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18.5.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 116 Zweites Blatt. 155. Jahrgang Donnerstag 18. Mai 1 SOS

Vrlcheint «gllch mit Ausnahme deS Sonntags. J . A. Rotationsdruck und Verlag der vrLhlffch«

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»Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ® B I M g S By Bi öL, kL wL, M- Redaktion,Expedition u.Druckerei» Schulstr.H^

«hesflschtz Landwirt" erscheint monatlich einmal.VW ▼▼ Ä Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. i Anzeiger Gießen.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.

Ein StreiK-Kericht.

Der Verlauf des Gießener Schneiderstreiks und die gegen­wärtig überaus zahlreichen Arbeiter-Ausstände im In- und Auslande werden ein gewisses Interesse für einen Aufsatz von Prof. Ziegler in Jena wachrufen, worin erbemerkens­werte Mitteilungen über einStreik-Gericht" in Neuseeland macht. Prof. Ziegler schreibt:

In unserem wohlgeordneten Staatswesen, welches für tausend große und kleine Streitfälle eine entscheidende Be­hörde oder ein zuständiges Gericht besitzt, gibt es für den Fall eines großen Arbeiterausstandes doch keine Instanz, welche berechtigt oder verpflichtet wäre, zwischen den Parteien zu vermitteln oder zu entscheiden. Daher dürfte man in der jetzigen Zeit dem eigenartigen Streik-Gericht Beachtung schenken, welches vor einem Jahrzehnt in Neuseeland eingeführt wurde und welches wohl auch für andere Länder vorbildlich sein könnte. Diese Einrichtung ist in Deutschland wenig oder gar nicht bekannt, und ich selbst würde sie allch nicht kennen, wenn ich nicht als Herausgeber des Sammel­werkesNatur und Staat" in dem siebenten Bande dieses Werkes eine Beschreibung davon gefunden hätte. Aus diesem Bande, der demnächst erscheinen wird, will ich hier mitteilen, was der Verfasser, ein in Fragen der Industrie sehr er­fahrener Deutsch-Amerikaner Namens Emil Schalk, darüber berichtet.

Früher, waren Ausstände in Neuseeland sehr häufig und wurden mit größter Erbitterung geführt; sie brachten der jungen Kolonie schweren Schaden. Nach jahrelanger Dis­kussion und dem Studium aller Arbeitergesetze der ganzen zivilisierten Welt wurde endlich in dem Jahre 1895 ein Compulsory Arbitration "-Gesetz geschaffen, und seit dieser Zeit haben keine weiteren Streiks stattgefunden. Nach diesem Gesetze müssen sich die verschiedenen Gewerbe in Arbeiter­und Fabrikantenvereine organisieren, wenn sie der Vorteile des Gesetzes teilhaftig werden wollen. Jeder Verein muß seine Mitglieder besteuern, damit der Verein verantwortlich ist. Dieses ist natürlich der kritische Punkt, denn dadurch werden auch die einzelnen Mitglieder verantwortlich. Für Leute, die nicht organisiert sind, urteilt der Gerichtshof nicht. Der Gerichtshof besteht aus zwei Instanzen, einemBoard of Conciliation undThe Court of Arbitration.

Das Verfahren ist wie folgt: Eine Unzufriedenheit oder Differenz zwischen den Arbeitern und Arbeitgebern entsteht, infolge deren die unzufriedene Partei die andere vor den Board of Conciliation zitiert. Von diesem Momente an liegt die Streitfrage vor einem Gerichtshöfe, welcher Zeugen zitieren und unter Eid verhören kann, Geschäftsbücher re­quirieren usw. Die Richter in dieser ersten Instanz sind vier Männer, zwei von den Fabrikanten und zwei von den Arbeitervereinen gewählt. Diese Richter suchen nach gründ­licher Verhörung beider Parteien eine Vermittlung zustande zu bringen. Gelingt dies nicht, so geben sie ein motiviertes Urteil ab, was nach ihrer Meinung die Parteien tun sollten. Folgt auch darauf keine Einigung, so geht der Fall vor die Court of Arbitration. Dieses Gericht besteht aus mehreren Sachverständigen unter dem Vorsitz des Präsidenten des höchsten Gerichtshofs von Neuseeland. Das Urteil dieses Gerichts muß von beiden Parteien befolgt werden, widrigen­falls hohe Geldstrafen verhängt werden können. Während der ganzen Zeit der Verhandlung darf keine Arbeitseinstellung stattfinden. Die Urteile sind immer inbezug auf die Zeit beschränkt und gelten nur auf ein oder zwei Jahre.. Sie er­möglichen es demnach, nach einiger Zeit neue Bedingungen zu verlangen, falls sich inzwischen die Verhältnisse geändert haben.

Unter dieser Einrichtung hat Neuseeland in den letzten Jahren keinen Streik mehr gehabt. Bedenkt man die Ver­luste und den wirtschaftlichen Schaden, welchen die Ausstände verursachen, ganz abgesehen von dem Elend der Familien, den Gesetzlosigkeiten und Gewalttätigkeiten,so muß man zu­geben" sagt Emil Schalkdaß diese Einrichtung ein Fortschritt in der Zivilisation ist".

Die Verfassung Klsaß-Lotyringens.

Dem Reichstag ist zur Beschlußfassung ein außerordent­lich wichtiger Antrag von Preiß u. Gen. Angegangen, bett, bie Verfassung Elsafi-Lothringens. Es handelt sich um nichts weniaer als die Einordnung Elsaß-Lothringens in das Deutsche Reich als selbständiger Bundesstaat. Der Gesetz­entwurf hat folgende 4 Paragraphen:

Kleines Aeuilleton.

N B Darmstadt, 17. Mai. Sarah Bernhardt hat mit ihrer eigenen französischen Theatertruppe auf ihrer dres- maligen Gastspieltour durch Deutschland auch in Darmstadt eine kurze Rast gemacht und gestern abend lhr Lieblingsstück, Alexan- der Dumas' sfils) Aameliendame zur Auffüyrung gebracht. Ta die Vorstellung im kleinen Jnterimstheater nicht angängig war, fand sie in dem großen, aber für derartige Gastipiele völlig ungeeigneten Woogplatztheater statt, das nahezu voll besetzt war. Die berühmte französische Tragödin spielte die Marguerite Gau­tier mit außerordentlicher Beweglichkeit und staunenswerter dra­matischer Meisterschaft, wobei sie die tiefen seelischen Erreg­ungen und Empfindungen, die das Liebesleben der schonen Hetäre in rascher Folge durchzittern, in höchst effektvoller, voll­endet künstlerischer Weise zum Ausdruck brachte. ' Das pariser Ensemble, das allerdings keineswegs der voraufgegangenen Riesenreklame entsprechendallerersten Ranges" ist, unterstützte die berühmte Darstellerin durch glattes, gut abgetöntes Spiel und stellte auch, soweit das bei den äußerst primitiven Bühnen­anlagen möglich war, ein für dieses feinpointierte pariser Salon­stück ' absolut notwendiges intimes Milieu her. Das animierte Publikum nahm die glanzvolle Darbietung der gefeierten Mnst- lerfn mit ehrlichem und sehr lebhaftem Beifall, sowie, mchr- facta Hervorrufen auf. Dagegen mußte cs allgemein aufs pein­lichste berühren, daß sich am Schluß der Vorstellung einige hundert der hier studierenden Polen, Russen, Spanier usw. zusammentaten 'Md förmliche Demonstrationen für die Französin mit ihrem

§ 1. Ten Staaten, ans denen das Bundesgebiet gemäß Artikel 1 der Verfassung des Deutschen Reiches vom 16. April 1871 besteht, tritt als weietrer Staat das bisherige Reichsland Elsaß-Lothringen hinzu.

§ 2. Landesherr in Elsaß-Lothringen ist der Deutsche Kaiser. Der Kaiser kann die landesherr­lichen Befugnisse ganz oder teilweise einem Statt­halter übertragen.

§ 3. Elsaß-Lothringen wird im Bundesrate durch Bevollmächtigte vertreten, welche vom Lan­desherrn ernannt werden. Die Feststellung, wie viel Stimmen Elsaß-Lothringen im Bundesrate führt, bleibt einem besonderen Gesetze Vorbehalten.

§ 4. Der Bundesrat und der Reichstag schei­den als Organe der Land es gesetzgebun g in Elsaß-Lothringen aus.

In den der Reichsgesetzgebung in den Bundesstaaten nicht unterliegenden 'Angelegenheiten werden Gesetze für Elsaß-Lothringen von dem Laudesherrn nach erfolgter Zu­stimmung des elsaß-lothringischen Landtags (bisher Landes­ausschuß) erlassen.

Berlin, den 12. Mai 1905.

Unterzeichnet ist der Antrag von folgenden Ab­geordneten: Preiß. Dr. Hoeffel. Dr. v. Jaunez. Labroise. Merot. Dr. Ricklin. Rifs. Roellinger. Schlumberger. Baron de Schmid. Wetterle. Wiltberger.

Unterstützt wird er durch: Tr. Bachem. Burlage. Engelen. Erzberger. Faltin. Fritzen (Düsseldorf). Gröber. Herold. Dr. Hitze. Holzapfel. Horn iNeißeV Hubrich. Jtschert. Kalkhof.'. Dr. Marcour. Moritz. Nacken. Osel. Frhr. v. Pfetten. Dr. Pichler. Pingen, v. Savigny. Tr. Schaedler. Schmid (Jmmenstadt). Schmidt (Warburg). Sittart. Strzoda. Stupv. Trimborn. Wallenborn. Watten­dorfs. Frhr. v. Wolff-Metternich.

Keer und Flotte.

Ein deutscher General für die argen­tinische Armee? Aus Buenos-Ayres wird ge­schrieben: Wie hier verlautet, trägt sich die Regierung mit dem Gedanken, einendeutschen General von Weltruf" zu gewinnen, der das argentinische Heer organisieren und es auf die Höhe einer erstklassigen modernen Armee bringen soll. Dafür sei kein geringerer als General v. d. Goltz, der Schöpfer der modernen türkischen Armee, in Aussicht genommen. Tie Nachricht klingt in dieser Form etwas abenteuerlich; doch ist es keineswegs ausgeschlossen, daß sich das hiesige Kriegsministerium mit einem derartigen Projekte beschäftigt. Es sei daran erinnert, daß schon vor ungefähr sechs Jahren ein ähnlicher Plan austauchte. Da­mals hieß es, General v. d. Goltz solle dem argentinischen Kriegsminister alsBeirat" dienen und vor allem den Generalstab organisieren. Statt seiner wurde indes Oberst dir ent berufen, der sich im Verein mit anderen deutschen Offizieren um die hiesige Kriegsakademie sehr verdient ge­macht hat, trotzdem ihm seitens der Regierung selbst große Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden, die seine Aus­gabe keineswegs zu einer dankbaren machten. Sollte ein hoher deutscher Offizier oder gar General v. d. Goltz sich tatsächlich entschließen, eine leitende Stellung in der argen­tinischen Armee anzutreten, so müßten ihm wohl zuerst Garantieen dafür geboten werden, daß seine Tätigkeit durch Parteiintriguen, wenn nicht gar durch die Regierung selbst nicht unterbunden wird.

Aus Stadt Md Land.

Gießen, 18. Mai 1905.

** D as Bahnproj ekt Gießen-Beuern. Um über das Bahnprojekt BeuernGroßen-BuseckAlten-Buseck WieseckGießen zu beraten, veranstaltete die Gemeinde Beuern, wie man uns von dort schreibt, im Saale von Christoph Wagner am 14. d. Mts. eine große Bürger­versammlung. Sämmtliche Anwesenden bejahten einstimmig die Bedürfnisfrage für Beuern auf das Lebhafteste. Nachdem verschiedene Herren aus Alten-Buseck und Beuern die Not­wendigkeit der projektierten Bahn dargetan hatten, machte der Bürgermeister von Beuern, Otto, den Vorschlag, aus den Bürgerkreisen, nicht aus dem Gemeinderat, eine Kommission zu ernennen, die das Projekt weiter zu fördern habe. Der Gemeinderat werde dazu Unterstützung gewähren. Die Ver­sammlung entsprach diesem Vorschlag und wählte eine Kom­mission von 8 Mitgliedern und 9 Stellvertretern, denen vor­erst die Aufgabe geworden ist, mit den Gemeinden Großen- Buseck und Bersrod m Verhandlung zu treten.

** Der Deutsche Verband kaufmännischer Vereine versendet seinen Jahresbericht für 1904/05. Die

bekannten früheren Deuffchenhaß veranstalteten. Im Publikum, das die vollendete Kunstleistung vorher vollauf anerkannt und gewürdigt hatte, wurden zahlreiche Stimmen des Mißfallens über diesen Unfug der Ausländer laut.

Ein volkstümliches Schillertheater in Frankfurt soll auf der finanziellen Grundlage einer Aktien­gesellschaft errichtet werden. Das Schillertheater soll die Kultur­schätze der dramatischen Literatur weiteren Kreisen zugänglich machen und dadurch dem Bildungsbedürfnis der Bevölkerung entgegen kommen. Der Spielplan des Schillertheaters soll keiner einzelnen literarischen, sozialen oder politischen Richtung dienen, sondern allem bewährten bühnendichterischen Schaffen, allem Schönen und Guten, im Ernsten wie im Heiteren. Es soll also das klassische wie das moderne Repertoire gepflegt werden, wobei besonders versprochen wird, der Regie sorgsamstes Augenmerk zu widmen. Ms Grundkapital für die Errichtung und den Betrieb ist ein Höchstbetrag von 1300 000 Mark angenommen. Das' Gebäude soll auf einem freiliegenden städtischen Grundstück der Altstadt errichtet werden.

Frankfurt, 17. Mai. In dem nicht öffentlichen Teil der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde auf Antrag des Stadtverordneten Flauaus einstimmig beschlossen, ein Rem- brau dt'sches Gemälde für das Frankfurter Städel'sche Kunstinstitut zu eriverben. Das Gemälde, das die Blend­ung Simsons darstellt (eine Kopie befindet sich 'im Kasseler Museum' stammt aus dem Besitz der gräflich Schönborn'sch en Sammlung in Wien. Der Preis stellt sich auf über 300 000 Mk .Dankenswerter Weise haben sich reiche Privatleute und Kunst-

Mitqliederzahl hat um 5916 zugenommen und der Verband umfaßt jetzt 114 Vereine mit 94 964 Mitgliedern, davon 22 467 Prinzipale, 68 302 Gehilfen, 1888 Lehrlinge, 2301 Nichtkaufleute. Der Verband hat im Berichtsjahre wieder an allen auf die Besserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der Handlungsgehilfen gerichteten Bestrebungen den regsten Anteil genommen und sie auf das Eifrigste unterstützt. Im Berichtsjahre hat er sich insbesondere mit den Fragen der Ernennung von Handels-Inspektoren, Sicherung des An­spruchs der Handlungsgehilfen auf Gehalt und Unterhalt in Fällen unverschuldeten Unglücks (§ 63 des Handelsgesetz­buches), der gesetzlichen Regelung der Arbeitszeiten in den Kontoren des Großhandels, der Gewährung von Sommer- Urlaub an die Angestellten, der Alters- und Invaliditäts- Versicherung, der Bestechung von Angestellten in Industrie und Handel, beschäftigt. Die diesjährige Hauptversammlung findet am 29. und 30. Mai zu Pforzheim statt.

** Die Motorschiffahrt auf der Lahn. Die im vorigen Jahre durch den Besitzer des Jagdschlößchens in Dutenhofen eingerichtete Motorschiffahrt auf der Lahn wird demnächst wieder eröffnet. Der vorjährige Schiffsführer Georg Nau hat das Fahrzeug erworben und beabsichtigt, vorerst regelmäßige Fahrten zwischen Gießen und Dutenhofen ein­zurichten.

** Zoo logischer Garten in Frankfurt. Dee Orchideenausstellung des Palmengartens folgt diese Woche eine andere, die aber an Farbenschönheit nicht hinter jener znrückstchen dürfte, nämlich die Schmetterling-Aus­stellung im Zoologischen Garten. Die große, von dem verstorbenen Frankfurter G. Koch herrührende Sammlung ist nämlich aus Privatbesitz auf ca. 30 000 Exemplare ergänzt worden, lieber 300 Glaskasten sind mit den zum teil in prächtigen Metallfarben schillernden Tierchen gefüllt und welche Vollständigkeit man erreicht hat, mag daraus hervorgehen, daß nicht weniger als 70 Arten der sogen.Ordensbänder", über 30 verschiedene , .^armassier" und mehrere Hunderte verschiedener Schwalbe mnz-Arten vertreten sind. Die prachtvollsten Arten von Schmetterlingen leben in Amerika und auf den nördlich von Australien gelegenen Inseln, aber auch auf Madagaskar leben herrliche Geschöpfe, die taffäch- lich in den Regenbogenfarben schillern, wie die wundervolle Ripheus-Motte. Um die Sammlung allen Besuchern zu­gänglich zu machen, wird für Freitag und Samstag kein Extraentree für die Sammlung verlangt. Da sich aber schon bei der vorjährigen Ausstellung großer Andrang bemerkbar machte, ist für Sonntag nachmittag ein Sonderentree von 10 Pfg. angesetzt.

iv. Wißmar, 17. Mai. Gestern nachmittag ereignete stch auf unserer Dorfstraße ein bedauerlicher UnglückSsall. Ein vierjähriges Mädchen deS Hüttenarbeiters H. Ford ach von hier war einem mit langen Tannenbäumen beladenen Fuhrwerk so nahe gekommen, daß es von einer schwankenden Tanne getroffen wurde. Eine halb- Stunde darauf starb bereits daS Kind.

x Ober-Ohmen, 17. Mai. In der hiesigen Ge­markung ist eine Backsteinbrennerei, sogen. Feldbrand, ins Leben gerufen und damit ein für unsere Gegend nicht vorhandenes Unternehmen gegründet worden. Die Unter­nehmer haben die Erde fachmännisch untersuchen lassen. Diese Prüfung hat ein gutes Resultat ergeben. Da das Beziehen der Feldbrandsteine durch die weite Fracht und den Achsen­transport von der Bahn große Unkosten verursacht, so daß diese auch hier zum Bauen immer mehr begehrten Steine sehr teuer werden, so steht den Unternehmern eine gute Ren- tierung in Aussicht.

c. Altenhain (Kr. Schotten), 17. Mai. Einem lang* gehegten Bedürfnisse entspricht der hier projektierte Neu­bau eines Schulhauses. Die gestern erfolgte Grund­steinlegung dazu war mit einer kleinen Feier verknüpft. Anwesend waren die Vertreter der Großh. Kreisschulkommiffion in Schotten sowie der den Bau leitende Techniker S ommer- ko rn aus Laubach. Ein Choral der Schulkinder eröffnete und schloß die Feier. Nach den üblichen drei Hammer­schlägen hielt Geh. Regierungsrat Schönfeld eine kleine Ansprache. Zu dem Bau des Schulhauses, das Ostern 1906 seiner Bestimmung übergeben werden soll, wird allein Vogels­berger Material (Basaltstein) verwendet werden.

fc. Frankfurt a. M., 17. Mai. Wie man hört, soll am Hohenzollernplatz eine Sängerfesthalle gebaut werden. (Bekanntlich ist kürzlich die Meldung aufgetaucht, daß auf

freunde bereit finden lassen, fast die ganze Summe durch freiwillige Spenden aufzubringen. Von der Stadt wurde nur ein Zuschuß von 50 000 Mark gefordert, der ihr ein Besitz­anrecht sichert, sodaß ohne ihre Zustimmung das Bild nicht weiter verkauft werden darf.

Paris, 17. Mai. Lebhaftes Interesse erregt ein Vortrag Metschnikows in der medizinischen Akademie über Arbeiten der Berliner Forscher Schaudinn und Hoff­mann zur Auffindung des Erregers der Syphilis. Bei 4 von 6 erkrankten Affen konnte Metschnikow die von den Berliner Geleinten isolierte Spirila Pallida finden.

Wien, 17. Mai. Kaiser Franz Josef erschien gestern im Atelier des Bildhauers Wyr, um das Relief für die Peterskirche zu besichtigen Bei dieser Gelegenheit besichtigte der Kaiser auch den Raum, in welchem die Maler Kossak und Temple ein Kolossal-Gemälde fertig stellen, auf welchem die Szejen vor demWinter-Palais inPetersburg am 22. Januar naturgetreu dargestellt sind. Der Kaiser verriet ein starkes Interesse an den tragischen Vorgängen, welche bic beiden Maler mit großer Virtuosität auf die 8V2 Meter lange? Leinwand gebannt haben. Im Mittelpunkt des großen Bildes! steht der Priester Gapon. Man sieht die Dragoner auf das Volk einhauen. Viele liegen verwundet und in ihrem Mute schwimmend im Schnee. Der Kaiser sah sich das Bild lange Zelt an ohne ein Wort zu sprechen Er war sichtlich bewegt und sprach den Künstlern seine Anerkennung aus. Das Bild wird demnächst auch in Berlin zu sehen sein.