Nr. 40
Atvcites Blott. 188. Jahrgang Donnerstag >0. A-rdruar 1808
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.Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der UW F N W N Z R L Z> | U U "X U UP U. JL Redaktion.Expedition a.Druckerei: Schulstr.«»
«hesstichg taitirtrt“ erscheint monatlich einmal. ZU " M Tel. Nr. 61. Letegr.-Adr,i Anzeiger Gießen»
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigedlatt für den Kreis Gießen.
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KrlNscher Landtag.
R. B. Darmsta dt, 15. Februar.
Am MinisteOsch: Finanzminister G n a u t h, Ministerialrat Dr. Eisenhut, Geheimer Oberschulrat Nodnagel, Ministerialrat Weber.
Die Sitzung wird um 9 1Jt Uhr eröffnet. Das Haus fetzt die Beratung bei Kap. 38, Gymnasien, Realschulen rc. fort Die
Gießener Schulangelegeuheit.
Geh. Oberschulrat Nodnagel fuhrt aus, er habe in tier Zwischenzeit das Aktenmaterial über die Gießener Angelegenheit noch einmal gründlich durchgesehen und er sinde eine merkwürdige Uebereinstimmung sowohl im Gedankengang, wie in den einzelnen Sätzen zwischen den Ausführungen Dr. Davids und den pseudoanonymen Ausführungen der Druckschrift. Dr. David habe dem Gießener Gymnasialdirektor Dienstunfähigkeit vorgeworfen, durch welche die Disziplin gelockert werde, daß er Ausbrüche des Jähzorns erhalte, Mangel an Objektivität Lehrern und Schülern gegenüber beweise rc., kurz, daß der Beamte nicht für seinen Posten geeignet sei. Alles das sei auch in der Druckschrift enthalten und so übereinstimmend, daß er annehmen müsse, Herr David habe lediglich seine Anklagen auf dieses Schriftstück aufgebaut. (Dr. David ruft: Nein!) Herr Dr. med. Klein ist auch durch reichsgerichtliches Urteil vom 29. November 1903 endgültig verurteilt worden, seine Anklagen gegen Direktor Schädel wurden als völlig unhaltbar zurück- gewiesen. Dann erschien im Januar 1904 das im Druck vervielfältigte Schreiben und bei der eingeleiteten Untersuchung stellte Dr. Klein mit voller Bestimmtheit in Abrede, irgend etwas mit dem Schreiben zu tun zu haben, ja er bezeichnete selbst das Schreiben als gemeinen Schwindel und grobe Mystifikation. Auch das gesamte Lehrerkollegium des Gymnasiums wies mit Entrüstung zurück, mit der Schmähschrift in irgend welcher Verbindung zu stehen. Da eine Ermittlung des Versaffers nicht gelang, mußte man sich damit begnügen, dasGanze als einnichtswürdigesBuben- stück zu bezeichnen und auf sich beruhen zu lassen. Gegenüber der Behauptung, daß in Gießen kein normales Verhältnis zwischen Direktor und Lehrerschaft bestehe, erinnert Redner an die früheren Zustände in dieser Anstalt. ES habe Leute gegeben, die da knirschten, um den Direktor Schiller dort wegzubringen und es sei ihnen doch nicht gelungen. Unter Dr. Schädel hätten sich die Zustände lediglich gebessert, eine „Diebesbande" sei unter seiner Leitung dort nicht gewesen. Dagegen habe Direktor Schädel eine S ch ü l e r- verbindung aufgedeckt, der auch angesehene Leute, ein Rechtsanwalt u. a. als alte Herrn angehörten, die den Humbug der Schüler mitmachten, und diese Verbindung bestand seit 1885, also zu einer Zeit, in der auch Herr Dr. David dem Lehrerkollegium angehörte. (Heiterkeit.) Er wiederhole, daß Dr. David in seiner Anklage keine Spuren von Beweisen vorgebracht, sondern einfach behauptet habe, „das pfeifen die Spatzen vom Dach" — er fürchte, das sind keine harmlosen Spatzen, sondern viel schlimmere Vögel, das sind ganz nichtswürdige Verleumder. Er erwarte mit Sicherheit, daß Dr. David seine völlig unhaltbaren Verunglimpfungen des Beamten wieder zurücknehmen wird, wenn er keine Beweise dafür einbringen kann.
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Kunstverein.
Gießen, 16. Februar 1905.
Blumen und Teppiche, fremdartige Stühle und Vasen — in fo ungewohnten: Schmuck präsentiert sich gegenwärtig der Aus- stellimgssaal, zum Zeichen, daß etwas Besonderes und Modernes den Blicken geboten wird. Es ist eine reichhaltige und wertvolle Sonderausstellung des Berliner Malers F. D. L a n g e - D e d e - kam, der kein Fremder in Gießen zwar, aber doch bisher zu wenig und nicht durch eigentlich charakteristische Leistungen bekannt war. Als Landschaftsmaler und Porträtist tritt er uns hier entgegen, nt beiden Gebieten originell und zumeist recht glücklich in, der feinberechneten Wiedergabe zarter, versteckter und komplizierter Reize, die er auch unscheinbaren Gestaltungen der Wirklichkeit abzulauschen sucht und versteht. Sein Selbstporträt, in schlichtem grauen Grtmdton gehalten, das lebensgroße Kinderporträt „Lotte" mit seinen verschiedenen roten Tönen, das strenge Profil bild (41) und das in lebhafter Bewegung dem Beschauer sich zuwendende und durch diese Aktion zu gesteigerter Bedeutung gebrachte Bildnis (45), endlich die hübsche Kindergruppe verraten einen erfahrenen Porträtisten, der, ohne zu schmeicheln, seinen Gestalten die besten Seiten unb die glücklichsten Momente abzugewinnen versteht.
Mehr noch tritt sein künstlerisches Gestaltungsvermögen in den Landschaften hervor. Sic sind keineswegs auf einen Ton gestimmt; wenn auch die weichten und zarten, die dämmrigen und duftigen überwiegen, Frühling und Herbst bevorzugt sind vor dem schärferen Licht, den grelleren Farben des Sommers, so spricht doch auch ans diesen kräftig leuchtenden Bildern dieselbe Freude an den Farbenwundern, die ein empfindliches Malerauge in der Natur allezeit und überall entdeckt. Und was dabei besonders auffällt und Lob verdient, ist die Anpassung der Technik an das Motiv. Jedem Gegenstand mit jeder beliebigen Technik und Darstellungsweise beizukommen ist Virtuosenart, die blendende Effekte erzielen mag, aber selten erwärmt; der edytc Künstler findet mit sicherem Instinkt den passendsten Aus- drilck für jeden künstlerischen Gedanken. Wie prächtig treten in der harten, grellen Tuschmanier die phantastischen Felsgruvpen der E i f e l l a n d s cha f t e n heraus, wie sckMeichelnd weich muten in bei: ruhigen, gleichsam körperlosen Tempera die Sicher Herb st bilder an. Ter Maler liebt weite Fernsichten, auch Blicke von hohen Bergen, die nicht nach jedermanns Geschmack sind (man sehe die Gl e i b e r g b l i ck e 4, 5 und besonders 36) und fast alle seine Landschaften verlangen großen Abstand, in dem sie überraschend an Wirkung gewinnen, wie z. B. der. Nachmittagsfriede (17) und das Mare in Abendstimmung (14); immer aber erscheint ein interessantes Stück Welt in reizvoll künstlerischer Gestaltung. Tas klar leuchtende, sonnige Waldbild des Spiegelsees am Heiligen Tamm, die Hondscheinstudien mit ihren unförmlichen, ungewiß schimmernden Baummassen bezeichnen viel-
Abtz. Ulrich bemerkt, er sei verwundert über die Entrüstung der Herren am Recfierungstische, sie hätten sich doch wenigstens erkundigen müssen, welche Motive und Unterlagen 'Dr. David für seine Ausführungen hat. Er sei bereit, sein Material dem Scniorenkonvent des Hauses vorzulegen. David habe auch gegen die Person des Direktors Schädel nicht das geringste gesagt, sondern lediglich gegen dessen Dienstführung. Man müsse nach den in! Gießen vorgekommenen Fällen annehmen, daß der Direktor sehr nervös sei. Das könne ihm ja nicht zum Vorwurf gemacht werden, die Folgen müßten aber in Zukunft verhindert werden. Auch andere Leute litten, ja an überreizten Nerven, wie die gestrige Debatte bewiesen habe. Da habe Herr Dr. Eisenhut mit seiner Bärenstimme sich gegen Dr. David gewandt, dessen Flötentöne dagegen ganz verschwinden mußten. (Heiterkeit). Es sei aber nicht angebracht, daß der „Bä'c" sich noch über das Stimmchen des „kleinen Tieres" beschwere. Wenn der Bär sich überbrüllt (hier unterbricht der Präsident den Redner nnb bemerkt, es sei nicht zulässig, in dieser Weise von Regierungsvertretern zu sprechen). Ulrich führt dann aus, die Zustände in Gießen könnten jeoensalls nicht so bleiben. Es habe sogar schon ein Oberlehrer eine Nervenheilanstalt aufsuchen müssen. Redner wirst schließlich. Herrir v. Brentano vor, seine Ausführungen seien bestellte Arbeit gewesen. (Abg. v. Brentano ruft: Sie lügen ja!) Präsident Haas ersucht uin Unterlassung aller Zwischenrufe.
Mg. v. Brentano ruft: Dann bitte ich doch, mich dagegen zu schützen.
Präsident Haas: Wenn Sie die Zwischenrufe nicht unterlassen, rufe ich Sie zur Ordnung.
Abg. v. Brentano: Das ist mir egal!
Präsident: Herr v. Brentano, ich rufe Sie zur Ordnung!
Abg. Ulrich ftagend: Wer lügt nun?
Abg. v. Brentano ruft erregt: „Sie, Sie!" Der Präsident ruft darauf den Abgeordneten nochmals zur Ordnung, wogegen dieser und die «große Mehrheit des Hauses Widerspruchi erheben und den Präsidenten darauf Hinweisen, daß Ulriche der Provozierende gewesen sei. 'Der Präsident fordert darauf den Abg. Ulrich auf, jede persönliche Polemik zu unterlassen. Dieser führt dmm weiter, aus, schon gestern sei ihm vom Abg. v. Brentano gesagt worden: Ihr habt aber heut wieder eine schöne Ohrfeige gekriegt. (Heiterkeit.)
Der Präsident ruft den Mg. Ulrich zur Sache. Redner führt dann weiter aus, Dr. Schädel sei kränklich und sollte eine Heilanstalt aufsuchen. Wenn gestern bedauert wurde, daß sich die Beamten mit Vorliebe hinter die Sozialdemokratie steckten, so könne er sich nur darüber freuen. Wenn die Regierung jetzt eine amtliche Untersuchung ablehne, so müsse er das Haus bitten, zu beschließen, daß es von der Regierung eine solche verlangt.
Ministerialrat Dr. Eis en Hut erklärt, es sei ihm nicht eingefallen, dem Mg. Dr. David irgend welche Vorwürfe persönlicher Art machen zu wollen. Mer Herr Ulrich suchte die ganze Sache heut anders darzustellen, als es gestern Dr. David in Wirklichkeit tat. Er sei überzeugt, daß die Gießener Beamten zu ihrer Behörde volles Vertrauen hätten, denn sie wüßten, daß sie bei ihm jederzeit volle Gerechtigkeit fänden. Wenn 'David und Ulrich diensteidliche Vernehmunlg der Oberlehrer verlangten, so sei zunächst in einer Disziplinaruntersuchung eine diensteidliche Vernehmung nicht übfich und er habe auch zu unfern Oberlehrern das Vertrauen, daß sie auch ohne besondere eidliche Verpflichtung die volle Wahrheit sagen. Die schweren
Angriffe Dr. Davids gegen die unbescholtenen Beamten habe er gerade nicht für Flötentöne halten können. Er, Redner^ sei über diese Beschuldigungen mit Recht entrüstet gewesen und glaube, daß dies auch bei ähnlichen ungeheuerlichen und ungerechtfertigten Anklagen der Fall sein werde.
Mg. Adelung polemisiert in längeren Ausführungen gegen die gestrigen Aeußerungen des Mg. v. Brentano! und wird dabei 'so persönlich,, daß er vom Präsidenten! zur Sache gerufen werden muß.
Mg. Dr. Schmitt wendet sich gegen die Ausführungen Ulrichs. Dieser hätte bemerkt, daß z. B. auch Mg. Köhler bei der Eberstädter Kindmordssache noch ganz anders gegen die Beamten losgezogen sei; Herr Köhler hatte aber den Mut, das öffentlich unter seiner Verantwortung zu tun. Dem Vorgehen Dr. Davids gegenüber müsse er an das uns von Herrn Ulrich eingeprägte Sprüchlein denken: Der schlechteste Mann im ganzen Land, das tfti und bleibt der Denunziant! Dr. Schädel gehört den bürgerlichen Parteien an, und damit sei ja das Vorgehen gegen denselben seitens der Sozialdemokraten gekennzeichnet. Man dürfe nicht verlangen, daß diese Herren die Rücksicht üben sollen, die sie von andern Parteien als selbst verständlich erwarten. Er stimme ganz dem bei, was in der Sache vom Regierungstisch gesagt wurde: Wenn man derartige schwere Vorwürfe gegen einen in geachteter Stellung befindlichen Beamten erhebe, müsse man auch! bie absoluten Beweise dafür in der Tasche haben und nicht hier auftreten und sagen: Ich erhebe hier diese Beschuldigungen, nun gehe Du hin und suche Dir die Beweise dafür (lebhafte Zustimmung). Nun will uns Herr Ulrichs heute beweisen, es sei ja garnichts werter vorgekommen, Dr. David habe ja garnichts gegen Dr. Schädel gesagt, der! Mohr sei ja ganz weiß. (Große Heiterkeit.) Das beweist doch die Empfindung eines Gemütsmenschen, daß ich sagen muß nach einem rheinhessischen Wort: Da steht mir mein bißchen Verstcmd vollständig stille! (Wg. Ulrich ruft: DaL glaube ich!) Ich kann nur wünschen, Herr Ulrich, möchten Sie doch noch recht ost solche „Erfolge" erringen, wie in der gestrigen und heutigen Debatte! Jin Interesse der bürgerlichen Parteien wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen noch recht ost solche Lorbeeren! (Lebh. Beifall.)
Mg. Molt Han polemisiert als Ausschußberichterstatter gegen Dr. David und betont, daß in der Gießener Angelegenheit sämtliche Parteien das Verbalten "Dr. Davids verurteilt haben. Er bespricht dann die Frage der Gleichberechtigurrg der höheren Schulen. Ängesichtsi der steigenden Frequenz der höheren Schulen sei es richtig, daß die größeren Städte auch größere Beiträge leisteten. Bezüglich der Gleichstellung der höheren Schulen müsse man dem Beispiel Preußens folgen, besonders im Jvteresse des Landes. Die Petition der Oberlehrer in Betreff dest Regelung ihrer Besoldungsdienstzeit halte der Ausschuß! auch jetzt noch für berechtigt, die Haltung der Regierung begreife er nicht und er hoffe, daß dieselbe sich jetzt noch dem einstinrmigen Votirm beider Kammern anschließerr werde.
Finanzminister Gnauth bespricht die Neuregelung der Avers a der Städte für die höheren Schulen und widerspricht den gestrigen Ausführungen des Mg. Pennrich Die Stadt Bingen zahle jetzt nur 9000 Mark Zuschuß für ihre Anstalt, nach Umwandlung zur Vollschule würde sie 21000 Mark dafür zu zahlen haben. Bezügliche der Ntchtberück- sichtigung einer Anzahl Dienstjahre der Oberlehrer hätte die Regierung dem Wunsch der Kammern zugestimmt, sie konnte dies aber nicht ohne die Schaffung neuer großer Schwierigkeiten. Es hätten noch zahlreiche andere Beamte ganz ähnliche Wünsche, ein Teil derselben läge damit noch^
leicht am besten den Umfang der Skala, innerhalb deren die Dar- stellunasknnst des Malers sich betätigt.
Als bescheidene Nebenwerke führt er uns auch Studien nach alten s i e n e s i s ch e n Meistenr und Entwürfe für farbige Drucke vor, die ihn dem Gießener Publikum zuerst bekannt gemacht haben.
Wir freuen uns, in dieser harmonischen und anziehend arrangierten Ausstellung jetzt ein volleres Bild von dem Wirken des Künstlers bekommen zu haben und hoffen ihn künftig öfter hier zu begrüßen. B. S.
Es dürfte von Interesse sein, neben vorstehender feinsinniger Besprechung aus berufener Feder nachfolgende ansprechende „Plauderei" über denselben Gegenstand zu lesen, die uns vor einigen Tagen aus Laienkreisen zuging:
Ein Besuch in der Kunstausstellung.
Wiederholt wurde im „Gieß. Anz." auf die Eröffnung der „Sonder-Ausstellung von F. D. Lange-De de kam" hingewiesen und eine nähere Besprechung in Aussicht gestellt. Ter Name Lauge sei in Gießen nicht fremd. 2lha, vielleicht ein Gießener Kind! Für den, der alle Familien im Städtchen rennt, recht interessant, aber mir sagte der Name Lange weiter nichts.
Zwei Tage wartete ich auf „die Kritik", die bis heute nicht gekommen ist. bann wanderte ick ahnungslos und unbeeinflußt von anderer Leute Meinung nach dem Turmhaus am Brand, um auf meine Art mich am Schönen zu erfreuen.
Tas Publikum im allgemeinen will auf das Neue und Gute, welches in großer Fülle in der Kunstwelt erscheint, aufmerksam gemacht werden und eine verständige Kritik ober wenigstes eine geeignete Besprechung dürfte dazu geeignet sein.
Man pflegt zu sagen, die Menschen sind die besten, von welchen die öffentliche Meinung am wenigsten zu sagen weiß. Tie Mnstler treten jedoch vor die -Dcffcntlicbicit mit ihren Werken, um bekannt zu werden und — um sie zu verkaufen. Ob dies möglich ist. wenn sie in allen Ausstellungen halb- und ganz tot geschwiegen werden?
Tas Wüten und Können eines Malers läßt sich lür den Laien leichtcr erkennen und verstehen, lüenn er eine größere Anzahl verschieden, r Werke eines Meisters sieht, Ivie die Sonder-Ausstellung es bietet. Tie Art und Weise spricht direkt zum Beschauer, es' ist etwas Intimes, sozusagen ein Verkehr im engsten Kreise. Hat man das Glück, einen genialen kunstsinnigen Menschen in seinen eigenen vier Pfählen kennen zu lernen, so fühlt man in den von ihm bewohnten Räumen den bestimmten Eindruck seiner Persönlichkeit und dies erleichtert das Verstehen und Nähertreteu.
Lauge hat dies sicher gewußt und mit der Anordnung von ein paar Aeußerlichkeiten, wie Blumen und Blaltpftauzeu in modernen Baten und Kübeln, TevvickM und beauemen S-sseln.
dem Ausstellungsraum ein individuelles Gepräge gegeben. Damit hat er erreicht, daß der Besucher in Stimmung kommt. Stets von selbst die richtige Stimmung mitzrckringeu, zur Besichtigung von Kunstwerken, ist nicht jedermann möglich. Darum soll man es nicht „Mache" nennen, ioenu der Künstler einem mit unbedeutenden „Aeußerlichkeiten" dazu verhilft.
Ter geborene KunWuner mag so etwas ja nicht nötig haben, der soll das Beiwerk ruhig übersehen. So viel ist sicher, jebet Laie wird gleich mir große Freude an den Bildern, Zeichnungen und Entwürfen Langes haben.
Hauptsächlich sind es Landschaften nach Motiven aus der Eifel, bei Sieb, Gießen, Biebertal, Gleiberg, T'ünsberg usw. Ernst mtb heiter, farbenprächtig leuchtend und düster und trübe. „ , a .
Einige Porträts zeigen die Vielseitigkeit des Malers und seine Beobachtungsgabe. Mein erster Blick fiel aus das Bild der „Sott e". Eine liebliche Mädchenblüte, geschmückt zur Aufführung lebender Bilder, im roten Sammetgewaui^ mit dem Königinnenkrönchen int Haar. Tie beiden Lorbeerbäume davor erhöhen den pomphaften Ernst im Scherz.
So recht als Gegensatz erscheint das „Kinderbtldnrs . Ein einfaches, im grausamen Leben früh ernst gewordenes Schwesterchen, welches den kleinen Bruder treu behütet. Soeben hat sie die Erzählung von der verzauberten Prinzeß im Purpur- kleide und der goldenen Krone erzählt, deren Eroberung . beit tapferen Ritter in den Besitz von unendlichen Herrltchketten bringt.
Nun schaut das Kind mit feinen traurigen Augen sehnend und wünscherch inö Märcksenland, ohne zu ahnen, daß über ihrem Haupte schon die schönste Krone des Weibes ichwebt,. die Mütterlichkeit. — Auf leisen Sohlen möchte man weiter schrecken, um den Zauber nicht zu brechen, der von dem „Küiderbtldnis aus geht. Q^eren Bildnisse, auch das vom Künstler felbft, sind nicht nur Bilder, nein, es sind Darstellungen von Menschen mit Fleisch und Blut, voll Charakter und Gemüt. Tiefes Gemüt,und ein großes Talent muß 'der 5Lünstler haben.1 daß er die Menschen und die schöne Gotteswelt so belauschen und wiedergeben kann.
Es ist nicht meine Mischt, alle Bilder zu beschreiben, ftc etwa gar auf ihren künstlerischen Wert zu prüfen, das überlasse ich anderen, die dies verstehen. Wer nicht glaubt, ivad ich schrieb, gebe doch hin und schaue! Meinen Genuß habe ick gehabt und verschaffe mir ihn noch einige Male, und dem Künstler wie dem Kunstverein danke ich dafür. Hoffentlich bringt die Saison dann auch weitere schöne Darbietungen. Berta Olbricht.
— T ie Sektion der Leiche Menzels hat ätvec be* merkenswerte Tatsachen ergeben: erstens daß Meuzell ebenso wie Helmboltz, einen ausgebildeten hvdroeephalus,^ineu „Wa sser- kopf" besaß, und zweitens, daß sich deutliche untren einer vor Jahrzehnten ausgeheilten Tuberkulose fanden, xarauö sieht


