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Eine für die zukünftige Entwicklung unseres ländlichen Ge- Lossenschastsn>esens unzweifelhaft hochwichtige Erscheinung bildet die weitere Ausgestaltung der beuifdjen landwirtschaftlichen Ge- irrvs s en s cha f ts schule.
Pastor An Sb ec (Lößni^^ sprach alsdann über die Bedeutung der sittlichen und religiösen Triebfedern in unserer genossenschaftlichen Arbeit. Der Redner legte seinen Ausführungen folgende Leitsätze zu Grunde:
„Der XXI. deutsche landwirtschaftliche Gcnoflenschaftstag erklärt :
1. Sittliche und religiöse Triebfedern waren es, die in den Gründern unseres Genossenschaftswesens gearbeitet haben und zur Bildung desselben nötigten.
2. Der ganze Zuschnitt unseres Genossenschaftswesens eröffnet ihnen ein weites Feld zu einer segensreichen Entfaltung ihrer mannigfachen Kräfte.
8. Dieselben so hoch als möglich zu werten, allezeit in rechter Tätigkeit zu halten und immer reicher zu wecken, sei uns Genossenschaftern heilige Pflicht.
4. Einen besseren Dienst können wir unserer guten Sache nicht leisten, damit führen wir unsere wirtschaftlichen Gebilde entgegen ihrem höchsten Zweck und Ziele."
Die Leitsätze gelangten ohne Besprechung zur Annahme.
Auf Antrag des Berbandsdirektors Eden (Oldenburg) wurde die Residenz des Großherzogtums Oldenburg als Ort für den nächstjährigen Genossenschastslag gewählt.
Freiherr v. H e i n tz e (Bordesholm) behandelte die Frage: Erscheint die gleichzeitige Mitgliedschaft ein und derselben Person bei mehreren Kreditgenossenschaften zulässig? Der Redner stellte den Leitsatz auf: „Die gleichzeitige Mitgliedschaft ein und derselben Person bei mehreren Kreditgenossenschaften oder ähnlichen Instituten ist grundsätzlich durch statutarische Bestimmung auszuschließen. Ausnahmen bc- dürfen der ausdrücklichen Genehmigung der beteiligten Kredit- genossenschallen." Auch dieser Leitsatz gelangte ohne Besprechung zur Annahme.
Gegen 81/, Uhr nachmittags wurden die Verhandlungen auf Freitag vormittags 9 Uhr vertagt.
Kunst und Wissenschaft.
— Hebet die Frauen an der Berlin er Universität enthält die Universitäts-Chronik eine Reihe von Mitteib- nngen. Im Sommer waren 382 im letzten Winter 672 Frauen K"assen, von denen im Sommer 356 und im Winter 631
esungen hörten. Promoviert wurden 2 Damen zu Doktoren der Philosophie. Bemerkenswert ist die Beteiligung der Frauen an seminaristischen Uebungen: Adolf Wagner hatte im staatswissenschaftlich-stattstischen Seminar 2 Damen, von denen eine verheiratete Frau „eine der besten Arbeiten" des Kürsus lieferte (über Chamberlains Handelspolitik). An den statistischen Uebungen Boeckl)s nahmen 2 Ausländerinnen teil (aus Rußland land und Finnland), an Serings Uebungen 7 Damen. Unter den vovgettagenen, inzwischen sckwn zum Teil gedruckten Ar- betten werden erwähnt: Frl. Alice Salomon, die Ursachen für die ungleiche Bewertung der Frauen- und Männerarbeit; Frl. E. Gans Edle Herrin zu Putlitz, die Arbeiterverhältnisse auf einem Rittergute der Prignitz. Auch im germanischen Seminar waren einige studierende Frauen auf Grund schriftlicher Arbeiten zugelassen. Im Seminar für romanische Philologie finden wir zwei Damen als ordentliche Mitglieder (unter 15). Das Seminar für orientalische Sprachen zählte 30 Hospitantinnen, bemerkenswert ist, daß eine Dame, Frau Regicrungsrat Franziska Stadthagen, ihre Studien durch Ablegung der Diplomprüfung vor der kgl. Diplom-Prüfungskommission (ün Russischen) zum Abschluß brachte. Das Institut für Bteereskunde hat einen weiblichen Bibliothek-Assistenten (Frl. K. Zimmermann). Im geographischen Institut nahmen teil: an dem Kolloquium 7 Damen, -an den geographischen Hebungen 11, an den kartographischen 3.
Im neurobiologischen Laboratorium ist seit September v. I. Frl. Becker als Präparatorin tätig. Im botanischen Institut arbeiteten unter den vorgerücktereu Praktikanten 3 Damen; auch im lwtcmischen Museum arbeitete eine Dame ständig während größerer Zeiträume.
Kerichtssaal.
d. Mainz, 17. Ang. Exemplarische Strafen erhielten heute vor der Ferien strafkammer zwei rohe Gesellen, die an Blumen und Pflanzen der städtischen Anlage ihre Zerstörungswut befriedigten. Nachdem die 24- und 25jähr. hiesigen Taglöhner Gg. Josef Sch oller und Jos. Wenzel in der Nacht des 1. Juli tüchtig dem Alkohol zugesprochen, kam ihnen der Gedanke, an den Blumen und Pflanzen in der Anlage, aus welcher der Schöller schon mehrmals verwiesen worden war, ihre Wut zu kühlen und Rache zu nehmen. Wenzel ließ sich von Sch. dazu bestimmen, an dem Vernichten der Blumenbeete terlzunehmen. Die beiden Angeklagten gingen in die Anlage und zerstörten am Eingang zu derselben eine Anzahl wertvoller Pflanzen und Blumen. Der Wert der zerstörten Pflanzen beträgt 299 Mk. Die Angeklagten Schöller und Wenzel suchten sich gegenseitig hereinzulegen. Jeder will der Verführte und wenrger Beteiligte sein. Nach den Mitteilungen des Gartcnbauüirek- tors Schröder ist in seiner 18jährigen hiesigen Tätigkeit ein solcher Vandalismus noch nicht vorgekommen. Nachdem Schöller und Wenzel ihre „§clbcntat" verübt hatten, stahlen sie aus dem umzäunten Garten eines Bahnwärters an der Weisenauer Straße drei Oleanderbäume, von denen jeder einen mit nach Hause nahm. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte gegen Sch. 2y4, gegen W., der nach dem Gutachten des Kreisarztes Medizinalrat Dr. Balser mit einem leichten geistigen Defekt behaftet ist, zu 13/4 Jehre Gefängnis. Das Gericht verurteilte den Sch. zu iy4 Jahren, Wenzel zu 1 Jahr Gefängnis.
Ein Jugendverführer. Seit zwei Jahren, berichtet die „Schles. Ztg." aus Breslau, machte sich unter den Schülern der oberen Klassen der dortigen Lehranstalt eine auffällige Teilnahmslosigkeit und Nachlässigkeit bemerkbar. Das Schwänzen der Unterrichtsstunden nahm überhand, und wiederholt mußten Zöglinge, die als Verleiter und Rädelsführer verdächtig waren, vom weiteren Schulbesuch ausgeschlossen werden. Vor etwa einem Jahre machte ein hiesiger Kaufmann am seinem 14jäf)rigen Sohne ähnliche WahrnelMungen, und als er gleichzeitig den Vertust einer schweren goldenen Münze und verschiedener Silbergeräte entdeckte, verlangte er von dem Knaben Aufklärung. Gleichzeitig erinnerte sich der Vater, daß ihm in letzter Zeit fortwährend große und kleine Geldbettäge in Verlust geraten seien, und er stellte energische Nachforschungen an. Das Resultat führte die Verhaftung des ehemaligen Päästers der Nadfahrbahn in sJJlorgenau, Kaufmanns Adolf Fellmann, herbei. Dieser erteilte jungen Leuten Unterricht im Radfahren und suchte sie, da das Geschäft nur wenig einbrachte, an sich zu fesseln und sie zu Diebstählen im elterlichen Hause zu verleiten. Auch vom Schulbesuche suchte er sie abzuhalten, indem er mit den Knaben Automobilausflüge unb Abendspaziergänge durch die Varietes und Singspielhallen unternahm; die Entschuldigungs- zettel für die Klassenlehrer wurden von Fellmann ausgestellt. Auch Schulzeugnisse wurden gefälscht durch Ginfügen eines selbstgeschriebenen Zensurblattes noch Ausschaltung des Originals. Um sich die Gunst der Knaben zu sichern, hetzte sie Fellmann zum Ungehorsam und Widerstand gegen die Eltern bei Vorwürfen und Züchtigungen auf; in einigen Fällen versah er die Knaben sogar mit Schlagringen als Kampfmittel gegen den Vater. Auch der Sohn des in Frage stehenden Kaufmanns füljrtc eine solche Waffe bei sich. Als die Polizei benachrichtigt worden war und den Knaben in der Wohnung seines Verführers
verhaftet hatte, kam die volle Wahrheit an den Tag. Er mußre nun zugeben, daß er auf Veranlassung des Fellmann seinem Vater etwa 600 Mark an Geld, außerdem aber eine goldene unb mehrere silberne Münzen, eine werwolle Kravattennabel, einen photographischen Apparat usw. gestohlen habe; bie Gegenstände waren verkauft und das Geld gemeinsam verjubelt worden. Es fanden förmliche Schülerversammlungen in der von dem gestohlenen Gelbe sein ausgestatteten Wohnung Fellmanns statt; Trinkgelage würben dort abgehalten, wobei Vorlesungen aus ber „Volksmacht" unb bem sozialdemokratischen Liederbuche gehalten wurden. Zur Aufklärung mußten die Schüler öfter Versammlungen im Gewerkschaftsbause beiwohnen und als Lektüre für die Knaben waren illustrierte medizinische Werke ausgelegt, auf deren interessanteste Kapitel vom Angeklagten besonders hingewiesen wurde. Auch eine Badegelegenheit hatte Fellmann geschaffen unb bort mit ben Knaben allerhanb Allotria getrieben. Der barauf 'bezügliche Teil der Verhandlung vor der Strafkammer fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Als Belastungszeugen waren sechs junge Leute im Atter von 14 bis 17 Jahren erschienen; ein siebenter wurde kommissarisch vernommen, da er als Opfer des gewissenlosen Angeklagten in Zwangserziehung untergebracht worden war; er hatte seinen Eltern etwa 75 Mark aus der verschlossenen Kommode gestohlen. Der Staatsanwatt würdigte die Gemeingefährlichkeit dieses Ver- breäiers, welcher die unschuldige Jugend auf verderbliche, abschüssige Bahnen leitete, um ein bequemes, sorgenfreies Leben führen zu können. Er beantragte, Fellmann wegen gewerbsmäßiger Hehlerei, fortgesetzter Anstiftung zum Diebstahl unb fortgesetzter Urkundenfälschung zu 6 Jahren 6 Monaten Zuchthaus unb zu zehn Jahren Ehrverlust zu verurteilen. Der Gerichtshof erkannte nach achtstündiger Verhandlungsdauer auf eine fünfjährige Zuchthausstrafe und fünfjährigen Ehrverlust.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
Am 9. Sonntag nach Trinitatis, den 20. August: Gottesdienst.
In der Stadtkirche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer D. Schlosser.
Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten au5 der Matthäusgemeinbe.
Vormittags 9V, Uhr: Pfarrer Schwabe.
In der JohauueSkirche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrassistent Sattler.
Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Johannesgemeinde.
Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Euler.
Abends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Hon* firmandensaal fällt aus.
Katholische Gemeinde.
Samstag, den 19. August 1905.
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.
Sonntag, den 2 0. August 1905.
10. Sonntag nach Pfingsten.
Vormittags von 61/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.
„ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in ber* selben Austeilung der heil. Stommunion.
, um 8 Uhr: Tie zweite heilige Messe.
„ um 91/, Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachmittags um 21/, Uhr: Sakramentalische Brüderschaftsandacht.
D. Kaminka --- Uhren, Gold- und Silberwaren =
Marktplatz 11 am Kriegerdenkmal Telephon 407. 4656
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