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18.9.1905 Zweites Blatt
 
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t em IS jähriges Mädchen ches die Alicelchule bejucbG [, in einer guten Familie nn ladjjcnen Tochlern. M Herten mit Preisangabe an . Sögel, Staden (feeiieiaiO.

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Nr. 219

Zweites Blatt

Montag 18. September 1905

siebener Anzeiger

Redaktion, Expedition a. Druckerei! Schulst», f* Tel. Nr. 6L Lelegr^Adr., Anzeiger öit&cn.

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'lch« UnwersttütSdruckeret. UL Sange, Stetz«.

155. Jahrgang

®r1*ttet WtzliÄ mit vuSncchme de» Sonntags.

Dt«CkÖenet Satnilienbläftef werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der £aaö®lrt" erscheint awnoUich einmal.

General-Anzeiger, Amts- Md AnzeigedlM für den Ureis Gießen.

Hine AigarettenfaöriKatstcuer.

Die in Berlin W. 35 erscheinendenVereinigten Tabak- Zeitungen" schreiben in ihrer Nummer vom 16. September u. a. folgendes:

Von den systematisch vorgenommenen Beunruhigungen konnte auf die Dauer die Tabakbranche nicht verschont bleiben. Unwille darüber und Ängst vor der Zukunft machen sich denn auch überall bemerkbar und wirken ans alle Geschäfte höchst lahmend. So wird u. a. vom Hamburger Tabakmarkt ge­schrieben:

Daß dadurch da? ganze Gewerbe leidet und eine nach langer Untätigkeit kaum erwachte Belebung der deutschen Märkte im Keime erstickt wird, liegt in der Natur der Sache; e8 baden sich unzweideutig Bedarf und mehr Unternehmungslust vordem gezeigt, und halten wir cS für unverantwortlich von der Regierung, daß sie systematisch eine große und über das ganze Reich verbreitete Industrie beunruhigt, zumal sie selbst nicht im Zweifel darüber sein kann, daß im gegenwärtigen Reichstage eine Mehrheit für Erhöhung dc§ Zolles auf ausländischen Tabak ebne gleichzeitige Erhöhung der Steuersätze auf inländischen Tabak nicht zu haben ist, weil sonst eine Mehreinnahme sür daS Reich absolut illusorisch wird."

Wer erinnert sich nicht noch der für daS große deutsche Labakgewerbe geradezu skandalösen Umtriebe gegen den Tabaktrust", jener systematischen Verhetzung, die von einigen wenigen Dresdener Zigarettenfabrikanten ausging und die in der Folge sich ztt einer noch nie dagewesenen Beun- nthigung des gesamten Tabakgewcrbes auswuchs, derart, daß neben dem Dresdener Zigarettenverein alle Vereinigungen der Zigarrenhändler, -Fabrikanten und Rohtabakhändlcr und die gesamte Tabakfachprcsie mit einem Eifer gegen denFeind" zu Felde zogen der in Wirklichkeit für Deutschland gar nicht existierte. Im wütenden Kampf gegen denäußeren Feind" übersah man gänzlich, daß man eS in Wirklichkeit mit einem viel gefährlicheren, deminneren" Feind zu tun hotte. Niemand war sich bewußt, daß die ganze große, un­gemein kostspielige Kriegführung lediglich auf die Hasenangst, den unglückseligen Konkurrenzneid einiger weniger Zigaretten- fabrikanten zurückzuführen war; mit vollen Segeln fuhr das gesamte Tabakgewerbe im Fahrwasier jener Konkurrcnzneider, und je mehr Geld für Antitntstdrucksachen, Abhaltung von Versammlungen und Umherfahren von Wanderrednern ge­opfert wurde, umsomehr lachten sich die Hintermänner ins Fäustchen, die nur von dem einen Gedanken beseelt waren: Die unbequeme Konkurrenz zu Boden zu schlagen.

Erst im April d. I. sind Dresdener Zigarettcnfabri- kanten wieder beim Reichsschahamt und beim sächsischen Finanzministerium dringend vorstellig geworden, eine Er­höhung deS bestehenden Zigarettenzolles von 270 Mk. für den Doppelzentner um das Vierfache vorzunehmen. Dieses eigenmächtige Vorgehen einzelner Mitglieder deS Deutschen Tabakvereins hat in der letzten Generalversammlung dieses Vereins mit Recht Unzufriedenheit hervorgerufen. In der Tat findet man für daS unüberlegte Handeln einer kleinen Gruppe von Tabakinteresienten keine Worte.

Die Folgen solcher Handlungsweisen konnten natürlich sticht auSbleiben.

Waren schon die in aller Oeffentlichkeit sich abspielenden sinnlosen Treibereien gegen denTabaktrust" dazu angetan, die Freunde von Tabakstettererhöhungen auf unsere Branchen besonders aufmerksam zu machen, so war die von Dresdener Fabrikanten direkt beantragte Zollerhöhung in noch viel höherem Maße geeignet, ihnen zu einem langen Schnitt Lust zu machen.

Dazu scheint es denn nun auch kommen zu sollen, wenn man einer Nachricht trauen darf, die augenblicklich die Runde durch die Tagespresie macht und die reichen Anlaß zu weiteren Beunruhigungen bietet.

Es wird nämlich behauptet, das Reichsschatzamt habe nach sorgfältiger Prüfung der Sachlage mit namhaften Führern des Zentrums und des rechten Flügels der national- liberalen Partei Fühlung genommen und sei bezüglich der Einnahmen aus dem Tabak zu folgendem Entschluß ge­kommen :

Ta die deutsche Zigareitenindustrie seit Jahr und Tag eine Erhöhung deSZigarettenzollesaur daSVier fache des bestehenden Satzes von 270 Mk. für den Doppelzentner erstrebt und Zigarettenfabrikanten erst int April d. I. sowohl beim Reichs- schatzamt, als auch beim sächsischen Finanzministerium in Dresden dahin vorstellig wurden, auch gewichtige Stimmen sich gegen die Trustvorgänge erheben, welcher in dieser Industrie einen geeigneten Nährboden an allen in der Zigarettenlabrikation hervorragend be­teiligten Ländern finden, so wird diesem Wunsche der heimischen Zigarettenindustrie in der neuen Vorlage entsprochen werden. Außerdem wird eine V a n d e r o l st e u e r teils nach russ., teils amerikanischem System aus deutsche und ausländische Zigaretten gelegt werden. Man schlägt 2,50 Mk. für das Tausend vor. Da die Raucher der Zigarette in Deutschland sich ihre Zigaretten osi selbst Herstellen, wird eine Z iga rette nvapier-Stempel- steue r nach griechischem und früheren russischem System geplant. Im Reichsschatzamte werden die Erträge dieserZigaretten- 'uxus steuer" auf 18 Millionen bewertet."

Einen solchen AuSgang ihrer Agitation haben sich die dresdener Zigarettenfabrikanten nun wohl schwerlich träumen lassen. Das ändert aber leider nichts an der Tatsache, daß man sich im Reichstage sehr eingehend mit dem deutschen Tabakgewerbe beschäftigen wird. Viel Gutes kann dabei diesmal für daS letztere nicht herauskammen. Wir sehen schon im Geiste einige Abgeordnete das Dresdener Leiborgan in der Luft schwingen und hören sie den Verfechtern unserer gerechten Sache entgegenschleudern:Aber waS wollen Sie tenn nur; hier beklagt einFachblatt" aufs tiefite, daß die deutsche Zigarettenindustrie einen ungenügenden Zollschutz hat. ilußerdem steht da schwarz auf weiß und rot umrandet zu Wen, daß nach dem Urteil von Augenzeugen in den ägyp- ischen, russischen und anderen auswärtigen Fabriken unter «l>r viel Schmutz gearbeitet wird. Erhöhen wir also ruhig >en Eingangszoll, damit die deutsche Zigacettenindustrie diese

lästige Konkurrenz loS wird; die Bandcrolsteuer wird sie dafür gern und freudig tragen!"

Man sieht, wohin daS deutsche Tabakgewerbe kommt, wenn der Tabakoerein einzelnen Mitgliedern auch weiterhin gestaltet, auf eigeae Faust zu operieren. Denn daß Freiherr v. Stengel mit einer Einnahme aus dem Tabak von vielleicht 10 Millionen Mark (nicht 18 Millionen, wie er meint) sich zufrieden geben sollte, rd wohl niemand ernstlich glauben, am allerwenigsten Herr v. Stengel. Es wird also versucht werden, die Steuerschraube noch weiter anzuziehen und als nächstes Objekt wird man sich die Zigarre ausersehen.

Dann werden die Zigarrenfabrikanten den Dresdener Zigarettensabrikanten, für die sic auS der Deutschen Tabak­vereinskasse ganz niedliche Sümmchen hervorholten, um sie vor demTabaktrust" zu retten, in dankbarer Erinnerung an die diesjährige Vorlage die Hand schütteln können.

Wenn dann wirklich die vielberbeigesehnte Einigkeit zu stände gekommen sein sollte, dürfte es auf jeden Fall zu spät sein.

*

Zu der Besteuerung der Zigareltenindustrie meldet die Südd. Tabakztg." soeben aus Dresden, daß sich der Ver­band der deutschen Zigarettenfabrikanten in einer Versammlung gegen jede Besteuerung der Zi- garettenindu strie ausgesprochen hat.__________________

Politische Tagesschau.

AlgcciraS.

Ms Sitz der Marokkokonferenz ist, Reuters Ver­nehmen nach, das spaniscye Städtchen 'Mgeeiras gewählt worden. Der Zusamm Zutritt erfolgt voraussichtlich Ende Januar.

Man darf hoffen, daß die abergläubischen Marokkaner in der Geschichte ihrer Vorfahren nicht allzu bewandert sind. Sonst könnten sie eine böse Vorbedeutung darin erblicken, daß die europäischen Diplomaten sich für ihre Beratungen über die Zukunft des marokkanischen Reiches gerade einen Ort ausgesucht haben, an den sich für dessen Vergangen­heit unerfreuliche Erinnerungen knüpfen. Mgeeiras ist ein am Meerbusen von Cadiz gelegenes Städtchen, zählt etwa 14 000 Einwohner und besitzt einen Hafen, dessen Befestig­ungen sich hauptsächlich gegen die des nahen Gibraltar richten. Ten heutigen Spaniern besagt der Name wohl kaum mehr viel, obwohl ihr Herrscher unter seinen zahl­reichen Titelt! auch den einesKönigs von 'Mgeeiras" führt, er nennt sich freilich auchKönig von Gibraltar". Für die Mauren war Mgeeiras fange der Schlüssel zum Besitze Spaniens. Erst am 21. März 1334 gelang es König Mfons XI., Algeciras nach 20monatiger Belagerung einzunehmen. Einen 'Ahnherrn unter den Kämpfern von Mgeeiras ge­habt zu haben, blieb jahrhundertelang der Stolz so manchen ritterlichen Geschlechts. Nach der Erstürmung der Stadt zerstörte der König alle maurischen Gebäude und die Festungswälle. Und man darf sagen, daß das erst später zu Ende geführte Merk der Vertreibung der Mauren von der iberischen Halbinsel an jenem Tage und in Mgeeiras entschieden wurde. Eigentlich hätten die Marokkaner also allen Grund, als Nachkommen der Besiegten von dazumal die Wahl von Mgeeiras als ominös zu betrachten.

Die Verhandlungen in Karlstad zwischen den Delegierten Schiredens und Norwegens haben zu einem beide Teile befriedigenden Re - f u l t a t geführt. Das BlattVcrdensgang" veröffent­licht in einem längeren Mtikel, der die ÜebersrchiftBot­schaft trägt, ein offizielles Communigue und gibt m präg­nanter Form der Stimmung'Ausdruck, welche der Skusgang der Verhandlungen bei der Bevölkerung hervorgerufen hat. In dem Artikel heißt es:

Die Verhandlungen zu Karlstad hoben zu einem Uebereinkommen und zum Frieden geführt. Das Ergebnis wird von dem überwiegenden Teile beider Völker mit der größten Befriedigung ausgenommen werden. Die ganze zivilisierte Welt wird es mit un­verhohlener Sympathie begrüßen, daß die beiden nordi­schen Völker einen so ernsten Konflikt gelöst haben, wie es Nationen der Kultur geziemt. Nie ist ein derartiger Streit in einer solchen beide Teile zn.friedenstellenden Weise gelöst worden. Man muß berücksichtigen, daß erst wenige Monate vergangen sind, seitdem wir den Weg der Selbständigkeit mutig betreten haben, ein Weg, von dem viele glaubten, daß er in den Mgrund führen werde. Nun ist aber alles so ruhig und schön verlaufen, daß wir zuweilen gar nicht glauben konnten, daß es sich um derart großen Begebenheiten handelt. Kein Tropfen Blut befleckt diese Scheidung, welche jetzt vollzogen wor­den ist. Die Trennung geht derart vor sich, daß nach unserer Ueberzeugnng auch in Zukunft die beiden po­litisch getrennten Völker zusammen halten und zu ihrem fruchtbaren Gedeihen zusammen wirken wer­den. Norwegen kann auch in Zukunft an der Seite des ihm verwandtschaftlich nahestehenden Schweden hinleben ganz so wie früher. Das nunmehr begonnene Werk der Selbständigkeit wird Norwegen ruhig fort­setzen. Dankbar gedenken wir zunächst derjenigen Männer, welche die Verhandlungen zu solchem Ende geführt haben.

Das Resultat der Verhandlungen ist im einzelnen nocki unbekannt und wird auch wohl nicht ganz so sein, wie es sich die Norweger gewünscht haben. Sicher aber ist, daß es dem entspricht, was zu erreichen war und daß es weder die Würde Norwegens kränken, noch ihre Selbständigkeit schmälern wird.

Russische Neuigkeiten.

Die kaiserliche Familie siedelt nach Zarskoje Selo Über, da der größte Teil von Peterhof noch unter Wasser steht. Die Ms'hrtszeit steht jedoch noch nicht fest, da bei ungünstiger Witterung die Reise verschoben wird.

Die Polizei von Odessa verhaftete zwei Französinnen, die revolutionäre Schriften einschmuggeln wollten. An

Bord des Dampfers wurde eine große Anzahl FluK- schriften revolutionären Charakters aufgesunden.

In. S e w a st o v o l wurden zwei Matrosen desPoteiw fin" hingerichtet, bei einem Dritten wurde die Todesstrafe in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt.

In Riga herrscht w-gen mordung und Beraub­ung zweier jüdischer Arbeiter .eoße. Erregung. Der ver­haftete Mörder ist angeblich ein Littauer.

Von Tataren wurde der Hauptredakteur des Journals von V a ku e r m o r d e t. Die Agitatoren terrori- fieren die Mitglieder bAt Redaktion fortwährend und be­drohen sie mit dem Tode.

Die Ermittelungen im Fall Kasprzak, die von bet deutschen ReichSregierung auf ' von den sozialdemokra­tischen Abgeordneten erhobenen \ o' est eingeleitet worden find, haben, wie dieTägl. Rundsch." hört, ein greifbares Ergebnis gehabt. Das deutsche Generalkonsulat in Warschau hat festgestellt, daß der Generalgouverneur von Warschau nach russischem Rocht gesetzmäßig gehandelt hat, wenn er den mehrfachen Mörder hinrichten ließ: denn das russische Strafrecht schreibt vor, daß die rechtlichen Konse- aueuzen des Belagerungszustandes begonnen haben. So er­klärt sich auch, daß Kasprzak selbst, noch sein Verteidiger Protest gegen dieses Verfahren erhoben haben. Ob der Generalgouverneur berechtigt war, die Weitergabe des Kassationsgesuches des Verurteilten abzulehnen, steht nicht mit gleicher Sicherheit fest. Nur soviel konnte ermittelt werden, daß es gesetzliche Bestimmungen hierüber nicht gibt, daß sich vielmehr eine "Art Gewohnheitsrecht herausaebildet hat, so zwar, daß der Gouverneur hierin nach diskreditio- närem Ermessen verfahren konnte. Lediglich auf diesen Punkt erstrecken sich die zwischen beiden Staaten ein gen leiteten diplomatischen Verbau olun gen.

Parteitag der sozialdemokratischen gartet Deutschlands.

(Unberechtigter Nachdruck verboten.)

H. F. Jena, 17. Se'pt.

Vor dem Volkshause erhobt sich eine rot drapierte Ehrenpforte. In der Mitte flattert eine rote Fahne, auf der aus der einen SeiteWillkommen", auf der anderen SeiteDurch Kampf zum Sieg" zu lesen ist. Der Saal, mit roten Emblemen geschmückt, und die weiten Galerien finbi lange vor Beginn Kopf an Kopf gefüllt. Inmitten ber in Grün emgehüllten Rednertribüne erhebt sich die Büste von Karl Marx. Das Podium ist mit rotem Tuch ausgeschlagen. Journalisten sind aus Deutschland, Oesterreich, Rußland, Polen, Belgien, Schweiz, Holland, Frankreich und England! in großer Zahl anwesend.

Eröffnung.

Nach einem Gesang des Ieuaischen Mrbeiter-Sönger- vereins begrüßte der Vorsitzende des Lokalkomitees, Schlosser, Leber-Jena, den Parteitag. Professor Abbe sei eS zw danken, daß den Arbeitern dieser Saal zur Verfügung! stehe. Abbe sei nicht eingeschriebenes Mitglied ber sozial­demokratischen Partei gewesen, sein Herz schlug aber für die Unterdrückten und Ausgebeuteten. Abbe gehörte zmnj mindesten seiner Gesinnung nach zur Sozialdemokratie.. Wenn bei der letzten Wahl nur ein Häuflein der National- Sozialen für den sozialdemokratischen Kandidaten gestimmt hätte, bann wäre in Jena ein Sozialdemokrat gewählt worden.

Abg. Bebel

wies darauf hin, daß er schon vor 36 Jahren in Jenck eine Agitationsversammlung abgehalten habe. In dieser waren fast nur Professoren und Strrdenten anwesend. Im nächsten Jahre werden es hundert Jahre fein, seitdem das alte Preußen bei Jena in Trümmer geschlagen worden fei. Die Ursache dieser Niederlage war die furchtbare Feig­heit des preußischen Junkertums. Dir Nieder­lagen von Jenasund Auerstedt hatten den Frieden von Tilsit zur Folge. Man hätte meinen sollen, die preußische Mon­archie hätte sich der schweren Zeit erinnern und sich auf das Volk stützen sollen. Aber was wäre eine Monarchie' ohne Adel'? Das preuß. Volk erhielt wohl schließlich eine Verfassung, aber an die Spitze wurde das preußische Herren­haus gestellt. Noch bis auf den heutigen Tag herrsche in Preußen und Deutschland das Junkertum. Zur Zeit des vorjährigeu Parteitages tobte auch ber Krieg zwischen dem großen Rußland und dem kleinen Japan. Die: Sympathien der Parteigenossen waren und sind noch heute auf Seiten Japans. Zur allgemeinen Freude erhielt das mächtige Knutenregiment Schlag auf Schlag. Durch diesen Krieg haben sich die Machtverhältnisse in Europa ganz wesentlich verschoben. Der Zweibund zwischen Frankreich und Rußland ist in Trümnrer gegangen. Dunch die Unge­schicklichkeit unserer Staatsmänner ist ein neuer Zweibund zwischen England und Frankreich gegründet worden. IM Auslände, selbst unter Sozialdemokraten, sei die feste An­sicht verbreitet gewesen, Deutschland habe die Ab­sicht, Frankreich zu üb er sollen. Die Befürchtung fei vollständig unbegründet. Mein ber Gebanke wucherte trotz allebem weiter unb Deutschland sei dadurch in eine gänzlich isolierte Lage geraten. Denn Rußland, vor dem Deutschland noch heute auf dem Bauche rutsche, lasse sich alle Liebenswürdigkeiten gefallen, und verlange nach ber Herrschaft am Bosporus?, sowie nach dem Besitz der Weichsel und ber Memel. Er (Redner) werde Gelegenheit nehmen, sich über diese Zustände mit dem Fürsten Bulow int Reichs­tage noch weiter zu unterhalten. (Lebhafter Beifall.)

Zustande im Innern.

Aber auch im Innern eichen die Reaktionäre immer unverschämter ihr Haupt. Die Junker herrschen nach wie vor, und das Unternehmerirlm werde immer rücksichts­loser. Mau siehe vor dem Berge und gegen das Heber* schreiten des Berges türmen sich die größten Hindernisse. Deshalb müsse die Partei alle ihre Kräfte aufbieten, um auch den letzten Proletarier zu gewinnen, um mit einer einheitlichen Phalanx den Kampf gegen die zahlreichen Feinde des Volkes mit Erfolg führen au können. Wer da hoffe: Der Parteitag werde für bie Partei ein Jena