L?ssizier- von Port Arthur berichtete, der versucht haben sollte, unter Bruch seines Ehrenwortes zur aktiven Armee zu gelangen, beruht offenbar auf einem Mißverständnis. Das Eintreffen des Offiziers in Sinmintzing erklärt sich durch seinen Wunsch, von Shanghai aus mittelst der chinesischen Eisenbahn in die Heimat ^ürückzukehren.
London, 15. März. Die rassische Regierung bat Information erhalten, wonach Japan in nächster Zeit die Belagerung von Wladiwostok in Angriff nehmen wird. Gleichzeitig wird die japanische Kriegsleitung eine Expedition entsenden, um von der Insel Sachalin Besitz zu ergreifen.
Das Ende der Hull-Affäre.
Im englischen Unterha.rsc erwiderte auf eine Anfrage wegen der Kosten der Hu11kommis sion Unterstaats- sekrEr Percp, die Schätzung der England erwachsenen Kosten ist noch unmöglich. England trägt die aus der Vertretung des englischen Standpunktes vor der Kommission erwachsenden Kokten. Die Ausgaben für die Führung der Untersuchung tragen England und Rußland zu gleichen Teilen. Irgendwelche Unterhandlungen mit Rußland im Zusammenhang mit der Hull- affäre schweben nicht mein*. Soweit mir bekannt ist, ist die Angelegenheit als end gilt ig abgeschlossen anzu- ffehen.
— Die Verteilung der von Rußland gezahlten Entschädigungssumme für die Opfer des Hüller Zwischenfalles hat stattgefunden. Die Witwe des getöteten Kapitäns erhielt 100 000 Mk., während weitere 100 000 Mk. den Hinterbliebenen der beiden getöteten Fischer ausgezahlt wurden. Ein Fischer, dem die Hand abgeschoffen worden war, erhielt 40 000 Mk. Der Rest von 640 000 Mk. ift unter die Eigentümer der in Grund gebohrten oder beschädigten Schiffe verteilt worden.
Rußland in Sturm und Drang.
Wie aus Petersburg berichtet wird, zirkulieren dort .Gerüchte über den angegriffenen Zustand des Zaren. Gestern ließ der Zar zum Andenken an Zar Alexander II., der bekanntlich durch eine Bombe getötet wurde, eine Totenmesse lesen, an welcher außer der kaiserlichen Familie niemand teilnahm.
Das Ministerkomitee beschloß aut Vorschlag des Großfürsten Konstantin, die einschränkenden Bestimmungen, die bezüglich der Veröffentlichung des neuen Testamentes in kleinrussischer Sprache bestehen, aufzuheben. Gleichzeitig wurde der Erklärung des Metrovoliten zugestimmt, daß jedemal, wenn esine solche Veröffentlichung erfolgen soll, die Zustimmung des heiligen Sounds einzuholen ist. Dieser Beschluß wurde vom Kaiser bestätigt.
'Aus Warschau wird berichtet, daß die Unruhen -kn Russisch-Polen bedeutend zu nehmen.
Im Zirkus zu Warschau führte, wie das „B. T." mitteilt, ein Klown einen dressierten Esel vor. Rach,- dem Grauchen verschiedene Kunststücke gezeigt, sollte es auch exerzieren.. Auf das Kommando „Vorwärts" konzentrierte der Esel sich aber rückwärts. Je mehir der Dresseur „Vorwärts" rief, desto mehr eilte das Tier zurück. Darauf tief, der Klown: „Aha, ich merke, du bist Ku r o p a t k i n!" Tiefer Scherz rief ein ungeheures Gelächter und einen stürmischen Beifall hervor. Auf polizeilichen Befehl wurde der Zirkus geschlossen und der Klown verhaftet.
Es geht das Gerücht, daß im östlichen Teile des Bezirks ,Rowgorod-Sjewersk Unruhen ausgebrochen sind. In mehreren Dörfern sprechen die Bauern ganz offen von der Aufteilung des Grundbesitzes:
Unweit Bobruisk trafen angeheiterte Bauern einen jüdischen Handwerker auf der Landstraße. „Schlagt den -Juden tot!" riefen die Bauern und stürzten sich auf den Wanderer. Um sich zu wehren, zog der Handwerker einen Revolver aus der Tasche und feuerte auf die Angreifer. Die Bauern, durch die Gegenwehr aufs heftigste gereizt, umringten ihn, warfen ihn zu Boden, banden ihn mit Stricken fest und brachten ihn in solchem Zustande in das Dorf Dedino. Hier versammelte sich das ganze Dorf, und auf Befehl des Dorfältesten wurde er m i t E i s e n st ä b e n so lange geschlagen, bis er vollständig die Besinnung verlor und halbtot dalag. Einer von den Bauern hob seine Axt und wollte ihm noch einen Schlag versetzen, aber er wurde von den anderen abgehalten. Am anderen Tage wurde der sch werverletzte M antzr an die Schweife zweier Pferde gebunden und nach der Wohnung des Pristaws rrn Dorfe Sorbatschewizi gebracht. Der arme Handwerker konnte kaum noch atmen. Der Pristaw gab unverzüglich Befehl, den Handwerker zu befreien und ihn ins Lazarett nach Bobruisk überzuführen. Sein Zustand ist hoffnungslos. Die Bauern und der Dorfälteste sind verhaftet.
Wie der „Jntransigeant" zu berichten weiß, ist der Priester Gapon nach dem Petersburger Blutbad von der Polizei gehängt worden. Dre G-eschichte von seiner Flucht und Fahrt durch Europa sei eine Legende. (??)
Aus AM und Land.
Gießen, den 16. März 1905.
** Stadttheater. Nächsten Sonntag abend findet .'das Benefiz für Herrn de Giorgi statt. Ter Künstler, der gerade als Komiker bekanntlich sehr Gutes leistet, hat sich dazu den Schwank „Hans Huckebein" ausersehen, indem er die dankbare Rolle des Boris Mensky spielen wird.
** Ein Schneider streik ist heute den hiesigen Konfektionsgeschäften von den Schneidern Gießens angekündigt worden, da die Arbeitgeber auf die Forderungen der Arbeitnehmer nicht eingingen. Der Streik wird in 14 Tagen in Wirkung treten, falls bis dahin eine Einigung nicht erzielt wird; die Schneider hielten vorgestern eine Versammlung ab, in der der Streik proklamiert wurde.
sd. Darmstadt, 16. März. (Eigener Drahtbericht.) Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar- Eisenach ist gestern abend zu mehrtägigem Besuch seines Verwandten, des Prinzen Psenburg - Büdingen, hier ein- zetroffen.
Mainz, 15. März. Das Projekt des Terrassenumbaues an der Stadthalle, dessen Verwirklichung 265 000 Mk. kosten würde, wozu aber noch etwa 70 000Mk. für die Einführung des elektrischen Lichtes und sonstige Ausbesserungsarbeiten der Halle getreten wären, wurde d»rch den Finanzausschuß abaelebnt. Es ist möglich, daß nunmehr ein anderes, billigeres Projekt bearbeitet wird. — Zur Feier aus Anlaß des hundertjährigen Todestages Schillers wurde eine Summe von 6 4 00MI". zur Aufführung des „Wilhelm Teil" an den Tagen des 9., 10. und 11. Mai bewilligt. .Bezüglich der Beschaffung eines „Schillerbuches* wurde
beschlossen, Den Schmausschuß darüber zu hören, besonders darüber, ob es nicht zweckmäßig sei, sich mit anderen Städten in Verbindung zu setzen, um mit diesen gemeinsam ein Werk über Schiller zu beschaffen. — Anfangs Juni ds. Is. findet hier ein Kinde rhilfStag statt, veranstaltet vom Verband Mainzer Frauenvereine.
h. Mainz, 16. März. (Eigener Drahtbericht.) Heute nacht starb im Alter von 79 Jahren der verdiente 79jährige protestantische Pfarrer Steinmetz, Der früher lange Jahre eine Privatlehranstalt in Gießen geleitet hat.
** Kleine Mitteilungen aus Hess-' n und den Nachbarstaaten. In Mainz bat sieb der 26 jäbrige Sobn des Gerichtsvollziehers Sipvel in einem Hotel erschossen. — In H unge n wurde auf dem dortigen Bahnhof am 15. ds. Mts. die Bahnsteigsperre eingeführt.
Zwei Eide.
th. Gießen, 15. März.
Gest-rn verhandelte die Strafkammer den ganzen Tag über gegen den Spenglermeister K. von Rieder-Wöllstadt wegen fahrlässigen F als cheides. Bei der Beweisaufnahme trat der Angeklagte und sein Vergehen voll^ändig in den Hintergrunds Durch die Vernehmung zahlreicher Zeugen wurde nämlich der die Z>'vilgerjchte besebäst'^nde Prozeß aufgerollt, den der Landwirt T. von Rieder-Wöllstadt aeacn Rechtsanwalt. S. von Friedberg wegen Rückzahlung von 3000 Mark führt, die der Kläger dem Anwalt gegeben haben will, d^mit dieser hohe Iustizbeamte b e st e ch e . um ein angeblich gegen T. schwebendes Strafverfahren ans der Welt zu sck"-sten. K., welcher beinahe am Schluß des Verfahrens vor der Z''ülkammer des Gießener Landgerichts vom Rechtsanwalt S. als Zeuae^ genannt wurde, bat. wie der Vorsitzende der Z'vilkammer gestern als Zeuge erklärte, durch seine Anssewe die Bekundung eines anderen S. belastenden Zmgen ausgeglichen, sodaß nach der Schlußverhandlung das Gericht beschloß, den S. schwärm zu lassen, wenn das Oberlandesgericht, vor dem der Prozeß T. gegen S. jetzt schwebt, das Landgerichts- Urteil nicht aufbebt. Landgerichts-Direktor Dr. Gänger ich erklärte, daß wahrscheinlich ohne die Dazwischenkunft des An- geklaaten der Zivilvroze'"' dahin entschieden worden wäre, daß der Landwirt T. zum Eid gekommen wäre. — Rechtsanwalt Keller- Friedberg, welcher mit dem Zivstvrozeß gegen S. anwaltlich nicksts zu tun Hute, erklärte a's Zeuge, er habe sich nicht gewundwt darüber, daß der Angeklagte als Z'uge vor dem Zivilgericht objektiv falsche Aussagen gemacht hat, denn das. worüber er ausgesa'-'t h^be. liege etwa fünf Fahre zurück und die Sachlage sei m*i ziemlich kompliziert. Er müsse aber er- llären. daß er sehr verwundert darüber gewesen sei, daß Rechtsanwalt S., der bei der Vernehmung des K. zugegen war, unD der die Sack^nae genan lmnen mußte, zugelassen hat, daß dieser eine solche, Aussage beschwor.
Landwirt T., der vorerst unvereidet vernommen wurde, erklärte, er sei anfangs 1899, als dte Molkereigenossenschaft in Rieder-Wöllstadt verkrachte, bereit Direktor gewesen. Es habe sich, als er infolgedwsin dies Amt niederlegte, ein Fehlbetrag von 6309 Mark vorgefuudm. Wegen Deckung des Betrages habe der Vorstand den Angokc^gten K. zu ibm geschickt, und er habe diesem ä Eouto der Differenz 4000 Mark ausgehändigt, den Rest habe er wenige Tage später durch Zahlung und Verrechnung getilgt. Auf Grund des Genossmschaftsgesetzes habe er weitere 10 000 Mark Entschädigung an die Molkerei bezahlt und zwar, wie alle Vorstands- und Aufsichtsratsinit<Lteder des Unternehmens, um damit die Unterbilanz aus der Welt zu schaffen, welche bei der Molkerei durch schlechte Wirtschaft entstanden war. Infolge diewr Verhaltn'sse bei der Molkerei war im April 1899 gegen den Z'uaen ein Strafverfahren von d-w Staatsanwaltschaft oingeleit"t word"n, welches alur itorh kurzer Zcht ein guter st wurde. T. erklärt nun weiter, dast Ende 1899 eines Tages Rechtsanwalt D zu ihm uach Rieder-Wöllstadt gekommen sei und ihm und seiner Frau mitgeteilt habe, daß die Staatsanwaltschaft aufs Reue gegen ihn vorgehen wolle, • daß er und seine Frau demnächst von Gendarmen geholt würden. Er, S., wolle die Sache aber machen: es müßten 3000 Markherbei. davon bekomme der Staatsanwalt Koch 1500 Mk. und der Rest sei zurBe st echungvon zwei weiteren hohen Beamten. T. erzählte weiter, wie er am Sonntag den 26 Rovember nach Friedberg gereist sei, um die Sache mit den 3000 Mark zu ordnen. Er habe in dnn^ Hause des Rechtsanwalts S. dessen zum Besuch weilenden Sohn getroffen, her ibn auf Befragen in das Zimmer des Raters gewiesen habe. Hier habe er diesem drei Rollen in Gold, je 1000 Mark, für den gedachten Zweck gegeben. S. habe das Geld in seinen Kassenschrank getan und ihm erklärt, eine Quittung brauche er nicht: er. T, könne beruhigt sein, die Sache komme nun i n O r d n u n g.
Rechtsanwalt S. stellt den Vorgang in Abrede und erklärt, es sei kein Wort von dem wahr, was T. a g e. Beide Znrgen S. und T. werden einander gegenübergestellt, und T. wiederholt die schwere Anschuldigrmg.
Der Vorsitzende, Landgerichtsrat S ch ä f e r , macht beide Zeugen darauf aufmerksam, daß nach der Prozeß-Ordnung feder von ihnen einen Eid leisten müsse. Es sei doch ganz undenkbar, daß ein Mensch sich eine Geschichte so aus den Fingern saugen kann, wie sie der T. erzählt habe: auf der anderen Seite aber müsse man sagen, daß es unbegreiflich erscheine, daß jemand glauben könne, hessische hohe Justizbeamte seien bestechlich.
Die Zeugen T. und S. bleiben aber bei ihren Aussagen. Als die beiden Zeugen am Schluffe der Beweisaufnahme vereidet werden sollten, ermahnte der Vorsitzende sie noch einmal dringend, ihre Aussage noch abzuändern, zurückzunehmen, was nicht wahr £i- Ihre beiderseitigen Aussagen seien so klar, daß dabei ein Mißverständnis vollkommen ausgeschlossen sei. Wenn sie beide 'chwören würderr. so wäre wohl Niemand im Saale anwesend, der nicht mit dem Gerichtshof die Ueberzeugung hätte, daß einer von den Zeugen einenMeineid g e l e i st e t habe. Wer derjenige sei, welcher von ihneir wissentlich falsch schwören zri wollen scheine, dies zu beurteilen.^sei nicht Sache dieses O^erichtshofes. Eindringlich, mit erhobener Stimme, langsam jedes Wort wägend, hatte Der Vorsitzende der Kammer gesprochen. Ernst blickte der Ltaatsanwalt und die fünf Richter Den zwei Männern, Die vor ihnen standen, ins Antlitz. Zögernd, absichtlich Die Vereidigung hinaus ziehend, fragte der Vorsitzende erst den einen, dann den andern Zeugen, ob er seine Aussage etwa abzuändern habe. Beide Zeugen erklärten sich bereit, ihre Aussage zu beschwören. Rechtsanwalt S. erthiafym seiner Aktenmappe noch ein Schrift- tück, welches er vorlas. das aber zur Sache selbst nichts enthielt, worauf der Vorsitzende beiden Zeugen den Eid ab na hm und dann erklärte, „ich habe meine Pflicht getan".
Der Angeklagte wurde auf Arstraa des Staatsanwalts wegen des ihm zier Last gelegten fahrlässigen Falscheides vom Gerichtshof f r e i g e sp r o ch e n. Es sei zwar unzweifelhaft fest- gestellt, daß er in mehreren Punkten Unwahres unter Eid ausgesagt habe, jedoch könne nach Lage des Falles von einem strafbaren Falscheide nicht die R^de sein. In der Ladung, auf 61rund deren der Angeklagte als Zeuge vor der Zivilkammer erschien, war uur_ im allgrnneinen angegeben, worüber er vernommen werden sollte, und so konnte er sich über die einzelnen Punkte, über die er gehört wurde, vorher nicht informieren. Es handelte lich dabei um eine Angelegenheit, die fünf Jahre zurücklag und die auch für den einfachen Merrschen recht komplizierter Art war. In einer.t Punkte hat der Angeklagte immerhin Wichtiges verichwiegen, wie er selber zugestanden hat. Hier hat der Ge- ^IwtShof ihm geglaubt, daß er, als er Zeugnis ablegte, sich nicht der Tatsache erinnert hat. die ihm später im Strafverfahren au| Vorhalt erst wieder eiug«'fallen ist. Bedauerlich hat es der Gerichtshof gefunden, daß Rechtsanwalt S. Den Angeklagten in dem Zivilprozeß T. gegen S. als Zeuge auftreten ließ, und damit indirekt verschuldete, daß dieser unter seinem Eide leichtfertig eine Aussage machte, die den Tatsachen nicht eirtspricht.
Vermiete*.
* Die Gräfin Montiqnoso. Das „Dr. veröffentlicht den Wortlaut Des Schreibens, Das Der Kämmerer Des Königs am 10. März bezüglich Der Die künftige BebanD- lung Der Gräfin Montignofo betreffenDen Rechtsangelegenßeit an Iuftizrat Körner gerichtet hat. Das Schreiben lautet: Der König bat beschlossen, allerhöchst seine Vertretung in der privaten Rechtsangelegenheit zu Der Frau Gräfin Montignoso als Regierungsfache behanDeln zu lassen und einen Der Herren Staatsminister Damit zu betrauen. Die Ihnen erteilten Vollmachten werben Deshalb zurückgenommen. Ich Darf Sie bitten, Die Vollmachtsurkunden an mich zurückgelangen zu lassen. Seine Majestät legen übrigens unveränDert Gewicht Darauf, Daß Sie von Dem, was Ihnen aus Anlaß Des Auftrages bekannt geworden ist, nichts veröffentlichen oder sonstwie zur allgemeinen Kenntnis bringen. — Die Gräfin teilt mit, Daß Der sächsische Hof seit Dem 1. März ihre Apanage und Die Zinsen ihrer Mitgift sperrte und Daß sie keine Reserve an GelD besitze, Da sie mit ihrer Apanage und den Zinsen Der Mitgift immer für Den Unterhalt Der Prinzessin Monika sorgte. Sie schickte niemanden zum sächsischen Hofe als UnterhänDler, vielmehr telegraphierte sie am 28. Februar persönlich Dem Könige, Daß sie, um weitere unliebsame Erörterungen in Der Oeffentlichkeit zu vermeiden, bereit wäre, ihrerseits einen Vertreter zu entsenden, Der Dem Hofe Die Warheit über Die Verhältnisse Darlegen könnte; sie erhielt aber keinerlei Antwort. Sie, Die Prinzessin, beauftragte nicht Die ADvokaten Lachenal unD Zehme, mit Dem sächsischen Staatsministerium zu unterhanDeln, sondern lediglich Vorschläge entgegenzunehmen, Da sie sich jede EntscheiDung selbst vorbehalte.
/rnnff und Wi'kenschatt.
M ü n ch e n , 15. März. Die Polizei verbot die Aufführung Des V o l k s st ü ck e s „Ter Seher uon Seespitz", Das einen Konflikt uvischen einem Lehrer und einem Piai-rer hefianDelt.
Nniverstläts- Aachrtchlen.
— Akademische Freiheit. Wie Die „Kreuzztg.^ mitteilt, habe Der Kaiser kürzlich bei einer Hoffestlichkeit zudem Rektor Der Berliner Hochschule gesagt: „Ich begreife gar nicht, wie unsere StnDenten in einem Lande, Dessen Herrscher selb st StnDent war und seine Söhne hat Studenten werden lassen, fürchten können, Daß Die akademische Freiheit angetastet werden könne. Für solche Besorgniffe liegt nicht der aerinaste Grund vor.
(^crichtsraak.
Essen, 15. März. Das Schwurgericht verurteilte zwei Feuerwehrleute Der Rüttenscheider freiwilligen Feuerwehr weaen v e r s u ch t e r B r a n d sti f t u n g zu 3, bezw. 2 Monaten Gefängnis. - Handel und Verkehr. Va!ksmü1j"chall.
Reichsbank. Arn 1. April wird in R e u r o d e eine von der Reichsbankstelle in Schweidnitz abhängige Reichsbanknebenstelle mitKasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
Märkte.
ke. Frankfurt a. M., 16. März. (Tetegr. Orig.-Bericht beS „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen Der heutigen Viehmarkt- preise. Zum Verkaufe standen: 23 Ochsen, 1 aus Lesterreich 1 Bullen, 00 aus Oesterreich, 46 Kühe, Ferfeir, Stiere und Rinder, 0 aus Oesterreich, 829 Kälber, 199 Schafe und Ha'mmel. Bewblt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 69 bis 73 Mk., 2. Qual. 63—65 Mk., 3. Qual. 59—60 Mk.: Bullen 1. Qual. 61—63, 2. Qual. 00—00: Kühe 1. Qualität 63-65 Mk., 2. Qual. 58—60 Alk., 3. Qual. 47—49 Mk., 4. Qual. 37—39 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber 1. Qual. 80—82 Psg., Lebendaewicht 48—50 Pfg., 2. Qualität 75—78 Psg., Lebendaewicht 45-47 Pfg., Schlachtgew. 58—60 Pfg. t Schafe: 1. Qual. 72—75 Pfg.» 2. Qual. 66—70 Psg. Geschäft bei Hornvieh mittelmäßig, Ucherftaub unbedeutend^ bei Kleinvieh out, Neberstand nnbedeutenb.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
Freitag den 17. März, nackm. 5’/2 Uhr, im Konfirmanden» aal Der Lukasgemeinde, Liebigstraße 56: Versammlung Der konfir mierten Mädchen. Pfarrer Euler.
Israelitische Religionsgemeinde.
HottesdienO in der Synagoge (Südankoge). Samstag, Den 18. März 1905.
Vorabend 6.15 Uhr. Morgens 9.00 Uhr. Nachmittags 3.00 UHv Schristerklärung. Sabbathausgang 7.20 Uhr.
Israelitische Religionsgesellschaft.
Aoftesbienff.
Sabbathfeier am 18. März 1905.
Freitag abend: 6.10 Uhr. Samstag vormittag' 8.30 Uhr. Samstag nachmittag: 3.30 Uhr. Sabbathausgang 7.25 Uhr. — WochengottesDienst: morgens 6.45, abends 6.00 Uhr.
Dienstag den 21. März 1905: Purim. Vorabend 6.30, morgens 6.00, abends 6.00 Uhr.
Briefkasten der Redaktion.
(9(no«hine Anfragen bleiben unberücksichtigt.)
B. M. Das Blatt, das Sie namhaft wachen, ist demokratisch.
Telephonischer Kursbericht.
r
3‘/Wo Reichsanleihe . . 101.90 8*»/- d<>. ... 90.50
M/,% Konsole .... 101.90 30/n do 90.50 3'Wn Hessen .... 100.90 3V, % Oberhosflpn . . . 99.70 4% Oesterr. Goldrente . . 102 25 4Vß% Oestorr. Silberrente 101.40 4% Unsrar. Goldrente . . 100.30 40/ halten. Rente . . . 105.45 4il2% Portugieser . . , 67.75 <0/ Portugiesen 68.00 1 % C. Türken . . . , .— Fürkenlose 136.80 4% Griech. Monopol.-An!.’ 52^30 4’/,% äussere Argentiner 45.50
3°/n Mexikaner . . . 35 9& 4Vg'Vr. Chinesen .... 95.50 Electric. Soluckevt . . . 139 40 Nordd Lloyd . . . . 117.20
Kred ;tsktien . . , . 213 90
Diskonto-Kommandit. 1* 192 80 Darmstädter Bank . . . 143.70 Dresdener Bank .... 158 20 Ber'iner Handelsges • 163 25
Oesterr. Staatshalt . . . 141 80 Lombarden 17 40 Gotthardbahn .... 191.30 Lanrahötte . , . . . 265.25 Bochum 246.80 Uarpener . .... 211 20
Staatschatzscheine . . . —
Tendenz: fest.
Original-Dral-tmeldnngen.
Berlin, 16. März. Trotz Heftiger Llgitation gegen die Billetsteuer werden Die Berliner stäDtischen Behörden im Laufe des nächsten Monats Die bezüglichen Tarife fertigstellen.
Berlin, 16. März. Der „Vorwärts" schreibt: Genosse Berfus, der Vorsitzende der polnisch-sozialistischen Partei in Deutschland, zeigt seinen Austritt aus der Partei an, weil die polnischen Sozialisten die Einigung ablehnen, die der Vorstand der polnisch-sozialistischen Partei mit Dem VorstanD Der sozialdemokratischen Partei Deutschlands vereinbarte.
Zeitz, 16. März. Kommerzienrat Albin Noether stiftete der Stadt 200000 Mk. zum Bau eines Volksbades.


