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lassung dieses Geschäftsgebahrens in 'Anspruch genommen werden können. Das Gutscheinwesen hat in den letzten Jahren eine außerordentüche Verbreitung gewonnen und führt zu großen Benachteiligungen für die Verkäufer wie auch für Hersteller und Händler mit den als Zugabe gewährten Artikeln. 'Außerdem wird das kaufende Publikum durch die Folgen dieser Auswüchse des Wettbewerbs in Mitleidenschaft gezogen. Die Handelskammer beschloß deshalb, den Antrag des Trustabwehr-Msschusses zu unterstützen.
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Mannschaft war sämtlich an der Nordkante daheim.
” Einer, der feine Leiche der Anatomie ver' kauft. Während der Ferien sprach, so berichtet man uns, in unserem anatomischen Institut ein Mann vor, dem man auf den ersten Blick ansah, daß ihn das Leben ordentlich herumgeschüttelt hatte, und fragte an, ob das Institut Leichen kaufe, er brauche Geld und wolle daher bei Lebzeiten seine Leiche verhandeln. Seine Seele hatteerwahrscheinlich schon dem Teufel versprochen. Der Jnstituts- diener, den die sonderbare Offerte belustigte, ging scheinbar auf den Handel ein und erkundigte sich, welchen Betrag der Mann für seine dereinftige Leiche verlange. Nach einigem Zögern meinte der sonderbare Handelsmann, er glaube, 200 Mk. sei eine billige Forderung. Der Diener erklärte aber, das sei zu viel, soviel könne das Institut nicht zahlen, worauf der andere seine Forderung auf 120 Mk. als den äußersten Preis ermäßigte mit dem Hinzufügen, noch billiger könne er den Handel nicht abschließen, denn er wolle nach Amerika auswandern und das koste die Ueberfahrt. Lächelnd erwiderte da der Diener: vSieber Freund, wandern Sie erst nach Amerika aus und wenn Sie von dort zurückkommen, dann wollen wir über das Geschäft weiter sprechen."
** Schulhauseinweihung. In dem am Fuße des Schiffenbergs malerisch gelegenen Dörfchen Hausen fand gestern gelegentlich des Kirchweihfestes die Einweihung des neuerbauten Schulhauses in Gegenwart des Provinzialdirektors, Geheimrat Dr. Breidert, Baurats
Ans tziubl und Lantz.
Gießen, 19. September 1905.
Sprechstunden der Redaktion:
12-1 Uhr mittags, ‘/.7—x/,8 Uhr abends.
•• Ordensverleihungen. S. K. H. der Groß- Herzog haben dem technischen Direktor bei der Aktiengesellschaft für Hoch- und Tiefbauten, vormals Helfmann u. Komp- Johann Weidmann zu Frankfurt a. M. das Ritterkreuz 2. Klasse mit der Krone des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, denr technischen Direktor in der Fabrik für Eisenkonstruktionen Hein, Lehmann u. Komp., Aktiengesellschaft, Georg Rascher zu Reinickendorf bei Berlin das Ritterkreuz 2. Klasse mit der Krone desselben Ordens; dem Stukkateur und Fabrikanten Joseph Schmied zu Wien das Ritterkreuz 2. Klaffe desselben OrdenS; dem Ingenieur und Teilhaber der Spezialfabrik für Heizungs- und Lüftungsanlagen Käuffer u. Komp. Philipp Stratemeyer in Mainz das Ritterkreuz 2. Klaffe mit der Krone desselben
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einer geringen Summe in einer badischen Feueroersicherungs» gesellschaft versichert.
Bad-Nauheim, 18. Sept. Folgende Unterhaltungen werden in dieser Woche stattfinden: Dienstag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends im Saale musikalische Soiree von Solisten
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Ordens; dem Vorstandsmitglied der Fabrik Gasapparat und Gußwerk, Aktiengesellschaft, Albert Z i m m e rm a n n in Mainz das Ritterkreuz 2. Klasse mit der Krone desselben Ordens; den bei der Aktiengesellschaft für Hoch- und Tiefbauten, vormals Helfmann u. Komp, zu Frankfurt a. M. beschäftigten Parlieren Johannes Umpfenbach und Valentin Wilhelm Herdt, beide zu Langen, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Arbeit"; dem bei der Firma Hein, Lehmann u. Komp., Aktiengesellschaft, zu Reinickendorf bei Berlin beschäftigten Monteur Karl Schott zu Schöneberg bei Berlin das gleiche Ehrenzeichen verliehen.
” Stadttheater. Die diesjährige Spielzeit wird am Dienstag, dem 3. Oktober, mit einer Aufführung von Shakespeares „Kaufmann von Venedig" eröffnet werden. Die Ausstattung an Dekorationen und Kostümen zu dieser Aufführung ist, wie unS Direktor Steingoelter schreibt, vollständig neu angeschafft worden und das figurenreiche StücE giebt zudem fast dem gesamten Personale Gelegenheit sich in größeren Aufgaben vorzustellen. Näheres über Personal und Spielplan des kommenden Winters wird in den nächsten Tagen iiiitgeteilt werden.
” Eleonoren - Heilstä11e. Im Anschluß nn unfern Bericht über die Einweihungsfeierlichkeiten schreibt man uns, daß die Mitglieder des Heilstättenvereins zur Besichtigung der Heilstätte in der Zeit vom 20. bis 30. September d. I. eingeladen sind und gegen Vorzeigung ihrer Mitgliedskarte nachniittags Zutritt haben. Am 1. Oktober d. I. erfolgt die Inbetriebnahme. Von da an ist die Besichtigung nur an besonderen Besuchstagen möglich.
'"Reservisten-Speisung. Gestern mittag gegen 1 Uhr langten mit der Eisenbahn 400 Reservisten vom 25. Jnf.-Rgt. auf der Durchreise hier an. Die Mannschaft wurde durch den Armeelieferanten Seibel im Lenz'schen Felsenkeller gespeist, die ßeute verzehrten mit großem Appetit das ihnen verabreichte Mittagsmahl. Der Wirt des Lokals
lieferte zu dem Mahl auch das nötige Bier. Nach 11/2 stündiger Rast ging die Reise nach Hamburg weiter.
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drüber." Mittwoch nachmittags und abends onf der Terrasse Konzert der Kurkavelle. Abends Theater-Vorstellung: Gastspiel von Frl. Else Roetscher vom Stadtheater in Riga: „Alt-Heidelberg." Donnerstag nachmittags unb abends aus der Terrasse Konzert dec Kapelle des Thür. Ulanen-Regi. ments Nr. 6 aus Hanau. Abends im Saale Tanz. Freitag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkavelle. Abend? im Saale leiste Theater - Vorstellung: „Pension Schöller." Dazu Ballet-Einlage von Frl. Lmy Eichrodt. Samstag nachmittags unb abends ouf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends im Saale: Experimental- Soiree von Leo Erichsen. Sonntag Konzert der Kapelle des Inf-Regiments Nr. 168 aiis Offenbach. Abends im Saale Symphonie-Konzert der Kiirkapelle.
(!) Heppenheim a. d. B., 18. Sept. Gestern aoenv fand in Wurths Brauerei zum Boosenhoke hier eine von etwa fünfzig Personen beslichte Versammlung hiesiger Land- wirte itatt. Nach ziemlich erregten Verhandliingen, ivobei unter anderem festgestellt wurde, daß auch bei einem Preise von 18 Pfg. per Liter der Milchproduzent nicht mehr bestehen könne, würbe beschlossen, ben Preis für bas Liter Milch auf 20 Pfg. zu erhöhen.
Frankfurt a. M., 16. Sept. Der 7. Kongreß für Volks- unb Jugendspiele, ber aus allen Teilen Deiitschlands beschickt ist, wiirbe heute im Zoologischen Garten eröffnet. Der Vorsitzende bes Zentralausschusses, Landtags, abgeorbneter v. Schenkendorff-Gärlitz, begrüßte ben Kongreß unb gab einen kurzen Rückblick ber bisherigen Tätigkeit. Als Vertreter des Kiiltiisniinisters sprach Geh. Rat Hintze, als Vertreter bes Oberpräsibenten Geh. Rat Paehler-Kaffel, ■ namens bet Regierungen in Wiesbaben unb Kassel bic Re- gierungs- unb Schulräte Flebbe unb Mühlmann, namens der Stadt Frankfilrt Oberbürgermeister Dr. Adickes. An ben Kaiser und ben Kronprinzen würben Hulbigungstelegramme gesandt.
Won der landwirlschalttichrn Landes- und Jubiläums-Ausstellung in Mainz.
(Original-Artikel Gießener Anzeigers.)
•rs Mainz, 18. Sept.
Der zweite Ausstellungstag ist angebrochen. Grauen .Himmel aber trockenes Pflaster zeigt mir ber erste Blick aus dem Fenster, draußen tarntt es schon tnieber, währenb doch der Lärm für uns erft am frühen Morgen verstummt war. In den erften Stunden be? heutigen 2,ages saß ich noch schreibend auf meinem Zimmer. (Yeaen 2 wollte, ich das Hotel verlassen, um die Briefe am Bahnhofs m Kastel tn den Kasten zu werfen. Aber o Weh, die große ^.ür des Hotels ist verschlossen. Ich suche in dem matt beleuchteten geräumigen Flur herum und finde eine Gardine unter einem Treppenverschlag, hinter die ich taste, um zu stihlen, ™ der Wachter schläft. Ich fasse dem Manne gerade ins nicht vertragen, er wird wach. Nach kurzem Zwiegespräch bescheidet er mich: der kurze dicke Schlüssel an dem und dem Nagel ist der Hausstirsthlüssel. Ich öffne, betrete die HL ^unde so stille Nheinstraße und wandere über die Nheinbrücke nach Kastel. Der Blick von ber Brücke ist wunder- Kon. Da wo der Rhein kleine Wellen treibt, wo sich das Wasser kräuselt, blinkt das Wasser silbern im Mondlicht. Wie ^gen die dunklen Massen der großen Tanipser und Schlepper auf dem Rhein vor Anker. Matte Lichter an Bord öe- grenzen die Umrisse ber Schiffe. Die Ausstellung hüben und pÄV? . erleuchtet Alles ist totenstill, nur ganz leicht nmßt das Branden des Rheinwassers an den mächtigen Pfeilern der Brücke aus der Tiefe herauf.
„Ich erreiche den Bahnhof Kastel, finde an der üblichen ?^^-^dostkasten, werfe meine Briefe hinein, da ist auch der Wachter des Bahnhofes schon da der bewehrt, sich bat
Wetzlar, 18. Sept. In der letzten Stadtverord» neten-Sitzung teilte der Vorsitzende folgenden Antrag mit: „Das Stadtverordnetenkollegitini möge beschließen: Die Stadtverwaltung Wetzlar wirb beauftragt, gemeinsam mit andere« deutschen Städten bei der Reichs- bezw. Staatsregierung vorstellig xn werben wegen Deffnung der Grenzen für gesundes Vieh, Ausheb u n g des Einfuhrverbotes für über- feetfebe? Fleisch unb Fleischwaren, ferner betreffs Aushebung der Zölle auf Fleisch, Fleischwaren unb Futterstoffe.
Der Vorsitzenbe bemerkt hierzu, er habe biefen Antrag bem betr. Itäbtischen Ausschuß unterbreitet unb man sei bet Ansicht, baß ganz abgesehen von politischen Momenten, auch aus rein wirtschaftlichen Grünben ein sofortiges Eingreifen ber Staatsregierung nötig erscheine, ba in ber Tat eine enorme Preissteigerung bes Fleischkonsums eingetreten sei, bie auf bie Dauer die sämtlichen Einwohner der Stadt empfindlich beeinträchtige. In anbetracht dessen jedoch, daß seitens der Kgl. Staatsregierung bereits die notwendigen (Srmitte- (ungen angestellt werden, die dahin zielen, die migenblK$t\d)e Fleischteuerung zu beseitigen und für die Zukunft dem Entstehen einer solchen nach Möglichkeit vorzubeugen, so beantragt der Ausschuß, den Antrag zurzeit abzulehnen und zur Tagesordnung überzugehen. — Der Antrag der Kommission, aus Grund dieser Erwägungen über den Antrag Fauth zur Tagesordnung überzugehen, wird einstimmig angenommen. — Der Vorsitzende bringt zur Kenntnis der Versammlung, daß von der hiesigen Handelskammer ein Antrag an den Staatssekretär des Reichspostamts gerichtet sei, der darauf hinaus- geht, daß am Bahnhof ein Zweigpostamt errichtet werden soll, welches vorerst in einem Privathause untergebracht werden soll, bis der Bahnhofsumbaii vollzogen ist. Die Finanzkommission steht der Eingabe sympathisch gegenüber und bittet die Versammlung, die Eingabe der Handelskammer zu unterstützen. Da ein Bedürfnis für die Errichtung eines Zweigpostamtes am Bahnhof allseitig anerkannt ist, stimmt die Versammlung einstimmig dem Antrag zu. (W. A.)
** KleiNe M i t t c i l » n g e n a u 5 H c sse n unb ben Nachbarstaaten. In Wiesbaden ist der General L la suite P r i n z N i k o l a n s von Nassau, ein Stiefbruder des Großherzogs von Luxemburg, des früheren Herzogs von Nassau im Alter von 73 Jahren gestorben. — In L a n t e r b a ch ist unter großer Beteiligung der Lehrer von dort und Umgegend der fall 90 3n^Fe "lte Lehrer i. P. Wolff zur letzten Ruhe gebettet worben. — In Butzbach feierte ber 62 Jahre alte Arbeiter K. Stein- b a uie r am 18. b. M. sein 40 fahriges Jubiläum als Arbeiter in ber Brauerei Gambrinns. — In Griebel verunglückte ber Fuhrmann D r a u b t, welcher unter seinen Lastwagen geriet, einen Armbruch unb innere Verletzungen erlitt. Er mußte in die Klinik nach Gießen gebracht werben.
Diehrn, bes Kreisschiilinspektors Kleinschmibt, sowie bes Kirchen-, Schul- und Ortsvorstands statt. Um !/23 Uhr versammelte sich vor dem alten Schulhaus ein Festzug, an dem sich auch die Schuljugend, der Krieger- und Gesangverein beteiligte. Nach herzlichen Abschiedsworten des Lehrers Nikolaus verließ der Festzug das alte Gebäude, das seit langen Jahren die Bildungsstätte der Jugend war. Vor dem neuen Schulhaus hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefunden, darunter auch viele Gießener. Der Gesangverein Hausen trug vor dem Neubau das Weihelied: „Gott schütze dies Haus" vor, worauf Pfarrer Haake-Steinbach die Weiherede hielt. Er gedachte des heutigen Geburtstags unserer Großherzogin, die selbst von jeher eine Freundin der Jugend und Jugenderziehung gewesen sei und in ben Sonntags- unb Kleinkinberschulen zu Lich unb Hohensolms oft bie Jugenb unterrichtet habe. Gerabe aus biesem Grunbe sei ber Geburtstag der Großherzogin, die ja unserer Nachbarstadt Lich entstamme, so recht geeignet zum Tag der Weihe eines Schulhauses, und dies möge eine gute Vorbedeutung sein für die Bestimmung des Gebäudes. Möge es allezeit dienen: dem Wissen, dem Vaterlande, der Erhaltung der Religion. Danach erfolgte die Ueberreichung des Schlüssels durch Bauleiter Mohr, Baurat Diehrn, Geheimrat Dr. Breidert, Bürgermeister Müller und Kreisschulinspektor Kleinschmidt. Dieser dankt der Gemeinde Hausen ür das Entgegenkommen gelegentlich de? Neubaues und hofft, daß aus diesem Gebäude ein Geschlecht hervorgehen wöge, das stark sei im Glauben an Gott, in der Liebe zum Vaterland und in der Treue zu deutscher Sitte. Die Schüler angen das Lied: „Lobet den Herrn", worauf das Schulhaus zur Besichtigung geöffnet wurde. Schon von außen präsentiert sich das schmucke, villenartige Gebäude in seinen chänen Formen und Farben recht vorteilhaft. Die beiden Schiilsäle im unteren Stockwerk entsprechen voll und ganz den Anforderungen der modernen Schulhygiene, die beiden geräumigen Lehrerwohnungen umfassen je sechs Zimmer. Der Bau wurde im Mai 1904 begonnen, nachdem ber Ge- meinberat bie Pläne bes Baurats Diehrn einstimmig angenommen hatte. Die Bausumme beträgt runb 45 000 Mark, wozu der Staat bisher 3000 Mark beigetragen hat.
(") Laubach, 18. Sept. Der hiesige Hofgärtner Buchholz erhielt auf der landwirtschaftlichen Ausstellung in Mainz für eine Kollektion selbstgezogenen Tafelobstes, fünf Sorten Birnen und Aepfel, die sich durch Größe und Schönheit auszeichneten, die große silberne Medaille. — Ihre Durchl. bie Gräfin-Mutter Solms-Laubach verweilte in dieser Woche zum Besuche bei Ihrer Kgl. Hoh. ber Groß- )ergogin in Darmstabt. — Zu dem gestrigen Brandbericht ist nachzutragen: Als die auswärtigen Feuerwehren eintrafen, war wohl bie größte Gefahr vorüber, boch griffen einige Wehren noch wirksam ein. Dec Abgebrannte ist mit
Aufsehen erregen vissenfchastlichcn W uiiott iarmltuDt, ll Kulturinspcktionen Urser und Stabte, u Üäne mit Sildutmn ndsdorf und Breiten Lreisobstbautechniker auBeroxbtntiid) saubi Ausgaben waren für bauschule in tzriedbe' ohne die Beihilfe _b fuhren, und das ist Iraste vorzüglich gel Tie Lbubauausst Halle unterbracht würdig erwiesen.
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3. Bekämpfung des Ausverkaufs wesens. Tas. Gesetz zur Bekämpfung des u nlauteren Wettbewerbs gewährte bisher nicht die Möglichkeit, gegen die Auswüchse des Äusverkauswescns mit dem gewünschten Erfolge vor- zugehcn. Da auch im hessischen Landtage, sowie im deutschen Reichstage diese Frag' wiederholt erörtert worden ist und eine Verschärfung des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs oder der Erlaß eines gewerbepolizeilichen SondergcsctzeS angeregt worden ist, so hat das Großh. Ministerium die Handelskammern um ein Gutachten darüber ersucht, auf welche Weife den vorhandenen Mißständen mit Erfolg entgegengetreten werden könne. Die Handelskammer erkannte an. daß die außerordentliche Zunahme der Ausverkäufe und die hierbei zutage getretenen Auswüchse zu großen Schädigungen für das Geschäftsleben geführt haben. Die Mehrzahl der Mitglieder konnte jedoch nicht dem Erlaß eines a:werbtvolizeittchen Sondergesetzes zustimmcn, da das Geschäftsleven schon jetzt durch viele Gesetzesvorschriften mehr als nötig in seiner Bewegungsfreiheit gehemmt ist. Dagegen erklärte sich die Minderheit der Kammermitglieder, bestehend aus den Herren Röhr und Jhring, für eine polizeiliche Anzeigepflicht und Genehmigung der Ausverkäufe. Mit Einstimmigkeit sprach sich die Kammer für das Verbot des Nachschubs bei Ausverkäufen jeder Art aus.
4. Ausgabe kleiner Reichsbanknoten. Im Frühjahr wurde dem Reichstage ein Gesetzentwurf vorgelegt. der die Reichsbank zur Ausgabe von Banknoten zu 50 und 20 Mark ermächtigte. Außerdem war in Aussicht genommen, nach Erlaß dieses Gesetzes die Neichskassenscheinc zu 50 und 20 Mk. einzuziehen und nur Reichskassenscheine zu 10 und 5 Mark in dem seitherigen Gesamtbeträge auszugeben. Der Handelskammer ist zwar nicht bekannt geworden, daß in ihrem Bezirk ein besonderes Bedürfnis nach der Vermehrung kleiner Papierwertzeichen hervorgetreten sei, sie erklärte sich aber mit den Bestimmungen des Gesetzentwurfs einverstanden, da sie von seiner Ausführung keine Schädigung des metallischen Charakters des deutschen Geldumlaufs befürchtet, andererseits hiervon eine Stärkung des Metallbestandes der Reichsbank zu erwarten ist.
5. Krankenversicherung d e r H a u s g e w e r b e- treibcnden. Von der Großh. Bürgermeisterei Gießen war die Handelskammer unter Zugrundelegung eines detaillierten Fragebogens um eine 'Auskunft über die Notwendigkeit und Durchführung der 'Ausdehnung der Krankenversicherungspflicht auf die Hausgewerbetreibenden ersucht worden. Die Handelskammer hat sich bereits früher mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse der Hausindustrie des Kammerbezirks gegen eine allgemeine ^Ausdehnung der Krankenversicherung auf alle Hausgewerbetreibende ausgesprochen, weil sie ohne große Härten technisch kaum durchführbar sein würde und int Falle der Durchführung ein nicht unerwünschtes Zurückgehen der Hausindustrie, namentlich der Hausyoeberei, zur Folge haben würde.
6. Sommers ah r plan 1906. Für den Sommer- sahrplan 1906 beschloß die Handelskammer, abgesehen von einigen sonstigen 'Aenderungen, die Einstellung durchgehender Wagen im Personenverkehr Frankfurt a, M.—Gießen— Kassel—Bremen und in umgekehrter Richtung während der Tagesverbindungen zu befiirworten. Ferner wird sie den Anschluß des Zuges 514 Gießen—Gelnhausen (Gießen alj 8.45 abends) an den Schnellzug 82 Köln—Gießen (Gießen art 9.05 abends) und das Anhalten eines ober mehrerer beschleunigter Personenzüge in Nieder-Ohmen beantragen.
7. Eingänge.
a) Das Kaiser!. Postamt Gießen hat der Handelskammer mitgeteilt,, daß gegenwärtig in der hiesigen Orts- fernfprecheinrichtung Vorrichtungen getroffen werden, bie das Älbläuten durch die Teilnehmer am Schluffe des Gesprächs unnötig machen. Mit der Vornahme der Aenderungen ist begonnen worden. Der Zeitpunkt, von dem ab das Abläuten weg fällt, wird noch besonders bekaitnt gegeben werden.
b) Der Handelskammer sind Mitteilungen zugegangen über eine für 1906 geplante internationale Ausstellung w Marseille, die Mehlausfuhr nach Finnland, die Erschwerung des deutschen Weinhandels in Rußland, Versicherungsagenturen in Tripolitanien, Absatz deutscher Putzbaumwollen in Transvaal, die Förderung der deutschen Ausftchr nach Birma, den Bau einer elektrischen Straßenbahn und den Ersatz von Holzbrücken in Shanghai, die Einftrhr von Biskuits m bunten Blechdosen nach China, Msatzverh-ältnisse und Produktion des Staates Queensland und ihre Bedeutung von Deutschlands Ein- und Ausfuhr Handel, Industrie und Verkehr in Brasilien, insbesondere in Rio de Janeiro, Erzminen im Staate Meranhao, Absatz von Wasserniessem, Textilwaren, Metallen und Hütrenindusttieartikeln tn Chile, den Eisenbahnbau im Bezirke Tepir in Mexiko, die Erschließung der Waldungen des Staates Michoacan (Mexiko), sowie über zweifelhafte Firmen im Lille, Paris, Bukarest, Rustschuk, Varna „Konstantinopel, Kairo
und Bombay.
Die Eingänge können während der üblichen Geschäftszeit im Bureau d-r einaefeben werden
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