwaltung hätte cs zu dieser Notlag-- gar nicht kommen lasten. Aus den Kreisen der Voitaae-nte" sind vielfache Klagen über zu geringe Besoldung ge­kommen? könnte man diesen Leuten, die es doch sicher nötig haben, nicht eine höhere Entschädigung zubilligen? Ich dächte, das ließe sich machen

Auch ich Wünsche, daß unsere Postämter entlastet werden sollen von dem ganz unvernünftigen Andrang der Postvakete in den letzten Aachmittaasstrmden. Sollte stch dagegen wirklich nicht Abhilfe schaffen lallen? WaS freilich in der ZentrumSresolution verlangt wird: daß am Sonnabend die Paketannahme verkürzt wird, das geht denn doch nicht. Ganze Geschäftszweige sind darauf angewiesen, ihre Pakete am Sonnabend aufzugeben. Die Zentrumsresolution ist in der fetzigen Form ganz unbrauchbar. Man soll sie entweder kürzen oder an eine Kommission zu verweisen. Sehr gut wäre es auch, wenn die Landbriefträger statt der unpraktischen Tasche einen be- guemen Rucksack bekämen. E? geht übrigens auch nicht, daß man zfvei Kategorien von Postschaffnern schafft, die trotz gleichen Dienst­alters verschieden gestellt sind, nämlich je nachdem sie aus den Kreisen der Zivil- oder der Militäranwärter bervorgegangen sind.

Wir sollten alles tun, um die Dienstfreudigkeit der Beamten zu heben und das tun wir am besten, indem wir allen berech­tigten Wünschen entgegenkommen. (Beifall.)

Staatssetretär Krackte: ES rst natürlich, daS lebhafteste Be> streben der Verwaltung, die Dienstfreudigkeit der Beamten zu beben, und tnir tun, was wir können. Die Anfrage bezüglich des Anlagekapitals der Reichspostverwaltung will ich gern beantworten. Das Anlagekapital beträgt insgesamt 652,5 Millionen, davon ent­fallen auf br Post 230 Millionen, auf die Telegraphie 143 Mil­lionen, auf das Fernsprechwesen 297 Millionen. Von diesen Sum­men lind durch Anleiben gedeckt insgesamt 105 Millionen, und zwar für die Post 6.5 Millionen, für die Telegraphie 75 Millionen unb für die Fernsprecherei (Heiterkeit) 23 Millionen. Es ist gesagt worden, die Postverwaltung sei eine Zuschußverwaltung. , DaS ist eine Bemerkung, der man häufig begegnet, und die sich immer wieder auf He unengeltliche Leistung der Eisenbahn stützt, die an­geblich 30 Millionen betragen solle. Diese Summe ist von der Postverwalsting nie zugegeben worden, man kann ja verschiedener Meinung sein über die Höhe derselben, aber man darf andererseits dann auch nicht unterlasten binznzufügen, welche Lasten, die Post- verwaltung trägt nämlich an Portofreiheit 1516 Millionen und für Mitwirkung bei der sozialen Gesetzgebung 4,5 Millionen. DaS macht allein über 20 Millionen. Von einer Zuschußverwaltung kann daher nicht die Rede sein.

Die Post rentiert sich sehr gut, die Telegraphie erfordert einen Zuschuß, aber die Televbonie beginnt jetzt, sich zu rentieren. Die ganzen Anleihen der Post wären schon längst gedeckt, wenn , die lleberschüsse dazu verwandt worden wären. Aber nach dem Reichs- finanzsvstem werden ja die Anleihen nicht für die einzelnen Ver­waltungen, sondern nur insgesamt gedeckt.

?lbg. Blell sfreis. Vvt.1 führt aus, daß ein gewißer Andrang zu den Schaltern in den Abendstunden nicht zu vermeiden sein werde. Bedauerlicherweise seien die so praktischen Postanweisungs- couvertß, die sich in Württemberg bewährt hätten, bei unö noch nicht eingefübrt. Ter Staatssekretär fei leider dagegen, vielleicht würde er aber anderer Meinung werden, wenn daS Porto für solche Eou- verts 5 Pfg. teurer als Postanweisungen angesetzt würde. , Ferner ivünscht Redner, daß auf den deutschen Postkarten auch, wie eS m anderen Ländern gestattet sei, die Vorderseite mit Mitteilungen usw. beschrieben lverden dürfe.

Staatssekretär Kractke erwidert, daß vom 1. April an versuche weile gestattet lverden soll, die Hälfte der Adressenseite auf Post- tarten zu beschreiben. Er verspreche sich zwar nicht viel davon, habe aber diese Verordnung erlassen, damit c5 nicht scheine, als ob die deutsche Post rückständig sei.

Hierauf vertagt sich das Halls auf Freitag 1 Uhr. (Inter­pellation der Sozialdemokraten betreffend die Bergarbeiter- b ewegung im Nuhrrevier.)

Schluß 6^ Uhr.

gtf&etnf «glich mtt Br-Smchm» M öorattagA

Di« ^tr^fnci Aa»Me»dläNer- werd« bar wH<ch«rÜtch deigelegt. Dt

10, 11 Uhr ab frei.

Der Vorred-er wollte dann ferner den Bestelldienst am Lonn- tag noch weiter eingeschränkt, am liebsten ganz abgeschaift sehen. Die Reichspostverwaltung will ja nach und nach dazu übergehen, den Sonntagsbestelldienst zu verkürzen und auf die Tinge zu be­schränken, die durchalls notwendig sind. So ganz einfach liegt aber die Sache nicht. Ein |o schwerer Eingriff in die wirtschaftlichen Verhältnisse kann nicht gemacht werden. Es ist vielen Leuten durch­aus nicht gleichaültig, ob sie ihr Geld am Sonntag ober Montag erhalten. Manche wüsten Montag früh Wechsel bezahlen oder sonstige Zahllingen machen. Tie Verwaltung muß darauf. bedacht sein, den Beamten Erleichterungen zu verschaffen, aber ne mllß aleichzeitig Rücklicht nehmen auf die wirtschaftlichen Verhältnisse. Wenn sie den SonntaaSbestelldienst nicht abschafft, so tut, sie es wirklich nicht aus finanziellen ©riinben, es kommt auf die paar tausend Mark wirklich nicht an, wohl aber auf die wirtschaftlichen Verhältnisse. .

Ich bin ferner gefragt worden, ob in die Ruhetage auch die Sonntage einbegriffen sind. Darauf antworte ich: ja, aber der Erhollingsurlaub ist nicht mit einbegriffen. , Wenn ber Joinw/'

ausgesprochen ist, die Ruhezeit in der Statistik mehr zu weziali-

fieren, so steht der Erfüllung dieses Wunsches nichts im Wege. Em

paar Worte über die Postbeamten in den Kolonien. Es ist auf-

sällig gefunden worden, daß die Reichspostverwaltung nach den Kolonien fast ausschließlich unverheiratete Beamte schickt. Ja, daS tut sie m't guiem Grund. Meine größte crux waren die Beamten, denen die Frauen in die Tropen nachkamen. Das empfiehlt nch nicht, da? ist für alle Teile mir schlecht. In diesen Hol-bäufern. wo man jeden Schritt hört, ist fein Raum für ein richtiges Familien- - (eben. Tie Tropen wirken and bekanntermaßen auf den weiblichen Organismus viel ungünstiger als auf den männlichen. Die Frauen müsten dort so verwöhnt werden, daß die Männer ganz unglücklich sind. (Heiterkeit.) Sie wünschen sich so schnell wie möglich wieder weg. Es empfiehlt sich, überhaupt nur junge Leute in die Kolonien zu schicken. So lange der Mensch jung und,empfänglich ist, hat er ein offenes Auge für die neuen Verhältnisse und ist auch nicht bureaukratisch verknöchert. Gerade für die Kolonien kommt dies sthr in Betracht. Ich b"m auch nach dem Wohnungsgeldzuschuß für die Postbeamten gefragt worden. 9hm, ich bin bestrebt, für das Personal- der Reichspost- und Telegravbenverwaltung soviel her- auszuschlagen wie möglich. $di habe die berechtigte Hoffnung, daß der Wobni'ngsaeldzusckuiß im nächsten Etatsjabr für alle Beamten wie auch rin die Postbeamten verbessert werden wird.

Im Vorjahre ist liier eine Resolution angenommen worden, auf Einführung der Postanivcifungskouverls. Ich habe mittlerweile eine Anzahl von Vertretern der Postbezirke auch gefragt, was sie davon denken.

Ich bin aber mich bei diesen, die mehr in der Praris stehen, denselben Bedenken begegnet, die ich im Vorfahre verbrachte.^ Tie Gründe, die für die Einführung sprachen, liegen ja hauptsächlich in der Portoersparnid, und diese kann für uns unmöglich so sehr erwünscht sein. (Heiterkeit.) Außerdem sprechen manche Gründe dagegen. Wenn z. B. jemand auf einen Brief 202 Mark aufgeben will,'so liegt -s doch nabe, daß er nur Heraufschreibt 200 Mark, den Rest von 2 Mark in Briefmarken in den Brief einlegt,.auf diese Weise erspart er 10 Pfennig an der Frankierung. Von dieser Ver­führung zur PortoHinterzieHung wollen wir das Publikum fern­halten.' (Heiterkeit) Die gewünschte Denkschrift über die Lage der Versonalgehätter seit der letzten allgemeinen Reform ist m der Arbeit begriffen. Ein so umfangreiches Werk läßt sich aber nicht im Laufe eines Jahres fertig stellen. .

Abg. Singer (Soz.): Ich bitte den Staats,ekretar, tn Zukunft ähnliche Erlasst-, wie den über die Dienststunden und die Sonntags­ruhe, auch den Mitgliedern des Hauses mitzuteilen. Der Erlaß stellt die Unterbeamten auf ein tieferes Niveau, er verlangt von ihnen v'el mehr, als zulässig und menschlich möglich ist. Es wird angegeben, wie groß die Arbeitszeit im Durchschnitt ist, aber das nutzt uns gar nichts, wir müßen eine spezialisierte Statistik haben, die nichts verschleiert, sondern genau angiebt, wieviel Dienststunden auf jeden einzelnen Beamten entfallen. Der achtstündige Arbeits­tag, den wir fordern, läßt sich sehr wohl durchführen, den höheren Beamten fällt c? gar nicht ein, so lange zu arbeiten, abgesehen natürlich von den Vortragenden Räten und dem Staatssekretär. Auch die Sonntagsruhe könnte den Unterbeamten in höherem Maße gewährt und der Er­holungsurlaub weiter ausgedehnt werden. Etwa der vierte Te.il der Unterbeamten bat überhaupt keinen Erholungsurlaub, und die Hälfte nur bis zu fünf Tagen. Für die gehobenen Stellen können wir uns nicht erwärmen. Sie züchten nur Liebedienerei und Will­kür der Beamten. In keinem Ressort wird ohnehin so viel militä­rische Disziplin, um nicht den AiisdruckKadavergehorsam" zu ge­brauchen. verlangt und geübt, wie im Postdienst. Da kommen die Vorgesetzten leicht in die Versuchung, die Untergebenen ihre Macht fühlen zii lassen. Ich habe so die Empfindung, als wolle man.in diesem Titel die im Vorjahre abgelchnle Ostmarkenzulage ein» schmuggeln

Staatssekretär Krnetke: Sie werden alle von der Reichspost- verwaltiing den Eindruck gewonnen haben, daß sie nicht auf dem Standpunkt steht, als sei nichts mehr an ihr zu verbesiern. Im Gegenteil, ich freue mich jedesmal, wenn ich in der Lage bin, für die Verbesserung der Beaniten etwas erreichen zu können. Ich muß entschieden dagegen protestieren, wenn hier gesagt wird, daß die Postamtsvorsteber nur solche Beamte zu gehobenen Unterbeamten Vorschlägen, welche schlechte Mittel gebraucht haben, um dieses zu erreichen. Ich muß auch im Namen der 10 000 gehobenen Unter­beamten dagegen protestieren, daß sie Schleicher sein sollen. Ich muß ferner dagegen protestieren, wenn der Herr Vorredner gesagt bat, die Verwaltling hätte versucht, in diesen Etat hineinzuschmug- geln, WaS sic im Vorjahre nicht hat erreichen können. Es ist nicht meine Art, irgend etwa? eiuzuschmuggeln, soiidern was ich für nötig halte verlange ich mit aller Offenheit, und offener als es im Etat geschehen ist, kann ich doch gar nicht Vorgehen. Uebrigens ist für die Ostmarkenzulage damals 600 000 Mark verlangt worden, während ich jetzt für die gehobenen Stellen nur 200 000 Mark ver­lange. Wenn hier zum Ausdruck gebracht worden ist, man solle bei der Bemessung der Ruhezeit keinen Unterschied machen zwischen Beamten und Unterbeamte,i, so muß ich bemerken, das geht einfach nicht- denn die geistige Arbeit ist viel anstrengender und erfordert eine größere Ruhezeit, als die körperliche. Bei dieser Gelegenheit will ich hier zu den vielfach geäußerten Wünschen, den Schluß der

kann.

Abg. Patzig (nat.-lib.): Tie finanzielle Entwicklung unseres Poswerkehcs isr eine m'riedenstellende. Aus ihre Leistungen kann die Reichspostv-rwalt'mg mit einem gewißen Stolz zurückblicken. Die Ansprüche g » die P.st nehmen ganz gewaltig zu. Den in der Zentrumsres lution ausgesprochenen Wunsch wird die Verwaltung hoffentlich erhifler, vorausgesetzt, daß es finanziell möglich ist. Seit der großen Reform hat sich die Post finanziell günstig ent­wickelt Ick, verm''"e aber eine Uebersicht über die in der Tcle- graphenverwalmng ungelegten Kapitalien. Wir müssen-uber die finanziellen Verhältnisse dieses Betriebszweiges genau unterrichtet sein. Alis der ictzigen Mirteilungen können wir ein klares^ Bild von der Wirtschaftlichkeit dieses Betriebes nicht erlangen. Ziffern­mäßig nachgewiei'M sind uns nur die Leistungen für die prelißischeu Eisenbahnen: würden diese Leistungen voll bezahlt, so würden die schönen Ueb^rschüsik der letzten Jahre aus der Post erheblich zu- sammenschriimpfen. Der gegenwärtige Reingewinn aus der Post- i,nd Tflegrapbenverwaltiing entspricht einer Verzinsung des An­lagekapital? von 4,7 Prozent. Das ist durchaus nicht ein zu^hober Gewinn. Olewiß erfüllt Hc Postoerwaltung ihre sozialen Aufgaben und gibt hierfür groß,' Summen aiis. Ich erkenne die.Größe dieser Leistunacn g'.n an, ich gebe auch zu, daß den 204 Millionen, die sie jährlich Vorschuß ledtet für die Jnvaliditätsr-nte, kein entsprechen­des Aeanivalen' gegenüber steht, aber andererseits erwachsen der Post gr.'ße Einnahmen an? dem Verichlciß von Zeitungen, für die sie die Abonnnementsbe'träge cinzicht, aber erst später abführt. Wie. dem auch sei jeden'.rlls ist die Lage der Postverwaltung eine solche.daß wir uns 'N unseren Wünschen auf das Erreichbare be­schränken sollten Der Entwurf eines Polt-Scheck-Verlehrsgesetzes ist leider gefcheitert- boffentl'd' kommt er wieder, denn beim Post- scbeckwesen könn-. n er hehl-du- Ersparnisse erzielt werden. Wun- sdienkwert hxH bv Einführung von Postanweisungskuverts, es ist doch p''inlich Bernerlnngen auf offenen Postanweisungen machen zu müsicn Weiter wünsche ich, daß im Ortsverkehr genügend frankierte Briefe, wenn sie über die Grenze hinaus nachgeschickt werden nicht mit Nachporto belegt werden. Die Erftillung dieses Wunsches erfordert d^ch feine großen Opfer. Sehr gering ist die Vermehrung der Z ~' der Postämter, der Posthilfsstellen und Agen­turen: sie sind nur Um 2.2 Pro.z. vermehrt worden, eine Vermehrung die keineswegs der Bevölkerung?- und Verlehrszu- nahme entspricht. Der neue Etat sieht ja nun erfteulicherweise eine größer" Vermehrung namentlich der Zahl der Postagenturen vor. Ich kann da? nur dankbar anerkennen, aber es gibt doch noch viele Taufende von Gemeinden, deren Wünsche durch den (S!at noch nicht befriedigt sind.

Wie Her-r Singer in der Forderung der Unterstützring für Be» amte, die in wirtschaftliche Not gekommen sind, eine verschleierte Ostmarfenzulage erblicken kann, verstehe ich nicht. Es steht ja doch aiis^rücklich da. wozu diese Summe gebraucht werden soll. Spm-

- Parlamentarische Verhanvinnaen. j

Nachdruck oh »»e ö e t < inbar ur ® nicht gestattet. -

51 ent I di er liridtstitiu

122. Sitzung vorn 19. Januar,

1 Uhr. Das Haus ist schwach besetzt.

Arn Bnndcsratstisch: K r a e t k e u. a.

Elngegangen ist eine Interpellation B ü s i n g (nah* H6.) betreffend die mecklenburgische Verfassung und eine Mitteilung des Reichskanzlers über die O t a v i v a h n. .

Präsident Gras Pcrllestrcm erbittet und erhalt die Erlaubnis, dem Kaiser zum Geburtstag ^gratulieren.

Zunächst wird an Stelle des ausscheidenden Abg. Dr Muller-Sagau ffreif. Vpt.) der Abg. Blell zum Mitglied der Reichs) chulden-Komwiffion gewählt.

Hierauf wird die Wahl des Abg. Nauck (Rpt.) für 9 Ü 1 Scdann tritt das Haus in die zweite Lesung des P o st e t a t s

Die Beratiing beginnt beim TitelGehalt des Staats­sekretärs".

Hierzu liegen einige Resolutionen vor.

Die Abgg. Dr. Hitze und Gen. (Zentr.) . beantragen, den gemeinnützigen Arbeitsnachweisen in bestimmten (Morgen-) Stunden die Benutzung der F e r n s prechelnrlH- iunnen gegen ermäßigte Vergütung zu erinöglichen.

Tie Abgg. Gröber und Gen. (Zentr.) beantragen, den Reichskanzler zu ersuchen:

1. Tie Sonntagsruhe für die Postbeamten durch Einstellung des Geld.Nachnahme-, Drucksachen- und Paketverkehrs an Sonn- unb Feiertagen, sonne durch Verkürzung der Ldialter- stundcn für den Pafetverkehr an den Vorabenden dieser Tage in erhöhtem Maße durchzuführen-.

2 für die mittleren und unteren Postbeamten die wöchent­liche M a x c m a l a r b e i t s ze i t weiter zu beschränken;

3. in der Statistik eingehende Mitteilungen über die Ver- hältnisse der Postbeamten in den Kolonien und über da? außerhalb des Beamtrnverhältnisses stehende Personal zu macken ,

Abg. Dr. MÜkler-Sagan (fteis. Vpt) beantragt, in der Re­solution Grobe' statt der Wortetn den Kolonien" zu sagenin den deutschen Schutzgebieten und im AuSlande".

Abg. Trimborn (Zentr.) befürwortet die von feiner Fraktion eingebradsten Resolutionen. Im Vorjahre hat der Staatssekretär einen Erlaß über die Arbeitszeit Herausgegeben, der uns mit Genugtuung erfüllt und der namentlich darauf hinzielt, die Sonn- tagßnihe durchzuführen. Ter Erlaß verfügt sogar, daß, das Per­sonal vermehrt werden soll, wenn sonst die strikte Durchführung der Sonntagsruhe nicht durebgeführt werden kann. Endlich ist das er- kosende Wort gesprochen; möge der Staatssekretär dafür sorgen, daß fein Erlaß auch strikte befolgt wird. Trotz tiefe?, dankenswerten Wortes find aber nsch nicht alle unsere Wünsche erfüllt worden und deshalb haben wir die zweite Resolution gestellt. Ilm über alles genau informiert zu sein, ist eine statistische Unterlage über die gegenwärtigen Verhältnisse, nämlich über tägliche Dienstzeit. Ruhe­zeit, Erholungsurlaub, firanfheiten und Todesursachen nötig. Ans der Statistik, die uns die Reichspostverwaltung bisher zugehen ließ, geht hervor, daß die Postbeamten in vielen Fallen noch eine viel zu lange Dienstzeit haben. Die Sache ist sehr wichtig, sodaß sie wohl des Schweißes der Edlen, aber auch des Zuhörens der Edlen wert ist. (Heiterkeit.) Ich muß Ihnen daS eingehend nachweisen. Redner verbreitet sich ausführlich über die Statistik. Wir müßen eine 60stündige Wochenarbeitszeit erstreben, unb um diese durchzu- führen, haben wir unsere Resolufton gestellt. Nun kann man ja wohl sagen, unsere Wünsche gingen zu weit, es wäre etwas zu viel verlangt, aber wenn ich Oberpostdirektor wäre, ich wollte das schon durchführen. (Heiterkeit.) Wenn Sachen wirklich, eilig sind, können sie ja mich telegraphisch bestellt werden. Für viele Leute wäre es doch wohl bester, wenn sie ihre Geldsendungen am Montag erhielten, als am Sonntag. (Heiterkeit.) Durchaus unnötig ist die Bestellung von Drucksachen am Sonntage. 90 Prozent aller Druck­sachen fliegen unbarmherzig in den Papierkorb, und deswegen wüsten sich tausende armer Postbeamten am Sonntag abplagen. Die Bestellung der Pakete am Sonntag muß auch noch abgeändert werden. Tie Zeit für die Annahme der Pakete barf nicht so spat abends sein.

Man kann sehr oft die Beobachtung machen, daß Sonnabends zwisd)en 7 und 8 !!hr abends mehr Pakete aufgeliefert werden, als in den übrigen 11 Dienststunden desselben Tages. In Bezug auf die Sonntagsruhe ist un? England vorbildlich, und England ist doch btianntlich ein Beispiel des Fortschritts und nicht, der Rück­ständigkeit. Wir verlangen and) eine eingehende Statistik über die Verhältnisse der Postbeamten in den Kolonien. Ein Herr von der fteisinnigen Volkspartei war so liebenswürdig, diesen Teil unserer Resolution durch einen Zusatzantr-ag zu erweitern. Ich erkläre mich mit, diesem Amendement voll und ganz einverstanden. Wie steht es übrigens mit unserem Wunsch, daß die Soldaten ihre Pakete zu er­mäßigtem Preise sollen nach Hause fdstcken können? Und wie mit der verlangten Denkschrift über die jetzige Lage der Personal­gehälter?

Meine Freunde erwarten auf sozialpolitischem Gebiet auch im allgemeinen ein Entgegenkommen des Reichspostsekretärs. Reichstag und Reichspostverwaltung müßen einträglich Hand in Hand arbeiten zum Wohle der Beamtenschaft und im letzten Grunde auch zum Wohle der Verwaltung. (Beifall im Zentrum.)

Staatssekretär im Reichspostamt Krackte: Ich bin, dem Vor­redner dankbar dafür, daß er so eingehend auf die Statistik der Post­verwaltung eingegangen ist. Er wird es wohl selbst empfunden haben, welche Menge Arbeit in dieser Statistik steckt und daß es wirklich nicht möglich war, innerhalb der Frist eines Jahres alle die Wünsd^e zu erfüllen, die im vorigen Jahre in Form von Resolutionen geäußert worden sind. Dieses Kapitel ist überhaupt so schwierig, daß trotz eingehenden Studiums der Herr Vorredner doch nicht in der Lage gewesen ist, ganz genau die Sache beurteilen zu können. (Heiterkeit.) Tie Reichspostverwaltung hat stets Arbeitsleistung und Arbeitszeit auf ein richtiges Maß zurückführen wollen, aber das Bild, das Sir aus der Statistik bekommen, entspridst nicht völlig dem toiiflidien Zustand, weil dauernd eine Bewegung statt- findet, die das Bild immer, wieder ändert. So ist z. V. seit der Aufstellung der Statistik, die im Herbst stattgefundeu hat, wieder eine Million zur Verbesftrung der Arbeitsgelegenheit mtsgegeben worden. Ter Wunsch deS Vorredners, das ArbeitSrnaß aller Post­beamten allgemein auf adst Stunden zu normieren, wird wohl kaum in Erfüllung gehen. Tie Leistung deS einzelnen Beamten wird sich immer nach der Anstrengung zu richten haben, die er zu dieser Leistung austvenden muß. Mau kann hier nicht schematisieren, und wenn wir die Arbeitszeit der Postbeamten vergleichen mit der in Privatbetrieben, z. B. in kaufmännischen, fo kann man nicht sagen, daß unsere Postbeamten übermäßig beschäftigt sind. Wir werden

aber trotzdem bestrebt sein, die Arbeitszeit nach Möglichkeit ver- Paketannahme auf eine frühere Stunde des Tages herabzusehen, kürzen. Der Vorredner hat dann von der SonntagsarbeU ge- ' sprochen und den Wunsch ausgedrückt, z. B. den freien Lonntag Nachmittag durch den freien Sonntag Vormittag zu ersetzen, damit Gelegenheit zum Kirchenbesucbe gegeben wird. Ich kann nun mi5 meiner Erfahrung sagen, der freie Sonntag, Nadirnittag ist den Leuten viel lieber als der freie Sonntag Vormittag. Auch sind die Leute keineswegs am Kirchenbesuche verhindert, denn and) Diejenigen, die am Vormittag beschäftigt sind (im Bestelldienst), sind doch von