Ausgabe 
18.7.1905 Erstes Blatt
 
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s) Neustadt, 17. Juli. Am Sonnabend, nach ein­getretener Dunkelheit, wurde hier der 25 Jahre alte Josef Mann, der ruhig seines Weges ging, von mehreren aus einer Wirtschaft mit Gewalt entfernten Burschen mit einem großen Schlachtmesser entsetzlich zu­gerichtet. Die Leute rissen ihm von der Nase bis an den Hals den Kopf auf, schnitten ihm einen Finger ab und ver­setzten ihm auch sonst noch eine ganze Anzahl Messerstiche. Nur mit Mühe konnten die mutmaßlichen Täter, die sofort verhaftet wurden, vor der Lynchjustiz einer großen Menschen­menge geschützt werden. Der Verletzte dürste schwerlich mit dem Leben davonkommen.

X Lindheim, 16. Juli. Der Bezirkskrieger- verband Altenstadt feierte heute hier sein Bezirksfest und der hiesige Verein verband damit seine 25jährige Jubel­feier. Sämmtliche Bezirks- und Nachbarvereine aus anderen Bezirken waren dazu erschienen. Auf dem Fcstplatze hielt der Vorsitzende des hiesigen Vereins eine Begrüßungsansprache. Die von Sr. Majestät dem Kaiser verliehene Fahnenschleife überreichte Kreisamtmann Dr. Bern deck aus Büdingen. Pfarrer Bär hielt die Festrede.

Vilbel, 17. Juli, lieber das Bootunglück, das sich bei Vilbel ereignete, wird noch folgendes berichtet: In der Nähe ber Ströbelschen Mühle badet7 i am Sonntag nachmittags gegen 3 Uhr jechs junge Leute von hier in der Nidda. Wie das jo unter jungen Leuten kommt aus einmal waren alle sechs in einem in der Nähe befindlichen Kahn und lustig schaukelte das Schiffchen auf dem Wasser. Das Schaukeln wurde aber zu arg und ehe sie sich's versahen, kippte der Kahn um und die sechs Insassen lagen im Wasser. Nur drei davon die beiden Kroner und Philipp Heil konnten sich durch Schwimmen retten, die drei übrigen: Heinrich Hummel, Philipp Heß und Breiter fanden in der Nidda den Tod. Die Leichen konnten zwar bald ge­borgen werden, die angestellten Wiederbelebungsversuche hatten aber leider keinen Erfolg. Man kann sich die Auf­regung unserer Einwohnerschaft über das traurige Er­eignis leicht vorstellen.

Zur Einweihung des Megcldenkmals.

Gießen, 18. Juli.

Im Anschluß an unseren gestrigen Bericht bringen wir, 4a dies gestern wegen Platzmangels nicht möglich war, heute die von Prof. Dr. Moritz gehaltene Festrede im Wortlaut:

Hochansehnliche Versammlung!

Seine Magnifizenz der Rektor der Landesuniversität hat der medizinischen Klinik den Gedenkstein Franz Riegels übergeben. Ich brauche nicht zu versichern, daß wir das Denkmal als ein teures Vermächtnis betrachten, das wir treu in Ehren halten werden.

Es ist ein Gefühl der Wehmut, das uns heute beseelt, ein Ge- <6hl tiefer Trauer um einen Mann, der nicht mehr unter uns weilt, und doch auch ein Gefühl der Erhebung, daß es der Besten einer war, dem wir dieses Zeichen der Erinnerung weihen. In wenigen Wochen jährt es üch, daß Franz Riegel die Augen für immer schloß, er, der in 25jähriger Wirksamkeit die engsten und festesten Bande zu der hiesigen Klinik, zur Landesunioersität, zur Stadt Gießen, zu ganz Hessen geknüpft hatte.

Wenn wir den Lebensgang des verehrten Mannes vor unseren Augen vorbeiziehen lassen, so sehen wir das Bild einer den äußeren Formen wie der inneren Gestaltung nach ruhigen und stetigen Ent­wickelung. Franz Riegel war selbst der Sohn eines Arztes, des Bezirksarztes von Brückenau und 1843 in Würzburg geboren, wo er üuch das Gymnasium und die Universität besuchte. Es ist eine häufige Erscheinung, daß Söhne von Aerzten sich selbst wiederum das Studium der Medizin erwählen, und wir sind dieser Tradition dankbar, daß sie den ausgezeichneten Mann den Reihen der Aerzte beigesellt hat. Nach sechsjährigem Studium erwarb sich Riegel mit glänzendem Erfolge den Doktorgrad und die staatliche Approbation, und weilte dann auf Grund eines in Anerkennung seiner Leistungen ihm verliehenen Stivendiums ein Jahr in dem durch seine medi­zinische Schule weltberühmten Wien. Er kehrte bann nach Würz­burg zurück, wo er zunächst als Assistent Skanronis' und Bambergers und ftiäter als Privatdozent bis 1874 weilte und wirkte. Der Früh­ling des Jahres 1874 brachte ihm ein doppeltes Glück, die Ver­mählung mit einer vortrefflichen geliebten Frau und die Berufung in einen ehrenvollen großen Wirkungskreis als Direktor des Kranken­hauses der Stadt Köln. Hier entfaltete er eine große organi­satorische und ärztliche Tätigkeit. Die hochangefehene Stellung, die das Bürgerspital in Köln unter den großen deutschen Kranken» Häusern einnimtnt, hat Riegel begründet. Von Köln wurde Riegel 1879 als ordentlicher Professor der inneren Medizin und Direktor der medizinischen Klinik nach Gießen berufen. Diesem Felde der Tätigkeit blieb er bis zu seinem Tode getreu.

Diese einfachen Lebensumrisie, hochansehnliche Versammlung, wie viel Fleiß, Mühe und ernste Arbeit, wieviel Verzicht auf land­läufige Freuden des Lebens, aber auch wie viel innere Befriedigung und Erfolge in wissenschaftlichem, ärztlichem und pädagogischem Wirken schließen sie ein 1 Fürwahr, es hätte dieses steinernen Denk­mals nicht bedurft, um den Namen des Abgeschiedenen auf die Nachwelt zu überbringen. Dafür bürgt die Geschichte unserer Wissenschaft. Denn Riegel stand als Gelehrter in großem Ruf und Ansehen und war in literarischer Produktion von einer unge­wöhnlichen Fruchtbarkeit.

Er war für uns Jüngere ein Kliniker der älteren Schule, und doch war er als Forscher modernsten Geistes. Verdankte er seinen Lehrern, den großen Klinikern Oppolzer, Bamberger und Gerhardt eine gründliche Vertrautheit mit der physikalischen Diagiwstik und das Interesse an eingehendster Beobachtung der Ktanken, beides Kriterien der guten alten klinischen Schule, so wurde er durch den geistreichen Pathologen Stricker in Wien auf die Bahn des Experimentes in der Pathologie gewiesen, auf der unsere moderne Wissenschaft ihre größten Triumphe gefeiert hat. Die genaue experimentelle Erforschung ber Er­scheinungen des Lebens unter physiologischen Bedingungen und das Studium der Abweichungen dieser Erscheinungen unter krank­haften Verhältnissen, das ist der Weg, auf dem allein wir tiefere Einsicht in die krankhaften Prozesse gewinnen und Hilfs­mittel zu ihrer Beseitigung finden können. Und auf diesem Wege hat sich Riegel als ein emsiger und erfolgreicher Pfad­finder erwiesen. Dafür zeugen seine Arbeiten über die Atem­bewegungen des Menschen unter physiologischen und pathologi­schen Bedingungen, über den Einfluß des Nervensystems auf Blutnmlauf und Körpertemperatur, seine Experimentaluntersuch­ungen über das Asthma, seine Studien über den Einfluß der Nephritis auf den Blutdruck, seine zahlreichen graphischen Ar­beiten über sonstige Fragen des Kreislaufs und vor allem seine an Ausdehnung und Vertiefung gleich ausgezeichneten Ar­beiten über die Funktionen des gesunden und kranken Magens. Riegels Lehrbuch der Magenkrankheiten in dem Nothn'-'gel'schen Handbuch der inneren Medizin darf als ein ragender Merkstein in der medizinischen Literatur bezeichnet werden. An diese, hier freilich nur angedeuteten physiologisch-pathologischen Studien reihen sich noch eine große Zahl klinisch-carnistischer und pharnrako- therapeutische Arbeiten an, so daß uns vor der Vielseftigkeit des Wissens und dem eisernen Fleiße dieses Mannes Staunen erfassen «ruß.

Aber hochansehnliche Versammlung, es gwt noch etwas, was jch heute, an dem Tage pietätvoller Erinnerung an den Ab°- . geschiedenen hinter seiner wissenschaftlichen Bedeutung nicht zurück- tellen kann, das ist sein Menschentum, und etwas anderes noch, was ich von dem menschlichen Leben nicht trennen läßt, das sind eine Eigenschaften als Arzt. In diesen Tagen ist ein anbmr berühmter Vertreter der inneren Medizin gestorben, der Kliniker Nothnagel in Wien, von dem das schöne Wort stammt,nur ein guter Mensch kann ein guter Arzt feilt", und in vollem Maße

traf dies Wort bei Riegel zu. Seiner Güte, seiner Bescheidenheit, seiner Liebenswürdigkeit konnte sich niemand entziehen, der ihm näher trat. Und diese schöne Klinik, vor der wir stehen, die durch übersichtliche und zweckmäßige Einrichtung dem organi­satorischen Talente ihres Erbauers alle Ehre macht, sie ist gerade auch für den humanen Sinn des Verstorbenen ein beredtes Zeug­nis. In den geräumigen Hellen und lustigen Krankensälen, deren jeder mit einer ins Freie gehenden Veranda versehen ist, in dem schönen, parkartigen Garten, in dem die Klinik liegt, in so mancher anderen ber Wohlfahrt der Ktanken gewidmeten Ein­richtung, spricht sich eine humane Fürsorge für die Ktanken aus, wie man sie sonst nur an einzelnen opulenten Krankenhäusern großer Städte findet, wie ich sie an einer Universitätsklinik aber bisher noch nicht gekannt habe.

Von der ausgedehnten und segensreichen ärztlichen Tätig­keit des Verstorbenen zu sprechen ist in diesem Steife kaum nötig. Nicht wenigen unter den Anwesenden dürste Riegel in Zeiten von Krankheft und Sorge ein treuer Helfer, Tröster und Berater gewesen sein. Allüberall int Lande begegnet man den Spuren des Arztes Riegel und überall wird sein Name mit Dank­barkeit umb Verehrung genannt.

Mit feinem gründlichen Wissen und seiner großen ärztlichen Erfahrung verband Riegel einen Haren angenehmen Vortrag und eine ausgesprochene Neigung zum Lehrberufe. Und so war es nur natürlich, daß er auch ein beliebter und erfolgreicher Lehrer war, der auch 'in den Schülern das heilige Feuer,, das in ihm selbst brannte, anzuzünden verstand. Wie sehr Riegel die Unterrichtsbedingungen der medizinischen Klinik den modernen Bedürfnissen entsprechend fortzubilden bestrebt war, daftir zeugt der Bau eines physikalisch-therapeutischen Instituts, das seiner Initiative die Entstehung verdankt und demnächst seiner Voll­endung entgegengeht. Und auch was wir sonst auf diesem Areal klinischer Institute vereinigt sehen, alle die großcmgelegten zentralisierten Verwaltungseinrichtungen der neuen Kliniken atmet zum größten Teil seinen Geist.

An Anerkennung und Ehrungen hat es Riegel nicht gefehlt. Seine Bestrebungen zur Förderung und Hebung der klinischen Verhältnisse der Landesuniversftät fanden stets zur rechten Zeit die einsichtsvolle Unterstützung der hohen Staatsregierung, seine Stimme hatte Gewicht und Geltung in der Fakultät, seine zahl­reichen Patienten zollten ihm imwandelbare Anhänglichkeit und Dankbarkeit und ein großer Kteis tüchtiger Männer, die aus seiner Schule hervvrgegangen waren, hat ihm über die Lehrjahre hinaus treue Freundschaft bewahrt. In schönster Weise trat dies bei dem Jubiläum der 25 jährigen Wirksamkeit Riegels an ber hiesigen Klinik zutage, ein Fest, an dem der Stern des Heim­gegangenen noch einmal besonders strahlend auflcucktete, um dann bald darauf für immer in der Nacht zu verschwinden. Diese jähe Aufeinanderfolge des seltenen Freudenfestes, und der herben in den Tod ausmündenden Leidenszeit birgt eine große Tragik in sich. Doch wir wollen einen Trost darin suchen, daß dem Verstorbenen auf diese Weise geworden ist,, was schon so mancher sich gewünscht hat. Er fand in den Sielen sein Ende, aus voller Schaffenskraft, nicht , sich selbst in langsamer Minder­ung der Ktäfte überlebend, ging er hinweg. Und in der Er­innerung aller, die ihn verehrten und liebten wird er so da­stehen, als der tatkräftige rastlos wirkende Mann mit der ge­raden Haltung und dem geistvollen dnrchgearbeiteten Gelehrten­gesicht, so wie ibn der Künstler hier in dem trefflichen Bildnis dargestellt hat. Könnte er sie doch selbst empfinden, die Weihe dieser Stätte und die mächtige Wucht dieses Jahrtausende alten Felsblockes, von dem aus er hinübcrschaut auf seine Klinik. Ihm, der stets nur anderen gegeben hat, bleibt auch dies versagt. Aber für uns ist dieser Eindruck ein versöhnender, und er­hebender, und alle die Tausende, die in kommenden Genera­tionen die Wege dieses Gartens wandeln werden, wird dieser Stein Hinweisen 'ans den geistigen Schöpfer und ersten Leiter dieser Klnnk und er wird zugleich in stummer und doch beredter Sprach« durch die Form seiner Erscheinung, durch seine Schlicht­heit und Größe, eine treffende Charakteristik des Mannes geben, dessen Manen er geweiht ist.

Vermiete»*

Wichtig für Hingerichtete!" In amerikanischen Zeitungen erscheint eine Annonce mit der einladenden Ueber- schrift: »Wichtig für Hingerichtete!" Ein Mann verspricht darin, jedenEletrocuted", das heißt durch Elektrizität Hin­gerichteten, gegen vorherige Auszahlung von 1500 Dollars ins Leben zurückzurufen. Der Wunderdoktor behauptet, es liege nur Scheintod vor, da kein Organ verletzt sei, und bietet seinenKunden" völlige Garantie. Da der Tod die höchste zulässige Strafe ist, diese aber an dem Delinquenten vollzogen wurde, so wäre der Mann nach seiner Wieder­erweckung völlig frei. Ob die ganze Sache an den 1500 Dollars scheitert, da die Delinquenten sich nicht immer ge­rade aus begüterten Kreisen rekrutieren, bleibe dahingestellt; jedenfalls haben bis jetzt die Gerichte noch keinen Grund gehabt, sich mit dieser Sache praktisch zu beschäftigen.

Zerstreut. Ein Professor hält eine Vorlesung vor, leeren Bänken. Plötzlich bemerkt er dies, klappt sein Buch zu und ruft:Daß niemand zu meiner Vorlesung hier ist, ist schon bedauerlich, aber daß mich auch keiner meiner Zu­hörer darauf aufmerksam macht, ist geradezu empörend!"

* KleineTaqeschronik. In Malterdingen (Baden) ist bei einem Brande der 8 jährige Sohn des Schuhmachers Daqes in den Flammen umqekommen. In Mailand drangen 5 Männer nachts in die Wohnung des Admirals Mirabello ein und verletzten einen Bruder des Admirals durch Stockhiebe. Durch eine Ordonnanz wurden die Einbrecher verjagt. Einer wurde ver­haftet. Zu dem Säbelbuell, bas vor wenigen Tagen in Karlsbad zwischen bem Sportsmann A. von Pechy und bein Hufaren-Rittmeister Reszeviczy ftattgesunden hat unb wobei Pechy verwunbet würbe, wirb Folgenbes bekannt: Ursache bes Duells war ein Rencontre bes Herrn von Pechy mit bem Prinzen von Bourbon. Im Verlauf eines Wortwechsels fühlte sich ber Prinz beleibigt. Er warf Herrn von Pecby feinen Hcmbfchuh ins Gesicht. An Stelle bes Prinzen trat als Duellant ber Rittmeister Besze- viezy. In Paris würbe ber aus ber Panamaangelegenheit bekannte BankierArton heute Morgen in feinem Bureau t o t aufgefunben. Nach Feststellung ber Polizei vergiftete er sich. In Trient ist ber Lanbtagsabg. Dr. Guiseppe D o n a t i d o n seinem SS ruber Silvio ermorbet worben. Der Tater würbe verhaftet. In E s st e b t bei Garbelegen würbe ein 14jähriger Hütejunge von zwei Fohlen aus bem Wege zur Weibe t o t g e s ch l e i f t unb furchtbar verstümmelt. Auf einigen Inseln im persischen Golfe ist bie inbifche Pest aufgetreten. Ter Dampferverkehr zwischen Buscher unb Bahrein ist zeitweilig eingestellt. Die Quarantäne ist angeorbuet. In © p a n b a u würbe ein Vizefelbwebel vom 5. Garbe-Regiment verhaftet, weil er verbächtig ist, einen größeren Posten Hafer unter­schlagen zu haben, ber bei bem Brcmbe im königl. Proviantamt in Soänbau geborgen würbe.

Äerichtslacrt.

Dortmund, 17. Jftli. Der seit dem 4. d. M. vor der ersten Strafkammer des hiesigen Landgerichts verhandelte Prozeß des früheren Kommandeurs des ersten württembergischen F-eld- Artillerie-Regts.König Karl" Nr. 13 in Ulm, Oberst a. D. Hüger ist der Vertagung anheim gefallen. Der Angeklagte war heute nicht erschienen und sein Verteidiger legte zwei Llttcste vor, wonach es Hüger wegen nervöser Ueberspannung unmöglich sei, sich den Anstrengungen der Verhandlungen weiter auszusetzen. Hüger hat schwere Anschuldigungen gegen die höchsten militärischen Stellen in zwei Broschüren erhoben. Nach seiner Verabschiedung gab er eine Schrift heraus unter dem Titel: Meine Erlebnisse in der Militärrcchts- und Ehrengerichtspflege" Ihr folgte 1904 eine zweite, jetzt unter Anklage gestellte Broschüre: Wie cs meiner Petition im Reichstage erging". Nach Hügers Darstellung soll dieser Kampf verursacht worden sein durch ihm

feindlich gesinnte Offiziere, die bei seinen dmkten Vorgesetzte«! bis hinauf zum kommandierenden General bei den gegen Hüger gerichteten Maßnahmen eine wirksame Unterstützung fanden. Hüger selbst bezeichnet seine Angelegenheit alseine Art von Dreysus- Affäre", mit der sie, wenn auch in bescheideneren Grenzen, vielfach große Aehnlikcheft habe. Oberst Hüger verfolgte sein vermeint­liches Recht mit größtem Nachdruck und unermüdlicher Ausdauer. Er versuchte sogar, allerdings erfolglos, durch Vermittelung des Erbgroßherzvgs von Baden, kommandierenden Generals , des 8. Armeekorps, zwecks Erwirkung von Recht und Genugtuung direkt an den Kaiser heranzutreten. Da er durch die Verhandlungen jetzt dermaßen seelisch und körperlich mitgenommen ist, daß der Prozeß zur Zeft nicht weftergeführt werden kann, so ist an- zunehmen, daß die Angelegenheit erst nach den Gerichtsferien, etwa im Oktober ihren Ausgang finden wird.

Berlin, 15. Juli. Gra 5 Pückler - Klein - Tschirne sollte heute vor der 1. Strafkamme r des Landgerichts 2 er­scheinen, um sich wegen einer Rede zu verantworten, die er in Bernau gegen das Judentum gehalten hatte. Er war indes bei Namensaufruf nicht anwesend. Das Gericht beschloß, einen neuen Termin anzuberaumen, zu dem Pückler vorgefuhrt werden soll.

Ein Dr. med. bestraft, weil er sich Dr. med. nannte. Der Dr. med. Sagan in Berlin sollte den § 147 der Gewerbeordnung übertreten haben, weil er, ohne approbiert zu sein, sich einen arztähnlichen Titel beigelegt habe, der geeignet sei, den Anschein zu erwecken, als haiidlc es sich um eine staatlich approbierte Medizinalperson. Der Angeklagte hat Medizin stu­diert und auch den Titel Dr. med. erworben, hat aber, nicht das medizinische Staatsexamen gemacht. Er leitet in Berlin die Naturheilanstalt von Grundmann. Er hat sich nun Dr. med. und in Verbindung damitpraktischer Naturheftkundiger", sowie auch Leiter der genannten Naturheilanstalt genannt, wobei zugleich die Sprechstunden angegeben waren. In dieser Verbindung sah das Landgericht im Gebrauch des dem Angeklagten an sich zu- kommenden Titels Dr. med. die Beilegung eines arztähnlichen Titels gemäß § 147 der Gewerbeordnung und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe. Angeklagter durste sich mit Fug und Recht Dr. med. nennen, nicht aber in dem hier gebrauchten Zusammen­hänge, denn damit wurde der Glaube erweckt, er sei eine staatlich geprüfte Medizinalperfon. Das Kammergericht verwarf die hiergegen eingelegte Revision des Angeklagten. Die Frage, ob sich jemand einen arztähnlichen Titel beigelegt habe und ob dieser geeignet gewesen sei, beim Publikum den Glauben zu erwecken, es handele sich um eine staatlich geprüfte Med-izinal- pcrson, sei im wesentlichen tatsächlicher Natur. Wenn das Land­gericht dies hier feststelle unb dabei berücksichtige, daß sich An­geklagter genannt habe: Dr. med., praktischer Naturheilkundiger, und daß die Sprechstunden angegeben gewesen seien, dann sei es von keinem Recbtsirrtum ansqeaanaen.

Zpielplmr der vrrrimqten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Dienstag den 18. Juli, abends halb 7 Uhr:Lohengrin." Mittwoch den 19. Juli*):Der Obersteiger." Donnerstag den 20. Juli:Tas Nachtlager in Granada." Hierauf: Ballet-Diver- tissement. Freitag den 21. Juli:Tas Schwalbennest." Samstag den 22. Juli:Carmen." Sonntag den 23. Juli: Neu einstudiert: Aida." Montag den 24. Juli, abends halb 8 Uhr:Alessandro Stradella."

) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Landwirtschaft.

= Vom Raiffeisen-Verband. Nach der Erstattung und Genehmigung des Jahresberichts der Landwirtschaftlichen Central-Tarlehenskasse für Deutfchland auf der Generalversammlung in Nürnberg wurde folgender Auttag eines Vereins angenommen: Unter dem Ausdrucke des vollen Vertrauens gegen den Vorstand der Central-Tarlehenskasie für seine im vorgelegten Jahresberichte gezeigte Offenheit spricht die Generalversammlung die Bitte ait§, der Vorstand möge nicht durchaus sichere Geschäfte in Zukunst vermeiden und etwa drohende Verluste den Einzekgenoffenschasten zur Kenntnis bringen. Ferner wurde em Antrag angenommen des Inhalts, die Vorstandfchaft und den Aufsichtsrat zu ersuchen, Mittel und Wege zu suchen, aus welche Weise die Schädigi,ng der kleinen Vereine infolge Nichtzahlung einer Divibende möglichst ausgeglichen werben kann unb ber nächsten Generalversammlung hierüber Bericht zuerstatten.

Märkte.

Gießen, 18.Juli. Marktbericht. 2luf heutigem Wockrenmartt kosteten: Butter pr. Pfb. 1.101.20 Ä, Hühnereier 1 St. 67 Vfg. 2 Stck. 0000 Vfg., Gänfeeier 15OO Pfg., Enteneier 67 Pfg., Käse pr. Stck. 68 Pf.,' Kasematte 2 Stck. 56 Psa. Erbsen pr. Liter 21 Psg., Linsen pr. Liter 32 Dfg., Tauben pr. Paar 0,80- 0.90 Mk., Hühner pr.St. 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stück 1,802,20 M., Gänse vr. Pfb. 5565 Pfg., Ochfenfleisch pr. Pfimd 7080 Psg., Kuh- unb Rinbfleisch pr. Psunb 7072 Pfg., Schweine­fleisch pr. Psunb 7080 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfb. 7080 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5076 Psg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,508,00 Mk., Zwiebelnpr. Ztr. 8,0010,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepfel per Zentner 0 bis 0 Mk., in Körben 0000 Psg., Kirschen pr. Psd. 2025 Psg. Zwerchen per Zentner 0.00-0.00 Mk. Birnen per Zentner 0 big. 0.00 Mk. Weißkraut 0.100.15. Marktzeit 71 Uhr.

Temperatur der Lahn und der Luft

am 18. Juli 1905.

Nach Reaumur gemessen mittags zwischen 12 und 1 Uhr. Wasser 181/,0, Lust 18° R.

M ü l le r'sche Bade- und Schwimmanstalt.

^ursherscht.

Frankfurt a. M..

3Ve°/o Reiohaanleihe . . 101.15

3% do. ... 90.30

8V,°/v KonsolB .... 101.40 t<V0 do. 90.25 8/2°/n Hessen .... 100.75 3*/,% Oberhessen . . . 99.00 4% Oesterr. Goldronto . . 101.60 41/6% Oesterr. Silberrente . 101.00 4% Ungar. Goldrente . . 98.30 4°/r Italien. Rente . . . 106.35 4 % Portugieser I . . . 66.90 d°I Portugiesen. HI . . 67.25 1 % Unif. Türken . . . 88.40

Türkeniose 135.40 4% Griech. Monopo.-Anl. 52.90 41/1% äussere Argentiner . 44.35

17. Juli Offizielle Schlusskurse. 3°/0 Mexikaner .... 67.90 41/s8/r, Chinesen .... 96.80 Electric. Scbuckert . . . 135 25 Nordd. Lloyd . . . . 123.90

Kreditaktien .... 207 00 Diskonto-Kommandit. . 18900

Darmstädter Bank . . . 143.60 Dresdener Bank .... 156.00 Berliner Handelsges. . . 169 80 Oesterr. Staatsbahu . . . 143.80 Lombarden 18.30 Gotthardbahn ..... Laurahütte .... 261.00 Bochum .... 248.70

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