Ausgabe 
19.9.1905 Zweites Blatt
 
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen

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RedakNon, Expedition u. Druckerei i Schulstr.R, Tel. Nr. 5L Lelegr^-Aür. i Anzeiger Vlehai»

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Nach einem Telegramm des Gouverneurs Grafen Götzen vom 17. ds. retteten sich die Missionare und Bene­diktiner der Mission Kiaonsera, Bezirk Ssongea, nach Wiedhafen. Der Wahehestamm, sowie der Sultan von Kiwcmga, Bezirk Mahenge, sind treu geblieben. Die Moha- medaner halten nach bisher eingegangenen Nachrichten überall zu uns. ___________________

Rotationsdruck und Berlog der SrÜhl'tche»

UnwerstlälSdruckerel. R. Laag«, Vietze»

Kirche und Lchule.

Von den von der Reichsregierung subventionierten und voii der Gesellschaft für deiitsche Erziehunfls- und Schulgeschichte heraus- gegebeiien MonumentaGermaniaePaedagogica erschien soeben Band XXIII. Dieser neue Band bildet den Schlußband der von D. Dr. Wilh. Diehl herausgegebenen Sch iilordn ungen des Großherzogt umsHessen und behandelt das V o l k? ° schulwesen der LandgrasschastHessen-Darmstadt. Das Buch ist ziinächst eine wertvolle Quellensammlung, denn es bietet auf Seite 203439 die Texte von 47 Schulordnungen und anderen für die Geschichte des Volksschnlwcsens in Hessen wichtigen Aktenstücken dar, die bis auf wenige den Forschern bisher unbekannt ivaren. Man würde aber das Buch falsch beurteilen, wollte man wozu der Titel verleiten könnte in ihm n u r eine Quellen­sammlung erblicken. Es bietet nämlich neben den Quellen auch einen auf eingehendstem Detailstudium beruhenden neuen Aufriß der Entwicklungsgeschichte des hessen-darmstädtischen VolkSschul- wesens von der Gründling der Landgrasschait (1567) bis zur Er­hebung Hessens zum Großherzogtum ' 1806), der aus einer Material­sülle, wie sie selten einem Forscher zu Gebote steht, die über­raschendsten Resultate aiis Licht zieht. Er zeigt z. B., daß der Entwicklungsgang der Volksschule in Hessen ganz anders verlief, als man bisher dachte, daß nicht die Zeit des großen Krieges, sondern der Begiim des 19. Jahrhunderts die traurigen Volks­bildungsverhältnisse geschaffen hat, mit deren Nachwirkungen wir heute noch zii kämpfen haben und giebt diirch das, was er über die Zlistände des Volksschulwesens vor dem 30 jährigen Krieg feft- slellt, nicht nur für die allgemeine Geschichte der Pädagogik, solidem auch für die Kirchen- und Kulturgeschichte ganz merkwürdige neue Aufschlüsse. Was das Buch gerade im gegenwärtigen Zeitpuiikt besonders anziehend macht, ist die Tatsache, daß eS deutlich erkennen läßt, wie eine ganze Reihe von Punkten, die die Führer der moderneii Volksschulbewegung ans ihre Fahne geschrieben haben, in der hessischen Vergangenheit bereits verwirklicht waren. Anch von diesem Gesichtspunkt aus darf das Buch als eine für weitere Kreise höchst beachtenswerte Erscheinung bezeichnet werden.

kommen. In einer weiteren Ansprache sagte der Ehren­präsident deS Comitß permanent, Geheimrat Dr. Bödicker, allen denen Dank, die sich um den Kongreß verdient ge­macht haben.

Hierauf begrüßte der Minister des Innern, Graf Dy­lan d t -Rheydt, namens der Regierung den Kongreß, wobei er das Bedauern deS Ministerpräsidenten v. Gallisch zum Ausdruck brachte, den Kongreß nicht persönlich begrüßen zu können.Daß der Ausbau des sozialen Versicherungswesens ein unabweiSliches Postulat ist, steht fest. Dabei verhehle man sich nur durchalls nicht, daß die soziale Versicherling nur einen Teil jener umfassenden sozialen Fürsorge bildet, die der Staat um seiner selbst willen denjenigen schuldet, die im Wettlaufe des Lebens nur ihre Arbeit einzusetzen haben. Den Geboten der Sittlichkeit zur Geltung verhelfen, bleibt immer der höchste Zweck jeder staatlichen Betätigung. Der sittlichen Forderung aber entspricht es, denjenigen, die auf den Ertrag ihrer Hände angewiesen sind, menschenwürdige Lebensführung zn sichern. Vorwärts schreitend dürfen wir den Blick nicht abwenden von diesem hohen Ziele, das der Staatskunst künftiger Generationen gesteckt ist, der Ver­wirklichung des Rechtes auf Existenz. Indessen müssen wir unS jedoch bescheiden und des Tages Arbeit auf das­jenige richten, waS unter den gegenwärtigen Verhältnissen zunächst für jehe geleistet werden kann, die durch ihr Alter oder durch widriges Geschick ihrer Arbeitsfähigkeit be­raubt sind."

Sodann begrüßte Oberbürgermeister Lueger den Kon­greß im Namen der Stadt Wien und verwies darauf, daß nicht nur Arbeiter, sondern auch die Kleinbürger und der Bauernstand eines Schutzes für dasAlter bedürfen. Es werde also Sache der Zuknnft sein, wenn die Arbeiter­versicherung auSgebaut werde, auch an die Versicherung dieser beiden Stände zu schreiten.

Deutsch-Afrika.

Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am 18. Sep­tember im Gefecht bei Nuhib westlich Haruchas ge­fallen: Sergeant Josef Groß und Reiter Emil Hauvtmann. Verwundet: Major Georg Maercker, geb. zu Balden- burg, früher im Generalstab der zweiten Division, schwer (Schuß in die linke Schulter), Assistenzarzt Dr. Alfred Korsch, geboren zu Danzig, früher Infanterieregiment Nr. 54, schwer (Schuß inS Becken, Unterleib und linke Schulter). Unter­offizier Fritz Winzer, Reiter Wilhelm Simon, Gefreiter Max Nitsche, Reiter Paul Zacher. Vermißt: SanitätS-Unter- offizier Karl Scholz. An Verwundung gestorben am 14. September Reiter Karl Sefz, genannt Bienk, infolge einer am 13. September erhaltenen schweren Verwundung. Nach­träglich wird gemeldet: Am 2. September auf Patrouille westlich Otjitjikna verwundet Reiter Heinr. Volkmer. Außerdem am 11.September auf Patrouille bei Haruchas verwundet Leutnant Hand Lorenz, geboren zu Kämen, früher Inf.-Regt. Nr. 117, schwer, nähere? noch nicht bekannt; Gefreiter Otto Fronzeck durch Unvorsichtigkeit eines Kameraden verwundet (Schuß in den linken Oberschenkel).

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züalich der Spezialisierung von Korsetten und Möbeln uno Möbcltciien aus massiv gebogenem, harten Holze Rechnung getragen. Zu dem vorliegenden Entwurf hat die Handelskammer eine weitergehende Spezials sierung für Werkzeugmaschinen befürwortet.

i) Nachdem die Heberegister für die Handelskammer beiträge für 1905 von Großh. Ministerium des Innern für vollziehbar erNärt worden sind, ist mit der Er­hebung der Beiträge begonnen worden. Die Ein­ziehung sämtlicher Handelskammerbei­träge erfolgt, wie im vergangenen Jvhre, durch die Großh. Bezirkskassen.

2. Gesehliche Unterdrückung des sogen. Gutscheinsystems im Warenhandel. Der von mehreren Verbänden des deutschen Tabakgewerbes eingesetzbv Trustabwehr-^AuSschuß hat den verbündeten Regierungen den Entwurf einer gesetzlichen Bestimmung zur Unterdrück­ung des sogen. Gutscheinsystems im Warenhandel voraelegt. Darnach soll derjenige, welcher bei Verkäufen und Liefer­ungen von Waren, für wiederholte Käufe Waren oder Leistungen anderer Art als Geschenk verspricht, auf Unter*

Geschäftsbericht.

Für den Winterfahrplan der Biebertal* bahn hat die Handelskammer die Herstellung eineS Anschlusses zwischen Zug 4 der Kleinbahn (Gießen ab 8 Uhr morgens) und Zug 1108 der Staatsbahn Wetzlar-Lollar in der Richtung GießenAbendstern Wetzlar beantragt. Zwischen Zug 8 der Kleinbahn (Gießen ab 1.20 mittags) und Staatsbahnzug 1111 WetzlarLollar konnte mit Rücksicht auf den Anschluß des letzteren Zuges in Lollar an den Personenzug 776 nach Frankfurt ein Uebergang in der Richtung GießenAbendsternLollar nicht hergestellt werden. Der W i n t e r f a h r p l a n 1 9 0 5/0 6 wird den früher von der Handelskammer geäußerten Wünschen zum großen Teil Rechnung tragen. Auf der Linie Gießen Fulda wird anstelle des seitherigen gemischten Früh­zuges 7523 GießenSalzschlirf (Gießen ab 4.50 morgend) ein Personenzug 521 GießenFulda ein­gelegt, der 5.50 von Gießen abfährt und 8.40 in Fulda eintrifft. Ferner wird am Nachmittag ein weiterer beschleunigter Personcnzug 538 von Fulda nach Gießen gefahren (Fulda ab 5.30, Gießen an 7.43). Abgesehen von einigen weiteren Aenderungen wird der" Schnellzug 81 FrankfurtGießenKöln (jetzt Gießen an 8.14 morgens) 8 Minuten früher gelegt, um den Anschluß an den Schnellzug 122 GießenKoblenz (Gießen ab 8. 10) zu erreichen.

Von der Königl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. war die Handelskammer um eine Auskunft ersucht worden, ob sich eine allgemeine Detarifier- nng der Fracht für Reihenpflastersteine auf die Sätze des Ausnahmetarifes für Wegebau st offe empfehle. Die Kammer hat in Uebcreinstimmnng mit den meisten Steinbruchbesitzern ihres Bezirks diese Frage verneint. Sie hat dagegen befürwortet, in die schon vorhandenen Ausnahme- sähe für einige Statiousverbiudungen des Direktions­bezirkes noch weitere Absatzplätze einzubeziehen, ferner Ausnahmefrachtsätze für Reihenpflastersteine von einigen oberhess. Stationen nach den dem Wettbewerb! ausländischer Steine ausgesetzten Plätzen am Rhein und an der Nordsee zu bewilligen und endlich die Fracht für Bruch- und Parklegesteine für Fundamen­tierungszwecke zu ermäßigen.

Ebenfalls von der Königl. Eisenbahndirektion Frank» furt a. M. war die Handelskammer um ein Gut­achten darüber ersuyt worden, ob und in welcher Weise sich eine Aenderung des Ausnahme- torifes für Wegebau st offe empfehle. Die Kammer hat hierzu die Aufnahme von Parklege- steinen in diesen Ausnahmetarif vvrgeschlagen. Ferner hat sie die Ausdehnung des Wegebaustofs- tarises auf Baumaterialien für Privatwege und die Beseitigung der Verwendungsbefcheinigung befür-, wortet.

Von der Königl. Eisenbahndirektion Berlin ist bei der Ständigen Tarifkommission beantragt worden, die PositionHolzessig (Holzsäure) usw." in Cpezialtarif I zu streichen und Holzessig, ebenso wie Speiscessig, zu den Sätzen der Allgemeinen Wagenladungsklasse zu verfrachten. Zur Begründung des Antrages wurde darauf hingewiesen, daß nach dem Urteile von Sachverständigen die jetzigen Tarif­vorschriften kein sicheres Mittel zur Tarifierung der zu gewerblichen und der zu Speisezwecken bestimmten Essigfabrikate gewähre, da Holzessig nach geeigneter Behandlung auch zu Speisezwecken verwendbar ge­macht werden könne. IM Interesse der Gärungsessi.g- indnstrie ihres Bezirks, die sich durch die jetzige tarifarische Bevorzugung des Holzessigs benachteiligt fühlt, hat die Handelskammer den 'Slntrag der KöniA. Eisenbahndircktion Berlin unterstützt.

Da die seitherigen Bestrebungen zur Beseitigung der differentiellen Behandlung des Siegerlandes einer­seits und des Lahn- und Dillgebietes andererseits in dem Ausnahmetarif vom 15. Januar dieses Jahres für den Brennmaterial lienverbrauch der Hütten- und ähnlichen Werke nicht den erhofften Erfolg hatten, so hat die Handelskammer im Verein mit den benachbarten Kammern des Lahn- und Dillgebietes und des Dera- und Hüttenmännischen Vereins in Wetzlar nochmals den preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten dringend gebeten, atSbald dem Dill- und Lahngebiet dieselbe Frachtenvergünstigung zu gewähren, wie dem Ciegerlande.

Dem Deutschen Handelstage wurden zu den bevor» stehenden Handelsvertrags - Verhandlun- gen mit Portugal die Wünsche der hiesigen Werkzeugmascninenindustrie zur weiteren .Veran­lassung übermittelt.

Der Entwurf eines neuen Statistischen Warenverzeichniffes hat den früher geäußer­ten Wünschen der Handelskammer, namentlich be-

6. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen, für die Kreise Gießen, Alsfeld nnd Lauterbach.

Protokoll-Auszug.

Gießen, 13. September 1905.

Anwesend die Herren: Kommerzienrat Heichelheim, stellvertretender Vorsitzender, Friedberger, Grünewald, Hoos, Jhring, Kliugspor, Nowack, Ramspeck, Röhr, Kom­merzienrat Schirmer, Wallach, sowie der Syndikus Dr. Knippen

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Nv. 320 Zweites Blatt. 158. Jahrgang Diensmg 10. September 1905

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^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der H W W B JgL Ü W&v EL W, JL

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Städtische Schweinezucht.

DaS Scherzwort des preuß. Ministers v. PodbielSki, Herlin solle bei der herrschenden Fleischteuerung eine städtische Schweinezucht größten Stils einrichten, ist nicht auf unfrucht­baren Boden gefallen. Es wurde aufgegriffen, und erst schüchtern, dann ganz offen und mit Betonung verlangt man von den deutschen Stadtverwaltungen, sie sollen im Ernst auf ihren Gütern Schlachtvieh für die Bewohnerschaft züchten.

Es ist ja nicht auffallend, daß es gerade die sozial­demokratische Preffe ist, die PodbielSkis Vorschlag diskutiert, giebt doch das Thema Gelegenheit zu Witzen. Aber daneben gehen streng wirtschaftliche Betrachtungen, und sie werden unter Hinweis auf die anderen glänzenden Wirtschafts­unternehmungen der modernen Gemeinden nicht ungeschickt vorgetragen, so daß tatsächlich unter dem Einflüsse der Teuerung mancher auf den Sedanken kommen muß, über die Einrichtung rationellerViehz achten durch die Städte laffe sich reden.

Es ist in unserem unruhigen Zeitalter des politischen Dilettantismus notwendig, die Frage der städtischen Schweine­zucht auf die richtige Basis zurückzubringen. Um e§ vorneweg zu sagen: das Thema kann bei jedem, der sich tiefer mit kom­munalen Angelegenheiten beschäftigt, und der öfters Gelegen­heit nimmt, forschende Blicke in das Innere des Aufbaues und des Getriebes städtischer Gemeinwesen zu werfen, nur ein Lächeln auslösen. Schon die erste Begründung einer städtischen Viehzucht mit dem Hinweis auf die städtischen Gas-, Waffer- und Elektrizitätswerke ist gründlich verfehlt. Es widerspricht den elementarsten Grundsätzen moderner Städtewirtschaft, daß sich die Gemeinden auf allen möglichen industriellen und gewerblichen Gebieten als Unternehmer be­tätigen sollen. Prinzipiell kann eine solche Betätigung nur bei denjenigen Betrieben begründet und verstanden werden, die monopolartigen Charakter tragen und ausgesprochen der Allgemeinheit zugutefallen.

Wenn eine Stadt wie Berlin große Gutskomplexe hat, so ist es selbstverständlich, daß sie, soweit daß im landwirt­schaftlichen Verwaltungsintereffe liegt, Viehzucht auf diesen Gütern betreibt. Tut sie das nicht, so begibt sie sich der Möglichkeit, alle jene landwirtschaftlichen Abfälle und mmber- wertigen Erntevorräte, die jeder verständige Landwirt durch Viehfütterung verwertet, auszunutzen. Wohin soll es aber führen, wenn ganz ernst in einem Blatte ausgeführt wird: Tie Mißerfolge der preußischen Ansiedlrmgspolitik wiirden gegenstandslos werden, wenn deutsche Großstädte auch kleinere Städte eventuell im Wege von Zweckverbänden sich dort im Osten mit geeigneten Gütern versehen und in denkbar rationellster und großzügiger Weise sich an die Aufzucht von Schlachtvieh begeben würden. Mittlere Städte, selbst einige Großstädte und Verbände von kleiner en Städten ivürden nach wenigen Jahren einen erheblichen Teil ihres Be­darfs an Schlachtvieh decken können. Für die ganz großen Städte würde diese Deckung für die ersten Jahre freilich verhältnismäßig noch gering sein. Aber durch eine allmähliche Erweiterung der Wirtschaften, durch weitere Erwerbung geeigneter Güter, durch die allmähliche Steigerung in der Intensität der Wirtschaft würden auch diese Großstädte doch einen so großen Anteil an der Deckung des Fleischbedarfs threr Bewohner haben, daß die Preisgestaltung auch in diesen Städten nicht unbeeinflußt baooir bleiben könnte."

Was soll man zu bieten Ausführungen sagen? Liegt bas im Aufgabenkreis ber Stabtverwaltung, ihre Bevölkerung ausreichenb mit Fleisch eigener Züchtung zu versehen? Dann sollte man die Folgerungen nicht vergessen. Den stäbtischen Schweinen folgen stäbtische Brote, stäbtische Milch, stäbtische Stiefel unb Röcke auf bem Fuße. Wenn nicht, bann wäre man inkonsequent. Unb von Inkonsequenzen soll man seine Finger lassen. Es lohnt sich eigentlich kaum, noch ein Wort mehr zu biefem Thema zu verlieren. Die Stabtver- waltungen haben ohnehin über die Massen mit ureigensten Angelegenheiten zu tun. Wenn sie ihren Aufgabenkreis auf wirtschaftlichem Gebiete im Interesse der Allgenteinheit durch­aus vergrößern wollen, so sollten sie nicht in den Ost­marken, sondern in der eigenen Gemarkung! Grund und Boden erwerben, so viel nur möglich, und unsert­wegen darauf selbst eine Schweinezucht anlegen. Dieser Grund und Boden in der Hand der Stadt würde der All­gemeinheit in einem Jahrzehnt soviel einbringen, daß die Stadtverwaltungen die städtischen Steuern bedeutend ermäßigen könnten. Mit bem auf diese Weise Ersparten könnten dann leicht teure Fleischpreise ausgeglichen werden. Aber mit einer selbständigen städtischen Schweine­zucht soll man unseren Bürgermeistern nicht kommen. Sie haben wirklich Besseres zu tun!

Der internationale Arbeiter-Bersichernngs-Kongreß.

Wien, 18. Sept.

Im Festsaale der Universität fand heute mittag die Zierliche Eröffnung des VII. intern. Arbeiterversicherungs- Kongresses statt, zu der sich etwa 1500 Teilnehmer aus den meisten Kulturländern eingefunden haben. U. A. waren er­schienen der deutsche unb ber italienische Botschafter. Der Ehrenpräsident des Organisationskomitees, der frühere Minister­präsident Dr. von Körber, hielt die Begrüßungsansprache, in der er darauf himvies, daß der wirtschaftliche Wettbewerb neuerer Zeit eine wesentliche Verschärfung erfahren habe. Die damit verbundene Sammlung der national-wirtschaftlichen Kräfte dürfte auch für die. Arbeitersebaft nicht ungenützt oorübergehen, um so mehr nicht, als sie einen der maß­gebendsten Faktoren des Konsums bilde und nicht in der Lage sei, sich für die durch die Verteuerung der Preise von ihr geforderten Opfer durch Nutzen an eigenen Unter­nehmungen schadlos zu halten.

Hierauf hieß ber Präsibent bes Organisationskomitees, HanbelSkammervräsibent Kürk-Wien, die Delegierten will-

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