Nr. 40
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Erstes Blatt.
155. Jahrgang
Donnerstag 16. Februar 1905
GietzenerAnzeiger
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v " zeigenteil: Hans Beck.
Die heutige Wummer umfaßt 8 Seilen.
Der deutsche Kaudelstag.
Berlin, 15. Febr.
Der heute hier tagende Deutsche Handelstag nahm rinen Antrag an, welä-er besagt, der Handels tag, habe Veranlassung, seine lebhafte Unzufriedenheit! über die Handelsverträge zu äußern. Für die Aus- gestaltung der Verträge seien die Interessen von Industrie und Handel zurückgesetzt worden hinter dem Streben, die deutschen Zölle für landwirtschaftliche Er-^ Zeugnisse so h o chiwieim ö g li ch zu halten. Allerdings sei in den allgemeinem Bestimmungen der Verträge manche, Verbesserung erzielt. Die Ermäßigung einer Reihe fremder Zollsätze fei als eine Erleichterung der Ausfuhr cmzu- erkennen. Indessen blieben noch viele Wünsche unerfüllt, und das Hauptergebnis sei, daß die Ausfuhr mit stark erhöhten Zollsätzen belastet sei. Wenn gleichwohl der Handelstag sich für die Annahme der Verträge. durch den Reichstag ausspricht, so geschieht dies, weil die Verträge für 12 Jahre eine sichere Unterlage bieten und die Gefahr besteht, daß die Ablehnung eine noch weitergehende Verschlechterung zur Folge hätte.
Jrn weiteren Verlaufe nahm der Hcmdelstag einen Antrag Weigert an, der das Bedauern aussprichit, daß in die Kanal- Vorlage die Bestimmung ausgenommen worden ist, daß auf dem Kanal von dem Rhein zur Wefer, auf dem Anschlüsse nach Hannover, auf dem Lippe-Kanal, sowie auf den Zweigkanälen der Schleppbetrieb einzurichten ist, falls der Entwurf Gesetz werde; es sei zur Verhütung und Milderung der üblen Folgen zu fordern, daß 1. das Schleppmonopol nicht zu einem vollständigen Betriebsmonopol fuhrt, daß 2. das Monopol nicht aus andere Straßen ausgedehnt wird, daß 3. die Genehmigung zum Befahren der dem Schleppmonopol unterworfenen Wasserstraßen durch Schiffe mit eigener Kraft erteilt wird, und daß 4. die Schleppgebühren nicht nach fiskalischen Gesichtspunkten oder nach einseitiger Jnter- essenpolitik bemessen werden, sondern daß sich eine angemessene Vcr- stnsung und Tilgung für die Aufwendungen ergebe.
In der Nachmittagssitzung erklärte Ministerialdirektor Körner auf die Anfrage, ob die Auslegung der Unterscheidung von M a l z - und Futtergerste einem Schiedsgerichte unterworfen werde, die Beurteilung der Beschaffenheit der Gerste unterliege dem Erntet sei: der Zollämter; für ein Schiedsgericht sei kein Raum, irnterstaatssekretär Wermuth führt zur selben Frage aus. daß die Bestimmungen der Anmerkung zur Gerstenposition keine Handhabe zur Anrufung eines Schiedsgerichts bieten; der Zusammenhang der verschiedenen Bestimmungen sichere durchaus die Unterscheidung zwischen Brau - und Futtergerste. Auf eine Anregung des Abg. Gcmtp,.noch vor Erledigung des Vertrages durch diplomatische Verhandlungen feftzustellen, daß ein Schiedsgericht betr. Unterscheidung von Brau- und Futtergerste nicht Platz greife, erwidert Graf Posadowsky, ein solcher Schritt sei in dem fetzigen Stadium durchaus inopportun. Es würde damit die Gefahr entstehen, daß noch eine Reihe anderer Fragen aufs neue ausgerollt werden. Staatssekretär Frhr. v. Richthofen rät gleichfalls davon ab, die Angelegenheit zum Gegenstand einer neuen diplomatischen Erörterung zu machen; man könne zwar den Tag der Eröffnung solcher Verhandlungen feststellen, nicht aber absehen, wann sie wieder geschlossen werden.
In fortgesetzter Beratung wird der Antrag des Geheimrats Miwel-Mainz angenommen, welcher lautet: Ter Handelstag spricht sich dagegen aus, daß in Preußen betreffend die Abgaben auf Flüssen Maßregeln getroffen werben, um die Erhebung von Schifsabrtsabgaben in weiterem Umfange als bisher zu gestatten. Ter Handelstag nahm fernes einen Antrag Dr. Gerschel-Berlin an, nach dem das Verfahren, welches im Falle derÜeberschuldungeinen gerichtlichenZwangs- vergleich außerhalb des Konkurses und zur Abwendung des Konkurses ermöglicht, als dringendes Bedürfnis erklärt wird.
Weitcrberatttng: morgen.
Unser Berliner R.-Korrespondent schreibt uns:
Wir hörten von einem Großindustriellen, der dieser Tage in Berlin weilte und den Reichstagsdebatten folgte, beim Verlassen der Tribüne die nachdenkliche Aeußerung: Warum nur heißt es „Handelsverträge?" Warum nennt man diese Abmachungen nicht aufrichtiger und richtiger: „Verträge zur Hebung der deutschen Landwirtschaft^ Mit dem Handel haben die Vereinbarungen doch inenig zu tun. ... In diesem Sinne lautete das Urteil, das heute die Redner des Handelstags ohne Ausnahme fällten. Offenbar, bemerkte einer der Wortführer, wolle man einmal sehen, wieviel der breite, geduldige Rücken des Jndustrielasttiers zu tragen vormöge! Nicht weniger wie 60 Stimmen sand der Antrag, aus der Resolution des H a n d e l s t a g s - A u s s ä)! u s s es den Absatz zu streichen, worin die Annahme der Verträge der Ablehnungvorgezogen wird!. Aber die Genehmigung der Verträge ist eben nur das „kleinere Uebel". Die Ablehnung würde eine noch weiter gehende Verschlechterung der Verhältnisse zur Folge haben.
Schärfer, als es in der R e s o l u t i o n des Handels- taaes geschieht, konnte die „lebh afte Unzufriedenheit mit dem „schlechten Ausfall der Handelsverträge" nichlt gekennzeichnet werden. Eines nimmt in der Resolution Wunder: daß zum Schluß die Fordemmg ausgedrückt wirb, bei den nächsten abzuschließenden Tarifverträgen (mit den Ver. Staaten usw.) müßten die Interessen von Industrie und Handel besser gewahrt tverden. Eitel Illusion! Die weiteren Verträge werden zweifellos! dieselbe „agrarische Nuance" aufweiseu wie die vorliegenden.
Auf mehrere Anfragen erklärte endlich Posadowskv, er wolle keinen Zweifel darüber lassen, daß mit der Seuchenkonvention der Handelsvertrag st e h e und falle. Er knüpfte hieran Aussührungen über die Vorteile, die die Seuchenkonvention biete und legte dar, daß man bei geeigneter Anivendung ohne Sorge um den Viehstand sein könnte. *
Am Abend fand ein Festmahl statt, aus dem der ,HandelsnunMr M oller u. a. auKführte;
„Möge aus der Ka n a l v v r l a g e ein nationales Wer? hervorsprießen und damit viele Hofftnmgen sich erfüllen. Die Handelsverträge werdett hoffentlich ebenso im Reichstage Anerkennung finden, wie dies dnt letzten Ende heute bei Ihnen geschehen ist. Tie Handelsverträge sind nicht nur für uns, son^dern auch für jene Länder, mit denen sie abgeschlossen wurden. Wir haben jetzt eine gesicherte Basis, auf der wir weiter bauen können, und ich habe die Emvfindung, daß tovc guten Verhältnissen entgegen gehen werden. Wir leben in einer Periode,^in der die Hilfe des Staates angerufeu wird mehr dem: je. Tie starken Individualitättu haben Platz gemacht den Kartellen und Zusammenschlüssen. Mit allen diesen Problemen werden nicht nur wir, sondern auch Sie sich zu beschäftigen haben. Hoffen wir, daß es gelingen wird, zu einem gedeihlichen Resultat zu konnnen.
Hierauf hielt Sir Thomas Barcley eine Rede, in der er ausführte, der größte Teil der Mißverständnisse zwischen den Völkern sei darauf zurückzuführen, daß siesich gegenseitig nicht kennen. Gegenseitiges Sichverstehen scheine aber ihm heute in der westlichen Welt, wo Handel und Wandel die Hauptsorge der Bevölkerung sei, fein Traum mehr. Trotz aller Hetzereien sei er überzeugt, daß weder die englische n o ch die deutsche Regierung einen Augenblick die Idee hegte, daß ein Krieg zwischen beiden Völkern eine praktische Möglichkeit unserer Zeit sein könnte. Tas größte Interesse eines Handelsstaates liege in dem Frieden im Simre guter Beziehungen zwisch-eir allen Handelsstaaten. Tas gemeint am eInter- esse Deutschlands und Englands sei, die Entwickelung und Festigung ihrer guten Beziehungen zu fßrbern. Tie Welt sei awß genug für beide, und die gegenseitige industrielle.Be- k ä m p f u n g sei ein Kampf, derdieManneskraftentwickle und stärke. Redner sprach schließlich die Hoffnung aus, daß Engländer wie Deutsche die Ueberzeugung gewinnen werden, daß es in ihrem gemeinsamen Interesse liegt, nicht nur gegenseitige Geduld zu üben, sondern auch eine enge Verbindung zwischen den westlick^en Völkern herbeizuführen für die Erhaltung der guten und friedlichen Beziehungen zwisckMr ihnen. Tann werde sich vielleicht 'der Traum des Weltftiedens verwirklichen.
Nach Barcley hielt Präsident F r e n tz e l eine Ansprache. W i r haben England viel zu danken. Tie englische Literatur ist seit langem von den Tcutscheit geliebt und ^geehrt und ähirlich liegt es auf vielen Gebieten der Wissenschaft, vor allem aberdertechnischen. Aber auch die E n g l ä n de r sind bei uns in die Schule gegangen. Es ist natiirlich, daß wir in England stets eine uns nahestehende, kongeniale Nation zu sehen glaubten, zumal beide Völker fast immer die gleichen Interessen verfolgten und gegenwärtig die besten Handels kund en sind. So mögen ttrir f aum zu glauben, daß wirklich in der Mehrheit des englischen Volkes eine uns feindliche Gesinnung herrschen, sollte. Wir hoffen jedenfalls, daß derartige Strömungen bald bei einer ruhigen Würdigung der Tinge sich wieder legen werden. Wir wünschen zwischen beiden Nattonen Einverständnis^ und ehrliche Freundschaft, wvber jedem Teil Gerechtigkeit widerfahren wird, natürlich unter der Vormtssetzung voller Gegenseitigkeit, wenn auch das goldene Zeitalter, in bem alle Gegensätze sich ausgleicheir, ein unerreichbares Ideal ist, so ist es doch berechtigt, zu hoffen, daß die Gemeinschaft der Menschen hilfsbereit sein wird im Nachstreben. In solchen Tingen auf tne Hilfsbereitschaft der Engländer rechnen zu können, wird uns eine wahre Freude sein. Ich danke, Sir Thomas, nochmals herzlichst für Ihr Erscheinen, das die Gelegenheit Mm Austausche von Gedankeir gab, die hoffentlich in der Seele unserer beiderseitigen Landsleute einen fteudigen Widerhall finden werden.
schloß mit einem Hoch aus Barcley. ....... .....
Mlitische Tagesschau.
Staatssekretär v. Tirpitz über die Lehren des rusfisch-jap. Krieges.
In der B u d g e t k o m m i s s i o n des R e i chj s t a ge s erklärte bei dem Etat der Reichsmarineverwaltung Staatssekretär v. Tirpitz: Tie russisch-japanischen Erfahr- ungen umfaßten ein sehr großes Gebiet. Tas Linienschiffsgeschwader hätte in dem russisch-japanischen Kriege den Ausschlag gegeben, ohne daß die anderen Schiffstypen überflüssig waren. Man sprach von einem Bankerottdes Linienschiffes, aber wenn man die Tatsachen sprechen lasse, müsse man sagen, die Torpedoboote hätten sich durchaus nid) t bewährt. Solange die Artillerie die Hauptwaffe bliebe, würde die Bedeutung des Linienschiffes nicht vermindert. ' Der Staatssekretär verliest dann Angaben über den Wert der Linienschiffe u a Hinsichtlich der U n t e rs e e b o o t e erklärt v. Tirpitz, sie hätten lokalen Wert. Man hätte mit Versuchen gewartet, bis etwas reifere Urteile Vorlagen.
Im Anschlüsse an die Ausführungen Bebels geht Staatssekretär v. Tirpitz auf die Bedeutung der Herrschaft zur See anläßlich der Aktion bei Port Arthur ein und verbreitet sich über den Wert der Panzerkreuzer, den Kaperkriegrc. Was die Geschwindigkeit der Schiffe angehe, sei dies eine Geldfrage Mit den bewilligten Mitteln sei das Mögliche geleistet worden' Wie etwa im nächsten Herbst sich die einzubringende Vorlaae gestalten werde, könne er nicht lagen. Was von den F l o t t e n f r e u n d e n in der Vresse verlangt werde, g e h e v i e l - fach tu weit. Gegenüber Gröber, der von der Agitation des Flottenvereins und dessen Sdssffsforderungen sprcvd)i, führte v tirpitz aus: Der Flotten v er ein sucht seine Wünsche noch zu übertrumpfen; er habe feinen Einfluß auf den Verein. Für die weitere Zukunft ein Programm aufzustellen sei er nid)t in der Lage. Wcrs er fordere, erfülle die Zwecke, die er sich, gestellt hab§. Für die spätere Generation föinte er nicht reden.
Tie Neichstagsersatzwahl in Hof.
Tie Erwartungen der Sozialdemokratie, durch einen Sie^ im Wahlkreise Hof gleid) 'im ersten Wahlgange die Schlappen bet den Ersatzwahlen in Marienburg-Tsdwpau, Altenbiirg und Frankfurt cl O. wieder wett zu machen, haben sich nicht erfüllt. Im Gegenteil, auch diese letzte EvsatzwaU in Hof zeigt einen Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen um 6 36 und diesem Verlust auf sozialdemokratischer Seite steht ein Gewinn von 925 Stimmen bei den bürgerlicheit Kandidaten aeaenüber, sodaß die Zahl der der Sozialdemokratie abspenstig aemachten Wähler insgesamt sich auf 1561 beläuft. Tiefer Erfolg ist erreicht worden, trotzdem die Sozialdemokratie tue größten Anstrengungen gemacht hat, den Wahlkreis gleich bei der ersten Wabl zu erobern. 20 sozialdemokratische Agitatoren, unter ihnen dreizehn sozialdemokratische ReichStagsabgeordnete, haben den Wahlkreis seit Wochen uuunterbrM>n bearbeitet.
Tie-r Mißerfolg der sozialdemokratischen Propaganda ist nm so beaditenswerter, weint man erwägt, daß die bürgerlichen Parteien
schon im ersten Wahlgange gesiegt haben würden, wären nidyh and) in diesem Falle durch Aufstellung einer zweiten, sogenannten Mittelstandskandidatur die Reihen der bürgerlichen Wähler ge^ schwächt worden. Tatsächlich hat diese Sonderkandidatur, die schließlich ganze 2138 Stimmen von rund 23 000 Wählern auf sich vereinigte, lediglich dazu geführt/ daß der von vornherein in! Aussicht genommene Kompromißkandidat nicht schon im ersten Wahlgange als Sieger aus der Wahlurne hervorgegangen ist. Da die beiden bürgerlichen Kandidaten zusammen 12 905 Stimmen, bet; Sozialdemokrat aber nur 10 215 erhalten haben, so wäre bei! einer Einigkeit der nichtsozialdemvkratischen Parteien der, Sozial- demokratie gleich in der Hauptwahl eine Niederlage bei geb rächt worden.
Immerhin darf man mit dem Ausgang der Hauptwabl in Hof auf nichtsozialdemokratiscker Seite zufrieden sein. Diese Wahl ist als eine Niederlage der Sozialdemokratie ^und als ein Erfolg ihrer bürgerlichen Gegner einzusMtzen. Tuw bei der Stichwahl nur alle nrchtsozialdemokratischen Wähler ihre vaterländische Pflicht, treten vor allem die Anhänger der Mittel-, standskairdidatur geschlossen für den liberalen Kandidaten eütj bann wird in der Stichwahl die Micderlage der Sozialdemokratie eine vollendete sein.
Ire ßreignisse in Iintzland.
Die Angestellten der Bahnlinie 9NoSkcm-Rt> binsk haben eine Reihe von Forderungen betreffend Gehaltserhöhung, korrekte und htöffiche Behandlung, W--j schaffung der Gratrsbeschäftigung außerhalb der festgesetzt ten Zeit usw. gestellt. Die Bewegung der Moskauer; Pharmazeuten wegen Ausbesserung nimmt einen! großen Umfang an. Die Studenten der Moskauer Universität beschlossen, sich; den fortschrittlichen Fordert ungen anzuschließen. In oem Beschluß heißt es, daß die Studentenschaft, weil die Regierung ihre Fordewmgen mit Gewehrsalven beantwortet habe unö die öffentliche Meirv- ung ignoriere, bis zum September den Vorlesungen fernfr bleiben wolle. An diesem bereits kürzlich gefaßten Be-^ schluß, welcher mit Jubel ausgenommen, wurde, wird unbe- oingt festgehalten werden, auch wepn die Regierung, Maßregelungen vornehmen sollte. Im Zusammenhang mit deut Gang der Ereignisse soll alsdann der weitere Aktionsplcur ausgearbeitet werden.
Maxim Gorki wird nach Privatmeldungen in der! Peter-Paul-Festung wie ein ab geurteilten, Verbrecher behandelt. Seine Gattin hat die Erlaubnis er halteir, ihn einmal in der Woche Au sehen.
In Sosvowice dauert der Streik an. In der Geher-, schen Fabrik in Lodz wurden 20 Personen getötete Ter Belaaerungs^ustand wurde verhängt.
Aie BerqarSeiteröewegung.
Zm Ruhrkohlenbezirk waren zur Frühschicht am 14. Februar insgesamt nur noch 4346 aus ständig; in den Bergrevieren Hamm, Dortmund 1. und 2., Ost-Recklinghausen, Herne und Gelsen» kirchen fuhren die Belegschaften vollzählig an. Die Wiederanfahrt der ausständig gewesenen Bergarbeiter ging ruhig vor sich. Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung wurden nicht mehr gemeldet. Auf Zeche Rheinpreußen fehlten zur Frühschicht am 14. Februar von 2779 Mann nur noch 102; der Ausstand dieser Zeche kann damit al§: beendigt angesehen werden.
Die StinneSzeche „Graf Beustt' in Essen stellte Mark 10000 bereit, von denen verheiratete Bergleute, die durch den Ausstand in Not geraten sind, Unterstützung, sowie Vorschüsse erhalten sollen. Außerdem werden wegen willkürlichen Feierns eingehaltene Schichtlöhne auf Antrag zurückvergütet. Auch an den übrigen StinneS- zechen wurden Summen zu gleichen Zwecken überwiesen.
Deutsches Reich.
Berlin, 15. Febr. Zur gestrigen Abendtafel bemr Kaiserpaar waren Freiherr und Frau v. Mirbach geladen. Heute unternahm der Kaiser den gewohnten Spaziergang im Tiergarten, hatte eine Konferenz mit dem Reichskanzler und hörte darauf im Königl. Schlosse einen Vortrag des Staatsministers v. Budde, des Oberpräsidenten von Ostpreußen v. Moltke und des Oberbürgermeisters von Königs-; berg Körte über die Bebauung des Festungsterrains in Königsberg, sowie einen weiteren Vortrag des Kultusministers Dr. Stndt; bei beiden Vorträgen war der Chef des Zivil- kabinets Dr. v. LucanuS zugegen. Um 12V- Uhr empfing Seine Majestät den Generalfeldmarschall Freiherrn v. Soe, Zur Frühstückstasel bei Ihren Majestäten waren geladen Prinzessin Heinrich VII. Reuß und Tochter und Prinz Friedrich Leopold.
__ Der Grafregent von Lippe traf heute abend in Berlin ein zum Besuche seines Bruders in Potsdam. Er wird voraussichtlich auch den Prof. Kahl besuchen, der bekanntlich in dem großen Rechtsstreite die Ansprüche der Biesterfelder-wissenschaftlich vertreten hat.
— Wie die ,Berl. Ztg." zu berichten weiß, wurde der ehemalige sozialdemokratische Reichstagßabg. Antrick von der Parteileitung gezwungen, sein Stadtverordnetenmandat und sonstigen Ehrenstellen in der Partei niederz ulegen und von allen Kandidaturen zurückzutreten, weil er sich in eine Liebelei mit der Frau eines Vertrauensmannes eingelassen hatte.
Leipzig, 15. Febr. Bei dem heutigen Empfang bc5" Königs in der Universität hielt der Rektor Professor Rietschel eine längere Ansprache, in welcher dem Dank der Universität für die Förderung derselben durch das Wettiner Hans Ausdruck gegeben wurde. Bemerkenswert ist folgende Stelle: Die Hochschule kann nur gedechen m der


