Ausgabe 
19.1.1905 Erstes Blatt
 
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155* Jahrgang

Erstes Blatt.

Amis- und Anzeigeblütt für den Kreis Gießen

Verpflichtungen voll und.

Pli

daher <mch momentan

Donnerstag 19. Januar INO5

Vez«gSvret»r monatlich 75 Pf., viertel»

gegenwärtig die Unterseeboote vom TypProtector" <ge-, baut, ein Teil derselben ist bereits fertig. Ferner wird dort ein Geheim-Mechanismus unter der Leitung eines amerikanischen Monteurs ausgeführt. Tie Fabrik hat auch noch weitere Aufträge der Regierung, die in den nächsten zwei Monaten auszuführen sind. Auch zwei große Ozean­dampfer vom Tvp der Frei Willi gen-Flotte sowie eine An­zahl Torpedoboote und Kanonenboote sind auf dieser Werft im Bau. Am 18. Januar sind auch die Arbeiter der Stieglitzscheu Fabrik, 8000 Mann, in den Aus- stand getreten; sie verlangen den Achtstundentag.

Wie ferner aus Petersburg gemeldet wird, stellten bi£ Arbeitcr der Newa Zwirn -und Flachs«-Manufak« tur-Fabriken, insgesamt 7 000 Mann, gleichfalls" die Arbeit ein. Sie verlangen den Achtstundenarbeitstagz und Lohnerhöhung. Tie Verwaltung der Fabriken erklärte sich zur Lohnerhöhung bereit, verweigerte jedoch die Ver­kürzung der Arbeitszeit, da diese gesetzlich zu regeln fei

Politische Tagesschau.

Parteipolitisches aus dem Reichslande.

Tie liberale L a n d e s p ar tei in Elsaß-Lothrmgen macht dank einer sehr geschickten und energischen Agita­tion ihrer geistigen Führer und Leiter bemerkenswerte Fortschritte im Lande und ihre Organisationsbildung, ent­wickelt sich in einer erfreulichen Weise. Viel trägt hierzu mit bei, daß die Führer und Redner es verstehen, das Parteiprogramm ungemein klug und verständig zu behan­deln und darzulegen, um ihm immer neue Anhänger zu gewinnen. Namentlich zeigte einer der Hauptsührer der Partei, das Landesausschußmitglied Notar Go eI, am Montag in einer zahlreich besuchten öffentlichen Versamm­lung großen politischen Takt und ein einsichtiges Erkennen der Verhältnisse, als er über die vielberedete elsaß-loth­ringische Verfassungsfrage sprach. Bei aller Bestimmtheit und Festigkeit, mit der Herr Goetz die Notwendigkeit einer bundesstaatlichen Gleichstellung Elsaß-Lothringens betonte, erklärte er doch ebenso entschieden und rückhaltlos, daß ore^ liberale Landespartei dabei weder von der Einrichtung einer Republik noch auch von der Schaffung einer M o n - archie mit einer neuen Monarchie etwas wissen' wolle, sondern daß der Kaiser in Elsaß-Loth- ringen Landesherr sei und u(n ter allen Um- standen bleiben müsse! Mit dieser Stellungnahme hat Herr Goetz seiner Partei sehr gedient und zugleich be­wiesen, daß er den klaren Blick für die Anschauungen der denkenden Mehrheit des Landes nicht verloren hat.

Der jRufftant) in PtUlsch-Lüdweiiafrika.

Berlin, 18. Januar. Rach einer Meldung des Generals v. Trotha hat Wilhelm Maharero in Ombaka'io, 25 Km. nord­westlich von Epnkiro, feine Unterwerfung angezeigt, nnd ruckt bereits von Sturmfels beu Omuramba aufwärts dorthin.

Ter Kapitän Zacharias Berana von Otj'mbingue, dessen Unterwerfung bei Owinaua-Naua am 12. Januar gemeldet wurde, sagt über den Verbleib der Kapitäne und Kmeas- leute der Hereros folgendes aus: Als General v. Trotha mit den Abteilungen Estorfs, Volkmann und Mühlenfels auf der Verfolgung ins Sandfeld am 29. Sept. Ossambo- Windimbe, 13 Km. nordöstlich von Epata, erreichte, floh nach dem ersten Schuß Samuel Maharero von einer noch weiter ostwärts gelegenen Wasserstelle aus nach Nordosten: es begleiteten ihn Onania (wahrscheinlich Oanjah der die Hereros bei Okaharui führte, Kajata, Häuptling am weißen Nosob, Michael, Kapitän von Qmaruru: Mutate, David (Sohn Kambazembis von Waterbcrg), Katjahinga, Assa Riarua (Bruder des im Jahre 1896 erschossenen Häupt»- lings Nikodemus und nach zahlreichen Nachrichten der tat­kräftigste und kriegslustige Führer der Hereros) und dev Anhang dieser Großleute mit einigen Pferden, wenig Vieh und vier Wagen. Aber nur wenige Berittene erreichten mit Samuel Maharero Onjainja (Ncinei, auf Blatt Andara der Kriegskarte, 180 Km. nordöstlich von Epata). Tie anderen kehrten aus. Wassermangel nach den letzten Wasserstellen des Eisebflusses um, darunter auch Wilhelm Maharero mit dem Rest der Okahandja-Leute; Pferde, Vieh und Wagen gingen verloren. Salattel, Sohn von Kambazembi von Waterberg, floh nach dem Omuramba, an dem Otjosondu liegt, wobei er den letzten Rest seines Viehs einbüßte. Banjo starb. Zacharias Vcraua selbst kehrte zurück zum Eiscb. Tjetjo, Kapitän der Owambandjoru, und Mambo vom weißen Nosob sind verdurstet; das Vieh und die Kriegsleute sind zersprengt und werden esroßtenteils ver­suchen, vom Sandfeld ins Hereroland zurückzukehren. Nur Wilhelm Maharero hält noch einen Rest gut bewaffneter Okahandja-Leute zusammen, bet denen sich auch Traugott, Sohn von Tjetjo, befinden soll. Ferner sott nach Aussage von zwei Töchtern Kambazembis neuerdings auch Salatiel in der Gegend von Omambonde, 80 Km. nordöstlich von Waterberg, gestorben sein.

zu benutzen, ihre Wünsche durchzusetzen. Vor einigen Wochen chon begannen kleinere Streiks im Centre und im Borinage, wo Lohnverminderungen von 510 Prozent vorgenommeu wurden; allein die großen Vorräte, die auch die belgischen Bergwerksbesitzer unterhalten und die damit verknüpfte Aus- stchtslosigkeit eines Streiks machten, daß die Arbeit ball wieder ausgenommen wurde.

Der Bergarbeiterstreik bringt eine frühere Rede des Kaisers an die Deputation der Zechenbesitzer in Erinnerung. Einzelne markante Sätze haben gegenwärtig ein besonderes Interesse. Der Kaiser ersuchte,sich vor allen Dingen immer vor Augen zu halten, daß diejenigen Gesellschaften, welche einen großen Teil meiner Untertanen beschäftigen und bei sich arbeiten lasten, auch die Pflicht dem Staat und den be­teiligten Gemeinden gegenüber haben, für das Wohl ihrer Arbeiter nach besten Kräften zu sorgen". Bei Meinungs­verschiedenheiten, so fuhr der Kaiser fort, werde seine Unter­stützung den Arbeitgebern wie den Arbeitern in dem Maße zugewendet sein, in welchem die Beteiliaten ihrerseits bemüht seien, die Interessen ihrer gesamten Mitbürger durch Pflege ihrer Einigkeit untereinander zu fördern und vor Erschütte­rungen zu bewahren. Der Kaiser scheint sein damaliges Ver­sprechen halten zu wollen. DerRhein.-Wests. Ztg." ziifolge wurde Kommerzienrat Lil eg aus Oberhai,sen zur Berichterstattung über den Generalstreik heute vom Kaiser telegraphisch nach Berlin geladen.

Die Interpellation über den Bergarbeiterstreik soll am Freitag im Reichstag zur Verhandlung kommen. Graf Poiadowsky hat, als die Interpellation zum erstenmal auf der Tagesordnung stand, mitgeteilt, daß der Reichs­kanzler bereit sei, sie zu beantworten, soweit sie sich nuf die Ausführung von Reichsgesetzen bezieht, und daß die Be­antwortung durch den preußischen Gewerbenunlster, Herrn Möller, erfolgen werde.

Aus Bochiim wird gemeldet: Obwohl besondere Ruhe- stönlngen nicht zu verzeichnen sind, ist im ganzen Bezirk die Polizeistunde meist auf 10 Uhr festgesetzt morden. In den Hagener Eisenwerken macht sich der durch den Bergarbeiterstreik hervorgerufene Kohlenmangel bereits sehr fühlbar.

ganz nachkoi i

nicht der geringste Anlaß vor, an einen unmittelbar bevov^

jährt, ausschl. Bestellg.> Annahme von Anzeigen ür die Tr rsN'immer -'s vo-mittags j ,

Zl.'*ermrers: afn 12:3t* ' abwärts -*'<) Z'z.

Oerantwortl'ch fihe den volit. und

Teil: P. Wittlo; für Stadt und Land" und Gerichts!aal": August Goetz; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

jährlich Mk. 2.20; durch

Abhole- u. Zweigstellen njr monatlich 65 Pf.; durch | v d,e Poft Mk. 2. viertel-

Der Krieg.

Vom Kriegsschauplatz ist heute nichts neues zu melden. Aus den Berichten über die letzten Treffen in der Mandschurei scheint hervorzugehen, daß viele reguläre chinesische Truppen die Russen unterstützen. Die Verluste der Russen bei Lauch i-o westlich von Niuttchwcmg am 14. Januar betrugen 300 Mann. Mischtschenkos Abteilung war 56000 Mann stark mit Geschützen. Nachdem sie bei Niutfchwaug zurückgeschlagen war, zog sie sich nördlich zu­rück. Japanische Kavallerie nahm eine Anzahl erschöpfte Russen bei Lachohse gefangen.

Wie aus Tokio gemeldet wird, sind nunmehr die Vorkehrungen beendet zur Unterbringung von 35000 russisch ein Gefangenen aus Port Artthur unix anderen Orten. 5000 werden in Tengakhaia, 20 000 in Ha- matera bei Osaka untergebracht,, die übrigen werden auf verschiedene Städte in Abteilungen von 3500 bis 4000 Mann, verteilt. Ter russische Leutnant Mirsksi, der in Matsugama in Gefangenschaft sitzt, wird wahrscheinlich auf Lebenszeit gefangen gesetz't, weil er verschiedene. Versuche gemacht hat, zu entkommen.

Laut Mitteilung der Marineverwaltung in Tokio vom 14. Dezember 1904 sind 17 Offiziere und Mann* schäften eines japanischen Torpedobootes bei dem An-- griff auf das russische LinienschiffSewastopol" im' Dafen von Port Arthur umgekommen.

Das russische Geschwader unter Petrowski ist in T s ch i b u t i angekommen. Ter DampferAu str alten^ ist Dienstag abend mit General Stössel, seiner Frarn und 56 5 Russen, darunter 245 Offizieren und Frauen/ von Nagasaki abgegangen.^

Der Kommandant desReschitelnh", Roschtfl.- towsk-i, erhielt für seine bewiesene Tapferkeit den Stanislausorden 2. Kl. mit Schwertern.

Zus» -nd bit *23tfflarbeitet im Wukrgt biet.

Bei der Morgenschicht am gestrigen Mittwoch befanden sich 2 03 Zechen im Streik. Mit Einrechnung der vor­gestrigen Mittagsschicht steigt die Ziffer der Aus­ständigen nach Aufstellung derRhein. Wests. Zeitg." auf 207 241. Es ist also ein Generalstreik ausgebrochen, wie ihn die Geschichte der sozialen Kämpfe in Delltschland noch nicht erlebt hat.

Wie es heißt, hat zu der V e rh a n d l u n g heute, Donners­tag, zwischen den Regie r un g svert re tern und den Arbeiter delegiert en, der bergbauliche Verein ebenfalls eine Einladung erhalten. Dem Verein für die Bergbau­lichen Interessen wird es angesichts der anhaltenden Be­mühung der Regierung sehr schwierig sein, auf jene Ein­ladung eine andere als eine zusagende Antwort zu erteilen. Die Konferenz des Oberpräsidenten Rasse mit dem Re­gierungspräsidenten Schreiber und dem Oberbürgermeister Zweigert stellte fest, daß km Gebiet von Essen die Lage zu keiner Beunruhigung Anlaß biete und daß weder eine weitere Verstärkung der Gendarmerie, noch gar Entsendung von Militär notwendig sei. In den letzten Tagen sind überall im Streikgebiet unorgani­sierte Arbeiter zu Tausenden in die Gewerkvereine eingetreten, um der Streikunterstützungen teilhaftig zu werden. Die Ruhe ii't iln ganzen Streikgebiet vollkommen. Das Wetter ist wesentlich wärmer geworden.

In Langendreer wurde heute eine Versammlung von Bergarbeiterfrauen polizeilich verboten, weil in der letzten Versammlung eine Frau, die die anderen aufgesordert hatte,-lieber zu beten, statt zu streiken, von anderen verhöhnt worden war.

In den großen belgischen Kohlenzentren ist, wie aus Brüssel gemeldet wird, bis jetzt alles ruhig, wenn auch der Streik der Arbeiter im Ruhrgebiet mit größter Aufmerk­samkeit, namentlich von den Arbeiterführern, verfolgt wird. Versammlungen haben noch keine stattgesunden, da biß zum Augenblick der noch nicht offiziell der belgischen

-3ergarbeiterförderation von ihren deutschen Kameraden mit* geteilt worden ist. Sollte der Streik anhalten, und sich hier- i>urch die deutschen Kohlenvorräte erschöpfen, so ist es nicht unwahrscheinlich, daß die belgischen Bergarbeiter ^benfalls in den Streik eintreten, um so die Gelegenheit

Streik in Mnßland.

Tie A r b e i t e r der 9t e w s k i - S ch i f f s b a u a n st a l t, 12 000 an der Zahl, haben, wie aus Petersburg gemeldet wird, den Beschluß, heute am 18. d. M, in den Aus­stand zu treten, gestern nacht in der Versammlung ge­faßt, die zur Unterstützung der Forderungen der Arbeiter der Pu til o tusch en Fabrik und der französisch- russischen Werke abgehattru wurde. Ter Stadtharcpt- mann erschien bei bett Arbeitern der Schiffsbau an statt und redete ihnen zu, sich ruhig zu verhalten. Ter Direktor der französisch-russischen Werke hatte am Dienstag den Arbeitern einige Zugeständnisse gemacht, nun erklärte er plötzlich^ er rönne keinerlei Zugeständnisse machen nnd müsse auch me bereits eingeräumten zurückziehen, weil er sie ohne Zu­stimmung des Stadthanptmanns gemacht habe. Die Newski Fabrik ist in letzter Zeit infolge starker Regnrungs- aufttäge in glänzender geschäftlicher Lage, dort werden

GiehenerAnzeiger

Genera!-Anzeiger

Eine Minifterkrisis in Baden?

Die immer wieder aufs neue auttauchenden Gerüchte von einer bevorstehenden Acnderung im badischen Staats- ministerium sind darauf zurückzuführen, dnß im Sommer letzten Jahres der derzeitige Staatsminister vow Brauer selbst von "seinem bevorstehenden Rücktrtit wiederholt gesprochen hat. Wir zweifeln, so schreibt die S. W. K.", auch nicht daran, daß Herr v. Brauer auch heute noch geneigt ist, je eher je lieber den aufreibenden Posten als verantwortlicher Staatsminister, EisenbahnmMinister und Ratgeber des Moßherzogs mit der angenehmen Muße am schönen Neckarsirand zu vertauschen, wo er völlig (einer -Gesundheit leben kann; aber ebenso sicher ist, daß Herr v. Brauer in einem Umfang, Wie keiner seiner Vorgänger das Vertrauen des Landesherrn genießt und nur unter ge­wissen Voraussetzungen, die aber heute nach keiner Richt­ung hin vorliegen, seines jetzigen Postens enthoben werben wird. Außerdem kommt hinzu, daß sich, die gesmidheit^ lichen Verhättnisse des Staatsministers in recht erfreu­licherweise gebessert haben, sodaß er in diesem Winter jcuictt dienstlichen und g * " ' r ' «^**«** Knt1

Die Demission des Ministeriums ßomöes.

Eombes und sämtliche Minister begaben sich am gesttigen Mittwoch um 11 Uhr nach dem Elysee, um dem Präsidenten der Republik ihre Temis'sioA zu über­reichen. Tie Abschiedsunterhaltung dauerte dreiviertel Sttmden. Eombes zeigte sich beim Verlassen des Elysee sehr frisch und heiter. Ter Präsident L o u b e i hat die Demission Des Ministeriums angenommen und die Minister ge­beten, die Geschäfte fortzuführen bis zur Ernennung der neuen Regierung. Der Demissionsbrief Eombes lautet:

Ich habe die Ehre, meine Demission als Ministerpräsident zu Äberreickien, zugleich mit derjenigen meiner Kollegen. Nicht ohne ein Gefühl tiefen Bedauerns sehe ich mich gezwungen, auf die vollständige Verwirklichung eines Programms von sozialen Re­formen zu verzichten, welches in allen Verhältnissen und in allen Umständen die ausdrückliche Zustimmung der republikanischen Mehr- Heit in beiden Kammern erhalten hat. Wer die Ziffer dieser Mehrheit ist bei der letzten Wstimmung in der Devutiertenkammer herabgefunken, so daß es mir nicht mehr erlaubt ist, auf eine glückliche Durchführung dieses Programms zu hoffen. Snt 18 Monaten sehe ich gegen mich eine Koaliton von unschuldigem Ehrgeiz und von klerikalem und nationalistischem Hasse. Jene Ehrgeizigen sind von diesen Klerikalen mit heißer Ausdauer unter­stützt worden und haben alles ins Werk gesetzt, um dm Block zu zerreißen, welcher von den Parteien der Linken gebildet war, und die Mehrheit sckwittweise zu zerstückeln. Das ist ihnen schlicß- sich mich gelungen. Schon im März vorigen Jahres wäre es di^im Verbündeten beinahe geglückt, durch die berüchtigte und heimtückisch Dorgebrachte Interpellation die Veratuirg über das Gesetz zur Unterdrüaung des Kongregationsunterrichts schroff ibzusckmeiden, und es bat nickt von ihnen abgehangen, daß _btf .385 männlicken und Weiblicken Unterricktsorden, welche von djestm Gesetze betroffen wcrdm, nickt N'r Auflösung entgangen sind Sie ckab^n seitdem nichts vernachlässigt, um die Einigkeit der Linken zu breck'en und die Zahl der Dissidenten im republikanischen Lager zu mehren. Ich habe Fuß an Fuß gegen ihre Manöver angekämvst. ahne Ermüdung und ohne Schwäche. Wenn ich nur mein eigenes Gefühl zu Rate ziehen würde, so würde ich den Kampf gerne fort- setzen, u.nd ich wäre gewiß, daß ich trotz des Abfalles einzelner, Personen in dieser Mehrheit das republikanische Frankreich auf meiner Seite habe. Es ist aber leicht zu erkennen, daß ich der Gefahr ausgesetzt bin, infolge eines Zwischenfalles in einer Kammersitzuna Mötzlich in Minderheit versetzt zu werd n Damit würde das politische Proaramin der Negierung selbst in Mitleiden­schaft gezogen werden. Ich habe deshalb nach der Abstimmung vom letzten Samstag, welche nochmals feierlichst das Programm des Ministeriums bestätigt hat, beschlossen, meine Demission zu geben. Die Mehrheit ist auf eine kleine Zahl gesunken, aber, sie ist nichtsdestoweniger die Mehrheit geblieben und sie repräsentiert im konstittitionellen Sinne den Willen des republikanischen Landes. Tie Entscheidung der Mehrheit, welche für die Regierung von gestern gestimmt hat, wird es auch für die zukünftige Regierung jein. Trotz der anmaßenden Hoffnung der klerikalen und.natio- ualistischen Reaktion habe ich das Verttauen, daß die Einigkeit der republikanischen Parteien bestehen bleibt, zur Verteidigung und zur Fortsetzung des Werkes der geistigm Vefteiung, des sozialen Fortschrittes und der Annäherung der Völker, welche mein Mini­sterium vollbracht hat, im Einvernehmen mit der Mehrheit der republikanischen Pattei und gestützt auf deren Einigkeit. Ich vertraue, daß das republikanische. Land diese Mehrheit stärken wird in diesem kritischen Augenblick.

Ter Brief schließt mit einem Dank cm den Präsidenten, 6er dem Ministerium stets s^in WaUwotten bewiesen habe.

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FernsprechanscdlußNr.51.