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18.8.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 193

Zweites Blatt.

155. Jahrgang

Freitag 18. August 1905

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Die .Sieh«,« rfoeffltnMattef roerben dem ^Anzeiger otermo! wöchentlich beigelegt. Des Attisch« CoiöWlrt* ersthetut monatlich einmal.

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General-Anzeiger, Amts- nnd Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen.

Mlttilche TagesschM.

Die Kriegsflagge an der Nordsee.

Man schreibt uns auS Berlin:

Die ,besondere Nordseeflotte", deren Bildung, den Mit­teilungen der Verwaltung desStettiner Vulkan" zufolge, vom Marineamt beabsichtigt ist, macht fortgesetzt von sich reden. Man hört die Vermutung, Deutschland gehe darauf aus, seine Seewehr an der Nordsee annähernd auf die Stärke der englischen zu bringen. Es wird ferner an die Rede er­innert, die der Kaiser vor Antritt seiner Mittelmeerreise in Bremen hielt, speziell an die eineöde Weltpolitik" ab­weisenden Worte. Man sieht hierin die Grundlinien des marinepolitischen Programms der Zukunft, das demjenigen Englands insofern entspreche, als auch deutscherseits der Hauptwert auf eine starke Heimatflotte gelegt werde. Eng­land hat bekanntlich von sämtlichen Äuslandsstationen die Linienschiffe zurückgezogen, um sie im Kanal und in der Nordsee zu konzentrieren. Es scheint in der Tat, als ob die deutsche Marineverwaltung eine angemessene Erhöhung der Dcfensivkraft in der Nordsee plane durch Vereinigung hervor­ragend großer und schwer armierter Linienschiffe auf der Wilhelmshavener Station. Der Küstenschutz an der Nordsee wird ja auch sonst verstärkt durch Ausgestaltung der Marine­artillerie, des Torpedo- und Minenwesens.

*

Dr. Stübel.

Der Kolonialdirektor Dr. (Stübel scheint allgemach Arauen zu empfinden vor der kolonialpolitischen Zukunft, denn die Meldung, sein Gesundheitszustand lasse zu wün­schen, mit anderen Worten: Dr. Stübels Neigung, aus dem Amt zu scheiden, sei im Wachsen diese Meldung wiederholt sich in immer kürzeren Zwischenräumen und tritt in immer prägnanterer Form aus, wenn auch eine schwere Erkrankung des Kvlonialdirektors von amtlichen Kreisen in Abrede gestellt wird. Es wäre Herrn Stübel nicht zu verdenken, wenn er sich nach der geruhigen Tätig­keit im diplomatischen Dienst zurücksehnt. Er hat in schwerer Zeit an der Spitze der Kolonialabteilung gestanden und sieht nichts weniger als leichten Zeiten entgegen. Es mag ja eine schöne Sache sein um die zu erwartende Be­förderung zum Staatssekretär, aber mit der Umwandlung der Kolonialabteilung in ein selbständiges Reichsamt wachsen auch Arbeitslast uno Verantwortung für den Leiter, und darum ist es sicherlich eine weniger schöne Sache, zumal bei der allgemein kritischen Situation in den Kolonien. Der Reichskanzler hat bereits einmal vermocht, Herrn Stübel zum Bleiben zu bewegen. Ob es ihm zum zweiten Mal gelingt, muß abgewartet werden.

Internationaler Kongreß des H5erKandes zum Studium der Verhältnisse des Mittelstandes.

(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)

I

Lüttich, 16. Aug.

Der Kongreß wurde am Mittwoch, 16. August, kurz nach 3 Uhr im Provinzial-Palais durch die Begrüßungs­ansprache des Vertreters der Stadt Lüttich eingeleitet.

Der Präsident des Kongreßes, Wirk!. Geheimer Ober­regierungsrat Dr. dicker aus Berlin dankte zunächst dem ebenfalls erschienenen belgischen Handelsminister Frankot für die freundliche Unterstützung, die er dem Kongreße habe zuteil werden lassen, ferner dem Gouverneur und dem Bürger­meister, sowie allen Regierungen, die sich an der Arbeit und an der Beschickung deS Kongreßes beteiligt hätten. Nach der Angabe des Präsidenten sind u. a. vertreten die Regierungen von Deutschland und von den deutschen Bundesstaaten: Preußen, Sachsen, Baden, Lübeck, Bremen, Hamburg, Elsaß- Lothringen, Hessen usw. Vom Auslande waren vertreten: Oesterreich, Australien, Belgien, Ungarn, China, Portugal, Mexiko, Italien usw.

Der Vorsitzende führte zunächst etwa folgendes aus: Der Verband soll kein Agitation?- oder AktionSverband sein, sondern nur eine streng wißenschastliche Vereinigung, die zur städtischen wie auch zur ländlichen Mittelstandsfrage Material sammeln solle. Die Frage: Was ist Mittelstand? ist schwer zu beantworten. Wir verstehen darunter die selbständigen Gewerbetreibenden, die Landwirtschaft, die Beamten in In­dustrie und Handel und die den angeführten verwandten Er­werbszweige. Das Interesse hat sich in der letzten Zeit vorzugsweise den kleinen Gewerbetreibenden, aber auch der Landwirtschaft zugewandt. Noch einmal betont dann der Vorsitzende, daß der Kongreß nicht in die Kämpfe, die zurzeit zwischen den verschiedensten Interessengruppen beständen, ein­greifen, daß keinerlei Beschlüße über Programme oder Prm- zipienfragen gefaßt werden sollen, sondern daß man nur Material sammeln wolle und zwar:

1. Die Akten der Regierungen, wie Gesetze, Verord­nungen, Gcsetzesprojekte, Parlamentsakten, Beschlüße, Entscheidungen, Reglements, Berichte usw.,

2. die Literatur, die sich mit den Mittelstandsfragen befaßt, ,

3. die Dokumente, die sich auf Korporationen, Syndi­kate, Kreditinstitute usw. beziehen.

Der Vorsitzende teilt dann weiter mit, daß dem Kon­greße schon 35 in deutscher und französischer Sprache ge­druckte Verhandlungen vorliegen. Die mündlichen Verhand­lungen sollen sich beschränken auf die Verbeßerung der Werk- zeuge und auf die Verbesserung der Kreditinstitutionen in Stadt und Land. Manches läßt sich erreichen, so konnten z. B. die Schmiede in Tyrol, die schon dem sicheren Unter­gänge entgegensahen, aus eigener Kraft zu neuem Wohl­stand gelangen durch die Förderung der Innsbrucker Gewerbe­kammer.

Nach diesen in deutscher Sprache vorgetragenen AuS- ührungen erklärte der Vorsitzende den Kongreß für eröffnet und erteilte zunächst dem belgischen Handelsminister Frankot daS Wort, der auch für die Zukunft das Ver- prechen abgibt, die Bestrebungen deS Verbandes nach Kräften ördern zu wollen.

Die deutscheReichSverwaktunghat einen Kom­missar entsandt, der namens der Regierung und der ein­zelnen Bundesstaaten für die freundliche Begrüßung dankt und das Versprechen ab gibt, daß die Regierung sich mit den zur Erörterung stehenden Fragen beschäftigen wird. Wenn bislang in Deutschland vorzugsweise Arbeiter­politik getrieben wurde, so lag es daran, daß dies zunächst am notwendigsten war. Besonders der Vorsitzende Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat B ö d i ck e r hätte auf dem Gebiete des Versicherungswesens für den Arbeiter­stand außerordentlich viel geleistet, er sei auch der Mann für eine entschiedene Förderung der heute zur Erörterung stehenden Fragen. Die deutsche Reichsregierung will den Mittelstand durchaus nicht weniger schützen, wie die anderen Volksschichten, sie verkennt auch keineswegs die hohe Bedeutung des Mittelstandes und will Arbeit leisten, die allerdings nicht leicht sei, weil vielfach der eine Ange­hörige des Mittelstandes den anderen bekämpfe und weil der Mittelstand auch die Regierung aus erklärlichen Gründen nicht immer gern in seine Verhältnisse hineinseh-en lasse. Der Internationale Verband zum Studium der Verhält­nisse des Mittelstandes werde das Material leichter sammeln können und jegliche Förderung durch die deutsche Reichs­regierung, sowie durch die Regierung der Bundesstaaten erfahren.

Es sprachen noch weiter der Minister von Mexiko Dr. Albert Geßmann ans Oesterreich, ein Minister aus Italien, Professor Blondel aus Paris, Geheimrat Dr. Erkel-Wien als Vertreter des Ministeriums.

Der Vorsitzende schlug dann vor, für einen gedeihlichen Verlauf der Arbeit drei Sektionen zu bilden, die zunächst gesondert beraten sollen, und zwar Sektion 1 für das Ge­werbe, Sektion 2 Verbesserung der Werkzeuge und Sektion 3 Kreditwesen für Stadt und Land. Für die Sektionen wurden je ein erster und zweiter Präsident, sowie zwei Schriftführer gewählt. Die anwesenden Besucher des Kongresses können sich nach Wunsch an einer der Sektionen oder auch an allen Sektionen abwechselnd beteiligen. Die Vorschläge wurden angenommen. Aus den Sektionen heraus sollen Redner festgesetzt werden, die am 18. über die Arbeit in einer gemeinsamen Sitzung aller Mitglieder einen knappen Bericht zu erstatten haben.

* Düsseldorf, 17. August. Bei dem Einsturz der Mauern eines Neubaues in der Suitbertusstraße wurde ein Arbeiter getötet, zwei schwer, einer leicht verletzt.

* Gelsenkirchen, 17. Aug. Auf ZecheKonsolida­tion" wurden zwei Bergleute von hereinstürzenden Ge- fteinmassen schwer getroffen, einer blieb tot.

* Metz, 17. Aug. Heute nacht 1.42 Uhr liefen die beiden Maschinen des Schnellzugs Ostende- Basel in den hiesigen Bahnhof mit solcher Schnelligkeit ein, daß sie, alle Hinderniße überrennend, über den Perron gegen die Wartesale des Bahnhofsgebäudes fuhren. Erst die Mauer der Wartesäle, die einen großen Riß er­hielt, konnte die Maschinen zum Stehen bringen. Die Ur­sache liegt wahrscheinlich in nicht rechtzeitiger Verminderung der Geschwindigkeft. Die Bremsen waren in Ordnung. Personen sind weder im Zuge noch auf dem Perron oder in den Wartesälen zu Schaden gekommen. Der Materialschaden ist gering. Es wurde nur der Prell­bock zertrümmert und das Perronpflaster aufgerißen. Der Verkehr wurde in keiner Weise gestört. Der Schnellzug konnte nach fünf Minuten seine Fahrt fortsetzeu.

* Gleiche Seelen finden sich. DiePariser Zeitung" erzählt folgende Schnurre: Friedrich Wilhelm Dünemann sitzt im Zuge nach Paris. Unangenehm an der Reise ist nur, daß er zum erstenmal Französisch reden soll. Aber er hat ja seinen Sprachführer in der Tasche, dessen erste zehn Seiten er wie am Schnürchen auswendig kann: Pardon, monsieur, si je vous dörange. Verzeihen Sie mein Herr, wenn ich störe. Gestatten Sie mir eine Frage? Aber gewiß mein Herr, was steht zu Diensten? Ich bin zum erstenmal hier, kenne keine Seele, können Sie mir einen Führer empfehlen? Bitte, verfügen Sie über mich. O, zu gütig mein Herr, mit wem habe ich die Ehre? Mein Name ist Joseph Müller. ... Wie gesagt, tadel- los kann Dünemann es auswendig. Spät abends kommt er in Paris an und legt sich sofort in einem deutschen Hotel zu Bett. Am anderen Morgen segelt er los. Bald hält er die Zeit für gekommen, seine Sprachkenntnisse an den Mann zu bringen, den er in Gestalt eines Vertrauen erweckenden Herrn gefunden zu haben glaubt.Pardon, monsieur, si je vous dSrange. Me permettez-vous une question ?Mais certainement, monsieur, lautete die Antwort,was steht zu Diensten?" Famos, denkt Dünemann, das geht ja beßer, als ich dachte. Nun kriegt er Mut:Ich bin zum erstenmal hier, kenne keine Seele, können Sie mir einen Führer empfehlen?"Bitte, ver­fügen Sie über mich." O, zu gütig mein Herr, mit wem habe ich die Ehre?" Der Pariser muß lachen.Mein Name ist Joseph Müller. . . ." Dünemann wird es heiß und kalt und sein Gesicht blaß und immer bläßer.Ja", meint der andere plötzlich in klarem Deutsch mit gemüt­lichstem Kölner Tonfall,ich hab den gleichen Sprachführer wie Sie und wollt' mal sehen, wer von uns die Geschichte am besten runterschnattern kann."

Kinundzwanzigäer deutscher landwirtschaftlicher Kenossenschaststag.

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$?. F. Straßburg i. E, 17. Aug.

Im Festfaale des Sängcrhauses begannen heute vormittag die Verhandlungen des 21. deutschen landwirtschaftlichen Ge­nossenschaftstages Es waren etwa 350 V -rtreter von landwirt­schaftlichen Genossenschaften aus allen Teilen Deutschlands, zum Teil auch aus Oesterreich und Italien, erschienen.

Kur', vor Beginn der Verhandlung erschienen der Statthalter von Elsaß-Lothringen, Fürst zu Hohenlohe-Langen­burg, ferner als Vertteter der reichsländischen Regierung Un­terstaatssekretär Dr. Freiherr Zorn v. Bulach, UnterstaatS- sekretär Dr. v. S ch r a u t. Geb. RegiernngSrat Dr. Sieveking, Geh. Regierungsrat Lichtenberg, Geh. Reg.-RatDieckmann, Regierungs.assessor Pauli, als Vertreter des Polizeipräsidiums Regierungsrat Schlössingk, als Vertteter der hiesigen städti­schen Behörden Beigeordneter Hocbapfel, im Auftrage deSl Preußischen Finonr Ministeriums und der Preußischen Zenttak- Genvssmschaftskasse Geh. Regierungsrat Dr. Heßberg (Berlin), im Auftrage der Württcmbergischen Staatsrcgierung Regierungs­rat Bever (Stuttgarts als Vertteter des Königlich Preußischen Landes-Oekonomie-Kollegiums Generalsekretär Dr. v. Altrock, als Vertreter des Deutschen Landwittschaftsrats Generalsekretär Prof. Dr. D a d e (Berlin), als Vertteter des Bundes der &mt>= Wirte Gutsbesitzer Lucke (Patersh.auscn, Bayern) sowie Vertreteri mehrerer Landwirtschastskammern, i>lbgevrdnete usw.

Der Anwalt der landwirtschaftlichen Genossenschaften, Geh. Negierungsrat Haas (Darmstadt) eröffnete den Genossen­schaftstag, indem er ganz besonders den Statthalter, die Ver­tteter der Behörden und der landwirtschaftlichen Genossenschaften von Oesterreich und Italien begrüßte und mitteilte, daß der Statt­halter das Ehrenpräsidium für den Genossenschaststag übernom­men habe.

Statthalter FürstHohenlohe-Langenburg dankte für das ihm übertragene Ehrenpräsidium und gab seiner Freude Aus­druck, daß der landwirtschaftliche Genossenschaftstag diesmal in Sttaßburg abgehalten werde. Dies werde dazu beitragen, das Band zwischen den Alt- 'untb Neudeutschen zu befestigen. Die starke Entwicklung der landwirtschaftlichen Genossenschaften sei umso erfreulicher, da es dadurch zweifellos Jo manchem not­leidenden Landwirt gelungen sei, sich aus den Händen von Wucherern zu befreien. Die Verhältnisse der deutschen Land­wirtschaft, die lange Zett ttaurige waren, beginnen sich allmählich zu bessern, so daß, wenn Ruhe und Frieden im Lande bleibe, die deutsche Landwittschaft einer guten Zukunft entgegensetzen könne. Er endete mit einem Hoch auf den Kaiser.

Geh. Regierungsrat Dr. Heßberg begrüßte danach den Genossenschaftstag im Auftrage des preußischen Finanzministers und der Preußischen Zenttalgenvssenschaftskasfe. Beigeordneter H o ch a p f e I begrüßte den Genosfenschaftstag im Auftrage der hiesigen städtischen Behörden und Bürgerschaft, General-Anwalt Freiherr Dr. v. S t a e r t im Auftrage der östteichischen land­wirtschaftlichen Genossenschaften, der Vorsitzende des VerbandeS der deutschen Kvnsumvereine, Barth (München) im Auftrage dieses Verbandes.

Auf Vorschlag des General-Anwalts Geh. RegierungsratK Haas wurde beschlossen, folgende Huldignngsdrahtnug an den Kaiser zu senden:

Der beute in Sttaßburg versammelte deutsche landwirt­schaftliche Genossenschaftstag bittet Ew. Majestät die ehrfurchts­vollste Huldigung und den innigsten Dank für das große Wohl­wollen rind die kräftige Unterstützung zu Füßen legen zu dürfen, die Ew. Majestät in so erfolgreicher Weise sowohl der Tätigkeit der landwirtschaftlichen Genossenschaften als auch allen landwirtschaftlichen Bestrebungen haben zutell werden lassen. Mit neuen Hoffnungen erfüllt, wird der Verband besttebt fein, unter Ew. Majestät mächtigem Schutz für des Landes Wohl- fahtt und die wirtschaftliche Lage der ländlichen Bevölkerung! in unverbrüchlicher Treue zu Kaiser und Reich zu arbeiten.

Der Ehrenpräsident 7 Fürst zu Hohenlohe-LaNgenburg.

Der General-Anwall: Haas. Geheimer Regierungsrat."

Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Ent­wicklung des landwirtschaftlichen Genossen­schaftswesens in Elsaß-Lothringen.

Geh. Regierungsrat Lichtenberg entwarf eine eingehende Schilderung über die Entwialung der landwirtschaftlichen Ge­nossenschaften in Elsaß-Lothringen und bemerkte:Da die Ein­richtung der Bezirksvereine sich aus anderen Gründen nicht bewährt hatte, so wurde Anfang 1900 beschlossen, zur Förderung der wittschaftliaien Interessen der Landwittschaft tteibenden Be­völkerung die Kreisvereine zu einem Landesverband zu vereinigen. Seit der Gründung des Landesverbandes habe der Konsumbetrieb, der Kreisvereine ehren außerordentlichen Aufschwung genommen. Gerade im Elsaß habe schon seit langer Zett eine starke Be­wucherung der landwirtschaftlichen Bevölkerung, namentlich durch die Vieh- und Güterhändler, stattgeftinden. Auf den Wunsch zahlreicher Landwitte wurde im Jahre 1903 der Revisions- Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften in Elsaß-Lottz- ttngen gebildet, der sich von vornherein dem Reichsverband an­schloß.

General-Anwalt Geh. Regierungsrat Haas-Darmstadt teilte, danach mit, daß 'eine Reihe Begttißungstelegramme aus vielen Otten des Reiches und auch des Auslandes einwegetngen seien, unter anbernt von einem Professor der NationahOekonomie an1 der Universität zu Tokio. Dies Telegramm lautet:Sebe. hoch die deutsche landwittschaftliche Genossenschaft, die Mutter der modernen Genossenschaftsbewegung. Peiza Dohoga. Tokio (Japan).

General-Anwalt Geh. Regierungsrat Haas erstattete hierauf den Jahresbericht. Die Bestandsziffer der ländlichen Ge- noßenschaften im Deutschen Reiche habe sich von 18 309 Ge- nosfenfchaften am 1. Juli 1904 auf 19 323 Genossenschaften am 1. Juli 1905 erhöht. Die gesamte Mllgliederziffer der am 1. Juli 1905 ermittelten 19 323 Genossenschaften beträgt 1 700000, unter diesen etwa 1200 000 selbständige Handwerker. Das Be» ttchtsjahr bezeichnet insofern einen bedeutsamen Marfftein in der Entwicklung des Genossenschaftswesens, als das große hoch- bedeutsame Werk der Einigung zwischen dem Reichsverband und dem Neuwieder Generalverband mm endlich nach jahrelangen! Bemühungen zum Abschluß gekommen ist. Es ist unzweifelhaft zu erwarten, daß aus dieser Einigung gesteigette Macht unb Ansehen nach außen, Vermeidung von Konkurrenz und Kraft» zersplitterung nach innen, vielfälttge Anregungen zu neuer ge­nossenschaftlicher Betätigung hervorgehen werden. (Lebha^s Bravo.) Ein weiterer bedeutsamer Vorgang war der neue Ab­schluß des Kal ivertrages.

Die Angriffe der Gegner des landwirtschaftlichen Ge­nossenschaftswesens sind im Berichtsjahr immer heftiger geworden. Mit besoicherem Nachdruck wttd neuerdings die Forderung ver- tteten, den Geistlichen und Lehrern eine tätige Teilnahme an Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften jeglicher Att von anttS- wegen zu untersagen. Gegen diese Forderung muß entschiedener Protest eingelegt, und es darf auch gehofft werden, daß die Staatsbehörden der im sozialpolitischen Interesse nur wünschens­werten Mllarbeit der Geistlichen und Lehrer in unserm ländlichen Genossenschaftswesen kem Hindernis in den Weg legen

Ein bemerkenswerter Vorgang vollzog sich in ixt Ne»-