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Erstes Blatt.
155. Jahrgang
Montag 17. Juli 1808
ehren* tot Depeschen: Vuzetger Götzen.
AernlprrchanlcdlußNr 51
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außer Sonntag».
Dem Siebener Anzeiger gerben int Wechsel mit Mm VesUschen Landwirt pt« Stetzeirer fiamUien- Hätte» viermal in der Woche bergelegl.
AotattonSdruck u. Vertag bei v r ü h l'schen Natvers.»Buch-u. Stein» brurferet. Ä Lang». Aebakttoa, ®n*butmi
GietzemrAmeiger
General-Anzeiger w
Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen
monallich75 Pl^ viertel iübrltch Ms. 8.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post Ms. 3.— viertel» jährt. auSschl. Bestellg. "„nähme o-i» Lnzet".» ir bie Lr idr-aimct 4 voantttrgg g 'lln, ’)(. 'aroretfi:
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Die Keutiqe 'Nummer umtattl 8 Seiten
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Deutsches Reich.
Berlin, 16. Juli. Man meldet aus der schwedischen Hafenstadt Geflx vom heutigen: Gestern ging der Kaiser bei Bönau im Motoorboot an Land und machte einen Spaziergang. Heute ist die Kaiserjacht „Hohenzollern" vor Hernösand eingetroffen.
— Gestern fand hier unter Teilnahme der Delegierten von 26 Brauerei-Bezirksvereinen die Konstituierung eines auf das ganze'Reich sich erstreckenden Bopkottschutzverbandes deutscher Brauereien statt. Der neue, als Ver- ficherungsverein auf Gegenseitigkeit begründete Schutzverband verfolgt auf erweiterter Grundlage, unter Anvaffung an die durch die neuere Versicherungs-Gesetzgebung geschaffene Rechtslage dieselben Zwecke, wie der vor zehn Jahren begründete, seitdem bestehende Zentralverband deutscher Brauereien gegen Verrufserklärungen. Dem Schutzverbande traten sofort nahezu vierhundert, einen namhaften Teil der deutschen B iererzeugung auf sich vereinigende Brauereien bei. Der satzungsgemäß aufzubringende Reservefonds wurde auf eine Million, der Gründungsfonds auf mindestens 200 000 Mk. bemessen.
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(Vgl. auch die „Politische Wochenschau.*) Den Posten eines General-Inspekteurs Artillerie, einer neugeschaffenen.Stellung, erhielt der bisherige Inspekteur der Artillerie, Großfürst Sergius Michajlowitsch. Die Stellung des Inspekteurs der Artillerie
wurde aufgehoben.
Der „Regierungsbotea veröffentlicht einen Gnadenerlaß für diejenigen, welche wegen religiöser Vergehen Strafen verbüßen oder Bestrafungen zu erwarten haben. Die Strafzeit der wegen religiöser Vergehen zu Korrektionsstrafen, Festung, Gefängnis oder Haft Verurteilten wird um ein Drittel, diejenige der zu Zwangsarbeit mit Rechtsverlust Verurteilten um die Hälfte verkürzt. Letzteres findet auch Anwendung auf die zu Gefängnishast verurteilten Minder- jährigen.
AuS Lodz wird gemeldet: Als die Kamieugaffe ein Zug Manifestanten kreuzte, feuerten Kosaken in die Menge. Darauf wurden aus einem Hause 7—10 Revolver- sihüffe abgegeben und von den Einwohnern mit Steinen auf die Soldaten und die Polizei geworfen. Das Haus wurde schließlich gestürmt, wobei drei Personen erschossen, sechs verwundet und die übrigen verhaftet wurden.
Nach einer weiteren Meldung aus Lodz ist auf dem Wege von dort nach Zgterz unter einer Kosakenabteilung von 200 Mann eine Meuterei ausgebrochen. 60 Mann weigerten sich, das ihnen angebotene Mittagessen anzunehmen, da es zu schlecht sei. Sie sandten einen aus ihrer Mitte, den Mohamedaner Ali Chasanow, zum Rittmeister, um die Forderung zu überbringen, daß ihnen wegen des Kriegszustandes, in dem sie sich zu befinden glauben, doppelte Rationen und doppelte Löhnung zugestanden wurden. Der R i t t m e i st e r e r s ch o ß Masanow auf der Stelle. Die Kosaken verharrten trotzdem auf ihrer Forderung. Es mußte Infanterie herbeigeholt werden. der es schließlich gelang, die 60 Meuterer zu fesseln. Sie wurden in das Militar- gefängnis der Festung Iwangorod abgeführt.
Der Verwaltungsrat der Warschau-Wiener Eisenbahn hat angeordnet, daß die polnische und russische Sprache nebeneinander Dienstsprache werden.
Aas Iuöiläumsfeff der Kießener Aeuerivehren.
Gießen, den 17. Juli 1905.
Es ist ein merkwürdiges Zeichen unserer Zeit, daß wir trotz der Raschlebigkeit, die so oft konstatiert wird, die Meilensteine unserer Laufbahn, seien es solche in dem . so üppig blühenden Vereinsleben, seien es die in der Existenz des Einzelnen, wie nie zuvor zählen und mit Festen umgeben. Wir feiern nicht nur die Berufsjubiläen, die Vereinsjubelfeste, die so glorreichen Gießener „Fünfzigerfeste", sondern auch, namentlich innerhalb der Vereine, die sich alle „betätigen" wollen, die Föhnen-, Wiegen- und Abschiedsfest-, wenn em nur scheinbarer ode. unscheinbarer Anlaß der maßgebenden Persönlichkeit den Kopf verdreht hat. Und der Verem .St-nnm- tisch Feuchte Ecke" in X-Heim nimmt es der Zestung bitter Übel, daß sie zum 41. Geburtstag ihres „rührigen und ver- dienstvollen' Vorsitzenden den angebotenen Festbericht m unbegreiflicher Weise verschmäht hat . . .
Wenn alle Welt beständig über die ost so willkürlich gesetzten Meilen- oder Halbmeilensteine stolpern muß, so haben alle wirklichen und gerechtfertigten Gedenktage darunter zu leiden Es liegt zu nahe, daß eine blinde Konkurrenzhatz allenthalben entsteht, um die übertriebensten Aufgebote gerade, da zu veranstalten, wo die Feste anfangen, rummelmatzig, langweilig und geisttötend zu wirken.
Unsere Feuerwehren, die auf em halbes Jahrhundert Vergangenheit l)eute zurückblicken, haben gerechten -lnlaß gehabt, diesen Tag zu feiern und neue Freude zu ihrer schonen und hilfbereiten Wirksamkeit zu sammeln. Ein derartiges Fest ist mit Recht außerordentlich populär; — wir wußten kaum eine andere Korporation, die so allgemeine Anteilnahme an ibrem Ehrentage verdient als gerade die Feuerwehr die sonst nur bei schreckensvollen Katastrophen m Aktion tritt, wenn die Bevölkerung mit banger Sorge ihrem tapferen Rettungs
werk zusieht. Kräftig und freudig mußte die Anerkennung an ihrem Jubiläumstag in aller Herzen erwachen.
So war es denn gestern erfreulich, in dem stattlichen Festzuge so viele auch von auswärts erschienene Feuerwehrleute marschieren zu sehen, ein Zeichen der Eintracht, das gerade bei den Männern der Pflicht und Aiifopserung doppelt angenehm berührte. Die sonst übliche zahlreiche Beteiligung aller möglicher anderer auswärtiger Gesellschaften wurde nicht vermißt. Denn was haben im Grunde der Verein „Frohe Laune' aus der Wetterau oder jener Stammtisch bei einem Feste der Feuerwehren verloren? Da? Band der Brüderlichkeit aller Menschen braucht hier nicht so stark betont zu werden . . .
Die Gießener Einwohnerschaft hat zu dem Feste ihrer Feuerwehren ihre Anteilnahme auf das Schönste durch den Fahnenschmuck ihrer Häuser gezeigt. Auch Guirlanden und Ehrenpforten geben der Stadt ein festliches Aussehen. Und die „Spitzen' hatten wieder einmal trotz der Julihitze den Zylinderhut aufgesetzt, um das Interesse der Allgemeinheit an der Feier zu demonstrieren.
Der Begrüßungsabend am Samstag, der durch einen Zapfenstreich durch die Straßen der Stadt eingeleitet wurde, nahm in der hübschen, festlich dekorierten Halle auf Oswaldsgarten einen schönen Verlauf. Die prächtigen Beleuchtungseffekte durch Gasflammen an der Faffade der Halle wurden mit besonderem Vergnügen entgegengenommen. Drinnen konzertierte die hiesige Militärkapelle, weil sie den Musikanten der Feuerwehr mit ihren künstlerischen Darbietungen doch überlegen ist. Und bei der ansprechenden Musik gerieten die Feuerwehrmänner und das Festpublikum bald in eine gehobene, muntere Stimmung, sodaß einzelnen späteren Ansprachen wenig Gehör geschenkt wurde. Es brachten ihre Glückwünsche dar: die Wormser Feuerwehr, die durch ihren Kommandanten einen Pokal überreichen ließ; die Frauen und Jungfrauen, deren Sprecherin, Frl. Schwan, eine Fahnenschleife an die Standarte heftete, Dekorationsmaler Eise, der die voin Gesangverein Heiterkeit gestiftete Spange überreichte, L. Alt ho ff, der namens der Gießener Turnerschaft in markigen Worten ein Gut Heil auf die Feuerweh' ausbrachte; Hauptnumn Vetzberger- Ridda für den Landesausschuß Hess. Feuerwehren. Den Dank für die dargebrachten Glückwünsche und Geschenke stattete Brandinspektor Wigandt ab.
Die eigentliche Festrede wurde mit allgemeinem Jntereffe gehört; Stadtv. Schmoll hielt sie, nachdem der 1. Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses, Stadtv. Helm mit kurzen Worten den Festabend eröffnet hatte. Wir geben die Rede des Herrn Schwall im Wortlaut wieder:
Hochgeehrte Festversammlung!
Im Namen deS Festausschusses habe ich die Ehre, Sic zur Jubelfeier unserer Feuerwehren nochmal- zu begrüßen, Sie alle herzlichst will- kommen zu heißen, die Sie in dichten Scharen hier zusammengeströmt sind, um die- Ehrenfest würdig einzuleiten.
Gut Wehr! rufen Sie mit mir einmütig den beiden Jnbilaren, der Gail'schen und der Gießener freiwilligen Feuerwehr heute zu — die so oft Schulter an Schulter in einem halben Jahrhundert dem verheerenden Element in Sturm und Graus entgegengetreten sind und nun nach so manchem gemeinsam siegreich durchgesührten Kampf beute festlich vereint sind einen Höhepunkt der Erinnerung zn feiern, ihrem Wirken ein Gedenkzeichen aufzurichten, von dem auö neue Begeisterung zu künftigen Taten ausgehen soll.
Fünfzig Jahre sind im Strom der Zeiten nur eine kurze Spanne 3eit, aber für uns sterbliche Menschen bedeuten sie mehr und wir nehmen noch hinzu, was sich innerhalb derselben alles in unserer Stadt Gießen entwickelt hat — wie die mannigfachen Organisationen der Menschen- und Nächstenliebe zur tatkräftigen Hilfe in schwerer Not, zu denen in erster Linie auch die Feuerwehren gehören mit ihrem Doppcl-Wablspruch:
„Einer für Alle und Alle für Einen!" „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!"
Mit diesem Wahlspruch, mit solchen idealen Gedanken sind nach den primitiven Feuerlöscheinrichtungen vor fünfzig Jahren unsere hiesigen Feuerwehren gegründet worden im Jahre 1855, und ein hochherziger, edler Bürger unserer Stadt, ein Mann, dem Gießen ein für alle Zeit hervorragendes Teil seiner wirtschaftlichen Bedeutung verdankt — Herr Georg Philipp Gail — gab hierzu die erste Anregung; er schuf und stützte die erste organisierte Gail'sche Feuerwehr, ihm folgend traten Bürger imd Bürgerssöhne zusammen — imb der Feuerfunken echter hilfsbereiter Menschenliebe zündete weiter, sodaß bald die zweite, „Städtische Feuerwehr". inS Leben trat.
Das waren in damaliger Zeit umso größere Taten, als unsere Stadt noch in kleinen, engen Verhältnissen lebte; noch wissen bie älteren unter unS wie eng unsere Grenzen gewesen, welch' schmaler Gürtel die Stadt umschloß, wie trüb die Straßenlaternen damals brannten, die an ihren eisernen Ketten hin und her schaukelnd die Finsternis zu erhellen suchten, bis mit dem Gas „Mehr Licht!" in unsere Manern kam.
Und „Mehr Licht!" war nicht mrr da, sondern auch sonst noch nötig, auch nötig, um die Feuerwehr populär zu machen, vou der em Lied auö jener Zeit scherzhaft, vielleicht auch spottweise sang:
In Rodheim that eS brennm, Der Bauer sagt es an, Die Feuerwehr thnt rennen, Ist rüstig angethan!
Der Moritz mit der Schelle, Der Hauptmann mit der Brill, Sie kommen all' zur Stelle, Man weiß nicht waS man willst Aber man wußte es doch, und nachdem die Metz'sche Spritze hier ihren Einzug gehalten, da waren die Wehren bald schon so gut organisiert, so trefflich Mfchrlt, daß sie im Ernst von sich rühmen durften:
„Sßir dämpfen jedes Feuermeer Mit unserer Metz'schen Spritze!"
Seitdem sind die Gießener Feuerwehren immer noch mehr aus sich beranSaewachsen zn einer der tatkräftigsten WehlfahrtSeinrichtnngen unserer Stadt, und wenn ich hier als Stadtverordneter noch ein Wort einlegen darf dem meine Kollegen im Stadttat freudig beistimmen, so sei es dies, daß'wir alle stolz darauf sind, solche Wehren als kostbares Gemeingut unser eigen nennen zu dürfen.
Was früher unseren Bürgern und Bürgerssöhnen alS lokalpattio« tikche Pflicht erschien, aus freiem, edlen Willen gegründet, gefördert, gepflegt und zu hoher Stufe der Entwicklung gebracht wurde, daS hat unter Mitwirkung der Gesetzgebung noch eine weitere Förderung erfahren, und so stehen unsere Wehren heute groß da, in 50 Jahren ein Schutz und Schirm der Stadt gewesen, beute noch mehr und mit allen modernen Hilfsmitteln unserer Zeit „eine mächtige Wehr" für HanS und Hof, für Leben und Gut der Mitmenschen!
llnb wenn wir nun jetzt in festlich frohen Stunden dieses Doppeljubiläum feiern, wenn unsere Herren warm werden in der Erinnerung an vergangene Zeiten und wenn in ihnen aufsteigen auch die Schattenbilder so mancher ans der Vergangenheit, die sich hochherzig einst jenem Dienst geweiht, wenn wir in unserer Mitte und in unserer Stadt noch so viele lebende Zeugen sehen, die in den besten Jahren den Wehren ihre Kräfte gewidmet haben in uneigennützigster, selbstverleugnender Weise, und wenn wir umgeben sind von den Feuerwehrleuten unserer Tage, dann ist es ein erhebendes Gefühl, zu wissen, daß alles dies entsprungen ist dem einen Gedanken:
„Einer für Alle und Alle für Einen!"
So möge es denn allezeit bleiben, getragen von edelstem Bürgersinn, gestützt durch die Opserwilligkeit der Familie Gail, die selbstlos bis zu dieser Stunde dauert, gefördert durch Stadt und Staat, mögett unsere Wehren weiter blühen und gute Früchte zeitigen!
Ja, die Zeit eilt in raschem Flug an uns vorbei, daS wissen die am besten, die noch aus dem Gründungsjahr unter uns weilen, die Zeit und der alte schöne Brauch ist in den Städten längst vorüber, wo t9 noch in nächtlicher Stunde durch die stillen Gaffen klang:
„Bewahrt das Feuer und das Licht Daß Vieser Stadt kein Leid geschicht Und lobet Gott den Herrn!"
Aber der Geist jener Zeit umweht unS noch, weil tote wissen, daß Gottes Auge nicht aufhört über unS zu wachen und daß wohlgeübte, zielbewußte Männer unsere Wehren bilden für die Stunde« der Not und Gefahr!
Darum weiter fort in die neue zweite Hälfte deS Jahrhunderts mit der alten Losung: „Gott zur Ebr, dem '.Nächsten zur Wehr!"
Das wollen wir besiegeln als unseren Gruß, Dank und Glückwunsch am heutigen Jubiläums- und Ehrentag in dem dreifachen Ruf:
Gut Wehr! Gut Wehr! Gut Wehr!
Oberbürgermeister Mecum ergriff gleichfalls daS Wort um die Feuerwehren zu beglückwünschen, und dieMitteilttng hinzu-» zufügen, daß auch S. Exz. Finanzminister Dr. Gnauth Sonntags um 11 Uhr wieder einmal die Stadt Gießen besuchen wolle.
Die spateren Ansprachen von Vereinsvertretern, btt gleichfalls Glückwünsche zum Ausdrrtck brachten, gingen, rote erwähnt, in dem allgemeinen Festesjubel b&r ^großzn Hcuj fl verloren. Und es war nicht schade bäumt, denn viel Reue iverden die Reden wohl nicht enthalten haben, und die Anwesenden wollten nichts.Offizielles und Belehrendes, sondern Unterhaltendes und Amüsement. Da die Festhalle noch um Mitternacht nicht geräumt war, wird wohl jeder auf seine Rechnung gekommen sein.
Und gestern war auch noch ein Tag. Da waren schon in aller Frühe, um 6 % Uhr, teilweise dieselben Herren miedet auf den Beinen, um den Weckruf zu führen und zu begleiten und um die auswärtigen Gäste zu empfangen. Sie kamen scharcnwciS, und der anbrechende Tag, den man übrigens mc vor dem Abend loben soll, schien daS beste Wetter zrr versprechen. Auf dem Wege, den die Morgenmufik nahm^ wttrden den Herren Geheimrat Dr. Breidert, Kirchenrat Dr«! Naumann, Oberbgm.Mecum und Kommerzienrat GailStändchen gebracht. Punkt 11 Uhr fand auf dem Festplatz in Ansl Wesenheit zahlreicher Herren vom Ehren- und Festausschuß eine große Paradeaufstellung statt, wozu viel Zuschau« sich eingefunden hatten. Es ging dabei militärisch zu, rmh auf Kommando — Branddirektor Traber leitete die Hebung — wurde stramm marschiert und mit den Spritzenwagen Bewegungsübungen ausgeführt. Die Feuerwehrkapelle musizierte. Drüben, auf einer Art Terraffe im Gailschen Garten, saßen die „Damen in schönem Kränzt und sahen dem Schauspiel zu. Da gewahrten sie denn auch, wie Se. Exz. Finanzminister Dr. Gnauth auf dem Festplatz cintraf und in Begleitung der anderen Herren die Front bei Feuerwehrleute abschritt. Prooinzialdirektor Geheimerat Dh Breibert nahm mit einer Ansprache an bie aufgestelltep Mannschaften bie Ueberreichung der von Seiner Königlichen Hoheit bem Großherzog verliehenen Auszeichnungen vor, btd wir am Schluffe bieses Artikels veröffentlichen, unb forberte zuj einem Hoch auf ben Lanbesherrn auf, bas begeisterten 2Sibet>| hall fand. Damit war die Parade zu Ende. Die Feuer-i ivehrmänner marschierten geschlossen unter Musik nach bem! Turmhaus am Brand, wo sich auch die übrigen interessierten Herren emfanden, um ben angekündigten Brandangrif^ auf ben Bau ber früheren Universitätsbibliothek mitanzuschen.
Dieser Branbangriff war wohl ber interessanteste Teilt der ganzen Feier. Signale, Pfeifen und Hörner, ertönten, unbj augenblicklich rückten von rechts und links die Feuerwehv- männer mit ihren Geräten heran. Im Nu waren drei Leitern an dem Gebäude aufgezogen, und es dauerte wiederum nicht lange, so ließen von ben Spitzen ber Leitern die Spritzen ihren Wasserstrahl auf das Dach nieder, indeffen anders Mannschaften bie Fenster des Gebäudes erstiegen und die mannigfachsten Rettungsversuche anstellten. Da wurden bie Rettungssäcke in Funktion gesetzt ober die Leitern bewährten sich als RettungSmittel. Plötzlich sahen die zahllosen Zu-« schauer im weiten Umkre'^ zu ihrem nicht geringen Schrecken einige Feuerwehrleute einfach aus den Fenstern auf ben Platz springen. Allein es geschah ihnen nichts; es gab einen tüchtigen Plumps und bie ausgebreiteten Tücher ließen die Abgesprungenen unbeschädigt zur Erde gelangen. Auch an Seilen ließen sich Mannschaften auf bie Straße nieder. Besonderes Juteresse erregte die große Rettungsleiter, über bie,


