Ausgabe 
19.5.1905 Erstes Blatt
 
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;-n ehter Entfernung von 40 Meisen von dem nördlich' von -er Hongkohebucht liegenden Varela an der russischen Flotte vorbeigekommen, die aus 42 Schiffen bestand und langsam nordwärts dampfte.

Der Berichterstatter des Reuterschen Bureaus sah auf x)er Fahrt nach Kwangsch auwan am Wend des 16. Mai 150 schwerbeladene Dschunken, wahrscheinlich mit Vor­räten für die baltische Flotte, 20 Meilen südwestlich von Kap St. John vor Mker liegen. Sie zeigten ihre Signal­laternen. Beim Herankommcn des Dampfers verschwanden die Lichter. In Kwang schau wan ist alles ruhig.

Der kranke Admiral RoschdjestwenSki.

Der Petersburger Korrespondent desEcho de Paris" meldet, es werde ihm aus bester Quelle bestätigt, daß RoschdjestwenSki die Admiralität benachrichtigt habe,, er müsse aus Gesundheitsrücksichten um seine Ersetzung bitten. Seine Mannschaft sei bei bester Ge­sundheit, nur er sei sehr krank und könne kaum auf seinem Schiffe einher gehen. Es wurde bekanntlich mitgeteilt, daß Roschojestwenski zur Zeit, als sein Ge­schwader im Roten Meer kreuzte, an Dhssenterie er- krantte. Jetzt handle es sich aber um eine ernstere Krankheit. Man spreche von allgemeinen Lähm­ungserscheinungen. In Petersburg erwarte man zwar, daß die Nachricht sich nicht bestätige, indes sei die Quelle des Korrespondenten so zuverlässig, daß hierfür Mve Hoffnung vorhanden sei. Admiral Birilew habe Befehl erhalten, sofort nach Wladiwostok zu reisen, um das Oberkommando zu übernehmen, sobald die Flotte dort eingetroffen sei. Der Admiral reise bereits am nächsten Sonntag ab.

In der Tat hat Birilew am 18. Mai eine 'Audienz beim Kaiser gehabt. Es ist also möglich, daß er nach Wladi­wostok kommandiert wird.

Admiral Nebogatow werde, so wird weiter berichtet, die Führung der Flotte bis Wladiwostok übernehmen.

Bekanntlich ging Noschdjestwenski wie weiland Ritter Don Quijote auf die Hammelherden, in der Nordsee aus friedliche englische Fischerboote los, und man hatte schon damals alle Ursache, den russischen 'Admiral für unzurech­nungsfähig anzusehen.

Die Japaner beim Erscheinen der baltischen Flotte.

Da? Erscheinen der baltischen Flotte im Sundarchipel war in Tokio eine große Ueberraschnni. Am Nachmittage des 8. April kam das erste Extrablatt: Hannibal ante portas! Am folgenden Tage herrschte in den Morgenblättern eine heillose Verwirrung. Das baltischePhantom", das man öffentlich verspottet, innerlich aber stets gefürchtet hatte, war zu Fleisch und Blut geworden. Wie war es möglich, daß Roshestwenski ungesehen in solcher Ge­schwindigkeit bis an die heimischen Gewässer gelangen konnte? Was wollte er? Welches Land würde im Unterschlupf geben und zum Verräter an Japan werden? Hageldicht sausten die Hiebe auf Frankreich und Holland: r9Bit werden uns keinen Augen­blick besinnen, denjenigen Hafen, der sich den Ruffen öffnen wird, als Operationsbasis des Feindes anzuschen und demnach zu behandeln", drohte dieNicht Nichi". Die offiziöseKoknmin". war völlig über­rascht und gestand das auch offen ein. In nervöser Aufgeregtheit wurde in den Blättern verhandelt, was der russische Admiral jetzt uach seiner Ankunft in den chinesischen Gewäffern tun wolle. Jetzt ist die Presse etwas ruhiger geworden. Sicher aber ist, daß noch kein Ereignis des nun mehr als einjährigen Krieges einen solchen wirksamen Eindruck gemacht hat, wie das plötzliche Erscheinen der baltischen Flotte auf dem Kampsplatze.

Wo steckt Togo?

Die Aufgabe der japanischen Flotte besteht, so schreibt die M.-C.*, darin, die rückwärtigen Verbindungen der Japaner aus der Mandschurei und Korea nach Japan zu erhalten, die Küsten Japans und die japanische Handels­schiffahrt vor den Belästigungen durch die russische Flotte zu schützen und der letzteren so viel Schaden zuzufügen, wie möglich. Die Idee, annehmen zu wollen, Togo würde den russischen Geschwadern 3000 Meilen weit von Japan entgegen­fahren, um eine Entscheidungsschlacht in fremden Gewässern, etwa gar in der Nähe von Französisch-Jndochina, herbei- zuführen, muß von vornherein abgewiesen werden. Bereits vor der Ausfahrt de§ zweiten baltischen Geschwaders ist von russischer Seite unverhohlen proklamiert worden:wenn man keine Basis in Ostasien habe, würde man sich eine schaffen". Das ist geschehen durch die Beharrlichkeit, mit welcher der russische Admiral trotz angeblicher Proteste Frankreichs in Französisch-Jndochina sich aufgehalten hat oder sich noch auf­hält. Er hat hier wenigstens Gelegenheit, seine Kohlen­vorräte einigermaßen zu ergänzen, Proviant einzunehmen und seine durch das lange Liegen in Madagaskar und die große Seereise jedenfalls angegriffene Schiff oberflächlich in Stand zu setzen. Würde Togo mit seiner Flotte ihn in diesen Gewässern aufsuchen, so begibt er sich selbstverständlich aller Vorteile eigener Stützpunkte und stürzt sich in alle Nachteile, welche die Russen genießen. Zu beachten ist vor allen Dingen, daß die russischen Geschwader mit jeder Meile, die sie weiter nördlich dampfen, in immer ungünstigere Verhältnisse hinein- kommen. Trotz des großen mitgcschteppten Kohlentrains wird die Kohlenversorgung der eigentlichen Kriegsflotte immer schwieriger. Die Beunruhigung der ruffischen Flotte siegt vor allen Dingen darin, daß kein Mensch weiß, wo die japanische Flotte sich eigentlich überhaupt aus­hält. In diesem Umstand ist eine meisterhafte Politik des japanischen Admirals unverkennbar.

In der Mandschurei.

Der Korrespondent des Reuterschen Bureaus bei der Armee des Generals Oku meldet über Fusan unter dem 14. Mai: Die Eisenbahn ist fertiggestellt und kann bis Tieling benutzt werden. An Stelle der zerstörten Brücken sind provisorische gebaut worden. Der Bahnbau nördlich von Tieling wird mit aller Macht gefördert. Das Material für die permanenten Brücken kommt von Japan. Tausende von Dschunken bringen Vorräte aus dem Liau von Niutschwang nach Tieling.

Das vierte baltische Geschwader.

Die Admiralität in Petersburg gab Befehl, alle Vor­bereitungen zur Abfahrt des vierten baltischen Geschwaders zu beschleunigen, damit dieses am 4. Juli aus lausen könne. Das Kommando wird Admiral Parenagow übernehmen.

Japanische Kriegsnoten.

Daß Japan sich schon feit längerer Zeit in Finanznöten befindet ist bekannt. Jetzt sucht sich der Staat mit Kriegsnoten zu helfen. Diese Noten sollen nach dem Kriege nicht zurückqezahlt werden, sondern weiter gültig bleiben. V,4 heute sind 36 Mill. Ten. in KrieaSnoten in der Mandschurei in Umlauf. Man rechnet bis au? 60 Mill Ten. ... . ____ it. .. .

Kuß'and in Sturm uni) Drang.

Dir Rücktritt des Ackerbauministers.

Wie bereits gemeldet wurde, verläßt der Ackerbauminister Jermolow seinen Posten. Jermolw* hat Ende Februar

b. I. einen Augenblick lang das Ohr deS Zaren besesien und jene Gelegenheit benutzt, um dem Herrscher eine Denkschrift über die Notwendigkeit einer Verfaffung zu überreichen. Solchen Mann kann die jetzige Reaktion nicht brauchen. Ihr ist der jetzige Minister des Innern, Herr Bulyain, weit genehmer, der seit vier bis fünf Monaten an derschleu­nigen^ Einberufung, nicht etwa einer Volksvertretung, son­dern einer bloßen Vorkonferenz arbeitet, die über die Form einer Volksvertretung zu beraten hätte.

Obwohl von dem Rücktritte des Landwirtschastsmiuisters Jermolow längst die Rede gewesen war, kam doch die vollendete Tatsache auch sonst gut unterrichteten Kreisen un­erwartet. Sein Abschied soll mit der vollständigen Re­organisation des Landwirtschaftsministeriums Zusammenhängen. Es soll geplant werden, alle verschiedenen Ressorts der verstreuten Bauerninstitutionen zum Zwecke der Ausführung der projektierten Reformen in einem speziellen Ministerium zu konzentrieren. Selbst die Bauern­agrarbank soll darin ausgenommen werden. Jedoch ist noch alles unbestimmt, da die Sache äußerst geheim gehalten wird. Ueber den Nachfolger verlautet auch nichts Zuver­lässiges. Man nennt Goremykin und Ssttchomlinow, den früheren Odessaer Adelsmarschall und Obolenski, den früheren Adjunkten des Finanzministers.

Die Hinrichtung des Mörders des Großfürsten Sergins.

Wie man derNeuen Freien Presse" aus Petersburg telegraphiert, wurde der Mörder des Großfürsten Sergius, Kalajew, bereits gehängt. Als der Justizminister wegen dessen Begnadigung beim Zaren vorstellig wurde, gab dieser keine Antwort, sondern sah zum Fenster hinaus.

Iwan Kolajew war identisch mit jenem Studenten Kola- jew, der im Jahre 1902 sich in den Händen der preußischen Polizei befunden hat. Im Juli 1902 reiste Kolajew von Lemberg, wo er ein halbes Jahr studiert hatte, nach Berlin, aber unterwegs, in der Grenzstadt Myslowitz, wurde er von den preußischen Behörden verhaftet. Man fand bei ihm einige Broschüren und Nummern derIskra", des russischen sozialdemokratischen Blattes. Kolajew wurde drei Wochen in Haft gehalten und dann der russischen Negierung ausgeliefert. Ueber diese Auslieferung, die sie als völkerrechtswidrig be­zeichneten, haben die Sozialdemokraten im deutschen Reichs­tag die Regierung mehrfach interpelliert.

Ausiand.

Christiania, 18. Mal. Bei der Festlichkeit, die der Staatsminister Michels en gestern abend aus Anlaß des Verfassungstages den Mitgliedern des Storthings und der Regiermng gab, hielt der Staatsminister eine Rede, in der­er sagte, noch sei das Wort der Verfassung, das von Nor­wegen als einem freien und selbständigen Reich spreche, nicht durchgeführt.

London, 18. Mai. Die Regierung hat endgiltig be- Ben, den Hafen von Gibraltar zu vergrößern

Erbauung eines neuen Wellenbrechers. Der Zweck davon ist, den Hafen in den Stand zu setzen, eine bedeutend größere Anzahl Kriegsschiffe als dies bisher möglich war, aufzunehmen.

Brüssel, 18. Mai. König Leopold begibt sich in den nächsten Tagen nach Ems zur Kur.

Madrid, 18. Mai. Ms Erwiderung auf seine Er­nennung zum General der englischen Armee hat der König von Spanien den König Eduard zum Admiral der spanischen Flotte ernannt.

Belgrad, 18. Mai. Ministerpräsident Pasitsch hat beschlossen, die Frage bezüglich der Offiziere, die am Königsmord beteiligt gewesen sind, endgiltig zu regeln. Sie werden in die Provinz verseht. Das 6. In­fanterieregiment, welches an der E r m o r d u n g des Königspaares hauptsächlich beteiligt war, wird nach Schabatz verlegt. König Peter hat bis jetzt dieses Projekt noch nicht genehmigt'.

Petersburg, 18. Mai. Der Gehilfe des Oberpro- lureurs des Heiligsten Synod von Ssabler wurde zum Mitglied des Reichsrates ernannt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 19. Mai 1905.

** Personalien. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen dem Mitglieds der freiwilligen Feuerwehr zu Groß-Rohrhcim Bachmann. Am 17. Mai d. I. wurde der Dammwärter B i e r b a u m zu Worms zum Schleusen- und Hafenmeister zu Kostheim ernannt.

** Das Preis gericht für unser Stadt­theaterprojekt ist seit heute morgen in Tätigkeit. Der 1. Preis konnte nicht vergeben werden. Der 1. und 2. Preis wurden geteilt, und es erhielten Fellner und Helmer in Wien in Gemeinschaft mit Architekt Hans Meyer in Gießen sowie Professor Dülfer- MÜnchen je 1250 Mk. Tittrich-München erhielt den 3. Preis mit 500 Mk. Zum 4. Entwurf, dessen Verfasser zur Stunde noch unbekannt ist (mutmaßlich S eh ring - Eharlottenburgs) wurde empfohlen, ihn anzukaufen. Das Preisgericht wird voraussichtlich vor Montag seine Tätig­keit beendet haben; die öffentliche Ausstellung der Entwürfe wird alslo erst nächste Woche stattfinoen können.

* Theateraufführung Gie ßener Studenten in Mainz. Wir lesen imM. Tagebl.": Eine Theater- aufführung von 60 Gießener Studenten war hier geplant. Zur Aufführung sollteWallensteins Lager" und die Rütli-Szene gelangen. Unter den Mitwirkenden befanden sich auch eine größere Anzahl aus Mainz gebürtiger Stu­denten. Leider hat man in den letzten Tagen von der Ver­anstaltung nichts mehr gehört, so daß man annehmen muß, daß das Anerbieten der Gießener hier keine Gegenliebe gesunden hat.

** Die Kreisgruppe Gießen des Deutschen Flottenvereins hielt gestern abend ihre Hauptver- sammlung im Cas6 Ebel ab. Der Vorsitzende Geh. Hofrat Prof. Dr. Oncken begrüßte die erschienenen Mitglieder und erteilte dem Schriftführer Eisenbahntelegraphisten Schad das Wort zu- dem Rechenschaftsbericht. Hieraus ist zu ent­nehmen, daß die Milgliederzahl am 1. Januar 1904 in der Stadt Gießen 490 Mitglieder betrug: 35 schieden durch Tod oder Wegzug ans, wofür 38 neu hin zu trat en, sodaß am 1. Januar 1905 die Mitgliederzahl sich auf 493 beläuft. Die Zabl der auswärtigen Mitglieder stieg von 120 auf 123: die .Vfi-J : zählt mithin insgesamt 616 Mit­glieder^ Nach b.' chrungSabschluß für 1904 beträgt die

Gesamieinnalsine . 51 Mk.; sie setzt sich zusammen aus

den Mitglieder^ . n ans Gießen mit 770 Mk., aus dem Landbezirk 90 Mk. rstbuß aus 1903 12,35 Mk., Zinsen 9,27 Mk. und bcm Erlös einer Sammlung im Gymnasium,

Die 'Ausgaben beliefen sich auf ivisgesamt 913,36 Mk. Da­nach wurde dem Stcvdtb. Helm das Wort erteilt, der im Verein mit K'reisamtmann Dr. Kr an zb ü hler die Jahres­rechnung geprüft und für richtig befunden hatte. Universi­tätsbibliothekar Dr. Heußer beantragte die Haftung des Rechners unter Ausspruch d ss Dankes, was uurch den Vorsitzenden geschah. Die seitherigen Vorstandsmitglieder wurden per 'Akklamation einstimmig wiedergewählt. Ms Mgeordnetc zu der am 4. Juni in Offenbach stattfindenden Hauptversammlung des Landcsvereins wurden gewählt: Geh. Hofrat Prof. Dr. O n ck e n, Kirisamtmann Dr. Kranz­bühler, Dr. Heußer und Schriftführer Schad.

Bad-Nauheim, 18. Mai. Ein Berichterstatter des Newyork-Herald" hat den in Nauheim zur Kur weilenden amerikanischen Staatssekretär Hay besucht und fest­gestellt, daß ihm die Bäder gut bekommen. Herr Hay selbst erklärte, daß er sichiganz wohl befinde. Herr Mason, der amerikanische Generalkonsul in Berlin, leistet Herrn Hay Gesellschaft. Der Erfinder des lenkbaren Luftschiffes, Graf Zeppelin, ist mit Familie zur Kur hier einge­troffen und hat im Hotel Augusta Viktoria Wohnung ge­nommen.

H a r t m a n n s h a i n, 18. Mai. Heute wurde am hie­sigen neuen Stationsgebäude das Hotzwepk aufgeschlagen. Der untere Stock dieses Gebäudes ist fast durchweg aus Basalt erbaut und umfaßt neben Dienstraum und Güter­halle einen Wartesaal für 1. und 2. Klasse und einen solchen für 3. und 4. Klasse. D^er obere Teil ist aus Holzsachwerk und gibt eine sehr geräumige Wohnung für den Beamten. Der ganze Bau erregt Aufsehen, weil er in altertümlichem Bauernstil errichtet ist, wozu Architekt Hofmann den Plan aemacht hat. Unweit des Hauses wird auch noch ein Wasser- turm, der aus der hiesigen Wasserleitung gespeist wird, erbaut. Der Bahnbau schreitet rüstig vorwärts, sodaß die Fertigstellung noch diezes Jahr zu erwarten ist. Der hiesigen Gemeinde steht durch den Bahnbau noch eine wertere Einnahmequelle in Aussicht. Sie steht nämlich mit einer Gesellschaft in Unterhandlung, welche den beim Ort liegenden Berg,Die kalte Buche" genannt, erwerben will, um den darin liegenden, als sehr gut besimdenen Basalt zu verarbeiten.

Darmstadt, 18. Mai. Die Stadtverordneten- v e r s a m l u n g beschloß in ihrer heutigen Sitzung unter ge­wissen Modifikationen die Bewilligung von Ruhegehältern und Hinterbliebenen-Versorgungen an nicht voll- beschäftigte städtische Bedienstete und Arbeiter. Eine entsprechende Neuregelung der Pensionsverhältnisse wurde auch für die Wagenführer und Schaffner der elektrischen Straßenbahn festgesetzt.

Worms, 18. Mai. Gestern nachmittag gegen 4 Uhr entgleisten kurz hinter Ho fheim, wo sich die Bahnen nach Bensheim und Darmstadt trennen, mehrere Güter­wagen. Der Verkehr war deshalb zeitweilig gesperrt. Auf die Meldung von dem Unfall wurde sofort ein Hilfszug abgelassen und die Personenbeförderung durch Umsteigen wiederhergestellt. Inzwischen waren zahlreiche 'Arbeiter an der Unfallstelle mit der Beseitigung des Verkehrshinder­nisses beschäftigt. Mit Schnelligkeit wurden die nötigen Maßregeln getroffen, sodaß kurz nach 'Abgang des Hilfs- ^uges ein Verbindungszug ab gelassen werden konnte, der oen Bahnverkehr aufrecht hielt.

Marburg, 18. Mai. Das 6 0jährige Berufs- jubiläum feierte gestern einer unserer angesehensten Mit­bürger, 'Apotheker und Vizebürgermeister a. D. Friedrich Siebert. Am 17. Mai 1845 begann seine pharmazeutische Lehrzeit in der hiesigen Universitätsapotheke zum Schwan, die dann am 1. September 1869 in seinen Besitz überging. Vom 1. Januar 1891, nachdem er die lUpotheke seinem Sohn, Dr. Karl Siebert, übergeben hatte, verwandte Herr Siebert Zeit und Kraft vorherrschend für die Entwicklung der ihm zur Heimat gewordenen Stadt Marburg, zu deren popu­lärsten Persöulichkeiteir er heute zählt.

Erda, 17. Mai. Unsere Typhusepidemie ist leider immer noch nicht ganz zu Ende. Augenblicklicher Bestand: Im hiesigen Krankenhaus 4, in der Klinik zu Gießen 4. Doch werden voraussichtlich diese Woche noch einige zur Ent- lasstlng kommen. (W. Anz.)

Kandeü unb Derkc! r. AolLswiNschast.

Berliner Börse vom 18. Mai 1905.

(Mitqeteitt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen«) Privat-Diskont 2% Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurfe.

Oest. Kredit.

. . 210.00

210.70

Deutsche Bank

. . 237.10

237.10

Darnfftädter Barck

. . 141.00

141.90

Bochumer Guß .

. 241.00

241.00

Harpener Bergbau . . 212.00

Tendenz: Ruhig.

212.00

Erz-Kuxe.

Fernie. Aiwebot 3525, Nachfrage 3475. Atlsbeuten und Zu­bußen, 1903: 225; 1904: 300.

Berlin, 18. Mai. DerReichsanK." meldet: In bet heutig en Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank be* merkte Präsident Koch, daß die Lage der Bank wesentlich nach­teilige Veränderungen nicht erfuhr. Die Anlage sei zwar mit 973 Mill. Mk. ziemlich noch um 82 Milt, größer als im Vor­jahre, um 181 bezw. 113 Mill. Mk. größer als 1902 und 1901 und gegen 1903, in welckem Jahre die Schatzanweisungen um 66 Mill. Mk. stärker gewesen seien, um 46 Mill. Mk. kleiner. DaS Wechselporteseuille sei mit 826 Mill. Mk. nur um 6 bezw. 7 Mill. Mk. stärker als in den beiden letzten Vorjahren, aber der Metallvorrat sei mit 1074 Mill. Mk. nm 142, 150, 13 und 125 Mill. Mk. größer als in den letzten vier Vorjahren. , Der Goldvorrat übersteige den von 1904 um 160 Milt, und sei um diese Zeit des Jahres uock niemals so groß gewesen. Die. fremden Gelder mit 666 Mill.' Mk. seien um 170, 8, 96, und 49 Mill. Mk. größer als in den letzten vier Vorjahren. Ungedeckte Noten seien mit 136 Mill. Mk. weit weniger ausgegeben, gegen 1902 allerdings 55 Mill. mehr. Die steuerfteie Notenreserve von 333 Mill. Mk. sei gegen die beiden letzten Vorjahre eben­falls weit größer, gegen 1902 allerdings um 45 Mül. Mk. kleiner. Der Berliner PrivatdiSkont schwanke im Mat zwischen 2Vi und 2Vs, die fremden Wechselkurse ließet: Goldausgänge ins Ausland nicht besorgen. Zu einer Diskontveranderung sei Anlaß nicht geboten. Der Zentralausschuß war hierniit debatte­los einverstanden.

Märkte.

() Marburg, 18. Mai. Der heute hier abgehaltene Schweinemarkt war in jeder Beziehung sehr lebhaft und so konnte sich trotz der hohen Preise em flotter Handel ent­wickeln. Bei einer Gesamtzufuhr' von 1022 Schweinen bezahlte man für 46 Wochen alte Saugserkel 3045 Mk., für 34 Monate alte Läufer 6575 Mk. und für 56 Monate alte Mast­schweine 90120 Mk. pro Paar je nach Größe und Qualität. Der Markt wurde fast a u s v e r k a u f t.

te. Frankfurt a. M., 19. Mai. <Orig.-Telegr. desGieß. Anz.") V i e h m a r k t. Zum Verkauf standen 714 Kälber, 61 Schafe und Hämmel, 402 Schweine. Kälber 1. Qual. 8790 Psg., Lebendgewicht 5254 Pig-, 2. Qual. 7880 Pig., Lebendgewicht 4648 Pig., Schlachtgewicht 6266 Pfg. Schafe 1. Qualität Schlachtgewicht 7274 Psg., 2. Qualität 6466 Psg. Schweine 11. Qualität 6768 Pfg., Lebendgewicht 53.50 Psg., 2. Quah