Ausgabe 
17.2.1905 Erstes Blatt
 
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Krhloff cnmfangcn.

Uulieimlich!

bügel mit achtzölligen Geschützen unb verwerten 250 Vnmd fdnwre Geschoss'. Hieraus gebt Iiervor, daß die Bclagerungs- gesckütze van Port Arthur in den Linien der Jap<rner aufgepelll sind. Tas rn ssische Ze utrum ist dadurch in eine neue schwierige Lage gebracht. , . e

Petersburg, 16. Febr. Genmal Gr i pen,b erg traf um Mitternacht hier ein. Er wurde auf dem Bahnhöfe von general

London, 16. Febr.Dailv Erpreß" schreibt Ein ge­heimnisvolles Fahrzeug befindet sich augcnll ckuch ai s dem Dock in Tillburv, welches im Begnff ist, abzudamvfen. L. handelt sich um einen englischen Dam p f e r, der von d e u ts ch e n Ag en t e n g e w o rb e n und denen 9came ui Regina umgewandelt wurde. Tie englische Besatzung wurde durch dmtfckn erseht. Der Bestimmungsort des Fahrzeuges fatt fttautschon sein. Zwei iapanische Agenten überwachen da» schiss auf "das schärfste. . __________

Pie Mckkegr

des Großherzogspaares nach Darmstadt«

Gestern, Donnerstag, nachmittag um 2 Uhr, erfolgte die Abreise des hohen Paares von Lich, mo sich am ^>ahn- Hof eine große Menge eingefunden hatte, um dem Cn-of}* Herzogs Pa ar zum Abschied ihre Huldigung zu bereiten, '-rer Abschied von den Lichcr Fürstlichen Herrfchasten war, wie uns berichtet wird, sehr herzlich. In Gießen hatte cstr Sonderzug nur 1 Minute Aufenthalt. Das Großherzogliche Paar blieb dem Publikum, das sich am Bahnhof emgeftmden hatte, und ein dreimaliges Hoch erschallen ließ, unsichtbar.

Nachmittags um 3.30 Uhr langte der Sondcrzug in -Darmstadt an. Am Bahnhof wurde, so wird uns aus Darmstadtgeschrieben, das Fürstliche Paar von Oberkarnrner- herrn Mr Riedesel zu Eisenbach, Generaladsutant, General­major v. Wachter und Flügeladsutant Rittmeister Crämer empfangen. Das Großherzogliche Paar sah zur Freude aller sehr wohl aus. Der Großherzog tnig kleine tzfenerals.- uniform. die Großherzogin ein dunkelgraues Reisekostüni und hellgrauen Hut mit Federn. Als das neuvermählte Paar den Wagen bestieg, brach das zu Tausenden am Bahn­hof versammelte Publikum in stürmische Hurrarufe aus. Ebenso begrüßten bei der Fahrt durch die festlich geschmück­ten Straßen die dichte Menfchennienge das wiederkehrende Fürst en va ar mit freudigem Hurra.

Noch einmal wollte die Darmstädter Bevölkerung dem zurückgekehrten neuvermählten Großherzogspaar durch eine großartige Ovation ihrer Freude Ausdruck verleihen, und ist ihr gestern, Donnerstag abend, auch in glänzender Meise gelungen. Es waren ea. 30 Gesangvereine, die in Gemeinschaft mit den 50 übrigen Vereinen in einer Stärke von mehr als 3000 Teilnehmern! diese Huldigung durch Serenade und Lampionzug dar­brachten. Die Straßen der Stadt, die der gewaltige Fest­zug berührte, waren schon stundenlang vorher mit dichten Menscheuketten gefüllt, zum Teil ebenfalls mit bunten Lam­pions geschmückt. Im Zuge verteilt waren 15 Musikkorps und sämtliche Vereine zogen mit Fahnen, Transparenten und Lampions oder Fackeln auf; ein großer Teil, wie die sportlichen und die Handwerkervereine in besonderen, ge­schmackvollen Kostümen mit den Merkzeichen ihres Berufs. Während die ca. 500 Sänger mit Fackelträgern und Lam­pions in den hessischen Landesfarben im Vorgarten un­mittelbar vor dem Palais Aufstellung nahmen, füllten die anderen Vereine den Platz zwischen dem Alicedenkmal und der katholischen Kirchein drangvoll fürchterlicher Enge" aus, sodaß sich dem Beschauer ein einzig schöner Anblick darbot. Der Aufmarsch des Zuges nahm über eine halbe Stunde in Anspruch, sodaß die Serenade. erst kurz vor 10 Uhr beginnen konnte. Tas Großherzogliche Paar war schon beim Anmarsch der Vereine auf der Estrade des Palais erschienen und verblieb dort auch während des ganzen Ver­laufes. Fanfarenklänge verkündeten den Beginn der Feier und dann ließ der Sänger-Masscnchor seine Lieder ertönen. Danach hielt der Ausschußvorjitzende, Hauptlehrer Losch, eine kurze Ansprache an das Neuvermählte Fürstenpaar. Das dreimalige freudige Hoch auf das Fürstenpaar fand über den ganzen Platz ein vieltausendstimmiges Echo, das dann durch die von sämtlichen Kapellen gespielte Natio­nalhymne abgelöst wurde. Großherzog und Großherzogin dankten tiefbewegt von der hohen Estrade und ließen dann die zehn Ausschnßmitglieder ins Palais entbieten. Der Lampions- und Fackelzug bewegte sich dann vom Palais aus noch durch eine Anzahl Straßen nach dem Markt­platz, und noch lange danach blieb die Stadt von großen Menschenmengen belebt, die ihrer Freude über die so glanz­voll verlaufene Ovation Ausdruck verlieh. Tie Darm­städter Studentenschaft beabsichtigt, den hohen Herrschaften am 24. Februar einen Fackelzug darzubringen.

Aus Stadt Mud Land.

Kampf gegen die Schnaken.

Gießen, 17. Februar.

Endlich wird gegen die lästige Plage, unter der man (n Gießen alljährlich schwer zu leiden hat, energisch vorge­gangen. Es ist mit großer Freude zu begrüßen, daß die Andeutungen des Stadtverordneten Medizinalrat Dr. Haber- Eorn, , das Großh. Polizeiamt scheine Schritte vorzubereiten, beitätigt werden. Möchte aber das Polizeiamt in seinen Be­strebungen von allen denen, die Schutz gegen die Plage finden wollen, nachdrücklich unterstützt werden. An anderen Orten geschah dies auch; unter der Führung der Behörde bildete man Kommissionen, sodaß ein regelrechter, planmäßiger Krieg gegen die lästigen Insekten unter­nommen werden konnte. Möchten alle, die mit besonderem Eifer diesen Krieg, der uns nach verhältnismäßig kurzem Feldzug schon in diesem Sommer Erfolge verspricht, mit- machen wollen, zum gemeinsamen Werk sich zu- sarnmenfinden!

Wie uns von Großh. Polizeiamt heute weiter mitgeteilt wird, verspricht der Kampf gegen die Schnaken nur dann Erfolg, wenn der Vertilgungskrieg gleichzeitig und mit vereinten Kräften ausgenommen wird. Der milde Winter war der Entwicklung der Schnaken sehr günstig; bald werden sie ihr Versteck verlassen und den Hochzeitsflug antreten, um sich dann tausendfach zu ver­mehren und zur Plage der Menschen zu werden. In Feld, Wald und Wiesen kann man dann den Schnaken nicht mehr beikommen. Deshalb auf, jetzt ans Werk!

Da die Schnake nicht wandert, sondern im beschränkten Bezirk ihres Entwicklungsortes lebt, sich vermehrt und den Menschen plagt, so ist erfahrungsgemäß mit der Vertilgung der Winterschnaken an ihren Ruheplätzen der wichtigste Schritt zur Verhinderung der Vermehrung der Plage geschehen.

Die Vertilgung geschieht am besten durch Fackeln, die man sich, aus einer Stange und einem daran befestigten Bausch aus Wolle, Werg re., herstellt. Mit dieser Fackel, welche man mit Petroleum tränkt, brennt man unter An­wendung der nötigen Vorsicht die Wände und Decken von Kellern, Gruben re. ab, und man wird bemerken, wieTausende von Schnaken zu flüchten versuchen, um aber bald versengt zu Boden zu fallen. In einigen hiesigen Häusern hat man bereits den Versuch ge­macht; tausende von Schnaken wurden dabei ver­nichtet. Man kann sich also denken, wie groß das Heer der Insekten ist, das sich auf die Keller re. der Häuser in unserer Stadt verteilt hat.

Am sichersten wird ein gemeinsames Vorgehen zum Ziele führen, wenn die Interessenten sich einigten und die Vernichtung der K e lle rsch u a ken durch eine Kolonne vornehmen ließen, welche entsprechend auTzurüsten wäre, und die nötige Uebung und Sachkenntnis besitzt.

Vor allen anderen haben die Inhaber der Ver­gnüg ungs- und Sommerwirschaften in unserer näheren Umgebung (Philosophenwald, Liebigshöhe, Schützen­haus, Schöne Aussicht:e.) und die Wirte der in der Außen­stadt liegenden Lokale das größte Interesse, jetzt ein­zugreifen und die Vertilgung vorzunehmeu. Denn diese haben direkten Schaden, wenn der in ihr Lokal ein­kehrende Gast, alsbald durch Schnaken angegriffen, die un­gastliche Stätte verläßt.

Wir fordern deshalb unsere Einwohner auf, ungesäumt mit der Arbeit zu beginnen!

In Bad-Nauheim ist man bereits auf unser Vor­haben aufmerksam geworden. Man schreibt uns von dort:

Mit großem Interesse habe ieb wohl mit tausend Audereu Ihren Artikel in Nr. 39 Ihres gesch. Blattes, L,Stampf gegen die Schnaken", gelesen. Dieselbe Kalamität, wie sie in den letzten Jahren im Sommer in Gießen herrschte, hatten wir schon i m Jahre 1898. Entsetzlich luat die Schnakenplage hier; unsere Kurgäste und Einwohnerschaft konnten sich kaum retten; überall in Stadt, Feld und Wald war das Ungeziefer anzutresfen. Aeuße-- rungen von Kurgästen ließen daraus schließen, daß sie wegen der Schnakenplage nicht mehr n a ch N a u h e i m ins Bad kommen würden! Man schrieb damals die Ueberhandnabme der Schnaken dem von der Stadt angetansten Löffler'scyen Wein­berg am Johannisberg zu, welcher nach und nach ganz verwilderte und tatsächlich später anch wegen der vermeintlichen Ursache der Schnakenplage gänzlich ansgerottet wurde. Aber auch dieses Mittel fruchtete nichts. Da machte der damalige Vertreter des Staates, der fetzige Oberbergrat Prof. Dr. Ehe lins in Darmstadt, im Gemeinderat den Vorschlag, man solle einfach von der Gemeinde die Nüttel bewilligen (der Staat als Besitzer des Bades hatte schon die nötigen Mittel bewilligt) unb hauptsächlich Keller, unbewohnte feuchte Räume u. s. w. ausräuchern lassen, damit die Schnacken und deren Brut so weit als möalich vertilgt würden. Man lachte wohl anlänglich allgemein darüber, aber siehe da, nachdem die sogen.Sch n a k e n k o m m i f s i o n" gebildet war, ging diese so­fort im Frühjahr 1 8 9 9 a n d i e Arbeit. Es wurden ein paar Leute angenommen, welche die Decken der Keller re. mit Spiritusbrenner ableuchteten. (Es sind dies breite Büschel mit irgend einer Substanz getränkten Werges: der Spiritus wird ent» zündet.) Anfänglich mußten sich dieSchnakentöter" manchen Spott gefallen laßen. Als man aber die Wahrnehmung machte, daß in einigen Kellern, besonders in dem unteren, nach der Usa gelegenen Teile der Stadt tausende und abertausende dieser Plagegeister durch oben angewandtes Mittel tot z u r E r d e fielen, hörte das Hänseln ans. Der Schreiber dieser Zeilen hat selbst gesehen, daß in einem Keller ganze Schippen voll toter Schnaken zusammengekehrt wurden. Was war das Resultat? Schon i in selben Sommer hatte die Plage bedeutend a b g e u o m m e n. Und so wird hier jedes Früh­jahr dieselbe Arbeit vorgenommen, und wir können, Gott sei Dank, jetzt sagen: Nauheim ist schnakenfrei!

** Auszeichnungen. Während des Aufenthaltes Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs im Jagdschloß Romrod wurde verliehen: das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem Postverwalter Schierman und Stationsvorsteher Semmler in Zell-Romrod. Bürger­meister Schmidt-Romrod erhielt das Allgemeine Ehren­zeichen, Postassistent Tifföe eine Vorstecknadel mit Namens­zug und Krone, in Diamanten gefaßt. Die Damen des Kasinos hatten, wie man uns weiter aus Romrod mitteilt, I. I. K. H. ein prachtvolles Automobil in Blumen ge­schenkt, welches Frl. Haberkorn überreichte.

** Jubiläum. Am 16. Febr. waren es 25 Jahre, daß der Magazinarbeiter Ehrisloph Hahn bei der Firma Tribus und Sundbeim in Diensten steht. Anläßlich dieses Ehrentages wurde der Jubilar von seinen Prinzipalen mit einem Geldgeschenk, vom Kontor-Personal mit einer Taschen­uhr erfreut. Vom Gesangverein Harmonie wurde ihm abends ein Ständchen dargebrgcht.

§ Großen-Linden, 16. Febr. Heute feierte unser Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Johannes Leun seinen 5 0. Geburtstag, verbunden mit der Feier seiner 2 3jährigen Amtstätigkeit als Bürgermeister unseres Städtchens. In dieser Zeit ist es dem Jubilar voll und ganz gelungen, sich die Sympathie und die Achtung seiner Ortsbürger zu erwerben, seine Wiederwahl erfolgte jedesmal ohne Gegenkandidat einstimmig. In Anerkennung seiner Ver­dienste ließ die Gemeinde dem Jubilaren eine besondere Ehrung zuteil werden, indem ihm ein Ehrendiplom überreicht wurde, das vom Beigeordneten und sämtlichen Gemeinderatsmitgliedern unterzeichnet ist. Abends veran­stalteten die fünf hiesigen Vereine zu Ehren des Bürger­meisters einen Fackel- und Lampionzug. Vor der Wohnung hielt Lehrer B. eine Rede. Er gedachte der Ver­dienste des Herrn Leun und brachte die Glückwünsche der Vereine und Einwohner dar. Mit brausendem Beifall wurde das Hoch auf den Jubilar ausgenommen. Die beiden Ge- sangereineGermania" undHarmonie" trugen Lieder vor. Dann setzte sich der Festzug unter dem Vorantritt einer Musikkapelle nach der neuen Turnhalle, einem Werke des Bürgermeisters Leun, in Bewegung. Hier wechselten Gesangs­und humoristische Vorträge mit Konzert wieder ab, und im Lause des Abends dankte Bürgermeister Leun mit bewegten Worten für b e Ehrung durch die Vereine und die Gemeinde.

Bad-Nauheim, 16. Febr. Eine sehr lebhafte De­batte entspann sich bei der gestrigen Mitgliederversamm­lung des Vereins zur Hebung des Stadtver­kehrs über die Errichtung einer höheren Bür­gerschule. Bürgermeister Dr. Kayser legte den Stand­punkt der Stadtverordnetenversammlung dar, wonach die Schirle als höhere Bürgerschule mit Lehrplan der Real­schule gedacht ist. Bis zum 10. Lebensjahre sollen Jungen nnd Mädchen zusammen sein, alsdann Trennung eintreten. Fast alle Redner sprachen sich in ablehnendem Sinn-", aus.

R. B. D a r m st a d f, 16. Febr. In der heutigen Stadt--! Verordnetenversammlung teilte Oberbürgermeister Monreweg mit, daß der verstorbene Buchhändler Schnei­der ein Vermögenvon 2 9 0 0 0 0 M k. hinterlassen! hat, motu n der Stadt Darmstadt der achte Teil nnd das Haus am Schloßgraben zufällt. Von dem Rest erhalten je ein weiteres Achtel die Stadt Torgau und die Gemeinde! Wörrstadt (Rheinhessen), ferner zwei Enkel des Verstör- beneu und die Blindenanstalt und die Taubstum­menanstalt zu Friedberg. Die Waisenanstalt und das Krankenhaus zu Darmstadt erhalten ebenfalls je ein! Achtel.

0 Krofdorf, 15. Febr. Die weit ansgedehnte G e meindejagd für KrofdorfGleiberg kam heute nachmittag auf der hiesigen Bürgermeisterei zur Neuvervachtun g. Während die Jagd bisher an einen Herrn aus Hagen für 3000 Mk. verpachtet war, wurde bei dem heutigen Aus­gebot kaum die Hälfte erzielt. Die Genehmigung konnte da­her nicht erteilt werden, und die Jagd gelangt abermals zur Verpachtung.

a. Marburg, 16. Febr. Heute nachmittag wurde ein hiesiger Studierender, Namens .Hartmann aus Hagen in Mecklenburg tot in seiner Wohnung aufge­funden. Er hatte sich in selbstmörderischer Absicht zwei Kugeln in die Brust geschossen. Die Beweggründe zu der. Tat sind noch unbekannt.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den! Nachbarstaaten. Im Bergwerk bei Gladenbach wurden mehrere Bergleute im Arbeitsstollen durch Gesteins­massen verschüttet. Einer der Verunglückten wurde getötet und einer schwer verletzt, während die anderen unverletzt davon kamen.

Berlin, 16. Febr.

In der heutigen Sitzung des deutschen .Handelstages wurde zunächst das Vereinszollgesetz besprochen. Der! Berichterstatter, Generalsekretär S o e t h e e r - Berlin führte aus, mit Befriedigung habe der deutsche Handelstag von der Neubearbeitung des Vereinszollgesetzes vorn 1. Juli 1869! Kenntnis genommen. Es sei erforderlich, das Gesetz den! heutigen Verhältnissen anzupassen. Was die Regierung auf diesem Gebiete geschaffen habe, sei dankbar anzuerkennewu Ir gebe sich der Hoffnung hin, daß die Regierung auch bie; Wunsche des Handelsstaudes berücksichtigen werde. Soek-! Heer empfahl einige für die Aenderung des Vereinszoll­gesetzes ausgearbeiteten Leitsätze aur Annahme Sie utf*

Jer Kampf um die akademische Freiheit.

Man schreibt uns aus Marburg:

Am Montag war Geh. Ober-Reg.-Rat Dr. Elfter aus Berlin in Marburg und hat mit dem Studentenausschuß in' der bekannten Angelegenheit verhandelt. Auf Grund der Dar­stellungen Elsters hat der Ausschuß in feinen Sitzungen am 14. und 15. Februar folgendes Schreiben an den Kultusminister: gesandt:

Ew. Excellenz! Tie Marburger Studeutcnschaft, vertreten durch die bevollmächtigten Mitglieder ihres Ausschusses, gibt fiefr die Ehre, Ew. Excelleuz aus Grund des von Ew., Exeellenz bevollmächtigten .Herrn Vertreter, Herrn Geheimen Negierungsrat Dr. Elfter am 13. Februar in Gegenwart Sr. Magnifizenz, des Herrn Rektors, des Herrn Kurators, der Herren Profestoren Maun- kopff, Budde, Andre uud v. Sybel, sowie des Universstätsrichters, Herrn Jeß, gemachten Eröffnungen und in Ergänzung Ihres! Schreibens vom 10. Februar folgendes gehorsamst zu unterbreiten: Die Marburger Studentenschaft ist zu der Ansicht gekommen, daß die zum B e d a u e r n der Marburger Studentenschaft zwischen dem Ministerium und der Vtarburger Studenteuschaft noch obwaltende Spannung auf mehrere M i ß v e r ft ä u d n i s s e zurückzu­führen ist, welche durch die Mitteilungen des Herrn Geh. Ober- RegierungSrat Dr. Elster aufgeklärt erscheinen. Tie Mar­burger Studentenschaft ist zu ihrer Kundgebung vom 31. Januar veranlaßt durch die über eine Woche unwidersprochene, von dem größten Teil der maßgebeuden deutschen Presse lebhaft kommentierte Acußcrung des Herrn Geh. Rat Dr. Daube:Aka- bemische Freiheit kennen wir nicht!" Ta diese Worte von ministerieller Seite nicht dementiert wurden, trotzdem sie bereits als Tagesordnung einer öffentlichen Akobemiker-Versamm- lung in Berlin angekündigt waren, hielt sich die Marburger Skudentemchaft für berechtigt und verpflichtet, eine P ro t e ft ku u dgebuu g gegen die einen Angriff auf die aka­demische Freiheit in sich 'schließende Aeußerung zu erlassen, zumal noch persönliche, cl>renwörtlich abgegebene Erklärungen verschiedener Mitglieder des Ausschusses der haunoversichen Studeutcuschast die Tatsachen bestätigten und die Marburger Studenteuschaft so ge­nügende Unterlagen für ihr Vorgehen zu haben glaubte. Tie ur­sprüngliche Msicht der Marburger Studentenschaft war nur die, die Kommilitonen der anderen Universitäten und Hochschulen zu einer gemeinsamen Stellungnahme zu den in Hannover gehaltenen Acußerungcn zu veranlassen und zu diesem Zwecke sich auch der Hülfe der Presst zu bedienen. Erft in zweiter Linie beschloß die Marburger Studentenschaft, alsdann Ew. Excellenz eine tele­graphische Mitteilung von ihrem Vorhaben zu machen, damit Ew. Excellenz nicht erst durch die Presse Kenntuis vou demselben erhielten. Das Telegramm vom 31. Januar ist also nicht als Eingabe^gemeint gewesen. Ew. Excellenz haben nun der Mar­burger Studentenschaft einen Vorwurf daraus gemacht, daß sie sich bei ihrer Mitteilung mi Ew. Excellenz nicht der Vermittlung dcs Herrn Rektors und des Herrn Kurators der Universität bedient hat. Der Ausschuß glaubt, daß er in seinem Verkehr mit den Behörden nicht verpflichtet ist, einen Instanzenweg cinzuhalten und in seinem guten Recht zu handeln, wenn er sich direkt an Ew. Excellenz wendet Dazu bemerken wir ehrerbietigst, daß Herr Geh. Reg.-Rat Tr. Daube, der sich offiziell als Vertreter Ew. Excellenz bezeichnet hat, dem Ausschuß bedingungslos das Recht zugestanden hat, mit Ew. Excellenz direkt zu verkehren. Jedoch hat die Marburger Sttidentenschaft im vorliegenden Falle, die von.Sr. Magnifizenz dem Herr Rektor angebotene gütige Vermittlung gern angenommen. Die Marburger Stu­dentenschaft spricht daher die Hoffnung aus, daß Ew. Excellenz durch diese Erklärung über die gleichmütige Msendung der Mit­teilung an Ew. Excellenz uud an die deutsche Studentenschaft sowie an die Presse befriedigt sein werden. Die Marburger Ltudenteuschaft hat ihrerseits aus dem Munde des offiziellen Vertreters Ew. Excellenz mit Befriedigung Kenntnis ge­nommen, daß Ew. Excellenz der Hüter der akademischen Freiheit sein wollen und nicht daran denken, diese in lrgend einer Form zu b e e i n t r ä ch t i g e n. Weiter hat die Mar­burger Studeutenschast mit Freude die Zusicherung entgegen­genommen, daß es ihr nach wie vor freistebt, sich bei Kundgebungen irgend welcher Art an die Presse unb b am i t an die breite Oeffentlichkeit zu wen- b en. schließlich hat sie mit freudiger Genugtuung vernommen,

.es den Ausschüssen der deutschen Ilniversitäten und Hochschulen Nicht verwehrt sei, in studentischen Fragen mit einander m Beziehungen zu treten. Wenn auch Ew. Excellenz bevollmächtigter diese Znsichernng uns persönlich gab, vertraut dw Marburger Studenteuschaft doch seinem Worte, daß diese An- slcht auch die Ew. Excellenz ist. Tic Marburger Studentenschaft fleht lneniach. ihre Kundgebung vom 31. Januar als erledigt an unb spricht Ew. Ercellenz bie gehorsame Bitte aus, auch xVbrcTjetty, sowohl das Telegramm vom 31. Januar, als auch das Schreiben vom 10. Januar geneigtefi als erledigt ansehen zu.wollen. Ew. Excellenz gehorsamste Studentenschaft der Uni* berutat Marburg."

Aer deutjche Kandelslag.

IL