Ausgabe 
15.11.1905 Zweites Blatt
 
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gebenen Erläuterungen ein anschauliches Bild von den noch vorhandenen Trümmern der antiken Welt, während an einigen Rekonstruktionen gezeigt wurde, wie sich die ver­schiedenen Bauten in ihrer Vollendung darstellten. Mit dem Wunsche, bnfe die Sonne der griechischen Kultur nicht nntergehen, sondern uns weiter leuchten möge, schloß Prof. Dr. Wünsch seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen.

" Die Hessische Vereinigung für Volks­kunde wird die Reihe ihrer Mitgliederabende nächsten Donnerstag mit einem Vortrag von Professor Dr. Drews über Abendmahl und Dämonen eröffnen. Der Vor­trag wird, pünktlich 81/* Uhr beginnend, in der großen Aula der Universität gehalten werden, um einen möglichst großen Kreis von Mitgliedern und Gästen, besonders auch den Damen, seinen Besuch zu ermöglichen. F"r die Herren, welche auS ihrer eigenen Erfahrung Beiträge zu dem inte- resianten Thema liefern können, wird sich Gelegenheit dazu bei der Diskussion ergeben, die im Cafe Ebel stattfindcn soll.

"Eine Explosion fand am Dienstag mittag kurz vor 4 Uhr in einem Kanal'chacht gegenüber dem Engel- hardtschen Hause statt. Tie sich in dem Kanalrohr zersetzen­den Abwasser hatten eine Gasansanimlung bewirkt, die zur Explosion kam, als ein Arbeiter den Kanalschacht gegenüber dem Casö Skalitzky ableuchtete. Der gußeiserne Deckel des einen Schachtes flog unter lautem Knall ungefähr einen Meter hoch. Gleich darauf sah man aus dem Schacht eine Flamine herausschlagen. Menschen sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen.

* Männer-Turnverein. Am 18. November blickt der Männer-Turnverein auf sein 20jähriges Bestehen zurück. Ter Verein hat nun beschlossen, diesen Tag festlich zu begehen, und es tverden aus diesem Anlaß am 18. und 19. d. M. größeer Festlichkeiten stattfinden. So feiert er am 18. im Reuen Saalvau einen F e st k o m m e r s, bei dem der Bauersche Gesangverein seine Mitwirkung und zahl­reiche andere Vereine ihr Erscheinen zuaesaat haben. Am SonntagVormittagist im Vereinslokal (Stotel Schütz) Frühschoppen mit Musik, abends im Neuen Saal­bau ein Fe st ball. Näheres ergeben die Anzeigen in diesen: Blatt.

"Landwirtschafskammergesetz. Die »Hessische Landw. Zeitschrift* bringt in ihrer neuesten Nummer einen Auszug aus dem Landwirtschaftskammergesetz und bezeichnet das Zustandekommen des Gesetzes als ein wichtiges Ereignis in der Entwickelung deS landwirtsch. Vereinswesens und in der Geschichte der Hess. Landwirtschaft überhaupt. Durch das Gesetz werde der hessischen Landwirtschaft eine gesetzliche Ge­samt-Vertretung ihres Berufsstandes und ihrer Interessen ge­schaffen, wie solche bei uns Handel und Gewerbe bereits haben und wie solche mit anerkannt großem Erfolge in anderen deutschen Staaten bereits eingeführt worden ist. Sie knüpft den Wunsch daran, daß die neue Organisation den auf die gesetzten Erwartungen entsprechen und eine erfolg­reiche Periode der Förderung der hessischen Landwirtschafl und der Interessen ihres Berufsstandes bringen möchte.

" Die 4. BezirkZversammlung deS Verbandes freier Vereinigungen selbständiger Barbiere, Friseure und PerrükenmacherDeutschlands(8. Be­zirk) tagte hier am Montag nachmittag im Lokale des Frank- surter HofeS. Die Städte Hanau, Offenbach, Friedberg, Vilbel, Wetzlar und Lollar waren durch Delegierte und Mit­glieder vertreten. Der Bezirks-Vorsitzende Gauter-Hanau leitete die Versammlung. Die Besprechung der Geschäfts- imb Verbandsangelegenheiten ergab eine große Einigkeit der Ansichten. Der nächste Bezirkstag soll in Hanau statt­finden.

A Alten -Buseck, 15. Nov. Der Besitzer der Mittelstmühle, Fr. Eschstruth, beabsichtigt vom 1. Dezbr. an in Verbindung mit seinem Milchtransport nach Gießen einen Omnibusverkehr zwischen Alten-Buseck und Gießen einzurichten. Er soll schon einen schönen verdeckten 8 bis 10 Personen fassenden Wagen gekauft haben. Da bisher keine direkte Verkehrsgelegenheit nach Gießen bestand, wird das Unternehmen viel Anklang finden.

Wetterfeld, 13. Nov. Heute starb hier der frühere langjährige Bürgermeister Wilhelm Neuß in einem Alter von 73 Jahren. Er war vor wenigen Tagen an Lungen­entzündung erkrankt, der er am Sonntag morgen erlag. Neuß bekleidete mehrere Ehrenämter und war ein tüchtiger Gemeindebeamter. (Gr. Anz.)

Nieder-Bessingen, 14. Nov. Hier hat sich dieser Tage eine Ortsgruppe deS Bundes der Landwirte gegründet, der sich sofort 30 Landwirte anschlossen.

Vilbel, 14. Nov. Wiederum, und zwar zum sechsten Male in diesem Jahr, ertönten gestern abend kurz nach 9 Uhr die Feuerglocken in unserer Stadt. Diesmal war e§ die Scheuer des Philipp Wilhelm Kron er, welche in Flammen stand nnb nieberbrannte. Auffällig ist, baß alle sechs vom Branbunglück betroffenen Gebäube ganz nahe bei einanber stehen. (G. Anz.)

sd. Darmstadt, 14. Nov. Der Großherzog und Prinz Heinrich von Preußen fuhren heute nebst Ge­folge im Sonderzug 8.32 nach Worms zu Besuch des Frhrn. v. Heyl zur Jagd. Sie übernachten heute im Schloß Heyls- Hof und treffen Mittwoch nachmittag nach Schluß der Jagd um 4.32 Uhr mit Sonderzug in Darmstadt wieder ein.

R.-B. Darmstadt, 15. Roo. Dem Pfarrer Adolf Hepding zu Großen-Linden wurde die evangelische Pfarr­stelle zil Hausen, Dekanat Gießen, übertragen. Der Vor­sitzende der Schulabteilung, Ministerialrat Dr. Eisen Hut h, ist von feinem mehrmonatigen Urlaub wieder zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Abteilung wieder übernommen.

Griesheim a. M., 14. Nov. Unter dem Verdacht der Falschmünzerei wurde der hier in Arbeit stehende, in Sindlingen wohnhafte Schlosser U n tz e hier verhaftet. Seit längerer Zeit wurden hier und namentlich auch in Höchst a. M. falsche Fünfmarkstücke in den Verkehr gebracht, und der Verdacht, der Verfertiger zu sein, fiel auf Untze. Die Durchsuchung seiner Wohnung ergab wesentliches Be­lastungsmaterial, man fand nämlich Formen für Fünfmark­stücke, Metalle, Chemikalien usiv.

0 Marburg, 14. Nov. Bei der heutigen Stadt- verordnetcn-ErgänzungSwahl gaben ir. der dritten Klasse von etwa 1850 Wahlberechtigt 607 ihre Stimme ab. Tie Mehrheit erhielten Gastwirt H 2iet- xW, der auf der Bürger- und Beamtenliste stand , onne

der nur auf der Bürgerliste stehende Kupferschmiedemeister Klee. Zwischen vier weiteren Kandidaten dieser beiden Wählergrupp en muß Stichwahl stattfinden. Tie Arbeiter, die zum erstenmal mit eigenem Kandidaten austraten, brachten es auf 100125 Stimmen. Tie erste und zweite Wählerfasse wählt morgen.

"Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Wörrstadt starb die älteste Be­wohnerin des Städtchens, Frau Elisabeth Krämer, im Aller von 90 Jahren. Ter Landesausschuh zu Kassel beschloß, bei der königl. Staatsreqieruna die Emberußma des Kommunal- Landtages für den Regierungsbezirk Kassel auf den 19. März 1006 xu beantraaen.

Aus Anlaß der Wormser A^de des Ar. Kutflnlch

erhielten wir heute folgende Zuschrift:

.Große Ursachen, kleinliche Wirkungen möchte man das bekannte Sprichwort variieren, wenn man das neueste Manöver Worinser Staatskunft beobachtet, das die Gut­fleisch-Versammlung in der Nibclungenstadt hervor­gerufen hat. Bereits vor dem Versammlungstag erschien in einem Tarmftädter Lokalblatte, das sich von der Temo- kratie glücklich zum Heylschen Rcchtsnationalliberalismus seit etwa acht Tagen umgemausert hat, einErlaß aus dem Kabinett in der Bismarckstraße zu Worms", der die beabsichtigte Versammlung begrüßte, d. h. herabzusetzen suchte. In dem WormserHeylsorgan erschien dann dieser Erlaß unter der Einführung:Ten Volksblättern in Darm­stadt wird aus Worms geschrieben". Tas ist so Brauch seit kurzer Zeit, und auch das Raisonnement, das am Tiens-^ tag dem Darmstädter Blatte aus dem Kabinett der Wormser Ncbenregierung zur Veröffentlichung zuging, wird am Mitt­woch die Spalten des Hauptorgans in Worms zieren, so sicher wie der Wormser Tom steht. Gegen die Rcformgcsetze der hessischen Regierung schoß man in unzähligen ano­nymen Artikeln in dem mehrerwähnten Tarmftädter Blatte, um durch Abdruck in dem Hauptorgan den An­schein zu erwecken, als ob auch anderswo Gegner dieser Gesetze säßen. Man so dhun. . . sagt der Berliner. Tas abgestandene Rezept wird auch weiter gebraucht. Taß Dr. Gutfleisch in Worms sich fernhielt von irgendwelcher Betonung eines einseitigen Parteistandpunktes, daß er viel­mehr die Gemeinsamkeit der Prinzipien aller wirk­lich Liberalen feinen Betrachtungen und seiner Kritik der Heylschen Agitation voranstellte, daß er unter Hinweis auf seine Gießener Wählerschaft (Freisinnige und National- liberale) gewissermaßen bte Politik eines liberalen Blocks vertrat und vertreten durste, das hat im Wormser Schlosse einen nachhaltigen Eindruck gemacht. Herr v. Heyl läßt sich so leicht nicht imponieren. So würde er es auch verwinden, daß viele hundert Bürger und Land­leute aus Worms und Umgebung ein Verdikt über seine Politik abgaben. Aber daß Tr. Gutfleisch mit feiner Rede die Stellung des Wormser Landtagsabge­ordneten, des Herrn Reinhart zweifellos gefestigt hat, und damit zugleich diesem liberalen Flügel der natio­nalliberalen Fraktion im Kampfe gegen den reaktionären Flügel derer um Heyl eine starke Stütze geworden ist, das ist dem Wormser Großindustriellen unbequem. Bereits hat er ein Blatt in der Residenzstadt gefunden, das ihm, wie dieNorddeutsche" weiland dem Fürsten Bismarck, ein Stück weißes Parier zur Verfügung stellt. In Rheinhessen vertritt bekanntlich längst dieWormser Ztg." mit aller Energie die Heylschc Politik. Fehlt also noch eine Zeitung in der Hauptstadt der anderen Provinz, in Gießen, die Herrn v. Heyl zu Willen wäre! DaS genannte Darmstädter Blatt deutet an, daß Vorbereitungen im Gange seien, um dem Heyl'schen Einflüsse in Oberhcssen Boden zu verschaffen. Zu wünschen ist cs, daß diese AuSsaat schon int Keime ^ersticke."

Soweit die Zuschrift an uns. Wir möchten dem noch folgendes kurz hinzufügen:

Wenn in jenem Darmstädter Blatte von einemRegi­ment Gutfleisch" in Gießen gesprochen wird, so sagt das, daß man die Gießener Verhältnisse und die Persönlichkeit deS Herrn Dr. Gutfleisch durchaus verkennt. Eine Parallele zwischen dem aller Welt bekanntenRegiment Heyl* und einem neu konstruiertenRegiment Gutfleisch" ist eine schlechte Erfindung. Dr. Gutfleisch vertritt seine politi­schen Anschauungen zwar mit aller Entschiedenheit und Sachlichkeit, aber doch mit -vorbildlicher Zurück­haltung. Diese in Gießen ja allgemein nur von der heiteren Seite zu nehmende Bemerkung bc5 Darmstädter Blattes darf jedoch nicht hinwegtäuschen über den Ernst der Situation. Es liegt klar am Tage, daß Herr v. Heyl für Heine politischen Ueberzeugungen auch in Oberheffen mit aller sMacht Stimmung zu machen gesonnen ist. Herr v. Heyl cheint tatsächlich die Absicht zu haben, die chöne Einigkeit unter den verschiedenen libe­ralen Schattierungen in Gießen zu z er stören bei der Charakterfestigkeit der wohl dauernd geeinten Gießener Libero len voraussichtlich freilich vergebliche Liebesmüh!

Pfarrer Dachstein vor dem OberkriegHgericht.

(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)

M ü nster i. W., 14. Nov.

Untev großem Andrange be3 Publikums fand heute vor dem Oberkriegsgerichte des 7. Armeekorps die erneute Verhandlung in dem Prozesse gegen den en an g. Divisionspfarrer Bachstein in Minden wegen Beleidigung und Be­schimpfung der katholischen Kirche und ihrer Ein­richtungen statt.

Bei seiner Vernehmung gab Bachstein an, daß er 1857 als Sohn eines tat hol. Steuerinspektors in Breslau geboren sei, 1882 sei er Kaplan geworden, 1889 trat er zur e v a n g cl. Kirche über und wurde 1893 Tivisionspfarrer.

Ter Angeklagte gibt an, et habe in einer Versammlung des Evangel. Bundes, die ihm die je big en Vorwürfe gebracht habe, nur eine kleine Zahl von Zuhörern gefunden und keineswegs mit bet Möglichkeit gerechnet, daß unter dem kleinen Häuflein auch noch 15 Nichtmitglieder und ein katholischer Berichterstatter sich befinden würden, wie dies späterhin festgestellt worden sei. Ter Vorsitzende hält dem Llngeklagten vor, daß er troübern iu Beginn seines Vortrages gesagt habe:Wenn etwa Katholiken in den Saal eingedrungen feien, so bemerke er ihnen, daß er ihnen mit seinen Ausführungen, so unangenehm sie ihnen auch [ein mögen, nicht wehetun wolle." Also habe er doch wohl mit der Möglichkeit gerechnet, daß nicht nur Mitglieder des Evangeli­schen Bundes im Saale feien. Ein Beisitzer: Würden Sie also bei Kenntnis de? Umstandes, daß ein Katholik anwesend mtrr ;c Ghrfftrmr.ig desselben veranlaßt haben ?- Angekl.: 3alv >VHn es wäre mir innerlich unmöglich gewesen, Sachen,

die i s Heiligste sind, autzzusprechen vor Personen, die sie nicht verstehen und zu würdigen vermochten.

fci r uf wandte sich die Verhandlung dem Vortrage selbst zu, von dem das urteil der ersten Instanz festgestellt hatte.

daß er objektive Beschimpfungen enthielt. Der Angeklagte suchte fief) damit zu rechtfertigen, dast er nicht die katholische Kirche sondern denUltranwntanismus" bekämpfen wollte, der auch die Schuld daran trage, dastChristus in der TatboHfeben Kirche mehr und mehr zurücktritt und fast nur noch auf dem Schoße Marias erscheint;" der Marienkultus habe überhand genommen. Tie Annahme aber, er habe Maria in den Staub ziehen wollen, sei ihm das Veinlichste bei der ganzen Angelegen. I ?it gewesen. Maria, die Mutter des Herrn, sei den Evangeli- scheu verehrungswürdia,wir preisen Gottes Größe in derselbcu" Er h'be nur den Geist des namentlich in Italien überbaut nehmenden Marienkultus treffen wollen. Was die hl. Messi betreffe, so habe er nicht den Ritus beschimpft, (Verhandlung^ leiter: Beschimpft b'ben Sie ja überbaust nicht N nur die Sehrt überdie ungeheuerliche Macht des Priestertums" habe er treffet wollen. Taß in dkm Ausdruck: da staune man über die Mach- des Priesters, der die Gottheit fubifmetermeife Herstellen kann (letztere Bemerkung erklärt der Verband' lungsleiter als, gelinde gesagt, roh^, eine Mißachtung liege, fe; ihm nicht zum Bewußtsein gekommen. In der weiteren Vernehw- ung be[tritt der Angeklagte, gesagt zu haben, der Papst sei der Antichrist, er habe nur gesagt, Luther bezeichne bet Papst als Antichrist, dies sei keine Belestngung. Er habe ledig, lich gewisse Einrichtungen der katholisck>en Kirche geschildert als eine Gef-Hr für das deutsche Volk. Es gebe auch eine Pflich des Bekenntnisses.

Nach der für B. teils günstigen, teils ungünstigen Zeugen- Vernehmung hielt der Anllagevertreter die Anschuldigung eines Vergehens gegen! § 166 aufrecht und beantragteeineWoche Gefängnis.

Ter Verteidiger, Rechtsanwalt, v. Borries-Minden machte geltend, d^ß der Angeklagte keinesfalls die Absicht der Schmäh, ung, der Beschimpfung gchibt habe, deren Vorhandensein bet § 166 voraussetze. Deshalb bat er um die Freisprechimg des Angeklagten.

Ter Angeklagte bemerkte, daß ihm jede Absicht der Beleidig, ung serngeleaen h'be. Einige ferner Aeußerungen kämen schon in den ältesten christlichen Lehrbf' tz. rn vor und gehörten gewisser- maß"n zum Handwerks'eng der Geistlichen.

Nach stundenlanger Beratung öerfünbete der Vorsitzende da» Urteil. Wes die Frage der Oessentlichkeit anlangt, so habe sich d"s Gerimt davon überzeugt, daß dst Versammlung o b i e k t i v als öffentlich anzusehen fei. Aber die Frage, ob denn auch her Angeklagte das Bewußtsein der Oeffentlictzkeit hatte, sei verneint worden. Ebenso sei das Gericht nicht zu der Ueberzeugung gelangt, daß der Angeklagte mit Frivolität das Heilige treffen wollte. Man habe vielmehr angenommen, daß er seine innerste Ueberzeugung zum Ausdruck bringen wollte. Tas Gericht sei nicht der Meinung, daß der Angeklagte besmwers rohe Aeußerungen getan habe. Sie gründeten sich zum Teil nur evangelische Lehrbücher, auf Bibellehren usw. Und diese Ueberzeugung habe das Oberkriegsgericht zu der Ansicht ge­bracht, daß der Angeklagte objektiv keine Beschimpf­ungen ausgestoßen habe und sn b j e k t iv In i ck t b e f ch i m pfen wo llte. Somit fielen die Tatbestandsmerkmale des § 166 und es blieb bei der erstinstanzlichen

Freisprechung des Angeklagten.

Auch gegen diese vierte Entscheidung wird OberkriegS« gerichtsrat Schwarze als Anllagevertreter, Berufung einlegen. Er ist ein Bruder des Zentrumsabg. Schwarze, von dem es heißt, daß er im Verein mit dem 9tbg. Prinzen v. Arenberg das Kolonillamt übernehmen werde. .

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 14. Nov.

Einem Gastwirt zu Bad-Nauheim wurde die Feien ahendstunde durch die Polizei auf 10 Uhr festgesetzt, weil er feine Gäste durch Tarnen bedienen ließ. Er duldete trotzdem sein- Gäste bis nach Mitternacht, was ibnt mehrere Strafbefehle ein« trug, deren Einspruch durch das Schöffengericht verworfen würd'. Er verfolgte Berufung und berief sich darauf, daß fein weib­liches Personal nicht als Kellnerinnen, sondern als Dienstmädchen anzu setzen sei. lTm sich in dieser Beziehung Klarheit zu hcr schaffen, kam das Gteridrt zur Vertagung der Verhandlun?. Wegen Urkundenfälschung und Betrugst, er s u ch sj wurde ein-Techniker hier zu drei Monaten Gefängnis v e r-« urteilt. Er war im verflossenen Sommer bei einer F^a/ hier beschäftigt, für die er die Zeichnungen zu den Anschlussm' an die Kanalisierung zu fertigen hatte. Eines Tages prasentiew er bei einem Hausbesitzer in der Frankfurterstraße eine mtz der Unterschrift und dem Stempel versehene Quittung genannter Firma über 18.10 Mk. und gab an, er habe den Betrag bei dem städtischen Tiefbauamt vorgelegt. Ta man ihm nicht traute, wurden Erkundigungen bei der Firma emgejogen, wobei es sich tz'rausstellte, daß es sich um einen Schwindel handelte und er tnt Quittung fälschlich angefertigt und unbefugt den Stempel bei* gedrückt halte. Taß er ein zu Unredlichkeiten neigender Mensch ist, ergab 'oft Verlesung eines von der Staatsanwaltschaft an­gefochtenen Urteils des hiesigen Schöffengerichts, nach welchem er wegen >ines Betrugs in Höhe von 400 Mark zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt worden ist. In diesem Falle hatte er, nachdem er bereits entlassen war, einer hiesigen Witwe vor- geschwindelt, er sei von der Firma beauftragt, das Geld zu erheben. Tas Geld batte er in kurzer Zeit vergeudet. Ein Taglöhner von Pohl-Göns, ein vielfach beftrafter uni wegen Trunksucht entmündigter Mensch, ist in die ihin bekanntt Wohnung des Landwirts Loh zu Olriedel eingebrungen^uni) lial unter Anwendung eines falschen Schlüssels aus einer Schublad etwa 4 Mark entwendet. Er schützte sinnlose Trunkenheit^ noi und will von der ganzen Sache nichts wissen: doch die Umstände, unter denen die Tat verübt worden ist, spreckwn nicht dafür. Tas Gericht billigte ihm, angesichts der geistigen Minderwertig' feit mildernde Umstände zu und erkannte auf 4 M onat< Gefängnis. Wegen Beleidigung eines Landwirts vor Langd wurde ein Taglöhner durch das Schöffengericht Hunaw zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Er hatte dem Schäfer mrt der Strafft öffentlich zugerüfen:Spitzbube, Tu hast die Röbrsr zur Drainage Deines Scheuertenes gestohlen". Gegen Schästr war tatsächlich deshalb, allerdings auf anonInne Tenunzieruny, rin Verfahren anhängig, das mit Niederschlagung endigte. Trov- dem behauptet Hübner nach 'wie vor, Schäfer habe die Röhrer. gestohlen. Auch in der heutigen Verhandluna, die infolge seine: Berufung stattfand, wiederholte er die Anschuldigung und ver­langte in herausfordernder Weise eine abermalige Untersuchung Tas Gericht ließ sich iebod> auf nichts ein und verwarf feine Berufung unter A'ifrrctztei 1 b-r Publikationsbefnanls

fc. Frankfurt a. M., 15. Nov. 'Orig.-Telegr. deSWieb Anz.") Viehmarkt. Zum Veckaule standen 000 Kälber 00 Schafe und Hammel, 951 Schweine: 1. Qual. 7980 W Lebendgewicht 62.50 Pfg., 2. Onal. 7800 Pft., Lebendaewich' 6100 $fg, 3. Qual. 7375 Pfg. Kalberi. Qual. 00-00 d Lebendgewicht 6061 P»g., 2. Qnal. 0000 Pfg., Lebendgewuch 00-00 Pfg., Schlachtgewicht 00 00 Pfg. Schafe 1. Quality Schlackttaewicht 0000 Pfg., 2. Qualität 00 00 Pfg. Kefcha'! mittelmäßig. Ueberstand unbedeutend. Au4 Holland famen gelter 107 und heute 36 geschlachtete Schweine, 9 geschlachtete Kälber und

Kircklicke Dachrichten.

Cvangelische Gemeinde.

Donnerstag, den 16. November, abends 8 Uhr, im Markus faat, Kirchstraße 9: Bibel stunde. 1. Korinther, Kao. 16, st'ihrung in den 2. Korintberbrief. Pfarrer S ch w <^be^-

Griflincrl-DratjlMt'Löttnqett.

Nürnberg, 14. Nov. Der Trinkspruch des Prin^» regen t en bei der heutigen Festtafel lautete:Der veutl.^ Tag ist dem Andenken deS großen unvergeßlichen Kaiser Helms des Ersten gewidmet. Es hat mir eine Ebre und em sirende bereitet, Seine Majestät, den Deutschen Kaiser, Majestät bie Kaiserin, Seine Kaiserlicln' SDofocit den Kronprmze» und Jbre Königlichen Hoheiten den Großherzog und die Ä Herzogin von Baden begrüßen zu dürfen. Die Anwesenhett oes