Kursbericht
Frankfurt a. M., 17. Juni Offizielle Schlusakurse.
. 67.65
4'/i°/o äussere Argentiner
Tendenz: schwach.
I-..
Schiffsnachrichten.
E
11
66.85
67.20
88.20
136.30
54.50
44.70
s a
8V8% 3%
8V.°/o 8% W/o
8°/o Mexikaner 4*/«% Chinesen . Electric. 8ohnokert Nordd. Lloyd . . Krediiaktien . . Diskon to-Komm andit Darmstädter Bank ’ Dresdener Bank .
Berliner Handelsges Oesterr. Staatsbahn Lombarden . . Gotthardbahn « » Lanrahütte . . Bochum . . .
B arpener , . . Staatschatzscheine
. . 101.85
. . 90.35
. . 101.45
Reiohsanleihe do.
Konsole .
do. . .
Hessen Oberhessen
4°/o Italien. Rente . . . 4% Portugieser I . . . 3°/ • Portugiesen. UI . . 156 Unif. Türken . . . Türkenlose......
456 Griech. Monopol.-Anl.
Hermann von Lingg t»
Der Nestor unter den deutschen Poeten, Hermann v. Lingg, ist am 18. b. M. m München an Herzlähmung gestorben. Er hat ein Alter von 85 Jahren erreicht Seine letzten Lebenswahre waren für ihn eine Qual. Die Last seines Alters bedruckte Geist und Körper und langsam siechte er dahin. Leit Jahren lutt er sein Zimmer nicht mehr verlassen. Zn seinen Jugendiahren war er Militärarzt, doch schon im Jahre 1850 lieb er sich pensionieren und lebte fortan ganz seiner Muse. Er hat auf den verschiedenen voetifchen (gebieten ein Talent von eigentümlichem Gepräge,
. 90.45 . 100.75 . 99.00 . 102.15
. 96.70 . 137 00 . 124.00 . 208.10 . 190.30 . 141.25 . 156 25 . 170 10 . 142.90 . 18.60 * 266*00 . 251.00 . 213.50 . 100.60
kums bis zur letzten Szene, die uns den aus schwerem Schlafe erwachenden Nitter des Einganges wieder zeigt, die Dichtung unklar bleiben.
Trotzdem war, wie gesagt, der Beifall überaus stürmisch. Ob er ein Zeichen war von einer unbestimmten Hauptmann- Schwärmerei, oder ob er der Dichtung, oder allen Darstellern oder nur der Triesch galt, das läßt sich nicht entscheiden. M. E. ist der Dichter wieder, wenn man sich an feine entschuldigenden Einleitungsworte hält, hohen Lobes würdig. Nicht so der Dramatiker. Die beiden oben kurz erwähnten Szenen, die ganz fein geistiges Eigentum sind, besitzen eine faszinierende Kraft und sind im Auf- und Ausbau geradezu genial. Alles übrige ist Stückwerk. Der Ausgang der Traumtragödie zeigt wieder, im Gegensätze zum Grillparzer'schen Vorbilde, besonders deutlich den vorhin schon beklagten Feminismus, der uns den rechten Abschluß vorenthält, allerdings aber dem Charakter des „Helden" entspricht. Vielleicht ist indeß auch dieser Schluß nicht über den „Entwurf" hinausgekommen. Das Ganze aber ist, trotz der nervenbeklemmenden zweiten Hälfte, durchaus kein „Drama", sondern vielmehr eine theatersremde originelle Unheimlichkeit in Dialogform mit balladesken, darum dramatischen Anklängen.
Die Triesch machte sich eine Freude daraus, ein mit Eiseskälte männerverderbendes, wollüstiges, von Grund aus unzüchtiges, mit allen niedrigen Instinkten verschwenderisch ausgestattetes Weib, den urechten Evatypus sarmatischer Decadence mit allem ihrem ungeheuerlichen darstellerischen Raffinement auSzuputzen. Und es gelang ihr, ein Wesen auf die Bühne zu stellen so verabscheuenswerter Art, daß man an diesem Abend wohl hätte das Gruseln lernen können. Ihre darstellerischen Kräfte scheinen immer noch zu wachsen. Eine unerbittliche Konsequenz lag in der fürchterlichen Gesamtdurchführung dieser blutsaugerischen Tigerkatze. Und sie allein verstand eS auch, namentlich in jener großen Szene mit dem betrogenen Gatten und ihrem Geliebten, das Traumhafte der Geschehnisse durch kleine kluge Nüancen anzudeuten. Aber fte scheint neuerdings, mehr noch als früher, ihr allein in der hohen Lage berückendes Organ geradezu zu malträtieren. Fuweilen klang's, als risse die G-Saite einer Meistergeigc mit greulich schrillem Tone. Dann wieder, und namentlich eingangs hatte ihre Stimme barbarische Rauheit und Härte, aariz ohne Not, ja zweifellos entgegen allem dichterischen Willem Ihre Auffassung der Elga hat ihre Berechtigung,
ranzdosef BITTERQUELLE.
von ärztlichen Autoritäten seit
Jahrzehnten ab sicherste natürliche Hbfuhrm.^^ Die ^)irecfton mBudapest.
Für Haushalh.Kücheisfdiecondensirte Alpenmilch Nestle unentbehrlich,säuerF nicht, stets gebrauchsfertig alt Sahne f.Kaffee aTee,als Milch f. Kakao,Chocol.&Speisen.
umsomehr als sie nicht um ein Atom von ihrer Richtschnur wich. Aber man kann sich sehr wohl auch eine andere, eine blonde Bestie, rautendeleinhaft lieblich, in ihren äußeren Manieren bestechend, harmlos scheinend, als Elga vorstellen von jener triebhaft unbewußten Verdorbenheit, die alle ihre Niedertracht mit selbstverständlicher Anmut übt und die um so gefährlicher ist, als sie nichts zur Schau trägt von der raffiniert grausamen Häßlichkeit dieser Weibseele, mit der die Triesch, wohl um die Grellheit des Traumbildes zu betonen, die ganze Bühne nachsichtslos überflutete, llebrigens hat die Elga Hauptmanns einmal Gewissensbisse. ^Diese Szene, mit ihrer Zofe in ihrer Kemenate, ist weitaus die schwächste der Triesch.
Von den übrigen Darstellern zu reden nach dieser langen Rede ist von Uebel. ES sei nur gesagt, daß Herr Kirch als diese Art von einem Othello im Rechte seine kleinen Außenkünste spielen ließ und daß seine Rede diesmal vielleicht ein bischen weniger affektiert klang als sonst, während Herr Fri cke zu meinem Erstaunen die verhaltene Leidenschaft vortrefflich meisterte und das Schwerblütige des licbebeglückten Moriturus mit bester Wirkung hervorhob. Frau Mondthal zeigte sich wieder als gute Sprecherin. Die lüsterne Gemeinheit der Zofe kam dagegen in der Darstellung des Frl. Harnisch seger nicht zum Ausdruck.
Die Regie, die sich gar eng an die Berliner Inszenierung hielt, arbeitete sogar mit Vogelsang und ähnlichen Außeneffekten. Was sie unterließ, das war das Ritardando. Gleich in der ersten Szene erschien gar zu bald der Mönch, und auch sonst geschah manches, was durch allzu hastige lieber- gänge die Stimmung beeinträchtigte. Darstellerisch hätte sie für eine starke Nuance Maeterlinck, für einen geheimnisvollen Flüsterton, für den Eindruck des Schattenhaften, Marionettengleichen der Gestalten Sorge tragen sollen. P. W.
3 7,56
456 Oesterr. Goldrente .
nennt man mit Recht die seit Jahren fl.B-lIli.lvl 11 tjllIlLl oort hervorragenden Kinderärzten em- pÄüb=bunneÄeit Myrrholinseife. bVi,
Bureau Herold. D. Red.) übersteigt den Betrag seiner Triefte» Verbindlichkeiten. Die italienische Stadt Udine setzt er durch nnalgnbliche Narrheiten in Verbliisstina.
dentokraten seien nur bezahlt e Söldlinge anderer Leute — Dr. Ellenbogen: Sie frecher Verleumder! Sie frecher Bordellritter!" — .M wurde mir weiter vor geworfen, daß ich Kognak trinke. (Heiterkeit.) Erstens trmke ich keinen Kognak, sondern guten Wein. (Erneute Heiterkeit.) Wein ist ein Sendling der Sonne, »er mit seiner duftigen Säure himmlisches Empfinden in das har /.eplagte Menschenherz trägt." (Schallendes Gelächter und ironil'
vermachtes«
* Unwetter. Ein schweres Gewitter ging am Samstag abend über Bielefeld und Umgegend nieder. In Vlotho tötete der Blitz einen 12 jährigen Schüler, in Wallenbrück das Ehepaar Otte. In Lenzinghausen und Bardüttings- dorf zündete der Blitz und äscherte zwei Häuser em. — In Duderstadt entstand inWe eines Blitzschlages Feuer in der Wohnung des Landwirtes Bremer. Bremer und sein vieriährrges Söhnchen verbrannten. — Auch in Lemberg richtete em nachts niehergeaanaeuer Wolkenbruch kolossalen Schaden an. Alle Straßen dn inneren Stadt sind unter Wasser gesetzt, die Pflastersteine wurden herausgerissen. Das Wasser drang in bte Keller- rÄumlichkeiten und Tonterrains 'zahlreicher Kaufleute ein ^n den Vorstädten mußten die Bewohner auf die Dächer der Häuser flüchten; mehrere Gebäude wurden stark beschädigt. Man befürchtet Verluste au Menschenleben. — In Gran hat ein heftiger Wolkenbruch und Hagelschlag an den Saaten großen Schaden angerichtet. Das Wasser überschwemmte einen Teil der Stadt.
* Cyklonverheerungen in Kon stantinopel. Die türkische Hauptstadt wurde am 15. und 16. d. M. von Unwettern heimgesucht, wie seit Menschengedenken nicht erinnerlich rft. Ein Cyklon, der an beiden Tagen nur 20 Minuten anhielt, richtete große Verheerungen an. Gegen 50 Häuser stürzten ein, wobei 20 Menschen umkamen und über 100 b er wundet wurden. Zwei Minaretts stürzten ein und unzählbar sind die Cypressen und sonstigen Bäume, welche entwurzelt wurden. Auch mehrere Schissszusammenstöße fanden statt. Entsetzlich war das Geheul der wilden Hunde auf den Straßen. Faustdicke Hagelkörner zerbrachen alles, was ihnen in den Weg kam. Die zerschlagenen Fensterscheiben sind kaum zu zählen.
* Ein stolzer Bauer. In den letzten Jahren ist oft über den Rückgang der bäuerlichen Tracht geklagt worden. Man hat versucht, durch Gründung besonderer Volkstrachtenvereine diesen Rückgang aufzuhalten. Um so erfreulicher ist die Wahrnehmung, daß es doch noch Bauern gibt, die stolz auf ihren Beruf find und sich nicht schämen, selbst in vornehmster Gesellschaft, ihr' bäuerliche Tracht zu tragen. MS vor kurzem zum 25 jährigen Jubiläum des Großherzogs von Baden als Protektor der badischen Militärvereine sämtliche Gau Vorstände des M ilitärvereinsverbaudes zur Hoftafel befohlen wurden, wurde auch der. Bürgermeister von Hesselhurst in der Nähe von Straßburg mit einer Einladung beehrt. Der Bürgermeister ist ein Deiner Landwirt mit einem Besitz von etwa zehn Hektar, aber er ist ein stolzer Bauer und scheut sich nicht, noch heute die rote Weste und die goldverbrämte Pelzkappe mit großer Würde zu tragen. Er berichtete, wie der in Engen erscheinende Legauer Erzähler mitteilt, dessen Redakteur selbst bei der Hoftafel war, cm daS Präsidium des Militärvereinsverbandes, daß er der fürstlichen Einladung gerne Folge leisten wolle, aber einen Frack habe er nicht. Das Präsidium trug die Sache dem Großherzog selbst vor. Dieser entschied, daß der Bürgermeister von Hesselhurst auch in seiner bäuerlichen Tracht zur Dostafel kommen dürfe, und er zeichnete diesen Bauer, dessen eracht sich von den Generalsuniformen und den goldbestickten Fräcken nicht zu ihrem Nachteil abhob, durch ganz besondere Liebenswürdigkeit und Herzlichkeit aus.
* „DerKaiser der Sahara". Der wegen Nichtbegleichung' seiner Schulden und seines exzentrischen Betragens in den letzten Tagen von her Polizei zu Triest streng bewachte „Kaiser der Sahara", Lebaudv ist von dort nach Görz entflohen und wurde dort auf dem Polizeikommissariat einem Verhör unterzogen, dann jedoch wieder freigelassen. Jetzt hält er sich tn Udine auf. Lebaudv hat eine Anzahl Gepäckstücke sonne mehrere arabische Diener und eine Anzahl Pferde in Triest zurück- gelassen D-w Wert dieser G e a e n st ä n d e. ssaat sehr fchön das
düsterem Kolorit und weiten weltgeschichtlichen Ausolicken tn allen seinen Werken gezeigt. In feinen lyr. Schöpfungen klingt immer wieder der Ton der Ode oder Hymne an. Die besten Erzeugnisse seiner Lyrik werden unvergessen bleiben, wahrend seine monströse epische Dichtung „Die Völkerwanderung', tue eine Fülle von Geist und Wissen birgt und reich ist an lyAchen Schönheiten, wegen ihrer Uneinheitlichkeit und Weitschweifigkeit sich keinen dauernden Platz in her Literatur zu erwerben vermochte.
— In Halle a. S. überreichte ein Ungenannter dem Ma- g-istrat 50000 Mark als Grundstock für eine Gemäldegalerie.
— Meister der Farbe. II. Jahrgang, Heft 16 unb>17. Leipzig, E. A. Seemann. — Durch ihre mustergültige farbige Wiedergabe her bedeutendsten Gemälde der Gegenwart, durch ihre weitgespannten Gesichtspunkte, die alle hervorragenden Erscheinungen der modernen internationalen Malerei in ihren Betracvtungsrrers steht, ist diese Zeitschrift die vornehmste Dienerin einer ästhetischen Kultur, deren Hauptwerk auf die Anschauung vollendeter Schöpfungen gelegt wird. Das ehrwürdige Selbstporträt des Wiener Altmeisters R. von Alt, mit dem das 16. Heft der Sammlung beginnt, mutet an wie eine ehrfurchtsvolle Gedächtnisrede, wie man sie teueren Toten am Grabe hält. Hevesis Plaudereien über den ver- ftorbenen Meister ergänzen in ihrer Art dies schöne Büd und schildern mit großem Humor Schwächen und Vorzüge des erlauchten Toten. Die neue österreichische Kunst ist durch eine lachende Land- schäft Slabys „Ter Frühlingstag" und durch eine Winterlandschaft her talentvollen Malerin Zdenka Braunerova in Prag würdig vertreten. Tas beste Blatt dieses Heftes ist aber das „Frühlingsidyll von Max Pietschmann. Ein Faun bringt auf einer Birke kauend einer irst Grase sitzenden, kranzwindenden Nymphe ein Ständchen. Es ist ein Stück glückseligen Arkadiens, in dem nur bte Jugend lebt. Zu welchen sonoren Akkorden sich hier die Farben verbinden! — Sonderbar mutet nach Pietschmanns Frühlingsidyll daS 17. Heft an, das der russischen Kunst gewidmet ist. Es ist, als wenn plötzlich die Sonne des Südens dem grauschweren Himmel, der über Moskau lagert, gewichen wäre. Wrubel, Maliawin, Lewitan, Jüan, Mussatoff und Grabar sind die Namen, bie hier vertreten sind. Alles Rusten; unter Tausenden würde man sie als solche h-rausfinden. Alle Rusien, und doch alle so sehr voneinander ver- schieden. Am meisten berühren sich noch die Landschaften, die em Stück des heimatlichen Bodens zeigen unb eben darum unverkenn- bar sind. Am interessantesten sind Michael Wrubel und Philipp Maljawin. Des ersteren „Prinzessin Schwan wirkt rote eine dämonische Naturaeroalt, die blau- Meere tm hohen Norden ,u Ets- bergen zusammengetürmt, des letzten „Bojarin tm Festschmuck ist ein'unerhörtes Farbenkonzert von flammendem Rot, tn das gelb« und arune Lichter lnuemsvielen. Aul den ersten Blick wirkt e3 rote Revolution, erst allmählich sieht man das, hier mit malerisch rasst- nierten Mitteln der Putz einer russischen Bäuerin illustriert werden soll. Besonders interessant ist noch der Text der Beilage, der den modernen Strömungen in der russischen Kunst gilt. Der Abonw mentspreis des Heftes beträgt 2 Mark, im Einzelbczug 8 Mark.
Norddeutscher Lloyd.
In Gießen vertreten durch Carl LooS, Kirchenplatz.
Bremen, 8. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Postdampfer .Main", Kapitän C. von Borell, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 4 Uhr nachmittags wohlbehalten in Baltimore angekommen. ,
Keer und Motte.
In hem neuesten preußischen OffiziosuS, hem Berliner Scherl- Anzeiger, wird jetzt, unter Verschweiguna her „Zukunft', mtt- ge teilt, haß bie von einigen führenden Persönlichkeiten unserer Gesellschaft, u. a. hem Reichsbankpräsihenten Kvch und Angehörigen her Berliner Finanzwelt gegebene Anregung, einen Fonds von 10 Millionen zu schaffen, aus dem her Kaiser unbemittelten Offizieren Zulagen gewähren könne, ist in den betreffenden Kreisen Nicht ohne Widerspruch aufgenommen und ein Beschluß darüber vertagt worden. (Wie man sich denken kann: ad Ealendas Gvaecas, d. h. auf Nimmerwiedersehen. D. R. d. „Gieß. Anz.")
4*/» 56 Oesterr. Silberrente . 101.00
456 Ungar. Goldrente • . 99.70
Arbeiterbewegung.
Der Ausstand der Iigaretten-Arbeiterinnen unb Arbeiter in Dresden nimmt einen immer größeren Umfang an. In einer Versammlung der Arbeiter wurde mitgeteilt, bte Streikleitung verfüge über so hohe Summen, baß man einer Daue bes Ausstandes auf Wochen hinaus ruhig entgegensehen könne. Der Streik macht her Polizei viel zu schaffen, da noch nie so viele unb schwere Belästigungen Arbeitswilliger vorgekommen ftnb, wie be biefem Ausstanb.
Hcrichtslaak.
Leipzig, 18. Juni.' Wegen Herau§f orberung zum Duell würbe der Hauptmann a. D. K. A. Pilz zu einem MonatFestungShaft verurteilt. Zwei Studenten Hatter sich an die Frau heS damals noch aktiven Offiziers gedrängt und waren von dieser nicht abgewiesen worden. Obwohl der in seiner Gattenehre Gekränkte den jungen Leuten den weiteren Verkehr untersagte, hielten sie diesen doch aufrecht, und als sie deshalb gefor« dert wurden, bezeichneten sie den Hauptmann a l s nicht »satisfaktio ns fähig", worauf dieser den Abschied nahm unb den Weg der Privatklage beschritt, nachdem die Studenten eine abermalige Herausforderung unter schweren Bedingungen wiederum abqelehnt hatten. Er erzielte dieVerurteilung der jungen Leute zu 30 bezw. 20 M k. Geldstrafe !!! Zwischen den Ehegatten P. schwebt die Ehescheidung.
Straßburg i. Els., 17. Juni. Ter kürzlich gemeldete Grenzzwischenfall bei St. Ail endete mit der Verurteilung der beiden Soldaten, welche betrunken die Grenze überschritten hatten, zu 40 Tagen strengen Arrests. Ein Unteroffizier erhielt 14 Tage Arrest, die übrigen 7 Angeklagten wurden freige- sprachen.
steht, sich aus Linewitschs Anregung mit entern Protest- schreiben gegen die Beendigung deS Krieges ausgesprochen haben soll. Nach offiziöser Meldung hat Kuropatktn sein Bedauern ausgedrückt, daß die Semstwos der Städte die FriedenSaktion einleiteten, während die russische Armee die volle Ueberzeugung ihres Sieges hege. Der chinesische Gesandte in Petersburg hat dabei soeben seine Meinung dahin zum Ausdruck gebracht, daß Rußland Frieden schließen muß. Eine weitere Fortführung des Krieges wäre zwecklos, denn die Landarmee Sine* witsch sei von den Japanern umzingelt! Von einem russischen Siege zu Lande könne keine Rede sein. Auch von anderer Seite wird diese Meldung bestätigt. Nach einem Telegramm der Voss. Ztg. aus Tokio vom 17. Juni gingen die Japaner in einem hundert englische Meilen um- saftenden Kreise um Linewitsch herum und haben ihn völlig umzingelt. Sie rücken jetzt von allen Seiten gegen ihn vor, und wenn sie ihren Kreis eng zusammengezogen haben, dürfte Linewitsch die größte Schlacht verlieren, die im bisherigen Kriege geschlagen wurde. Die russische Presse weiß natürlich nichts davon, General Batjanow, Kommandant der 3. mandschurischen Armee, soll einen Korrespondenten versichert haben, er denke äußerst optimistisch über die Lage der russischen Armee und glaube, daß falls Japan im gegenwärtigen Moment nicht Frieden schließe, die Japaner im Laufe dieses Sommers aus der Mandschurei vertrieben werden würden. Eine Belagerung Wladiwostoks werde nur von kurzer Dauer sein. Die russische Armee sei durch gut ausgebildete Mannschaften komplettiert, während die Japaner durch die letzten Kämpfe sehr geschwächt seien. Der Seekrieg sei zwar verloren, aber der Landkrieg fange erst an. Dies wisse Japan und wünsche selbst den Frieden.
Der Unionskonflikt zwischen Schweden und Norwegen harrt seiner endgültigen Erledigung. In Schweden findet die Scharfmacherpartei wenig Anklang mit ihren Kriegsdrohungen. Im übrigen find die Norweger sich dessen bewußt, daß der Bruch beleidigend für Schweden ist. Die Beleidigung aber wäre noch größer gewesen, wenn Norwegen zuvor die Auflösung der Union vom schwedischen Reichstag verlangt und dieser seine Zustimmung nicht gegeben hätte. Der rasche Bruch ist schmerzhaft, aber er schafft ein fait accompli, mit dem wohl tatsächlich allmählich alle Staaten rechnen werden. Kompensationen an Schweben in Gestalt einer Gebietsabtretung will Norwegen unter keinen Umständen geben, doch suchen Norwegens verantwortliche Staatsmänner eine Form, um dem schwedischen Reichstag eine Satisfaktion zu verschaffen, die freilich an dem Geschehenen nichts ändern dürste. Die Hoffnung auf Erlangung eines eigenen Königs aus dem Haufe Bernadotte ist in Christiama noch nicht aufgegebeu.
Nene Skandalszeneu im Wiener Reichsrat.
Wien, 17. Juni.
Int ReichSrat kam eS gestern wieder zu stürmischen Szenen, hauptsächlich weil die Bemerkungen des Grafen Sternberg viele Abgeordnete zum Widerspruch reizten, während die Mehrheit ihn verhöhnte. Trotzdem reagierte der Graf gegen die Zurufe nicht; er sand auch heute kein Wort der Abwehr, alF Eldersch ihm zurief: „Einen so unflätigen Menschen, wie Sie sind, gibt es gar nicht mehr!" «Sternberg kam auf einen Borwurf zurück, den man ihm betreffs des Etablissements Brady machte, daS er allnächtlich besucht. Er hielt daraus folgende Rede: „Der Brady ist ein Lokal, das selbst Fürstinnen unb Gräfinnen besuchen. Käme der Abg. Schumeier hin, so würde er hinausgeworfen. Er kann nicht von mir verlangen, daß ich mich in Verbrecherspelunken herum- wälze, in denen er wahrscheinlich seine Tage verbringt. Er hat mir vorgeworfen, daß ich von fremdem Gelbe lebe. Tatsache ist, daß ich der einzige Aristokrat in Oesterreich bin, bet arbeitet. (Schallende Heiterkeit/» Ich verwalte ein ungeheures Vermögen, ich rebifliere ganz allein ein Wochenblatt, ich bin Mitarbeiter der größten Zeitungen Europas! (Stürmische Heiterkeit.) Ich mache den Arbeitern keine Abzüge von ihrem Schweiße und nehme keine Judasgroschen." Weiter bemerkt Sternberg, bie Sozial-


